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Beziehung Pferd-Mensch stimmt nicht

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GerlindeK:
Wer meine Beiträge in verschiedenen Boxen gelesen hat, hat vielleicht schon selber gemerkt, daß irgendetwas in meiner Beziehung zu meinem neuen Pferd nicht stimmt. WAS es genau ist, kann ich eigentlich nicht konkretisieren, es setzt sich aus ganz vielen Kleinigkeiten zusammen. Ich schilder mal einfach einen ganz normalen Tag:
Ich komme gestreßt zum Stall und Heinrich wiehert, obwohl er mich noch gar nicht sieht - er erwartet die Heukarre. Erlaube ich mir den Spaß und schiebe ihm nicht sofort das Heu vor die Nase, wird er agressiv, quickt und galoppiert jähzornig buckelnd durch das Paddock.
Er bekommt das Heu und ich äppel das Paddock und die Box ab. Kann ohne Probleme das Pferd hin und her schieben und um ihn herum und unter ihm abäppeln. Dann kommt das Halfter drauf (ohne Probleme) und ich führe ihn vom Heu weg (ohne Prob.) und binde ihn im Paddock an. Dort könnte ich ihn stundenlang stehen lassen, ohne Probs. Komme ich mit dem Putzbeutel, werden die Ohren angelegt, und angelegt bleiben sie auch. Beim Putzen muß ich aufpassen, daß ich von vorne nicht gezwickt werde (bisher nur Drohen) und von hinten nicht getreten werde (bisher auch nur Drohen). Ansonsten steht er allerdings, hampelt also nicht herum, guckt aber wie der Teufel in Person. Meistens ignoriere ich sein Gehabe,  nur wenn ich doch mal die Lippen spüre, wird geschimpft oder auch mal eine gelangt,............dann geht´s empört (und unter Todesangst) rückwärts,.............bis der Dübel im Mauerwerk nicht mehr hält,.................das Halfter reißt,..............oder der Panikhaken bricht................
Frei geht´s dann gelassen zum Heu und es wird genüßlich gekaut..................
Satteln, Auftrensen und Rausführen ohne Probs.
Nur möchte Heinrich dann selber bestimmen, ob´s ins Viereck oder ins Gelände geht (seine Meinung wechselt täglich). Durchsetzen aber auch ohne Probs.
Führen im Viereck geht nur korrekt (neben ihm, Gerte in der richtigen Haltung, alle Konzentration ihm gewidmet). Möchte ich dagegen nur schlendern, vielleicht nebenher ne Zigartte rauchen, muß ich ihn ZIEHEN wie eine sture Ziege.
Aufsteigen und dabei artig stehen bleiben ohne Probs.
Anreiten im Schritt:...............MUß DAS SEIN? ? ?.........: träge, faul, null Bock, bleibt immer wieder stehen in der Hoffnung, daß ich nicht doch absteige.
Trabe ich an, habe ich ein völlig anderes Pferd: motiviert, macht mit, ist kaum zu bremsen, hat Spaß, schauft ab.......es ist ein Traum,..........Schrittpausen kein Prob.
Bin ich dagegen "fertig", wird das Trockenreiten zum Drama. Könnte ihm wie ein Cowboy die Hacken in die Rippen knallen und mit der Gerte wie mit einem Lasso rumschleudern: Heinrich STEHT ! !  Überwinde mich meistens zu zwei, drei Runden Qualen im Schritt und steige dann meistens lieber ab, weil das Führen für mich weniger anstregend ist.
Bin ich erstmal abgestiegen, habe ich das artigste Pferd auf der Welt: kann Bodenarbeit mit ihm machen, Dominanztraining und Kunststückchen, alles wunderbar. Ohren sind immer vorne und Heinrich hat richtig Spaß, ich spüre seine gesamte Konzentration.
Binde ich ihn dann wieder im Paddock an, sind die Ohren wieder nicht mehr zu sehen.
Er wird knatschig, scharrt wie ein Stier, hampelt von links nach rechts und will zum Futtertrog. Lasse ich ihn unbeachtet stehen, haut er mir mit den Vorderhufen das Mauerwerk ein..............oder wühlt den gesamten Boden auf.
Lasse ich ihn fressen, wird er wieder ruhig. Ich darf auch zum Futtertrog, dürfte ihm das Futter auch wieder wegnehmen bzw. ihn vom Futter wegführen.
Verabschiede ich mich vom Pferd, sind die Ohren angelegt. Gehe ich von ihm weg, schaut er mir freundlich mit Ohren nach vorne, hinterher.
Ich habe den Eindruck, daß mich Heinrich NOCH als Ranghöheren akzepztiert, aber voll AUF DER LAUER ist, seine Chance wahrzunehmen. Genauso bin ich immer darauf gefaßt, daß gleich etwas Schlimmes passiert. Unsere Beziehung ist irgendwie angespannt. Weiß aber nicht, wie ich das abstellen könnte.

