Autor Thema: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?  (Gelesen 21270 mal)

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Ghamali

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Hallo!

Ich muß mir über einiges fürs nächste Jahr klar werden. Im voraus eine Bitte: Bitte nicht darüber diskutieren, warum ich das überhaupt gemacht habe. Es ist nun einmal so gelaufen und ich suche jetzt den für mich bzw. uns besten Weg.

Also los:

Ich habe mir dieses Jahr einen Hengst gekauft, der lt. Vertrag bei den Vorbesitzern noch zum Deckeinsatz kommen soll. Nun gibt es die Variante, daß der Hengst zu den Stuten (es sind 2) gebracht wird, sozusagen auf den alten Hof, den er ja auch kennt zum Decken oder daß ich die Vorbesitzer überrede, die Stuten zu mir zu bringen.

Nun habe ich bislang keine praktischen Erfahrungen beim Decken. Ich habe zwar schon zugeguckt und auch auf einem PRE-Gestüt 2 Monate gejobbt, aber ich war noch nie persönlich betroffen.

In einer anderen Box hier geht es z. B. darum, daß ein Deckhengst bestimmte Gebisse oder Rituale mit dem Decken in Verbindung bringt. Der Vorbesitzer meint auch, wenn der aus dem Hänger den alten Hof sieht, dann denkt er nur noch ans Decken. War mir bis jetzt nicht bekannt sowas.

Und da komm ich doch ins Überlegen, ob es nicht doch besser wäre, den HEngst zu den STuten zu bringen. Eigentlich wollte ich es andersrum, damit ich nicht transportieren muß. Aber wenn ich mir den bestimmt zu erwartenden Stress nach dem Decken damit vielleicht ersparen kann?

Ich könnte mir nun vorstellen, daß, wenn die Stuten zu ihm auf die jetzige Weide gebracht werden zum Decken, er dann, nachdem die Stuten wieder weg sind, ziemlich am Zeiger dreht und ich alle Hände voll zu tun habe, um ihn wieder als den Alten zu haben und zu händeln.

Hat jemand Erfahrungen damit wie Hengste sich benehmen, nachdem die zu deckenden Stuten wieder weg sind? Oder ob ich mir da umsonst nen Kopf mache?

*seufz*

Ich hoffe dann mal auf eine hilfreiche Diskussion. Bitte nehmt es mir nicht übel, falls ich etwas formuliert haben sollte, was vielleicht mißverständlich ist.


Offline elena

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #1 am: 02.11.06, 19:20 »
Hallo Ghamli,
erstmal eine Frage: deckt, bzw. hat dein Hengst bisher frei auf der Weide gedeckt? Oder Natursprung an der Hand?
Ich kann Dir nur meine Erfahrungen nach 2 Decksaison's schreiben, ich denke jeder Hengst ist anders, obwohl gewisse Naturverhalten sind bestimmt gleich ;)
Wir decken an der Hand, da die Verletzungsgefahr für Stute und Hengst mir bei der Weidebedeckung zu groß ist. Nur meine eigene Stute haben wir letztes Jahr frei decken lassen, aber die beiden kannten sich schon, stehen ständig neben einander.
Bei der Weidebedeckung treibt der Hengst die Stute so lange, bis sie still hält und dafür braucht man eine sehr große Fläche, da häufig die Stute den Weidezaun nicht genau kennt.Und es kann ziemliche Verletzungen auf beiden Seiten durch Schläge geben. An der Hand kann ich den Hengst abwenden, wenn es zu kritisch wird.

Bei mir sind die Stuten zum Decken in Sichtweite des Hengstes untergebracht, also können sich die beiden schon einmal mit dem Geruchssinn vertraut machen.
Und die Stuten bleiben da, also werden nach dem Decken nicht sofort wieder weggebracht. Wobei es sich bei uns auch so eingespielt hat, daß der Hengst nach dem Decken zuerst in seine Box kommt, dort kann man ihn versorgen und eine gute Portion Kraftfutter als Belohnung geben. Das kennt er inzwischen und es gibt keine Probleme, denn schon nach kurzer Zeit kann er frei wieder in den Paddock und sieht seine "Weiber".

