Autor Thema: Wann ist das Ende erreicht?  (Gelesen 98723 mal)

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Offline ChristineTopic starter

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Wann ist das Ende erreicht?
« am: 06.12.11, 13:16 »
Hallo an alle,

ich habe seit 7 Jahren ein Pferd, (Wallach, 14 Jahre, 1,65m Stockmaß, bildschön, gesund, ziemlich schlau für ein Pferd), mit dem ich seit ca. 2 Jahren das Problem habe, dass er nmich abbuckelt.
Eine kurze Geschichte mich betreffend dazu:
Bin immer eine ängstliche, vorsichtige Reiterin gewesen bis vor  knapp zwei Jahren erst meine Mutter, dann mein Vater nach schwerer Krankheit kurz hintereinander (ca. 3 Monate) verstarben. Ich habe sie nach Diagnosestellung und dem Tatsachenbestand der "nicht mehr Behandelbarkeit" nach Hause geholt, mich um Pflege gekümmert,  bin dort eingezogen und habe beide auf ihrem letzten Weg bis zum Schluß begleitet. Das hat Spuren in mir hinterlassen:
Und diese "Spuren" haben dazu geführt, dass sich mein Auftreten gegenüber meinem Pferd verändert hat.
Ich habe alles was an Zurückhaltung und Vorsicht (noch) da war abgelegt und ihm nichts mehr durchgehen lassen.
Da er ein sehr schlaues Kerlchen ist und seine Komfortzone dadurch mehr als schmal wurde hat er sich wohl überlegt, dass er das so nicht will.
Am Boden ging gar nichts mehr (nach seinem Kopf) und so hat er sein "Wirken" nach oben verlegt. Da konnte er mich dann wieder einschüchtern/in Griff kriegen.
Ich bin zwar nach jedem Runterfallen wieder rauf auf`s Pferd und habe weitergemacht - aber da bleibt was hängen und man ist mit Sicherheit anders "drauf" (im wahresten Sinne des Wortes) als vor dem Sturz.
Und DAS hat er gemerkt.  Und versucht so Terrain zurückzugewinnen, dass er am Boden verloren hatte.
Leider gehört er zu der Spezies, die, (für ein Pferd) viel zu schlau ist. Das macht weder ihm, noch dem Reiter das Leben leicht.

Es gab bisher immer  einen Auslöser (Hallentor geht auf, Geräusch von draussen etc.). Man muß aber dazu wissen, dass er NULL schreckhaft ist - ich würde ihn sogar als mutig bezeichnen.
Mein (sehr guter und erfahrener) Reitlehrer sagt mir schon seit dem Beginn dieses Verhaltens, dass die Reaktion meines Pferdes nicht auf dem Schreck basiert, denn dann würde er sich mit umdrehen und wegrennen begnügen und nicht während des "Weglaufens" buckeln bis ich unten liege. Danach bleibt er sofort ganz entspannt stehen.
Ich habe das bisher immer mit dem Schreckmoment des Pferdes entschuldigt und, da ich nicht bedingungslos sattelfest bin auch die Buckelei.
Frei nach dem Motto: Wenn ich beim letzten Buckler nicht gefallen wäre, vielleicht hätte er dann ja aufgehört.
Den Fehler babe ich nie beim Pferd gesucht - bis jetzt.
Beim letzten Mal hat er mich gegen Ende der Reitstunde während eines Zirkelgalopps (ich hatte eine Reitstunde) regelrecht abgeschossen. Diesmal ohne auch nur den Hauch eines Anlasses oder Auslösers. Gott sei Dank ist nichts passiert - aber einen Galloppsprung weiter vorne wäre ich an die Hallenwand gekracht.
Mein Reitlehrer, der mich und das Pferd von Anfang an kennt und betreut, rät mir nun dringend ihn abzugeben.
Er sagt, er spüre während des Reitens auch hin und wieder, wie das Pferd sich unter ihm "verändert".  Er nimmt dann den äußeren Zügel an und sitzt schwerer ein - dann läßt er es - was immer es auch ist oder werden sollte. Aber vertrauen wird er ihm nie. (Orginalton Reitlehrer).
Das Problem ist aber, ich reite nicht gut genug um so feine, kleine Veränderungen während des Reitens beim Pferd zu bemerken - und bin somit chancenlos.
Vermutlich würde ich auch nicht schnell genug reagieren können, wenn ich es merken würde.
Interessanterweise hat dieses Verhalten erst begonnen, nachdem ich ihn über die Jahre im Umgang immer mehr in den "Griff" bekam.
Dazu auch die Geschichte oben. 
Er war recht büffelig und dadurch nicht einfach im Handling - aber niemals bösartig oder gefährlich.
Mit Ausdauer und Konsequenz konnte ich viel bewirken und abstellen.
In den ersten Jahren hat er mich mit seinem ungehobelten Verhalten (ich weiß nicht, wieviele Stricke und Halfter er zerlegt hat und wie oft er sich beim Führen losgerissen hat) schwer beeindrucken können. Genau das hat mich beim Reiten defensiv werden lassen.
Diese Zeit ist nun vorbei und man merkt deutlich, dass ich mich durchsetze - nun auch im Sattel.
Aber leider kann man halt zunehmendes Selbstbewusstsein nicht eins zu eins in reiterliche Fähigkeiten umsetzen 
Mir kommt es so vor, als würde er die "Herrschaft", die er nun am Boden nicht mehr hat, in den Sattel verlegen.
In meiner "defensiven" Zeit hat der Wallach beim Reiten dieses Verhalten nie gezeigt.
Wie gesagt, die Frequenz mit anschliessendem Buckeln bis der Reiter am Boden liegt, hat in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen.
Wie beurteilt ihr dieses Verhalten?
Ich habe echte Zweifel, dass ich das abgestellt bekomme. Meiner RB habe ich einstweilen nahegelegt das Pferd nicht mehr zu reiten. Auch sie buckelt er seit dieser Zeit nach "Erschrecken" ab - bei weitem nicht so oft wie mich.
Bisher bin ich immer wieder aufgestiegen und weitergeritten.  Also Reiter unten - Arbeit beendet hat es nie gegeben. Im Gegenteil er durfte dann immer noch richtig was tun.
Beim letzten Mal hat das mein RL für mich getan, da ich fast bewusstlos war und einige Zeit brauchte, bis ich wieder richtig zu mir kam. Dann noch mal rauf auf`s Pferd macht wohl eher keinen Sinn.
Ich will nicht wieder die "brave, fügsame" Reiterin werden, die sich auf "Gedeih und Verderb" ihrem Pferd ausliefert. Solange ich das war, war er brav und anständig und hat mich als "Passagier" geduldet und mitgenommen. Er hat alles gemacht - aber zu seinen Bedingungen und ich wusste das auch immer.
Vielen Dank für Euer Interesse und Eure gEduld mit meiner Mega-Geschichte
Nachdenkliche und traurige Grüße
Christine
 

