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"Einsatzdauer" eines Therapiepferdes

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Petig2002:
Hallo ihr Lieben,
Ein Therapiepferd ist bei seiner Arbeit ja einer ziemlich hohen, nervlichen Belastung ausgesetzt, deswegen würde es mich interessieren wie lange ihr eure Therapiepferde einsetzt bevor sie in "Rente" kommen, also reine Freizeitpferde bei einem Besitzer werden. Oder sind eure Pferde ihr Leben lang Therapiepferde? Woran merkt ihr, dass das Pferd nun lange genug seinen Job gemacht hat? Wie handhabt ihr das? Gibt es "Faustregeln"?
Lieben Gruß
Petig2002

Jarryd:
Hmm, gute und wichtige Frage, aber schwer zu beantworten, v.a. pauschal. Mein ältestes (inzwischen totes) Therapiepferd ist ca zwei Jahre vor seinem Tod mit 26 in Rente genangen. Allerdings ist er immer noch mit Klienten an der Hand spazieren gegangen, und wurde geputzt, etc. Bis sechs Monate vor seinem Tod war er noch guter Dinge, nur körperlich nicht mehr fit genug für den Job. Danach hatte er auch keine Lust mehr, die Herde zu verlassen.
Eines meiner "Leihpferde" hat bis vierzehn Tage vor seinem (Herz)tod mit knapp 31 Jahren noch gearbeitet. Ich hatte den Eindruck, er war damit sehr zufrieden.
Ich werde auch keines meiner Pferd woanders hin in Rente geben. Die "Alten" gehören mit dazu und sind ja auch Lernfeld für Klienten. Allerdings arbeite ich viel mit Klienten aus der Jugendhilfe und Psychiatrie. Das ist natürlich eine andere Arbeit, als sie z.B. ein Hippotherapiepferd verrichten muss. Da sieht das vermutlich anders aus.

FYLGJA:
Hallo zusammen,

woran man merkt, dass ein Pferd keine Lust mehr hat, kann man pauschal nicht sagen. Das kann jede/r Reittherapeutin am besten selbst von ihren Pferden sagen, weil er/sie sie am besten kennt. Bei uns arbeiten Pferde von 4 bis 31 Jahren mit. Natürlich ganz unterschhiedlich und nach ihren Fähigkleiten und Vorlieben eingesetzt, aber auch die 31Jährige hätte noch zu viel mehr Lust, als sie aufgrund ihres Herzfehlers darf. Unsere 35Jährige dagegen macht nichts mehr mit. Sie hat mit 28 Jahren deutlich gezeigt, sie möchte jetzt Ruhestand. Und den geniesst sie seitdem auch und ist damit glücklich !
Allerdings haben auch wir, wie Jarryd das Glück HPA statt Hippo zu machen, sodass wir hier sowohl junge, als auch alte Pferde viel besser integrieren können. Körperlichh ist die Arbeit auch weniger anstrengend als psychisch. Goldene Regel bei uns : jedes Pferd arbeitet maximal zwei Stunden täglich. Damit bleibt eigentlich immer gewährleistet, dass die Pferde noch Spaß an der Arbeit haben (was natürlich unterschiedliche Arbeit und Abwechslung, sowie Weiterbildung und artegerechte Haltung im Herdenverband des Pferdes voraussetzt !). Von jeder Stunde sollen nicht nur unsere KlientInnen, sondern auch unsere Pferde profitieren. Wenn wir das schaffen, sind wir zufrieden und die Pferde auch !

Übrigens verläßt auch bei uns kein Pferd wegen Rente oder Krankheit den Hof. Sie gehören zum Herdenleben genauso dazu wie die Youngster zum Beispiel. Das ist uns auch ganz wichtig für unser Klientel, dass sie das hier anders als in ihrem Umfeld erleben. Aber vor allem finde ich, es ist mehr als meine Pflicht, ein Pferd bis zu seinem würdigen Ende zu begleiten, wenn es mir soviel seiner Lebenszeit all' die Jahre geschenkt hat !!!

Liebe Grüße, Anne von Hof FYLGJA

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