Autor Thema: Mit zunehmendem Alter Angst  (Gelesen 69501 mal)

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Offline kasimir

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #30 am: 08.11.05, 08:03 »
Hi, habe erst spät mitte Dreißig mit dem Reiten angefangen (als 16 jährige mal zwei Jahre in einem Stall rumgehoppelt, war aber wohl kein reiten  ::))Zuerst hatte ich mächtig Respekt vor Pferden allgemein, habe mich intensiv 2 Jahre gefürchtet und wollte das Reiten schon aufgeben, da habe ich in unserer SB die für mich perfekte RL gefunden. Nach weiteren 2 Jahren habe ich mich so sicher gefühlt, dass ich angefangen hatte, kleine Stücke alleine auszureiten (zwschenzeitlich hatte ich ihn gekauft). Leider mußte ich meinen Dicken einschläfern lassen. Danach bekam ich ein Trabertier (ich wußte damals nicht, dass Traber zwar wie Pferde aussehen, aber irgendwie anders sind ;)), an den ich ohne Vorurteile und Angst ranging. Leider hat er so nach und nach ein paar Sachen blicken lassen (wir gehen im Gelände gerne mal durch), dass ich zunächst (nur) vorsichtig wurde. Irgendwann hat er mich bei so einer Aktion im Gelände abgesetzt und aus der Vorsicht wurde leichte Angst. Dann aber steigerte sich das Ganze, indem er mir bei jedem Ausritt mal kurz abgehauen ist, dann hatte er sich bei einem Spaziergang so aufgespult, dass ich loslassen musste und das Vieh ist alleine nach Hause (zum Glück keine Straße in der Nähe). Eine Woche später ist er mir auf dem Reitplatz durchgegangen und ich dachte, dass ich das nicht überlebe. Danach hatte ich solche Angst, dass ich ihn nicht mal mehr anfassen wollte. Wäre ein Pferdemetzger vorbeigekommen, ich hätte noch dazu gezahlt. Zum Glück habe ich eine sehr kompetente SB, die versucht hat, eine Erklärung für diese Steigerung zu finden. Haben wir dann auch, Traberli hatte mehrere Magengeschwüre, und seine Schmerzgrenze liegt nun mal leider im Minusbereich. Nachdem wir die Magengeschwüre behandelt, meinen kleinen Irren in den Offenstall umgestellt hatten, wurde er zusehends ruhiger. Ich bin zwar ein paar Monate nicht geritten und habe dann erst mal auf dem zuverlässigsten Pferd der Welt (von der SB) wieder angefangen. Mittlerweile habe ich schon wieder meinen ersten klitzekleinen Ausritt hinter mir und sogar eine RB für meinen Kleinen gefunden. Ganz sind wir noch nicht eins, aber er ist erst 10, hoffe wir haben noch mind. 15 Jahre Zeit, uns zu finden  ;D.
Übrigens der Unterschied von Jung zu Alt wurde mir letztens mal wieder sehr deutlich: ein Kind denkt beim Fallen, manno, wie komme ich wieder rauf? Ein Erwachsener denkt: manno, ich muß wieder rauf  8)

Beni

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #31 am: 08.11.05, 08:21 »
Guten Morgen, all ihr Angsthasen!!!
Wenn ihr nur alle wüßtet, wie ich mich freue, daß es anscheinend sehr viele Seelenverwandte gibt. Allein die Tatsache, zu wissen, ich bin nicht unnormal und unbrauchbar fürs Reiten, sondern es geht anderen auch genau so, gibt schon Motivation und wirklich, wirklich Selbstvertrauen. Den Beitrag von Marie mit dem Schlußwort von Petig werde ich mir wohl ausgedruckt in die Tasche meiner Reithose stecken... Und mit Moggalla, Zaino und Dominachen müßte ich echt ne`Selbshilfegruppe gründen, die Sitzungen finden allerdings nur mit kompletten Sicherheitsequipment a `la Gerlinde unter deren Leitung statt....