 

Offline Aleike

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #1 am: 06.12.11, 13:43 »
Hallo Christine,
wenn das Buckeln sich verstärkt und du die Situation nicht lösen kannst, solltest du tatsächlich an einen Verkauf denken, bevor du ernstlich zu Schaden kommst. Allerdings wird es wohl in dieser Situation nicht einfach sein, einen guten Platz für das Pferd zu finden. Niemand muss um jeden Preis mit jedem Pferd zurecht kommen, schon gar nicht um den Preis der eigenen Gesundheit.

Soweit zur Ausgangsfrage.
Ich würde allerdings die Verantwortung nicht beim Pferd suchen. Das Verhalten muss ja Ursachen haben. Du schreibst, dass es erst auftritt, seit du konsequenter bist und dich mehr durchsetzt.
Falls du also nochmal darüber nachdenken möchtest, fallen mir mehrere Dinge dazu ein:

a) Möglicherweise  hat dein Pferd ein körperliches Problem. Das halte ich zwar für weniger wahrscheinlich, da ihr auch beim körperlich harmlosen Umgang am Boden Schwierigkeiten hattet, aber man sollte diese Möglichkeit nicht außer acht lassen.
Dann hätte er  durch dein verändertes Verhalten - insbesondere beim Reiten - nicht mehr die Möglichkeit, durch Abblocken und Ausweichen dem Schmerz auszuweichen und geht deshalb zum „Gegenangriff“ gegen die erlebte Bedrohung über.

b) Eher vorstellen könnte ich mir, dass du nicht nur konsequenter geworden bist, sondern auch hart, möglicherweise ungerecht, und dein Pferd wehrt sich gegen die empfundene Bedrohung? Gerade weil du dich "vorher" im Verhalten eher als unsicher-ausweichend beschreibst, wäre es denkbar, dass du jetzt zuviel machst und danach strebst, dein Pferd sozusagen zu unterwerfen.
Darauf deutet hin, dass du eure Beziehung eher als einen Machtkampf beschreibst.
Überlege mal, ob du in deinen Korrekturen sachlich bist? Danach sofort wieder zu Freundlichkeit und Loben zurückkehrst? Immer erst freundlich das richtige Verhalten verlangst, oder immer gleich deutlich strafst? Kann sich dein Pferd unter deiner Führung wohl, sicher und zufrieden fühlen, macht die Zusammenarbeit mit dir Freude? Bist du aus Sicht des Pferdes ein berechenbar und verlässlich?

c) Die Verantwortung, das Pferd zur Zusammenarbeit zu motivieren bzw. diese überhaupt erst zu ermöglichen, liegt meiner Meinung nach immer! beim Menschen.
« Letzte Änderung: 06.12.11, 13:48 von Aleike »
Man darf nicht sagen: "Was, du Mistvieh, du willst nicht?" Sondern: "Entschuldige, mein Tier, ich werde schon noch dahinterkommen, wie ich es lerne, dich peu à peu auf den rechten Weg zu führen." (Udo Bürger)

Offline Hexle

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #2 am: 06.12.11, 14:21 »
ich schliesse mich Aleike vollinhaltich an - möchte aber nochmal verstärken, dass bevor du dem Pferd Absicht unterstellst du wirklich erst körpeliche Ursachen ausschliessen solltest - und als erstes sehe ich da ein paar Röntgenbilder der Dornfortsätze - kosten nicht die Welt und können den PFerden einiges an ungemach ersparen 

