Autor Thema: Fahren belastet die Vorhand  (Gelesen 6955 mal)

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Offline CäsarTopic starter

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Fahren belastet die Vorhand
« am: 30.05.07, 22:55 »
Ich hab ein Pony, 16 und erfahrenes fahrpferd. Er ist von seinem Vorbesitzer viel gefahren worden, Turniere, Asphalt, bergab im Trab, und hat dadurch Arthrose und Schale bekommen.
Seit er meins ist wurde er vom TA behandelt und wir haben das Problem eigentlich ganz gut im Griff (leichtes Ticken beim Einlaufen in den Wendungen, geht aber nach kurzer Zeit weg). Ich persönlich war noch nie ein besonders begeisterter Fahrer, aber meine Freundin und Mitbesitzerin möchte ihn gerne wieder fahren. Sehr gemäßigt hätte ich da auch nichts gegen, nur der TA meinte, Fahren würde generell die Vorhand stark belasten, egal ob die Strecke gerde ist oder bergab geht. Ich will natürlich nichts tun, um mein Pony zu gefährden, aber ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, warum Fahren auf geradem Boden die Vorhand mehr belasten soll als reiten? Vielleicht weil dabei Druck auf die Brust kommt? Ich bin echt keine Leuchte im Fahren und würde deshalb mal gerne eure Meinungen zum Verschleiß von Fahrpferden hören

Offline christi281

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #1 am: 31.05.07, 08:58 »
 ??? ???
Ich hab gelernt das der Schub aus der Hinterhand kommt. Der Motor sitzt hinten also warum sollte es die Vorhand belasten?
Ein reell ausgebildetes Pferd wird nicht mehr Probleme haben als ein gerittenes.
Beim Fahren ist es allerdings so das man logischerweise mehr auf der Straße ist und das ist nicht so gut für die Pferdebeine.

Wenn dein Pferd Probleme mit den Beinen hat würde ich das Fahren sein lassen. Vor allem auf der Straße.
Ich persönlich würde nur gesunde Pferde fahren.
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Offline CäsarTopic starter

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #2 am: 31.05.07, 13:03 »
Das mit der Hinterhand war auch meine Meinung. Ich habe auch immer gehört, dass Fahren die Hinterhand beansprucht, deshalb war ich ja so verwundert, dass der TA meinte, es ginge auf die Vorderbeine.

Bei uns ist das Gelände recht gut, ich kann die Straße also komplett meiden und fast ausschließlich Wald fahren

Offline christi281

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #3 am: 01.06.07, 08:36 »
Ich würde es mir wirklich überlegen ob es unbedingt sein muss.
Da die Vorbelastung da ist würde ich es beim reiten belassen.
Wenn es tatsächlich so ist das das Fahren die Vorhand mehr belastet dann lass es sein bevor es deinem Pferd wieder schlechter geht.

Will sie denn Personen befördern oder alleine los? Ist ja auch noch ein Unterschied wie viel Gewicht im Wagen ist.
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Offline CäsarTopic starter

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #4 am: 01.06.07, 13:39 »
Er würde wenn im Zweispänner gehen und ziehen müsste er zwei, maximal 3 Personen.
Ich kann mir nur nicht vorstellen, warum Fahren die Vorhand mehr belasten sollte als reiten. Ich dachte, vielleicht kann mir das hier jemand erklären

Offline friesi02

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #5 am: 01.06.07, 14:25 »
..hallo zusammen :D
..also vorstellen kann ich mir das schon mit der Vorderhandbelastung:
Wenn das Pferd im Zug ist, sich in das Brustblatt "stemmt", dann ist da schon ganz schon Druck auf der Vorhand.
Überleg mal, wenn Du als Mensch etwas schweres ziehen musst, neigst Du Dich auch nach vorne "in den Zug" und stemmst die Beine ganz schön in den Boden.
Aber ob das nun vorne im Verhältnis zu hinten wesentlich mehr is.... keinen Plan ::)

Offline Calvados

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #6 am: 25.06.07, 18:56 »
@friesi

Nein, das Pferd muss gleichzeitig die Hinterhand mehr untersetzen und den Körper (plus das, was dranhängt) vorwärtsschieben. Wenn es sich nur vorne reinlehnen würde, käme es nciht mehr vorwärts. probier das mal aus - Du lehnstzar den Oberkörper vor, trittst aber zugleich mit Deinen Beinen besser unter Deinen Schwerpunkt.

Also ich würde ein Pferd mit Beinproblemen, wenn ich es nicht mehr fahren möchte, auch nicht mehr reiten. Beim Reiten kommt mehr Gewicht auf die Beine, beim Fahren trägt es nur sein Körpergewicht. Ganz abgesehen von den sonstigen Unterschieden und all dem, wovon ein _Reitpferd_ Beinprobleme kriegen kann.

Das Problem war sicher in erster Linie das Laufen auf hartem Boden. Aber mit einem kompakten Gig und der Bereitschaft, auf viele Trabstrecken zu verzichten und vorwiegend Schritt zu fahren, kann man ja auch überwiegend weiche Wege fahren und das Fahren auf Teer und Schotter weitgehend einschränken.

Die meisten Tierärzte sind Reiter, aber keine Fahrer. Da fehlt auch bei denen oft etwas die Erfahrung.

Bergabreiten geht sicher mehr auf die Vorderbeine als Bergabfahren, denn ein Reitpferd muss ja das Reitergewicht mit abbremsen oder zumindest mittragen, ein Fahrpferd läuft frei runter und trägt/bremst nur sich selbst (sofern der Wagen, was definitiv der Fall sein solllte, eine Bremse hat). Bergabfahren ohne Bremse geht sicher massiv auf die Vorhand.

