Autor Thema: Der Reitlehrer ?  (Gelesen 30764 mal)

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GerlindeK

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Der Reitlehrer ?
« am: 04.01.06, 14:46 »
Eine Frage interessiert mich immer mehr.
Gerade hier in agrar wird immer wieder auf den guten RL/Trainer und den guten Reitunterricht verwiesen.
ICH HABE NICHTS GEGEN GUTEN UNTERRICHT,  um schonmal die gereizten Geister zu beruhigen.

Aus meiner Erfahrung sieht der reiterliche Werdegang folgendermaßen aus:
Der Anfänger wird auf´s Pferd gesetzt und muß erstmal sein Gleichgewicht finden.
Gelehrt wird der Sitz und die Hilfen werden grob erklärt.
Kann der Anfänger einigermaßen unabhängig sitzen, wird das Zusammenspiel der Hilfen und die Einwirkung auf´s Pferd gelehrt.
Hier beschränkt sich die Korrektur immer noch auf den Sitz (der immer unabhängiger/geschmeidiger/eleganter werden soll) und es kommen Kommandos wie „jetzt“ (treiben/Hand vor/usw.), damit dem Schüler das GEFÜHL für das Zusammenspiel der Hilfen vermittelt wird.

Hier beginnt der Anfang meiner Frage,
denn weitergehen sollte es doch mit der theoretischen Ausbildung des Schülers (logische Anwendung der Ausbildungsskala incl. Erklärung des Sinnes diverser Lektionen, Anatomie des Pferdes/Reiters im Einklang/Fehlererkennung/-behebung).

Dieses Wissen (in der Praxis umgesetzt) müßte doch eigentlich ausreichen, um auf ein bestimmtes Level zu kommen bzw. dort zu bleiben (Grundausbildung, sagen wir mal bis L).

Soll der Weg weiter nach oben gehen, ist man weiterhin auf das Wissen eines Könners angewiesen, da ein einfaches Reiterleben nunmal nicht ausreicht, um überhaupt „reiten zu lernen“.Hier geht es dann um Erfahrungsaustausch, Tipps und Tricks, Feinheiten und Feinschliff, um immer perfekter zu werden und seine eigenen Grenzen und die des Pferdes anzukitzeln (man sich zaghaft der KUNST nähert).

Soweit meine Theorie.
Und die Praxis?
Dauernd lese ich das Wort Reitlehrer, an jeder Ecke gibt´s einen Trainer, und guuuuut sind sie auch.
Warum sehe ich so wenig gute Reiter?
Warum fällt es mir so schwer, einen wirklich guten RL zu finden?
Wenn es doch so viele gute Trainer und so viel guten Unterricht gibt, warum tummelt sich dann noch alles auf E oder A-Niveau herum?
Was unterrichten diese guten Lehrer?
(wie ich den Frust bekämpfe, wenn ich nicht zum Sitzen komme und das Pferd daher verspannt läuft? – im wievielten Jahr??)
Warum ist man angewiesen auf jemanden, der einem sagt, „JETZT mußt Du dies und das tun“?
Warum merkt/weiß man es nicht selber?
Weil es einem nicht beigebracht wurde?
Ist dannn der Unterricht echt so gut??

Nochmal, ich bin auch der Meinung, daß man sich immer wieder kontrollieren lassen muß. Die Gefahr, daß sich Fehler einschleichen und man ein falsches Gefühl entwickelt, ist einfach zu groß.
Aber man sollte doch gelernt haben, wie man ein verspanntes Pferd gelöst bekommt, wie man eine logische Ausbildung des Pferdes angeht, wie man seinen Körper unter Kontrolle bekommt, wie man Fehler erkennt und behebt.

Irgendwie stört es mich, daß hier so wenig selbständig geritten wird.
Daß man sich hinter der Aussage: „ich nehme guten Unterricht“ verstecken kann und sich dort ausruhen kann.
Und in zehn Jahren nimmt man immer noch guten Unterricht.........
Nur, wo ist man dann?
Endlich bei der Kunst oder nicht doch immer noch in der Grundausbildung??


