Autor Thema: Was sollte man für ein Jungpferd können?  (Gelesen 71984 mal)

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Offline McFlower

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #15 am: 07.08.08, 16:37 »
Ach herrje, ich hab´s geahnt. Die Anlehnung an die FN-Turnierklasse A sollte doch nur ein Anhaltspunkt sein. Was ist denn in der A-Dressur gefordert? Pferd in Anlehnung über den Rücken, Grundgangarten, Tempounterschiede innerhalb der Grundgangarten, Übergänge. Hängt euch doch nicht immer am Mitteltrab auf. Mein Altpferd hat A-Dressuren gewonnen, obwohl der MT von ihr eher bescheiden ist.

Ich halte es für ganz zwingend erforderlich, dass  jedes Pferd so weit ausgebildet wird, dass das Pferd über den Rücken geritten werden kann. Eben das, was die böze FN in der guten, alten A-Dressur sehen will. Alle Pferde, die ich kenne, die jahrelang mit durchgedrücktem Rücken gegen die Hand hirschen, haben noch vor dem 10. Geburtstag Rückenprobleme bekommen. Und das wollen wir ja nicht.

Der Punkt "Pferdeerfahrung" trifft natürlich auch zu, wenn man ein älteres Pferd kauft. Aber ein älteres Pferd verzeiht einem bei diesem Selbstfindungsprozess in aller Regel mehr Fehler als ein Jungspund.
Ein Bekannte von mir hat sich vor Jahren einen 3-jährigen gekauft und sich eine nette, junge Frau mit Trainer-B Schein als Unterstützung gesucht. Leider war es auch das erste Jungpferd der Trainerin und die hat einfach munter vor sich hin experimentiert. Der einzige Fehler meiner Bekannten war, dass sie viel zu spät (nach etwa einem Jahr!!!) erkannt hat, dass die Ausbildung auf dem ganz falschen Weg ist. Das Pferd ist jetzt 11, hirscht schief und fest durch die Gegend und bekommt zunehmend gesundheitliche Probleme. Wenn ein 8-jähriger ein Jahr schlecht geritten wird, bereitet das viel weniger Probleme, als wenn die Grundausbildung schief läuft.

 
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Offline donau

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #16 am: 07.08.08, 16:43 »
solide reitkenntnisse zumindest soweit, dass man erhalten kann. nachreiten ist schwierig, und viele, die nachreiten können sind meilenweit davon entfernt, das in ein pferd "hinein" reiten zu können im sinne von ausbildung. und ich kenne einige fälle, wo die besitzer niemals nie nicht eine a-dressur reiten könnten, und die pferde auch nicht auf a niveau laufen. aber: gas, lenkung, bremse, reiten in anlehnung, und zumindest ansätze von schulterherein und schenkelweichen sollten gehen. sagt aber keiner, dass sich das mit unterricht nicht mit dem pferd lernen lässt. das modell heisst ja: lernen auf pferden des ausbildners, während der das pferd ausbildet. und dann mit dem eigenen jungpferd lernen im unterricht. darüber, dass ohne unterricht mit jungpferd nix geht, sollte man sich klar sein.

mit einem älteren auch nicht- aber hier muss der unterricht nicht so häufig und so regelmäßig erfolgen. eventuell reicht hier auch kursbesuch, und man kann sich den idealen lehrer suchen, und muss nicht auf das kriterium "räumliche nähe" rücksicht nehmen.

das hysterische-erstpferde-besitzer-syndrom befällt die meisten ohnehin, da man ohne eigenes pferd niemals in die situation kommt, für alles verantwortlich zu sein. lässt sich aber durchaus in grenzen halten, wenn man vorher viel zeit investiert, lernt, sich umschaut, eine meinung bildet. eventuell findet man auch jemanden der wirklich jungpferde-erfahrung hat, und einen von anfang an begleitet. ohne diesen würde ich mich an das abenteuer jungpferd nicht wagen, wenn ich von mir selber weiss, ich bin ein unsicherer reiter ohne ausbildungserfahrung.