Pferde bocken eigentlich eher nicht "aus spass" in Serien bis auf gelegentliche Spasshoppser - wenn ein Pferd jedesmal bockt bis der Reiter unten ist und danach sofort entspannt ist - hat es eher eingen gesundheitlichen grund, und der liegt oft in Rückenschmerzen begründet  :-[
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline Figonero

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #3 am: 06.12.11, 14:49 »
Liebe Christine,
es liegt ja nicht ausschliesslich an Dir und Deinem veraenderten Umgang....er tut es ja beim RL und der RB ebenso, und die werden sich ja nicht veraendert haben.
Allerdings wird es schwer fuer Dich, zu diesem Pferd jemals wieder ein Vertrauensverhaeltnis aufzubauen....immer wirst Du sozusagen auf "Hab-acht" reiten, drauf warten ob...
Insofern koennte ein Verkauf durchaus die saubere Losung sein. Nur ..... eine Anzeige "verkaufe notorischen Buckler" macht sich nicht so toll.
Wie ist es denn beim Longieren? Gibt es da auch Aussetzer, ploetzlich, ohne Grund abspacken (das normale "abtoben" zu Arbeitsbeginn mal aussen vor)?

Wie Hexle und Aleike schreiben, solltest Du schon nach koerperlichen Ursachen forschen, muss ja nicht gleich Kissing Spines sein....und dann weitersehen, ob Du es noch mal mit ihm wagen willst, oder ihn eben dann verkaufen, nachdem die Ursache behoben ist. Dann hat er bessere Chance, ein Neues Heim zu finden.

Wenn der RL ihn reitet, versucht er es dann einmal und gibt auf, wenn RL sich das nicht bieten laesst? Oder gibt es immer wieder Ansaetze dazu, mal zwei drei pro Stunde, mal nur einen, mal keinen? Wenn es jedesmal nur einen Versuch gaebe (mit dem RL drauf) und er den Rest dann friedlich ist, taet ich schon in Richtung "Absicht" weiter denken. Bei unregelmaessigem Auftreten, wie Roulettespiel, spraeche es eher fuer ein koerperliches Problem. Dann koennte man schauen, ob es nicht evtl. bestimmt Uebungen/Anforderungen sind......z.B. immer dann, wenn er sich zusammenstellen soll, immer beim Galop, immer wenn ein Hinterbein verstarkt arbeiten soll..... und so weiter.

Das sind alles nur Anregungen, vielleicht "passt" was fuer Dich, denn so wie es jetzt grad ist ...ist das Ende der Fahnenstange erreicht!
Kerstin

Offline Rubens

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #4 am: 06.12.11, 14:52 »
Bevor ich meine Haflingerine hatte, hätte ich bei Aleike auch unterschrieben.
Jetzt nicht mehr.

Und wenn es nur mich betreffen würde, würde ich das Problem in erster Linie auch da suchen - aber sie macht es bei 3 RLs ganz genauso. Am langen Zügel ins Gelände werden wir wohl die nächsten 5 Jahre nicht gehen.
Man muß dazu sagen, dass sie sich in verschiedene "Reitweisen/Umgangsarten" bei verschiedenen Menschen durchsetzen konnte bevor sie zu mir kam. Sie ist immer noch im Anreitstadium, das Buckelproblem haben wir nicht, aber vom Boden verhält sie sich ähnlich.
Wenn sie die Möglichkeit hat, einer Bitte nicht nachzukommen ergreift sie sie. Stehen bleiben beim Zaun öffnen/schliessen z.B.. Sie ignoriert den Menschen wo sie kann und guckt lieber in der Gegend rum. Wenn sie nicht mehr auskommt, dann macht sie halt was sie soll. Blöderweise macht sie es dann super gut - aber Spaß hat sie dabei nicht.
Erst wenn ALLE Ausweichmöglichkeiten in ALLEN Richtungen geschlossen sind, DANN entspannt sie sich und man hat endlich! ihre Aufmerksamkeit - die zu erhalten wieder richtig harte Arbeit ist.

Mein Eindruck ist mittlerweile dass sie dieses Verhalten einfordert - ihr nicht mal ein Husten durchgehen zu lassen und konsequent dauernd etwas zu fordern. Als wollte sie sagen: "Wie soll ich Dir vertrauen wenn Du nicht mal mit MIR fertig wirst?". Ich finde es schrecklich, mit Serreta und Führkette arbeiten zu müssen und vor allem dem Pferd nicht vertrauen zu können. Und sie kennt jeden Trick. Jeden. Ich hätte nie geglaubt, dass ein Pferd alleine in so vielen Nuancen und Verhaltensweisen GLEICHZEITIG widersetzlich sein kann. Dabei ist sie nie bösartig, noch nicht mal wirklich dominant, einfach nur widersetzlich. Je "un-netter" ich zu ihr bin desto besser wird es und je netter ein Mensch zu ihr ist, umso mehr ignoriert sie ihn.
Und nein, Angst vor Strafe hat sie nicht - sie rennt trotzdem rein, egal ob in Serreta oder Peitsche. Das scheint ihr egal zu sein, hauptsache sie kann da jetzt erst mal losrennen.

