Autor Thema: Typische Bäuerin?  (Gelesen 38606 mal)

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Offline DoroTopic starter

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Typische Bäuerin?
« am: 13.07.05, 07:08 »
Hallo,

wir hatten gestern abend bei einer Familienfeier eine Diskussion: Wie oder was ist eine ,,typische Bäuerin"?

Wie ist das für Euch? Gibt es sie überhaupt?

Mir wurde gesagt, ich sei keine typische! ;D Kann ich aber gut damit leben. ;)
Es grüßt Doro

,,Leben ist nicht genug", sagte der Schmetterling. ,,Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man haben".

Offline gundi

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #1 am: 13.07.05, 08:02 »
Hallo!

Ich muß sagen das "typisch" Bauern-bzw. Bäuerin hab ich schon des öfteren im negativen Sinn erlebt. Ich kann aber schwer sagen woran man eine typische Bäuerin erkennen kann/soll :-\ Im Moment fällt mir zumindest nichts ein.

lg gundi
Es ist kein Herr so hoch im Land, der nicht lebt vom Bauernstand!

Offline Luxia

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #2 am: 13.07.05, 08:50 »
Hallo,

Zu typischer Bäuerin fällt mir ein:
- nicht so materiell orientierte Weltanschauung, wie bei vielen anderen Bevölkerungsschichten
- traditionnelle Werte und Traditionen spielen noch eine grosse Rolle, ohne altmodisch zu sein
- lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, da stresserprobt

Liebe Grüsse

Offline Margret

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #3 am: 13.07.05, 09:01 »
 Guten Morgen  Luxia,

das ist schön,  dass du so positive Dinge genannt hast !

Mir ist das neulich auch aufgefallen,  als ich mit meinem Teilzeit-Helfer im Weinberg war  (der übrigens seit einigen Jahren arbeitslos ist in seinem Beruf !):
dass nichtlandw. Leute  viel schneller dabei sind,  Dinge (Arbeitsfelder)  abzusägen,  die (mal) nicht lukrativ sind.

Da scheinen die Bäuerinnen und Bauern  etwas länger zu brauchen /  ein etwas breiteres Kreuz zu haben  /  bzw.  einfach in längeren Bahnen zu denken oder auch durch die Natur gewohnt zu sein,  dass es  Höhen und Tiefen gibt.

Ganz klar  kann sich dieses  "Festhalten" natürlich auch hemmend auswiken,  wenn man den Absprung / das Denken  ganz vergisst,  aber das möchte ich keinem unterstellen.

Zurück zu Doros Frage:
ich bin sicher,  dass die Bäuerinnen  doch deutlich allseits-belastbarer  und fitter und vielschichtig bewanderter  und selbständiger  sind   als die durchschnittliche  Normalfrau !  Das ist für mich die heutige typische Bäuerin.

Margret

Offline mary

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #4 am: 13.07.05, 09:32 »
Hallo Doro,
ich kann dir die Frage leider auch nicht beantworten,
aber Luxias Gedanken kann ich voll unterstützen.
Wir haben vielleicht mehr Bodenhaftung, fallen nicht so tief, müssen lernen, oftmals ohnmächtig zuzuschauen, dass Können und Wissen alleine nicht ausreicht.
Typisch Bäuerin, das wird es gar nicht geben, genau wie es den typischen Beamten, Lehrer nicht gibt.

Mir fällt auf, dass Bäuerinnen sehr wissbegierig, aufgeschlossen und unheimlich kreativ sind,
kein enggefasstes Expertenwissen alleine haben, sondern einen klaren gesunden Hausverstand, es gibt einen Spruch, klare Gedanken, bewirken klare Worte, klare Worte bewirken klare Taten.
Ausserdem fällt mir an den um mich lebenden Bäuerinnen noch etwas auf, sie sind der soziale Kitt, verkörpern das Weibliche - zum Gegensatz des Männlichen, auf vielen Höfen kommt dadurch eine gute Symbiose heraus.
Wenn ich keine Bäuerin wäre, dann könnte ich jetzt ohne Selbstlob :-)) dieser Berufsgruppe meine Hochachtung aussprechen-
so gilt es für meine Berufskolleginnen.
Herzliche Grüsse
maria