petig, klar baust du viel vertrauen auf... aber: du kannst in ein pferd NICHT reinschauen.. nunja.. wenn du jungpferde/ausbildungs- erfahrung hast, kannst du doch abtesten, wie gelassen sind die tiere grundsätzlich, auf was reagieren sie etc. eventuell findest du vor dem kauf schon einen trainer, bei dem du unterricht hast, dem du das pferd zum anreiten geben würdest, und den du dir mitnimmst zum kauf. ich hab schon ein paar mal berater gespielt bei sowas, und es funktioniert tatsächlich. das problem ist: ein sicherer, gelassener mensch macht aus jedem pferd ein lässiges gelände-pferd, unabhängig von den tatsächlich reitkenntnissen. ein unsicherer mensch kann noch so gut reiten- im entscheidenden moment meint das pferd dann: nääää, du nicht.

meine eigene ist bis auf gelegentlich quotenhysterische anfälle ein nettes, zuverlässiges, geniales geländepferd. macht aber seitensprünge, gelegentliche buckler und zieht sich auf, dass andere nur mit großen augen schauen. ich find das lustig, nehms nicht ernst, sie meint: oh, is ja nix, na gut. und trottet weiter. für mich genial zuverlässig, trittsicher und angenehm im temperament- für einen ängstlichen/unsicheren reiter wohl tödlich. der knackpunkt ist, wieviel DU an dir arbeiten kannst, um dem pferd jene gelassene sicherheit zu vermitteln, die das vertrauen in den reiter erhält- dann kann das gut gehen, wenn du die unterstützung zur reitausbildung findest, die du brauchst.

andernfalls: nimm eins, das selbstsicher genug ist, um nerven zu bewahren, wenns brenzlig wird, und die sind halt meist so um die 6, 7 jahre alt... ;)
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Offline McFlower

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #17 am: 07.08.08, 16:59 »
ich kenne einige fälle, wo die besitzer niemals nie nicht eine a-dressur reiten könnten, und die pferde auch nicht auf a niveau laufen. aber: gas, lenkung, bremse, reiten in anlehnung, und zumindest ansätze von schulterherein und schenkelweichen sollten gehen.

Warum zur Hölle geht dann keine A-Dressur? Gas, Bremse, Lenkung in Anlehnung. Das IST doch die Anforderung der A-Dressur. Mehr nicht. Ich meine nicht "A-Dressur gewinnen", sondern "theoretisch A-Dressur blamagefrei mitreiten können" oder meinetwegen auch "zu Hause im eigenen Kämmerlein eine A-Dressur-Aufgabe unfallfrei in konstanter Anlehnung durchreiten können".

Ach, vergesst einfach meine A-Dressur und ersetzt es durch "Pferd in Anlehnung über den Rücken reiten können". Okay?
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Offline Tüpfel

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #18 am: 07.08.08, 17:19 »
Wenn ich jetzt ketzerisch eine bisssige Bemerkung machen wollte, würde ich sagen, daß ich aus jeder in letzter Zeit gesehenen A-Dressur mindestens die Hälfte aller Reiter kreischend von einem Jungpferd ziehen würde, ( und auch von dem Pferd, auf dem sie die A-Dresssur ritten) , wärend ich etliche sehr nette, feine Reiter kenne, die zwar nicht wissen was "durch die Länge der Bahn wechseln" bedeutet, die aber sehr versiert ihre Pferd mit zügelunabhängigem ausbalanciertem Sitz, feiner Führung und viel Gefühl im Gelände reiten und dort auch gymnastizieren.  :P
Nein, ich will jetzt nicht wieder Fronten heraufbeschwören, im Grunde Mc.Flower hast du ja recht  ;). Ich denke, es sollte ein eben beschriebener Sitz vorhanden sein, eine sichere Einflußnahme auf ein bereits gerittenes Pferd  und einige bereits aufgeführte charakterliche Eigenschaften .
Grüßle vom Tüpfel

