Autor Thema: Reiten ohne Helm  (Gelesen 34852 mal)

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Dotti

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Reiten ohne Helm
« am: 27.10.04, 20:34 »
Hallo,
zufällig habe ich diesen Link entdeckt. Es geht um haftungsrechtliche Fragen beim reiten ohne Helm. Vielleicht für den einen oder anderen interessant.


http://data.fn-dokr.de/data/home/2/237.pdf

Offline Marion

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #1 am: 28.10.04, 11:53 »
Find ich gut, daß man es endlich ma schwarz auf weiß hat!
Danke!
Grüßli, Marion

sasthi

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #2 am: 28.10.04, 11:58 »
Das wird aber die wenigsten davon Abhalten, den Helm weiterhin liegen zu lassen, wenn sie reiten gehen.

Offline heuhexe

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #3 am: 28.10.04, 12:01 »
Wäre es möglich, den Artikel mal hier einzustellen? Kann ihn leider nicht öffnen...

Danke
Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin,
die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn.
Es ist ihr eintöniges Leben was sie quält
und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt.

Offline Waldfee

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #4 am: 28.10.04, 13:23 »
Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V.
Hauptverband für Zucht und Prüfung deutscher Pferde - Fédération Equestre Nationale
(FN)
Freiherr-von-Langen-Str. 13, 48231 Warendorf
Haftungsrechtliche Folgen des Reitens ohne Helm
I. Unfallvermeidung durch das Tragen von Helmen
Eine Studie aus dem Jahre 1993, an der u.a. der bekannte Militaryreiter Prof. Dr. Sybrecht
(Universitätsklinik Homburg) beteiligt war, hat ergeben, daß 25 % der Verletzungen bei
Pferdesportunfällen den Kopfbereich betreffen. Damit ist der Kopfbereich die häufigste
Lokalisation aller Verletzungen bei Pferdesportunfällen.
Bei den analysierten Unfällen trugen aber nur 47 % der Reiter einen Kopfschutz. Reiter, die
keinen Kopfschutz trugen oder den Kopfschutz schon während des Sturzes verloren, hatten
deutlich häufiger Kopfverletzungen als Reiter, deren Kopfschutz während des Sturzes am
Kopf festhielt. Bei 37 % aller Unfälle hatte der stürzende Reiter seinen Kopfschutz schon zu
Beginn des Sturzes verloren. Dieser hohe Prozentsatz zeigt, daß der guten Paßform und der
sicheren Befestigung des Kopfschutzes größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß.
Ergebnis der Studie: Es läßt sich eindeutig festhalten, daß bei der Unfallvorbeugung dem
Kopfschutz die zentrale Bedeutung zukommt.
II. Haftungsrechtliche Folgen
Die beschriebene praktische Notwendigkeit des Tragens von Helmen mit einer Befestigung am
Kopf wird unterstützt durch einen Blick auf die haftungsrechtlichen Folgen, wenn kein
Kopfschutz getragen wird.
1. Haftung des Reitlehrers
Ein Reitlehrer, der nicht dafür sorgt, daß seine Reitschüler einen adäquaten Helm
tragen, ist wegen dieses Unterlassens schadensersatzpflichtig. Diese Frage ist bereits
höchstrichterlich entschieden.
2. Haftung des Tierhalters
Überläßt ein Tierhalter sein Pferd einem Dritten, so haftet er diesem, ohne daß es auf
seine Schuld ankommt, wenn sich die Tiergefahr realisiert (d.h. das Pferd buckelt,
steigt, scheut etc.). Diese Haftung besteht zunächst unabhängig davon, ob der Reiter
des Pferdes einen Helm trug oder nicht. Also: Auch wenn der Dritte keinen Helm
trägt, haftet der Tierhalter für die Verletzung, die das Pferd dem Reiter durch sein
Verhalten zufügt.
ohnehelm.doc / 2 Seite 1/2
3. Mitverschulden des Reiters
Der Reiter, der bei einem Sturz ohne Helm Kopfverletzungen erleidet, kann vom
Tierhalter bzw. vom Reitlehrer für o.g. Schaden Ersatz verlangen. Allerdings nicht in
voller Höhe. Denn im Nichttragen eines adäquaten Helmes ist ein Mitverschulden
zu sehen, das zu einer Reduzierung des Anspruchs führt. Um welche Quote dieser
Anspruch zu reduzieren ist, läßt sich vorab nicht sagen. Dieses ist immer eine Frage
des Einzelfalles. Für den verletzten Reiter bedeutet das, daß beispielsweise
Behandlungskosten, der Verdienstausfall, die Aufwendung für eine Haushaltshilfe
o.ä. Faktoren nur jeweils z.T. vom Tierhalter bzw. Reitlehrer zu ersetzen sind.
Auch ein Schmerzensgeldanspruch gegen Reitlehrer oder Tierhalter kann nur in
reduzierter Höhe realisiert werden.
III.Versicherungsrechtliche Fragen
Besteht für die Beteiligten ausreichender Versicherungsschutz, so werden die
haftungsrechtlichen Folgen nur z.T. abgemildert.
1. Haftpflichtversicherung des Reitlehrers
Ist der Reitlehrer ausreichend haftpflichtversichert, so tritt für sein Verschulden seine
Haftpflichtversicherung ein. Zahlreiche Reitlehrer (besonders die, die nicht in
Vereinsanlagen unterrichten) haben jedoch keinen ausreichenden
Versicherungsschutz und müssen dann die gesamten Kosten aus der eigenen Tasche
bezahlen. Dies kann im Einzelfall dazu führen, daß sie über Jahre von der
Pfändungsfreigrenze zu leben haben.
2. Krankenversicherung des gestürzten Reiters
Die Krankenversicherung zahlt dem gestürzten Reiter die Behandlungskosten in vollem
Umfang. Sie wird aber bei den anderen Beteiligten versuchen, ihre Kosten wieder
hereinzubekommen (Regreß).
3. Unfallversicherung des gestürzten Reiters
Zahlreiche Reiter haben keine Unfallversicherung. Der Sturz vom Pferd auf den Kopf
kann den Verlust der Erwerbsfähigkeit zur Folge haben. Für diese Folgen wären der
Tierhalter bzw. der Reitlehrer ebenfalls haftbar. Allerdings kommt hier das
Mitverschulden entscheidend zum Tragen. Denn die Ansprüche bestehen nach dem
o.g. nur in einem reduzierten Umfang. Den Rest muß der gestürzte Reiter aus der
eigenen Tasche bezahlen.
FAZIT:
Im Nachteil sind also der nicht ordnungsgemäß versicherte Reitlehrer und
letztlich und vor allem der gestürzte Reiter. Der Reiter bleibt zu einem Teil
auf seinen eigenen Kosten sitzen, diese werden von keiner Seite erstattet.
Deshalb mein Tip: Lassen Sie keinen Ihrer Reitschüler ohne Kappe reiten.
05.05.1997 / J
Dr. Adolphsen
(Justitiar)
Ich bremse auch für Dressurreiter.

