Autor Thema: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?  (Gelesen 18733 mal)

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Offline FrenzyTopic starter

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Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« am: 06.02.06, 14:29 »
Mir fiel keine bessere Überschrift ein :P

Also mein Kleiner ist jetzt 20 Monate alt. Seit Oktober ist er für die Winterzeit von der Weide gekommen und steht jetzt mit 4 anderen kleinen Hengsten aus seiner Herde im Laufstall mit Paddockzugang.

Seit er im Stall steht, bemühe ich mich, ihm immer wieder neue Sachen zu zeigen. Autos, Schubkarren, Pferdedecken die auf dem Fußboden rumliegen, Sättel die auf dem Sattelbock liegen und mittlerweile auch Bälle, Regenschirme, Pilonen, Tonnen, Stangen usw. Zur Zeit machen wir gerade 1 x wöchentlich Bodenarbeit mit Stangen, Pilonen, Tonnen usw. Höchstens 15-20 Minuten, ohne Zwang mit viel Belohnung. Zusätzlich zu dieser 1 x wöchentlich Bodenarbeit wird er noch 2 x wö. nur zum Putzen herausgenommen und die übrige Zeit in Ruhe gelassen. Ich mache wirklich keine schwierigen Sachen mit ihm, er soll nur um die Dinge herumgehen oder mal über eine Stange treten, ansonsten an neuen Gegenständen nur schnuppern und Vertrauen gewinnen.

Aber er ist extrem schreckhaft.  Es wird und wird nicht besser. Mir zuliebe tut er im Endeffekt alles was er soll, aber es dauert sehr sehr lange und vorher ist jedes Mal ein Riesentheater. Soll er 1 Woche später nochmal z. B. am Ball schnuppern, geht das Theater wieder von vorne los. Alle anderen Jährlinge sind schon längst gelangweilt von den Dingen, er hat immer noch Angst  :'(

Wie sind Eure Jährlinge? Kennt Ihr welche, die auch so ängstlich sind? Er lässt sich auch immer noch nicht gern von anderen als von mir anfassen, vor allem nicht von der Seite, da springt er hecktisch weg.

Die anderen 4 Jährlinge, mit denen er zusammensteht sind ruhig, vertrauensvoll, neugierig. Sie spielen alle schon längst mit dem Ball, beißen in den Regenschirm usw. Nur meiner steht ängstlich im Hintergrund und schaut zu. Obwohl z. B. der Ball schon 7 oder 8 mal auf dem Paddock lag.

Ich weiß langsam nicht mehr weiter...

Liebe Grüße
Frenzy

Offline McFlower

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #1 am: 06.02.06, 15:30 »
Ach Frenzy, setz doch dein kleines Pferdchen und dich selbst nicht schon soooo früh unter Druck. Ihr habt viel Zeit!

Ich gehöre ganz sicher nicht zu der Fraktion, die ihre Jungpferde bis 3 1/2 jährig völlig wild und frei aufwachsen lassen, um sie einfach nur "Pferd sein" zu lassen. Aber von einem Jährling würde ich außer normalen Umgangsformen (Anbinden lassen, putzen lassen, führen lassen, nicht beißen, nicht rempeln, nicht steigen, nicht treten) noch nichts verlangen.

Wie läuft denn eure "Bodenarbeit" ab? Ich setze das Wort bewußt in Anführungsstriche, es soll ja ein Spiel sein. Schon wenn dein Pferd "ein Heidentheater" macht, läuft was falsch. Ich finde es okay, wenn ihr mehrere Jährlinge gemeinsam in der Halle / auf dem Platz freilaufen lasst und immer wieder unbekannte Gegenstände als Spielzeug in die Halle stellt. Aber nicht so viel auf einmal. Stellt zum Beispiel zwei Regenschirme in die Halle und fertig. Lasst die Youngster selbst damit spielen. Wenn deiner nur im Hintergrund beobachten mag - bitte. Soll er.

Deine Schwierigkeit ist folgende: Du schließt von der jetzigen Verhaltensweise auf den Charakter als Reitpferd und siehst dich vor deinem inneren Auge schon auf einem glotzenden, schnorchelnden und wild scheuenden Pferd sitzen. Damit setzt du dich unter Druck und damit auch letztendlich dein Pferd.