Offline donau

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #19 am: 07.08.08, 17:43 »
McFlower, die sache mit der a-dressur ist halt die, dass die beschriebenen pferdchen allesamt im viereck nicht zb. am punkt angaloppieren, zulegen und einfangen weder im trab noch im galopp reiten können. teilweise galoppieren die leute im viereck gar nicht (weil unsicher, und pferd nicht genug ausbalanciert für galopp auf einem nicht-standardgröße reitplatz). von einer a-dressur sind die meilenweit weg, sitzen tun sie trotzdem nett, und so, dass sie das pferd nicht stören. das wollt ich damit eigentlich sagen. allerdings gehe ich schon davon aus, dass jemand, der sich jungpferde-ausbildner nennt, in der lage ist, ein pferd auf a-niveau + erste seitengänge auszubilden. insofern stimme ich da durchaus zu- verlange das aber nicht von jemandem, der unter umständen ein nettes gelände, aber keinen passenden reitplatz zur verfügung hat.

die sache, die tüpfel erwähnt ist dann auch noch so ein punkt. im übrigen würde ich auch einen großteil der reiter in l, lm, m nicht unbedingt auf ein jungpferd setzen- einfach deswegen weil jungpferd nochmal was anderes ist, als "höhere lektionen" reiten ;)
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Offline AJ

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #20 am: 07.08.08, 19:45 »
@Petig
 ;Dnur keine Panik. Hab auch kein Abzeichen und bin noch kein Turnier geritten (nur mal n Sternritt- Trail)und ich würde mich trotzdem nicht als schlechten Reiter bezeichnen ;)

@zaino
Also ich finde, dass sind die aller grenzwertigsten Bedingungen. Ich hab generell hohe Ansprüche, aber bissle mehr als sich im Gelände sicher im Sattel halten können gehört für mich dazu. Eine Freundin von mir reiten sicher im Gelände und in der Halle gehen Schritt, Trab und Galopp problemlos, jedoch würde ich ihr nie und nimmer zutrauen, ein Pferd selbst auszubilden. Sie ist im Umgang oft unsicher und kann manche Signale eines Pferdes nicht/schwerlich deuten.
Das ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Man muss das Pferd verstehen können. Warum tut es was. Ich erlebe immer wieder bei uns im Stall wie sich die Besitzer über ein und das selbe Verhaltensmuster ihres Pferdes Tag täglich aufregen, jedoch nicht erkennen, warum das Pferd dies tut.
Ich meine das jetzt nicht auf dich bezogen, Petig, ich weiß ja nicht wie fit du in solchen Dingen bist. Grad bei jungen Pferden ist es wichtig, das einem nichts entgeht.

Aj

Offline AJ

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #21 am: 07.08.08, 19:57 »
*flüster*
Sorry, eher OT
Zitat Donau: "darüber, dass ohne unterricht mit jungpferd nix geht, sollte man sich klar sein. "

Meinst du das im allgemeinen? Oder jetzt im speziellen Fall bei Petig?

