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Rund ums Reiten => Western => Thema gestartet von: Muriel am 07.08.09, 12:12

Titel: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Muriel am 07.08.09, 12:12
Hallo,
ich denke mal am ehesten kennt das jemand aus der Western - Ecke, oder?
Hat jemand Erfahrungen mit dieser Art des Reitens gemacht?

Wie ist sein Buch, ist das zu empfehlen?

danke schonmal
lg Muriel
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 07.08.09, 13:01
heike,
frag  mal "auf der Wiese" bei ilonahoi nach, die hat die bestimmt die Bücher. Am besten in die NH-Box gehen Wir habens da eh grad sehr von John Lyons die letzten 50 Einträge oder so...
(bevor "rb" aufgetaucht ist ::))
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 07.08.09, 13:38
sorry, ich kenn mich gar nicht mit john lyons aus. gehört auch mittlerweile mehr in die guru-schiene als in die westerntrainer-ecke. seit er sich als pat parelli-promotor lächerlich gemacht hat, ist er ziemlich raus aus der szene.

unter single rein riding kann ich mir daher auch nichts vorstellen. auf lyons website bin ich zu dem thema nicht fündig geworden. hast du vielleicht einen link parat, der aufschluss geben  kann? ich hätte  da ne vorstellung, um was es sich handeln kann, aber dazu bräuchte ich erst mehr infos.

obwohl ... ich hab noch ein cutting-trainig-buch von ihm, von damals, bevor er zum nh-fuzzi mutierte. da könnte ich heut abend mal drin blättern.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 07.08.09, 14:36
naja, nur weil einer zum "NH-Fuzzi mutiert" heißt das ja nun nicht, er kann nix, oder dass er vorher waskonnte was und jetzt nix mehr, und dass dann jeder, der was anders, als der Mainstream (welcher Art auch immer) vorgibt, dann gleich als Guru betitelt wird, find ich einfach nur ätzend. Und nein, ich hab überhaupt gar keine Ahnung was John Lyons so macht, und ob das gut ist (sein Hängerverladetext hat mir allerdings sehr geholfen.)

 
mü,
wie gesagt, Ilonahoi ist der absolute Experte, was diese californische Reiterei angeht, und wird Dir mit Freuden das alles erklären (ich hab die Feinheiten immer noch kapiert *g*).
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 07.08.09, 15:01
naja, nur weil einer zum "NH-Fuzzi mutiert" heißt das ja nun nicht, er kann nix, oder dass er vorher waskonnte was und jetzt nix mehr, und dass dann jeder, der was anders, als der Mainstream (welcher Art auch immer) vorgibt, dann gleich als Guru betitelt wird, find ich einfach nur ätzend. Und nein, ich hab überhaupt gar keine Ahnung was John Lyons so macht, und ob das gut ist (sein Hängerverladetext hat mir allerdings sehr geholfen.)

 
mü,
wie gesagt, Ilonahoi ist der absolute Experte, was diese californische Reiterei angeht, und wird Dir mit Freuden das alles erklären (ich hab die Feinheiten immer noch kapiert *g*).

Wie du jetzt auf diese Schlussfolgerungen kommst, ist mir ein Rätsel. Dass Lyon "nix mehr kann", habe ich mit keinem Wort auch nur angedeutet. Nur eben gesagt, dass das, was er jetzt macht, nicht mehr in den Bereich "Westernreiten" als solches fällt. Und mit dem viel strapazierten kalifornischen Reitstil hat sein Reiten auch nichts zu tun.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 07.08.09, 19:15
es klang halt so durch, die Botschaft, die in den Worten für übermittelt wurde, wenn es nicht so gemeint war, ist ok.
und was der reitet, weiß ich wirklich nicht, aber das Ilona reitet definitiv californisch Kram, richtig ernsthaft, mit ohne mode-bewusstsein.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 07.08.09, 19:51
Nee nee, ich bezog mich allein auf die Art und Weise, wie Lyons sein mittlerweile übergezogenes Guru-Gewand verkauft. Das hat jetzt nichts mit der Sache NH zu tun und auch nichts mit seinem reiterlichen  Können. Vor seinem Engagement für Parelli (das war ne Aktion, die mega peinlich war, alles in allem, da waren u.a. auch die Vielseitigkeitsreiter O'Connor dran beteiligt, jesses haben die sich alle lächerlich gemacht ... ) war alles noch anders bei Lyons, er hat gute Pferde trainiert und war in Westernkreisen bekannt für seine gute Art, mit ihnen umzugehen, und für seinen guten Unterricht. Da wurde auch noch nicht gebetet auf seiner Website.

