Autor Thema: alles ganz gemütlich und ohne Stress bitte, ich lauf ja schon...  (Gelesen 13929 mal)

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Offline RondoTopic starter

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Hallo alle zusammen,
vielleicht habt ihr ein paar gute Tipps für mich. Mein Rondo ist so faul...

Bisher war das alles kein Problem für mich, doch seit ein paar Wochen habe ich angefangen Reitstunden zu nehmen und da wird mir das Problem erst richtig bewußt. Ich erzähl euch erst mal die Vorgeschichte...

Mein Rondo kam vor ca. 3 Jahren zu mir. Davor war er bei einer Frau mit 2 Kleinen Kindern. Arbeiten war also nicht, gemütlich ins Gelände gehen. Auch ich bin ein Freizeitreiter und gehe am liebsten ins Gelände. Am Anfang mit großen Problemen, er wollte alleine nicht vom Hof und hatte vor allem Angst. Egal ob Spaziergänger, Fahrrad oder Traktor... Das haben wir alles hinbekommen  :D

Doch leider verknackste Rondo sich seinen Fuß und musste ihm wurden einige Wochen Boxenruhe erteilt. Der Fuß wieder gut fingen die Probleme erst an - Spat. Auch die OP haben wir gemeistert und die Zeit danach auch geschafft. Mein TA hat immer gesagt ich soll ihn laufen lassen wie er mag. Wenn ihm das traben Spaß macht soll er traben, möcht er galoppieren darf er das auch. Vielleicht habe ich das auch einschleichen lassen. So klappte ja immer alles... (OP jetzt 2 1/2 Jahre her)

Meine beste Freundin hat auch ein Pferd und vor ein paar Wochen angefangen mit Reitunterricht. Klar da bin ich dabei! Total motiviert... Nur Rondo nicht  :-\ Jeden Schritt muss ich treiben und er ist immer noch zu langsam. Er ist so abgestumpft dass weder eine Gerte noch die Sporen helfen  :'(

Letztens habe ich die Reitleherin selber reiten lassen. Sie war begeistert, sie meint er kann so viel und ist mit Sicherheit L gelaufen. Auch sie kam ordentlich ins Schwitzen, aber wenigsten lief er etwas flotter als bei mir. Meine Beimuskulatur muss sich wohl erst noch aufbauen  ;)

Ihre Vermutung ist dass er die Lust verloren hat, vielleicht in seiner Vergangenheit arg getritzt worden, zu viel gefordert. (Herkunftland Tschechei)

Wie bekomme ich ihn wieder wach? Wie findet er wieder Spaß am laufen? Ich versuche gerade jeden Tag etwas anderes zu machen. Mal longieren, mal spazieren gehen, alleine ausreiten, gemeinsam ausreiten, arbeiten auf dem Platz... Einen Ruhetag hat er natürlich auch.

Auch im Gelände läuft er langsam vor sich hin. Nur wenn mehrere Pferde dabei sind ist er aufgeweckt und flott unterwegs, da erkenne ich ihn gar nicht mehr...

Schmerzen hat er keine, der Sattel passt auch. Ich glaube wirklich ihm fehlt die Motivation.

Wer hat mir ein paar Tipps?

LG Marion & Rondo
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Conte de Buffon

Offline Frau Peh

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Jeden Schritt muss ich treiben und er ist immer noch zu langsam. Er ist so abgestumpft dass weder eine Gerte noch die Sporen helfen  :'(
Ich stell mal die gewagte These auf: er ist so langsam WEIL du jeden Schritt treibst. Wenn eh bei jedem Schritt getrieben wird, was will ihm das dann noch sagen?

Meine Beimuskulatur muss sich wohl erst noch aufbauen  ;)
Sorry, aber das ist quatsch. Reiten ist kein Kraftsport.


Mein Pony war zu Beginn unseres Unterrichts beim jetzigen RL auch seeehr triebig und schenkelresistent (unbemerkt selbstverschuldet von mir, auch ich hatte mal gelernt, dass man jeden Schritt treiben soll). Du siehst also, du bist mit dem Problem nicht alleine.  ;) Durch hartnäckige Konsequenz mir selbst gegenüber haben wir die Sache mittlerweile soweit verbessert, dass Herr Pony auf leichte Schenkelhilfen wirklichen Einsatz zeigt. Wichtig ist wirklich, mit dem Schenkel nur EIN Mal anzufragen (und das ohne einen Höllendruck auszuüben) und wenn dann nix passiert, dann kommt die Gerte. Und zwar vehement, wenn's sein muss. Wenn dein Pferd dann losschießt, auf gar keinen Fall ausbremsen, sofort totloben und ruhig wieder in die ursprüngliche Gangart zurückgehen. Und dann das ganze nochmal versuchen. Bei den meisten Pferden reicht es, das einfach mal ein paar Tage konsequent beizubehalten (konsequent vor allem sich selbst gegenüber, man glaubt gar nicht, wie sich die angewöhnte Dauer-Treiberei verselbständigt). Besteh bei jeder Hilfe, die du gibst, auf eine DEUTLICHE Reaktion! Dann brauchst du nämlich sehr bald sehr viel weniger "Einsatz". Dein Rondo wäre das erste Pferd, das das nicht lernt!  ;)
Ich wünsch euch viel Erfolg!  :)
« Letzte Änderung: 09.04.08, 08:34 von Frau Peh »