esge:
Puh, wo anfangen?
1. ein Rat, der eigentlich von Beagle Petra ist: Kümmere dich mal eine Weile weniger darum, was dein Pferd will, sondern mach einfach das, was du vor hast. Egal wie der Herr gelaunt ist dabei.
2. Kannst du ihn woanders putzen als im Auslauf? gibt es einen Anbindeplatz, wo nie, nie, nie Futter in der Nähe ist?
3. Ein Schritt-faules Pferd am besten an der Longe oder beim Führen im Schritt aufwärmen und lösen. wenn du dann aufsteigst, gehts sofort frisch vorwärts.
4. Nach der Arbeit gar keinen Schritt mehr reiten. Absitzen, Gurt locker, Feierabend. Wenn es wirklich nötig ist, absattlen und im Schritt noch etwas führen. Alle meine Pferde haben Schritt reiten nach der Arbeit (in der Bahn) gehasst. Vermutlich, weil ich es auch hasse... Entweder draußen nochmal um die vier Ecken gehen oder wirlich sofort Feierabend machen.

Ansonsten hört sich deine Beschreibung vor allem nach einem rotzigen, nörgeligen, pubertierenden, unmöglichen  Teenie an, der an allem was auszusetzen hat und schon aus Prinzip meckert.

Ob du das richtige Pferd gekauft hast, eins, das deinem Herzen entspricht, kann ich nicht beurteilen. War ja früher schon mal die Rede von und aus deinen beschreibungen meine ich immer zu lesen, dass Heinrich nicht so ganz das Traumpferd für dich ist oder je sein wird. aber das kann ich so nicht beurteilen.

Schöne Grüße
sandra

Felix:
Och Mensch Gerlinde,
ich dachte dass es bei Euch klappt und nun wieder diese Mail :-\ :-[.



Wir haben ja nun 2 Haflinger. Meinen Peter hab ich nun ca. 12 Jahre und Amigo dürfte jetzt 2 oder 3 Jahre bei uns sein.
Während Peter alles macht, was ich möchte, fängt Amigo auch gerne an und möchte anders.
Er klebt und geht an vielen Dingen nicht vorbei.
Vieles wird angeschnaubt und groß angeschaut und dann kommt dieses "bitte Frauchen nimm mich auf den Arm, na gut, aber dann gehe ich hinter Dir..."
Auf dem Boden habe ich vor dem Kerl auch keine Angst, aber im Sattel werden mir sehr schnell die Knie weich....wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass ich bei Peter ( wenn irgendeinmal die gleiche Situation kommt) ganz anders und angstfrei reagieren würde.

Aber immerhin hab ich es schon geschafft, dass der Büffel beim putzen in der Stallgasse stehen bleibt und nicht gleich zum Heu marschiert. Dieses nervige Scharren und vor die Wand hauen hat er auch am Leib, aber nur wenn keiner bei ihm ist. Sobald ich um ihn rumtüttele steht er wie angwurzelt.
Das Wort steh hat er auch schon begriffen, na ja fast....es wird an meiner Jackentasche rumgerüsselt, aber immerhin bleiben die Füße da, wo ich es möchte und es wird nicht einfach weitermaschiert.