Dabei ist sie trotzdem/deswegen total auf mich bezogen. Verstehen muß ich das nicht......
"Manche Dinge verschweigt man am besten, indem man ausführlich über sie redet."   Simone Servais

Offline ChristineTopic starter

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #5 am: 06.12.11, 14:56 »
Hallo Aleike,
danke für deine schnelle Antwort.

Körperliche Probleme schliesse ich aus. Die hätte er ja dann auch beim RL und würde dem den Schmerz ja auch in irgendeiner Form "mitteilen".
Es deutet auch beim Reiten nichts darauf hin. Mein (hauptberuflicher) RL hat 25 Jahre Erfahrung, ist ein Mensch, der den Fehler eigentlich niebeim Pferd sucht. Diesmal ist das anders. Ein gesundheitliches Problem schliesst er aus. Und ich denke mit seiner Erfahrung kann er das schon mitbeurteilen. Vor allem, da er das Pferd ja auch regelmäßig reitet und sehr gut kennt. Wahrscheinlich besser als ich  ::).
Ich bin einfach nur konsequenter und entschlossener geworden.
Hart und brutal auf keinen Fall. Im Gegenteil  - haben wir ein Problem, dann verlange ich, dass er es auf die gewünschte und ihm bekannte Weise macht (er ist 14 Jahre und kennt die Regeln). Wenn das klappt, dann ist Ruhe und er bekommt ein Lob in der Art: "So ist fein".
Ein Beispiel von vielen:
Vorher habe ich das stehen lassen, wenn er gezappelt hat beim Putzen und habe nur geguckt, dass ich schnell fertig wurde und er nicht auch noch nach hinten riss und sich freimachte.
Heute kriegt er ein klares "Steh" und ich schiele nicht mehr mit einem Auge nach einer Deckung für den Fall, dass er sich in die Seile hängt. Sondern bleibe wirklich ungerührt und eiskalt neben ihm stehen. In den letzten zwei Jahren hat er sich nur noch einmal losgerissen. Ich habe ein neues Halfter geholt, ihn wieder angehängt und einfach weitergemacht - als ob es den Vorfall gar nicht gegeben hätte. Seitdem ist diese Baustelle geschlossen. Der ist schlau, der steckt keine Energie in etwas, was ihm nichts bringt.
Im Gegenteil, seit ich sicherer und entschlossener bin, bin ich auch bei weitem nicht mehr so emotional in meinen Reaktionen.
Einen Machtkampf führe ich sicher nicht - dazu bin ich gar nicht in der Lage  :P. Unterwerfen ist auch nicht mein Ding und würde bei diesem Pferd eh nicht funktionieren.
Meiner Meinung nach könnte er sich eigentlich jetzt sicherer fühlen als jemals zuvor, da ich früher einfach sehr ängstlich und defensiv war.
Aber genau das hat ihm komischerweise nichts ausgemacht - da war er brav und friedlich beim Reiten und hat sich damit zufrieden gegeben mir am Boden die "Grenzen" zu zeigen.
Er ist scheinbar gern "Entscheider" und hatte sich wohl auch (in fünf Jahren) dran gewöhnt das Heft in der Hand zu halten.
Aber das will ich nicht mehr.
Ich suche ja auch dauernd nach Fehlern, die ich gemacht habe aber mein RL sagt mir, ich habe nichts falschgemacht. Er meint es gibt leider immer wieder mal solche Typen. Und das ist halt dann nichts für einen Hobbyreiter.
Unterfordert war er bei mir natürlich auch - er hat weiß Gott Potential. Aber damit konnt er die letzten fünf Jahre auch prima leben - solange ich "brav" war hat ihm gereicht was ich und meine RB mit ihm machten. Er wurde ja auch 2x wöchentlich von meinem RL geritten und der hat ihn dann gefordert. Daran hat sich ja auch nichts geändert.
Geändert hat sich sein Verhalten beim Reiten seit ich ihm seinen Platz als Pferd gebe und darauf bestehe, daß er eben "nur" das Pferd ist und ich die Ansagen mache. Aber immer höflich und angemessen.
DGrüße
Christine

Offline Aleike

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #6 am: 06.12.11, 15:15 »
Hallo Christine,

das klingt schon, als hättest du alles sehr gründlich durchdacht.
Allenfalls hier könnte man nochmal nachdenken:
Da er ein sehr schlaues Kerlchen ist und seine Komfortzone dadurch mehr als schmal wurde
Mehr als schmal heißt ja eigentlich nicht-existent. Eine neue Komfortzone sollte er aber angeboten bekommen, damit er einen Grund hat, mit dir zu kooperieren. Aber vielleicht war das auch nur eine etwas missverständliche Formulierung.

c) gilt meiner Meinung nach so oder so, auch bei schwierigen Charakteren, seien sie menschengemacht oder möglicherweise angeboren.
Ob man sich das dann aber antun will (wenn man überhaupt kann), ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss und darf!
Ich kannte auch mal ein schwieriges Pferd (angreifen, losreißen; steigen oder abhauen in unangenehmen Situationen), das zum Glück nicht mein eigenes war. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, ihn zu kontrollieren (auch mit Serreta, *wink zu rubens*), zu überzeugen und zu motivieren. Wir konnten wirklich viel zusammen machen und es hat auch Spaß gemacht, aber dennoch musste ich jederzeit immer mindestens ein halbes Auge und Ohr bei ihm haben. (Erst bei der nächsten RB habe ich wirklich gemerkt, wie entspannend es dann plötzlich war, nicht immer hinter mich gucken zu müssen.)