Offline pippilotta

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #5 am: 28.10.04, 17:11 »
Dazu hätte ich (notorische Helmträgerin  ;)) noch eine Frage:
Was ist eigentlich, wenn der RL (staatlich ausgebildet) beim Beritt keinen Helm trägt - ich kann es meiner RL (und Freundin) ja den Helm nicht persönlich aufsetzen. Sie bildet meiin (zwar sehr braves aber doch) junges Pferd aus und hat am Anfang auf meine Bitte einen Helm getragen, meint aber jetzt immer, die Kleine wäre doch ohnehin so brav...
Ich wüßte gern, wie das rechtlich aussieht - wie gesagt, ich kann sie ja nicht zwingen, aber vielleicht hilft es, wenn ich ihr mit Gesetzen kommen kann...

Offline Netto

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #6 am: 17.11.04, 16:03 »
Pippi - ich weiß nicht, ob das in Ö genauso geregelt ist wie in Deutschland.... :-\ Die Frage müßte man mal dem Bundesfachverband stellen, aber ob die das wissen... :-\
Bleep!

Offline pippilotta

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #7 am: 17.11.04, 17:11 »
Wahrscheinlich nicht, nachdem ich kaum RL kenne, die mit Helm bereiten (außer beim Springen) - wobei mir im konkreten Fall das Pferd "geholfen" hat, seit die Kleine gebuckelt hat wie eine Goaß, trägt RL wieder Helm  ;D ;) - und seither buckelt sie auch nimmer...

Offline Waddington

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #8 am: 18.11.04, 00:54 »
Na, gestern hat mich mein Pony im Gelände abgeschossen. So schnell konnt ich gar net reagieren, wie der losgebuckelt hat. In 0,5 sec. war ich unten.

Auf die Seite, Kopf natürlich auf den Boden geknallt. Hatte aber Helm auf. Trotzdem brummt mir immer noch der Schädel. Möcht nicht wissen, wie es ohne Helm gewesen wär.....

Ich mein, wenn man "nur" für sich selbst verantwortlich ist, kann man selbst entscheiden, wenn man aber auch für andere verantwortlich ist (Kinder, Partner), sollte man sich nicht so an der Versicherungsfrage festhalten, sondern daran was man ihnen zumuten wollte.