*rausschleich*

Offline zaino

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #22 am: 07.08.08, 23:25 »
Weiss schon, das war mal wieder meine Bosheit, und die absoluten Minimal-Bedingungen.
Äh, hab ich die damals erfüllt? Glaub schon, obwohl mein Sitz eher free-style war.
Viele Bücher und viel vom Unterricht hab ich erst kapiert als ich mit dem eigenen Pferd lange rumgemacht hatte, Da geb ich Donau recht, man KANN zusammen lernen.
Zur Erfahrung - hatte jahrelang nicht unversaute sondern eher zickige Pferde als RBs, die zunächst mal pullten wie die Wildsau, mein absoluter Angstauslöser Nr. 1 - und meinen Jungspund hätte ich gnadenlos VERKAUFT wenn er unterm Sattel dauernd zum Durchbrennen geblasen hätte, sorry to say. hätte ich, jawoll.
Wenn Du wirklich einen Jungen kaufen willst, dann bestehe drauf, dass Du eine Weile mit ihm umgehen darfst, putzen, führen, rumgangeln. So lernst Du ihn kennen. Du kannst ihm mal "Druck" machen und sehen wie Pony damit umgeht, und obs auch wieder "runterkommt" wenn sichs geärgert oder erschrocken hat, erlebst Du dann auch. Junge Pferde verändern sich teilweise nochmal, wenn sie von ihrer Familie oder Heimatherde weg kommen. Werden frecher oder erstmal ängstlicher, müssen erst ihren Platz da finden. Wie pubertierende Kinder halt. Hände weg von den Krampen irgendwelcher vorgartenzüchter, die 'ne Wurmkur für überflüssig halten, handtuchgroße Koppeln am Häuschen haben und 1x im Jahr kommt der Schmied.
Ach ja, und bei Jungspunden darfst Du NICHTS vorraussetzen. Meiner fand z. B. HInterhufegeben doof, und ich hatte Schiss. HEUTE weiss ich, dass er NIE schlägt, (aber trotzdem seinen Huf auf meinen Zeh knallen könnte im Gefecht, keine Frage, ohne böse Absicht, trotzdem autsch...) Die gehen 10x artig mit und bei Nr. 11 sagen sie, nö, heut nicht. *hüpf* "Hohe Schule über der Erde" kann durchaus mal Bestandteil des Spaziergangs sein. Langer Strick, aber GUT festhalten...  :P
Ach ja, da gäbs noch viel zu erzählen. Eins meiner liebsten und besten leider nur kurzfristig zur Verfügung stehenden RB-pferde war ein Halbtraki, ein großer  eleganter Fuchs, nicht soo schlau, der einzige, der nie allein heimgefunden hätte, der Gute - aber wow. Bombig zugeritten, und selbst wenn er sich vor Angst in die Hosen machte - Piaffe ritten wir mal in einem Kaff, das haltet Euch fest - ehrlich Pubs hiess, als uns ein scheusslicher Bernhardiner kläffend nachlief, so cujo-mässig... und ich sagte nur zitternd: Ruuuuhig, laaangsam, geordneter Rückzug, Bub, sonst kommt das Monster in Fahrt... und der Fuchs trabte schnaufend auf der Stelle und mit Raumgewinn so 10 cm pro sekunde... naja, obs ne echte Piaffe war? :-X ;D Sah bestimmt spektakulär aus.... leider wusste der sabbernde Köter das nicht zu würdigen, liess aber von uns ab). Ansonsten war er kaum schreckhaft, und man konnte ihn 5 km weit vor einem Gewitter her full tilt nach Hause galoppieren, mittendrin durchparieren wg. Betonbrücken, drübertappen, drüben wieder angaloppeln, OHNE dass er gezogen, gepullt, sich aufgeregt hätte. Der war einfach das Spasspferd pur, easy, leichtrittig... sowas wär was für Dich, Petig, damals war der 8 als die besitzerin ihn bekam. Toll.

Offline sasthi

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #23 am: 07.08.08, 23:43 »
McFlower, ich seh mich nicht wirklich A Niveau (dafür ist auch mein Sitz zu grausig), aber hmm... kaputtreiten tu ich nicht mehr dauernd was.

Ich seh's so, auch nachdem ich mir letztes Jahr ein zwar grundausgebildetes, aber danach nicht weitergefördertes und eher verrittenes Pferd gekauft habe:

Man wächst mit seinen Aufgaben.

Ich hätte mir auch keinen völlig rohen zugetraut, war letztes Jahr Probereiten auf einem gerade mal 3 Monate alten 3 jährigen.. mei ist der geeiert.
Jetzt eiert meine zwar auch, aber es wird.

