Autor Thema: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?  (Gelesen 19099 mal)

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Offline pferdekanzleiTopic starter

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Hallo Ihr Lieben,

während meiner verzweifelten Suche nach einem jungen, talentierten Dressurpferd ist mir aufgefallen, dass etliche Pferde besonders hinten weich gefesselt sind und zum Teil auch bärentatzig stehen.

Die Zuchtverbände behaupten, das Problem im Griff zu haben... Meine Frage kann man das als Züchter "im Griff haben?" und wenn ja - wie?
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Offline sasthi

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #1 am: 05.09.11, 15:11 »
Würds die Pferderetter nicht geben, ganz einfach durch die Erhöhung der Salamiquote. Und ein guter Schmied, gerade am Anfang kann da u.a. auch entgegenwirken.
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

Offline donau

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #2 am: 05.09.11, 15:29 »
leider ist diese weiche fesselung hinten eine "nebenwirkung" einer stark gewinkelten hinterhand, wie man sie sich vom dressurpferd wünscht. im griff haben kann man das nur dadurch, dass man gezielt stuten mit weicher, langer fesselung hinten aus der zucht ausschliesst. aber leider (nochmal) sind das oft stuten mit überdurchschnittlichen gängen, die, wenn sie dann 10-jährig und älter beinahe durchtrittig sind vom sporteinsatz, dann nochmal schnell fohlen bekommen :-X

die müssen dann auch nicht mehr zur stutenkörung, weil zu alt. da ist dann jeder einzelne züchter in der verantwortung. was die zuchtverbände aber schon machen ist, stuten mit schlechtem fundament nicht zu kören. und auch bei den hengsten ist das fundament immer mehr kriterium für die zuchtzulassung bei den körungen. bis sich sowas aber flächendeckend verbessert vergehen etwa 10 jahre ;)

da hilft für das eigene jungpferd nur, sich auch geschwister und elterntiere anzusehen, wenn möglich. und einen gute schmied/ hufbearbeiter zu haben, der die hufstellung der fesselachse entsprechen bearbeitet.
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Offline Hexle

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #3 am: 05.09.11, 15:58 »
sie haben es insofern im Griff als die meisten Zuchtverbände eine genaue Beschreibung der Anforderungen an das Exterieur in ihren Statuten festgeschrieben haben. Ob und inwieweit sich die Beurteiler bei den Fohlen- und Zuchtschauen, Brennterminen und die Körkommisionen an die Statuten halten, ist eine andere Frage ;)

Und wenn alle Züchter verantwortungsvolle Züchter wären und von anfang an für gute Haltungsbedingungen und Hufbearbeitung mit echten Fachleuten sorgen würden, gäbe es da auch wesentlich weniger Probleme :\ nicht alles ist abstammungsbedingt - vieles ist auch aufzuchtbedingt  :-[
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Offline pferdekanzleiTopic starter

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #4 am: 06.09.11, 17:37 »
Hallo Donau,

Danke für den Hinweis, ich werde mir mal die Geschwister ansehen und darauf achten, ob die Mütter Stattsprämienstuten sind! Es ist echt nicht leicht und nachher die Hufstellung in Angriff zu nehmen, ist meiner Erfahrung nach mühsam. Wer kauft schon sehenden Auges einen Pflegefall? Würdest du in deiner Einschätzung so weit gehen, dass sich die Wahrscheinlichkeit der Belastbarkeit erhöht, wenn z.B. die 10 Jährige Stute vor ihrem Zuchteinsatz erfolgreich im Sport gelaufen ist?

Offline carola

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #5 am: 06.09.11, 21:56 »
Nein, so verstehe ich Donau nicht. ;) Und grade bei Stuten ist es ja durchaus so, dass sie zwar inzwischen zu lahm für den Sport sind, aber durchaus noch Mutterfreuden genießen können. :-X Da gibt es leider einige Züchter.
Die Frage müsste doch eher sein, warum eine erfolgreiche Stute schon mit 10 aus dem Sport geht. ;)
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Offline donau