Offline joeszicke

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #9 am: 18.11.04, 08:26 »
Ich mein, wenn man "nur" für sich selbst verantwortlich ist, kann man selbst entscheiden, wenn man aber auch für andere verantwortlich ist (Kinder, Partner), sollte man sich nicht so an der Versicherungsfrage festhalten, sondern daran was man ihnen zumuten wollte.

Danke Waddington, Du sprichst mir aus der Seele.

Ich war eigentlich immer die überzeugte "ich-brauche-keinen-Helm-Reiterin"...
Auch als ich im April 2003 wieder mit dem Reiten anfing, ritt ich ohne Kappe. (Ich besaß gar keine)...

Und das, obwohl ich einen 5 jährigen Sohn habe... Purer Leichtsinn sage ich heute.

GsD ist nichts passiert, daß mir zur Einsicht brachte. Die kam von ganz alleine.
Ich bin geschieden. Wenn mir was passiert, muß Niklas zu seinem Vater, und DAS will ich um jeden Preis vermeiden.

Ich kaufte mir auf der letzten Hanse-Pferd eine Kappe bei Loesdau, und reite seit dem nicht mehr ohne.
Egal ob Hochsommer, oder tiefster Winter....

Ohne Helm wäre es mir mitlerweile auch zu kalt am Kopf...

Reiter mit Kindern sollten sich die Sache wirklich 2 mal überlegen... Und zur Vernunft kommen...
liebe Grüße Sabrina und Diamond Joe

Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt, frage nach Salz und Tequila...

Offline George

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #10 am: 18.11.04, 08:53 »
würde mich mal interessieren, wer sich nach so einem sturz einen neuen helm zulegt? oder gibt es die möglichkeit, den helm fachmännisch irgendwo auf defekte untersuchen zu lassen?? verlasst ihr euch alle aufs eigene augenmerk so nach dem motto, wenn ich nichts sehe, kann auch nichts kaputt sein? kann im zweifel ja beim nächsten sturz übel ausgehen...auf der anderen seite ist´s ja aber ziemlich teuer, mal eben einen neuen helm zu kaufen.
lieben Gruss
George
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Nur weil ich nie am Nordpol war, weiß ich doch trotzdem das es dort kalt ist...

Offline Eva

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #11 am: 18.11.04, 10:50 »
Die neuen Helme (z.B. von Casco) sind meines Wissens nach nach einem Sturz definitiv hinüber. Sie nehmen die Sturzenergie auf, dadurch entstehen winzige Risse im Innern des Helms. Bei einem zweiten Sturz ist der Schutz also definitiv nicht mehr so wie vorher vorhanden. Dafür schützen diese Helme aber sehr gut.
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)

Offline pippilotta

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #12 am: 27.11.04, 13:52 »
Also bei Casco-Helmen bekommst du einen Bonus, wenn du einen alten Helm zurückgibst und einen neuen kaufst. Habe das einmal gemacht, als ich mit dem Kopf auf einen harten Feldweg geknallt bin - wie viel in Euros das war, weiß ich nicht mehr... *schonetwasvergesslichbin* - aber das ist wohl eine Frage des Alters. so oft bin ich noch nicht gestürzt  ;)  - aber diese Aktion gibt es immer noch. Am besten im Reitsportgeschäft nachfragen, oder bei Casco direkt.

GerlindeK

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #13 am: 29.11.04, 12:02 »
Ich kenne es aus der Motorradbranche so, daß JEDER Helm nach zwei Jahren normalen Gebrauch nicht mehr sicher ist. Durch die Sonneneinstrahlung (UVB oder A) wird der Weichmacher in dem Kunststoff ausgehärtet. Wenn dann ein Unfall passiert, kann der Helm splittern, und zwar so, daß sich die Splitter durch den Schädel bohren können. D.h. es ist fast gefährlicher, mit einem alten Helm als ohne Helm zu reiten. Nur WER schmeißt nach zwei Jahren seinen Helm weg???

Offline Eva

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Re: Reiten ohne Helm
« Antwort #14 am: 29.11.04, 12:14 »
Ich glaube, Casco sagt, nach 5 Jahren sollte man den Helm ersetzen. Ich werd's machen. Gibt doch auch schicke neue Modelle.

Darum eben auch nicht den Pikeur GPA. Fast 400 Euro mal eben so? Sicherer ist es bestimmt, den  Helm regelmäßig zu tauschen. Lieber ein neuer Casco als ein 10 Jahre alter GPA, der noch viele Stürze hinter sich hat.

Aber es gibt eben auch Leute, die die Qualität vom Helm danach messen, wieviele Stürze er heil übersteht.
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)