Man wächst da rein.
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

osch

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #24 am: 08.08.08, 00:01 »
Hier wurde ja schon einiges geschrieben, dann geb ich mal meinen Senf dazu:
Ich war Reitanfänger (Kenntisstand und Reitkunst auf NULL)
Zudem mit fast 40 Späteinsteiger also nicht mit den ganz jungen Knochen und keiner Angst im Rücken.
Meine Wahl viel auf ein 4,5 Jahre junges privat angerittenes unbelastetes Pferd. JEDER aus meinem Bekanntenkreis incl. meiner
Frau haben mir gesagt das geht nicht PUNKT.
Da es mir dieses Pferd aber angetan hatte und ich wusste das ich noch ewig suchen kann und nichts vergleichbares finden würde hab
ich mich durchgesetzt und das Abenteuer konnte beginnen.
Man der kleine hat mich erstmal richtig ausgezählt und am Strick fragte man sich wer führt da wen.
Dann hab ich mir eine Trainerin zu Hilfe geholt mit der ich heute noch regelmässig trainiere. Sie war anfangs auch skeptisch nen Anfänger
mit so einem Jungen Pferd.... Wir haben dann angefangen zu arbeiten. Ich hab 5 bis 6 mal die Woche etwas mit dem Pferd gemacht und
schliesslich führte ich das Pferd und nicht umgekehrt. Wille und Vertrauen war die Basis auf der ich noch heute arbeite, alles mit Ruhe und
ohne jeglichen Druck. Heute ist mein Pferd 6 Jahre und 4 Monate und ja ich hab es geschafft. Ich reite gebisslos mit einer Bitless bridle
durchs Gelände, auch allein ohne Begleitpferd. Wir gehen auf dem Platz Seitwärtsgänge Schulterherein etc... und wissen wie man sich gymnastiziert.
Ich habe viel Bodenarbeit gemacht und gelernt und es macht einen Höllenspass.
Das er so Jung war/ist sehe ich heute nicht mehr als Problem sondern als Geschenk, von einem erfahrenen gelassenen Pferd hätte ich NIE soviel gelernt.
Ich hab es von anfang an gelernt IMMER wach zu sein IMMER aufzupassen und ein verlässlicher Partner für mein Pferd zu sein.
Sicher ist der Weg mit einem Jungpferd nicht der einfachste aber ich meine der schönste. Entscheidend ist nicht das Alter sondern was bin ich bereit zu tun.

Offline Petig2002Topic starter

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #25 am: 08.08.08, 08:37 »
Hallo ihr Lieben,

und vielen Dank für die ganzen Antworten!!! Ich finde das Thema generell sehr interessant, nicht nur, weil ich es nicht lassen kann, selbst mit dem Gedanken zu spielen!

Die Meinungen sind ja doch recht verschieden, aber das ist im Pferdebereich ja nicht unbedingt selten der Fall.

Dadurch, dass ich jetzt fast 2 Jahre AUSSCHLIEßLICH ein Pferd geritten bin, kann ich mich noch weniger einschätzen als sonst. Klar, mit dem ging irgendwann vieles, was mit einem fremden Pferd nicht ging, denn es war schon eine "Extrem-RB" und bei soviel zusammen verbrachter Zeit wächst man irgendwann halt doch zusammen und fummelt sich ein. Das sollte bei einem Jungpferd natürlich relativ schnell gehen und nicht in Ausprobiererei ausarten. Erstmal habe ich jetzt eine neue RB bei einer guten Freundin. Ist ein ganz braves Pony, auf dem ich sicher viel lernen kann, sei es sich gut durchzusetzen (Dickkopf  ;D) oder neuen Mut zu kriegen (Verlasspferd  :-*). Rein vom "technischen" Reiten her werd ich mich denk ich mal nach einem Kurs umgucken, schaden tut das ja nie und vielleicht finde ich ja einen Trainer, der mit ehrlich (aber auch mit genügend Optimismus  ;D) helfen kann mich einzuschätzen und mir so bei der richtigen Entscheidung auf die Sprünge hilft.

Zaino, free-style Sitz ist gut ;D. Ich hab jetzt schon mehrmals gehört, dass mein Sitz ganz gut ist, kann ich mir nicht erklären. Finde ihn schon mehr als free-style *grinz*. Na ja, mit kurzen Stummelbeinen und einer Vorliebe für kompakte und breite Pferde und einem damit verbundenen Halbspagat kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass dieses Lob (was mich natürlich trotzdem freut!!!) der Wahrheit entspricht. Ganz davon abgesehen, dass man ja doch versucht ist im Gelände zu "lümmeln". Aber ich geb mir Mühe besonders an Sitz und Hand zu arbeiten, denn das finde ich absolute Grundvoraussetzung für ALLES!

Osch, du meinst mit NULL Kenntnisse wirklich 0??? Nada, zero, niente???? Also BLUTIGER Anfänger?? Du hast meinen vollen Respekt, sowas beeindruckt mich immer um Längen mehr als ein Profi, der dann irgendwann wirklich bei S ankommt, obwohls vielleicht eine ähnliche Leistung ist. Magst du vielleicht noch ein bisschen berichten? Was gut lief, welche Probleme du hattest? Was dein junges Pferd besonders von den älteren (reit- und umgangstechnisch) unterschieden hat? Finde dein "Abenteuer" wahnsinnig interessant und bin immer wieder beeindruckt, wie Leute an ihren Aufgaben wachsen können!

