Autor Thema: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung  (Gelesen 45551 mal)

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Hallo,
ich dachte, ich mache noch einmal ein Thema zu den "Magenproblemen" auf, da das andere sich ja nur auf drei Futtermittel bezieht.

Vielleicht gibt es hier im Forum ja noch andere, die einen Magenpatienten haben und sich über Erfahrungsaustausch freuen.

Mein Bub hatte jetzt schon 2 deutliche Magen-Koliken, die erste war vor ca. 4 Jahren.
Er stand damals in einer Paddockbox und hatte ziemlichen 'Sozialstress' wegen unsympatischer Boxennachbarin. Die Box war mit Holzpellets eingestreut, Heu gab es in riesigen Mengen aus Heuraufen. Auffällig war, dass er zu der Zeit gern an Holz seiner Boxenwand nagte und ganz scharf auf das Stroh war, das in der Stallgasse stand - beides Dinge, die er vorher nie angerührt hätte. Zu der Zeit fütterte ich gerade Ingwer-Teufelskralle zu, heute denke ich, dass die Schärfe darin mit der Grund war, weswegen wir die Kolik hatten und würde nie mehr Ingwer oder Teufelskralle füttern. Beim Putzen war er schon immer nicht so begeistert, seit ich ihn kenne eigentlich, aber im Vorfeld zu der ersten Kolik wurde es im Verlauf von ca. 2 Monaten nochmal schlimmer, da giftete er beim Putzen und Satteln nach den Boxennachbarn oder biß in den Führstrick.
Damals hatte er an drei aufeinander folgenden Tagen nach der Kraftfuttergabe am Abend leichte Koliksymptome. Am ersten Abend ließ er "nur" sein Kraftfutter halb gefressen stehen - das hat er aber sein ganzes Leben noch nicht gemacht und war damit bedenklich genug - scharrte und guckte zum Bauch. Der gerufene Tierarzt tippte nach rektaler Untersuchung ohne Befund und Schilderung der Situation bereits auf eine Magenproblematik, gab aber erstmal Schmerzmittel und kurz darauf war auch das Pferd wieder "normal".
Am nächsten Tag gab es nur leichte Bewegung unter dem Sattel,  danach wieder Kraftfutter. Wieder folgten Koliksymptome, dieses Mal heftiger - scharren, zum Bauch gucken, kein Interesse am Futter, Hinlegen beim Führen in der Halle. Der Tierarzt konnte wieder keine Darmprobleme feststellen, gab wieder Schmerzmittel, und da er sich nun fast sicher war, dass es vom Magen kommt, wollte er mir am Folgetag das Magenfutter Pronutrin vorbei bringen. Nach einer Weile Führen war das Pferd wieder völlig normal und wurde mit "nur Heu" allein gelassen.
Am dritten Tag ritt meine Reitbeteiligung, ich hatte ihr gesagt, dass sie nur ein wenig bewegen soll wegen der leichten Koliken, aber vergessen, ihr zu sagen, dass er kein Kraftfutter haben darf  :-[
Prompt wurde ich angerufen, mein Pferd läge auf seinem Boxenpaddock (der nur mit einer dünnen Bauschutzmatte belegt war!). Noch auf dem Weg zum Stall rief ich den Tierarzt, der dann nach der Untersuchung entschied, dass ich besser in die Klinik fahren sollte, auch wenn er sich fast sicher war, dass es vom Magen kommt. Mit Schmerzmitteln ruhig gestellt ging es dann in die Klinik. Dort stellte man eine Milz-Nierenbandverlagerung fest. Es war nicht sicher, ob der Haus-TA diese übersehen hatte oder ob sie erst auf der einstündigen Fahrt entstanden ist. Es gab noch keine Blut-Stauungen, was für letzteres sprach, aber dennoch wollten sie kein Risiko eingehen. Der Plan war, auf Verdacht Gastrogard zu geben und bis zum Morgen abzuwarten, sollte bis dahin keine eindeutige Besserung erkennbar sein, würden sie operieren müssen. Nach einer furchtbaren Nacht kam gegen 11 der erlösende Anruf, ziemlich bald nach der Gastrogard-Gabe ließen die Symptome nach, bei der rektalen Untersuchung am Morgen war das Milz-Nierenband wieder am richtigen Platz. Alles sprach für eine Magenproblematik.
Für 7 Tage ließ ich ihn in der Klinik, aus Angst vor einem Rückfall, wo er langsam angefüttert wurde (mit Heu und später Mash) und das Gastrogard bekam. Dann holte ich ihn heim, wo er weitere 7 Tage Gastrogard bekam und in der Zeit symptomfrei war.
Nach dem Absetzen des GG konnte ich aber wieder leichte Magenschmerzen erkennen (Futter verweigern, Apathie), sodass ich nach Rücksprache mit der Klinik weitere 14 Tage halbe Dosis Gastrogard gab und anschließend Pronutrin fütterte.
Auf eine Gastroskopie verzichteten wir, nachdem er so eindeutig auf die Gastrogard-Gabe angesprochen hatte, auch eine Nachkontrolle hielt der TA für verzichtbar, da ein erneuter Transport in die Klinik + Sedierung wieder Stress bedeutet hätte und im schlimmsten Fall sofort durch die Bildung neuer Magengeschwüre quittiert worden wäre.