Wer gestern mitgelesen hat, weiß, daß ich mich von euren Beiträgen glatt beeinflussen lassen habe und schweren Herzens zum Führtraining losgestiefelt bin. Interessiert jemanden das Ergebnis? Wenn nicht, ich schreibs trotzdem:
Also schwer bewaffnet mit Trense, Halfter, Longe,
Handschuhen, Sicherheitsstiefeln und 1kg Leckerli ab auf die Koppel, habe meinem Youngster eine Bestechung ins Ohr geflüstert und bin auf dem Feldweg los. Obwohl ich dem Rest der Herde eindeutig gesagt habe, daß sie sich benehmen sollen, haben sie alle in der Koppel den absoluten Max gemacht, sind herumgetobt wie irre und haben am Zaun meinem Kleinen hinterhergeschrien, daß die Heide wackelt. Und nun kommts: das hat ihn nicht interessiert. Außer mal nach hinten schauen hat er absolut nichts gemacht. Er ist eine halbe Stunde neben mir hergedackelt, hat sich mit großen Augen die Welt angeschaut, hier und da mal geschnuppert oder zum Staunen angehalten. Nicht mal auf dem Nachhauseweg ist er schneller geworden. Nicht mal angetrabt ist er. Und das, obwohl sich die anderen Pferde aufgeführt haben, als ob sie sofort von ihm gerettet werden müßten.
Als wir wieder zu Hause waren, habe ich mich vor meinem eigenen Pferd ein bißchen geschämt, daß ich ihm sowas gar nicht zugetraut hatte...
So mache ich jetzt weiter. Wenn er irgendwann mal komplett gesattelt und getrenst auf dem Platz und in weiter Flur zufrieden an der Hand mit mir geht, ist das Reiten vielleicht wirklich nur eine kleine Ergänzung noch. Ich hoffe es...
So liebe Leute, dies war mein Roman am Morgen. Und all ihr Angsthasen ran! - Erlebnisbericht oder Erfahrungen aufschreiben, das kann solch Mimosen wie mir echt helfen. Danke!!!

Kurzer Nachtrag nach dem Lesen von Moggalllas Beitrag: Als ich merkte wir ruhig mein kleiner (1,68 Stock) ist, hats mir dann auch Spaß gemacht und ich freue mich eigentlich schon auf heute nachmittag!
« Letzte Änderung: 08.11.05, 08:40 von Beni »

Offline McFlower

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #32 am: 08.11.05, 08:54 »
Guten Morgen,

tolle Box, ich hab gestern schon immer mitgelesen - hatte aber keine Zeit zum Schreiben.

Ich gehöre auch zum Club "Ängstlich mit Jungpferd", möchte aber einen neuen Aspekt einbringen.  ;) Ich habe schon als Jugendliche (mit 13) angefangen zu reiten, bei mir ist es aber definitiv so, dass ich schon als Jugendliche zur Angst geneigt habe. Eine Sturm- und Drangzeit, in der ich unbekümmert auf ungesattelten, bockenden Pferden durch den Wald gebrezelt bin, gab es bei mir nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu spät angefangen habe, vielleicht auch daran, dass ich nicht irgendwo ungezwungen auf Ponys angefangen habe, sondern in einer Reitschule auf Schulpferden. Ich kann mich dran erinnern, dass ich Angst hatte vorm ersten Abteilungsgalopp, vorm Reiten ohne Bügel, vorm Reiten auf dem Außenplatz (die Schulis sind 90% des Jahres in der Halle gelaufen), vorm ersten Ausritt, vorm ersten Sprung, einfach vor allem, was neu war.

Glücklicherweise war das niemals eine lähmende Angst - sondern immer nur ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Ich bin ein Angsthase. Okay. Aber trotzdem springe ich, reite Turniere, bin Jagden geritten und feste Hindernisse gesprungen. Dazu muss ich gelegentlich mal über meinen Schatten springen. Wenn ich das nicht tun würde, würden meine Pferde von morgens bis abends auf der Wiese stehen. Vielleicht ist es typabhängig, aber ich setze mich schon gelegentlich selbst unter Druck und kann auch nichts schlimmes daran finden, so lange der Druck nicht zu groß wird. So lange ich an 90% der Tage aus tiefstem Herzen gerne zum Stall fahre und an 90% der Tage zufrieden wieder nach Hause fahre, ist alles in Ordnung. Fahre ich schon mit Magendrücken zum Stall, stimmt was nicht und ich muss einen Gang zurückschalten.

Meine "alte" Stute (17-jährig) habe ich seit 10 Jahren. Auf ihr sitze ich zu 99% angstfrei. Lediglich beim Springen oder bei Extremsituationen im Gelände wird es mir manchmal mulmig. Aber ich habe auch noch ein 2 1/2 jähriges Nachwuchspferd und bin mir noch nicht sicher, ob ich mich aufs Anreiten freue oder ob mir nicht jetzt schon schlecht werden soll.