Versuch, die Erwartungshaltung runterzuschrauben und verlang das nächste halbe Jahr nichts von deinem Kleinen, was über normale Umgangsformen hinausgeht. Bezieh ihn in eure Youngsterspiele mit ein, aber fordere ihn nicht direkt zum mitmachen auf. Lass ihm seinen Beobachtungsposten.

Du wirst sehen - das Auftreten deines Pferdes wird sich ohne Bodenarbeit und ohne Anti-Schreck-Training von selbst ändern. Zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr bekommen sie von ganz alleine ein enormes Selbstbewußtsein. Mach dir keine Sorgen, es ist alles im grünen Bereich.
Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird. (Gimli - Die Gefährten)

Dominachen

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #2 am: 06.02.06, 18:46 »
Meine drei Jungpferde (Shettystute 9 Monate, Reitponystute 1,5 Jahre sowie Reitponywallach 1,5 Jahre) leben zusammen mit einer älteren Hafistute im Offenstall. Sie haben bisher im Alltag viel gelernt. Die Sommerweiden sind weiter weg und müssen zu Fuss durch den Straßenverkehr erreicht werden. Wenn nun gerade mal eine Tüte zur Hand war, wurde die mal im Auslauf herumgezeigt. Putzen und Anbinden wurde von Anfang an geübt. Das machen sie auch ganz lieb und brav.

Meine Reitponystute ist am weitesten vom Kopf her. Luna geht auf den Menschen zu, als ob sie sagen möchte: Hallo hier bin ich! . Sie geht schon artig mit weg vom Stall und findet es total interessant. Steht am Straßenrand ein gelber Sack, ist das total interessant, es könnte ja ein Leckerchen für sie in der Tüte sein. Straßenverkehr kein Problem. Wenn sie was Interessantes sieht, bleibt sie höchstens mal stehen und schaut erhobenen Hauptes sich die Sache an. Es macht wirklich Spass mit ihr zu arbeiten. Im Auslauf besitzt sie einen Gymnastikball mit dem sie auch spielt. Wir haben auch schon versucht, sie vorsichtig ein paar Runden zu longieren. Sie ist gleich losgetrabt und war der Sache angetan.

Mein Reitponywallach ist ganz anders. Er ist schüchtern und zurückhaltend. Wenn jemand fremdes auf die Weide kommt, dann kann es sein, dass er sich verzieht. Longieren hat gar nicht geklappt. Spazierengehen, macht er schon, wenn es sein muss. Am liebsten geht er ganz dicht neben mir und steht gern auf meinen Füssen. Der letzte Radfahrer von vorn, hat er zwar gesehen, aber sich im letzten Moment doch gesagt, dass er besser zur Zeit springen sollte! Tja wenn der Radfahrer auch eine solche häßlich orange Jacke anhaben muss, hab ich schon ein bißchen Verständis!  ;D
Einem am Straßenrand stehendem gelben Sack findet er äußerst gefährlich.
Gerade weil ich diese offene Art meiner Stute zum Vergleich habe, tu ich dem kleinen wahrscheinlich doch unrecht. Ich arbeite nicht so gern mit ihm und er ist wahrscheinlich noch nicht soweit.

Unsere Shetty wurde bisher nur angebunden, geputzt und spazierengeführt mit anderen Pferden. Sie ist wohl ganz artig.

Ich arbeite nun nicht wirklich regelmäßig mit meinen Pferden. Es kann sein, dass eine wochenlange Pause dazwischen ist. Nun im Winter ist es halt ein bißchen mehr, weil sie am Stall stehen, wir den kleinen Platz haben und man sie ordentlich anbinden kann. Im Sommer wird es dann eine große Pause geben.

Vielleicht setzt du dich zu sehr unter Druck und vergleichst zu sehr mit den anderen. Mache ich ja auch, ich weiß es!  8) Man soll ja auch nicht zuviel machen, aber ganz verwildern würde ich ihn auch nicht lassen. Man muß das richtige Maß finden. Gehst du denn mit einer "neutralen" Einstellung an die Bodenarbeit? Oder erwartest du schon, dass er Theater macht?