Offline Sonnenblume2

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #5 am: 13.07.05, 09:53 »
Typisch Bauer/Bäuerin - darf keine Motorradkleidung tragen -> Bei einer Firma mit Landmaschinen und Zubehör wurden mein Freund und ich als "nicht Bauer und Bäuerin" angesehen und sofort abgehackt, weil wir mit unserer Motorradbekleidung dort Informationen zu gewissen Maschinen haben wollten!
Also: eine typische Bäuerin darf nur "normale" Kleidung tragen oder Trachtiges

Offline Mirjam

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #6 am: 13.07.05, 16:47 »

Hallo,

eine typische Bäuerin hat eine hauswirtschaftliche Ausbildung und ist bei den Landfrauen/engagiert/singt dort und trägt bei Auftritten Tracht.

So wie die 7 bayerischen Landesbäuerinnen  ;)

und ihr Hobby ist der Garten

@ Sonnenblume: Weißt was noch schlimmer ist als Motorradkleidung? Reitkleidung oder studiert haben  8)


Mirjam

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SHierling

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #7 am: 13.07.05, 17:20 »
Zitat
Also: eine typische Bäuerin darf nur "normale" Kleidung tragen oder Trachtiges

Hmmmm..........seid ihr sicher, daß ihr da nicht _etwas_ ortsgebunden urteilt?
Wenn HIER jemand in Tracht in den Landmaschinenhaldel käme, der würde sofort zu 100% als Tourist abgestempelt. (Oder  als Karnevalsleiche  :D )

Grüße
Brigitta

Offline Mirjam

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #8 am: 13.07.05, 18:00 »


Hallo,

im LF und in der osteurop-Frauen-Box war da mal angesprochen und paßt glaub ich ganz gut in diese Diskussion:

Bietet das aktuelle Bild über die "Bäuerin" in der Gesellschaft genug Identifikationspotential für Frauen aus der Nicht-Landwirtschaft oder schreckt es eher "ab"?

Friseurinnen haben ja z.B auch nicht den tollsten Verdienst und "Aufstiegschancen" - denoch kenne ich kaum eine Frau die sagt: Ich will "Bäuerin" werden! als Berufswunsch.

Welcher "Bilder" möchten wir als "Leitfiguren" haben, mit denen wir uns identifizieren können?

Könnt ihr euch mit den Landesbäuerinnen/Berufsvertreter/innen eurer Landfrauen/Bauernverbände identifizieren?

Ich kanns nicht  :-\ - bis auf Fr. Mortler die nun im Bundestag ist, aber die ist ja schon länger keine "Bäuerin" mehr im Sinn von Stallarbeit, jeden Tag am Hof usw.

viele Grüsse

Mirjam
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Offline Mirjam

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #9 am: 13.07.05, 18:06 »


ach, zur Erinnerung - ein kleiner Beitrag aus den Texten der "Agrarsozialen Gesellschaft":

" (..) Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Frauen in Haupterwerbsbetrieben liegt mit 63 Stunden höher als die der Frauen in Nebenerwerbsbetrieben mit 57 Stunden (s. Tabelle 1).

Saisonale Schwankungen hinsichtlich der Arbeitszeiten lassen sich in den vier großen Arbeitsbereichen der Frauen – Hauswirtschaft, Landwirtschaft, landwirtschaftliche Nebenbetriebe und außerbetriebliche Tätigkeiten – kaum feststellen.

Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben leisten nach wie vor den größten Anteil ihrer Arbeitszeit in
--> unbezahlten Tätigkeitsbereichen.

Die Hälfte ihrer Arbeitszeit (32 Stunden) dient der Lebensqualität ihrer Familien. Dazu gehören im Haushalt neben den hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, der Kindererziehung und -betreuung auch die Versorgung kranker und alter Menschen sowie die Arbeit im Nutz- und Ziergarten.

Die Arbeit im Haushalt erledigen Frauen überwiegend allein (in Haupterwerbsbetrieben zu 81 % und in Nebenerwerbsbetrieben zu 86 % von allen Personen). Auch bei einer außerbetrieblichen Erwerbstätigkeit oder der Verantwortlichkeit für einen landwirtschaftlichen Nebenbetrieb steigern die Partner ihren Arbeitseinsatz im Haushalt ---> nur unwesentlich. (..)