Etwas Stress gibts meistens nur beim 1.Mal, wenn beide noch "neu und nicht aufeinander eingespielt" sind.
Da kann der Hengst etwas heftiger sein und die Stute dafür aber ängstlicher, vorallem bei Maidenstuten.
Mein Hengst schmust gerne mit der Stute über den Deckstand und so animiert er die Stute und nimmt ihr etwas die Angst. Und da wir in der betreffenden Zeit jeden Tag abprobieren, gibts mehr Routine bei den Pferden und weniger Hektik.
Nachdem sich die Stute das 1. Mal hat decken lassen, ist aller Stress gelaufen. Beide wandern an der Hand wie ein altes Ehepaar hinter einander her zum Deckstand und die Deckerei ist in 5 Minuten erledigt. Bisher hatte mein Hengst mit dieser Art zu decken bei 6 Stuten 100% Befruchtung.
 
Letztes Jahr war eine Stute aus der näheren Umgebung dabei und die Besitzer wollten sie nur zum Decken bringen, aaaaber jedes Mal, wenn die Stute kam, war sie nicht rossig!!!
Sehr viel Aufwand für nichts, denn ohne TA und Follikeluntersuchung ist es oft so, daß der Besitzer den genauen Zeitpunkt nicht mit bekommt. Das Spiel haben wir in 2 Rosseperioden gemacht und das Ende vom Lied: dann war es ziemlich spät im Sommer und jetzt ist die Stute dieses Jahr wieder gekommen und da geblieben. Decken war überhaupt kein Problem mit ihr und sie ist trächtig.
Wir behalten inzwischen unseren Rhythmus und den Ablauf bei und so weiß der Hengst, wie er sich zu benehmen hat. Also nach dem Decken gehts kurz in die Box und anschließend darf er wieder auf den Paddock oder auf seine Weide.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen. Entscheiden mußt Du alleine, ob Du dir den Stress antust beim 1. Mal für dich, vielleicht kannst Du beim Vorbesitzer in "Lehre" gehen?
Ich hätte mir manchmal jemand gewünscht, der uns tatkräftig geholfen hätte, denn wir mußten alles alleine rausfinden. Klar hatten wir Bekannte, die uns gesagt haben, wie wir vorgehen können, aber in der Situation selber ist alles irgendwie ganz anders und es bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen. (war aber Dank meinem lieben Hengst kein Problem)
eleni


Ghamali

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #2 am: 06.11.06, 12:53 »
Hallo!

Ehrlich gesagt weiß ich nicht wie er bisher gedeckt hat. Das müßte ich die Vorbesitzer dann auch mal etwas genauer fragen bevor es so weit ist.

Am WE hat mir eine Hengstbesitzerin - auf das Thema angesprochen - erzählt, daß sie persönlich ihren Hengst nicht zum Decken führt, sondern das ihren Freund machen läßt (Decksprung an der Hand). Weil sonst ein Dominanzproblem entstehen kann, da der Hengst ja decken darf, was er sonst bei der Besitzerin natürlich nicht darf (dazu gehört ja auch das Aufbauen, Grummeln, Weiber anmachen, etc.).

Ist auch nochmal ne Überlegung, ob ich den Hengst den Vorbesitzern in die Hand drücke und sage: So, macht ihr mal... und mir das ganze aus der Ferne angucken.

Offline Velvakandi

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #3 am: 11.12.06, 01:17 »
Wenn die Vorbesitzer auf Weidebedeckung pochen und du nicht zufällig viel Fläche hast und ihn zum Decken mit den Stuten auf eine komplett andere Weide als sonst stellen kannst, dann mach es lieber am alten Stall.
Hast du die Möglichkeit an der Hand zu decken (machen wir bei Fremdstuten in der Regel so, die integrieren wir nicht für 10 Tage in unsere bestehende Deckherde), dann geht das auch am eigenen Stall.

Wenn dein Hengst sonst brav im Umgang ist und ihr grundsätzlich kein Problem hat, er dich nicht in Frage stellt etc., dann spricht nix dagegen, dass du ihn auch zum Decken führst. Sei ruhig und konsequent, lege genaue Spielregeln fest, die du auch ganz stur einhälst und deren Einhaltung du vor allem auch von ihm forderst.