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #6 am: 06.09.11, 22:27 »
ich hätte schon gesagt, dass die belastbarkeit der extremitäten wahrscheinlich höher ist, wenn die mutterstute erfolgreich im sport gelaufen und gesund ist. oft werden die stuten ja mit 10, 11 jahren aus dem sport genommen, damit sie noch fohlen bekommen können, das fände ich ok. auch, wenn das verletzungsbedingt geschieht, oder wegen eines sonstigen erworbenen defektes. vorsicht bei dressierern, die unklar/unspezifisch lahmen, es gibt immer noch einige blutlinien, die die neigung zur hufrollenentzündung vererben. oft sind das eben jene mit den weichen fesseln. oder solche, die wegen für die stellungsfehler typischen erkrankungen aus dem sport genommen werden, zb. sehnenprobleme hinten, durchtrittigkeit etc. da hat man dann die höhere wahrscheinlichkeit, dass die nachkommen auch nicht belastbar sind.

gliedmaßenstellung hat eine erblichkeit von unter 10%, was jetzt nicht heisst, dass die fohlen das nicht von der mutter erben, sondern eher umgekehrt: fehler, die die mutter hat, bleiben zu 90% beim fohlen erhalten, weil der hengst nur 10% chance hat, das zu verbessern. also am besten erkundigen, was die mutter geleistet hat, und wenn möglich, die geschwister aus derselben mutter ansehen/ leistungen berücksichtigen.

prämien- oder staatsprämienstuten gehäuft in der abstammung sagt, dass die gekört und leistungsgeprüft sind, zumeist. dh. eine mindestbelastung halten die aus.

ps.- ich hab mir mit meiner großen genau so einen pflegefall gekauft, nachdem ich davor 2 pferde abgelehnt hab, weil eben abzusehen war, dass die über kurz oder lang aus dem sport müssen. bei der großen war´s eigentlich auch absehbar, aber dass es so krass ist, dann wieder nicht. amateursport (a und l in der saison) ist die trotzdem gelaufen mit mir, und der defekt ist erworben. aber seitdem bin ich da ein bisschen übergenau ;)
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Offline Figonero

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #7 am: 09.09.11, 00:03 »
Na ja, eine lange Fessel sorgt schon dafuer, dass die Gaenge geschmeidig, elastisch und auch sitzbequem sind. Alles Eigenschaften, die ja durchaus erwuenscht sind. Eine kurze, gerade Fessel wie z.B. bei Norwegern oft anzutreffen, ist zwar "stabiler", dafuer aber auch weniger stossbrechend. Ein Norweger im Mitteltrab haette dann vieleicht weniger Probleme mit Sehnen-Geschichten, dafuer aber eher Verschleiss an den Knochen und Gelenken.
Das mit dem Norweger ist jetzt nur als Beispiel fuer einen bestimmten Exterieur-Typ, bevor hier gleich alle schreien!
Sicher ist weder das Eine, noch das Andere im Extremfall gut und wuenschenswert. Du musst halt schauen, dass alles zusammenpasst und keine "Extreme" in der einen oder Anderen Richtung vorkommen. Ob die Zuechter das insgesamt "im Griff" haben, kann Dir doch egal sein, Du suchst ja nur einen Zuechter, der es im Griff hat .... den Deines zukuenftigen Pferdes, naemlich!
Baerentaztig......in der Altersklasse, in der Du suchst (ich vermute mal 3 - 4 Jaehrig) - Finger weg, das haette man vielleicht noch im Fohlenalter korrigieren koennen, aber dann nicht mehr! Spricht auch nicht fuer das Aufzuchtmanagement insgesamt, wenn sowas bei einem Fohlen guter Abstammung nicht gleich gemacht wird.
Kerstin

Offline Olitwist

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #8 am: 23.10.12, 14:31 »
Muss so eine Fesselung denn sein um reiten zu können? Tut mir leid, dass ich so naiv frage, ich kenne mich nicht so richtig aus.

Offline Binesdiva

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #9 am: 24.10.12, 12:11 »
Die Frage ist falsch gestellt.
Wie die anderen hier schon geschrieben haben, spricht eine lange Fessel, für weiche, federnde und damit für den Reiter leichter zu sitzende Gänge. Aber auch für hohen Verschleiss des Pferdes. Eine zu kurze Fesselung bei Dressurpferden spricht für abgehakte, staksige Gänge. Stell' Dir die Fesselung wie Stoßdämpfer für's Auto vor.

Angestrebt ist hier eigentlich das Mittelmaß, also nicht zu lang und nicht zu kurz.

Ob Züchter so ganz allgemein etwas im Griff haben oder nicht, darf nicht unser Problem sein. Es gibt immer wieder Vermehrer, die aus der kranken und nicht mehr reitbaren Stute Fohlen ziehen.
Da würde ich auch sehr genau hinschauen.