Offline Safira

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #3 am: 06.02.06, 20:19 »
Meine kleine Stute wird in 2 Wochen 2 Jahre alt und sie hat sich während des letzten Jahres ziemlich verändert. Das ging von "superbrav und angstfrei" bis "völlig verschüchtert" dann wieder übermäßig selbstbewusst und nun denke ich ein gesundes Mittelmaß (nagut, mit kleinem Hang zur Schreckhaftigkeit ;)
Ich hatte im Sommer einen lila-farbenen Gymnastikball auf die Weide geworfen; die Reaktionen: die absolut scheufreie Oldie-Haflingerstute war dem ganzen skeptisch gegenüber und sie wollte das Ding auch nicht beschnuppern, richtig Angst hatte sie nicht. Der 3-jährige war auch skeptisch, ging aber munter drauf zu. Der Halbbruder (Jährling) von meiner Kleinen stürzte sich regelrecht daruf vor lauter Neugierde ("kann man das treten, fressen,...?") und meine Kleine ging auch ohne zu zögern darauf zu um sich das ganze mal aus der Nähe anzugucken. Der Vater meiner Stute (5 Jahre) trabte derweil panisch im Stechtrab auf der Weide herum; näher als 5 m ging er nicht an den Ball ran.
Es gibt vielleicht einfach Pferde, die die Gegenstände ("Gefahren") erstmal von weitem begutachten wollen, anstatt gleich in den "Gefahrenbereich des Raubtiers" zu gelangen.
Was ich mir noch vorstellen könnte: Vielleicht fehlt ihm einfach ein erwachsenes Bezugspferd, das ihm ruhig und relaxt "zeigt", dass keine Gefahren vorhanden sind... Ist deiner in der Gruppe eher rangniedrig (=evtl. verunsichert) oder ranghoch?
Ansonsten ´ne Idee: Wie wär´s, wenn du einfach mal 2 Monate Pause machen würdest? Vielleicht sind du und Pferd dann "abgeklärter" und wieder bereit was zu tun...
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Offline FrenzyTopic starter

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #4 am: 07.02.06, 08:09 »
Danke für Eure Antworten. Mein größter Fehler ist tatsächlich, dass ich meinen Kleinen immer mit den anderen Gleichaltrigen aus seiner Gruppe vergleiche. Und die sind nun mal alle völlig entspannt und vertrauensvoll. Ich muss mir das wirklich abgewöhnen, meiner ist nunmal vom Charakter eher ängstlich. Er ist auch rangniedrigster.

Ich glaube nicht, dass ich ihn überfordere. Die "Bodenarbeit" besteht nur daraus, durch zwei Tonnen durchzugehen, durch zwei Schaumstoffstangen von der Dualaktivierung durchzugehen und über 2 normale Stangen drüberzutreten. Beim Verlassen und Betreten des Spielpaddocks muss er auch immer über eine Stange treten, das kennt er.
Die ganze "Bodenarbeit" dauert 15 Minuten, danach darf frei in der Halle getobt werden.

Er steht im Sommerhalbjahr nur mit seiner Hengstherde auf einer total abgeschiedenen ruhigen Koppel, da sieht er weder Autos noch sonstwas. Bevor er auf die Weide kam, hatte er keine Angst vor Autos, weil er auch jeden Tag daran vorbeigeführt werden musste, um zum Spielpaddock zu gelangen. Nach dem halben Jahr Ruhe hat er aber die Autos als total gefährlich eingestuft. Deshalb gehe ich ab und an mal zu meinem Auto und zeige es ihm. Aber weiter als 2 Meter traut er sich noch nicht ran.

Ich glaube nicht, dass ich ihn total in Ruhe lassen sollte, irgendetwas muss er doch im Alter von knapp 2 Jahren schon mal sehen. Wenn ich ihn putze und am Anbinder neben mir schwingt jemand eine Decke auf sein Pferd, darf er doch nicht in Panik zusammenbrechen. Deshalb haben wir das jetzt öfter geübt und nun geht es auch.

Aber es beruhigt mich, dass auch andere Jährlinge so sind. Es ist frustrierend, wenn man das einzige ängstliche Pferd im Stall hat.