Offline sasthi

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #1 am: 04.01.06, 15:06 »
Weil es interessanterweise (oh, man staune) 2 Ausbildungsskalas gibt.
Einmal für das Pferd (Takt, Losgelassenheit, etc.)
 und einmal für den Reiter.
Diese baut sich folgendermaßen auf:
Balance
     Losgelassenheit
           Eingehen in die Bewegungen des Pferdes.

Du hast es schon nett beschrieben, am Anfang sollte immer die Balance stehen. Nur leider werden viele angehende Reiterleins schon viel zu früh von der Longe losgelassen, sie können gerade mal die Balance halten, sitzen aber noch lange nicht losgelassen auf dem Pferd.
Und hierbei liegt m.E. ein eklantanter Ausbildungsmangel vor. Es wird von den angehenden Reiterleins erwartet, dass sie Punkt zwei schon beherrschen, wenn sie in die Abeilung geworfen werden. Meistens ist dem aber noch gar nicht so.
Wie soll also ein angehendes Reiterlein auf die Bewegungen des Pferdes eingehen, wenn er noch Mühe hat, halbwegs losgelassen auf dem Pferd zu sitzen?
Da ist es also ganz nett, dass das angehende Reiterlein ein gewisses Niveau erreichen soll, nur wird meist vergessen, dass noch so Dinge wie "Grundspannung auf dem Pferd", Zügelunabhängige Hilfen, Anspannung des Kreuzes, einseitiges Anspannen der Kreuzmuskulatur, etc. vonnöten sind, um dem Reiterlein ein "Grundlevel" zu geben.
Das sind Übungen, die Zeit erfordern, die Geduld erfordern, die Körperbeherrschung erfordern. Und viele, die auf E oder A Level rumgurken, haben diese Geduld/Zeit/Körperbeherrschung nicht, oder schlichtwegs den falschen Lehrer.
Guter Unterricht definiert jeder anders, für den einen ist es das "bis an die Grenzen gehen", für den anderen "Hauptsache, der Reitlehrer lobt viel und verlangt wenig".
Und - was mir so aufgefallen ist - an die Grenzen gehen erfordert auch, dass da jemand in der Mitte steht, und diesen inneren Schweinehund in einem selbst zum Bluten bringt. Mit duzideidei kommt derjenige meist nicht weit, allerdings wünscht der Kunde, mit Samthandschuhen angefasst zu werden, denn "er zahlt ja schließlich dafür"
Und da liegt m.E. die Krux.

Ich lege im Unterricht wert darauf, dass ich weiterkomme, andererseits aber auch da abgeholt werde, wo ich gerade stecke. Ich möchte "Hausaufgaben", die ich bis zur nächsten Unterrichtseinheit üben kann, ich möchte korrigiert werden, ich möchte durchaus auch getadelt werden, ich möchte gelobt werden und ich möchte den Sinn hinter einer Übung verstehen. Bisher bekam ich solchen Unterricht von genau 3 Reitlehrern, und alle würden unter "Kavallerist" eingestuft werden. Deutlich, korrekt, hin und wieder mal Laut, wissend, von was sie sprechen (letzere reitet/ritt bis St. Georg platziert, ersterer war noch in der Kavallerie) und dieses Wissen auch weitervermitteln könnend.
Gibts nicht oft, man muss sie suchen. Es gibt Tage, da gehe ich auch aus dem Unterricht, sattle das Pferd ab, und frage mich, warum ich mir diesen Sch*** antue, wenn mir jeder Muskel weh tut, ...
Wenn ich dann aber diesen zufriedenen Gesichtsausdruck meiner RL und meiner RB sehe (gell, heute haben wir mal wieder was getan, war schön ;D), dann weiß ich, warum ich mir das antue. Weil ich auf dem richtigen Weg bin, Reiten zu lernen, weil es meiner Reitbeteiligung deutlich besser geht, wenn das zusammenspiel der Hilfen funktioniert, und weil ich das nächste mal mit breitem Grinsen vom Pferd steige, und sage: "Das war richtig schööööööööön"
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