Unser Hengst zum Beispiel deckt (wenn er nicht die eigenen auf der Weide deckt) immer an der gleichen Stelle. Wir haben lange überlegt, was denn da günstig wäre, denn wir wollten einen Ort, an den er sonst nicht kommen wird. War bei uns der Schweinestall/Kuhstall, der im Sommer so gut wie leer steht. Dort sind Boxen mit halbhohen Türen, derjenige der die Stute hat steht in der Box (gegenebenfalls mit ihrem Fohlen zusammen, falls sie eins bei Fuß hat), dann ist man aus dem Weg. Strick wird um einen Pfosten gewickelt, damit sie losgelassen werden kann, sich aber nicht einfach losreißt. Einen Deckstand haben wir nicht, das geht auch ohne völlig problemlos. Wenn die Weiber nicht wollen, dann zeigen sie das ziemlich deutlich und dann muß der Herr eben wieder gehen.

Außerdem bekommt er zum Decken einen Zaum, den wir sonst nie benutzen für ihn (eine Serreta mit lederummanteltem Metallnasenriemen, die brauchen wir nicht zum reiten/longieren, weil sie für ihn zu scharf wäre). Der Strick hängt in aller Regel durch, aber wenn man mal zufassen muß, hat man auch ein Argument in der Hand.
Er weiß auch genau, dass er genau bis zur Tür des Schweinestalls Ruhe halten muß und nicht überholen darf, ab der Tür (dann sinds noch 3m zur Stute) darf er baggern und an mir vorbei (aber nicht über mich drüber!). Das mußten wir anfangs zwei oder drei mal klarstellen, er probierte dann schon auf dem Hof vorm Stall mal kurz sich in Pose zu werfen, Konsequenz zahlt sich dort ungemein aus. Der Zugang zum Schweinestall aus dem Pferdestall führt durch die Futterkammer, er weiß schon genau, wohin es geht wenn wir den Stall so verlassen (manchmal kommt er aber natürlich auch von der Weide, da gehts nicht durch die Futterkammer). Sonst verläßt er den Stall NIE durch diese Tür.

Zum Decken haben wir also ein paar Situationen, die ausschließlich dann eintreten (andere Zäumung, Stall durch bestimmte Tür verlassen, sonst nie genutzten Stalltrakt betreten etc.) und ihm signalisieren, was jetzt losgeht.
Dadurch haben wir sonst absolut Ruhe vor jeglichen Deckanwandlungen am Hof. Man kann ihn neben andere Pferde anbinden die er nicht kennt (grunzt anfänglich mal, aber weiter nix) und mit anderen ins Gelände gehen oder zusammen auf dem Platz reiten, alles problemlos. "Angeschaltet" wird er erst durch einen bestimmten Handlungsablauf und dann darf er aber auch, da weiß er ganz genau, obwohl er weiß Gott nicht helle ist.

Nach dem Decke schleppt er sich wie der sterbende Schwan zurück zum Stall oder auf die Weide *lol* Er "kann" aber wenns sein muß nach rund 10min wieder, haben wir mal getestet  ;D


Also, wenn du an deinem Hof die Möglichkeit hast, dir das so einzurichten, dass es paßt und ihr nicht gerade gezwungen seid, am Anbinder oder mitten auf dem Reitplatz zu decken, dann versuch es ruhig. Vielleicht hast du ja auchmal mehr Fremdstuten die Interesse an ihm haben, zu denen kannst du ja auch nicht jedes mal hinfahren.
« Letzte Änderung: 11.12.06, 16:24 von Velvakandi »
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Offline terra

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #4 am: 11.12.06, 09:19 »
Ghamali - wie oft willst DU denn den Hengst fahren?

Wenn Du Glück hast, sind beide Stuten gleichzeitig rossig und nehmen gleich beim ersten Mal auf - und auch das heisst mindestens 2* fahren....je nachdem wie lange sich die Rosse hinzieht.
sind die Damen nicht synchron, dann bist Du unterwegs - und wenn sie nicht (gleich) aufnehmen, kann sich das über ein paar Monate hinziehen....kostet Dich viel Zeit und Sprit. Was machst Du, wenn dich der Stutenhalter anruft, und Du hast gerade ganz was anderes vor/liegst flach...- aber jetzt gerade muss es denn sein?
Oder Du stellst den Hengst dort ein.... wie lange?, wer zahlt?, wer kümmert sich ?....