Ich denke wirklich, ich werde jetzt auf meiner neuen RB lernen und Spaß haben, zeitgleich mein Pölsterchen so zum Wachsen animieren *auf Kontoauszug starr*  ;D bis BEIDE Möglichkeiten drin wären (also junges und fertiges), vielleicht sogar einen Trainer finden, der so ehrlich ist, dass er mir da zu rät, wenn es geht, aber auch davon abrät, wenn es nicht geht (und dabei vergisst, dass man mir nem Problem-Jungpferd ne Menge Geld machen kann  ::)). Und wenn ich dann tatsächlich losstiefel, dann weiß ich Bescheid. Entweder ich muss dann verkniffen sagen: Nee, lieber nicht oder aber ich kann das Schicksal entscheiden lassen und sehen, welches Pferd es mir nun tatsächlich antut.

Da fällt mir doch glatt noch eine andere Frage (etwas OT) ein: Dass ein Jungpferd einen GUTEN Reiter braucht, das kann ich so weit nachvollziehen. Woran macht man aber einen guten Reiter fest, wenn man ihn nicht an FN Richtlinien messen kann?

Offline McFlower

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #26 am: 08.08.08, 08:47 »
Nennt mich Spaßverderber, aber...

...ein grundausgebildetes Pferd ist immer noch was komplett anderes als ein rohes Pferd. Das erste Jahr unterm Sattel IST eine besondere Herausforderung und letztendlich auch ein besonderes Risiko.

...ich habe in den letzten 25 Jahren mehr als ein Dutzend Kombinationen "ängstlicher Erstpferdebesitzer + Jungpferd" beobachtet. Es KANN gutgehen. Manchmal geht es auch gut. Oft geht es aber auch komplett daneben. Oder Besitzer und Pferd arrangieren sich auf irgendeinem Level. (Ich buckel dich nicht ab, du verlangst aber auch bitte nichts anderes als Lenkung, Gas + Bremse)

Petig, die Jungpferde sprechen dich deshalb so ganz besonders an, weil sie irgendwie DOCH ins Kindchenschema passen. Die Gesichtszüge sind noch ganz weich, die Augen wirken irgendwie größer und Jungpferde verhalten sich auch von der Körpersprache her kindlich. Meine Altstute würde sich dagegen am liebsten von mir Siezen lassen.
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Offline Lucie

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #27 am: 08.08.08, 11:02 »
Da fällt mir doch glatt noch eine andere Frage (etwas OT) ein: Dass ein Jungpferd einen GUTEN Reiter braucht, das kann ich so weit nachvollziehen. Woran macht man aber einen guten Reiter fest, wenn man ihn nicht an FN Richtlinien messen kann?
Das ist schon schwierig. Da hilft nur die Zeit. Guck dir an wie er / sie mit den eigenen und oder Berittpferden arbeitet. Guck dir an was aus den Jungpferden geworden ist, die er / sie schon geritten hat. Das muss alles zusammen passen.
Ich werde mein Jungpferd in 2 Jahren (Baby ist erst 2) zu meiner RL bringen, bei der ich (mit Unterbrechungen) seit 10 Jahren Untericht habe. Von daher weiß ich wie sie mit den Pferden arbeitet und das sich ihr gewünschtes Ergebnis mit meinem deckt. Darüber hinaus ist es bei ihr üblich, das der Besitzer so früh wie möglich mit eingebunden wird, d.h. je nach Chrakter des Pferdes und "Können" des Besitzers recht früh das Pferd selber unter ihrer Aufsicht reitet. Das ist mir auch besonders wichtig - denn was nützt es mir, wenn das Pferd unterm Bereiter funktioniert, aber ich nicht mit klar komme?

osch

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #28 am: 08.08.08, 11:04 »
Was ich vielleicht vergass mit Jungpferd und Anfänger meine ich nicht komplett rohes Pferd (das kann nicht passen!!). Meiner war zumindest gut angeritten
und wusste sehr wohl was schritt Trab und Galopp bedeutet. Also die Phase mit erstmal Sattel probieren und schauen was passiert hatte ich nicht und würde ich auch nicht machen wollen.