Offline Orie

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #2 am: 04.01.06, 15:11 »
Gerlinde, ich denke, daß es bei vielen einfach so ist, daß sie mit Unterstützung des RL einfach ihre mit der Zeit festgezurrten Knoten lösen können. Das macht jedenfalls für mich einen guten RL aus...
Oft bemerke icdh, daß wenn ich auf dem Platz "rumrantsche", einfach irgenwie in einen Kreislauf gerate, aus dem man von selbst oft nicht mehr rauskommt. Ich denke, daß Du das mit Sicherheit auch kennst.
Eine helfende Hand von außen, die Tipps gibt, andere Lösungswege aufzeigt und/oder erarbeitet, habe mir da schon manches mal herausgeholfen.
Und ich bin auch (auf die Gefahr hin, jetzt gesteinigt zu werden!) voll in der Überzeugung, daß 95% aller Reiter, wenn sie gar keinen Unterricht mehr nehmen (sei es "per Buch" oder eben in einer Person), sich in ihrer Reiterei wieder verschlechtern. Daher gilt für mich der Satz: "Einmal auf A-Niveau, immer auf A-Niveau" nicht.
Verbohrte Situationen lassen sich eben oft nur durch Außenstehende lösen; das ist nicht nur in der Reiterei so, sondern in allen Bereichen des Lebens. Nur ein verschwindend kleiner Anteil schafft dies komplett selber.
Und: Ich finde ebenfalls, daß man sich dafür auch nicht schämen muß.

Übrigens: "gutes Reiten" ist relativ.....   ;)

Grüßle, Heike
« Letzte Änderung: 04.01.06, 15:13 von Orie »
Einer der zweifelhaftesten Siege über die Natur ist die Zivilisation!

Offline Terrier

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #3 am: 04.01.06, 15:13 »
Klar hat man nach vielen Jahren ein Grundwissen, mit dem man ein Pferd sogar ausbilden kann. Aber manchmal können auch Gefühle täuschen, da sieht ein RL einfach genauer hin.(sollte zumindestens)
Ich habe erst in der Reitschule fast 3 J geritten, danach mit jemanden zusammen ein Pferde(halbwegs) eingeritten. Die Stute hat mit mir zusammen danach das Springreiten gelernt. Besser gesagt, die Stute hat es gelernt und ich war fähig, mich oben zu halten ;D
Mit ihr bin ich in unregelmässigen Abständen auch in den Dressurunterricht gegangen.  ;D AAber nach einigen Jahren auch nicht mehr. Reine Dressur hab ich dann, viele Jahre später, mit einem anderem Pferd bissel mehr gelernt. So L-M Level. Dann bin ich fast 5 J. nahezu ohne Unterricht geritten. Hatte nur zwischendurch mal Protokolle von Turnieren, die was aussagte. zB. Hinterhand zuviel/ Schultergerein zuwenig/Kurzkehrt zuviel Boden....u.s.w. Konnte davon aber nicht viel lernen ;D
Nun habe ich seit einigen nJahren regelmässig Unterricht. Ich denke, nun könnte ich sicher auch mal einige Zeit ohne solchen auskommen, aber ob ich micht verbessern würde, bezweifel ich stark. Und Besserung habe ich noch sehr viel nötiig

Warum haben denn eine Werth/Uphoff oder ein H. Schmidt noch Unterricht? Sie "können" ja fast reiten?
der bissige Terrier schickt Grüsse
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Ich bin zu alt um nur zu spielen und zu jung um ohne Wunsch zu sein

Offline Thesi

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #4 am: 04.01.06, 15:15 »
Erstens glaube ich kaum, jemals über die Grundausbildung hinauszukommen... (was vielleicht an meinem mangelnden Talent liegen mag)  ;) Auf L-Niveau bin ich noch lange nicht...

Aber selbst, wenn ich jemals auf diesem Niveau werde reiten können, werde ich vermutlich immer noch auf einen Reitlehrer vertrauen...

