Autor Thema: Frage zu Parelli  (Gelesen 9344 mal)

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Offline rivaTopic starter

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Frage zu Parelli
« am: 25.03.07, 10:01 »
Hallo ihr!

Da die Parelli-Box ja schon länger etwas eingeschlafen ist, dachte ich ich starte lieber ein neues Thema, in der Hoffnung, dass es eher jemand sieht  ;)

Also, ganz als erstes: ich habe eigentlich keine Ahnung von Parelli, arbeite auch (noch??) nicht nach dem System und habe auch schon recht viel negatives gehört...
Naja, trotzdem hab ich mich mal durchs Internet gelesen, in der Hoffnung, ein bisschen mehr in Erfahung zu bringen... Viel findet man ja nicht...

Habe dann auf mehreren Seiten "Anleitungen" für die 7 Spiele gefunden und finde die auch garnicht mal so schlecht... Könnte mir durchaus vorstellen, mit meinem Tra-Bär mal nen "Grundkurs" mitzumachen um einfach mal rein zu schnuppern...

Nun aber Folgendes: in den Erklärungen zu diesem Circle-Game steht mehrmals, dass das nichts mit normalem Longieren zu tun hat, welches das Pferd nur abstumpfen und langweilen würde...
Da ich mein Stütchen aber recht viel longiere, auch an der DL, stellt sich mir jetzt die Frage, ob sich das dann überhaupt vereinbaren lässt.... Also spielen nach Parelli und "normales" Longieren mit Kappzaum, DL oder sonstwas...  ???

Viell. kann mir hier ja jemand was dazu sagen, wie gesagt, ich hab von Parelli quasi noch null Ahnung, interessiere mich aber durchaus dafür..

Lg,
Anna
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Offline Aleike

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #1 am: 25.03.07, 10:28 »
Also, dass longieren für das Pferd langweilig ist, halte ich für Unsinn. Natürlich ist halbstundenlanges stures Kreiseln für das Pferd langweilig, aber man kann sicher die Parelli-Übungen genauso pervertieren oder das Pferd vom Sattel aus langweilen.

Ich habe auch mal so einen Grundkurs in (nicht explizit Parelli) NH gemacht, und longiere sonst "normal". Vielleicht ist mein Eindruck als Nicht-Parelli-Fachfrau daher für Dich interessant.

Ich kannte vieles von normaler Bodenerziehung, wie sie ja heute weit verbreitet ist, wieder, und habe auch einige spannende neue Ideen mitgebracht. Was ich immernoch gern nutze, ist das Schicken, z. B. in den Hänger, oder über einen Graben beim Spazierengehen. Allein das lange Arbeitsseil ist ausgesprochen flexibel in der Anwendung, wobe ich es nur noch am normalen Halfter einsetze, weil mein Pferd allein das unabsichtliche Schwingen (durch Pferdebewegung) des schweren Seils an dem dünnen Knotenhalfter schon irritierend findet. Das Knotenhalfter nehme ich nur, wenn ich Schwierigkeiten befürchte, z.B. beim Schrittführen nach langem Stehen.

Beide Methoden benutzen Körpersprache, wenn auch unterschiedlich, und verfolgen ja auch unterschiedliche Ziele.
Es gibt natürlich auch einige wesentliche Unterschiede in der Ausführung.
 
Z.B. soll bei dem Kreisspiel (mir widerstrebt immer ein bisschen die Bezeichnung Spiel) das Pferd ja einmal in Gang gesetzt werden und dann selbstständig bis zu einem neuen Kommando weiterlaufen, auch wenn der Mensch innen einfach still stehen bleibt.
Beim Longieren erwarte ich aber, dass das Pferd immer auf meine Haltung achet und - idealerweise ;) - schon auf das Nachlassen meiner Körperspannung die Gangart wechselt oder durchpariert.
NH arbeitet auch ohne Stimmkommandos, nur mit körpersprachlichen/Stöckchen-/Seil-Signalen, während beim Longieren ja das Pferd gern auf Kommandos, Schnalzen etc. abgestimmt wird.

Und Parelli und Co. besteht nicht nur aus dem Kreiseln auf kleinem Kreis.
Den Unterschied vom Circlegame zum Longieren dem Pferd deutlich zu machen ist auf jeden Fall möglich, die Schwierigkeit liegt wohl eher beim Menschen, seine Aktionen sauber zu sortieren.

