Autor Thema: Reiter zu schwer für Pferd?  (Gelesen 22709 mal)

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Audrey

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Reiter zu schwer für Pferd?
« am: 14.10.11, 07:03 »
Hallo zusammen!

Bei uns im Stall steht ein Freiberger (8 J., ca. 160 cm Stockmaß) und wird von seinem Besitzer regelmäßig geritten (ca. 1,95 groß und 100 kg schwer). Allerdings, jedesmal, wenn man den beiden zusieht, tut einem der Freiberger irgendwie leid: Er bekommt seine Hinterbeine kaum aus dem Sand, schlurft nur noch als hätte er Spat und ist nach wenigen Runden im Trab oder Galopp völlig fertig und das, obwohl der Besitzer ihn schon seit Monaten regelmäßig trainiert und auch eine Trainerin kommt, um Muskeln aufzubauen. Uns ist aber auch aufgefallen, dass der Wallach völlig anders läuft, wenn entweder die Trainerin oder die Frau des Besitzers drauf sitzen (beide haben m.E. höchstens 60 kg an Gewicht). Da schwingt dann auch plötzlich die Hinterhand und er springt den Galopp durch. Wenn der Besitzer ihn reitet, dann knicken alle paar Runden, besonders beim "Runterschalten" zu langsameren Gangarten oder zum Stopp richtig die Hinterbeine ein oder eins bleibt einfach auf der Hufspitze "stecken" im Sand.

Bislang hat sich jetzt noch niemand recht getraut, den Besitzer darauf anzusprechen, dass das Ganze doch so aussieht, als hätte sein Pferd mit seinem Gewicht echt ein Problem. Na ja, wer macht sowas schon gern?  :-\ Aber nachdem ich die beiden gestern wieder in der Halle getroffen habe, muss ich mich jetzt einmal schlau machen.
Der Besitzer erzählte mir (und das ist auch das, was ich immer dachte) Freiberger seien Gewichtsträger und könnten problemlos alles tragen. Die Physiotherapeutin vom Pferd seiner Frau hätte ihm die Rasse empfohlen. Wenn ich mir den armen Kerl aber immer so anschaue, bin ich mir ja nicht so sicher...

Was meint ihr? Habt ihr etwas ähnliches schon mal gesehen/erlebt? Ist es denn überhaupt möglich, in so einem Fall so viele Muskeln hinzutrainieren, dass das Pferd den Reiter ohne Schäden problemlos tragen kann? Man muss dazu sagen, dass der Besitzer mit dem Pferd Wanderritte machen möchte.

Viele Grüße
Audrey

Online TinaH

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #1 am: 14.10.11, 07:12 »
Abgesehen davon, daß der Reiter natürlich zu schwer sein kann für das Pferd (Pferde sind nicht zum Tragen geschaffen):

Ob ein Pferd ein Gewichtsträger ist, hängt nicht von der Rasse, sondern von seinem Fundament und der Länge/Kürze des Rückens ab...

Entweder liegts am Gewicht, oder an der mangelden reiterlichen Ausbildung. Was sagt denn seine Trainerin dazu?
Wenn ich tolerant wäre, dann würde ich einen Gänseblümchenkranz auf dem Kopf tragen und Kumbaya singen

Offline carola

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #2 am: 14.10.11, 08:24 »
Und/oder an der Größe. Jemand mit 1,95m hat natürlich einen ganz anderen Hebel. Und wenn der vielleicht noch ein bisschen nach hinten sitzt, hängt er ihm voll im Kreuz.
Das kann an vielem liegen. Sattel, Reiter, Gewicht, Größe. Ein unpassender Sattel ist vielleicht mit 60 kg nicht so schlimm wie bei 100.
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Offline donau

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #3 am: 14.10.11, 10:01 »
ich hätte noch ein kriterium: die gurtentiefe vom pferd. ein pferd, das "über mehr boden steht", von vorne betrachtet, hat weniger probleme mit der balance, als ein eher schmalbrüstiges.