Warum ich Unterricht brauche?
Ich reite mein Pferd auch gerne mal alleine, aber um ehrlich zu sein, fehlt mir dann meistens die Motivation, RICHTIG mit ihr zu arbeiten. Dann gehe ich ausreiten, reite sie eine Stunde lang locker oder was auch immer. Aber um sie richtig zu arbeiten brauch ich jemanden, der in der Mitte steht und mir sagt, was ich tun soll.
Natürlich kann man das nach einiger Zeit auch alleine umsetzen, aber dann kommen die nächsten Sachen, wo ich wieder den Lehrer brauche, der mich ausbessert und immer wieder darauf hinweist, wie ich was tun soll.
Ausserdem fällt es mir häufig schwer, meine Fehler zu spüren... dann brauch ich jemanden, der mir sagt, wann es richtig ist, damit ich es ins Gefühl bekomme.

Das ist aber mein höchstpersönlicher Grund, warum ich einen Trainer brauche... wenn jemand in der Selbstmotivation gut ist, tut er sich da vielleicht leichter. Vieles meiner diesbezüglichen Energie geht im Job drauf, beim Pferd will ich mich entspannen... aber mich und das Pferd trotzdem weiterentwickeln. Dafür brauch ich einfach einen Trainer.

Ich gehöre sicher nicht zu der Gruppe an Reitern, bei denen du den Unterricht in Frage stellst... aber ich jemals dort ankommen sollte, werde ich immer noch meinen Trainer brauchen.

Offline idgy

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #5 am: 04.01.06, 15:19 »
Mmh, ich gehoere definitiv zu den Leuten, die du in deinem Posting beschreibst. Ich habe jetzt zum zweiten Mal in meinem Leben einen guten Lehrer/in und nehme da fleissig Reitunterricht.  Und auch ich tummele mich Turniermaessig auf E- /A Niveau. Davon selbstaendig Fehler zu beheben bin ich leider immer noch meilenweit entfernt. Eigene Fehler sehe ich manchmal, nicht immer...

Bei meinem ersten guten Lehrer habe ich ueberhaupt  gelernt, dass reiten mehr sein kann, als nur draufsitzen :-) Worte wie "Mittelpositur" und vernuenftiges Aussitzen waren absolutes Neuland fuer mich... In dieser Zeit bin ich hauptsaechlich ein Pferd geritten und war mehr als einmal ziemlich gefrustet, dass ich das auf einem anderen Pferd nicht einfach so umsetzen konnte.  Das letzte halbe Jahr bin ich dann eine junge Stute geritten, da waren die Prioritaeten nochmal anders gesetzt und es gab auch mehr Theorie, wieso wir das jetzt so machen. Auf meinem naechsten jungen Pferd musste ich leider feststellen, dass da wieder alles anders war. Und ich dementsprechend einfach wieder auf einen Profi angewiesen war, der die noetigen Erfahrungen hatte, um uns weiterzuhelfen.

Jetzt seit einem Jahr auf meinem ersten eigenen Pferd, mit einer meiner Meinung nach guten Rl, heisst es wieder andere Dinge auszuprobieren und anderere Prioritaeten zu setzen.
Meine Rl motiviert mich, gibt die Richtung vor, in die es gehen soll, entscheidet, wann neue Lektionen angefangen werden, fragt aber auch nach meinen Wuenschen. Sie verbessert auf der einen Seite staendig Kleinigkeiten, erklaert aber auch, woran ich insgesamt verstaerkt arbeiten muss (z.B. vorne noch weicher zu werden). Ab und zu setzt sie sich auf mein Pferd um auch von oben zu kontrollieren, dass alles in die richtige Richtung geht. Sie ist beim ersten Mal mit zum Turnier gekommen und hat uns beigestanden und sie hat mir z.B. vorgeschlagen, an einem Dressurlehrgang bei einer anderen RL in ihrem Stall teilzunehmen. Das alles macht sie fuer mich zu einer wirklcih guten RL. Und vor allem: Sie hat verdammt viel Spass an ihrer Arbeit mit uns und laesst uns das auch spueren!

Zitat
Dauernd lese ich das Wort Reitlehrer, an jeder Ecke gibt´s einen Trainer, und guuuuut sind sie auch. Warum sehe ich so wenig gute Reiter?

