Autor Thema: Wie bringe ich einem jungen Pferd bei, alleine ins Gelände zu gehen?  (Gelesen 10678 mal)

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Offline Alanaa96Topic starter

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Hallo,
Ich reite gerade einen 4-jährigen Wallach ein und mich würde es interessieren, wie ihr euren Pferden beigebracht habt, dass sie alleine ins Gelände gehen. Ich habe mit dem kleinen so angefangen, dass ich erst mit ihm alleine spazieren gegangen bin und es dann nach und nach gesteigert habe, also später mit Sattel und dann mit Trense. Momentan ist es mit ihm so, dass er, wenn wir im offenen Feld sind, gerne mal anfängt zu bocken und anfängt rückwärts zu rennen. Wenn wir im Wald sind benimmt er sich und es ist alles gut. Wie macht ihr das mit euren Pferden?
GLG Alanaa96

Offline Kiowa

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Am besten gar nicht, zumindest nicht, bevor es nicht sicher eingeritten ist. Man geht erst allein, wenn das Pferd in Gesellschaft anderer sicher geht, rittig ist und Routine hat. Wenn man zu früh allein rausgeht, provoziert man solche Probleme geradezu.

Am besten in der Gruppe geradeaus ins Gelände gehen, das eigene Gleichgewicht finden und die Welt kennen lernen. Wenn er sich auskennt, Routine hat und in allen normalen Situationen gut zu reiten ist, kann man anfangen, die Anforderungen zu steigern. Dann geht man mal vorne oder trennt sich von den anderen oder macht eine kleine Runde um den Stall allein.

Bis dahin haben sowohl das Pferd als auch der Reiter bereits geübt, kritische Situationen zu meistern, d.h. der Reiter weiß, wie er dieses Pferd handeln muss, das Pferd hat Vertrauen, dass der Reiter nichts Unmögliches verlangt, auch wenn's erstmal schwierig erscheint. Dann kann man anfangen, allein rauszugehen. Wie lange das dauert, hängt vom Einzelfall ab.
« Letzte Änderung: 29.12.13, 23:14 von Kiowa »
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Offline Ipanema

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Grundsätzlich hat Kiowa vollkommen recht, ich kenne aber die Situation, dass man in der Praxis halt keine Mitreiter da hat. Sollten ja auch nicht "irgendwelche" Mitreiter sein, sondern rücksichtsvolle Leute, die ihre Pferde unter Kontrolle haben. Das ist nach meiner Erfahrung nicht in jedem Stall eine Selbstverständlichkeit. Bevor ich mit den falschen Leuten rausgehe (also welchen, die unangekündigt losgaloppieren oder deren Pferde dauernd scheuen und Quatsch machen), gehe ich lieber allein...

Wenn's im Wald gut klappt, dann reite doch vorerst da. Eben bis ihr, wie von Kiowa beschrieben, euch gut kennt und das Pferd einigermaßen sein Gleichgewicht gefunden hat. Falls du über offenes Feld musst, kannst du ihn doch führen, oder? Ich würde weiterhin viel führen, nicht nur am Anfang und am Ende jedes Spaziergang-rittes, sondern auch zwischendrin, um kritische Situationen "von oben" erstmal zu vermeiden (Straßen usw.).
Setzt natürlich voraus, dass das Pferd eine gute Führausbildung hat, d.h. an der Hand schon mal brav ist. Und dass man im Gelände jederzeit ohne Lebensgefahr auf- und absteigen kann. Also erstmal zu Hause braves Einparken an allen möglichen und unmöglichen Aufstiegshilfen üben.


Hast du denn auch einen Reitplatz/Halle zur Verfügung?

Offline Hexle

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ich schliesse mich mal beiden Vorschreiberinnen an  ;)

wenn ich keine / schlechte Mitreiter habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als allein ins Gelände zu gehen. Nachdem ich meine Jungen vorzugsweise im Gelände anreite, justiere ich zu hause halbwegs Lenkung und Bremse (Seilchen um den Pferdehals als Notbremse)  ;) und dann gehe ich bis zum Erbrechen Gassi mit steigenden "trag mich doch ein Stückchen" Anteilen. Also eben vorher einparken üben, aufsitzen lassen üben (clickern oder wie auch immer) ..

