Autor Thema: Klopphengst? Wo operieren?  (Gelesen 19170 mal)

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Klopphengst? Wo operieren?
« am: 13.10.06, 11:17 »
Hallo Zusammen,

ich frage hier fuer einen guten Bekannten, der seit kurzem einen 4 jaehrigen Friesenwallach hat. Dieser reagierte von Anfang an sehr heftig auf Stuten, so dass er nicht in die gemischte Herde eingegliedert wurde. An der Hand und unter dem Sattel ist er sehr brav. Er hat wohl eine sehr gute Grunderziehung genossen.

Wir haben ihn probeweise mal mit meinem Wallach zusammengestellt. Die beiden haben wild gespielt, nachdem meiner ihm kurz erklaert hat, dass er nicht bestiegen werden will, war es sehr harmlos, allerdings sind sie nicht zur Ruhe gekommen. Dann stand der Friese noch mal probeweise mit drei Stuten zusammen. Da hat er lange versucht, die Stuten zu treiben, hat sich dann aber vor den 3 Stuten zurueckgezogen. Der Test mit einer STute ging gar nicht, da diese sich nur von ihm ueber die Wiese hat treiben lassen.

Der Besitzer vermutet jetzt, dass das ein Klopphengst sein koennte. Ich weiss, dass man sowas testen lassen kann, allerdings nicht wie und wie teuer so ein Test ist. Falls es wirklich ein Klopphengst sein sollte, wird dann zur OP geraten? Was kommt da finanziell auf einen zu?

Vielen dank fuer eure Hilfe!
« Letzte Änderung: 17.11.06, 13:31 von idgy »

Offline Maysha

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Re: Klopphengst? Wie testen?
« Antwort #1 am: 13.10.06, 12:17 »
wir hatten bei uns auch den Verdacht auf Klopphengst, als der Tierarzt wg. einer anderen Sache kam, haben wir ihn angesprochen, er kurz nachgeschaut, unter Bauch abgetastet, nix war, hat glaub auch nix verlangt. Wir haben bei uns im Stall 2 Pony-Wallache, die sie wie Hengste aufführen, meine Stute wird grad täglich mehrfach von einem dieser "gedeckt", ich laß ihr das Vergnügen, es kann ja nix passieren, aber der Wallach ist trotzdem recht lieb und hetzt nicht extrem und in ein paar Tagen kehrt wieder Ruhe ein. Manche Wallache legen halt nie ihr Hengstverhalten ab, meistens passiert dies, wenn sie sehr spät gelegt wurden.

Offline Pandygirl

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Re: Klopphengst? Wie testen?
« Antwort #2 am: 13.10.06, 12:28 »
Hey!

Bei dem Verdacht eines Klopphengstes sollte man eine Blutprobe nehmen lassen und doe Hormone untersuchen lassen. Kostet alles zusammen mit Ta Weg und Auslage um die 60,- Euro ( geht auch billiger).
Das blose abtasten ist nicht aussagekräftigt, weil der Hoden auch mal im Bauchraum stecken kann und man ihn nur im Leistenkanal ertasten kann.
Ne andere möglichleit wäre noch ein Ultraschall machen zu lassen. Dieses ist aber sehr viel teurer als die Blutentnahme.

LG
Pandygirl
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Offline idgyTopic starter

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Re: Klopphengst? Wie testen?
« Antwort #3 am: 13.10.06, 12:42 »
Danke Pandygirl!

Bleibt die Frage, was man macht, falls es ein Klopphengst sein sollte.

Spricht etwas dagegen das so zu belassen, oder bestehen da irgendwelche (Infektions-) risiken?

Oder bestuende bei einer OP die Hoffnung, ihn in eine gemischte Herde einzugliedern?


Offline Pandygirl

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Re: Klopphengst? Wie testen?
« Antwort #4 am: 13.10.06, 13:02 »
Hey!

Klopphengste sollten operiert werden. Zum einen wird die Hormonproduktion gehemmt, also er wird zum normalen Wallch, zum anderen ist es oft so, das der Hoden im Leistenkanal oder Abdomen entartet. Oder aber er verwächst mit der Bauchwand, Darm etc, halt grad da wo er sitzt und das kann auch mal zu Problemen führen.