Nach dem Absetzen von Gastrogard blieb der Bub soweit symptomfrei. Trotzdem gab es einiges zu verändern:
- raus aus der Paddockbox, wo er so viel Stress mit der Boxennachbarin hatte
- von Holzpellet-Einstreu zurück auf Stroh, da er offensichtlich die Raufaser trotz Dauer-Heufütterung benötigt.
- Inger und Teufelskralle Präparate sofort abgesetzt
- Kraftfutter auf eine Hand voll Hafer reduziert, um die 50g Pronutrin unterzubringen

Letztlich wechselten wir sogar den Stall, er kam in eine Randbox mit nur einem Boxennachbarn und wirkte sichtlich entspannter. Irgendwann setzte ich das Pronutrin ab.

Drei Jahre ging es gut, bis er letzen Winter wieder auffällig giftiger wurde, auch anderen Pferden gegenüber. Ich hatte bereits das Magnoguard von Iwest bestellt, da ich so ein Gefühl hatte. Dann eines Abends nach dem Reiten, war der Stallbursche bei der Fütterung und der Bub gierte ungeduldig auf Futter. Da ich noch kein Futter zurecht gemacht hatte (er bekam nach wie vor kaum Getreide sondern Rübenschnitzel und Mash, höchstens eine Handvoll Müsli), wies ich den Mann an, eine halbe Scheppe Hafer zu geben. Dumme Idee.
Diese Portion aß der Bub schon nicht mehr zu Ende, fing auf einmal an, mit den Hufen aufzustampfen und zu scharren. Für mich neu war ständiges Gähnen. Ich rief sofort die Tierärztin und ging zum Führen in die Halle. Nach 10min fing er an, mich zu ärgern und wirkte lebendiger. Ich ließ die Tierärztin trotzdem kommen, die ein völlig normales Heu mümmelndes Pferd vorfand. Vorsichtshalber untersuchte sie rektal, konnte keine Auffälligkeiten feststellen und stimmte mir in meiner Vermutung zu, dass es wieder der Magen sein wird. In Absprache mit ihr gab ich ab dem Folgetag das Iwest Magnoguard und hatte keine Symptome mehr.

Vor 2 Monaten ging mir das Magenfutter aus und es gab einen Lieferengpass, weswegen ich nicht sofort neues bekam. Da er zunächst keine Probleme hatte, ließ ich ihn erstmal "ohne". Ich hab jetzt aber doch gemerkt, dass es ohne wohl nicht geht.

Rückblickend betrachtet hat er mir schon immer viel eher gezeigt, dass es ihm schlecht geht, aber ich habe die Zeichen nicht deuten können.
Metalllecken - besonders nach der Futtergabe - habe ich schon oft über die Jahre beobachten können.
Ebenso wie "Aufstoßen" und Leerkauen. Das hatte für mich nie eine Bedeutung, weil er das 'immer mal' gemacht hat, seit ich ihn kenne. Es gehörte für mich einfach zu normalem Pferdeverhalten.
Auch die Putzunwilligkeit, die er schon immer hatte, habe ich nach langer Ursachenforschung (von Sattelpassform bis Muskelverspannung) auf eine Eigenart geschoben und erst seit ich von Magenproblemen weiß, achte ich sehr darauf und erkenne Schwankungen. Ausgerechnet die "Cavallo" hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet, als sie ein Schaubild abdruckte, das die empfindlichen Regionen eines Magenpatienten zeigte:
Unterhals, Gurt- und Sattellage, Lenden, Flanke bis unter den Bauch. Das Giften war für mich immer an "allen bemuskelten Bereichen", doch bei genauerer Überlegung waren es exakt diese Stellen, die der Bub nicht angefasst haben wollte.
Schließlich war da noch die Wechsellaunigkeit: Innerhalb kurzer Zeit konnte er von aufgeschlossen, munter und motiviert umschwenken zu einem Pferd, das völlig in sich gekehrt da stand, und nicht einmal mehr Leckerchen haben wollte. Aus diesem Verhalten hatte ich mir noch nie einen Reim machen können, habe eher die Ursachen in "Trainingsfehlern" gesucht (z.B. eine Sache abgefragt, die er nicht umsetzen konnte und daraus resultierend Demotivation etc). Dass er in dem Moment vielleicht einfach Magenschmerzen bekam, kam mir lange nicht in den Sinn.
Warum ich die Sache so lange nicht erkannt habe, weiß ich nicht. Ein Faktor war sicher, dass ich den Bub schon 'so' kennen gelernt hatte und allenfalls eine Verschlechterung beobachten konnte. Wären die Symptome erst später 'aus dem Nichts' aufgetaucht, hätte ich sie wohl ernster genommen. Zweitens hatte ich bis zur ersten Kolik wirklich NIE Probleme mit der Verweigerung von Kraftfutter, was ja als eines der Hauptkennzeichen gilt. Auch Abmagerung war eine Sache, von der wir nie betroffen waren, erst in einem Winter, als er schon überhaupt kein Kraftfutter mehr bekam und intensiv geritten wurde, da hatte ich dann einfach meine Last, ihn nur mit Heu ausreichend zu versorgen.

Soweit erstmal zu den Symptomen.
Wenn ihr noch Ergänzungen habt, nur zu. Im nächsten Beitrag wollte ich mal versuchen, die wichtigsten Punkte bei Haltung und Fütterung von Magenpatienten zusammenzufassen und die verschiedenen Ergänzungsfuttermittel bezüglich ihrer Kosten pro Tag und der Wirkungsweise vergleichen.