Ich halte die traditionelle Form des "Stute zum Hengst bringens" für die für den Hengsthalter wirtschaftlich sinnvollere Lösung.

lg
ed

lg
ec

Ghamali

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #5 am: 12.12.06, 14:15 »
@velvakandi

Das sind gute Überlegungen! Leider wirds bei uns im Stall nix mit ner anderen Weide, die sind alle nicht hengstsicher eingezäunt und das sollte schon sein.

Boah, obs bei uns im Stall einen Ort gibt, den man nur mit dem Decken verbinden kann, da muß ich echt mal gucken, so spontan will mir nix einfallen. Aber das mit dem Extra Zaum werde ich mir auf alle Fälle merken. Ist ja auch noch mit den Stallbesitzern abzusprechen, was die zum Deckeinsatz auf ihrem Hof sagen.

Eigentlich ist er als Hengst recht umgänglich, er hat sich jedenfalls in den 3 Monaten, die er jetzt im neuen Stall steht wesentlich zum besseren gewendet. Früher war jedes Runter vom Paddock mit mächtig Gehabe verbunden und alle Pferde wurden erstmal rundherum angemacht. Das ist jetzt überhaupt nicht mehr der Fall, er geht sogar an ner rossigen Stute recht gesittet vorbei. Klar baut er sich auf, aber er ist am durchhängenden Strick vorbeizuführen, das finde ich schon ganz löblich gegenüber früherem Verhalten.

Allerdings kann er auch anders... Z. B. beim Ausladen, es hilft nix, aber dann steht er erstmal auf 2 Beinen und trötet rum. Danach läßt er sich dann wieder händeln. Also er kann sehr wohl auch an der Hand Steigen und sich unmöglich benehmen, das hat er wohl bei den Vorbesitzern gelernt. Ich hab ihn bis jetzt 2 mal in einen fremden Stall zum Training transportiert und das letzte Mal nach dem Ausladen einfach den Strick langgelassen, ihn steigen und aufspielen lassen und dann war gut. Ich glaube nicht, daß ich anders durchgekommen wäre zu ihm. Was bleibt mir denn auch, wenn ich noch auf der Rampe vom Hänger stehe?


@terra:

Tja, wieoft der Hengst dann zu den Stuten muß, wenn woanders gedeckt wird, das weiß ich auch nicht so recht. Bin ja erst neuerdings Deckhengstbesitzerin. Eigentlich soll der Hengst schon ein bißchen dableiben, aber natürlich keine 4 Wochen. Das Transportieren müssen lt. Vertrag die Vorbesitzer übernehmen. Damit hätte ich keinen Aufwand, bin lediglich den Hengst für ne gewisse Zeit los.

Gefallen tut mir das ganz und gar nicht und ich würde auf jeden Fall mitfahren.


Was würdet Ihr denn für den FAll vereinbaren, daß der HEngst doch zu den Stuten decken soll?

Ich denke da an eine Bestätigung der (welcher?) Versicherung, daß im Falle einer "Beschädigung" des Pferdes durch Unfall o. ä. der Wert des Pferdes ersetzt wird. Schätzen lassen müßte ich ihn auch noch bzw. der PHCG kann mir da vielleicht helfen. Daß die Stuten ne Tupferprobe machen müssen ist hoffentlich auch klar. Wie lasse ich mir die denn nachweisen? Gibt der TA das schriftlich, daß die sauber sind? Ich will mir halt von den Vorbesitzern nicht irgendwas vorschwatzen lassen, bloß weil ich selbst keine Ahnung habe.

Fragen über Fragen...





Ghamali

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #6 am: 12.12.06, 14:17 »
Wollte die Sache mit dem Transport nochmal klarstellen, weil ichs widersprüchlich geschildert habe. Lt. Vertrag ist der Vorbesitzer zum Transport verpflichtet, die Überlegung ist jedoch, daß ich ihn transportiere, damit ich das im Blick habe, wie mit ihm umgegangen wird.