Macht es Sinn, wenn ich mir irgendeinen Trainer für Vertrauenstraining suche? Oder sollte ich lieber bis zum nächsten Winter warten? Dann wäre mein Kleiner 2 1/2 Jahre alt


Offline Safira

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #5 am: 07.02.06, 17:11 »
Vertrauenstrainer würde ich persönlich in dem Alter noch nicht dazuholen; aber ist meine Meinung...

Ich habe meiner kleinen nie wirklich Auto´s "gezeigt". Es kam ein Auto vorbei, während ich sie geführt hatte und da mussten wir eben dran vorbei. Klar hab ich sie gucken lassen, aber auch ansonsten gehe ich mit ihr eigentlich eher selten direkt auf "Gefahren" zu. Ich gehe eher an den Gefahren vorbei; d.h. egal ob das nun eine flatternde Plane am Wegesrand ist (in der Dämmerung auch noch...) oder ein Stein, ein Zaunpfahl oder ein Wald ;). Da besteht zum einen bei mir nicht die Gefahr, dass ich verunsichert bin ("geht sie ran oder scheut sie wieder :-\") zum anderen kann sie selber entscheiden, ob sie einen kleinen Schlenker machen will oder lieber noch dichter dran. Und wenn sie 10 mal ´nen Schlenker macht; irgendwann wird sie auch verstehen, dass keine Gefahr droht...

Was macht deiner denn, wenn du IHM´ne Decke rüberwirfst? Hat er da genauso viel Angst?

Und dann wollte ich letzten Sommer meine Stute mit Bremsenspray einsprühen; KEINE CHANCE. Ihren Halbbruder konnte ich ohne Halfter damit bedüseln; der hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Saphira hat am Strick totale Panik bekommen (nicht festgebunden, sondern festgehalten) und sich gewehrt. Letztendlich reichte schon die Flasche, um sie weglaufen zu lassen. Gaaaaanz viel Geduld hat auch nicht geholfen.
Diesen Winter wollte ich Mähnenspray in ihre lange lockige Mähne sprühen; Saphira ist in die hinterste Ecke der Box gewichen und hatte super Panik. Das, was im Sommer unmöglich war, war nach 3-mal üben nur noch "unangenehm": Erstmal das Spray nur auf die Büste und dann so in Mähne bürsten, das nächste mal den Schweif leicht einsprühen (mit Sicherheitsabstand *g*) und inzwischen (nach 4 mal sprühen in 3 Monaten; also noch nicht mal alle 3 Wochen geübt) lässt sie sich nun auch die Mähne einsprühen. Ist zwar noch etwas Angst dabei, aber verglichen mit dem, wie sie sich im Sommer benommen hat :-X Hätte ich NIE gedacht...
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Dominachen

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #6 am: 07.02.06, 17:48 »
Ich hatte vor Jahren ein Reitponyhengst, den ich am Anfang überfordert habe. Eigentlich war das Tier total lieb, da war er 6 Monate alt. Mit 8 Monaten wollte ich anfangen mit ihm spazieren zu gehen. Ich habe ihn dann einmal überfordert und ihn gezwungen zu gehen....dann fing das Drama an. Er hat sich immer tierisch aufgeregt, wenn ich was von ihm wollte...und ich war einfach überfordert.

Ich habe mir damals Hilfe geholt. Mit 1,5 Jahren habe ich angefangen mit einer Trainerin nach Hempfling mit ihm zu arbeiten und es ging farbelhaft. Ich habe gelernt, bei seinem Theater keine Angst zu bekommen und ihn unter Kontrolle zu bekommen.

Vielleicht läßt du ihn erstmal da stehen und machst nur kleine Sachen. Du könntest ihn dann ja vielleicht umstellen, auf eine Weide oder Stall, wo richtig was los ist. Dann würde er automatisch Autos und andere Ungeheuer kennenlernen.  ;D

Das Vergleichen mach ich selbst auch. Ich fühl mich dann immer total schlecht, wenn ich von meinem Kleinen etwas erwarte, was die Große schon kann. ;D Bei einer Decke bekommt mein kleiner auch Panik, die Große findet das schon normal!