Sicher waren Menschen schuld, dass er war, wie er war. Ich mochte ihn am Ende sehr, aber übernehmen wollte ich so ein Pferd dann nicht, als die Besitzerin nicht mehr wollte.
« Letzte Änderung: 06.12.11, 15:20 von Aleike »
Man darf nicht sagen: "Was, du Mistvieh, du willst nicht?" Sondern: "Entschuldige, mein Tier, ich werde schon noch dahinterkommen, wie ich es lerne, dich peu à peu auf den rechten Weg zu führen." (Udo Bürger)

Offline ChristineTopic starter

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #7 am: 06.12.11, 15:22 »
Hoppala,

da war ich aber etwas langsam - jetzt stehen da auf einmal so viele Antworten - vielen Dank.
Werde versuchen so einigermassen auf alles einzugehen.
Notorisch Buckeln tut er nicht. Immer wieder mal - bis auf das letzte Mal - nach "Erschrecken". Es kann wochenlang gar nicht sein (trotz Anlässen) und dann doch wieder. Steigst du wieder auf (was ich ja tat) und reitest du an diese "Pferdefresserstelle" nochmal ran, dann lässt er sich (beinahe) anstandslos hin- und auch vorbeireiten.
Er probiert es - ab und zu - auch bei meinem RL - aber nur einmal und wenn der eben schwer einsitzt und ihn mit dem äußeren Zügel erinnert: "Mein Freund ich bin auch noch da", dann lässt er es. Aber da ist eben nur diese "Veränderung" im Pferd, die ich leider (mangels Reiten könnens) eben nicht spüre. Ob er da dann auch so losbuckeln würde weiß ich nicht, da es der RL (verständlicherweise) gar nicht so weit gedeihen lässt.
Beim Longieren ist er grundanständig. Freilich tobt er auch mal los - aber im Rahmen. Longe aus der Hand reissen, abdrehen, total ausflippen und solche Sachen gibt es gar nicht. Egal ob ich mit Kappzaum und ausgebunden (arbeitsmäßig) longiere oder nur am Halfter nach dem Laufenlassen. Er ist aufmerksam und geht einwandfrei auf Stimmkomando.
Wenn er frei läuft dann kann er auch schon mal richtig abgehen. Aber das halte ich für normal und dafür ist das Laufenlassen ja auch (hin und wieder mal) gut.
Mit seinem Körper ist er unglaublich geschickt. Nicht nur beim Reiten - auch beim Hinlegen/Aufstehen/Wälzen. Da seh ich - gemessen an ihm - viele Grobmotoriker unter den Pferden unseres Stalles. Deshalb fällt es mir ja auch so leicht meinem RL zu glauben, dass ihm gesundheitlich nichts fehlt.
Glaubt mir, ich würde mich freuen, wenn er einen anderen Grund hätte für sein Verhalten, als den, dass er es nicht akzeptiert, das sein anderer das Sagen hat als er. Vor allem einer, der so lange "gekuscht"  und seine "Geschenke" dankbar angenommen hat.
Grüße
Christine

Offline Hexle

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #8 am: 06.12.11, 15:23 »
hmmm Christine dein Pferd ist nicht zufällig Weltmeyer Abstammung? dann wärs eher ein psychisches Problem - die können bis zu einem gewissen (relativ niedrigen niveau also A-L) relativ kooperativ geritten werden - aber wenn es dann an die eigentliche Leistung geht blockieren sie (entweder durch komplett verweigerung oder eben Buckeleskapaden und zwar von jetzt auf gleich - mit oder ohne grund )

und ich würde trotzdem die Dornfortsätze röntgen lassen ... seine sonstige Beweglichkeit sagt überhaupt nichts über evlt. doch bestehende Engstellen aus  :-\
« Letzte Änderung: 06.12.11, 15:27 von Hexle »
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline ChristineTopic starter