Zum California Style: Mir fehlt mittlerweile der  Nerv, mich durch Wiesen-Boxen  zu wühlen, ich bin zu alt für so was. Ich will Dir gern glauben, dass Ilonahoi ernsthaft das betreibt, was man so unter kalifornischem Stil verstehen möchte. Wobei ich mittlerweile sehr misstrauisch bin gegenüber dem, was da so gelehrt und gemacht und getan wird. Nicht weil ich das für schlechtes Reiten halte, sondern weil ich mehr und mehr zu der Überzeugung gelange, dass das mit dem eigentlichen Buckaroo Style nichts zu tun hat. Sondern das es sich hier vielmehr um einen gern angenommenen Mythos handelt, ebenso wie die Sache mit dem Ranchreiten. Die Jungs, die den Vaquero Style gelebt haben  und noch leben, sind sehr pragmatische  Zeitgenossen, für die die Pferde funktionieren mussten und müssen. Dem ist und war alles untergeordnet. Das was heute als California Style propagiert wird, ist genauso geschönt und "urban" wie z.B. der moderne Western Trail, der mit dem Ursprung dieser Disziplin fast gar nichts mehr gemein hat. Dass man für moderne Trails sehr viel besser durchgerittene Pferde benötigt und sehr viel mehr eigenes Können erwerben muss, statt sich auf ein  pudeldressiertes Pferd zu hocken und es nur noch zu bedienen, ist eine andere Sache.

Was uns in der Sache des  single rein riding aber keinen meter weiterbringt.

Wie gesagt, Muriel, hast Du Links oder kannst Du kurz erzählen, wie Du darauf gekommen bist?
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 07.08.09, 23:19
. Die Jungs, die den Vaquero Style gelebt haben  und noch leben, sind sehr pragmatische  Zeitgenossen, für die die Pferde funktionieren mussten und müssen. Dem ist und war alles untergeordnet.
das ist genau das, von dem Ilona immer redet...
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 07.08.09, 23:55
ja, davon reden die ganzen schöngeistigen theoretiker, die ich so kenne, auch immer. vor allem die gruppe um den walter mayer-weber oder so.  ;D
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 07.08.09, 23:58
nee, die hat direct connections in die USA, und reitet ansonsten sowieso nur bei Steve Halfpenny (NH)
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 08.08.09, 00:01
wobei ich mich korrigieren muss: der cutting-trainer ist jemand anders, leon harrel. den hab ich schon öfter mit dem john lyons verwechselt. aber der john lyons war vor so 15 jahren auch noch anders drauf.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 08.08.09, 00:13
nee, die hat direct connections in die USA, und reitet ansonsten sowieso nur bei Steve Halfpenny (NH)

ah der steve ... hat die jenny eigentlich noch was mit dem zu tun?

direkte connections hört sich besser an als der walter und seine fans.

in bayern gibts nen trainer, der lange bei benny guitron gearbeitet hat. der kocht die pferde genauso kaltschnäuzig ab wie die "normalen" westernreiter, nur sieht es etwas gekonnter und daher unauffälliger aus. aber die rücksichtslose härte dahinter ist dieselbe.

sorry, wenn ich mich da so negativ anhöre. es gibt auch vertreter dieser reitweise, die ich sehr schätze, wie mike bridges und alfonso aguilar. aber genau die sind es auch, die dem ganzen californio-hype so kritisch gegenüberstehen ... die reitweise an sich ist ja schon ein anachronismus, von daher ist auch jegliches gespräch darüber ein wenig heikel, wenn du verstehst wie ich das meine.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 08.08.09, 08:08
nee, ich versteh ja eben nicht was Du meinst, und ich wusste das alles nicht, was Du jetzt schreibst.... *smile*.
Mike Bridges ist - glaub ich - auch schon mal gefallen.
Ilona ist da sehr perfektionistisch, erklärt uns in unserer NH-Box immer alles von Pencil-Bosal, Spade-Bits und so Zeuch, das ist echt alles saukompliziert und ich kapier das gar nicht alles.