Offline FrenzyTopic starter

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #7 am: 08.02.06, 10:07 »
@Safira:
Mittlerweile kann ich auch eine Decke auf ihn raufschwingen (nach 5-6 mal üben). Er hat zuckt zwar manchmal noch etwas, weiß aber mittlerweile, dass ihm die Decke nichts tut. Auf seine 3 Freunde kann man alles drauflegen. Schaufeln, Besen, Regenschirme, von Anfang an kein Problem.

Wenn ich ihm die Autos nicht irgendwann zeigen würde, würde er bis zum Mai, wenn er auf die Weide kommt, nur in 5 Meter Entfernung dran vorbeigehen. So ist er einfach. Er ändert sein Verhalten erst, wenn er wirklich verstanden hat, dass der Gegenstand ihm nichts tut. Dafür müsste ich ihn eigentlich täglich mit Autos konfrontieren.
Bis ich dann alle Gegenstände auf der Welt durch habe, sind wir beide alt und grau  ;D

Fliegenspray ist auch ein Drama. Schweifspray ist o.K., aber Mähne einsprühen gefährlich. Ich sprühe so alle 2 Wochen mal Schweif und Mähne ein, er stellt sich nun mittlerweile seit 1 Jahr immer noch total an dabei  :( Wehe das Spray berührt sein Fell...

@Dominachen:
Wir haben einen ruhigen Feldweg, auf dem wir auch schon ein paar hundert Meter spazieren gegangen sind. Das ging so lange gut, bis uns Fußgänger entgegenkamen, da hat er vor Angst geschlottert. Seine Versuche, sich loszureißen waren aber milde, wahrscheinlich hatte er Angst, dann ganz allein auf weiter Flur dazustehen. Seitdem sind wir aber nicht mehr gegangen, weil es immer zu glatt war. Mal schauen, wie er sich beim nächsten Spaziergang verhält.

LG
Frenzy


Offline idgy

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #8 am: 08.02.06, 10:15 »
@Frenzy

Ich wuerde den Kleinen auch erst mal wieder in Ruhe lassen. So wie sich das anhoert, ist er einfach noch nicht so weit und er ist ja wirklich noch klein. In meinem alten Stall hatten wir jedes Jahr so zwei -drei Fohlen und die waren auch alle ganz unterschiedlich vom Charakter her. Aber aus allen ist noch was geworden.

Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer ist, so ein junges Tier zu haben und es wirklich in Ruhe zu lassen, aber ich denke nicht, dass du euch momentan einen Gefallen tust. Wenn die Tiere erst mal etwas aelter sind so 2 1/2 mind. gehen viele Sachen viel einfacher, wenn man ihnen vorher nicht gezeigt hat, wie gefaehrlich alles ist. Und ich fuerchte, dass im Moment genau die Gefahr besteht...

Denk mal drueber nach, der Kleine ist noch ein Baby, er hat sichtlich noch Respekt / Scheu vor manchen Sachen und ist nicht so begeistert bei der Sache wie seine Kumpesl. Willst du ihm jetzt schon beibringen, dass Zusammensein mit dir Stress bedeutet???

Liebe Gruesse

Offline Ronja

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #9 am: 08.02.06, 10:31 »

Bis ich dann alle Gegenstände auf der Welt durch habe, sind wir beide alt und grau  ;D


Deswegen wirst Du ihn tunlichst noch ein wenig in Frieden lassen, sonst lernt er ganz fix, Dich als *die bringt mich immer in gefähliche Situationen* zu sehen! DAS ist bestimmt nicht in deinem Interesse...und ist alles andere als vertrauensbildend. Weiterhin: wenn um alles so ein Buhei gemacht wird und aus allem eine Übung, Besonderheit...kanns m. M. nach nicht anders reagieren...besser man tut, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre und gankeines Aufhebens nötig *gg*
Bei einem -offensichtlich eher spätreifen- 2jähr. reicht es vollkommen, wenn sie Halfter tragen, anbinden, führen und Hufegeben können... und ausserdem ist ein scheuer/ skeptischer Jungspund wesentlich "gesünder"...die blöden nassforschen Kinder bringen sich zu schnell selber in Gefahr!

Lass dem Tierchen noch ein wenig Zeit!

