Autor Thema: Saufen und fressen lassen unterwegs  (Gelesen 3828 mal)

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Offline CalvadosTopic starter

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Saufen und fressen lassen unterwegs
« am: 13.04.08, 21:48 »
Hallo,

ich habe mal zwei praktische Fragen.

Erstens: Wie kriege ich Pferd unterwegs zum Trinken? Ich habe einen Falteimer, aus dem er aber nicht trinkt. Da er sowieso nicht so viel trinkt, dachte ich mir bisher nichts dabei. Letztens waren wir übungshalber rund 20 km unterwegs und abends dachte ich, er muss einfach durstig sein, habe die Selbsttränke abgesperrt und ihm zusätzlich zum Heu Wasser im Falteimer hingestellt. Er hat einfrig gefressen und wirkte auch sonst ganz munter und entspannt, hat aber nicht getrunken. Kaum habe ich die Selbsttränke wieder angestellt, hat er erstmal ausgiebig gesoffen. Das Wasser hatte ich zwar aus einem anderen Hahn, aber ja wohl aus derselben Leitung. Unterwegs habe ich es schon mal erlebt, dass er fremdes Wasser aus einem fremden Eimer abgelehnt hat, aus einem anderen fremden Eimer dann angenommen. Aber ich kann sowieso keinen Eimer mitschleppen. Aus der Faltschüssel trinkt er auch nicht. Aus Falteimer und Faltschüssel frisst er aber ohne Probleme.

Wie heikel sind Pferde? Trinken sie irgendwann von selbst, ehe sie verdursten, oder droht u.U. gefährliche Dehydration?
Und was kann man dagegen machen? Ich würde es ungern erleben, dass Pferd auf dem Wanderritt an einem warmen Tag  dehydriert zusammenklappt. (Sollte man für den Fall der Fälle irgendwas vom Tierarzt für den Kreislauf mitnehmen...???  :o)

Und woher weiß ich, ob das Wasser, das man unterwegs findet (z.B. auf Friedhöfen oder an Brunnen), Trinkwasser ist? Oder ist das bei Pferden nicht so wichtig? (Aber für Reiters Wasserflasche ist das u.U. ja auch interessant...)

Zweite Frage: Wann und wo kann ich Pferd am Wiesenrand unbeschadet fressen lassen? Welche Stellen sollte man eher meiden? Woran erkenne ich eine frisch gedüngte Wiese? Wann im Jahr düngen die Bauern, und wie lange sollte man die Pferde danach nicht auf die Wiese lassen?

Eine Mitreiterin hat mich vor ein paar Tagen z.B. darauf hingewiesen, dass auf mehreren Wiesen Fahrspuren wären (nur im Gegenlicht erkennbar) und das Gras auf eine bestimmte Weise in verschiedene Richtungen geknickt wäre, das wäre ein Hinweis auf kürzliche Düngung, und die Pferde sollten dort nicht fressen. Leider ist sie nicht immer dabei, um uns vor schlimmen Folgen zu bewahren...

Gruß
Calvados
« Letzte Änderung: 13.04.08, 22:21 von Calvados »

Offline zorba

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #1 am: 14.04.08, 19:53 »
hallo Calvados,

zu wenig trinken kann schon zum Problem werden. Nicht gerade ein Kreislaufzusammenbruch (meistens trinken sie vorher schon irgendwann), aber deutliche Leistungsminderung ist möglich. Versuch mal, ob es bei ihm funktioniert, wenn du das Wasser irgendwie aromatisierst und damit Fremdgerüche überdeckst. z.B. Apfelsaft, oder ein Pfefferminzbonbon, ode süsses Hustentee-Granulat - keine Ahnung, das musst du ausprobieren (zuhause natürlich). Und sonst mach dich mal auf die Suche nach sämtlichen Falteimer-Produkten, die es auf dem Markt gibt; vielleicht ist dem Herrn doch irgendeines genehm. Aber bevor du 5-liter-Säcke mit Infusionslösung aufpackst, würde ich im Extremfall doch ein 5-Liter-Eimerchen um die Manteltasche drapieren.