Offline Frau Peh

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 :D ich seh grad, du kommst auch aus der Stuttgarter Ecke! Guck doch mal in unserer Stuttgart-Box vorbei: http://www.agrar.de/pferde/forum/index.php?topic=28438.270

Offline Orion

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Rondo,

wichtig ist, das du jede positive Reaktion auf deine Hilfe belohnst. Also treiben, wenn das Pferd reagiert, Schenkel und Sitz ruhig, Zügel nachgeben (nicht wegschmeissen) und loben. Wenn das Pferd wieder langsamer wird, wieder Zügel aufnehmen und treiben. Das ist positive Verstärkung.

Wenn du durchgehend treibst, ist das für das Pferd kein Unterschied, ob es langsam oder schnell läuft. Und die "Gewerkschaftsmitglieder" entscheiden sich dann fürs langsam laufen. Das Ergebnis ist dann eine Desensibiliserung auf deine treibenden Hilfen. 

Es ist ein Irrtum zu glauben, je stärker die Hilfen, desto schneller das Pferd. Die Hilfe ist ein Komando, und man muß nicht "brüllen" um gehört zu werden. Das Pferd muß aber verstanden haben, das gehorchen sich lohnt.

Du kannst das ganze auch vom Boden unterstützen, Stichwort "Sensibilisierung". Oder mal ein paar Stangen hinlegen zur Abwechslung.

Gruß

Orion

Offline carola

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Ich würde das ganze vor allem auch gleich im Gelände mal anfangen und insgesamt konsequent umsetzen. Also auch im Gelände kein Geschlurfe und Geschleiche, Trab heißt Trab und Galopp Galopp. Schritt ordentlicher Schritt. Ich neige auch zum Zuviel-Treiben und mein Pferd reagiert wie Rondo. Inzwischen haben wir uns beide schon wesentlich gebessert, und mein Pferd ist reaktionsfreudig und flott.
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Offline Frau Peh

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Zitat
Also auch im Gelände kein Geschlurfe und Geschleiche, Trab heißt Trab und Galopp Galopp. Schritt ordentlicher Schritt.
DAS meinte ich mit ekelhafter Konsequenz sich selbst gegenüber.  ;D

Offline donau

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ich schliesse mich mal carola und frau peh an- das wichtigste ist, DU bestimmst das tempo, nicht das pferd. das problem hier ist sozusagen die umkehr des durchgehens, nur ist man da weniger konsequent, weil´s nicht gefährlich ist (im gegensatz zum durchgehen). die kontrolle liegt aber trotzdem beim pferd.

ich hab ja auch so eine kandidatin, die viel "mitreden" darf, weil viel und lange krank gewesen, und ich daher schon auch schau, was kann sie leisten, tut ihr was weh? allerdings nutzt die das nicht aus, weil sie von sich aus eigentlich laufen will. in deinem fall würde ich sagen: schonfrist beendet, ab dem moment, wo du mit ihm arbeitest, bestimmst DU das tempo.

dh. das fängt schon beim holen zum putzen an, da wird nicht getrödelt, sondern zackig schritt gegangen, an der longe wird nicht gebummelt, sondern flott vorwärts gelaufen, bei der bodenarbeit wird sofort auf aufforderungen reagiert, setzt sich dann fort beim reiten (von der ersten sekunde weg). wichtig ist dabei, dass man nach einem stufen modell vorgeht- einmal bitten, einmal auffordern und dann knallts, und zwar kräftig. dabei niemals vorne bremsen, sondern erst auf die treibenden hilfen konditionieren. und auch anfangs lieber kürzer arbeiten (30 minuten reichen), die aber FLOTT. und nur jeden 2. tag, da er sicher muskelkater haben wird, weil viel mehr bewegung notwendig ist.

ursächlich für die "faulheit" ist meiner meinung nach ein durch das geschlurfe und die folgen der bein-schmerzen völlig dichter rücken, der die energie gar nicht mehr nach vorne lassen kann. oft beobachtet bei pferden, die lang geschont worden sind, die KONNTEN anfangs gar nicht schneller, egal wie motivier sie waren... ;)
Wer auf seinem Standpunkt beharrt, darf sich nicht wundern, dass er nicht weiterkommt...