Offline terra

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #10 am: 08.02.06, 11:22 »
Ich gehöre zur Wildnisfraktion (und bin sehr gut damit gefahren) - mit einem kleinen 20-Monatigen würde ich nicht viel machen, Halfter drauf und mal aus der Herde rausnehmen, dabei aber in Sichtweite oder noch besser Nasenstupsweite bleiben , Hufe + Beine kontrollieren ist ok, vielleicht auch mal grob drüberstriegeln - aber für was braucht so ein Pimpf Schweifspray?
Die Fohlen haben doch schon genug Stress, wenn sie aus der Herde wegsollen.

Ronja hat was schönes geschrieben, das kannst Du ausbauen - einfach Keine Übung aus allem machen, schon Deine Erwartungshaltung, was kommt jetzt?, übertragt Spannung auf das Pferd.
Wenn Du unbedingt dein Pferd jetzt schon an fremde Sachen gewöhnen willst: leg was auf den Paddock, einen Ball, eine Tüte .... und lass die Jungspunde die Sache selbst erkunden (natürlich nur wenn der SB/die anderen Besitzer einverstanden sind), mummel Dich ein und schau da mal eine längere Zeit zu (bibber, bibber), ist spannender als Kino. Ich habe es in der Einreitphase gemacht, zur Abwechslung, wenn keine Longe angesagt war und auch erwachsenen Pferden machts gelegentlich mal Spass.

lg
ed

Offline FrenzyTopic starter

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #11 am: 08.02.06, 13:44 »
Ihr habt alle Recht, Ihr habt mich völlig überzeugt. Schluss mit Bodenarbeit, Schluss mit Ball und Regenschirm. Und Spazierengehen nur alle paar Wochen mal eine winzige Strecke.

Da Ihr alle gerade da seit ;)
Folgende Wurmkur-Situation: Die ersten 10 Wurmkuren in seinem Leben waren völlig problemlos, bei der letzten hat er Theater gemacht. Angst hatte er nicht, er wollte einfach nicht. Er wurde konsequent festgehalten und rein mit dem Zeugs. Es hat ein Mitabeiter im Stall gemacht, der lang und dünn ist. Seit dem lässt er sich nicht mehr von langen dünnen Männern anfassen  :-\

Mir wurde nun gesagt, ich solle das üben. Einfach Apfelmus oder Honig nehmen. Das mag er aber leider beides nicht. Eine Freundin riet mir nun, gar nicht zu üben. Das wäre ein Dominanzproblem, ich solle einfach bei der nächsten Wurmkur ihn energisch festhalten, rein mit dem Zeug und gut. Er würde sich die gute Erfahrung mit leckeren Dingen in der Spritze nur so lange merken, bis eine ekllige Wurmkur dazwischen wäre. Danach hätte ich wieder das gleiche Problem.

Was meint Ihr? Angst hat er keine vor der Spritze, nur Widerwillen.

Offline idgy

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #12 am: 08.02.06, 13:51 »
Ob ueben oder nicht, kann ich dir nicht sagen :-)

Aber von energisch festhalten halte ich nicht viel. Denn irgendwie ist so ein Pferd doch immer staerker, vor allem wenn sie groesser werden. Ich wuerde hier Konsequenz und Geduld empfehlen, irgendwann macht jedes Pferd das Maul auf bzw. nimmt den Kopf runter. Dann merkt er sich, dass Theater keinen Sinn macht. Wir haben ein Pferd im Stall, dass bei Wurmkur den Kopf nach oben nimmt. Ist eine WB Stute so um die 1,68m. Da habe ich als relativ kurzer Mensch keine Chance, den Kopf unten zu halten. Also lasse ich sie mit noch oben gereckter Ruebe stehen, habe die Wurmkur fertig in der Hand und mache ihr das Hochhalten des Kopfes mit leichtem Zuppeln am Strick ungemuetlich. Sobald der kOpf runterkommt, Wurmkur rein und fertig. Beim dritten Mal war es nur noch ein leichtes Antesten.

Offline Ronja

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #13 am: 08.02.06, 14:57 »
Ihr habt alle Recht, Ihr habt mich völlig überzeugt. Schluss mit Bodenarbeit, Schluss mit Ball und Regenschirm. Und Spazierengehen nur alle paar Wochen mal eine winzige Strecke.