Liebe Grüße
Mettie
« Letzte Änderung: 19.08.14, 23:23 von Mettie »
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Offline Bantu

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #1 am: 19.08.14, 20:41 »
Puuuh Mettie, jetzt hab ich deinen seeehr langen Beitrag zweimal gelesen.  ;) ;D

Soweit erstmal zu den Symptomen.
Wenn ihr noch Ergänzungen habt, nur zu. Im nächsten Beitrag wollte ich mal versuchen, die wichtigsten Punkte bei Haltung und Fütterung von Magenpatienten zusammenzufassen und die verschiedenen Ergänzungsfuttermittel bezüglich ihrer Kosten pro Tag und der Wirkungsweise vergleichen.

Bei meiner Stute wurden im Jahr 2011 Magengeschwüre diagnostiziert (per Gastroskopie) als sie nach einem Stallwechsel (ein paar Meter weiter, mit fast ihrer kompletten alten Herde) "seltsam" war. Sie war tagelang fast apathisch, hat noch gefressen, aber nicht die normale Menge (sowohl Kraft- als auch Raufutter). Deutliche Koliksymptome wie Nach-dem-Bauch-gucken oder Wälzen hat sie nicht gezeigt. Meine Haus-TÄ hat dann einen Infekt diagnostiziert und zusätzlich von Anfang an auf Magen getippt, was ich ihr zunächst nicht glauben wollte. Als es dann nach Tagen nicht besser wurde, sind wir in die Klinik gefahren und der Verdacht wurde per Gastroskopie bestätigt: Magengeschwüre, bereits am Abheilen, ca. 14 Tage alt (14 Tage vorher war der Umzug), hätten vermutlich keine Symptome verursacht, wenn nicht ein fiebriger Infekt dazugekommen wäre, aufgrund dessen sie wohl zu wenig getrunken hatte und der Magen dann zu schmerzen begonnen hat (dies sind aber alles nur Vermutungen, nix Genaues weiß man nicht). Interessant ist auch (Parallele zu euch, Mettie), dass bei der Aufnahmeuntersuchung in der Klinik eine gereizte Milz festgestellt wurde, was für eine Verlagerung des Darms über das Milz-Nierenband spricht (diese war allerdings bei Ankuft in der Klinik nicht mehr vorhanden, hier wurde vermutet, dass sie sich durch den Transport gelöst hatte).

Behandelt wurde dann mit Gastroguard, wenn ich mich richtig erinnere zehn Tage lang. Auf eine Kontroll-Gastroskopie haben wir aus den schon von dir genannten Gründen verzichtet. Seitdem sind diesbezüglich glücklicherweise keine Probleme mehr aufgetreten. In Stress-Situationen (z. B. Silvester) bekommt sie vorbeugend Gastroguard (eine Maulspritze auf zwei Portionen verteilt).

Bezüglich der Symptome: Mein inzwischen 22jähriger Wallach zeigt seit ich ihn habe (fast 20 Jahre) zahlreiche Symptome für Magengeschwüre (Leerkauen, giften beim Putzen und Satteln, Metall- und Holzlecken, Launigkeit). Ich hätte schwören können, dass er ein Magenkandidat ist, aber bei einer Gastroskopie nach einer sehr schweren Schlundverstopfung im Mai dieses Jahres kam heraus, dass er kein einziges hat. Magen und Speiseröhre sehen vorbildlich aus, ich hab es mit eigenen Augen gesehen.

Fazit: Ich würde bei begründetem Verdacht zur Gastroskopie raten und dann Behandlung mit Gastroguard (sehr teuer, genauen Preis hab ich aber verdrängt - ich meine, ca. 35 Euro pro Maulspritze, kann mich aber täuschen).

Ach ja, unsere kriegen Heu ad lib, auch ein sehr wichtiger Faktor zur Behandlung/Vermeidung wie ich finde. Trotzdem kann es halt vorkommen bei empfindlichen Pferden.

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #2 am: 19.08.14, 23:06 »
Warum zweimal gelesen? Ist er schwer verständlich oder einfach nur lang?  ;D Manchmal denkt man ja schon weiter und bastelt merkwürdige Sätze...  :P

Das mit dem Milz-Nierenband ist ja wirklich interessant. Wobei mir der Zusammenhang immer noch nicht ganz klar ist - haben diese Pferde aufgrund der Magenschmerzen vermehrt Stress/Unruhe im Bauchraum und deshalb die Verlagerung?
Ich kenne unheimlich viele Fälle von Milz-Nierenband-Verlagerungen, wer weiß, wie oft da ein Zusammenhang zu Magenproblemen besteht.

Was deinen 22jährigen Wallach angeht: Mir hat man damals in der Klinik gesagt, dass ein Negativbefund bei der Gastroskopie nicht zwingen heißen muss, dass das Pferd keine Magenprobleme hat, da Magengeschwüre wohl sehr schnell entstehen und auch sehr rasch abheilen können. Daher muss man nicht unbedingt ein "akutes" Magengeschwür erwischen. Bei meinem tippe ich ja sehr auf diese relativ schnell auftretenden und abheilenden Geschwüre, da es wirklich immer mal wochenweise besser und dann wieder schlechter ist.
Hast du mal versuchsweise eine Weile ein Magenfutter gegeben um zu sehen, ob er dann besser drauf ist? Das wäre als Test nicht ganz so schmerzhaft teuer wie eine Kur mit Gastrogard...