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #9 am: 06.12.11, 15:52 »
Halllo,
er ist ein deutsches Reitpferd (gezogen bei Frankfurt), das viel Hannoveraner drin hat und stammt direkt von "Gotthart". Weiss jetzt nicht genau ob man das hinten mit "t" oder "dt" oder "d" schreibt.
Auf dem Papier der Mutter (Caribic) steht "Cor de la Bryer" .
Eines kommt mir jetzt in den Sinn:
Als ich ihn (knapp 8-jährig) kaufte recherchierte ich ein wenig in seiner Vergangenheit und konnte in Erfahrung bringen, dass er dreijährig vom Züchter verkauft wurde und danach       4 verschiedene Besitzer hatte - ich bin die Fünfte. Unter Umständen waren es vielleicht noch mehr? 
Der, unmittelbar vor mir, gab ihn nach zwei Jahren zum Händler weil ihn seine zwei Söhne, für die er ihn angeblich gekauft hatte nicht ritten und der Mann keine Lust mehr hatte ständigen Beritt für das Pferd zu bezahlen.
Ich bin in dieser Reihe ja der Rekordhalter mit 7 Jahren.
Und von den Vorbesitzern konnte ich keinen erreichen, mangels Adressen und Telefonnr. - außer dem Züchter. Und der hat ihn als grottenanständig beim Anreiten bezeichnet.
Aus heutiger Sicht fange ich an mich zu fragen wie er zu so einer "stolzen" Anzahl an "Ehemaligen" kommt und ob wirklich immer Geldmangel der Anlass für den Verkauf war. Und warum der vor mir Beritt auf dem Pferd hatte? Als ich ihn kaufte, habe ich das zwar zur Kenntniss genommen mir aber weiter keine Gedanken darüber gemacht.
Mir ist das wirklich eben erst wieder eingefallen - Dank deiner Frage nach der Abstammung.

Offline Kiowa

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #10 am: 06.12.11, 17:43 »
Ich würde auch erst einmal versuchen, evtl. gesundheitliche Probleme abklären zu lassen, Haltung, Fütterung und Sattel checken.

Wenn keine bestehen, würde ich versuchen, jemanden zu finden, der unvoreingenommen die Beziehung zw. Pferd und Reiter analysiert, vielleicht tust Du ja doch irgendetwas, was ihn unter Druck setzt, ohne dass er eine andere Möglichkeit sieht, außer Dich abzuschießen? Nur reine Spekulation, aber wir tun oft unbewusst Dinge, die unsere Tiere überfordern/unterfordern/zu Missverständnissen führen.

Wenn da alles in Ordnung ist, würde ich mir den Stoffwechsel vornehmen. Mein Dickmops hat von klein an einen relativ hohen Muskeltonus, ist sehr leichtfuttrig, neigt zu Ekzem ... seit er prophylaktisch kein Kraftfutter mehr kriegt und ein paar Mal mit Akupunktur und anderem energetisch behandelt wurde, ist die Muskulatur wesentlich lockerer, das Pferd ausgeglichener und auch bei nasskaltem Wetter nicht mehr rückenempfindlich. Er neigt dazu, wenn er unter Spannung gerät, sich durch Bocken Luft zu machen, egal ob wer drauf sitzt oder nicht und auch egal, ob die Spannung positiv oder negativ war. D.h. er buckelt auch, wenn er z.B. im Freispringen was Besonderes geschafft hat (oft verweigert er auch eine Wiederholung der Leistung, weil's ihn stresst, inzwischen weiß ich das und fordere so was Besonderes nicht zwei Mal hintereinander, sondern lobe und mache ein Päuschen).
"God put me on this earth to accomplish a certain number of things. Right now I am so far behind that I will never die." (Bill Watterson)

Offline speedy

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #11 am: 06.12.11, 18:57 »
Hallo Christine,
schließe mich meinen Vorrednern größtenteils an.
Schließe erst einmal alle gesundheitlichen Aspekte aus.
Steht dein Pferd nur in der Box/wie lange ist der Koppelgang? Ist dein Pferd wegen dieses buckelns oder von je her in Beritt?

Passiert dir das beim ausreiten auch? Was und wie viel machst du in einer Woche mit ihm?

Mein Kleiner galt damals als "schwer zu vermittelndes Reitpferd" (kam von einem Bereiter aus dem Saarland)und hatte mich zu Anfang auch oft abgebuckelt(in jeder Springstunde und teilweise auch mal so). Hatte mir zum zu guter letzt noch mein Bein gebrochen und wollte ihn auch schon fast hergeben. Habe mich allerdings dagegen entschieden und probiert ihn nicht unter Stress zu setzen (springen hat ihn eindeutig zu sehr aufgeregt und heiß gemacht. zudem hat meine damalige Stallgemeinschaft gemeint, dass sie mir des öftern kluge Tipps geben müssten ). Habe mich vermehrt ins Gelände bewegt und einfach nix besonderes von Ihm gewollt und es wurde besser. Habe dann auch noch die Haltungsform geändert(Offenstall) und er wurde noch viel ausgeglichener und ruhiger sodass ich mittlerweile alles mit ihm machen kann (ein echtes Verlasspferd). Habe zusätzlich noch Bodenarbeit und Vertrauenstraining gemacht. Mittlerweile habe ich ihn 12,5 Jahre und würde ihn nie wieder hergeben.

Ich will dich jetzt hier nicht überzeugen ihn zu behalten, aber überlege dir doch mal alles auszuprobieren. Kannst ja nix verlieren. Eine Freundin von mir hatte auch ein buckelndes und sehr heiß werdendes Stütchen. Sie konnte teilweise nicht mal am Reitplatz vernünftig mit ihr reiten. Nach der Veränderung der Haltungsbedingungen (Offenstall) ist sie wie ausgetauscht. Mittlerweile kann sogar ein 14jähriges Mädchen mit ihr allein ausreiten gehen.
Das heißt jetzt nicht, dass das auf deinen Wallach auch zutreffen muss. Das ist jetzt nur meine Sicht.