Weil eben jeder andere Ansprueche hat und nicht alle ein fein gerittenes Pferd als Ziel haben (Leider!)

Zitat
Warum fällt es mir so schwer, einen wirklich guten RL zu finden?

Das kann ich leider nicht beantworten. Ich fuerchte da hilft nur suchen und ausprobieren und nicht direkt nach zwei Stunden aufhoeren, wenn es nciht ganz hunderprozentig passt.

Zitat
Wenn es doch so viele gute Trainer und so viel guten Unterricht gibt, warum tummelt sich dann noch alles auf E oder A-Niveau herum?

Das sind denke ich auch die verschiedenen Ansprueche, haeufig fehlt die Kontinuitaet im Unterricht, u. A. auch durch Krankheit, Umzug, Geldmangel, Zeitmangel etc...

Zitat
Was unterrichten diese guten Lehrer?

siehe oben

Zitat
Warum ist man angewiesen auf jemanden, der einem sagt, „JETZT mußt Du dies und das tun“? 

Zumindest, wenn man auch mal das Pferd wechselt, was ich sehr gerne tue, indem ich andererleuts Pferde mitreite ist man auf den Erfahrungsschatz eines Profis angewiesen. Meinen koennte ich sicherlich eine Zeitlang auf unserem jetzigen Niveau halten, bis sich bei mir die kleinen Fehler einschleichen, die ich nicht bemerke und alles kaputt machen :-)

Zitat
Warum merkt/weiß man es nicht selber?

Vielleicht merkt man es mal, vielleicht weiss man auch, was man verbessern muss, aber ich persoenlich kann mich viel eher verbessern wenn mir von unten jemand I M M E R meine Fehler aufzeigt. Warum, das frage ich mich nicht, bin einfach froh, dass regelmaessig jemand mit ungetruebten Blick drueberguckt.

Zitat
Weil es einem nicht beigebracht wurde? Ist dannn der Unterricht echt so gut??
Zitat

Das hat meiner Meinung nach auch etwas mit Motivation und Selbstdisziplin zu tun. Und ja, wenn mir im Unterricht die Zusammenhaenge aufgezeigt werden ist der Unterricht gut, auch wenn ich sie nicht immer selbstaendig umsetzen kann.



Offline Jella

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #6 am: 04.01.06, 15:46 »
Aber man sollte doch gelernt haben, wie man ein verspanntes Pferd gelöst bekommt, wie man eine logische Ausbildung des Pferdes angeht, wie man seinen Körper unter Kontrolle bekommt, wie man Fehler erkennt und behebt.

WANN, bitte, sollte man das vollständig gelernt haben?

Gerlinde, wenn deine Frage sein sollte, wozu man einen RL braucht, kann ich dir nur empfehlem, dir einen guten, für dich passenden RL zu finden (und da kommst du nun mal nicht drum herum) und öfter mal Unterricht zu nehmen - du wirst dir deine Frage selber am allerbesten beantworten können.
Gruß vom Trensentöter!