Ich habe die Packung Gastrogard schon hier liegen. Ich werde das einfach durch geben auf Verdacht, ohne Gastroskopie - wird es besser, ist ja eh ziemlich sicher, was es war, und bezahlt hab ichs ja schon  :P :P :P Möchte die Kur aber erst beginnen wenn das Magenfutter da ist, damit ich im Anschluss direkt damit weiter machen kann.
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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #3 am: 20.08.14, 20:08 »
Was deinen 22jährigen Wallach angeht: Mir hat man damals in der Klinik gesagt, dass ein Negativbefund bei der Gastroskopie nicht zwingen heißen muss, dass das Pferd keine Magenprobleme hat, da Magengeschwüre wohl sehr schnell entstehen und auch sehr rasch abheilen können. Daher muss man nicht unbedingt ein "akutes" Magengeschwür erwischen. Bei meinem tippe ich ja sehr auf diese relativ schnell auftretenden und abheilenden Geschwüre, da es wirklich immer mal wochenweise besser und dann wieder schlechter ist.
Hast du mal versuchsweise eine Weile ein Magenfutter gegeben um zu sehen, ob er dann besser drauf ist? Das wäre als Test nicht ganz so schmerzhaft teuer wie eine Kur mit Gastrogard...
Er war schon immer ein Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt-Typ und mit dem Alter wird das immer ausgeprägter. Ich habe ihm eine Zeitlang Pronutrin gefüttert, was er zu meinem Erstaunen auch gefressen hat. Normalerweise lehnt er nämlich jedes Zusatzfutter ab, als wolle man ihn vergiften. Eine Verhaltensänderung während der Pronutrin-Gabe konnte ich allerdings nicht feststellen, deswegen hab ich es dann wieder weggelassen, als der Eimer leer war.

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #4 am: 21.08.14, 10:58 »
Bantu, genau so einen Kandidaten hab ich auch  ::) :P Glaube trotzdem immer mehr daran, dass es einen Zusammenhang mit dem Magen gibt und er das schon entsprechend lang hat. Verhaltensweisen, die er so lange "gepflegt" hat sind natürlich entspr. schwer umzuprogrammieren.

So, weiter gehts  :)

Haltung
-> Stress vermeiden! Für meinen war die Paddockbox Gift, wo er nebendran eine zickige Stute stehen hatte, die ihm durch die Stromlitze hindurch (wir hatten schon extra abgesperrt) angegiftet hat. Das hat ihn so geärgert, dass er sich am liebsten auf die Karpalgelenke hätte fallen lassen um sie unterm Zaun durch zu attackieren.
- allgemein können Boxen mit halbhohen Wänden, tlw. auch Gitterboxen ohne "Sichtschutz" für manche Pferde zu viel Stress sein, weil andere Pferde notgedrungen immer wieder in ihre "Komfortzone" eindringen. Besonders bei der Fütterung kommt oft Futterneid auf und führt zu unnötigem Stress. Lösung: Randbox mit nur einem Boxennachbarn (Pferd kann sich wegdrehen und hat Ruhe), oder das Gitter im Bereich des Futtertrogs mit Plane abhängen.
-> Einstreu: Es wird zwar gesagt, dass zu strukturreiche bzw ligninhaltige Fasern den Magen zu sehr reizen. Stroh enthält viel Lignin und ist grob, daher könnte man meinen, sei eine Haltung auf Spänen etc. besser. Meiner hat auf Holzpellets das erste Mal Magenkoliken gehabt und war ganz scharf auf Stroh. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Stroh bei Magenproblemen echt gut tut, vermute, dass es einfach sehr gut saugt und somit viel Säure im Magen bindet. Außerdem hat ein Pferd auf Stroh immer noch "was zu knabbern" selbst wenn es über Nacht das Heu leer fressen sollte.
-> Heufütterung: Heu rund um die Uhr ist sehr wichtig. Der Magen sollte immer etwas gefüllt sein, damit die permanent produzierte Magensäure gebunden wird und nicht anfängt, die Magenwände zu verdauen. Wir hatten Heu aus riesigen Heuraufen, die permanent nachgefüllt wurden. Jetzt stopfe ich engmaschige Heunetze. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Pferde dadurch jedoch kaum langsamer fressen, wenn sie den Dreh heraus haben. Meiner bekommt ein 6-8kg (abgewogen) Netz von 17:30 bis 22 Uhr leer. Faustformel: 1,5-2kg Heu pro 100kg Pferd brauchen Magenpatienten allein schon wegen reduziertem Kraftfutter.
-> Weide/Gras wäre optimal als Futterquelle. Langsame, beständige Aufnahme strukturreicher Nahrung, am besten 24/7. Das Größte Problem bei reiner Weide/Offenstall-Haltung ist dann aber der Sozialstress. Ich würde meinen liebend gern in einen Aktivstall stellen, habe im Umkreis von 30km aber nicht einen gefunden, der eine moderate Besatzdichte auch im Winter hat. Im Winter haben die Pferde oft nur eine kleine Winterweide zur Verfügung und ernähren sich hauptsächlich von Heu aus Raufen. Auch wenn die Dinger auf 6-8 Pferde ausgelegt sind, brauchen da nur 2 dominante Tiere dran stehen und ein eher rangniedriges Pferd hält sich lieber fern. Trotzdem zeigen Studien, dass Pferde in Offen/Laufstallhaltung seltener an Magengeschwüren leiden.
-> Bewegung: Forcierte Bewegung sowie lange Ritte wirken sich negativ aus. Beim Reiten in hohen Gangarten schwappt wohl der Magensaft durch den Magen und greift den oberen, nicht schleimhautgeschützten Teil an. Bei längeren Ritten können Fresspausen zum Problem werden (maximale Fresspausen-Dauer: 3-4 h). Vorm Reiten auf ausreichend Raufutteraufnahme achten.