Wiesen werden gedüngt, wenn das Gras frisch geschnitten ist (oder im März/April, sobald der Boden das erste Mal etwas abgetrocknet hat; Gras wächst ab 10°C.) Wo du die Reifenspuren leicht erkennen würdest, ist die Düngung vermutlich schon etwa 2 Wochern her. Intensiv gedüngte Wiesen erkennst du am hohen Anteil an Grashalmen und an der vergleichsweise dunklen Farbe; Magerwiesen an der Artenvielfalt.

Faustregel: bei völlig trockenem Wetter 3 Wochen warten; bei 1 - 2 ergiebigen Regentagen kann man auf 2 bzw. 1 Woche zurückgehen. drunter lieber nicht.
Schönwetterwanderreiterin

Offline CalvadosTopic starter

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #2 am: 14.04.08, 20:52 »
Aber bevor du 5-liter-Säcke mit Infusionslösung aufpackst, würde ich im Extremfall doch ein 5-Liter-Eimerchen um die Manteltasche drapieren.

Das überzeugt mich  ;D

Mit einem Schuss Apfelschorle habe ich es schon mal probiert, das hat nicht funktioniert. Mit was habt Ihr denn so gute Erfahrungen gemacht?

Wiesen werden gedüngt, wenn das Gras frisch geschnitten ist

Ähm, und wann im Jahr wäre das so ungefähr?  :-[ (Abgesehen davon, dass selbst ich das wahrscheinlich an der Wiese selbst erkennen kann  ;D)

Ist natürliche Düngung (Gülle, Pferdemist  ::)) genauso gefährlich wie chemische Düngung? Kann man das per Sicht auseinanderhalten?
Und was hat es mit dieser Kalkdüngung auf sich? Wann macht man das?

Offline Frau Peh

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #3 am: 16.04.08, 16:52 »
Calvados, um auf Nummer sicher zu gehen (soweit das überhaupt möglich ist) lassen wir an Wanderritten die Pferde soweit möglich nur auf Grasflächen fressen, die erkennbar nicht landwirtschaftlich genutzt werden (ergo auch nicht gedüngt werden). Das kann eine Lichtung im Wald sein oder auch mal das Gras am Weg (wenn kein Feld daneben ist).



Offline Hexle

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #4 am: 16.04.08, 16:58 »
Calvados evtl. solltest du statt Apfelschorle Calvados beifügen ?  ;D ... steöll doch einen eimer aus DEM er säuf tin den falteimer und biet ihm Ralder oder Malzbier an .. auf das sind die meisten pferde schärfer als auf apfelschorle .. irgendwann den richtigen eimer drauslassen und irgendwann dann halt nur noch wasser draus tränken
Du wirst sicher nicht jedes Ziel erreichen, dass du dir gesetzt hast. Du wirst aber ganz sicher kein Ziel erreichen, dass du dir nicht gesetzt hast...

Muriel

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #5 am: 16.04.08, 17:51 »
als meiner mal nicht gesoffen hat, hat eine Handvoll Rübenschnitzel (gibts sonst nie) zwei Stunden im Wasser gequollen die Suppe versüsst, da hat er dann endlich (nach einem Tag!) wieder getrunken.
wenn man keine Rübenschnitzel hat, tut es auch Mashsuppe.

ich hatte auch mal einen Eimer, aus dem er ums Verrecken nicht getrunken hat. *schulterzuck* den hab ich dann irgendwann verkauft.

Im Frühjahr wird gedüngt normalerweise bevor der Löwenzahn blüht. Einfachhalber nicht an Feldrändern und bewirtschafteten Flächen fressen lassen.
An Weinbergen oder Obstbaumwiesen, die nach intensiverer Nutzung aussehen, auch ganzjährig nicht fressen lassen.

Nicht aus Pfützen trinken lassen, da können  Spritzmittelrückstände eingeschwemmt sein, hat bei uns zwei Pferden fast das Leben gekostet.

Wasser an Friedhöfen ist immer Trinkwasser. Wasser aus Brunnen ist sehr unterschiedlich, wenn Trinkwasserqualität, steht ein Schild dran. Brunnenwasser kann auch gechlort sein.

am besten da wo eine Quelle eingezeichnet ist, schnell fliessendes Wasser ist in der Regel sauberer als langsam oder stehendes Wasser.

Es gibt auch Zeigerorganismen wie die Eintagsfliegenlarve, die nur in sehr sauberem Wasser vorkommt.