faustregel: wenn ein pferd den reiter gut abdeckt (seine arme und beine also nicht zu lang wirken, er nicht zu groß), dann sollte das passen. dazu ein eher gerader (rückenform ist meiner meinung nach wichtiger als kurz) rücken, und wichtig: ein passender sattel!! ich hab nämlich (aus erfahrung) den verdacht, dass der sattel für das pferd zu lang ist, ich nehme an, es ist ein westernsattel, ja? dazu haben westernsättel oft noch die tendenz, den reiter ein bissl stuhlsitzig hinzusetzen, und schon sitzt der 100kg mann dem pferd so ungünstig im kreuz, dass er im rücken blockiert ist. bei kleineren/ leichteren/ besseren reitern fällt das nicht so auf, bzw. kann das pferd da kompensieren.

mit einem passenden sattel lässt sich das aber richten, muss eben für BEIDE auf mass gemacht sein, und das berücksichtigen. weiss ich deshalb, weil ich selber ein paar ~ 1,95 -100kg-männer kenne, die reiten. 2 davon auf einem eher großen (1,70+) wallach, allerdings im englisch-sattel, der dem pferd gut passt. und der wallach läuft mit denen ganz normal. ein so ein exemplar sass schon auf meiner 1,65 wb-stute (der großen), die eher blütig ist, aber eine sehr stabilen, starken, geraden rücken hat. die hat den locker getragen, ebenso das ca. 1,60m merenspferd im wanderreiturlaub, wo wir täglich ca. 3-5h unterwegs waren.

natürlich gibt es den fall, dass der reiter für das pferd einfach zu schwer ist - wenn aber gurtentiefe, rückenform und -länge stimmen (ich geh mal beim fribi davo aus, dass das kein "hemd" ist), dann ist oft der sattel das entscheidende. eventuell kannst du den besi mal darauf ansprechen? unter dem aspekt der langstrecke?
Wer auf seinem Standpunkt beharrt, darf sich nicht wundern, dass er nicht weiterkommt...

Authorised WEIGUMS Desillusionator

Offline terra

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #4 am: 14.10.11, 10:31 »
Ich beisse mich jetzt auch noch am Sattel fest: Wir haben hier auch ein reitendes Paar mit deutlichem Gewichts/Grösenunteschied - da hat jeder seinen eigenen Sattel und das pFerd läuft ...
Auch und gerade ein zu kleiner Sattel kann den Reiter so falsch hinsetzen, dass es das Pferd ordentlich zwickt.

Audrey

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #5 am: 14.10.11, 14:50 »
Hallo!

Erst mal danke für die Antworten.  :)

Also, der Westernsattel wurde extra für den Wallach maßangefertigt, weil er im Rücken eben sehr breit ist und sein Reiter so groß. Von daher glaube ich kaum, dass der Sattel nicht passt. Er sieht auch nicht zu lang aus.

Der Freiberger hat einen eher kurzen Rücken, aber schon mit Schwung. Er wirkt immer, als würde er mit seinem Reiter "vorlastig" laufen, also, extrem auf der Vorhand, wobei die Hinterhand trotzdem nur nachschleift und er die kaum aus dem Sand bringt.

An mangelnder reiterlicher Ausbildung liegt's sicherlich auch. Wobei mir da, ehrlich gesagt, die Trainerin leid tut, denn der gute Besitzer weiß hin und des Öfteren alles besser und von gutem Sitz kann bei ihm jedenfalls nicht die Rede sein.
Es ist allerdings auch so, dass seine Beine gut 20 cm unterhalb des Pferdebauchs enden. Es sieht alles schon ziemlich unpassend aus bzgl. der Größe. Der Freiberger wirkt unter ihm immer wie ein kleines Pony...