Fütterung:
-> am besten nur Heu+Gras, siehe oben!
-> sämtliche Getreidearten wirken sich negativ aus. Hafer soll noch am besten vertragen werden. Meiner bekommt auf eine geschlossene Hand Hafer schon Symptome und auf eine halbe Scheppe Hafer leichte Kolik. Also keine Geste, Dinkel, Mais, Hafer, Leckerlis oder Backwaren (Brot) füttern. Ursachen für die Probleme sind wohl im Vergleich zum Heu zu wenig Einspeichelung, schlechtere Durchmischung mit Magensaft und längere Verweildauer im Magen, vor allem wohl aber die die Magenwand reizenden Spelzen. Daher empfehlen viele die Fütterung von Haferflocken, die vom Spelz befreit sind. Aufgekocht bilden sie einen schleimigen Brei und müssten eigentlich eher den Magen schützen.
-> keine scharfen Futtermittel (Ingwer, Meerrettich, Teufelskralle) - waren bei uns Mitauslöser der ersten Magenkolik.
-> keine säurehaltigen- oder stark zuckerhaltigen Lebensmittel: Zitrusfrüchte, Äpfel, Birnen, Bananen, melassierte Rübenschnitzel, melassierte getreidefreie Müslis
-> geeignet sind entzuckerte Rübenschnitzel (z.B. Pavo Speedibeets), die zwar kaum Gehalt haben, aber dem Pferd den Trog füllen. Das in Rüben enthaltene Pektin wird im Magen zu einer geligen/schleimigen Masse, die den Magen auskleidet.
-> sehr magenschonend ist außerdem die Ölfütterung, wenn mehr Energie ins Pferd muss. Rapsöl ist für größere Mengen ideal (weil günstig und besseres Omega3-Omega6-Fettsäuren Verhältnis als Sonnenblumenöl), enthält viel Vitamin E. Mit kleiner Dosis anfüttern, bis 200ml pro Tag erhöhen. Zu teuer für große Mengen, aber sehr gut bei Verdauungsproblemen: Schwarzkümmelöl.
-> Saaten wie Hirse, Leinsaat, Sonnenblumen etc. sind besser bekömmlich als Getreide, auch durch den oft hohen Ölgehalt. Leinsaat und Flohsamen sind aufgrund ihrer quellenden und aufschleimenden Eigenschaften sehr gut geeignet um den Magen auszuschleimen und zu schützen. Flohsamen vergrößern ihr Volumen enorm, daher vorher aufkochen (ungekocht quellen sie wohl erst im Darm). Leinsamen enthält viel Blausäure und muss ab 100g/Tag abgekocht werden, goldene Leinsamen brauchen nicht abgekocht zu werden, ein Überbrühen mit heißem Wasser ist aber auch hier sinnvoll um die Schleimung auszulösen.
-> Karotten in moderaten Mengen sind der beste Ersatz für Leckerlis, oder um den Trog etwas mehr zu füllen.
-> Fertigfuttermischungen: Auf geringen Melassegehalt achten (Apfeltrester ist aufgrund des enthaltenen Pektin besser, aber auch sehr zuckerhaltig), möglichst kein Getreide. Sehr magenschonend von Agrobs Aspero (das ist aber im Endeffekt nur Heuhäcksel) oder Alpengrün Müsli Getreidefrei. Wird aber nicht von allen Pferden gefressen, weil es in erster Linie Luzernehäcksel enthält und nicht gesüßt ist. Es gibt auch noch von Marstall 'Vito', Eggersmann 'Struktur Getreidefrei', Epona 'E Getreidefrei', MultiVit 'Getreidefrei'. Hier muss man sehen, wie die Pferde reagieren. Einige dieser Futter enthalten Melasse oder relativ viel Apfeltrester. Andere enthalten viele Pellets (z.B. aus Luzernegrünmehl), evtl. reizen die Pellets in ihrer Struktur bereits den Magen.

Kräuter:
Kamille ist antibakteriell, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Kann in Form von getrockneten Blütenköpfen im Internet bestellt werden, behelfsmäßig kann man auch einfach Teebeutel öffnen und ins Mash leeren. 1-2 Eßlöffel pro Mahlzeit, idealerweise überbrüht. Auch gern zusammen im Dreiergespann Fenchel (antibakteriell, beruhigend) und Anis (antibakteriell).
Süßholz ist antibakteriell, entzündungshemmend und schmerzlindernd, kann geschnitten zB bei Makana bestellt werden. Fütterung 10-20g/Tag, zB mit ins Mash.
Breitwegerich (der kleine Bruder vom Spitzwegerich, wächst auf nahezu jeder Ruderalfläche) wirkt ebenfalls entzündungshemmend. Johanniskraut ist enzündungshemmend, krampflösend, schmerzstillend und antibakteriell, sollte aber nur in kleinen Mengen gefüttert werden.