Offline Sugar-for-Rick

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #7 am: 04.01.06, 16:01 »
Ich gehöre zu denen, die Jahr um Jahr fleissig in die Reitstunde gingen und dabei nie über das Anfänger-Niveau rauskamen.  :-\ (Ich war in verschiedenen Reitschulen.)
Weder wurde gelehrt, wie man z.B. im Einklang mit den Bewegungen des Pferdes ausgesessen trabt noch kümmerte sich je ein RL darum, mir beizubringen, wie man ein Pferd an den Zügel reitet. Den Jagdsitz im Galopp lernte ich z.B. auf die Weise, dass ich vom RL zusammengebrüllt wurde, ich würde das Pferd kaputt machen, obwohl er in den Dutzenden von Stunden vorher noch nie was von einem Jagdsitz erwähnt hatte.  :P
Aber da ich Schritt, Trab und Galopp (sogar einzeln) reiten konnte, dazu ein VHW und eine HHW, fand ich, dass ich ja jetzt reiten könne.  ::)
Als ich dann mit nota bene 14 Jahren "Reiterfahrung" mein erstes eigenes Pferd kaufte, kam ich auf die Welt. Auf diesem Pferd musste ich erst lernen, mich durchzusetzen. Und mit Hilfe von Büchern lernte ich sogar, wie man ausgesessen trabt (finde ich persönlich ein Schlüsselerlebnis). Einen RL fand ich in der Zeit nicht, denn wer wollte sich schon mit einem Freiberger abgeben.  ::)
Erst bei meinem jetzigen Pferd lernte ich, dass Reiten nichts mit roher Kraft zu tun hat. Ich brauchte noch einmal ca. 2 Jahre bis ich fähig war, es einigermassen ordentlich zu reiten. (Ich gebe zu, dass ich kein Talent bin, es braucht alles seine Zeit.  ;))
Und endlich habe ich eine RL gefunden, die wirklich auf mich und mein Pferd eingeht. Und nun machen wir auch sukzessive Fortschritte.  :D Ich gehöre übrigens auch zu denen, die gerne Hausaufgaben kriegt, die ich dann für mich üben kann. Und wenn wir es bei der nächsten Reitstunde dann besser können, spornt mich das weiter an.  ;)
Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.
(Charlie Chaplin)

Liebe Grüsse von Simone

Offline Presto

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #8 am: 04.01.06, 16:44 »
du musst auch bedenken das es Spitzenreiter gibt, die einfach nicht in Worte fassen können was sie fühlen, allein dort gehen viele gute RL's verloren. Dann gibt es Spitzenreiter die alles prima in Worte fassen könnten, aber gar nicht wollen das ihre Schüler weiter kommen - sie könnten ja am Ende besser werden  :o :o
uuund es gibt auch viele (leider) die selber nichts fühlen und reel nicht mehr reiten wie A-Niveau - was sollen die dann wem beibringen damit die vielleicht irgendwann L-Niveau reiten??
Ich mache gute Erfahrungen mit Kursen, weil die Reitlehrer die Leute dann befähigen müssen selbständig zu reiten da sie wieder wochenlang allein mit ihrem Pferd sind. Jemand der regelmäßig Unterricht nimmt (1-2 mal die Woche z.B.) soll ja gar nicht so selbständig werden weil dann kommt er nicht mehr so oft und zahlt auch nicht mehr so oft  ;) (ACHTUNG: gestichelt  ;D )
Aber es gibt auch vorbildliche Exemplare die ihre Schüler sogar mal zu wem anderen schicken und auch im regelmäßigen Unterricht die Schüler veruschen zu befähigen selbständig zu reiten :D Ich habe eine RL der ich immer e-Mails schicken kann mit meinen Problemen wenn ich nicht auf Kurs bin, sowas find ich perfekt *jubel*
Wichtig ist aber auch das man selbst alles hinterfragt - wenn ich keinen Punkt finde der mir an meinem Reitlehrer nicht gefällt - also gaaar nichts - find ich läuft schon was verkehrt und ich denk zuwenig selbst  ::)

Offline Thesi

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #9 am: 04.01.06, 17:05 »
Naja, ein Lehrer muss nicht unbedingt in der Praxis besser sein als der Schüler...

Ich hab einige Zeit Tanzen unterrichtet... und zwar auch Sachen, die ich selbst nicht perfekt gekonnt habe. Und genau die Sachen waren es oft, bei denen ich sofort alle Fehler gesehen habe... weil ich eine Ahnung hatte, was man falsch machen kann.  ;)

Und ein Reitlehrer, der täglich da ist (und bei dem mehrmals die Woche Unterricht nimmt oder zumindest nehmen könnte), hat auch seine Vorteile: er schaut jeden Tag, wenn er kommt und geht, nach unserem Pferd, wenn man mal nicht von der Arbeit wegkommt, reitet er (auch kurzfristig, wenn nötig) selbst, übernimmt auch mal einen Tierarzttermin, weil man selbst arbeiten ist...