Offline Velvakandi

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #7 am: 13.12.06, 00:05 »
Nur weil du grad Tupferprobe anbringst, denk dran, dass der Hengst auch eine braucht. Wer weiß in welche Löcher der sein edles Stück den Winter über steckt  8)
Ich würd mich auf die Kutscherei zu den Stuten vermutlich gar nicht erst einlassen, von wegen Trainingsausfall etc. Aber WENN es dazu kommt, schließt am besten eine Lebensversicherung ab für ihn. Jegliche Verträge in Sachen "Wenn etwas geliehenes beim Leihenden kaputt geht hat er das zu ersetzen" bieten sicherlich irgendwelche Schlupfwinkel, die ein schlauer Anwalt findet. Am Ende stehst du da ohne Pferd, ohne finanziellen Ausgleich und mit ner Gerichtskostenrechnung in der Hand. Dann lieber ne Lebensversicherung, wie ihr die Kosten dafür aufteilt, müßt ihr sehen. Bei Leihstuten (von wo ich das Prinzip kenne) geht das in der Regel zu Lasten dessen, der das Pferd leiht, also in deinem Fall auf die Kappe der Stutenbesitzer. Ob die sich allerdings drauf einlassen ist die andere Frage.

Unser SB war anfangs schon von dem Gedanken nicht angetan, einen Hengst überhaupt auf dem Hof zu haben. Dann wollten wir mit ihm auch noch am Hof decken...mittlerweile liebt er den Hengst, weil der dreimal bräver ist als jeder einzelne der bekloppten, unausgelasteten Wallache, deren Besitzer nur mal am WE 3-6 Std. durchs Gelände brettern und den Rest der Woche kribbelige Pferde im Stall haben. Die rempeln ihm um beim Füttern, lassen sich schlecht führen, sind tramplig und passen nicht auf, rammeln los am Koppeleingang, schlagen zum Abschied nochmal aus etc.pp. Der Hengst ist charakterlich 100% klar in der Birne (sonst wär er auch kein Hengst mehr) und noch dazu gut erzogen, der sappt artig am Bändel neben seiner Stute her zur Weide, wartet bis er das Halfter los ist, schaut sich dann gemütlich nach der optimalen Wälzstelle um und ist im großen und ganzen einer der entspanntesten Vertreter in der Hinsicht. Aber das Vorurteil vom bösen Hengst sitzt halt irgendwo in den Köpfen drin  ::) Man kann die Leute nur überzeugen, indem man ihnen das Gegenteil beweist.Mit gleichem Maß wie ein "normales" Pferd wird ein Hengst sowieso nie gemessen.


Ohne hier eine Trainingsbox draus zu machen, aber hast du mal probiert, ihn im Moment des Abladens geistig oder körperlich zu beschäftigen? Unser Hengst geht auch gern aus dem Hänger und flötet erstmal (aber steigt nicht, da wär bei mir ganz eindeutig ne Grenze). Aber ich kanns ihm auch verbieten, mittlerweile kennt er den vor der Nase erhobenen Zeigefinger als Zeichen dass er jetzt unter Androhung der Höchststrafe (Nase zuhalten) die Klappe zu halten hat. Hat den Vorteil, dass ich bei Mißachtung der Regel auch ganz schnell strafen kann, weil die Hand eh schon in Nasennähe ist. Nase zuhalten klingt böse, ist es aber für meine Begriffe nicht. Außerdem ist es ungemein lärmdämpfend *lol* Macht er seine Sache gut, kann ich ihn auch genauso schnell loben (Stirn kraulen).
Jedenfalls würd ich im Moment des Ausladens eine gut sitzende und leicht abrufbare Lektion fordern (muß wirklich nur ganz simpel sein, wie einen Huf zu geben, kann aber natürlich auch Ausmaße wie Kompliment etc. annehmen). Das zwingt ihn, mit den Gedanken bei dir zu sein und die Lage später zu checken, und dann vergißt er wenn du Glück hast ganz, dass er eigentlich steigen und tröten wollte. Auf jeden Fall unterbrichst du so diese anscheinend routinemäßig festgefahrene Handlung, die sich vermutlich über einige Jahre so eingeschliffen hat.
Klar, er macht das für dich absehbar immer in der einen bestimmten Situation und bleibt dabei soweit händelbar, dass es auf den ersten Blick keine Beeinträchtigung ist. Aber er hat in diesem Moment das Heft in der Hand und ist Chef in eurer Beziehung, wer sagt dir denn, dass er das nicht Schritt für Schritt auch in anderen Situationen mal probiert? Mal ganz davon abgesehen, dass es auf einem Turnierplatz, in der Klinik, beim Kurs oder sonstwo auch mal hinderlich sein kann. Nicht immer kann man so abladen, dass da genug Platz ist damit der Herr erstmal seine Maße durchgeben kann. Ich denke da mit Schrecken an die Parkplätze auf den Messen, wo die Hänger dicht an dicht stehen und möglichst noch kreuz und quer, und natürlich abends alle gleichzeitig aufladen bzw. morgens alle zur etwa selben Zeit ankommen. Vielleicht läuft da auch grad das ein oder andere Pferd frei herum, das sich losgerissen hat, irgendwo reitet einer sein nicht minder aufgeregt trötendes Ross warm, Kutschen rattern dazwischen rum, Ponyreiten ist voll im Gange...auf dem Messeparkplatz steppt zu Stoßzeiten der Bär *lol* Und selbst wenn du sagst, du verläßt den eigenen Hof niemalsnie, es treten immer Situationen ein, wo du mit so einem Kompromiß mal mit dem Rücken zur Wand stehst.
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Ghamali