Vorstellung einiger Magenschutzfutter (für Großpferd 500-600kg gerechnet)
Equitop Pronutrin (3,5kg: 55,90€)
Inhaltsstoffe: Getrocknete Früchte und Gemüsebrei, Zucker, Apfeltrester, Glycerol (Wirkstoff: Pektin-Lecithin-Glycerin-Komplex)
Wirkungsweise: verstärkt die Schutzschicht im Magen
Dosis akut: 300g (50g pro 100kg Pferd) (3,99 €/Tag)
Dosis Vorbeugung: nach Anweisung des TA
IWest Magnoguard (6kg: 140 €)
Inhaltsstoffe: Glucagel, Bananenflocken, Topinamburflocken, Lecitin (Wirkstoff: ß-Glucan, Aminosäuren)
Wirkungsweise: Bildung einer schützenden Gelschicht aus ß-Glucan und Aminosäuren, ß-Glucan außerdem die Heilung unterstützend.
Dosis akut: 200g (4,66 €/Tag)
Dosis Vorbeugung: 75g (1,75 €/Tag)
Nutri Science Gastrocare Plus (3kg: 104,90€)
Inhaltsstoffe: Dextrose (Traubenzucker), Apfeltrester, DiCalciumphosphat, Calciumcarbonat, Pektin, L-Glutamin, Levucell (Lebendhefe)
Wirkungsweise: Lecithin/Pektin-Komplex zur Bildung einer schützenden Gelschicht, L-Glutamin zur Unterstützung der Regeneration/Neubildung einer schützenden Magenschleimhaut
Dosis akut: 90g (2-3x 30g) (3,15 €/Tag)
Dosis Vorbeugung: keine Angabe
NutriLabs Acid Protect (3kg: 60 €)
Inhaltsstoffe: Bockshornklee, Dikalziumphosphat, Flohsamen, Eibischblätter, Luzernegrünmehl, Rapsöl, Magnesiumoxid, Hefe, Süßholzwurzel, Minze, Elecampane (Inulin), Natriumchlorid, Orangenschalen, Hagebutten, Gelbwurz, Rosmarin, Zusatzstoffe: Zink, Wit. E, Bentonit, Lecithin
Wirkungsweise: Mineralstoffverbindungen (Magnesiumoxid, Di-Kalziumphosphat) zur Säureneutralisierung, Eibisch bildet Schleimschicht, Antioxidantien zur Förderung der Regeneration
Dosis akut: 250g (5 €/Tag)
Dosis Vorbeugung: 66g (1,30 €/Tag)
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Offline Bantu

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #5 am: 21.08.14, 19:52 »
Hallo Mettie, irgendwie hab ich das Gefühl, außer uns beiden interessiert sich niemand für das Thema? Oder hat keinerlei solche Probleme?  ???

Haltung
-> Stress vermeiden!
Meine beiden stehen in einer stabilen, achtköpfigen Herde und sind ranghoch. Eigener Offenstall. Mein Wallach hält sich für den Boss, ist es aber nicht. Gelegentlich gibts Stress mit einem ranghohen Wallach, der aber sehr friedliebend ist. Meine Stute kriegt in ihrer Herde sowieso was sie will.  ::) ;D

-> Einstreu
Gibts bei uns nicht, wir haben Sand und Boxenmatten.

-> Heufütterun
Ad lib.

-> Weide/Gras
Ca. 2 Stunden pro Tag von April bis (schätzungsweise) Ende September. Weiden sind gepflegt, aber kein Hochleistungsgras. Weideflächen sind bei uns schwierig zu bekommen, da Obst- und Gemüseanbaugebiet. Wir arbeiten aber dran.  ;)

-> Bewegung
Unterschiedlich. Verwöhnte Freizeitgäule, die manchmal mehr (und konzentrierter) und manchmal (häufig) weniger arbeiten müssen.  

Und wenn ich mir das jetzt so ansehe, was ich geschrieben habe, wundere ich mich, dass es überhaupt Probleme mit den Luxusviechern gibt. Ich glaub, ich werd sie mal für vier Wochen in einen Schulbetrieb verleihen.  ::) ??? ;)

Offline jjumpy

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #6 am: 21.08.14, 21:27 »
Hallo Mettie, irgendwie hab ich das Gefühl, außer uns beiden interessiert sich niemand für das Thema? Oder hat keinerlei solche Probleme?  ???
doch *wink* ich lese interessiert mit und bestimmt noch mehr. ;)
LG jjumpy

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #7 am: 22.08.14, 01:49 »
Spätestens wenn's bei Google gelistet ist werden verzweifelte Internet-Diagnostiker wie ich sich durch die Beiträge wälzen  ;D ich hab jedenfalls schon so einige Fremdforen durch und war froh um jeden Erfahrungsbericht.