Ich sehe eine Veränderung bei ihm und kann eigentlich mit den "Problemen" oder besser Untugenden von ihm leben (außer diese Scheißkleberei >:()

Aber bei Dir scheint es eine echte Beziehungskriese zu sein.
Kannst Du nicht mal Urlaub vom Pferd machen und dann mal nachdenken oder auch mal ein anderes Pferd reiten. Vielleicht willst Du zuviel auf einmal und Heinrich kann da nicht mithalten und quittiert es mit Arbeits- und Gehorsamsverweigerung.
Gibt es auch "NurPutzTage" mit anschliesendem Weidegang oder Bummelspaziergänge mit hier mal fressen, da mal fressen? Wir haben doch alle mal gute und schlechte Tage.

Aber wie esge schon geschrieben hat, mach das was Du willst und nimm auf ihn nicht so viel Rücksicht.
Übrigens wenn er Dir droht, ob ich mir das gefallen lassen würde, ich weis es nicht und wenn er schnappt, dann hätte ganz schnell ein paar kleben, das kann ich nämlich gar nicht ab.

Diese Hoch und Tiefs hab ihr zwei schon lange, eigentlich von Anfang an, oder?

Wie hättes Du reagiert, wenn Dein Gino sich so am Putzplatz angestellt hätte. Geschimpft, gemotzt oder darüber hinweggesehen und vielleicht noch gelacht.
Was hättest Du getan, wenn Gino nach Dir geschnappt hätte oder gedroht hätte?

Ich denke Du solltest mal ganz tief in Dich gehen und überlegen, was Dich genau nervt und ob er wirklich der richtige Partner für Dich ist.
Jedes Pferd hat seine Macken (genau wie jeder Mensch) es ist eben nur die Frage ob der andere mit diesen Macken leben kann oder nicht.

Ich wünsch Dir alles Liebe.
claudia





Nicola:
hallo Gerlinde,

stellenweise dachte ich, Du beschreibst mein Pferd :D

Wir hatten und haben zwischendurch immer noch die gleiche Symthomatik. Ursache? Mehrere!
In den ersten zwei Wochen seines Hierseins ließ sich mein Pferd astrein satteln, angebunden, unangebunden, von rechts oder von links, wie auch immer. Und dann, von heute auf morgen, gab's Theater, auch egal wo. Die Ursache war ein schlechtsitzender Sattel, den ich eine Woche lang benutzt habe, dann kam der Sattler. Das hat genügt, um diesem Pferd einen kleinen Sattelzwang anzuerziehen. Wochen und Monate habe ich während des Sattelns mit Leckerchen, Müsli, Möhrchen und ähnlichem agiert, damit das arme Pferdchen seinen Schock überwindet.... ;) ich fürchte, ich habe es nur schlimmer gemacht. Besser wäre es gewesen, überhaupt nicht auf das Theater zu reagieren. Einen etwas längeren Sattelgurt zu kaufen, der schnell und ohne Gedöns anzuziehen ist, nicht so wie unserer, den man zunächst nur mit Mühe ins erste Loch verschnallen kann.... Pferdchen kann sich nämlich 7 Löcher weit aufblasen ;D

Zweite Ursache für die Hampelei: Der Plastikstriegel verursacht kleine elektrostatische Aufladungen. Pferd kriegt pausenlos einen gewischt.... Seit ich das Teil vor dem Striegeln ins Wasser tunke, ist alles in Butter. Komischerweise scheint es in der Box, unangebunden auch ungewässert nicht so schlimm zu sein ::)
 
Es gibt auch Tage, da möchte der Herr sich einfach aufregen 8) Da kommen kleine Schreckerreger wie das Blatt Papier, vom Wind in die Stallgasse genau gegen sein Vorderbein geweht, gerade recht!! Großes Theater!! Deshalb binde ich mein Pferd nicht mehr direkt an, sondern habe das Halfter mittels Heubändchen mit einer kleinen Sollbruchstelle versehen. Eine Zerrung im Hals reicht mir. Panikhaken gehen nicht von allein auf, jedenfalls nicht dann, wenn man das gern hätte >:( Das Heubändchen hilft mir, ruhig zu bleiben, wenn er sehr dramatisch mit aufgerissenen Augen rückwärts abgeht.