Ich bin sicher, Ilona freut sich, mit jemand, der sich auskennt, über das ganze fachzusimplen, kommst halt auch mal in unsere NH-Box und guckst mal.


Von Jenny hab ich, außer als sie hier mal kurz auftauchte, schon eeeeewig nichts mehr gehört. Sie organisiert auch eher keine Kurse mehr, soweit ich das weiß. Steve hat hier in Deutschland 2 oder 3 Stationen, wo er jedes Jahr ein oder zwei mal kommt, das sind mehr oder weniger feste Gruppen, so wie ich das verstanden hab. Ilona weiß da mehr...
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 08.08.09, 09:27
wie zu anfang gesagt, ich hab kein interesse an der koppel inkl. "fachsimpeleien" mit wildfremden personen, die anscheinend eh eine einfache sache nicht verständlich rüberbringen können, und außerdem eine ausgefüllte freizeit.

und nun ist es wirklich genug ot hier.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Muriel am 08.08.09, 11:51
oh, nun hatte ich bei so vielen Antworten schon ein erfreutes Gesicht gemacht  :D :-\ :-[ ;)

Baura, sorry, aber die Koppel ist mir auch teils zu mühsam. ich geh mal gucken aber ich glaub nicht dass ich mich da einbringen werde.

Single-Rein-Riding habe ich kennengelernt über A. Kurland, die Clickertrainerin in USA ist und bei ihm sehr viel geritten ist und viel gelernt hat. Dieses SSR-Prinzip hat sie dann weiterentwickelt bzw ins Reiten mit Clicker übernommen. Wobei sie klassisch denkt und reitet, es also nicht unbedingt was mit Western zu tun hat.
Im Wesentlichen geht es erst mal darum, dass man nur mit einem zügel arbeitet. Es geht viel oder hauptsächlich um Balance, durch den fehlenden zweiten Zügel soll dem Pferd Gelegenheit gegeben werden, Trainingslöcher zu zeigen.
Es klingt in der Anwendung sehr nach Baucher, beginnt also mit Abkauen, und lockert das Pferd von vorne nach hinten, um dann mit den Übungen von hinten nach vorne Versammlung und Impulsion aufzubauen.
Ich weiss halt jetzt nicht wieviel davon Kurland und wieviel Lyons ist, aber ich würde einfach gerne mehr darüber erfahren.
Aber man findet wirklich nirgendwo was, und die Website von J.L. fand ich auch nicht aussagekräftig (konnte auch fast nix öffnen, aber vielleicht liegt das auch an dem Rechner an dem ich gerade sitze).

Ganz klassisch kommt zum Schluss auch der äussere Zügel dazu, aber wirklich erst wenn das Pferd gelernt hat mit einem Zügel geführt zu werden bzw seine Selbsthaltung zu finden. Die Qualität der Zügelführung kann man dabei selbst bestimmen, es geht nur in der Hauptsache darum nicht den "kontakt" zu bestätigen, sondern den "Release".

Hoffe das ist irgendwie verständlich.
ich hab mit ein paar Übungen angefangen in den letzten Wochen und es ist genial, wie sich mein Pony dadurch schon verbessert hat in seiner Schulterbalance.
Ich hab ja in den letzten Jahren durch das PK-System gelernt, wie ich ihm da helfen kann. Aber er für sich hat es nicht gelernt - ob das nun an mir liegt oder an was weiss ich, jedenfalls haben die letzten Wochen da sehr viel gebracht, obwohl - oder gerade weil? ich nur sehr sehr wenig gemacht habe.
Sehr spannend auf jeden Fall.  :D

lg Muriel
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Muriel am 08.08.09, 12:58
so, jetzt hab ich mir die Koppelbox mit ihren übersichtlichen 2700 Beiträgen runtergeladen *ächz*
beim überfliegen hab ich zumindest einen Satz gefunden:
"follow the fear" das ist Quatsch, es heisst "follow the feel" und ergibt sich aus einer zügeltechnik, es ergibt dann einen federleichten Zügelkontakt.