Ich werde das mit dem Anreiten selber probieren. Meine RL wird mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und sich bei Bedarf auch mal selbst draufsetzen. Falls es nicht klappen sollte und ich Angst bekomme, dann hoffe ich, dass ich frühzeitig die Kurve kriege und mir helfen lasse, indem ich erstmal jemand anderen reiten lasse. Im Moment bin ich da ganz optimistisch, die Kleine ist bisher vom Boden aus gut handhabbar, hat Sattel und Trense klaglos angenommen und neigt überhaupt nicht zur Hysterie. Letztens hat sie angebunden auf der Stallgasse den dort stehenden Mülleimer umgeworfen und nur interessiert ihren Hals verrenkt, um zu schauen, was da alles zwischen ihren Hufen rumkugelt...
Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird. (Gimli - Die Gefährten)

Offline zaino

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #33 am: 08.11.05, 09:46 »
Beni- super! *freu*  :D
Klar kann das an einem anderen Tag auch mal anders aussehen. Also war Deine Sicherheits-Ausrüstung auf alle Fälle richtig am Platze (noch ein Tip, nimm einen langen Strick, 3-4 m, KEINE Longe! die gibt Dir zwar vordergründig die Illusion dass Du Zeit zum Nachfassen hättest, in fact aber hätte der "Kleine" 8-11 m ANLAUF und Du keinen Treibanker dabei! Erst wenn alles "sitzt" kannst Du mit Longe u. Kappzaum zum Jagdvortraining zu FUss losziehen und über Gräben hoppsen anfangen mit ihm :D).
Mit meinem Knilch hab ich oft so gelacht draussen, wie er höchst skeptisch überlegt u. getestet hat ob wir jetzt wirklich da hingehen wo ich hingehe oder nicht... ok, na GUT... oder um mich rumgehampelt wie ein irrer u. mich gezwickt u. geschubst! weil ichs gewagt habe mit einem Bauern am Weg zu plauschen!!!! Kaum waren wir 3 m weiter und wieder alleine, schlurchte er entspannt hinter mir hier. NIx da mit fremden Männern reden!  ;D

Offline Viki

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #34 am: 08.11.05, 10:09 »
Das mit dem langen Strick würd ich auch empfehlen - ich hab so einen 4m-Strick, schwer und mit schwerem Karabiner - der ist fürs Spazierengehen ideal. Man hat Luft bei Hüpfmanövern, später kann man mal über eine Wasserlache longieren, ohne gerempelt zu werden, bei Fresspausen (falls erwünscht) kann man sich irgendwo hinsetzen...

Und was zum "Pferd merkt Angst" - sicher merken sie es irgendwann irgendwie. Ich kann trotzdem nicht immer absteigen, wenn ein leiser Anflug von "oweh.." hochsteigt, sonst wär ich nur noch zu Fuß unterwegs. Bei meinem Wallach hilft es beiden, energisch zu werden - "Spinn dich aus!" z.B. und vorwärts. Jedenfalls nicht säuseln (wie ichs früher gemacht hab). Wenn er wirklich panisch wird (man merkts am Hals  8)), dann spreche ich ganz normal mit ihm "Ich hab den Bauern auch gesehen".

Kasimir: Ich hab meinen auch auslassen müssen, ziemlich am Anfang. Wenn eine Pferd heimrasen WILL, hast du keine Chance. Das war alles andere als witzig - es hätten Kinderwägen auf der Straße sein können, Autos etc. Es waren nur 200m vom Stall weg und die waren ihm definitiv zu viel. Ich bin dann monatelang gar nicht mehr raus mit ihm. Er hatte sowas wie Platzangst (teilweise heute immer noch) - der weite Raum, die Koppelzäune fehlen...sowas hab ich noch nie erlebt und ich wäre ihn im ersten Jahr gern wieder losgeworden, aber wer nimmt so ein Pferd, noch dazu Haflinger  ::).
Bei Pferden, die immer schlimmer/schneller werden, lohnt es sich auch, die Hand zu überprüfen. Mein Wallach wurde anfangs immer schneller, wenn ich zu fest wurde in der Hand. Heute noch legt er sich drauf und fängt an, zu pullen, wenn ich nicht sauber immer wieder nachgebe...