Offline ChristineTopic starter

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #12 am: 06.12.11, 20:27 »

erstmal vorab:
Ich finde es schön, wie sehr ihr euch für mein Problem (und für mich ist es weiß Gott ein Problem) interessiert und alle Möglichkeiten andenkt und auch ansprecht.

Mein Pferd steht von Anfang an in diesem Stall, an den Haltungsbedingungen hat sich nichts verändert und jahrelang war er unter diesen Bedingungen auch ganz zufrieden. Terz gibt es erst seit ich mich von ihm nicht mehr "weisen" lasse. Und je konsequenter ich werde, desto höher wird die Frequenz dieser Probleme und - wie beim letzten Vorfall ganz deutlich geworden - desto heftiger wird er.
Aber nun zur Beantwortung eurer Fragen:
Ein normaler Reitstall (sehr angenehm: nur 16 Pferde und kein Schulbetrieb) mit Boxen in komfortabler Größe (Maße hab ich nicht im Kopf), Platz, Reithalle, Weiden und Paddocks.
Er kommt über den Sommer jeden Tag für mehrere Stunden auf die Koppel und hat ab Oktober ein Riesenpaddock bis zum späten Nachmittag zur Verfügung. Draussen sind sie täglich und bei jedem Wetter bis auf Extremwetterlagen wie Eisregen.
Auf der Koppel sind sie immer zu zweit, da unsere Koppeln nicht groß genug für eine große Gruppe Pferde sind.
Er hat 5 von bald 7 Jahren, die ich ihn nun habe, gar nichts gemacht (buckeln).
Aber da hatte ich auch einen Heidenrespekt vor seinem teilweise heftigen Benehmen im Umgang, der mich sehr defensiv beim Reiten werden/sein ließ, den ich aber nach und nach abbauen konnte.
Den RL habe ich schon bald 12 Jahre und nehme regelmäßig Unterricht, da ich mein Pferd nicht weiterausbilden kann und auch regelmäßig Korrektur reiten lassen möchte.   
Normalerweise reite ich 3x die Woche selber (2x mit Unterricht, 1x alleine). 1-2x reitet der RL und 1-2x meine RB.
Bitte immer dran denken, 5 Jahre war das alles so in Ordnung - keinerlei Probleme oder Vorkommnisse.

Gelände:
Da ist er auch sehr selbständig. Ich war Passagier. Draußen blieb ich defensiv, ich habe nie versucht mich durchzusetzen - anders als in der Halle oder auf dem Platz. Ich war aus diesem Grund auch nicht oft im Gelände, da ich mir immer sehr ausgeliefert vorgekommen bin. Ich habe nur Schrittausritte mit anderen ruhigen und erfahrenen Pferden gemacht.
Der Reiter interessiert ihn nicht wirklich auch die anderen Pferde nicht. Er dreht auch aus einer Gruppe ab und läuft alleine in die andere Richtung, wenn er meint da geht er aus irgendeinem Grund nicht weiter.
Meine RB ist draussen einmal abgestiegen, weil ihr sein "Rumhüpfen" Angst gemacht hat und wollte ihn ein Stück führen. Drei andere Reiter dabei, alle Pferde aus unserem Stall. Er hat sich losgerissen und ist alleine von allen weg heimgelaufen.
Es war übrigens noch ein ganz nettes Stück zum Stall - Gott sei Dank ohne Strasse dazwischen.
Allerdings kommt ihm bzw. dem Reiter sein Mut sehr zugute- Er hat eigentlich vor gar nichts Angst.
Oft ist sowas also nicht passiert - aber es ist passiert.
Außerdem neigt er überhaupt nicht zu irgendwelchen kopflosen, panischen Manövern. Er passt immer auf sich auf und damit natürlich auch auf den Reiter.
Es gab natürlich auch noch andere, unangenehme Situationen draussen und ich hatte immer das Gefühl, das nicht ich diejenige war, die ihn letztendlich vorwärtsbekommen habe, sondern dass er entschieden hatte zu gehen.
Auch seinen Reaktionen (tänzeln, piaffieren, wegbrechen, lospreschen, Ansätze zum Steigen usw.) war ich immer "ausgeliefert" und konnte nur drauf vertrauen, dass nicht mehr draus wird, als ich sitzen kann. Das war Gott sei Dank auch immer so. Er blieb im Rahmen solange ich ihn nicht "anfasste".
Meine (zögerlichen) Versuche in solchen Situationen auf ihn reiterlich einzuwirken hat er immer mit heftiger werden quittiert und damit hat er mich dann für diesen Moment wieder in den "Griff" bekommen.
Wie er es am Anfang eben auch im Umgang gemacht hat. Da konnte ich mich rausentwickeln - dann hat er eben beim Reiten angefangen.
Ich bin draussen nie abgestiegen, nie runtergefallen aber:
Ich war soweit, dass ich mich im Gelände immer unwohler fühlte, an meinen reiterlichen Fähigkeiten zweifelte und einen, mir bekannten, sehr versierten (Busch-) Reiter bat mit ihm rauszugehen. Der hat ihn - in Begleitung - 2 Stunden draussen geritten, kam zurück und meinte: Sehr gelassen, souverän und mutig, ihm fehlt nur etwas Routine und Kondition. Großartig - ich kam mir vor wie ein Depp  :-[.
Daraufhin habe ich mich auf das Pferd meiner Tochter gesetzt - einfach um zu überprüfen ob es mir mit einem anderen Pferd draussen auch so geht. Ob mich der auch so ignoriert und womöglich unter Druck setzt, wenn ich sage vorwärts.
Der sagt manchmal "Huch" was ist denn das und könnten wir denn da bitte nicht vorbei müssen?.
Aber da konnte ich mich mit einfachen reiterlichen Hilfen durchsetzen und dieses Tier hat mir zugehört, sich überzeugen lassen und ist weitergegangen weil ich es wollte. Das hat mich total beruhigt. Bestätigt aber leider das Urteil meines RL das es nicht an mir, sondern am Pferd liegt.
Ich werde mich aber nicht mehr seinem "good will" ausliefern - was mache ich, wenn er den mal nicht hat? Am falschen Ort? Zur falschen Zeit?
Während ich so schreibe merke ich eigentlich um die Schwierigkeit überhaupt nochmal weitermachen zu können. Wenn ich das so durchlese, dann finde ich keinen Weg da raus. Nochmal rauf auf dieses Pferd scheint mir das letzte zu sein, was ich möchte.
Tut mir leid euch so vollgelabbert zu haben - aber das brauchte ich wohl. Und meiner Entscheidungsfindung hat es auch geholfen.
Danke für eure Geduld
eine immer noch traurige aber erleichterte
Christine