aber weiteres später, ich geh mal offline.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: baura am 08.08.09, 13:27
öhms,
ich hab jetzt auch nicht gemeint, dass Du in der NH-Box alles lesen sollt, lediglich ein Hinweis, dass man da Ilona findet, und sie hat auch ihre mail-adresse da hinterlegt, da musst Du noch nicht mal was reinschreiben. Wir schreiben da ja nicht über John Lyons und WEsternreiten, sondern über NH.

und ich weiß ja jetzt, was Du damit meinst, und aus welchem Zusammenhang Du das der Box entnommen hast:
 
Zitat
"follow the fear" das ist Quatsch, es heisst "follow the feel" und ergibt sich aus einer zügeltechnik, es ergibt dann einen federleichten Zügelkontakt.
*kopfschüttel*

es gibt beides, follow the fear bezeichnet bei NH die Technik, mit dem Pferd einer "Gefahr hinterherzulaufen", z.B. einem Traktor, einem Regenschirm, einer Plane usw...
Follow the feel ist im NH alles was im entferntesten damit zu tun hat, dass ein Pferd - mit was auch immer - berührt wird, und diesem Gefühl eben folgt. Das bezieht sich nicht ausschließlich auf Zügelkontakt, sondern eben alles.



@petra,
sei doch nicht immer gleich so ruppig.
Das war meinerseits lediglich ein Hinweis, dass ich jemand kenne, der sich ernsthaft mit cal. Reiten auseinandersetzt.
Und Du musst das nicht gleich völlig abwerten, ohne überhaupt die Person zu kennen. Nicht sehr nett.

Ihr zwei beide: Ich glaub, ich beschließe jetzt mal, mich mißverstanden zu fühlen, und beleidigt zu sein.  8)
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 08.08.09, 19:47
Mike Bridges sagte mal, das kalifornische Reiten ist so einfach, dass man dem Pferd alles in 100 Tagen beibringen könnte. Was die Ausbildungszeit so langwierig macht, ist eben die Zeit, die es braucht, bis sich die Muskeln, Sehnen und Bänder so entwickelt haben, dass das Pferd die übungen auch körperlich unbeschadet ausführen bzw. ein spade bit unbeschadet tragen kann. Der moderne Neo-Californio neigt dazu, die Reitweise zu verkomplizieren und intellektuell aufzubürsten. Das ist nicht meins, und ich hab einfach keine Lust, darüber zu schwadronieren. Anderen mag es Freude bereiten. Hab aber heute Kay Wienrich auf seinem im Vaquero-Stil ausgebildeten Ranch Horse mal wieder bewundern können. Schlicht, simpel und effektiv.

Dieses Reiten mit nur einem Zügel hat Dysli ja auch immer gern gelehrt. Er hat da nur nie ne Philosophie draus gemacht, sondern einfach den Leuten vermittelt, wie sie auf diese Weise mehr Kontrolle, mehr Bewusstsein und mehr Gefühl entwickeln können. An sich ist das aber nichts, was man beim Westernreiten üblicherweise macht. Außer beim recht handlastigen Vaqueroreiten, wo Dysli das wohl auch her hat, er hat ja bei den einschlägigen Altvorderen noch lernen können. Und später in der Französischen Balancereiterei wiedergefunden. Zwischen der französischen Balancereiterei und dem eigentlichen Vaqueroreiten gibt es schon viele Parallelen.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Muriel am 08.08.09, 20:50
baura, nicht beleidigt sein  :-* ich hab den Nachmittag mit dem Lesen der Box verbracht *sic*  ;D und fand es sehr interessant.
Nun kann ich auch im Ansatz verstehen was BP mit dem Californio-Stil meint und wozu ein Spadebit gut ist.
Und natürlich war mein "Drüberlesen" und die Reaktion auch verfehlt und verfrüht.  :) ::)