Wozu willst Du das Parellizeugs denn lernen, was ist Dein Ziel?
« Letzte Änderung: 25.03.07, 10:30 von Aleike »
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Offline rivaTopic starter

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #2 am: 25.03.07, 10:55 »
Danke für die schnelle ausführliche Antwort...

Naja, also das Longieren ein Pferd langweilen soll hatte ich halt auf diversen Seiten gelesen...
Ich persönlich denke nicht, dass meiner Stute dabei langweilig wird, ich versuche halt viel Abwechslung rein zu bringen, mal Trabstangen, an der DL über Cavalettis, etc.

Und beim Lesen hab ich halt auch schon festgestellt, dass wir einige von diesen Spielen auch so schon spielen:
z.B. das Friendly-Game, sie lässt sich von mir überall anstandslos anfassen, auch mit der Gerte, an der raschelnden Plane arbeiten wir noch  ;)
oder dieses Stachelschwein-Spiel; weichen tut sie auf Kommando/Zeichen und teils auch ohne dass ich sie berühren muss.

Zitat
Wozu willst Du das Parellizeugs denn lernen, was ist Dein Ziel?
Um ehrlich zu sein: so wirkliche Ziele hab ich noch garnicht. Ich hatte halt nur viel negatives gehört (Pferde kriegen den Bullsnap um die Ohren gehauen, etc), hab aber auch schon viele wirklich schöne Vorstellungen/Videos gesehen und mich daraufhin einfach mal durchs Netz gelesen, um mir die Sache mal genauer anzugucken...
Ok, oberstes Ziel ist bei mir eigentlich, mein Pferd besser zu verstehen und noch mehr Vetrauen aufzubauen. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass sie keine Angst vor mir hat und mich durchaus als "Chef" akzeptiert (folgt/weicht/bleibt stehen wo ich sie abstelle etc, lässt sich aber auch mit Hingabe 3 Stunden die Ohren kraulen  :P)
In manchen Situationen hab ich dann aber doch das Gefühl, dass sie mir nicht zu 100% vertraut (in den Hänger steigen oder die oben erwähnte Plane, wobei dass schon besser wird).

Ich bin mir auch nicht sicher, ob diese Methode überhaupt was für mich ist, evtl wollte ich auch einfach mal als Zuschauer zu einem Kurs fahren (z.B ist Honza Blaha im Mai gar nicht so weit weg; obwohl der ja sich ja von Parelli abgewendet hat(?), ist das sicher Interessant)...

Man merkt, ich bin da noch nicht soooo strukturiert  :P, wollte mich halt nur so mal informieren und bin dann auf dieses Longier-Problem gestoßen und hab mich dann halt gefragt, in wie weit sich das überhaupt mit "normalem" Reiten etc verbinden lässt...




 
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Offline Nattrun

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #3 am: 25.03.07, 11:15 »
Hallo,
ich will im Mai auch als Zuschauer zu Blaha in die Eifel fahren und mir dann überlegen, ob das was für uns wäre. Jede Methode ist ja nur eine Art Werkzeugkasten, um besser miteinander klarzukommen - Methoden um des Selbszwecks willen (so wie man das auf Schauen sieht), finde ich was arm.
Ich denke - nach einem langen Gespräch mit wem,der sich intensiver damit auseinandergesetzt hat - daß man durchaus was grundsätzliches lernen kann, auch wenn man gut mit seinem Pferd klarkommt.
Ein Thema haben, ein Bild haben, sich auf wesentliches konzentrieren, sich selber kontrollieren, statt widersprüchliches zum Pferd labern 8so mus das aufs Pferd wirken, wenn die Kröpersprache nur halb richtig ist) - ich glaube, die Anfänge des NH sind wohl eher Menschenerziehung denn Pferdeerziehung (die Pferde können ja schon alles *g*) - und wenn man das alles nicht so verbiestert sieht, sondern die Essenz begreift, ist diese Schule wirklich lehrreich.
Ich komme mit meinem Pferd auch gut klar - er hat niemals Angst vor irgendwas, er weicht mir immer (wir machen krankheitsbedingt seit 2 Jahre nur noch Arbeit vom Boden) - trotzdem bin ich der Meinung, daß wir noch ein paar Dinge lernen können, denn zumindest zwei Situationen gibt es, wo er streikt:
Hänger und Esel.
Wenn ich mich da kraft meines Willens und meiner klaren Körperhaltung auch überzeugend durchsetzen kann, wäre das toll.
Bin mal gespannt, ob es mich anspricht.
Seine Shows mag ich jedenfalls viel lieber als die Parelli-Shows.
Gruß, Nattrun
Wen kein Bangen mehr beschwert,
frei von hinnen reitet.
Heil führt ihn auf seinem Pferd,
Glück die Zügel leitet.
(Bischof Jón Arason, 1550)
 

