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Der (nicht-) brüllende Reitlehrer

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Mim:
Hallo,

ja ich weiß - die Hallen sind groß, das Volk ein besonderes. Aber diese Spezies ist doch unter allen "Sport-"Lehrern die ich kenne: Recht laut. Nicht nur laut - sondern aggressiv?

Manchmal denke ich - man-man ist das Reitervolk bescheuert, dass es auch noch dafür zahlt, zusammengeputzt zu werden wie ein GI beim Drill-Sergant...

Kennt ihr das? Oder kennt ihr das - noch? Soll ja inzwischen auch andere Reitlehrer geben...? Ist das ein Virus und stecken die sich auf Tunieren an?

Merken die das überhaupt noch? Sollte man mal ein Diktafon mitlaufen lassen und ihnen vorspielen (auf das sie von sich Alpträume kriegen...)?

Ich mein das wirklich spassig - aber mit "moderner Pädagogik" hat das - was mein Ohr so an verschiedensten Reitställen mitbekommt: Nix aber auch gar nix zu tun. Eher mit einem Egotripp?

Kennt ihr das oder kennt ihr das nicht und wieviel seid ihr bereit in Kauf zu nehmen  ;) um dem Lorbeerkranz des "reelen Reitens" näher zu kommen?

Irgendwie war ich doch im Gelände glücklich und es hat prima funktioniert, auch ohne das der Gaul "auf dem äusseren Zügel gegangen ist"  ;D

Mim

Othi:
Aaaalso...

Ich habe ja auch schon eine Menge Reitlehrer gehabt, in meinem Leben. Früher im Verein diejenigen, die einfach da waren (als Schulpferdereiter konnte man ja nicht aussuchen) und heute die, die man sich selbst sucht.

Ich finds ja ganz schön schwierig, das Thema. Laut reden muß er (oder sie) ja, sonst verstehe ich ja nix. Und ich finde nichts blöder, als wenn der Reitlehrer in irgendeiner Ecke der Bahn steht und in Zimmerlautstärke mit mir spricht... und ich sitze auf dem schnaubenden Ross, der Sattel knarzt, mein Pferd schnauft, ICH schnaufe.... und verstehe GAR nix. Und nach 10Minuten ist der Reitlehrer genervt, weil ich entweder nicht reagiere oder in der Zeit schon 15mal "Bitte??" gefragt habe. ::) ;)

Ich habe auch wenig Probleme damit wenn jemand MAL wirklich laut wird, solange ich weiß, wie es gemeint ist - und solange KONSTRUKTIVE Kritik folgt. Meist folgt nämlich dann auf das Gebrülle ein ruhiges und zufriedenes "Siehst Du, klappt doch. Warum muß man immer erst schreien, damit Du das tust?" Man grinst dann mit - vor Anstrengung - hochrotem Kopf zurück und ist stolz, daß man (was auch immer) auf die Reihe bekommen hat.
(Jetzt kommen vermutlich die Kommentare, daß der Kopf nicht hochrot sein sollte, weil Reiten ja nix mit Anstrengung und Kraft zu tun hat.... aber lassen wir doch die Diskussion. Wir alle wissen doch, daß der Weg zum feinen Reiten ein sehr weiter ist..... ;))

Womit ICH wirklich ein Problem habe, das ist, wenn ein Reitlehrer brüllt (und dabei womöglich noch beleidigend ist) - und keine Verbesserungsvorschläge geben kann.
Oder eine anderer Variante, die ich jetzt selbst erleben durfte: Man brüllt gar nicht, sondern macht den Reiter einfach SO fertig: indem man ihm klar macht, wie schlecht er reitet und daß er gewisse Sachen einfach nicht auf die Reihe bekommt. Besserung ausgeschlossen.
Wenn man in diesem Fall den Absprung nicht schafft, verliert man die Lust am Reiten. Glaubt es mir.

Ich bin auch auf weitere Erfahrungsberichte gespannt!!!!
Liebe Grüße
Steffi

Olli:
*einloggt*
text folgt!

Kaijsa:
Der Laute Egal ob der RS sich in der entgegengesetzten Ecke befindet oder für eine Erklärung neben ihm steht: der Laute redet stets mit einer Mindestlautstärke von 90 dBA. Das Publikum findet seinen Unterricht meist gut, weil es ja selbst an der Bande noch Fachvokabular und Klatschamterial ("also der RL hat zur Anne gesagt, dass sie immer..." oder "Ja, neulich als sie geritten ist, habe ich gesehen, dass sie immer...") geliefert bekommt. Pferde sind nach wenigen Stunden abgehärtet und benötigen für startende Düsenjets, Motorräder oder Turnierlautsprecher keinerlei training mehr. Leider werden sie auch resistent gegenüber Außerungen des Besitzers wie "geh´runter von meinem Fuuuuuß!!!!" Fachlich drückt sich der laute meist knapp und kurz aus- für mehr reicht die Luft oft nicht- so dass der RS einige Zeit braucht, um die Kurzanweisung zu entschlüsseln. Oder er müsste sich in ein Gespräch mit dem lauten trauen... da dies aber das Gehör gefährdet.....
RS des "Lauten" erkennt man daran, dass auch sie sich im Laufe der Zeit ungerührt von A nach C mit ihrem liebsten Reiterkollegen unterhalten- und aufgrund der panisch zuckenden und davonsprintenden Mitreiter auf geräuschempfindlichen Pferden ihren RL wärmstens weiterempfehlen.