Offline Dine

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #6 am: 16.04.08, 18:59 »
Hmm, lecker, Wasser mit Geschmack.  ;D

Da braucht man sich um die Einlage in der Suppe auch keine Gedanken mehr zu machen...  ;)

Nein, im Ernst: bei uns in der Marsch ist es gar nicht so einfach an "natürliches" Wasser aus Bächlein oder Quellen zu kommen. Da ist der Gang auf den Bauernhof schon irgendwie näher. Und da viele Bauern in der Gegend ihre Hottes einfach hinterm Haus stehen haben, bekommt man auch ganz gut was.

Gruß,
Dine.
"Es mögen mir die Kräfte fehlen, das zu erreichen, was ich will; aber ich weiß vollkommen, was ich will."

(Guiseppe Verdi an Arrivabene im Jahre 1874)

Offline annie

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #7 am: 18.04.08, 10:49 »
Faustregel: bei völlig trockenem Wetter 3 Wochen warten; bei 1 - 2 ergiebigen Regentagen kann man auf 2 bzw. 1 Woche zurückgehen. drunter lieber nicht.
sorry ist ot, aber wichtig.

@zorba, gibt es das irgendwo verständlich nachzulesen mit den 3 wochen und der verkürzung bei ergiebigem regen?
wäre grad wichtig für mich. im netz hab ich leider nix gefunden :-\
gib mir die gelassenheit, dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann...
gib mir den mut, die dinge zu ändern, die ich ändern kann...
und gib mir die weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden!

Offline zorba

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #8 am: 18.04.08, 11:57 »
nein, nicht dass ich wüsste. Aber ich kenne es nicht anders, als dass man bei trockenem Wetter 3 Wochen warten muss (habe ich in der Lehre so gelernt.) Und mir erscheint es logisch, dass bei einem Dauerregen das Zeug von den Blättern gewaschen wird, und bei einem zweiten Regentag auch noch die letzten Rückstände.
Schönwetterwanderreiterin

Offline Eberesche

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #9 am: 08.05.08, 22:10 »
Rain Rider gab mir den Tipp, das Pferd zu Hause an ein paar Tropfen Essig im Wasser zu gewöhnen. Auf dem Ritt kann man dann Essig-Essenz mitnehmen, ist entsprechend konzentrierter - kleinere Flasche.
Vorsicht auch bei Pfützen im Wald, wenn Holzstapel in der Nähe sind oder sonstige Baum- oder Fällarbeiten.

Jauchedüngung - i.d.R. Braunfärbung der Blätter und SEHR DEUTLICHER Geruch

Offline caterpie

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #10 am: 27.05.08, 16:00 »
ist der ritt schon gewesen?

meine hat bei tagesritten auch nie getrunken aber auf unserem wanderritt trank sie sogar aus bächen ausgiebig.
Ich habe keine Lösung aber ich bewundere das Problem!

Offline vio

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Re: Saufen und fressen lassen unterwegs
« Antwort #11 am: 27.06.08, 12:49 »
Meiner säuft auch nicht gerne aus Eimern und lässt auch große Paddockeimer links liegen wenn er die Möglichkeit hat eine Selbsttränke zu benutzen. Aus Eimern oder auch diesen Falteimern zu Fressen ist für ihn kein Problem. Unterwegs aus Bächen und Weihern säuft er sehr gerne und ich hab ihm beigebracht aus dem Wasserschlauch zu trinken (hier darf jedoch der Druck nicht zu groß sein). Wenn er durstig ist kann man ihm die übrigens direkt ins Maul stecken. Er mag denke ich sozusagen stehende Gewässer nicht, die kleiner als nen Weiher sind.
Jedoch trinkt er inzwischen schon auch aus dem Eimer oder Paddockeimer, wenn er wirklich durstig ist und man ihm auch nichts anderes anbietet. Bei ihm ist Dehydration deswegen zum Glück nicht zu befürchten.
Als er noch jung war kannte er nur die Selbsttränke, da war das schwieriger. Auf O-Ritten und Turnieren hatte er uns da doch ab und zu Sorgen bereitet. Was ganz gut geholfen hat ist Salz anzubieten oder auch teilweise Mineralfutter - so hatte meiner dann auch aus Eimern gesoffen.

Apfelsaft o.ä. hatten bei meinem leider nicht geholfen.