Ich glaube, es ist besser, auch dieses Gehampel grundsätzlich zu ignorieren, nicht jedoch, wenn er Dir zu nahe kommt, bzw. Dich bedrängt. Versuch doch mal, ganz klar zu differenzieren, wann er "nur" hampelt, z.B. vor und zurück, scharren, Kopfschlagen etc. und wann er (dabei) Dir, in welcher Form auch immer, quasi "ans Bein pinkelt". Das würde ich ihm auf keinen Fall durchgehen lassen. Bei meinem geht beides fast nahtlos ineinander über, und ich vermute, er macht das ganz gezielt :-\

Eine Zeitlang habe ich konsequent mit der Gerte in der Hand geputzt, um ihn jederzeit jeden Zentimeter sofort zurück zu schicken , den er sich hin- und herhampelnd still und leise erobern wollte. Und siehe da, auf einmal kann das Bübchen wieder ruhig an seinem Putzplatz stehen.

>..dann geht´s empört (und unter Todesangst) rückwärts,.............bis der Dübel im Mauerwerk nicht mehr hält,.................das >Halfter reißt,..............oder der Panikhaken bricht................
>Frei geht´s dann gelassen zum Heu und es wird genüßlich gekaut..................

Das beweist eigentlich, dass die Panik so groß nicht sein kann ;D

>Nur möchte Heinrich dann selber bestimmen, ob´s ins Viereck oder ins Gelände geht (seine Meinung wechselt täglich).

Tja, ein Ausbilder sagte mir dazu einmal: "Wenn Du ihm nicht sagen willst, wo's lang geht, dann kauf ihm ein Auto und schick ihn zur Arbeit!" ;D

Viel Erfolg weiterhin

mfG

Nicola

ali:
gerlinde, ich habe mit meinem spanier auch eine lange lange phase des zusammenfindens hinter mir und war nicht nur einmal soweit, dass ich es lasse und ihn verkaufe, weil ich an diesem pferd verzweifel und sich diese unzufriedenheits-spirale immer weiter hochschaukelte.
mittlerweile (erst heute gehabt) find ich diesen gaul einfach nur genial - und ich glaube er findet mich auch nicht so verkehrt ;)

was bei uns geholfen hat (bitte absolut wertfrei sehen)
- 2 h bodenarbeit bei einem sehr guten nh-menschen, der mir auch so sachen sagte wie "der weiß genau, dass du ständig auf ihn achtest, mach deinen stiefel und das was du willst und er soll gefälligst mitgehen. dann ist er auch zufriedener, weil er langfristig weiß, wem er vertrauen kann." das gefühl da von dir: Ich habe den Eindruck, daß mich Heinrich NOCH als Ranghöheren akzepztiert, aber voll AUF DER LAUER ist, seine Chance wahrzunehmen hatte ich 1:1 genauso, wenn nicht sogar noch schlimmer.

- druck komplett rausnehmen (wann muss er was in welcher form können) - manche pferde (und da gehört er dazu) benötigen einfach mehr zeit, quittieren dir das druck wegnehmen aber mit einem selbstanbieten von verschiedensten dingen, dass einem das herz aufgeht. ich hätte es aber nicht geschafft, druck rauszunehmen, wenn mir nicht ständig freunde das vorgehalten hätten und ich letztendlich schwanger wurde und so druck rausnehmen MUSSTE. ich weiß wie schwer das ist. wenn man noch dazu in einem forum aktiv mitschreibt umso mehr  ;)

- clickern (v.a. freies formen, spielen, rumhupfen)

sicherlich gibt es pferde-menschen-paare, die definitiv nicht zusammenpassen. da ist es allemal besser, sich zu trennen. ich bin froh, dass ich durch diese 3 hebel da oben mit vaquero zusammengefunden hab, denn sonst wär mir ein richtig geiles pferd durch die lappen gegangen  :D

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