Beni: Was ich wichtig finde: Wenn es gut geht mit Spazierengehen, lass dich nicht einlullen in Richtung "nur locker rumlatschen". Ein junges Pferd wird irgendwann, auch wenn es sonst cool ist, austesten, ob da noch jemand dranhängt am Strick. Also würd ich von Anfang an ohne Druck, aber konsequent kleine Übungen einbauen (Halt, Wenden, Antraben etc.). Dann ist er beschäftigt und nimmt das Ganze ernst. Da hab ich anfangs Fehler gemacht.

Beni

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #35 am: 08.11.05, 10:22 »
okay, okay  sofort losrenne und Strick kaufe...... schnell noch Schokoriegel essen - für Kondition zum Trab-Führen.....Bin leider eher Typ Strichmännchen, habe so eh keinen Anker....

Offline Viki

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #36 am: 08.11.05, 10:26 »
Beni, die gibts jetzt auch bei Krämer / Loesdau, weiß aber nicht, ob die Qualität passt...steht unter 4m-Leine, glaub ich.

Offline zaino

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #37 am: 08.11.05, 10:44 »
Immer wieder andere Wege gehen. Ruhig auch mal durch
- gepflügten Acker stiefeln lassen
- Böschungen klettern lassen
- in den Wald gehen, um Bäume herum, durch Astverhau (hier sind Gamaschen nicht übel - das Zeug ist tricky sollte aber letztlich kein Hindernis sein!)
- Fress-Erlaubnis installieren per Kommando wäre was feines, hab ich leider nicht konsequent gemacht, aber funzt halbwegs. So kannst Du Päuschen = Belohnung verbinden. Woanders schmeckts immer besser und GANZ anders und würzt das Projekt Gassigehen extra  :D.
- Steile Hänge obiklettern - da lernen wir die Hinterpfoten druntersetzen u. auf Muttern warten statt runterdübeln. Ganz langsam vorsichtig sowas erledigen ist anstrengend und lehrreich!
- über Bäche u. durch Pfützen gehen.
- bei uns wars mal ein Thema von hellem altem auf neuen fast schwarzen Asphalt zu wechseln. Ich musste erst draufstampfen u. auf- u. abhüpfen, bis Monsieur elegant ein vorderhüfchen hob u. mit der Spitze zimperlich dran kratzte! Hab mich vor Lachen weggeschmissen! -  bevor er drauftrat u. mir folgte! (wie sagte noch sein Landsman Lenin: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ;D))

Ach ja, u. wenn die im Wachsen sind, sind sie an manchen Tagen total lasch u. stolpern - keine Panik. Kreislauf!!!! An anderen Tagen machen sie den Affen u. tanzen um einen rum wie blöd.
Eine Gerte dabeihaben ist kein Schaden! Man kann sie vorn quer halten als geistige Bremshilfe u. bei sinnlosen Kreiselaktionen u. Albernheiten einen ernüchternden Klaps auf den Schinken mitgeben.



GerlindeK

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #38 am: 08.11.05, 11:23 »
Die letzten Tipps von Zaino sind gut.
Es ist nämlich blöd, wenn ein mittlerweile 5,5 jähriger H. bei Matsche (im Gelände) denkt: "Huch, die Welt unter mir verschwindet" und sich mit Luftsprüngen zu retten versucht..................... ::)

Offline zaino

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #39 am: 08.11.05, 11:34 »
Vorsicht und Vernunft.
Wenn ich mal wieder lese was Moggala da beschreibt und vergleiche mit Anreitversuchen von anderen "Profis"
- 1 bei uns war ein Nervenbündel nachdem ein tougher Reitlehrer vom nachbarstall den mit Tranquilizer angeritten hatte ....  ??? "Das mach ich immer so, ist viel ungefährlicher" - klar, spart Zeit u. vor allem kann das Pferd sich nicht selber mit der Situation auseinandersetzen, ne?
- jg. Stute, die völlig krampft, und keinen Schritt unterm Reiter geht, gleich mit SChlaufis... reagiert nicht auf Gertenhiebe, nur auf Anführen. Natürlich ist sie irgendwann explodiert... äh, und warum zum Kuckuck FÜHRT man sie dann nicht mal 'ne Woche lang je 5 min mit Reiter, und gut isses? "Keine Zeit"... ???? HALLO?