Offline Hexle

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #13 am: 06.12.11, 20:51 »
hmmm ganz ehrlich ?

ICH würde mir einen anderen RL suchen, denn wenn du schon so lange bei diesem RL bist und die Probleme immer schlimmer werden,  statt besser, ist er nicht der rchtige Ausbilder für die Kombination "Christine und ihr Pferd"

ODER wenn du den RL wirklich toll findest (warum eigentlich, wenn du nach 7 Jahren immer noch nicht mit deinem PFerd zurecht kommst ??)  such dir soch besser ein anderes Pferd :-\

das klingt jetzt hart - aber dein letzter Beitrag hat da ein paar Alarmglocken in mir klingeln lassen - wenn jemand über 3 und mehr Jahre immer und immer auf dem gleichen "niveau" herumschrubbt, ist schlicht der Ausbilder nix !! Dann liegt das nicht mehr am fehlenden Talent des Reiters oder des Pferdes sondern des Ausbilders



Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Offline Figonero

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Re: Wann ist das Ende erreicht?
« Antwort #14 am: 06.12.11, 21:08 »
Hmmmm, Christine,
was mich ehrlich stutzig macht ..... Du schreibst dies und jenes, gibst auch Deine Maengel (reiterlich, erzieherisch) zu. Das erfordert schon mal viel Mut. Das find ich gut.

Aber, wie gesagt, die Aussetzer kommen ja eben auch beim RL vor. Dass der sich nicht gleich abbuckeln laesst, bzw. es sogar im Ansatz erstickt....naja, dafuer ist er schliesslich RL...

Fuer mich hoert sich das, je mehr Du schreibst einfach so an, als ob das Pferd fuer Dich zu stark ist. Charakterlich, reiterlich, koerpèrlich. Was Du ueber die Abstammung schreibst, eher ein "Sportpferd" denn gemuetliche Freizeitschaukel. Kann das stimmen?

Wenn Du nun sagst, Dich graust der Gedanke, Dich da noch mal raufzusetzen .... tja, dann ist die Entscheidung doch gefallen, oder?
Evtl. kannst Du ihn auch fuer 4 oder 8 Wochen in Vollberitt geben .... zum einen, damit der RL mal die Chance hat, kontinuierlich was zu erarbeiten, ohne dass ihm dazwischen gegummert wird (Du, die RB), zum anderen, um ihn zumindest ein bissl auf Linie einzunorden, bevor Du ihn dann inserierst.

Weisst Du, es ist ja nett, wenn man einen "Corde..." in der Box stehen hat, aber was nutzt es Dir, wenn er Dir Angst macht?

Zum anderen....sich schwer reinsetzen, Aussenzuegel dran und evtl. den Kopf (des Pferdes, nicht den eigenen, obwohl, den auch) hochnehmen, damit er den Ruecken nicht rund machen kann (Einleitung zum Bocken), das ist kein reiterliches Hexenwerk! Das sollte man nach 12 Jahren Unterricht schon hinbekommen...wenn Du insgesamt so zaghaft bist, dann bist Du mit der Wuchtbrumme nicht gut beraten....und Deine RB, die scheinbar so aehnlich agiert, auch nicht.

Kerstin