Hohe schulische und berufliche Qualifikation
Im Vergleich zur weiblichen Gesamtbevölkerung Deutschlands besitzen die Frauen von landwirtschaftlichen Betrieben eine höhere schulische und berufliche Qualifikation.

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Offline mary

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #10 am: 13.07.05, 19:19 »
Hallo Mirjam,
schon wieder eine Studie,
die zeigen soll, wie schlecht es den Bäuerinnen geht.
Bei uns gibt es eine ganz klare Regelung,
jeder leistet an seinem Platz, nach seinen Fähigkeiten, sein Bestes und das finanzielle Ergebnis wird geteilt.
Ob ich im Stall die Kühe melke, mit dem Traktor fahre, weil es gerade wichtig ist,
ob es ein gesundes und wohlschmeckendes Essen geben soll,
ein Haus, in dem man sich wohlfühlt,
das zählt für mich zu einem Leben, in dem Lebensqualität herrscht.
Ich bin selbständig und ich kann sehr vieles gestalten und ausführen.
Jetzt würde mich wirklich interessieren Mirjam, du wohnst auf einem Bauernhof,
als was siehst du dich eigentlich?
 @Brigitta,
es mag sein, dass es in den verschiedenen Gegenden verschiedene Bekleidungssichweisen gibt.
Ich wollte einfach aus neugierde ausprobieren, wie man gesehen wird, wenn man " so wie du schreibst als Tourist oder Karnevalsleiche" gekleidet ist.
Normalerweise trage ich bei der Arbeit, in der Freizeit, im alltäglichen Leben meistens Hosen,
ich kann mit schmalen, engen Röcken leider nichts anfangen und wegen eines Bänderschadens auch keine hohen Schuhe mehr tragen.
Es war eine interessante Erfahrung, mit meinem absoluten Lieblingsdirndl in Berlin auf einer feierlichen Abendveranstaltung zu erscheinen, sicher ist man alleine, alles trägt Kostüm und Hosenanzüge, aber so einen interessanten Abend mit noch interessanteren Gesprächen hatte ich mir gar nicht vorgestellt, von negativer Bewertung keine Spur, im Gegenteil, aus dem üblichen Einerlei herauszustechen, habe ich nicht als nachteilig erlebt.
Für eine Stadtrundfahrt griff ich halt wieder zu meinen trachtigen Lieblingsstück, hielt mich in der Gedächtniskirche auf und wohnte dort einer kurzen Andacht bei, der dortige Pfarrer verabschiedete jeden per Handschlag. Als er mich sah, fragte er, ob ich aus Bayern käme und fiel sofort aus seiner berlinischen Hochsprache in unsere bayerische Sprache.
Wir kamen ins Gespräch, er war überglücklich, wieder einmal seinen Heimatdialekt zu hören, er stammte zufällig aus unserem Landkreis und das Leben hat ihn ganz woanders hin verschlagen.
Egal wo ich hinkomme, negative Bewertung ist mir eigentlich noch keine untergekommen,
weder als Bäuerin, noch als gerne Trachten tragende Frau.
IM Gegenteil, es ergaben sich daraus schon sehr interessante Gespräche und Begebenheiten.
Ob mich jemand höher wertet, oder abwertet, das ist dessen Problem.
Für mich ist ein schönes Dirndl einfach das tollste Kleidungsstück, das es gibt und wenn ich eine Weltreise machen würde, dann kämen in meine Koffer mit Sicherheit meine absoluten Lieblingsstücke.
Würde mich direkt reizen, auf der Freiheitsstatue in New York, auf dem Zuckerhut mit Dirndl,
das hätte was für sich. ;)
Sigrid in Neuseeland einen Besuch zu machen, natürlich mit einem Dirndl, ;)
ich glaube nicht, dass sich meine Lebens- und Kontaktchancen verschlechtern, nur weil ich eben absolut kein Kostümtyp bin.
Wenn ich hier so lese, dann habe ich das Gefühl, wir sehen uns von anderen viel schlechter bewertet, als es wirklich der Fall ist.
Ich bin gerne Bäuerin und habe kein Problem als solche gesehen zu werden.
Da man egal wo man hinfährt, sich selbst mitnimmt, ist die Kleidung nur ein kleiner Teil der Persönlichkeit.
Ob Frauen sich für die Landwirtschaft entscheiden oder abgeschreckt werden,
das hängt sicher nicht vom Dirndl ab, sondern von uns selbst.
Da gäbe es noch vieles zu schreiben.
Ob jetzt jemand eine typische Bäuerin ist oder eine untypische-
soll frau jetzt stolz sein, weil es heißt, du schaust gar nicht wie eine Bäuerin aus?
Auf die Frage - wie denn eine Bäuerin aussehen soll- kommen keine Antworten.
Eine Friseuse zieht sich vielleicht anders an, meine Freundinnen haben die verschiedensten Berufe,
mit der Zeit schleift sich bei jeder einen bestimmte Lebenshaltung ein.
Ich hätte jetzt noch nie feststellen können, dass sich die Unternehmerin besser oder schlechter fühlt, als die Psychologin, die kaufm. Angestellte besser als die Bäuerin. Jede hat ihr Scherflein zu tragen.
Entscheidend sind die inneren Werte, aber scheinbar haben wir als Bäuerinnen selbst unsere Probleme mit unserem Selbstbild.
maria