Offline Aleike

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #4 am: 25.03.07, 12:45 »
- ich glaube, die Anfänge des NH sind wohl eher Menschenerziehung denn Pferdeerziehung (die Pferde können ja schon alles *g*) -
Schön gesagt. ;)
Ja, einige Teilnehmer hatten zum Beispiel große Probleme, die schrittweise logische Steigerung des Drucks und noch mehr das sofortige Loslassen beim Ansatz einer gewünschten Reaktion richtig umzusetzen.
Und dieses Vorgehen hilft ja nun in allen pferdischen Lebenslagen.
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Offline rivaTopic starter

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #5 am: 25.03.07, 15:42 »
@Nattrun:
Da wollte ich auch evtl hin, viell sieht man sich ja...  ;)

Zitat
Seine Shows mag ich jedenfalls viel lieber als die Parelli-Shows.
Ich mag ihn auch ganz gerne, vor allem sein hübsches Pony könnt ich ihm jedes Mal so klauen...  :P

@Aleike:
Dazu dann gleich noch eine Frage:
der Druck wird ja - nach dem was ich bisher gelesen hab- so lange konzequent und immer in der gleichen Zeitspanne erhöht (?) bis das pferd reagiert.
Gibt es einen Punkt an dem man den Druck nicht mehr weiter erhöht, also quasi wartet bis es dem Pferd zu blöd wird und es dann doch reagiert? Weil so handhabe ich das mit meiner Stute: z.b beim rückwärts weichen: ich frage nett an, dann etwas "unnetter"  *mit finger in die brust pieks* und wenn dann nichts passiert werd ich ungemütlich und "schiebe" sie quasi mit dem finger (recht fester, punktueller aber gleichbleibender druck) zurück, bis sie weicht, dann lasse ich los... zu 90% weicht sie schon auf anfrage rückwärts...

Ich habe von Leuten am Stall nämlich z.b gehört, dass der Druck bei den Parellianern immer weiter erhöht wird... Also das z.b. der Strick immer fester geschüttelt wird, auch wenn den Pferd der Bullsnap schon um die Ohren fliegt.... und nicht der Druck ab einer bestimmten Stelle nicht mehr höher wird und man abwartet...
Ich habe das zwar persönlich noch nicht so gesehen, kenne die Methode aber auch fast nur von Shows, und da werden die sich ja hüten sowas zu zeigen, wenn sie´s  denn überhaupt machen sollten...


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Offline idgy

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #6 am: 25.03.07, 17:02 »
Hallo Riva,

ich habe letzes Fruehjahr mit NH (ohne P) angefangen. Wir haben eine Trainerin aus der Naehe von Muenster, die alle drei bis vier Wochen zu uns kommt. Sie unterrichtet eben auch nicht streng nach Parelli, was ich als sehr angenehm empfinde. Wahrscheinlich ist es so oder so einfach wichtig, dass man jemanden findet, mit dem man auf einer Wellenlinie liegt.

Wir haben auch mit den Spielen angefangen, Reiten auch schon ein bisschen nach NH und machen vieles, was einfach so anliegt. Mir hat das unheimlich geholfen, weil Zeus so ein grosses Sensibelchen ist und ich haeufig einfach viel zu emotional bin. Durch NH habe ich erst mal gelernt dieses Problem ueberhaupt zu erkennen und kann jetzt schon viel besser sehen, wann es bei meinem Pferd kritisch wird und werde nicht mehr durch einen Ausbruch seinerseits ueberrascht, weil ich einfach die Anzeichen besser lesen kann.

Auch die Dressurreiterei hat sich bei uns deutlich verbessert, einfach weil wir eine bessere Bindung haben.

Longieren tue ich mein Pferd trotzdem und es klappt nachwievor gut. Allerdings habe ich vorher beim Longieren auch schon auf Koerpersprache geachtet und dann gibt es da gar nicht mehr so viele Unterschiede. Denn auch beim NH will man ja das Pferd in allen drei Gangarten kreiseln lassen und durch Koerpersprache die Wechsel machen.

