Autor Thema: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?  (Gelesen 4005 mal)

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Offline HaticeTopic starter

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Hallo Zusammen,

nach einem Umzug in einen neuen Stall hat sich mein Wallach, der mit seinen 20 Jahren noch nie beschlagen war, die Hufe wohl so stark abgelaufen, dass es zu einer Huflederhautentzündung auf beiden Vorderbeinen gekommen ist.

Haltung seit dem Umzug im Dezember 2015 ist über Nacht Box (Gummimatten + Stroheinstreu) und tagsüber ca. 12 Stunden Weide bei jedem Wetter und Bodenzustand in kleiner Herde mit Heuraufe auf der Weide. Vorher stand er in einer Auslaufbox mit Stroheinstreu und, bei trockenem Boden, ca. 5 Stunden Weide in grosser Herde. Durch den Umzug haben wir aber mehr Asphalt zu bewältigen, bis wir in der Reithalle sind, und auch beim Ausreiten sind die Wege etwas steiniger. Zusätzlich läuft er natürlich auch tagsüber viel mehr, da länger Auslauf auf der Weide. Die Gruppe ist aber sehr ruhig.

Die Hufe wurden regelmässig von einer Hufpflegerin nach Biernat bearbeitet (zuletzt vor 2.5 Wochen), die aber nichts über die abgelaufenen Hufe gesagt hat. Mein Wallach lief allerdings auch bis letzte Woche, wo er auf dem Weg zur Halle über ein Steinchen gestolpert ist und anschliessend lahm war, nicht fühlig. Ich selbst habe die abgelaufenen Hufe bemerkt und ärgere mich, nicht vorher reagiert zu haben. Zu meiner Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass mein Wallach eben gar nicht fühlig ging, er ist allerdings auch äusserst zäh... Ich habe zunächst einige Tage gewartet und Pause gemacht, wo er zwischenzeitlich lahmfrei war (auf der Weide). Nachdem er aber vorgestern doch wieder lahm war, kam gestern der Tierarzt.

Der Tierarzt hat nun die beidseitige Huflederhautentzündung diagnostiziert und Schmerzmittel / Entzündungshemmer gespritzt bzw. für die nächsten Tage in Pulverform dagelassen, dazu natürlich tägliches Kühlen der Hufe verordnet. Sobald die Entzündung abgeklungen ist, soll ich meinen Wallach nun beschlagen lassen, zunächst mit Einlage / Polsterung, um die Sohle zu schonen und dem Huf die Möglichkeit zu geben, neues Horn zu schieben.

Ich bin bislang immer ein Verfechter von Barhuf gewesen und frage mich daher, was ich jetzt am besten machen soll:

- nur mit Hufschuhen zu arbeiten schliesst der Tierarzt erstmal aus, da die Hufe zumindest vorerst permanent geschützt werden sollen, also auch auf der Weide und nicht nur bei der Arbeit
- konventioneller Eisenbeschlag, zunächst mit Einlegesohle, ist die Empfehlung des Tierarztes, wobei ich immer noch vor dem Aufnageln zurückschrecke. Meine Idee wäre, für ein bis zwei Beschlagsperioden zu beschlagen und dann die Eisen wieder abzunehmen und bei Ausritten und auf dem Weg zur Halle rundum Hufschuhe anzulegen
- Klebebeschlag ginge laut Tierarzt evtl., allerdings glaubt er, dass der nicht hoch genug ist und damit die Sohle weiterhin Kontakt zum Boden haben kann, sollten einmal Steine auf dem Weg liegen. Klebebeschlag mit Sohlenschutz ginge vielleicht, er wusste allerdings nicht, ob es das gibt, das müsse ich mit dem Schmied klären. Ich befürchte aber, dass mir ein "normaler" Schmied sowieso erstmal zu einem konventionellen Beschlag raten wird

Habt Ihr Erfahrungen mit dem Beschlag oder Hufschutz nach Huflederhautentzündungen? Evtl. Klebebeschlag, um die Sohle übergangsweise zu schonen, und dann wieder Umstellung auf barhuf mit Hufschuhen rundum für Ausritte und die Strecke bis zur Halle?

Ich habe heute noch mit meiner Hufpflegerin telefoniert, sie kommt heute Abend und schaut sich die Hufe an. Sie ist gar nicht begeistert von der Idee,  mit Eisen zu beschlagen. Gestern nach dem Tierarztbesuch war ich noch leicht "unter Schock" und fand das Beschlagen gar nicht so schlimm, aber mittlerweile kommen mir wirklich Zweifel, ob ich das machen soll. Wenn, würde ich vermutlich nur mit Duplos oder Ähnlichem beschlagen lassen.