Huhu jjumpy, wink, hoffe du liest nur aus Interesse mit! :-)

Bantu, der Gedanke mit dem Schulbetrieb als Kontrastprogramm kam mir auch schon! Undankbare Viecher, könnte man meinen, oder verhätschelt. Oder sie haben einfach das Glück, dass jemand ihre Alarmzeichen wahrnimmt...  :-\
Warum nur 2h Weide am Tag? Hast du Probleme mit längerer Weidezeit?
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Offline Bantu

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #8 am: 22.08.14, 19:37 »
Warum nur 2h Weide am Tag? Hast du Probleme mit längerer Weidezeit?
Weideflächen sind bei uns schwierig zu bekommen, da Obst- und Gemüseanbaugebiet. Wir arbeiten aber dran.  ;)
Bei uns wird um jeden Quadratzentimeter gekämpft. Als wir den Stall im Winter 2010/11 übernommen haben, hatten wir garnichts. Wir haben dann als erste Aktion ca. 200m² vom Auslauf abgezwackt und eingesät sowie den ca. 400m²-Garten eines Nachbarn zum Abgrasen überlassen bekommen. Inzwischen haben wir ca. 3000m² gepachtetes Weideland und weitere ca. 3000m² "leihweise" mit der Option auf Übernahme. Das ist luxuriös für unsere Gegend.  :-\ *trotzdemsehrfrohdarüberbin*

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #9 am: 26.08.14, 19:08 »
Bantu, das ist echt Wahnsinn wie die Leute auf ihren Ländereien hocken. Hier gibts auch etliche Bauern-Erben, die ihre Grundstücke nicht rausrücken in der verrückten Hoffnung das Gebiet würde irgendwann zu wertvollerem Bauland umgewandelt...  :P

Ein Update zu meinem Magenpatienten:
Mir fiel vor ein paar Tagen ein 10 Jahre altes Video in die Hände, das mich beim Putzen zeigt. Anders, als ich es heute in Erinnerung habe, war der Bub damals völlig frei von Aggression beim Putzen und giftete überhaupt nicht. Allerdings hat er damals schon angefangen zu scharren, wenn ich an bestimmte Stellen kam, außerdem konnte in dieser kurzen Sequenz schon mehrfach Leerkauen beobachten.
Fazit: Damals war es noch deutlich besser, aber vermutlich war der Magen damals auch schon zumindest empfindlich.
Da der Bub in der Gegenwart, vielleicht auch bedingt durch den Kälteeinbruch, gerade besonders garstig war beim Putzen und ich ihn eine Woche lang allein betreue und gut beobachten kann, habe ich die Gastrogard-Kur begonnen.
Seit Sonntag bekommt er täglich 1/2 Applikator, dazu habe ich auch seit Samstag wieder begonnen, Magenfutter zu füttern:
1 kleiner Becher Agrobs Alpengrün Müsli Getreidefrei + 1 Meßlöffel Acid Protect morgens und abends, dazu vor der Arbeit eine handvoll Müsli + 1 Meßlöffel Acid Protect (um den Magen zu schützen), und nach der Arbeit eine kleine Portion Mash (1 Eßl Kamillenblüten+1Meßlöffel Goldlein+1 kleiner Becher Agrobs Mash+1 Meßlöffel Acid Protect).
Am Sonntag bemerkte ich bereits einen positiven Effekt, denn er hatte keinen "Aussetzer" während der 60min Bodenarbeitsstunde, in der er sonst immer wenigstens einmal in diese beinahe apathische Phase kam.
Außerdem kam er mir gestern das erste mal seit Ewigkeiten über die ganze Weide entgegen, sonst kommt er immer nur das letzte Stück; er giftete überhaupt nicht beim Putzen oder Satteln sondern hielt sogar den Unterhals zum Kraulen hin. Beim Reiten deutlich weniger Klemmigkeit und Triebigkeit, mehr Gehfreude. Im ganzen Umgang wirkt er wacher und nimmt mehr an der Umwelt teil.
Während er am Samstag und Sonntag noch das Mash nach dem Reiten halb stehen ließ und erst später zu Ende fraß, hat er es am Montag erstmals komplett aufgeschlabbert.
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Offline Bantu

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #10 am: 26.08.14, 21:05 »
Mir fiel vor ein paar Tagen ein 10 Jahre altes Video in die Hände, das mich beim Putzen zeigt.
Hach, sowas in der Art hätte ich auch gerne.

Da der Bub in der Gegenwart, vielleicht auch bedingt durch den Kälteeinbruch, gerade besonders garstig war beim Putzen und ich ihn eine Woche lang allein betreue und gut beobachten kann, habe ich die Gastrogard-Kur begonnen.
Seit Sonntag bekommt er täglich 1/2 Applikator,
Deine Erfolge klingen ja gut. Aber eine Dauerlösung ist die Gabe von Gastroguard ja nicht.  :-\

@Acid Protect: Ist das ein Pulver oder Pellets? Ein Versuch würde mich ja mal reizen.

Offline Hexle

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #11 am: 26.08.14, 21:56 »
HMLaus
Zitat
Aber eine Dauerlösung ist die Gabe von Gastroguard ja nicht.
doch, ich denke Mettie wird nicht drum herum kommen

wir können uns heute die Haltungsbedingungen nur bedingt wirklich aussuchen
und selbst wenn WIR sie für perfekt halten, kann es für ein Pferd schon Magenproblematischen Stress bedeuten
UND  - klingt jetzt böse ist es aber nicht - früher wären Pferde mit Magenproblemen schlicht verreckt - wir füttern sie durch .. eben weil unser Herz daran hängt :-\

sprich: wenn wir weder die "Arbeit" noch die "Ernährung" noch die "Haltungsbedingungen" anpassen können an unser "eshältdasabersonichtaus"-Pferd wird uns nichts anders übrig bleiben, als dem Tier dann eben mit der Chemie - die es zum GLÜCK auch gibt - zu helfen, damit zu recht zu kommen. 
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline MettieTopic starter