Man lese mal "Die Klassische Reitkunst" vom ollen Podhajsky (sorry wenn ich langweile, ist aber nunmal ein umfassendes Lieblingsbuch von mir) wie viel Zeit investiert wird um einen jungen Lippi allein an die Ausrüstung zu gewöhnen bevor man überhaupt mit ihm arbeiten anfängt - dafür kann man dann mit einem entspannten coolen Jungpferd grad effizient das richtige Arbeiten anfangen. Oder anfangen lassen von einem der besser sitzt.
Die sind da ja nicht blöd... vor allem las ich da erstmal die Devise: KÄmpfe vermeiden, Stürze vermeiden, u. v. a. vermeiden dass das Pferd die Folgen seiner Kraft zu schnell in Erfahrung bringt. Das hat nix mit Müde-machen zu tun, sondern damit, einfach jeden Gedanken an Widerstand aus Angst! gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nur ein ängstliches unsicheres Pferd ist letztlich gefährlich u. unberechenbar!

Hab mir immer gesagt, ich bin ein Angsthas, und was mir an reiterlicher Technik fehlt, muss ich halt versuchen, durch DENKEN auszugleichen.
Dem knapp 2jährigen mal die Jacke übern Rücken legen ging ok. Überall anfassen beim Putzen - auch ok. Mal an einem Gebiss rumschnullen lassen, mit was Leckerem verbunden - why not? Mal einen Longiergurt ummachen - der drehte sich um u. zog die Schnalle gezielt auf u. grinste mich an.  ;D Aber nix Krampfen, nix hochtreten von hinten, nix buckeln. NIE! WOZU auch? Vertrauen aufbauen in kleinen Schritten, das zahlt sich gegenseitig aus.
Angstwelle? SAgichdoch, immer nur knapp bis an die Grenze gehen in kleinen bedachtsamen SChritten!

Das was Moggala beschreibt, sorry, das sind Leute die meinen sie könnten reiten, können sie vielleicht auch, rein technisch, besser als meinereiner, aber die habens halt leider auch nur im A*** und nicht im Kopf.
Dafür sind dann Grips u. (zu viel) Phantasie wieder gut und sehr nützlich! Allerdings gibts da nicht so oft so spektakuläre Rodeos....  ::)

Offline Petig2002

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #40 am: 08.11.05, 12:42 »
@ Mogalla
Warum tun sich solche Leute das an, immer wieder? Sie zittern fast die kompletten 45 Minuten Reitstunde, lernen kaum etwas, weil der Reitlehrer nur damit beschäftigt ist, diese Leute trotz totaler Verkampfung irgendwie zum Sitzen zu kriegen und das teilweise über JAHRE. Ich weiß ja nicht, ob du schonmal ernsthaft in der Situation warst: Aufhören oder nicht? Und das einzig und allein wegen Angst. Es ist so leicht zu sagen: "Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht." Aber das durchsetzen?? Wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt und so ist es auch. Wer einmal voller Panik aufs Pferd ist und nach der Stunde zufrieden strahlend absteigt, weil er es GESCHAFFT hat, weil er den Mut aufgebracht hat und einen Mikromillimeter weiter ist, der weiß wovon ich rede. Das Gefühl ist nicht zu beschreiben. Angstreiter haben es schwerer als andere, haben mehr Stress beim Hobby ( was ja nicht so sein sollte ) und sie gehen einen steinigeren Weg des Reitenlernens, aber sie haben den Mutigen eins voraus: Sie kennen das Gefühl des "Ich schaffe es irgendwie", "Ich halte durch" und kennen diese unglaubliche Dankbarkeit einem wirklich zuverlässigen Pferd gegenüber. Klar, wenn plötzlich die Schenkelweichen gut klappen, von mir aus auch die Galoppwechsel, das ist GLÜCK, Zufriedenheit und Stolz, auch für einen mutigen Reiter, das kommt aber dem Gefühl nicht gleich, dass ein Angstreiter hat wenn er nach einem entspannten Ausritt nach Hause kommt, sein Pony absattelt, ihm nochmal dankbar über die Nase streicht und mit dem Gedanken nach Hause geht: "Jawoll, davon zehre ich die nächsten drei Tage, ich schaffe es, ich mache weiter."
Klar gibt es auch Rückschläge, die einen ausgesprochen hart treffen. Man merkt, dass man so nicht weiterkommt, hatte vielleicht wieder einen Sturz, eine brenzliche Situation, fragt sich mal wieder: "Warum das alles????", wechselt vielleicht Stall oder Pferd, ist hoffnungslos..... doch irgendwann kommen wieder diese tollen Momente, die durch nichts zu ersetzen sind, die das Reiten erst richtig wundervoll machen. Lange Rede, kurzer Sinn  ;D: Reiten ist für mich nicht nur ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung. Ich kann mein Fahrrad verkaufen, ich kann aufs Joggen verzichten und eventuell sogar das Badmintonspielen gegen ein anderes Hobby tauschen, aber das Reiten? Das ist mein Leben, auch wenn ich es mir nicht ausgesucht habe.