Gruß
Calvados

Offline CäsarTopic starter

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #7 am: 03.07.07, 17:10 »
Reiten sein lassen geht nicht. Er braucht die Bewegung und er läuft besser, wenn er regelmäßig geritten wird. Meine Freundin ist halt der Meinung, dass Fahren ihm auch nur gut tut, wenn man natürlich Dinge wie Asphalt, bergabtraben, etc meidet. Unser Tierarzt kennt sich mit Fahren wirklich nicht aus, vielleicht hat er Vorurteile.

Ich hätte jetzt auch so argumentiert wie calvados, nämlich dass das Fahren eher die Hinterhand und den Rücken stärkt, für ein Pferd mit Vorderbeinproblemen eigentlich ideal

Offline Monet20

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #8 am: 04.07.07, 12:56 »
Meine Freundin ist halt der Meinung, dass Fahren ihm auch nur gut tut, wenn man natürlich Dinge wie Asphalt, bergabtraben, etc meidet.

Wie willste das den beim Fahren meiden  ???
Meinst du jetzt auf Asphalt traben oder den Asphalt generell meiden?

Hat alles vor und Nachteile, sicherlich ist es nicht so toll auf Asphalt zu traben oder viel dort zu gehen, andererseits, auf Feldwegen oder Schotter zieh mal eine Kutsche....
Das ist viel schwerer und "belastet" dann auch wieder irgendwo.
Wir fahren eigentlich alle Wege ausser tiefen Sand aber beim Fahren kann man sich die Wege halt nicht aussuchen, kann nicht auf Randstreifen ect. ausweichen.

Offline CäsarTopic starter

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #9 am: 04.07.07, 21:32 »
Asphalt vermeiden ist bei uns nicht so das Problem. Wir müssen einmal eine Straße überqueren und sind dann auf gut befestigtem Waldboden, wo wir sogar eine Genehmigung für's Fahren haben (ist Privatbesitz, gehört dem SB)

Offline tara

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #10 am: 06.07.07, 14:59 »
als unbeteiligter Nicht-Fahrer sage ich, es ist wie in der Homöopathie: Die Dosis macht das Gift.
Also, wenn ihr Asphalt meiden könnt, nicht jeden Tag fahrt, nicht bei jeder Fahrt Distanzstrecken in Distanztempo durch den Wald rast  ;D, wenn das Pferd reel gefahren wird, also nicht im Geschirr latschen lassen, nicht enorme Laten ziehen lasst, also alles in Maßen und mit Bedacht, dann denke ich, ist Fahren als Ausgleich zund zur Abwechslung zum Reiten sicher nicht schlecht.Beobachte dein Pony genau, dann wirst du schon merken, wenn es zuviel wird.
stell dir vor, du hast ein Pferd und es kann nicht t ö l t e nin diesem Sinne...
Gruß tara

"Ausbildung heißt, das zu lernen, von dem du nicht einmal wußtest, dass du es nicht wußtest."
(Ralph Waldo Emerson, (1803 ‐ 1882)

Offline FYLGJA

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #11 am: 10.07.07, 17:21 »
Moin zusammen,

hier wurde ja schon viel Richtiges gesagt. Natürlich macht es die 'Dosis', eine nicht zu schwere Kutsche und das Vermeiden zuviel harten Bodens ! Aber auch das Stärken der Rückenmuskulatur und der Hinterhand bei korrekter Anspannung und korrektem Fahren ist nicht von der Hand zu weisen und zB. auch unser Grund gewesen, unsere Therapiepferde einzufahren - als Ausgleich zum Reiten und zur Therapie. Hat sich tatsächlich als sehr gute Ergänzung herausgestellt in den letzten Jahren !

Wenn man einiges beachtet, kann es also nur gut sein ! Das Wichtigste, ich würde den Beschlag entsprechend verändern. Sehr gut bewährt bei uns haben sich Öllövs-Hufeisen, das ist ein Hufeisen mit gummiummanteltem Eisenkern. Das Pferd läuft sehr federnd und abgepuffert darauf. Und keine Rutschgefahr auf Asphalt. Also ideal ! Wir benutzen seit drei Jahren statt Öllövs (bei zig Fahrponies auf Dauer zu teuer !) Easyboots-Hufschuhe. Ebenfalls sehr gut für knochenkranke Pferde, weil ähnlicher Effekt. Nur sind die Öllövs dicker und damit ist der Huf noch etwas besser gepuffert vom Boden als beim Easyboot. Ansonsten gleich gut !

Wir haben auch zwei ältere Ponies, die schon beginnende Arthrose in den Sprunggelenken haben und bei uns noch regelmäßig 'zahm' (viel Schritt, wenig Trab) gefahren werden und das klappt prima und ist für die beiden sogar therapeutisch und in jedem Falle besser als geritten werden !

Nur Mut, ausprobieren würde ich es in jedem Fall, allerdings mit entsprechendem Beschlag !

Gruß, Anne von Hof FYLGJA
Highlandponies - the versatile breed !

Offline CäsarTopic starter

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Re: Fahren belastet die Vorhand
« Antwort #12 am: 10.07.07, 21:53 »
also werden wir das Pony wieder anspannen. Spezialbeschlag hat er schon. Deinen Beschlag Flygia kenne ich gar nicht, aber er hat eine Gummiplatte unter dem Eisen zum federn.

Der Kleine ist eigentlich immer gerne gefahren worden (hatte man zumindest den Eindruck). Ich würde ihn auch ganz gern ab und an auf unserem Fahrplatz im Einspänner fahren. Täte ihm sicher auch gut.

Danke für eure Meinungen und Ratschläge