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Offline Frau Peh

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Ja, kurze, flotte Arbeitseinheiten. Das hat bei uns auch sehr geholfen. Und bei besonders guter Leistung/Reaktion sofort totloben und Pause.
Das Gemeine ist halt, dass man nicht nur dem Pferd gegenüber sehr konsequent sein muss, sondern noch in viel größerem Maße sich selbst gegenüber (WIRKLICH nur einmal anfragen; nicht unbewußt ins gewohnte Treib-Schema zurückfallen, auch im Gelände konsequent bleiben, nur dann vom Pferd was verlangen, wenn man selber den Kopf dafür hat, sich ausreichend zu konzentrieren...).

Offline RondoTopic starter

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Vielen Dank für Eure vielen Antworten... Ich werde versuchen konsequent zu sein... und natürlich berichten  ;)

Zitat
Ich stell mal die gewagte These auf: er ist so langsam WEIL du jeden Schritt treibst. Wenn eh bei jedem Schritt getrieben wird, was will ihm das dann noch sagen?
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Ja, diese Vermutung hatte ich auch schon. Doch im Gelände oder auf dem Platz... Kein treiben - kein laufen. Rondo kennt nichts. Er bleibt stehen. und bleibt dort auch eine ganze Weile stehen, außer es ist ein Grasbüschel in der Nähe...  ;D
Habe sicher mal 10 Minuten gewartet... Er dreht dann um und wackelt langsam Richtung Heimat...  ::)

Ach manno, wenn man die Viechers doch trotz allem nicht so gern hätte...  :D
Es ist so schön ihn zu haben...
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Conte de Buffon

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Ah je, jetzt wollte ich das mit dem Zitat einfügen und so etwas kommt dabei raus... Sorry... :-[
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Mönchen

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Was fütterst Du den ? Vielleicht kann man ihn ja ein bischen Energie anfüttern.
Wenn Du ihn stehen läßt und abwartest was er tut, ist das doch totale inkonsequenz, eigentlich müßt es scheppern wenn er nicht auf Dich reagiert, sobald er dann wieder zuhört, viel loben. Auserdem würd ich der Reitlehrerin , wenn sie gut ist, mal vertrauen das sie Euch auf Trab bringt mit direkten Hilfen, wenn Du jetzt zuviel selbst rummurxt machst Du viellleicht mehr verkehrt als gut, vertrau Deiner RL und las Euch Zeit Du nimmst ja Unterricht um Dir helfen zu lassen und nicht um zu zeigen wie toll Du reiten kannst ;)
Simone

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Da hab ich mich wohl falsch ausgedrückt. Ich wollte einfach mal testen was passiert wenn ich ihn nicht stänig im Schritt treibe. Da bleibt er stehen. Es war nur die Antwort, da die Frage stand ob ich nicht zu viel treibe und er deshalb nicht mehr darauf reagiert... Ich lasse ihn natürlich nicht immer stehen und schau was passiert. Ich möchte schon das er so läuft wie ich es wünsche...
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Conte de Buffon

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Er bekommt jetzt 2 kg Hafer am Tag.
Bevor ich mit dem Reitunterricht angefangen habe war es nur 1kg.
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Conte de Buffon

Offline carola

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Du solltest weder treiben noch ausprobieren, was passiert, wenn du es nicht tust, sondern wie Mönchen schon schreibt, kurz treiben, treiben weglassen, scheppern lassen (aber RICHTIG, nicht *pitsch* bzw. beim zweiten Mal dann aber auch *patsch*), weiterlaufen lassen, und wenn langsamer wird einmal (!) treiben, dann *pitsch*. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es schwer ist, und je langsamer das Tier wird, desto mehr wird getrieben *quetsch*, aber es hilft nichts.
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Offline Frau Peh

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Genauso wie Carola schreibt: Impulse setzen! Und dann in Ruhe lassen, solang's läuft. Und wenn's langsamer wird: wieder anfragen. Keine Reaktion? Wieder deutlich werden. Ist am Anfang furchtbar nervig, man kommt sich vor wie der letzte Pferdequäler, aber wenn du konsequent bist, wird das auch schnell besser. Wichtig ist halt wirklich, dass sobald er reagiert, Ruhe herrscht. Das kapieren sie ziemlich schnell.
« Letzte Änderung: 10.04.08, 09:09 von Frau Peh »