BP: Genau, der Dysli - du hast ja schon mal irgendwas mit seiner Balancereiterei erwähnt - allerdings klang das damals nicht positiv.
ich bin da leider auch voreingenommen, die zwei Male die ich ihn in einem Kurs gesehen habe (übrigens genau wie auch jetzt hier in Ösitanien, ein paar kilometer weiter)

Baucher war übrigens wohl der Ansicht, ein vollkommens ausgebildetes Pferd würde ausschliesslich über die Hand zu reiten sein. *vor dem kommenden Aufschrei die Ohren zuhält*, weil es eben in seiner Ausbildung gelernt hat, sich stets im optimalen Gleichgewicht für die Anforderung zu befinden und die Hand nur noch Impulse und Hinweise für die Art der Lektion gibt. Einen perfekt und stets im optimalen Gleichgewicht sitzenden und perfekt agierenden Reiter natürlich vorausgesetzt.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: sony75 am 13.08.09, 15:32
Ich hab jetzt mal ganz interessiert eure spannende Diskussion gelesen.  :o Habt euch doch lieb!  :-*
Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. - Andere müssen sie nur nicht teilen.  ;)

Was ist eigentlich französische Balancereiterei?  ??? Ich stell mir jetzt mal die Carmargue-Reiter vor.  :-\ Ist das eine Arbeitsreiteweise?
Eine Unwissene bittet freundlich um Aufklärung.  :-*
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: sony75 am 13.08.09, 15:35
PS: welche NH-Box meint ihr und wo kann man die finden?  ???
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: haflingercowgirl am 26.10.11, 20:43
Der letzte Eintrag ist zwar schon ein wenig länger her, aber was ist denn jetzt hier mit single-rein-riding gemeint?

Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 27.10.11, 19:39
Der letzte Eintrag ist zwar schon ein wenig länger her, aber was ist denn jetzt hier mit single-rein-riding gemeint?


Das was Muriel im Posting #14 beschrieben hat: Man benutzt nur einen Zügel zum Reiten und fasst den anderen nicht an.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: haflingercowgirl am 27.10.11, 20:03
Das was Muriel im Posting #14 beschrieben hat: Man benutzt nur einen Zügel zum Reiten und fasst den anderen nicht an.

Ja, das hatte ich ja gelesen. Aber das hat nix mit John Lyons zu tun. *verwirrtbin* Ich denke, das macht jetzt, die Amerikanerin mit dem Clicker. Komme gerade nicht auf den Namen *grübel* Kann mir jemand helfen?
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: *Anderl am 27.10.11, 20:37
Hab mal gegoogelt, sie vielleicht:http://www.theclickercenter.com/
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: haflingercowgirl am 27.10.11, 20:52
Hab mal gegoogelt, sie vielleicht: http://www.theclickercenter.com/

Alexandra Kurland heißt die Dame. Und diese Art zu Reiten kommt meines Wissens aus der französischen Balancereiterei.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 27.10.11, 22:15
Alexandra Kurland heißt die Dame. Und diese Art zu Reiten kommt meines Wissens aus der französischen Balancereiterei.

Nein, das ist eine in der Westernreiterei ganz übliche Art zu reiten. Vielleicht in einer anderen Art und Weise und mit einer anderen Philosophie. Aber ich kenn das schon seit langem so, dass man nur jeweils einen Zügel einsetzt.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: haflingercowgirl am 28.10.11, 11:03
Nein, das ist eine in der Westernreiterei ganz übliche Art zu reiten. Vielleicht in einer anderen Art und Weise und mit einer anderen Philosophie. Aber ich kenn das schon seit langem so, dass man nur jeweils einen Zügel einsetzt.

Ja, es ist schon klar, dass der Cowboy oder Buckaroo etc. den Bronco am Cattle ausbildete und auf minimale Hilfen angewiesen war. Aber mich würde interessieren, woher diese Hilfegebung kommt. Welches die Vor- und Nachteile sind.
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 29.10.11, 11:18
Im Internet findet sich ja ne ganze Menge zu dem Thema.

Im Grunde genommen ist das alles nix Besonderes, sondern meiner Meinung nach eine Grundlage des Reitens ziemlich aufgebauscht und gelegentlich mit einigen abstrusen Techniken versetzt.