Und zu den Staatsprämienstuten: früher habe ich auch gedacht, daß dies so wäre. Letztens wurde hier eine Stute zur Staatsprämienstute, die seit sie 2 Jahre alt ist und einen Hufrollenbefund hat. Hat deren Mutter auch und hat das auch gleich mal an alle vererbt. Die war übrigens auch Staatsprämienstute. Das sagt leider nicht mehr viel aus....
Reitet ein Cowboy zum Friseur.
Kommt wieder raus:
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Offline zaino

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #10 am: 29.10.12, 09:05 »
Und zu den Staatsprämienstuten: früher habe ich auch gedacht, daß dies so wäre. Letztens wurde hier eine Stute zur Staatsprämienstute, die seit sie 2 Jahre alt ist und einen Hufrollenbefund hat. Hat deren Mutter auch und hat das auch gleich mal an alle vererbt. Die war übrigens auch Staatsprämienstute. Das sagt leider nicht mehr viel aus....
Aber müssen die nicht Belastbarkeit beweisen, Feldtest u. ERfolge oder Leistungsprüfung absolvieren???
Nein? Nimmermehr? Au weia.

Offline terra

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #11 am: 29.10.12, 10:10 »
Auf Herz und Nieren werden die nicht geprüft, Zaino  :D

Stutbucheintragung 3 jährig - reines Schaulaufen, die Schönsten mit den besten Gänge  (Achtung! Modeabhängig ;D) werden anprämiert - danach ist irgendwann Stutenleistungsprüfung - entweder auf Station (2-4 Wochen) oder eine eintägige Feldprüfung, die mit einer verbandsspezifischen Note abgeschlossen werden muss. Schliesslich muss die Stute meistens noch eine Abfohlung nachweisen und schwups steht der Titel auf dem Papier - also mit ordentlicher Planung und etwas Glück ist die dann 4 jährig, nicht mehr als gut angeritten, wandert auf die Koppel und bekommt jedes Jahr ein Fohlen ....

Für das junge Pferd ist das klar eine recht grosse Belastung, sagt aber nix drüber aus, wie belastbar das erwachsene Pferd im Sport gewesen wäre ..... und geröngt wie vor einer Körung wird auch nicht...

@Donau - in D muss auch die ältere Stute in ein Stutbuch aufgenommen werden, damit Fohlen "ordentliche" Papiere bekommt. Bei älteren Sporterfolgreichen Damen wird da alleridngs auch mal über "Unebenheiten" im Gangwerk hinweggesehen, wenns ansonsten passt. (selbst erlebt- und drüber gefreut, weil die Stute ansonsten wirklich Top war)

Ich denke, die Bärentatzigkeit hinten (wenn sie mit normal gewinkelten Hufen verbunden ist) wirkt sich nicht auf dei Haltbarkeit des Pferdes aus - die Stellung zeigen viele der erfolgreichen Vollblüter. Und lange Fesseln - nicht weiche!- mag ich perönlich lieber als die kurzen Stampfer, dürften auch für die erwünschte Lastaufnahme in der Versammlung günstiger sein.
Gegen weicihe Fesseln helfen viel Bewegung auf unterschiedlichen, festen Böden ab Geburt  :D aber leider werden gerade die Dressurfohlen/jungpferde ja gerne mal in Watte gepackt, bis es dann ans anreiten geht  ;)

Offline zaino

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Re: weiche Fesselung und bärentatzige Stellung vermeiden?
« Antwort #12 am: 30.10.12, 13:54 »
Hm, also wenn ein Normalreiter eine Stute kaufen will, sollte er beim Verkäufer gucken: ging die Mama im Reiteinsatz? Wurscht ob leistungs- oder freizeitmässig, wenn sie in der Lage war, jahrelang einen Reiter zu tragen in diversen Lebenslagen, sollte sie eine gewisse Robustheit mitbringen.
In Freizeitzuchten wird ja oft mit der Abstammung gepunktet. 3 Monate geritten und sofort Kissing Spines oder Haxen kaputt? macht nix, ist ja 'ne Stute, kann doch Fohlen bringen, für 5-stellige Kaufbeträge...  :o und BESTIMMMMMMT waren die bösen Reiter schuld... und nicht die Disposition der Stute.
Wehe dem armen A*** der so ein Fohlen kauft...