Offline zaino

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #41 am: 08.11.05, 13:13 »
Das hast Du wunderschön & treffend formuliert, Petig! Danke!  :D

GerlindeK

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #42 am: 08.11.05, 13:52 »
Ein seeeeehr schöner Beitrag von Petig!
Und ich oute mich mal:
So toll es im Viereck dressurmäßig klappt, ................springen oder auch nur leichter Sitz? ::)
Und letztens, einfach so, hab ich die Bügel doch tatsächlich kürzer geschnallt und raus mit dem Po aus´m Sattel, juuuuuu, erst zaaaaghaft und dann karamba. Und? Bin immer noch heile.
Und das, obwohl ich früher als "die Wilde" galt, bis L mit Pony gesprungen war und kein Galopp schnell genug sein konnte.
Jep, nu freu ich mich über meinen leichten Sitz auf H.  ;D:-\

Offline kasimir

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #43 am: 08.11.05, 19:14 »
Zitat
Wer einmal voller Panik aufs Pferd ist und nach der Stunde zufrieden strahlend absteigt, weil er es GESCHAFFT hat, weil er den Mut aufgebracht hat und einen Mikromillimeter weiter ist, der weiß wovon ich rede.

Jep, dat isses. Ich denke immer ganz bewußt an die letzten Monate und freu mich wie ein Kleinkind, wenn ich fest stelle, dass ich schon wieder ein Stück Weg geschafft habe. Außerdem lasse ich mich nicht mehr von Anderen unter Druck setzten (galloppier doch, er ist ja sooooooooooo lieb und heute tut er doch gar nix). Kann jeder von mir denken was er will, ich sitze drauf und nur ich kann entscheiden, ob ich heute einen Schritt weiter gehe, oder lieber Bekanntes festige. Mal machen wie mehr mal nicht. Gibt auch Tage, da reite ich nur 20 Minuten im Schritt übe mein Hotti im Gleichgewicht und in den Biegungen und steige hochzufrieden wieder ab. Will eh zu keinem Tunier, nur ein kontrollierbares Pferd, welches mir vertraut. :) Habe letzte Woche meinen ex Paniker nur durch Körpersprache auf die Plane gestellt und in Schritt und Trab rüber geschickt. War ihm nicht angenehm, aber er hat mir vertraut und sein Herz in die Hufe genommen. ;D Wäre vor einem Jahr absolut undenkbar gewesen.

Offline Biggi77

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Re: Mit zunehmendem Alter Angst
« Antwort #44 am: 10.11.05, 17:14 »
So! Ich oute mich hier auch mal in diesen Thread rein... Ich bin ein Riiiiisenschisser!!! Und ich bin erst 28! Oh je! Früher so mit 14 - 19, da bin ich alles geritten, was vier Beine und Fell hatte, und ich habe sicher sehr viel gelernt, auch meinen Sturz mit und unters Pferd mit mega Gehirnerschütterung und 9 Stunden Blackout bis heute mit 16 habe ich irgendwie ganz gut weggesteckt, aber jetzt? Ich würde heute mein Großes Reitabzeichen nicht mehr schaffen, weil da ein A-Parcours drin ist und ich kann das eigentlich ganz gut.

Aber Gelände, mehr als die altbekannt 15 min Runde um den Stall im Schritt bereitet mir echt jedesmal aufs neue Bauhschmerzen und wenn Pferdie dann tatsächlich mal losgeht und rennt und bockt ojeojeoje...

Klar, Reiten ist schon potentiell gefährlich, aber lassen will ichs ja auch nicht. Und ich würde echt gerne mal wieder richtig entspannt im Gelände rumflitzen oder auch mal n E-Parcürchen oder ne 80er Hunterklasse reiten.

Was kann ich tun??