Grundgedanke 1: Ein Pferd sollte jede Hilfe einzeln kennen lernen und der Reiter sollte jede Hilfe einzeln anwenden lernen, damit dann die einzelnen Elemente zu den jeweils nötigen Hilfenkomplexen jederzeit bedarfsgerecht zusammengebaut werden können. Bezogen auf den Zügel: Das Pferd soll lernen, einem einzelnen Zügel zu folgen, ohne den anderen Zügel, ohne Gewichts-, Sitz- oder Schenkelhilfen. Man kann ein Pferd mit nur einer Hand anreiten, geradeaus reiten und sowohl rechtsherum als auch links herum lenken, allein dadurch, wie ich die Hand positioniere und damit mit dem einen Zügel aufs Pferd einwirke.

Grundgedanke 2: Ein Pferd, das komplett vom Reiter eingerahmt ist, kann sich in einer Stresssituation gefangen fühlen und komplett auf Widerstand umschalten. Das muss nicht unbedingt eine Gefahrensituation sein, sondern auch um eine ganz normale Situation in der Reitbahn, wenn das Pferd sich festmacht, weil es aufgrund von auf es eindonnernden Hilfen nicht mehr weiter weiß. Das ist ja besonders beim "Englischreiten" ein Problem, wo viele Reitschüler ja gleich von Anfang an "richtig reiten" müssen, statt ihre Handwerkszeuge Hand, Bein, Becken etc. erst mal kennen und auf ihre Wirkung hin erfahren zu lernen. Eine gute Idee ist es, ein so blockiertes Pferd erst mal loszulassen und langsam wieder zusammenzustellen, was oft über die (innere) Hand gut funktioniert. Für das Westernreiten verweise ich auf das Doubling.

Grundgedanke 3: Der One Rein bricht die Achse. Das gibt (mehr) Kontrolle. Ein durchgehendes Pferd ist gefährlicher solange es starr wie Brett geradeaus läuft. Gelingt es, das Pferd in eine Kurve zu ziehen, hat man die starre Achse gebrochen und hat eine Chance, es wieder unter Kontrolle zu kriegen. Das in eine Kurve ziehen macht man dann ja auch nur mit einem Zügel und voller Kraft in der Not. Umgekehrt kann man ein Pferd, das sich nicht bewegen will, mit einem Zügel so weit aus der Balance bringen, dass es ein Vorderbein bewegen muss und damit bereits den ersten Schritt zur Bewegung gemacht hat. Eine bewährte Methode um rohe Pferde in Bewegung zu versetzen, bevor sie treibende Hilfen kennen gelernt haben und ohne Stimmkommandos strapazieren zu müssen.

Das Reiten mit Seilchen und Halfter aus dem NH gehört auch in diesen Komplex.

Also eine absolute Basisangelegenheit, die allerdings meist sträflich vernachlässigt oder sogar völlig ausgelassen wird. Und deswegen haben manche Leute aus dem Thema einen ziemlichen Kult gemacht. Kennt ja kaum einer, die Sache, also eine chice Goldgrube.  ;) Ich hab mal kurz einige gegoogelte sachen angelesen, werd ich bei mehr Muße auch noch vertiefen.

Bei Arbeitspferden ist wohl die Tendenz, so minimalistisch wie möglich zu reiten, noch verbreitet. Bei Ed Connell findet man das Thema durchgängig, also das mit dem One Rein. Was zeigt, dass man so Pferde auf ein sehr hohes Level bringen kann.

Mehr ist da eigentlich nicht bei. Oder mir ist da mal wieder ganz massiv was entgangen.  :D

Wers genau erfunden hat ... keine Ahnung. Aber der Gedanke zieht sich eigentlich alle Reitweisen und wird vor allem von denen angewandt und gelehrt, die nach dem Motto reiten, dass das Pferd seine Balance selbst finden und nutzen soll. Abgesehen von der französischen Balancereiterei kann man darüber auch gut in dem Buch von Paalmanns über die Ausbildung von Springpferden nachlesen.