Schlimmer finde ICH jedoch den Labersack. Der Labersack neigt dazu, den Reiter auf irritierende Art und Weise Schritt für Schritt zu begleiten. Darum findet die Reitstunde des Labersacks meistens im Schritt und nur kurzen Trabstrecken statt. Zwischendurch erfolgen lange, theoretische Ergüsse- begleitet vom im Schritt entspannt dahinzuckeldem Pferd. Aufgrund der entspannenden Nicht-Tätigkeit sind Schüler und Pferd nach der Stunde meist sehr friedlich und in einem leichten Schwebezustand. Der Reiter, weil sein Hirn die geballte Informationswut mit Abschalten udn Abstzurz quittiert und der RS nur noch auf Automatik läuft- das Pferd, weil die gleichförmige bewegung eben, wie beim Beten oder Meditieren zu einer höheren Bewusstseinsebene gefüht hat. Der Lernerfolg- zumindest in der Praxis- stellt sich jedoch nur schleppend ein. Dafür weiß der Schüler des Labersacks sämtliche theoretischen Hintergründe dieser oder jeder Lektion seit den alten griechen, kennt jeden Knochen und jede Sehne, jedes gelenk und sämtliche Fehler mit deutschem- und lateinischem ! Fachbegriff. Schüler des Labersacks erkennt man meistens an ihrem umfassenden, theoretischen Wissen, mit dem sie jeen anderen Reiter, der sich redlich bei RL xy OHNE theoretischen Hintergrund bemüht in Grund und Boden diskutieren können. Mit der Umsetzung beschäftigen sich RS des labersacks seltener- aber warum auch, allein in Gesprächen überzeugen sie mühelos sämtliche Reiterkollegen von ihrem Können.

Auch unbeliebt bei mir: der Optimist. Im Grunde habe ich nichts gegen Optimisten, ich bin eigentlich sogar selber einer. Aber als RL, als RL kann ich ihn nicht ausstehen. "Ach wie machst du das gut" und "hach könnt ihr das toll" - der Optimist findet noch am grottigsten Sitz und häßlichstem Gaul was Bewundernswertes. Seine Reitstunden erkennt man daran, dass seine unkritischen Schüler meist mit einem breiten Grinsen i mgesicht absteigen und 20 cm über dem Boden schweben- schließlich ist ihnen mal wieder bestätigt worden, was sie alle schopn längst wussten: wie großartig sie und ihr Pferd sind. Dank der nicht vorhandenen Kritik sind bei Optimisten Lernerfolge und Fortschritte eher dem Zufall zuzuschreiben- wenn dies doch geschieht, erreicht die Stimme des Optimisten fast Fledermaushöhe vor Entzücken- sein Unterricht hat tatsächlich einen Effekt! Jipiiiehh!+kieks kreisch Leckerlisverteil* Sein Motivationstalent und Stärkung des Selbstwertgefühls des RS sind beneidenswert- seine Fähigkeit, Probleme anzusprechen oder zu bearbeiten leider nicht. Schüler des Optimisten erkennt man daran, dass sie und ihr Pferd eine oder zweo Lektionen beherrschen wie aus dem Bilderbuch- die, für die der Optimist am meisten gelobt hat. Der Rest... nun ja, wenn ma nnichts Nettes sagen kann, soll man lieber gar nichts sagen, oder? Reitkollegen zeigen sich von der unzerstörbaren guten Laune und ihrer "Alles-Wird-Gut" Aura gegenüber Optimiasten-Schülern oft etwas angesäuert. Ihre Pferde sind meist ein Muster an Arbeitseifer- vor allem, weil es ja viel Lob für wenig Arbeit gibt und sie damit ihren schuftenden Artgenossen gegenüber auf der Gewinnerseite sind.

baura:
und dann gibt es noch den Kommandogeber. Sein Reitunterricht erschöpft sich an das Ansagen diverser Hufschlagfiguren in diversen Gangarten. Er macht sich bei allen Mit-in-der-Halle-Reitern dadurch unbeliebt, dass er IMMER die ganze 60er Reithalle benötigt, und vorzugsweise dann "aus der Ecke kehrt" oder "durch die halbe Bahn wechseln" ruft, wenn man selbst gerade in diesem Teil der Halle auf dem Zirkel trabt. Ein weiteres beliebtes Kommando ist das "durch die Länge der Bahn wechseln", da werden dann gleich 3 Zirkelreiter auf einmal aufgeschreckt, wenn es gut getimt ist.
Vorteil für die Zuschauer, es ist immer mal wieder ein Hufschlagfigur dabei, die man selbst schon länger nicht geritten ist. Außerdem erspart ein intensives Zuhören bei diesen Reitstunden das Anschaffen eines LPO-Aufgabenbuchs, weil mehr steht da garantiert auch nicht drin.
Dass der Gaul bei den erwähnten Handwechseln durch die engen Kurven wahlweise über die äußere oder auf die innere Schulter schüsselt, ist zweitrangig, hauptsache oft genug geritten, könnte ja sein, dass es bei der 20. Wiederholung klappt.

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