Zitat
Osch, du meinst mit NULL Kenntnisse wirklich 0??? Nada, zero, niente?Huch Also BLUTIGER Anfänger?? Du hast meinen vollen Respekt, sowas beeindruckt mich immer um Längen mehr als ein Profi, der dann irgendwann wirklich bei S ankommt, obwohls vielleicht eine ähnliche Leistung ist. Magst du vielleicht noch ein bisschen berichten? Was gut lief, welche Probleme du hattest? Was dein junges Pferd besonders von den älteren (reit- und umgangstechnisch) unterschieden hat? Finde dein "Abenteuer" wahnsinnig interessant und bin immer wieder beeindruckt, wie Leute an ihren Aufgaben wachsen können!

Ja ich hatte wirklich keine Kenntnisse ausser das ich vor 17 Jahren mal in Tunesien im Urlaub mit nem Pferd am Strand unterwegs war. Meine grössten Probleme lagen darin zu glauben. Daran zu glauben das ein Pferd so ist wie es ist und das viele Dinge die schwer aussehen ganz einfach sind. Beispiel mein Pferd hat mich am anfang schon beim Spazierengehen ausgezählt, also Piaffierender Weise um mich rum und neeeeee ich geh jetzt zum Stall zurück da ist sicher. Aus Sicht des Pferdes ja völlig ok ich konnte ihm nicht das Gefühl von Sicherheit geben. Mit meiner Trainerin hab ich gelernt es ist keine Kunst dazu notwendig Pferdi weiterzuführen wenn man im Kopf sicher ist und man einfach weiss warum Pferd gerade so einen Aufstand probt.
Aber es waren natürlich noch viele andere Dinge im Weg ich musste an meinem Sitz arbeiten täglich auch ohne Pferd an meiner Körperspannung arbeiten etc...

Offline donau

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Re: Was sollte man für ein Jungpferd können?
« Antwort #29 am: 09.08.08, 23:08 »
*flüster*
Sorry, eher OT
Zitat Donau: "darüber, dass ohne unterricht mit jungpferd nix geht, sollte man sich klar sein. "

Meinst du das im allgemeinen? Oder jetzt im speziellen Fall bei Petig?

*rausschleich*

AJ, ich meinte im falle "unsicherer/unroutinierter besitzer" und "rohes/kaum angerittenes jungpferd". also wohl für hmmm... mindestens 80% aller reiter, denn meiner erfahrung nach haben eben diese noch kein pferd ausgebildet. und brauchen die hilfe beim ausbilden in form von unterricht. vom rest meinen 10%, sie könnten eine junges schon anreiten- das sind dann die pferde, die die andern 10% die´s wirklich können, zur korrektur bekommen ;)

irgendwann steht man einfach an, braucht hilfe, egal wie gut man ist. ich zb. hab schon x junge angefangen, und die grundlagen (schritt-trab-galopp, erste seitengänge, anlehnung, biegung, gelände gewöhnen) kann ich allein, ohne dass mir jemand auf die finger schaut. nur- allein um den sitz zu erhalten, braucht man unterricht bzw. jemanden, der einen filmt, zwecks korrektur, das körpergefühl ist recht trügerisch ;) sprich: wenn die grundlagen sitzen, ab zum unterricht. oder eben unterricht auf anderem pferd, und das dann übertragen. denn nur, weil ein pferd die grundlagen kann, heisst das nicht, dass die nicht schnell verpfuscht sind. ich hab halt auch festgestellt, dass nach 3-4 jahren unterm sattel das ganze so bombenfest sitzt, dass man da nix mehr vermurksen kann bzw. ein paar einheiten reichen, um das wieder vor zu holen. wenn es denn in der zeit richtig gemacht wurde.

ich kenne KEIN beispiel, wo jemand OHNE unterricht ein pferd ausgebildet hätte, und dieses rittig, sensibel und angenehm ist. denn "profis" haben den unterricht meist ohnehin (wenn auch nicht immer auf diesem pferd), und von den anderen hatte ich zuviele in den fingern, die 10-jährig weder halfterführig, noch ordentlich longierbar oder reitbar waren. reiten war dann der von mcflower beschriebene kompromiss "ok, ich tu dir nix, solange ich richtung und tempo betimmen darf" ::)
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