Offline Patti

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #10 am: 04.01.06, 17:13 »
Nochmal, ich bin auch der Meinung, daß man sich immer wieder kontrollieren lassen muß. Die Gefahr, daß sich Fehler einschleichen und man ein falsches Gefühl entwickelt, ist einfach zu groß.
Aber man sollte doch gelernt haben, wie man ein verspanntes Pferd gelöst bekommt, wie man eine logische Ausbildung des Pferdes angeht, wie man seinen Körper unter Kontrolle bekommt, wie man Fehler erkennt und behebt.

Irgendwie stört es mich, daß hier so wenig selbständig geritten wird.
Daß man sich hinter der Aussage: „ich nehme guten Unterricht“ verstecken kann und sich dort ausruhen kann.
Und in zehn Jahren nimmt man immer noch guten Unterricht.........
Nur, wo ist man dann?
Endlich bei der Kunst oder nicht doch immer noch in der Grundausbildung??


Hallo Gerlinde -

die Krux an der ganzen Geschichte ist doch, dass das "Reiten lernen" ein ständiger Prozess ist. Es gibt da keinen Status ab dem man sagen kann: klick, jetzt kann ich reiten. Nicht umsonst gibt es doch diesen schönen Spruch: ein Menschenleben reicht nicht aus, das Reiten zu erlernen. (Frag mich nicht, von wem der ist).

Das hat unter anderem  mit dieser merkwürdigen Materie, die man beim Reiten so unter sich hat, zu tun - mit dem Lebewesen Pferd nämlich. Und wenn ich Pferd x gelöst und nett gearbeitet bekomme, heisst das noch lange lange lange nicht, dass mir das mit Pferd Y genauso gelingt. Das kann damit zu tun haben, das mir Pferd y aus irgendwelchen Gründen nicht so liegt, das ich den nicht so gut sitzen kann (schon hab ich irgendwo in der Folge ein Problem mit der richtigen Hilfengebung), das der mehr oder auch weniger Bein braucht, das der empfindlicher oder weniger empfindlich als Pferd x ist und so weiter und so fort.
Und da hilft mir mein Wissen mit Pferd x nicht so ohne weiteres weiter. Es reagiert ja nun schließlich auch nicht jedes Pferd gleich - hast du ja nun schließlich auch erlebt...Dann bin ich auf jemanden angewiesen, der vielleicht schon Pferd a bis Pferd z geritten hat und mir aus seinem Erfahrungsschatz Tips gibt, die ich anwenden kann.

Und zwar sollte er - als guter RL - die auch so anbringen, dass ich das nachvollziehen kann.
Ein Grund dafür, warum unter Umständen ein S-Reiter nicht unbedingt IMMER ein guter Ausbilder sein muss....

Was glaubst du denn, machen die sogenannten Spitzenreiter? Die reiten fast nie ohne Aufsicht, eben damit sich keine Fehler einschleichen. Fehler wieder "abzugewöhnen" ist mit das Schwierigste was es gibt.

Und von daher - ich reite gerne mit einem RL meines Vertrauens  ;)

LG
Patti

Offline Presto

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #11 am: 04.01.06, 17:17 »
Je öfter ich aber GEFÜHLT habe wie es sich richtig anfühlt umso seltener brauche ich einen Reitlehrer. Ein Herr Schmidt nimmt garantiert nicht einmal in der Woche Unterricht - ein Herr Schaudt z.B. nie!

Offline ringo

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #12 am: 04.01.06, 17:27 »
Hi,

komisch, und ich habe auf agrar im Gegenteil immer das Gefühl, das die meisten grösstenteils selbständig reiten, weil kein RL in der Nähe ist, der Gnade findet  ;D

Aber ich stimme Gerlinde zu, dass man nach einer Anzahl von Jahren doch in der Lage sein sollte, ein Pferd selbständig zumindest auf A/L Niveau zu reiten. Bei den meisten (wie bei mir) ist es sicher die mangelnde Disziplin, die einen RL notwendig macht. Ausserdem möchte man ja auch dazulernen, und so ganz ohne Begleitung... das halte ich für kaum machbar.