Nach der OP ist er ein Wallach wie jeder andere auch ( falls er wirklich Klophengst ist) und kann in einer Herde eingegliedert werden.

LG Pandygirl
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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #5 am: 17.11.06, 13:30 »
Hallo Zusammen,

ich wollte mal berichten, dass das Pferd inzwischen getestet ist und ja, es handelt sich um einen Klopphengst. Der Ta will jetzt noch mal gucken, ob er eine Kastrationsnarbe findet, oder ob, da einfach nie was dran gemacht worden ist.

Anschliessend soll das Pferd wohl operiert werden. Unser TA spricht davon, das selber zu machen. Die haben wohl einen festen Behandlungsplatz mit Boxen, wo sie das Pferd auch nach der OP einige Tage beobachten / versorgen koennen.

Wahrscheinlich ist man aber doch mit so einer OP in einer richtigen Klinik besser aufgehoben, oder? Kann mir jemand hier eine Klinik empfehlen? Wir wohnen ca. 50 km westlich von Muenster. In erreichbarer Naehe liegen auf jeden Fall die Klinik Hochmoor in Gescher und Telgte. Hat da jemand Erfahrungen?

Ausserdem wuerden mich die Risiken einer solchen OP interessieren, worauf sollte man besonders achten, auch bei der Nachsorge?

Vielen Dank, schon mal!

winston

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #6 am: 17.11.06, 14:10 »
Ich würde den Eingriff in jedem Fall nach Bluttest in einer Klinik machen lassen. Hengstmanieren müssen nicht unedingt zurückbleiben. Unser Little Owl wurd auch erst mit knapp 4 Jahren kastriert, vorher hatte sich nur ein Hoden abgesenkt. Der Wallach zeigt, ganz im Gegensatz zu zwei recht früh gelegten Kumpels, überhaupt keine Macho-Allüren. Im Gegenteil, von den Weibern hält er nix.
Ich kenne nur die Klinik Hochmoor, aber auch über Telgte liest man hier im Forum eigentlich nur Gutes.

Offline idgyTopic starter

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #7 am: 17.11.06, 14:13 »
Ja Bluttest ist ja schon gemacht worden.

Wurde bei euch vorher festgestellt, wo genau sich der Hoden befinden? Im Leistenkanal soll das ja noch einfacher sein als im Bauchraum... Allerdings keine Ahnung, ob und wie man sowas feststellen kann.

Kannst du eine Klinik empfehlen und hast du noch im Kopf, was die Op dich gekostet hat und wo der Hoden bei eurem Hengst lag?

Offline Nattrun

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #8 am: 17.11.06, 14:39 »
@idgy
mein Pferd hatte eine Samenstrangzyste samt bösen Verwacshungen (unvollständige Kastration) und ich habe ihn letzten Oktober in Hochmoor operieren lassen (ca 600 Euro). War mit der Betreuung sehr zufrieden, auch wenn die OP Komplikationen nach sich gezogen hat (Sekundärheilung durch aufsteigende Infektion), mit denen ich immer noch kämpfe.
Ich rechne das unter "shit happens" und mein Abo auf Pech  :-X

Einen Klopphengst kastrieren ist immer eine BauchOP mit Eröffnung des Peritoneums und dafür würde ich immer in eine Klinik fahren, weil die Narkose tiefer sein muss und das Risiko damit höher ist.
Eine normale Kastration kann man auch zuhause machen lassen (aus bakteriologischer Sicht sogar besser, weil alle Keime "bekannt" sind und der Stressfaktor niedriger - bei meinem waren am OP-Tag die Leukos vor lauter Stress im Keller und die OP wurde um einen Tag verschoben damit sich das Immunsystem berappelt. Fand das SEHR gute Entscheidung, Hochmoor kontrolliert prae.op immer die Leukozyten)
Und ich mag TÄ, die das Pferd dafür ablegen, weil man im Liegen einfach besser sehen kann. Was bei der Kastration im Stand schiefgehen kann, hab ich ja hier zuhause stehen.
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Offline idgyTopic starter

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #9 am: 17.11.06, 14:43 »
Danke Nattrun, fuer deinen Bericht. Ich habe wo anders gelesen, dass sich der oder die fehlenden Hoden auch noch im Leistenkanal befinden koennen und in diesem Fall muesste der Bauchraum nicht geoeffnet werden? Stimmt das nicht?