Ich hab mal gegoogelt. Der Wallach sieht ein bisschen so aus wie der hier, nur mit mehr Schwung im Rücken:
http://www.hallo-pferd.de/newsimages/Freiberger01.jpg

Viele Grüße
Audrey

Offline carola

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #6 am: 14.10.11, 14:56 »
Für den sollte das eigentlich kein Problem sein.
Aber wenn der Sitz des Reiters nicht toll ist und der aufgrund seiner langen Beine mit seinem Hintern recht weit hinten zu sitzen kommt, kann das den Freiberger schon drücken. Je länger die Beine, desto größer der Winkel, desto weiter hinten die Sitzknochen.
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Offline sasthi

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #7 am: 14.10.11, 15:22 »
Ich denke da aber dann weniger, dass das Gewicht das Problem ist.
Bei der Größe von dem Mannsbild ist ja eigentlich auch noch kaum was an ihm dran.
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

Wieselchen

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #8 am: 14.10.11, 15:26 »
Vielleicht ist der Fribi auch etwas unmotiviert mit so einem schweren Reiter, daß er versucht möglichst kraftsparend zu laufen? Sowas könnte ich mir auch vorstellen. Gewichtsträger hin oder her, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß 100kg-Leute auf Dauer als Reiter für Pferde geeignet sind.
Pferde sind, wie TinaH schon schrieb, körperlich überhaupt nicht aufs Tragen ausgerichtet. Deshalb müssen wir sie ja so reiten und muskelmässig ausbilden, daß sie uns unbeschadet überhaupt tragen können.

Aber ist ja auch Ansichtssache. Ich hab auf dem Wiesel auch schon einen knapp 100kg-Mann gehabt, nun der kann aber auch richtig gut reiten. Trotzdem würde ich den nicht alle 2 Tage aufs Pferd lassen, die Belastung wäre mir zu groß, bzw. ich wäre einfach nicht sicher ob das auf Dauer so gut wäre.

Offline Beagle-Petra

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #9 am: 17.10.11, 08:28 »
Ich habe schon so manch ein Westernpferd mit ein und demselben Sattel und verschiedenen Gewichtsklassen im Sattel gesehen. Mir scheint das Problem zunächst einmal beim reiterlichen Können des Besitzers zu liegen. Alles das, was an Problemen geschildert wird, entspricht doch genau dem Bild, das ein Pferd unter einem schlechten Reiter abgibt. Wenn ein guter sehr schwerer Reiter reitet, dann sind die Probleme, die sich offen zeigen, in erster Linie im Bereich der Kondition des Pferdes zu finden. D.h. es läuft so, wie ein gut gerittenes Pferd laufen soll, fängt aber eher an zu schwitzen und ist eher müde als vergleichsweise mit einem leichteren guten Reiter im Sattel. Ich stimme insoweit dem Sattelproblem zu, dass ein schlechter Reiter den Sattel auch ungünstig belastet und andere Hebelpunkte hat. Diese Probleme werden mit einem anderen Sattel aber nicht aus der Welt geschaffen und - wenn überhaupt - nur kurzfristig gemildert, bis die Muskulatur unter der verlagerten Fehlbelastung die entsprechenden neuen Schmerzbereiche entwickelt hat.
Nur echt mit dem Beagle!

Offline terra

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #10 am: 17.10.11, 09:45 »
Wieselchen, meine Hexe läuft und läuft und läuft... auch mit über 100kg auf dem Buckel ...
und ein Mann mit 1,95 und 100kg ist ja nicht dick....

Beagle: ein zu kleiner/zu grosser Sattel setzt u.U. den Reiter total falsch hin - bei unserem Päarchen funktioniert der "Trick" mit den zwei Sätteln hervorragend  ;)

@audrey: wir haben ein Pferd am Stall, das läuft unter jedem auch nur etwas schlechteren Reiter gewichtsunabhängig so wie von Dir beschrieben. Wer weiss, wie er den Ponysturschädel packen muss, kann damit sogar erfolgreich ländlich L-Dressur reiten, ansonsten ist es ein Bild des Jammers  ::) 

Wieselchen

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #11 am: 17.10.11, 10:41 »
Terra, ich hab auch nicht dick gesagt oder behauptet  ???