LG,
Sabine


Offline esge

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #13 am: 04.01.06, 18:00 »
Wofür ICH den Reitlehrer brauche (nach 25 Jahren Reiterei immer noch):

Erstens gibt es auch nach 25 Jahren Lektionen und Abläufe, die ich noch nie geritten oder zumindest noch nie einem Pferd beigebracht habe. Da brauche ich einen Lehrer, der mich Schritt für Schritt dorthin begleitet.
Zweitens und das ist das viel Wesentlichere: Während ich reite, fühle ich ja bestimmte Dinge unter mir. Von diesem Gefühlten mache ich mir ein Bild. Den Reitlehrer brauche ich dann damit er mir sagt, ob ich das richtige Bild habe. Über viele, viele Rückbestätigungen auf diese Art und Weise wird das Gefühl immer weiter geschult.

Reitlehrer sollten sehr viel Raum für Gefühlsschuluing lassen. Nur dann wird der Reiter in die Lage versetzt, auch ohne Lehrer zu erfolgreich zu arbeiten.

Ich selbst setze zum Beispiel dies gern im Unterricht ein:
Arbeitsanweisung an den Reiter: Trabe in verschiedenen Tempi große Bahnfiguren. Danach wählst du das Tempo, in dem sich dein Pferd deinem Gefühl nach am gelöstesten bewegt hat und sagst mir Bescheid.

eine solche Arbeitsanweisung macht Schüler selbstständig.

Würde ich hingegen immer nur sagen: Das ist zu schnell, nein, noch nicht, ah, jetzt ist es zu langsam, sooo ist es gut, ds ist das Tempo, in dem er am gelöstesten geht, würde der Schüler bis zum St. Nimmerleinstag von dieser Rückmeldung abhängig sein.

Mit dem richtigen Sitz ist es übrigens genauso.

Wir lernen im Grunde nur durch Ausprobieren. Ein Lehrer kann uns nur Wege des Ausprobierens aufzeigen und uns dann ein Feedback über den Erfolg oder Misserfolg geben. Alles andere liegt beim Schüler.
Wer als Schüler nicht ausprobiert, wird nicht lernen.

Insofern bleibts wohl eine traurige Tatsache, dass man erst ein paar Pferde vergurkt haben muss, ehe man allmählich reiten und schließlich auch ausbilden lernt.

An einem letzten Pferd habe ich sehr viel rumprobiert. ich hatte nur 2 bis 3 mal im Jahr Kursunterricht und war sonst auf mich allein gestellt.
Das Pferd war in vielem sicher nicht "reell" ausgebildet. Aber ich habe richtig viel gelernt! Na gut, die Wechsel hat er immer nachgesprungen und die Piaffen waren vorhandlastig, wenn üerhaupt so zu nennen. Seitengänge ging er fein, aber die Galopp-trab-Übergänge waren eine Katastrophe.

Wenn ich jetzt das gleiche allmählich wieder mit meinem Youngster und diesemal unter Aufsicht reite, wird mir vieles klar. Aber es wird mir nur deshalb so schnell und deutlcih klar, weil ich es schon mal auf eigene Faust versucht habe. Versuch macht kluch.

Es ist aber eine Frage des eigenen Temperaments, ob man bereit ist, ein Pferd dafür mittelmäßig zu vergurken. Allerdings stehe ich immer noch auf dem Standpunkt, dass ich Fehler, die ich selbst ins Pferd reingeritten habe anschließend viel leichter wieder ausbügeln kann als hätte sie ein fremdreiter reingeritten.

Der beste Lehrer für mich und mein jetziges Pferd war jedenfalls ein voriges Pferd! Aber ich bin höchst dankbar, DIESES Pferd jetzt unter den Fittichen einer wunderbaren Reitlehrerin ausbilden zu dürfen.
Freundschaft fließt aus vielen Quellen - am reinsten aber aus dem Respekt. (Daniel Defoe)

Offline Presto

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Re: Der Reitlehrer ?
« Antwort #14 am: 04.01.06, 18:06 »
Reitlehrer sollten sehr viel Raum für Gefühlsschuluing lassen. Nur dann wird der Reiter in die Lage versetzt, auch ohne Lehrer zu erfolgreich zu arbeiten.

Genau!!  :D