Na, das ging aber schnell ;) ;D

Wurmkur: Ich finde, die Pferde haben völlig recht, dass sie sowas nicht gern haben. Ist doch echt ne ekelige Sache *bäähh*
Ich übe sowas nicht, ich mache es einfach! Kurz, schnell und schmerzlos. Pferd nehmen, Hand auf die Nase, Wurmkur rein (besser als dolle am Kopf festhalten ist immer Ponypopo in eine Ecke, dann können sie sich dagensetzen, wenn es ganz schlimm kommt *gg*). Ohne Action, wenn der sich widersetzt, möglichst mit einer 2. Person, einer hält das Viech in Schach, der andere stopft die WK inne Schnute und fertig. Wenn der Kleine sich bisher die WK problemlos hat verabreichen lassen, spricht das doch sehr für "Testphase" ...und logo, sind jetzt alle grossen dünnen Männer voll uncool, weil die wollen ja immer bestimmen und bekommen trotz *neinneinneinnein* IMMER IHREN WILLEN *trotzigguck*!
Übst Du sowas, hat das Pony viel mehr Gelegeheit ebenfalls zu üben, und zwar Sachen die Du nicht möchtest..besser so tun, als ob es das normalste der Welt wäre "so, guten Tag liebes Tier. heute gibt es eine WK, der HS kommt, etc. pp." und das Pferd das problemlos mitmachen wird!

Wenns wegen irgendwas Gehype gibt, ignoriere ich das gerne (nicht böse sein, aber Du halt den Kerl mit Deiner gutgemeinten Überei von schrecklichen Dingen nur eher darin bestätigt, dass es besondere Dinge auf diesem Planeten gibt, welche besondere Aufmerksamkeit erfordern)  und warte bis der Anfall vorüber ist *da hilft kein stampfen und kein schreien, kein zucken mit den beinen* durchatmen und zur Tageordnung übergehen ;D ...ich kenn einige ganz schlaue Pferdchen, die ihre Besitzer mit der Drohung "wenn Du das jetz aber wirklcih gegen meinen Willen durchsetzt, DANN REGE ICH MICH AUF" regelelrecht erpressen...da hilft nur lässig bleiben "na und, dann reg dich halt auf, ist mir doch schnuppe, ich warte dann mal bis du fertig bist..." ...und vor allem !nicht persönlich nehmen!, von wegen ALLE andern Viecher sind so cool, bloss MEINER nciht *ohgottohgott*.

Gruss von der Ponyquälerin ;D

Offline McFlower

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Re: Wie sind Eure Jährlinge so vom Charakter?
« Antwort #14 am: 08.02.06, 15:43 »
Hihi, meine Kleine hatte sich auch nach einigen problemlosen Wurmkuren überlegt, dass es eine gute Idee ist, ein Heidentheater zu machen. Ich habe  dann auf Anraten mit Apfelmus geübt. Fazit: Eine wahnsinnige Schmiererei (nach spätestens zwei Wochen hast du Apfelmus-Spuren in der Putzbox, in den Reithandschuhen und im Mähnenkamm. *bääääh*. Aber wenn du mit der Spritze kommst, geht das Youngster-Mäulchen bereitwillig auf. Das geht so lange, bis du die nächste Wurmkur reinschiebst. Am nächsten Tag wird zuerst misstrauisch an der Spritze gerochen. Wenn Apfelmus drin ist, geht das Maul auf, ansonsten werden die Kiefer fest aufeinandergepresst.  :P

Dann hab ich gar nicht mehr geübt, sondern verabreiche Wurmkuren nach dem Motto "kurz und schmerzlos". Wurmkur aufmachen, Deckel ab und spritzbereit in die rechte Jackentasche stecken. Boxtür auf, Halfter drauf, die Aufmerksamkeit des Monsters auf die linke Hand lenken (einfach irgendwie knistern oder rumfuchteln) und zeitgleich die Wurmkur aus der Jackentasche direkt in die Maulspalte stecken und SCHUSS! Das geht viel zu schnell, um ein großartiges Theater zu machen.
Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird. (Gimli - Die Gefährten)