Und ob dick oder nicht ist ja auch egal, fürs Pferd sind es 100kg. Ich würde da den Unterschied auch eher beim Können des Reiters sehen. Wenn der richtig gut reitet und das Pferd nicht falsch belastet sehe ich da auch eher weniger ein Problem.
Auf Dauer denke ich aber schon wird die Belastung für Sehnen und Gelenke stärker sein, wenn auf Dauer so ein sehr schwerer Mensch reitet und das würde ich nicht unbedingt wollen, aber wie gesagt, das mag ja auch Ansichtssache sein.


Offline terra

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #12 am: 17.10.11, 11:45 »
Du hast nicht dick gesagt, sondern nur zu schwer, das ist richtig ... mit der 100kg-Grenze schliesst du allerdings reichlich normalgewichtige! Männer  -gerade vom Western- reiten aus .... alleine Sattel mit Pad wiegen ja gerne mal an die 20 kg ... ;)

Das reiterliche Können sollte man in diesem Fall allerdings verbessern - ev. auch mal über einen Trainerwechsel nachdenken, da sind ja die Geschmäcker verschieden - auf manche Leute hört man einfach mehr als auf andere ;D

Offline Olli

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #13 am: 17.10.11, 12:18 »
... mit der 100kg-Grenze schliesst du allerdings reichlich normalgewichtige! Männer  -gerade vom Western- reiten aus .... alleine Sattel mit Pad wiegen ja gerne mal an die 20 kg ... ;)

schönes beispiel haste da gesagt, wir haben auch nen reitanfänger im stall, hat ein pferd übernommen, gut 176cm schwerer mecklenburger, ehemals bis M dressur ausgebildet und dann auf western umgestellt, stand dann so gefühlte  5 jahre nur rum ( und das in so einem teuren stall wie bei uns ::) ) und wird nun von diesem 190mann, bestimmt 100 kg, plus zubehör...geritten

hilfe, da wird mir auch manchmal angst und bange, aber der mann ist sportlich und bewegt sich für einen 50jährigen anfänger aber geschmeidig.

ich selber finde, 100kg sind für ein pferd was auf knopfdruck den rücken aufwölben kann, sicher kein problem.
denn sonst würde pferd von besagtem RL sicher platt sein, aber der läuft mit seinen 18 jahren jeden tag besser!           
Wir dürfen das Pferd nicht vermenschlichen,
wir müssen uns verpferdlichen.“

Wieselchen

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Re: Reiter zu schwer für Pferd?
« Antwort #14 am: 17.10.11, 13:00 »
Ja, das sehe ich auch so. Das Pferd von besagtem RL, der echt groß und schwer ist, läuft einwandfrei. Ist fit und gesund.

Ich weiß nicht, gibt es da Studien, wie so die Langzeitauswirkungen sind was Gelenk und Sehnen angeht bei einer großen Gewichtsbelastung? Das würde mich in der Tat sehr interessieren ob es da repräsentative Studien zu gibt.

Das Pferd ist per se nunmal kein Tragtier, das muss sich eh jeder Reiter klar machen. Deshalb ja entsprechendes reiten über den Rücken usw. Und genau aus diesem Grund würde ich halt vermuten, daß es eher schädlich ist sehr schwere Menschen zu tragen als leichtere, unterm Strich egal wie sie reiten.

Und die Westernreiter, terra, die Du meinst... also ich schau mir das nicht sehr gerne an, wenn große schwere Menschen auf kleinen Pferden rumreiten. Egal in welcher Reitweise. Da wäre auch die Frage wie lange die Pferde das aushalten. Wobei die auch noch so früh überhaupt geritten werden, das kann nicht gesund sein. In der Praxis zeigt es ja auch, wenn viele Pferde aus dem Sport schon recht zeitig platt sind wird da irgendwas falsch gelaufen sein.
Da spielt sicherlich viel zusammen.

Vernünftig ausgebildet und nicht zu früh zu sehr belastet mögen die auch länger gut laufen. Die Frage bleibt halt immer wieder, findet man das in Ordnung, die Belastung so hoch zu halten oder nicht. Einstellungssache denke ich. Gut, daß ich für mich das nicht überlegen muss, von den 100kg bin ich recht weit entfernt. Aber ich müsste mir auch selber kritisch die Frage stellen ob das geht, wäre ich so schwer.