Die Sache mit den Stufen... Im NH gibt es vier Stufen von Druck, Stufe eins ist der idealfall und dann wird halt der Druck schrittweise gesteigert, bis das Pferd reagiert. Stufe vier ist das hoechste und auf Stufe vier muss dann endlich mal was passieren. Ausserdem sollte Stufe vier so "heftig" sein, dass ein gewisser Lerneffekt eintritt und man beim naechsten Mal mit Stufe drei auskommt. Dabei haue ich meinem Pferd aber nicht den Bullsnap um die Ohren sondern werde halt irgendwie anders kreativ. Zum Beispiel kann man mit den Armen wedeln oder das Seil in der Luft kreiseln lassen, halt irgendwas, das das Pferd dann endlich weichen laesst.

Meine Stufe eins fuer repsektvolles Rueckwaerts ist einfach nur einatmen und die Schultern etwas straffen, bei Stufe zwei mache ich mich dann noch groesser. In Stufe drei komen dann zum Beispiel meine Arme hoch und bei Stufe vier krachts dann. Da kommt dann zum Beispiel das Seil vom String von links nach rechts und wieder zurueck. Das brauche ich aber quasi gar nicht mehr :-)

Allerdings wuerde ich dir echt nen Kurs oder nen mobilen Trainer empfehlen, um zumindest den Einstieg vernuenftig zu schaffen. Unsere Trainerin sieht einfach sooo viele Sachen, die ich niemals von alleine gesehen haette. Ausserdem gibt es halt neben dem stufenweisen Druck noch einige Grundsaetze, die man beherzigen muss und ohne die das Ganze nicht gut klappen wird (Erkenne den Versuch, Relaese und Druck zum richtigen Zeitpunkt  etc...) Das kann man so im Inet gar nicht alles erklaeren.

lg Anne

Offline Aleike

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #7 am: 26.03.07, 00:34 »
Hallo Anna, ich weiß nicht, was Parelli dazu sagt, aber ich denke, man sollte seine Steigerungen so planen, dass man notfalls immernoch etwas wirksameres im Ärmel hat. Wer mit einem faulen Pferd mit weichem Halfter, kurzem Strick und ohne Gerte loszieht, macht sich schnell zum Affen.

Nicht wirklich Parelli ... Hinrichs schreibt, dass der Reiter (Mensch) dem Pferd immer den Eindruck vermitteln muss, seine Einwirkung noch unbegrenzt steigern zu können.

Das heißt aber auch, dass man sein Pulver nicht voreilig verschießen darf. Wer sein Pferd ständig mit den Schenkeln bufft, muss als nächstes schon zu Sporen und Gerte greifen. Wer das ständig tut, könnte irgendwann feststellen, dass sein Pferd dichtmacht und gar nicht mehr reagiert. Und dann wird guter Rat teuer.

Beim nur noch durchhalten einer festgelegten letzten Stufe kann Dein Pferd Dich auch am ausgestreckten Arm verhungern lassen, wenn es reichlich Beharrungsvermögen hat.

Wenn das dickfellige Pferd bei logischem und effektivem Aufbau begriffen hat, dass der Mensch eben immer noch einen zulegen kann, wird rasch schon eine geringe Einwirkung reichen. Manche Pferde, die büffelig wirkten, werden dann plötzlich erstaunlich sensibel.

Von daher ist es besser, am Beginn lieber kurzfristig etwas grob zu werden, um dann zu einem feinen und für beide angenehmen Arbeitsstil zu kommen.
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Offline Schattenfeuer

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #8 am: 15.04.07, 23:20 »
Hi ihr,

Ich schreibe einfach mal meine Meinung und meine Erfahrungen:

Parelli wettert tatsächlich gegen das Longieren. Und wenn man sich in vielen Pensionsställen mal umschaut, dann hat er auch wirklich recht damit. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel! Und wer mit einer DL arbeitet, zeigt ja schon dadurch, dass er sein Pferd intensiver arbeitet - und nicht mit der Kippe im Mund 30 Minuten telefoniert während er das Pferd schleudert.

Parelli polarisiert sicherlich manchmal ein bißchen, und gerade wenn wir uns bemüht haben, es besser zu machen als der Durchschnitt, fühlen wir uns ein bißchen angemacht davon.
Wenn wir es aber schaffen, unssere Emotionen an diesem Punkt ein bißchen zur Seite zu schieben, dann kann man oft feststellen, dass die Kritik letztlich zumindest irgendwie berechtigt ist.