Viele Dank für das Lesen meines Romans und Eure Hilfe,
Hatice

Online Hexle

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #1 am: 02.06.16, 17:34 »
Warum nicht für tagsüber Engl-Hufschuhe und zum reiten richtige Hufschuhe? In die Engl kann man Filzeinlagen reinmachen zur Dämpfung - die können auch 24 Stunden drauf bleiben (weil atmungsaktiv) und werden selten mal verloren. Die bekommt meine im Offenstall an wenn sie sich mal kurz gelaufen hat  :D
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Offline sasthi

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #2 am: 02.06.16, 20:49 »
Ich habe momentan die Equine Fusion Joggingshoe für 24/7 drauf. Funzt prima
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

Offline Tiefkuehlhamster

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #3 am: 02.06.16, 20:58 »
Ich hatte sowohl die Engl- Schuhe als auch die Joggingshoes schon für einen ähnlichen Zweck im Dauereinsatz. Im Prinzip hat beides geklappt, allerdings haben die Engl- Schuhe wesentlich länger gehalten (ließen sich auch problemlos wieder nähen) und ich fand sie pflegeleichter.
Pferde eignen sich hervorragend dazu, Geld auszugeben, ohne etwas von praktischem Wert zu erhalten- und tragen trotzdem zum Glück bei!

Online Hexle

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #4 am: 02.06.16, 22:10 »
.. Und sie kosten die hälfte von dem Joggingschuhen ;)
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Offline carola

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #5 am: 03.06.16, 07:03 »
Der Tierarzt hatte nicht wirklich viel Ahnung von Kunststoff, oder? Die meisten Beschläge aus Kunststoff sind klebbar und decken weit mehr von der Sohle ab als jeder konventionelle Beschlag. Das wäre als Übergang also durchaus eine alternative.
Ein gewisses Maß an Unordnung ist der Preis für Freiheit!

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #6 am: 03.06.16, 08:47 »
Hallo Zusammen,

schon einmal vielen Dank für Eure Antworten!

Hier ein Update: ich habe gestern noch einmal ordentlich die Hufe gekühlt, bevor meine Hufpflegerin kam, sowohl vor dem Kühlen als auch danach hatte es keine Pulsation und beide Hufe waren kalt bis auf eine Stelle am linken Huf aussen. Meine Hufpflegerin hat ihn sich dann gestern Abend angeschaut und schliesst eine Huflederhautentzündung aus folgenden Gründen aus:

- die Hufe seien in keinster Weise abgelaufen oder zu kurz, und er laufe auch nicht auf der Sohle, sondern nutze korrekt auf allen vier Füssen den Tragrand sowie eine Partie des Strahls
- wenn er eine so massive Huflederhautentzündung beidseitig hätte, würde er auch trotz Schmerzmittel und Entzündungshemmer immer noch Pulsation zeigen und liefe nicht so gut, wie es gestern Abend der Fall war
- beim Abdrücken mit der Hufzange gab er nirgendwo an ausser an der Stelle, wo wir beide uns einig waren, dass der Huf an dieser Stelle auch aussen deutlich wärmer ist als der Rest des Hufes und die anderen Hufe. Bei einer massiven Huflederhautentzündung müsste er ihrer Meinung nach auch trotz Entzündungshemmer noch auf die Hufzange reagieren.
Sie sagte auch, dass der Tierarzt, wenn er eine massive Huflederhautentzündung diagnostiziert, korrekterweise auch direkt Hufverbände hätte anlegen müssen, um die Hufe zu entlasten.

Ihrer Meinung nach kommt eher Folgendes in Betracht: entweder hat er sich, als er letzte Woche auf dem Weg zur Halle über einen Stein gestolpert ist und anschliessend lahm war, lokal die Huflederhaut gequetscht, was sehr schmerzhaft ist, oder aber er macht einen Abszess (oder eine Kombination aus erst Huflederhaut gequetscht und dann Abszess, der jetzt am Reifen ist). Das würde für mich auch damit zusammenpassen, dass die Lahmheit mal besser, mal schlechter, mal ganz weg war.

Sie hat nichts gegen einen Beschlag, wenn sinnvoll und notwendig, meint aber, dass das bei meinem Wallach absolut nicht der Fall sei. Sie schlägt vor, jetzt noch das Schmerzmittel weiterzugeben (weil wir nun schon begonnen haben, sie findet es aber eigentlich kontraproduktiv, vor allem bei einem Abszess), dann nach Absetzen nach zwei/drei Tagen noch mal zu schauen, wie er läuft, und dann zum Ausreiten oder auf dem Weg zur Halle Hufschuhe zu montieren für die erste Zeit. Ausserdem würde sie parallel Hepar Sulfuris geben, da das bei Abszessen helfe, den "Reifeprozess" zu beschleunigen. Wenn ich das möchte, könnte sie auch einen Klebebeschlag machen, sie meint aber, dass das nicht notwendig sei, weil mein Wallach ja nur auf Stroh oder auf einer Grasweide steht und nur einen Schutz braucht für Ausritte oder den Weg zur Halle.

So, jetzt habe ich also zwei völlig gegensätzliche Meinungen und bin am Überlegen, noch eine dritte Meinung einzuholen. Auf der anderen Seite erscheint mir die Erklärung meiner Hufpflegerin einleuchtend, und auch ich finde die Hufe nicht extrem kurz. Und Ihre Vorgehensweise deckt sich ja mit dem, was der Tierarzt verordnet hat: Schmerzmittel/Entzündungshemmer weitergeben, dann Hufschutz.