Unser TA wuerde das wohl auch im Liegen machen, aber so vom Bauchgefuehl wuerde ich auch eher in eine Klinik fahren. Gut, dass du so gute Erfahrungen mit Hochmoor gemacht hast. Das werde ich direkt mal weiter geben, da kann der Besitzer da ja mal anrufen...

Und ja, Pech kann man immer haben und dann ist man in einer Klinik doch immer besser aufgehoben finde ich!

Offline Nattrun

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #10 am: 17.11.06, 14:46 »
Stimmt, der Leistenkanal sitzt "außerhalb", trotzdem ist eine gut sitzende Narkose immer von Vorteil und in der Klinik kann man da aus dem Vollen schöpfen, quasi.
Per Ultraschall kann man fesstellen wo genau der Junge hockt.
Bei uns wars so, daß US gemacht wurde, da war der Samenstrang zu sehen und dann sind wir gleich dortgeblieben (Anreise von 200 km, OP war nicht unbedingt absehbar gewesen)
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winston

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #11 am: 17.11.06, 14:50 »
Das wurde damals (2000) alles in Merry Old England gemacht. Bei unserm Owelino war der eine Hoden ziemlich weit hochgerutscht in den Leistenkanal, so mich meine Englischkenntnisse nicht schmählichst im Stich gelassen haben....

Offline idgyTopic starter

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #12 am: 17.11.06, 14:53 »
Nattrun, wurde bei eurer OP der Bauchraum geoeffnet? Wenn ja, wie verheilt sowas wieder, sprich, wie lange dauert das und was ist in dieser Zeit zu beachten? Kann mir das irgendwie gar nicht vorstellen...

Offline Nattrun

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #13 am: 17.11.06, 15:03 »
nein, bei meinem Ross wurde der Bauchraum nicht angetastet. Der Samenstrang hing in den Vaginalsack rein, und es hat jahrelang eine Öffnung zwischen Bauchhöhle und Hodensack gegeben, wo Flüssigkeit hin und herschwappen konnte, weswegen er manchmal wie ein Hengst aussah (dann war unten alles voller Flüssigkeit)
Sie haben den Strang abgeschnitten und den Vaginalsack weit oben verschlossen, quasi also das Loch, welches immer zur Bauchhöhle bestanden hat, geschlossen. Weiters haben sie Verwachsungen gelöst, die sich über die Jahre in dem Bereich gebildetet atten.
Mein Pferd hatte immer schlechter Laufen können und sich über die Schonhaltung wohl den Spat geholt. Seit der OP trabt er (ging vorher nicht)

Mein TA sagte, sowas braucht normalerweise ca 6 Monate bis es vollständig verheilt ist. Reiten kann man das Pferd jedoch schon früher. Gleichwohl sind Operationen in der Region bei älteren Pferden immer ein Risiko, das muss man wissen. Bei einem Klopphengst sind diese Bedenken jedoch sekundär. Vergessene Hoden können ja auch entarten.
Die Wundheilungsstörungen bei meinem Pferd rührten von einem vergessenen Faden, an dem Keime wohl aufgestiegen waren.
Ich gehe jedoch davon aus, daß das der one-in-a-million-Fall ist  :-\
« Letzte Änderung: 17.11.06, 15:06 von Nattrun »
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Offline idgyTopic starter

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Re: Klopphengst? Wo operieren?
« Antwort #14 am: 17.11.06, 15:24 »
Danke Nattrun, keine Fragen mehr  ;D

Ich berichte dann, wenn sich etwas neues ergibt und vielleicht hat ja noch jemand Erfahrungen mit Kliniken bei uns in der Naehe ;-)