Bei Parelli kommt das, was wir unter gutem Longieren kennen, im L2/L3/L4. Nimmt man es genau, handelt es sich dabei nicht um ein circle game, sondern um ein driving game auf Abstand. Dieser Bereich bekommt anscheinend bei Parelli im Laufe der Zeit immer mehr Gewicht.


Wenn man es sehr kritisch sieht (und das sollte man ab und zu - einfach um etwas verändern zu können), dann sind auch viele Leute an der DL fürs PFerd langweilig. Für Pferde ist es letztlich nur dann nicht langweilig, wenn wir wirklich ein Ziel haben.

Beispiel: mein Pferd fände es sehr langweilig, wenn ich einmal Stangen legen würde, und einmal verladen üben würde, und einmal Bahnfiguren reiten... Denn all das kann sie schon, und zwar ziemlich gut.
Interessant wird es für sie, wenn wir den Anspruch leicht anheben. Statt 3 Stangen im Trab vielleicht 2 im Galopp, statt normalem Verladen, rückwärts verladen, statt Bahnfiguren echte Biegung....


Fazit also: wirklich gutes Longieren widerspricht Parelli nicht. Aber man sollte immer wieder überdenken, ob das was man für super hält, nicht in Wirklichkeit nur nett ist.



Es wird oft bezweifelt, ob das was Parelli da tut wirklich Spiel ist. Ich habe das früher auch sehr kritisch gesehen.
Inzwischen bin ich der Meinung: gut genug gemacht, ist es tatsächlich Spiel! Echtes Spiel.
Leider sind wir oft nicht gut genug, und aller Anfang ist schwer. Und die ersten Jahre war es bei mir sicherlich auch nicht wirklich Spiel.
Aber langsam wird es immer mehr dazu. Woran man das merkt? Mein Pferd lebt im Pferdeparadies, Offenstall, große Koppeln, ziemlich perfekt. Trotzdem kommt sie ans Tor wenn ich komme (fast immer), und wenn ich mit dem Halfter komme, dann will sie aufgehalftert werden. Und wenn wir dann spielen, dann hat sie tatsächlich diesen fröhlichen, glücklichen Ausdruck in den Augen. Leider schaffe ich es noch immer wieder, den kaputt zu machen  :-[. Aber wenigstens ist er immer wieder da - so schlimm kanns also nicht sein ;-).

Photos davon könnt ihr sehen unter: http://de.pg.photos.yahoo.com/ph/sigi_146/album?.dir=6c9e&.src=ph&store=&prodid=&.done=http%3a//de.photos.yahoo.com/ph//my_photos

Ich weiß nicht ob ihr es sehen könnt, aber auf manchen von den Photos sieht man, wie sie sich für mich schön macht (Hals wölbt). ZB. beim circle game at liberty.



Die Phase 4:
Wird nicht ins unermeßliche gesteigert, sondern wird gehalten bis es dem Pferd zu viel wird. Allerdings sollte sie schon so ausfallen, dass sie deutlich unangenehm fürs Pferd ist.

Da ich nun schon eine zeitlang unterrichte, kann ich auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen. Manche Pferde sind sehr empfindlich, und ich würde ihnen NIEMALS den Haken um die Ohren hauen. Aber andere Pferde sind echte Büffel. Und sie haben überhaupt gar keine Hemmungen, ihren Besitzern irgendwas um die Ohren zu hauen, sie über den Haufen zu schubsen, sie zu drängeln, ihnen auf die Füße zu hüpfen. Und wenn du dann ein bißchen Seil schackerst, dann interessiert manche davon das nicht sehr viel. Und wenn dabei mal der Karabiner fliegt - ich habe noch nie bemerkt, dass eines dieser Pferde dauerhaft geschockt gewesen wäre.

Solche Mittel wären bei keinem Pferd notwenidg, wenn wir sie von Fohlenalter an ordentlich erziehen würden. Leder werden viele Fohlen von Anfang an erfolgreich desensibilisiert.
Aber wenn dass Kind nun schon in den Brunnen gefallen ist, und das Pferd für seinen Besitzer latent gefährlich wird, dann muss man anfangen, sich durchzusetzen. Für ein beiderseitiges Überleben.

Jede gute Beziehung besteht aus: Vertrauen, Respekt und Kommunikation. Erst wenn hier eine gewisse Basis vorhanden ist, kann Spiel entstehen.
So einige Pferde nehmen ihre Besitzer keinen cm ernst.