Worin ich mir mittlerweile völlig sicher bin: ein klassischer Beschlag kommt für uns nicht in Frage, allenfalls eine Klebebeschlag. Ich werde aber zukünftig rundum Hufschuhe montieren für die Arbeit, im Stall und auf der Weide kann er ohne laufen.

Mein holdes Ross hat übrigens gestern auf der Weide wie ein dreijähriger Hengst mit seinem Weidekumpel gespielt und um die Wette galoppiert, wurde mir von mehreren "Augenzeugen" berichtet. Er bekommt zwar den Entzündungshemmer, aber bislang hat er nie so schnell darauf reagiert, insofern werte ich das schon ein bisschen als Zeichen, dass ihm die Hufe so weh nicht tun können. Er hatte nach dieser Aktion wie gesagt keinerlei Pulsation oder wärmere Hufe (bis auf die eine Stelle).

Wegen der Hufschuhe: wir haben noch den Equine Fusion Jogging Shoe erster Generation (ich weiss nicht, wie der heisst), Farbe rot-schwarz, der an den Seiten Klett hat und vorne rüber die Metallschnalle. Bislang ist er mit denen nie fühlig gelaufen, auch letzte Woche nicht. Bislang habe ich die nur für vorne, wir werden jetzt nächste Woche aber vier neue Jogging Shoes für rundum anpassen, und zwar den mit der dickeren Sohle (All Terrain???). Die Hufpflegerin ist aber der Meinung, 24h-Hufschutz ist bei seinen Hufen nicht notwendig.

@Carola: ja, zu dem Schluss bin ich mittlerweile auch gekommen... Meine Hufpflegerin hat mir gestern die Klebe"eisen" gezeigt, die decken wirklich sehr viel mehr von der Sohle ab als klassische Eisen, und dünner als Eisen sind sie definitiv auch nicht.


Liebe Grüsse und danke Euch allen,
Hatice

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #7 am: 03.06.16, 09:38 »
Wenn das Pferd beidseits lahm war und beidseits pulsiert hat ist da eine Entzündung im Huf (Huflederhaut)

Dass eine Hufsohle zum Teil aber auch zum tragen da ist, wusste deine Hufpflegerin nicht?

Und dass die starke Pulsation aufhört, wenn man kühlt und Entzündungshemmer gibt, wusste sie auch nicht ?

Das gäbe mir zu denken.. mit deinem TA in Sachen Metallbeschlag bin ich auch nicht einig - Kunststoff (va duplo) wäre wesentlich besser

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Offline HaticeTopic starter

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #8 am: 03.06.16, 11:34 »
Hallo Hexle,

nein, er war eben nie beidseitig lahm, sondern immer nur auf einer Seite, mal mehr, mal weniger, mal gar nicht.

Ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt, aber der Tierarzt meinte, mein Wallach laufe nur noch auf der Sohle, während sie sagt, es trägt alles, wie es tragen soll. Pulsation hatte er gestern auch vor dem Kühlen nicht (trotz Rumtoben auf der Weide) aber hatte natürlich am Vortag Schmerzmittel/Entzündungshemmer bekommen. So, wie ich sie verstanden hätte, würde bei einer massiven Entzündung im Huf die Pulsation auch trotz Entzündnungshemmer spürbar sein. Ich weiss aber nicht, wie schnell das Mittel wie wirksam ist.

Wir behandeln nun weiter, wie vom Tierarzt vorgeschlagen: Schmerzmittel / Entzündungshemmer in voller Dosis bis einschliesslich Sontag dann reduzieren und bis zum nächsten Freitag ausschleichen. In dieser Zeit schonen (nur Box und tagsüber Weide), nach Absetzen des Schmerzmittels erneut anschauen und nur noch mit Hufschutz raus (auf allen vier Beinen). Ich schaue aber, ob ich noch eine dritte Meinung einholen kann in der nächsten Woche.

Liebe Grüsse,
Hatice

Offline HaticeTopic starter

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Re: Huflederhautentzündung - welcher Hufschutz?
« Antwort #9 am: 06.06.16, 08:48 »
Hallo Zusammen,

hier noch ein kurzes Update:

am letzten Donnerstag war ja meine Hufpflegerin da und hatte die Hufe für keinesfalls zu kurz befunden und auf einen Abszess oder eine lokale Quetschung der Huflederhaut durch einen Tritt auf einen Stein getippt.
Am Freitag und Samstag war mein Wallach dann vorne links deutlich im Schritt lahm und schonte das Bein auch im Stehen.

Am Samstag kam dann noch eine zweite Hufpflegerin, da ich noch eine dritte Meinung haben wollte. Sie befand die Hufe ebenfalls für nicht zu kurz und konnte dann auf der Sohle vorne links einen Abszess öffnen, der kurz vor dem Durchbruch stand, genau an der Stelle, die von aussen deutlich wärmer war. Kaum war der Abszess geöffnet, lief mein Pferdchen deutlich besser, gestern war er lahmfrei.

Mein Wallach darf sich also auch weiterhin barfuss seines Lebens erfreuen :-)

Liebe Grüsse und noch einmal danke für Eure Kommentare,
Hatice