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #12 am: 26.08.14, 22:50 »
Bantu, das Ecid Protect ist ne Mischung aus Metallverbindungen in Pulverform und einer Kräutermischung. Sieht nach fein gemahlener Teemischung aus und riecht auch bisschen so, und irgendwie ein bisschen nach Curry  ???
Ist halt günstiger als Magnoguard und Co, wenn man mal von der Akut-Dosis auf Erhaltung runter ist.

bzgl. Gastrogard Dauerfütterung: In der Dosis bei akuten Geschwüren soll man pro kg KG 1mg Omeprazol geben, das entspricht bei einem 575kg Pferd einem Applikator für etwa 32 €. Das soll man 28 Tage füttern, danach weitere 28 Tage 1/4 der Dosis, also 1/4 Apllikator das sind dann 8 Euro am Tag. Ist jetzt auch nicht mehr so weit weg von den ganzen Magenfuttermitteln in hoher Dosierung (um die 5 € am Tag) und trotzdem kaum zu stemmen.

Ich habe aktuell die Hoffnung, dass ich das Gastrogard wieder absetzen kann und mit Magenfutter in Erhaltungsdosis auskomme. Er war ja 2,5 Jahre ohne Magenfutter okay, bis er dann wieder deutlich giftiger wurde bis hin zur Magenkolik, und danach hatte ich erstmal kein Gastrogard gegeben sondern "nur" Magenfutter, und habe auch rasch die Dosis gesenkt. Ich vermute, dass diese Geschichte daher nie ganz abgeheilt ist. Jetzt hole ich quasi die Gastrogard-Medikation der letzten Magenkolik nach.
Eins weiß ich jetzt, sind die Symptome erstmal so schlimm, dass er leichte Kolikanzeichen hat, reicht das Magenfutter allein nicht mehr.

Hexle hat aber schon Recht, was Haltungsbedingungen etc angeht. Optimal ist es bei uns nicht, mit nur 4h Weide im Winter, und allgemein Boxenhaltung über Nacht auch im Sommer. Box ist dem Bub schon zu stressig, weil die Nachbarpferde ihm da wohl zu nahe kommen, er fühlt sich da scheinbar schon bedrängt. Aber die Aktivställe im Umkreis, die ich mir angesehen habe, sind auch alle nicht das Wahre - zu hoher Besatz generell oder im Winter dann zu beengte Laufbereiche, weil die Weiden nur bei gutem Wetter auf sind.
Deshalb war das auch definitiv mein letztes Pferd, wenn ich hier bleibe. In dieser Region kann ich keine artgerechte Haltung finanzieren. Hinter Dresden hab ich einen bezahlbaren, schönen Aktivstall gefunden, ist nur leider 500km von mir weg...  ;D
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Offline Hexle

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #13 am: 26.08.14, 23:07 »
.. genau das meine ich  :D klar gäbe es Haltungsbedingungen die dem Pferd zu 100% entsprechen dürften - sie sind aber entweder nicht Arbeitsplatz- oder wahlweise nicht Gehaltskomptibel  :P

selbst die jungstute bei uns am Hof - jetzt 5 ihr Leben lang immer in der gleichen Herde - immer draussen immer Heu ad lib - hat magenbedingt letztes Jahr (VOR Beginn der Ausbildung ) das Koppen angefangen - in nächtlich Boxenhaltung (+Koppel mit anderen tagsüber ) während er Ausbildung (bei superguter ! pferdefreundlicher Ausbilderin) wurde es schlimmer! *schulterzuck* joooo ... nun ist sie daheim - 24 Stunden in gewohnter Herde in kleinem superfreundlichen Offenstall - toller Reiterin (!!!) 3 Tage die Woche  und koppt fröhlich weiter - mit Magenmitteln weniger - was will man da noch verbessern ?! Total freunduiches - nach aussen hin super entspanntes und fröhliches Pferd .. Ihre Mutter ist mit ihr als Saugfohlen in der Klink gewesen (wegen Magenkoliken) - da ging es Spitz auf Knopf .. hmmmm Disposition erblich? Auf Magenmittel mit der Muttermilch angefixt ?
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Offline MettieTopic starter

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Re: Magengeschwür und Magenschleimhautentzündung
« Antwort #14 am: 26.08.14, 23:27 »
Hexle, von einer genetischen Disposition gehe ich aus. Anders kann ich mir nicht erklären, wie Pferde ohne Weidegang, die dann 60min triefnass geritten werden und regelmäßig eine drüber bekommen, das aushalten während es andere gibt die scheinbar nahezu perfekt gehalten trotzdem ständig Probleme haben. Man hat ja auch rassespezifisch unterschiedliche Häufungen, wobei natürlich auch die jeweils unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkte eine Rolle spielen.

Ich hab bei meinem sicher mit der Ingwer-Teufelskralle-Kur dazu beigetragen, dass es so schlimm wurde, und womöglich ist der Magen seitdem auch empfindlicher als vorher. Man sagt ja eh, dass ein Pferd, das einmal Geschwüre hatte, ewig empfindlicher bleibt.

Nachher ist man immer klüger. Blöderweise neigen wir Menschen dazu, alle Fehler selbst machen zu müssen, und bis ich alles mal selbst verbockt hab, hab ich noch ein paar Pferde mehr verschlissen  :-X :P
Wie gesagt, nach diesem Pferd steige ich auf ein anderes Hobby um, wenn ich nicht vorher zufällig in eine Bauernfamilie mit etlichen Hektar Land und dem Potential zum Aktivstall-Bau einheirate  :P
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