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #8 am: 14.12.06, 14:51 »
Schade nur, daß man die Lernsituation "Ausladen in fremdem Gehege" nicht öfter üben kann. Ich kann ja schlecht wöchentlich andere Ställe besuchen. Das wär zwar klasse, aber leider viel zu viel Aufwand. Wir haben noch nicht mal nen eigenen Hänger.

Aber da ich Anfang nächsten Jahres noch 2 mal zu meinem Trainer muß, werde ich Deine Tipps unbedingt beherzigen. Mal sehen, ob ich durchkomme damit. Aber ich finds zur Zeit noch besser, ihn kontrolliert den Obermatz machen zu lassen, anstatt dagegen angehen zu wollen und es doch nicht zu schaffen. Dann steh ich am Strick ruckend und Pferd verschimpfend da und bekomm vielleicht noch nen Huf ab, verbreite viel Stress und hab im Endeffekt doch verloren. Weil, wenn der Herr erstmal auf 150 is, dann isser da...

Ich gehe zur Zeit zur Übung mit ihm spazieren, bei uns in der Nähe ist noch ne Koppel mit Pferden und das ist natürlich schwer aufregend. Da werde ich mir mal Deinen erhobenen Zeigefinger merken und die Sache mit der Nase zuhalten ausprobieren, wenns mal wieder laut wird.

Werd mich gleichmal prophylaktisch nach der Lebensversicherung umhören, damit ich über die Kosten Bescheid weiß. Das greift aber doch nur für den Fall, daß er drastisch gesagt draufgeht, oder? Für ein verletztes oder unreitbar gewordenes Pferd durch Unfall hilft das dann ja nichts.


Offline Velvakandi

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Re: Zum Decken Hengst zur Stute oder andersrum?
« Antwort #9 am: 15.12.06, 00:12 »
Genaue Konditionen zur Lebensversicherung kenn ich nicht, sorry. Gegen Unreitbarkeit kannst du glaub ich kein Pferd versichern, das wär ja ein todsicheres Verlustgeschäft für die Versicherung, früher oder später werden doch 90% aller Pferde (die nicht durch Unfälle etc. sterben) unreitbar, das ist nur eine Frage der Zeit.
Wenn er durch die Fahrlässigkeit der Stutenbesitzer Schaden nimmt, müßte jedoch denen ihre Tierhüterhaftpflicht für den Schaden aufkommen. Wenn sie eine haben. Haben sie keine, kannst du die theoretisch selbst haftbar machen, aber dazu müßtest du sie vor den Kadi ziehen, denk ich mal.


Der Trick ist, ihn beim Ausladen gar nicht erst in die Nähe der 150 kommen zu lassen *g Dann kannst du das vergessen, das ist logisch. Da ist der Zug abgefahren. Aber sobald du merkst, er peilt da draußen was an und wird jetzt jede Millisekunde anfangen, kannst du ja noch einschreiten. Ihn zum Beispiel auch erstmal wieder ein Stück drauf auf den Hänger holen. Irgendwas, nur eben nicht einfach durchgehen lassen. Von Schimpfen und mit dem Strick wedeln ist ja gar keine Rede sondern vom Ablenken und Beschäftigen. Von hinten durch die Brust sozusagen, so wie mit allen Männern. ;D
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