Wenn du keine Möglichkeit hast den Youngster zwischendrin immer mal austoben zu lassen, würd ich mir das allerdings wirklich gut überlegen. Wenn ich mein Lieblingspferd nicht mindestens 1x die woche auf gutem Boden frei hätte abknattern lassen können, wären mir damals unsere alleinigen Spaziergänge auch zu gefährlich gewesen, die war dann auch mehr in der Luft als am Boden  ::)

In Pferdegesellschaft gings klar besser, aber ich wollte ja von sehr wenigen (einer!) Ausnahme abgesehen, lieber niemanden der "reiterlichen Koniferen" dabei haben  :-X
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline Frau Peh

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wenn ich keine / schlechte Mitreiter habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als allein ins Gelände zu gehen. Nachdem ich meine Jungen vorzugsweise im Gelände anreite, justiere ich zu hause halbwegs Lenkung und Bremse (Seilchen um den Pferdehals als Notbremse)  ;) und dann gehe ich bis zum Erbrechen Gassi mit steigenden "trag mich doch ein Stückchen" Anteilen. Also eben vorher einparken üben, aufsitzen lassen üben (clickern oder wie auch immer) ..
Kann ich nur unterschreiben. Wir sind auch erst in Begleitung raus ( ;D auch da war die Auswahl nicht sehr groß - zu viele Koniferen) und parallel dazu eben spazieren spazieren spazieren und quasi nebenher auf den Spaziergängen mal auf- und absteigen geübt oder einparken an verschiedensten Aufsteighilfen (Stein, Bänkle, Holzstämme...) und mit der Zeit dann eben auch mal ein paar Minuten tragen lassen (die letzten paar Meter heim - da kommt eher keine Diskussion auf, welchen Weg man einschlägt  ;)). Und dann eben peu á peu die Tragen-lassen-Zeit verlängern, bis man irgendwann plötzlich merkt, dass man ja fast schon einen "richtigen" Ausritt gemacht hat.
Wichtig find ich eigentlich nur, dass man das in (für's Pferd) vertrautem Gelände macht, wo es sich sicher fühlt dass einfach möglichst gar keine Situation auftaucht, wo das Pferd lieber nicht hinmöchte. Wenn das bei euch im Wald besser ist, dann mach's im Wald. Und führ über den Acker. Vorausdenken und keine Diskussionen anzetteln, die du verlierst.

Offline Alanaa96Topic starter

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Danke für die vielen Tipps. Eine Halle haben wir leider nicht, nur einen Platz der bei viel Regen nicht bereitbar ist. Das ist ein Privatstall mit zwei Einstellern. Eine kann ihr Pferd nicht kontrollieren und die andere ist selten da. Ich habe mich mit der, die ihr Pferd auch unter Kontrolle hat sehr oft verabredet und wir sind zusammen raus gegangen, aber jetzt hat sie nicht mehr viel Zeit, also muss ich alleine raus. Beim führen geht er mit mir überall hin und das Absteigen bei Gefahrensituationen klappt auch ganz gut.

Offline Hexle

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hi alanaa dann seid ihr doch schon auf einem guten Weg :) der Winter ist halt einfach immer bissle ätzend weil die Pferde sich nicht so bewegen können, wie sie es bräuchten und werden gern etwas .. eh ..ungehalten

was evtl. noch helfen könnte, wäre evtl. zum Gassi gehen /reiten einen leichten Kappzaum drunter zu schnallen, damit du am Kappzaum führen kannst (wenn er dann rumhoppst bekommt er nur zackig einen auf die Nase und nicht zusätzlich einen ins Maul)
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline Bantu

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Ich bin mit den beiden Jungpferden, die ich bisher angeritten habe (das eine wird jetzt 6 und das andere 22  ;D), von Anfang an auch alleine raus ins Gelände. Ganz einfach weil ich wollte, dass sie das lernen, denn ich will ja nicht immer bloß auf dem Platz reiten, wenn mal kein Ausreitpartner da ist.

Es war bei beiden völlig problemlos. Ich bin zwischendurch auch immer mal wieder auf- und abgestiegen. Besonders in kritischen Situationen bin ich anfangs lieber abgestiegen, als es auf eine gefährliche Situation ankommen zu lassen. Als wir dann sicherer waren, hab ich nur noch angehalten und die "Gefahr" begucken lassen. Die Strecken hab ich am Anfang natürlich so gewählt, dass keine vielbefahrenen Straßen zu überqueren waren, falls ich doch mal runtergefallen wäre. Und ich hab immer gesagt, wohin ich ungefähr reite. Außerdem hab ich immer ein Handy dabei.

Beim führen geht er mit mir überall hin und das Absteigen bei Gefahrensituationen klappt auch ganz gut.
Das klingt doch gut. Viel Erfolg weiterhin.