Offline Mirjam

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #11 am: 13.07.05, 19:40 »
Hallo Mirjam,
schon wieder eine Studie,
die zeigen soll, wie schlecht es den Bäuerinnen geht.

Wieso?

Was ist daran verkehrt mal die Arbeitszeiten und Arbeitsaufteilung und den Beitrag der Bäuerin zum Betriebseinkommen in Zahlen aufzuzeigen? Hätte mans "schönrechnen/-reden" sollen?

63 Stunden pro Woche SIND eine ganze Menge (zuviel) Arbeit - woher kommen wohl die Überlastungssyndrome?

Mirjam

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Offline mary

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #12 am: 13.07.05, 20:18 »
Hallo Mirjam,
von schönreden oder schönrechnen kein Wort.
Aber ich stehe immer mehr dazwischen.
Nach veröffentlichter Meinung sind die meisten Frauen berufstätig,
nach Studien sind die Männer scheinbar immer noch nicht mit recht grosser Freude bei der Hausarbeit als Mithelfer dabei-
wenn Frau in die Arbeit geht, ihre Fahrtzeit rechnet und ihren Haushalt nebenher schmeißt,
kommt bei mir die Frage hoch, ist das nicht auch manchmal zuviel.
Zumindest höre ich das in meinem Lebensumfeld.
Ob Bäuerin oder andere berufstätige Frauen, die Überlastungssydrome scheinen bei vielen durchzuschlagen.
Es wurde in einer Studie vor kurzem festgestellt, dass die Hausarbeit trotz modernster Technik und Hlfsmitteln nicht weniger geworden ist.
Viel mehr Wäsche, Geschirr und Hausrat ist zu pflegen, die Kinder sind heute in viel stärkerem Maß zu beaufsichtigen, zu kutschieren.
Es gibt nicht mehr die Tante, Oma am Ort, die helfend einspringen kann.
Es macht nicht die Summe der Arbeit fix und fertig, sondern die neben der Arbeit ständig wachsenden Berge.
Ich kenne auch Zeiten, wo es mir zuviel wird, und dann sehe ich Bilder vor mir,
Bilder von perfekt gekleideten und gestylten Frauen, die neben ihrem Beruf noch Kinder, Haushalt, Ehrenamt in hoher Perfektion leisten, wo in wohlgepflegten Häusern alles an seinem Platz liegt,
wo es eben kein Chaos, keine Wäscheberge gibt.
Und irgendwann kommt mir, dass sind Bilder, die ich übers Fernsehen vermittelt bekomme-
dann muss ich wieder nachdenken, dass dort nicht das reale Leben rüberkommen soll, sondern Fiktionen und so komme ich dann auch wieder mit Chaos, Bergen und Tälern zurecht.
Egal ob Bäuerin oder Nichtbäuerin, wir werden mit Frauenbildern zugemüllt, die nicht immer nur zu unserem Besten sind, aber das ist nichts neues,
diese fiese Erfindung, Bilder von höchsten Ansprüchen vorzulegen, die fast nicht erfüllbar sind,
die gibt es sicher schon seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden und wir Frauen haben uns immer schön brav bemüht, diesen Bildern zu entsprechen.
Es ist gar nicht so einfach, sich von diesen Bildern zu verabschieden.
Denn das Leben ist eigentlich recht kurz, keine von uns weiß, ob sie morgen noch das Glück hat, sich über zuviel Arbeit zu ärgern, ich bin noch immer ein wenig unter Schockzustand,
weil ich vor ein paar Tagen recht drastisch mitbekommen habe, dass man in sehr jungen Jahren abends gesund ins Bett gehen kann und während der Nacht hört das Herz zu schlagen auf-
es ist unfassbar für eine Familie, wenn die Mutter viel zu jung gehen muss.
Nichts gegen Arbeit, aber sie ist ein Teil des Lebens.
Und da sind wir wieder bei einem Punkt der mir schön langsam Wutgefühle hochsteigen lässt,
ständig an der Preisschraube zu drehen, damit Bäuerin und Bauer immer mehr arbeiten müssen-
leider trifft das nicht mehr nur Bauern, sondern die meisten, die noch eine Arbeitsstelle haben,
werden immer tiefer mit Leistungsdruck belastet.
Herzliche Grüsse
maria