Soweit mein Stand der Kenntnis
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: haflingercowgirl am 29.10.11, 15:13
@ Beagle

Vielen Dank für die sehr interessanten Neuigkeiten, wonach hast Du gesucht? (single rein?)

Spontan fielen mir auch Ed und Jean-Claude ein und je länger ich darüber nachdachte auch Leute wie P.P. usw., die auf diesen Zug aufgesprungen sind. Bekannt ist vielleicht eher das Fokussieren aus dem NH in Kombination mit dem singel rein?, (Seilchenreiten) wobei aber da der ganze Körper genutzt wird. (wenn auch unbewußt)

Du hast diese Elemente sehr gut erklärt und systematisch aufgebaut, danke. Mir war nicht bewußt, dass es sogar im Springsport Anwendung findet, denn das Buch von A. Paalmann, kenne ich nicht.

Wenn ich deine post richtig verstanden habe, dann gibt es keine Nachteile, ausser vielleicht, dass solch eine Ausbildung eben dauert, solange es dauert. ;) Und nur durch regelmäßiges, intensives Lernen und machen und tun zu erreichen ist, und das widerspricht natürlich dem heutigen Reit- und Zeitverständnis gewaltig.


Und Ja, es gibt halt Leute, die machen aus altem Wein in neuen Schläuchen eine ganz neue Ausbildungsmethode, besonders gerne bei den Reiterlein und innerhalb des Internets. *ggg*

Viele Grüße
haflingercowgirl
Titel: Re: John Lyons - single rein riding
Beitrag von: Beagle-Petra am 29.10.11, 15:46
gesucht habe ich nach "john lyons single rein riding"

Und nein, Single Rein Riding ist KEINE Ausbildungsmethode, es ist im Grunde genommen überhaupt keine Methode. Das Führen eines Pferdes mit einem Zügel ist die primitivste Form, mit einem Pferd über den Zügel zu kommunizieren. Die Urform ist: Der Reiter zieht am Zügel, und da das Pferd der Nase nachläuft, geht es nach rechts, wenn der Reiter am rechten Zügel zieht. Je nachdem nun, wie man dieses "am Zügel ziehen" verfeinert (Richtung des Zuges, Stärke des Zuges, Position der Hand (am Hals, weit nach innen geführt, hoch, tief, normale Position etc.)) kann man das Pferd sehr weitgehend beeinflussen. In diesem Sinne macht auch Paalmanns das: das Pferd anfangs oder bei Korrektur erst mal nur mit einem Zügel führen. Darauf wird dann aufgebaut: Wenn das Pferd gelernt hat, auf jeder Hand der Nase weich nachzulaufen und einem Druck im Maul nachzugeben, nimmt man peu a peu den zweiten Zügel dazu, eine im Grunde in jeder Reitweise üblicher (üblich sein sollender) Weg. Vom einfachen zum Komplexen. Je nachdem kommen dann auch die anderen Hilfen dazu, die man vorher im übrigen genauso in Einzelelementen zum einen selbst erlernt und zum anderen das Pferd lehrt.

Je nach Methode dann hat das Single Rein Riding einen größeren oder kleineren Stellenwert. In der französischen Balancereiterei z.b. eben einen weit größeren als in der FN-Dressurreiterei.

Leider wird es kaum noch einem Reitschüler vermittelt, wie Hilfen wirken und wie man sich komplexe Hilfen erarbeitet, so dass man nicht stur nach Schema vorgeht sondern je nach den aktuellen Anforderungen gezielt agieren / reagieren kann. Diese Grundlagenswissenslücke füllen eben die Leute jetzt aus, die das SRR als Lehre an sich vorführen.

Bei NH wie Parelli ist das Single Rein Riding auch keine eigene Methode, sondern ein Mittel zum Zweck, um dem Reiter mehr Balance zu vermitteln, indem man die ihm liebe und natürliche Handsteuerung wegnimmt und ihn zwingt, sein Körpergefühl zu verbessern. Wenn man diesen Weg, also das SRR,  konsequent geht und ausbaut, dann landet man irgendwann z.B. bei Stacey Westfall. Man landet niemals bei Stacey Westfall, wenn man immer "einrahmend" reitet.