Ich bin wirklich niemand der Gewalt favorisiert oder der dafür ist grob zu sein. Aber ich kann - ganz ehrlich - nicht verstehen, warum viele soooo bestürzt sind, wenn mal ein Karabinerhaken fliegt. Schon mal gesehen wie die Pferde untereinander eine Phase 4 austeilen...??! Bei einem unserer Pferde fehlt gerade 10cm Fell....
Ich habe bis jetzt noch nie gesehen, dass ein Pferd von einem Haken verletzt gewesen wäre.

Allerdings gebe ich euch insofern recht: ich habe schon oft gesehen dass zu viel Druck angewendet wurde.



Honza ist ein toller Lehrer :-). Und ein toller Horseman.
Man muss aber genau schauen, ob die Kurse die er anbietet auch für einen "Anfänger" passen. In den Kursen an denen ich teilgenommen habe, waren fast alle Teilnemer minimalst Parelli Ende L2. Teilnehmer Anfang L2 hatten durchaus Probleme, zu folgen.

Man darf nicht vergessen, dass bei Parelli das System wirklich von A ab gelehrt wird. Vielleicht (noch) nicht bis Z. Aber ganz von Anfang an. Ob das bei Honza inzwischen auch so ist, weiß ich nicht.

Liebe Grüße

Offline Richie

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #9 am: 16.04.07, 16:48 »
 :o :o :o
Schattenfeuer, mach mich nicht schwach! Ich bin für einen Honza-Kurs Ende April angemeldet... Was genau kann man denn bezügl. Bodenarbeit, wenn man ungefähr Ende L2?
Liebe Grüße,
Richie

Offline Schattenfeuer

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #10 am: 16.04.07, 23:04 »
Hi,

ich will keinem Angst machen :-)! Du musst ja wissen, als was der Kurs ausgeschrieben ist. Bei uns wurde das schon auch dazugesagt. Auf Kursen ist es halt oft so, dass die breite Mittelschicht den großen Vorteil hat: die Top-Leute können leider schon alles ;-), und die, die noch nicht so weit sind, haben Probleme mitzukommen. Aber nur Mut, in jedem Fall kann man profitieren, und man kann ja auch ganz offen über seine Wünsche und Bedürfnisse reden mit dem Kursleiter.

Wenn du im Internet auf den Parelli-Seiten suchst, dann findest du die Level-Test-Aufgaben, und da siehst du dann auch, was gefordert ist.

Vorbereitung kann in jedem Fall nie schaden ;-)! Wobei Honza von sich selber sagt (jedenfalls habe ich das so verstanden), dass er sich schon deutlich vom Parelli-System entfernt hat. Mir kam allerdings vieles bekannt vor, bzw. durch Parelli hatte ich mit meinem Pferd einfach (fast) keine Kontrollprobleme, und das ist sehr angenehm.

2 der Kurse die ich gemacht habe waren mit einer Menge L3 und höher Leute bestückt, natürlich war das Niveau da hoch. Was für MICH toll war.

Wenn du Bedenken hast, dann sprich schnell mit dem Veranstalter (bevor du unnötig Sorgen aufbaust). Der kennt seine Bedingungen, und vielleicht auch einen Teil der Teilnehmer, und kann dir sagen, was das Niveau ungefähr sein wird.



Liebe Grüße

Offline baura

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #11 am: 11.05.07, 19:51 »
Falls jemand Interesse hat,

in Ebay habe ich mein Level 3 Savvy-System (deutsch) reingestellt!  unter Reitsport/Sachbücher
Leonard: 'Herrgott noch eins, Sheldon, muss ich jedesmal mein Sarkasmusschild hochhalten, wenn ich mal den Mund aufmache?'
Sheldon: 'Du hast ein Sarkasmusschild?'

Offline Antje2

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #12 am: 18.05.07, 12:38 »
Falls jemand Interesse hat,
in Ebay habe ich mein Level 3 Savvy-System (deutsch) reingestellt!  unter Reitsport/Sachbücher

...ausserdem sind die Programme für Level 1 bis 3 auf der Parelli-Seite grad 50 Euro billiger! Aber trotzdem immer noch sauteuer.
Bei ebay wird ja auch oft sehr hoch geboten.
Nur so als Tip...
Gruss
Antje

Offline Jana

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Re: Frage zu Parelli
« Antwort #13 am: 29.05.07, 11:00 »
Kommt jemand zum Horse Man Rendezvous?
www.horseman-rendezvous.de
Das war ein super Veranstaltung im letztem jahr.Echt das beste was ich bisher erlebt habe. Kann ich euch nur empfehlen,war jemand letztes Jahr da?