Offline Luxia

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #13 am: 13.07.05, 21:20 »
Die typische Bäuerin in den Augen der anderen Leute (Nichtlandwirte) ist wohl meistens das, was wir heute nicht mehr sein wollen: Kopftuch, Schürze, viel arbeiten und alles schön brav erdulden.

Für mich ist eine typische Bäuerin eine Frau, die ähnlich wie ich denkt und fühlt, da sie aus dem gleichen Umfeld kommt, die gleichen Sorgen mit Natur, Politik, Arbeitsbelastung und Familie hat. Eine Frau, wie man so viele im BT trifft.  :) Wie sie sich kleidet, das spielt dabei keine Rolle.
Ich bin auch nicht immer modisch gestylt und manchmal möchte ich auch mit der Kleidung provozieren, wenn ich neben den schicken Muttis meine Kinder in Arbeitskleidung von der Schule abhole.

Übrigens bin ich auch eine studierte Bäuerin, fühle mich deshalb aber nicht anders als andere junge Landwirtinnen ohne Studium.
 
Liebe Grüsse

Offline annama

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Re: Typische Bäuerin?
« Antwort #14 am: 13.07.05, 23:10 »
Wenn ich das alles hier so lese ,

denke ich an meine Anfangsjahre vor 40 Jahren als junge Bäuerin zurück. ;)

Für mich ist eine typische Bäuerin eine Frau, die ähnlich wie ich denkt und fühlt, da sie aus dem gleichen Umfeld kommt, die gleichen Sorgen mit Natur, Politik, Arbeitsbelastung und Familie hat. Eine Frau, wie man so viele im BT trifft. :) Wie sie sich kleidet, das spielt dabei keine Rolle.
Ich bin auch nicht immer modisch gestylt und manchmal möchte ich auch mit der Kleidung provozieren, wenn ich neben den schicken Muttis meine Kinder in Arbeitskleidung von der Schule abhole

 
Luxia hast du schon mal hinter die Kulisse der gestylten Mutti geschaut? Glaub mir es ist nicht alles Gold was glänzt!

"KLEIDER MACHEN LEUTE ABER KEINE PERSÖNLICHKEITEN"

Damals wurde eine junge Frau die einen Landwirt geheiratet hat bald für verrückt erklärt. Wie kannst du nur einen Bauern heiraten ,ist er auch Akademisch gebildet usw.mußte manche blöde Bemerkung über mich ergehen lassen,aber wir haben allen zum Trotz einen ansehnlichen Betrieb auf gebaut.
In meinem Leben habe ich sehr viele Menschen  kennen gelernt und wenn ich nach meinem Beruf gefragt wurde und mit stolz sagte : "Bäuerin" hat man mir das garnicht glauben wollen.Was sie sind Bäuerin : "so sehen sie aber nicht aus".

An alle jungen Bäuerinnen geb ich einen guten Rat mit auf den Weg : Schaut nicht nach rechts und links, geht euren Weg gemeinsam , der Zusammenhalt in der Familie ist das wichtigste was ich euch empfehlen kann.

@ Mary
Auch ich bin ein Dirndl-Typ und trage seit Kindheit mein Leben lang gerne Trachtenkleidung.



Lieben Gruss
annama




Gerade wenn eine Frau meint ihre Arbeit sei getan
wird sie Grossmutter

Liebe Grüsse annama