Autor Thema: Jahrhundertritte  (Gelesen 1408 mal)

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Jahrhundertritte
« am: 20.10.10, 15:25 »
Gestern fand in Frankfurt die Veranstaltung der FN "Jahrhundertritte" statt.

Es wurde Filmmaterial von Anfang des 20. bis Ende des 20. Jhs. gezeigt. Moderiert von Hess und einer Dame, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Dazu geladene Talk-Gäste. Der erste - und für mich einzig interessante - war Hans-Heinrich Isenbart. Liebe Leute, wenn ich mich mit 90 Jahren noch in derartig langen und inhaltsschweren Sätzen ausdrücken kann, schreibe ich mich von! Wow, das war einfach gigantisch, was der Mann in welcher Form zu sagen hatte! Abgesehen davon, dass er als Zeitzeuge fast all der Geschehnisse, die man auf der Leinwand sehen konnte, auftrat. DER Mann hat wirklich mehr oder weniger ein Jahrhundert Reiterei gesehen.

Die ersten Filmaufnahmen aus den 20er Jahren waren manchmal unfreiwillig komisch. Wie das so ist mit dem alten Material, läuft es viel zu schnell und somit sehen Pferde und Reiter recht hektisch aus und man fühlt sich sehr an alte Chaplin-Filme erinnert. Trotzdem kann man sich heute fragen, ob man sein Pferd unter den damaligen Bedingungen überhaupt geritten bekommen hätte. War die Dressur auch noch eher unbedeutend, sahen die Sprünge doch eher gigantisch aus. Schön war das meiste erstmal nicht.
Das änderte sich wohl erst, als die Kavallerieschule Hannover an Einfluss gewann. für mich mit das beeindruckendste Filmdokument des Abends war eine Aufnahme aus dem Springstall: Eine weiße Leinwand, ein mindestens 1,40 hohes Hinderniss und da kamen dann, wie Perlen auf der Schnur, ca 6 Pferde hintereinander drüber und eins sprang wie das andere. Reiter in vorbildlichem Sitz, Hände genau am Maul, Pferde alle in Baskule und völliger Ruhe. vorbildlich!
Freundschaft fließt aus vielen Quellen - am reinsten aber aus dem Respekt. (Daniel Defoe)

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Re: Jahrhundertritte
« Antwort #1 am: 20.10.10, 15:30 »
Zwischen unfreiwilliger Komik und Atemanhalten bewegten sich die bilder, die die frühen Vielseitigkeitsstrecken zeigten! Mehr Mut als Verstand, konnte man bei einigen sagen. Respekt den Pferden!

Es zog sich dann hin bis zu den ersten Farbaufnahmen in den 70ern. Natürlcih der legendäre Winkler-Halla-Ritt in Stockholm. Zu dem Isenbart, der mit dabei war, eindeutig sagte, dass Winkler, trotz Schmerzen, zu jeder Sekunde aktiv geritten ist und Wunderstute Halla, die angeblich ganz allein alles gemacht hätte, ein Märchen war. Sah man auf dem Film auch.

Die Dressuren wurden bis in die 70er hinein eindeutig von Pferden mit Nase vorn dominiert. Nach heutigen Gesichtspunkten wären Reiter wie Lörke, Stensbeck und auch ein früher Klimke vermutlich gnadenlos rausgepunktet worden, weil heute solche Pferde als "nicht am Zügel" bezeichnet würden. Zu Zeiten von Ahlerich und eben gerade noch Goldstern, gingen die Pferde dann in der Versammlung an der Senkrechten, in der Vestärkung noch deutlich nach vorn.
Danach - vorbei! Ab jetzt bleiben die Nasen hinten, die Hälse wirken verkürzt und die Gänge - hm, hm, hm. Für meinen geschmack irgendiwe zu "showy".

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Re: Jahrhundertritte
« Antwort #2 am: 20.10.10, 15:35 »
Im Springsport wurde es - wiederum aus meiner Sicht - so ungefähr mit Beginn der Farbübertragung, gruselig.
Noch mit dem Eindruck der stilistisch perfekten Hannoveraner sah man jetzt Schockemöhle, Sloothark und Co mit fliegenden Unterschenkeln, akrobatisch verrenkt und mit absolut abenteuerlichen Zäumungen über die Pacoure fegen. Aber ist ja egal, es gab Goldmedaillen dafür.

Da wird im Eingang der Veranstaltung ein Werbefilm gefahren, der für bessern Umgang mit dem "Partner" Pferd wirbt, aber das wirklcih interessante Filmmaterial blieb weitestgehend unkommentiert. Anstatt - wie ich erwartet hätte - nach Zeigen der Filme mit den geladenen Prominenten (Isenbart war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anwesend) über das Gesehene zu diskutieren, wurden mehr oder minder Familiengeschichtchen erzählt. Schade. Sieht man in Warendorf vor lauter Goldmedaillen wirklcih überhaupt nichts?

Wer war noch dort? Wie hat es auf euch gewirkt?
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geolina

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Re: Jahrhundertritte
« Antwort #3 am: 20.10.10, 17:11 »
hallo,

das klingt total interessant. schade, dass das nicht für alle zugängliches material ist.

evtl. hat sich der abend dann auch verselbstständigt, als man in die zeiten kam, in denen man sich noch zu gut erinnern konnte und deshalb die ganzen familiengeschichten.

gut wäre aber schon gewesen zu sagen: wo kam man mehr und will man da wieder hin oder noch weiter weg?

alex

Offline terra

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Re: Jahrhundertritte
« Antwort #4 am: 21.10.10, 10:26 »
Liest sich sehr interessant - gibts die Sendung irgendwo zu "nachgucken"?

Bei der Kürübertragung aus Kentucky gabs ja auch Einspielungen alter Ritte - BEQUEM sah das nicht aus. Nase vorne? - ja! und Genick auch durchgehend höchster Punkt -  aber der Rücken  :o ????