Autor Thema: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW  (Gelesen 7153 mal)

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Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« am: 07.01.24, 15:52 »
... wie kommt das?

Der Landwirt vor Ort ist in den meisten Fällen sehr gut angesehen.
Der Bauer Meier ist Ortsbrandmeister und sitzt im Ortsrat.
Bauer Lehmann veranstaltet ein Frühlingsfest auf dem Hof, macht ein bisschen Direktvermarktung, wenn man mal einen Baum fällen muss, ruft man ihn an und er kommt.
Kurz gesagt, jeder mag seine Bauern vor Ort.

Jetzt fahren aber Bauer Meier und Bauer Lehmann mit ihren großen Trecker, die sonst den Anhänger zur Altpapiersammlung oder zum Tannenbaum einsammeln ziehen, in die große Stadt, um mit anderen Landwirten gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren.

ZACK! Schon ist die Wahrnehmung eine komplett andere.
Die Masse an Landwirten ist ein rechter Mob, der gierige Forderungen stellt, dabei bekommen sie doch eh schon ihr gesamtes Geld aus Brüssel.

Wie kommt das? Hat da jemand eine Erklärung für?
LiGrüss cara

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Offline Steinbock

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #1 am: 07.01.24, 16:11 »
DAS würde mich auch interessieren.
Wobei die Presse gut mithilft, weil wie immer
sind die negativ-spektakulären die "besseren",
die mehr Einschaltquoten und Likes in den
unsozialen Medien bekommen.

Was interessieren schon tausend friedlich
protestierende Bauern, wenn man sich
auf ein paar verirrte und extreme Personen/
Vorfälle stürzen kann   ::)

Es ist erschreckend, dass man als Landwirtsfamilien-
Mitglied gleich vorweg dem Rechtsextremismus und
der AfD abschwören muss...

Ich fühle mich zu unrecht verdächtigt!!!!
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Offline caraTopic starter

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #2 am: 07.01.24, 16:39 »
das auf die Extreme abgezielt wird, haben die LW nicht exclusiv. Das passiert auch bei fast allem anderen, seien es Klimaaktivisten oder Energiepolitik.
Sowas sollte man langsam wissen.

Und der Bauernverband regt sich ja auch (zu Recht) auf, dass bei "wir haben es satt" eine kleine Minderheit an Tierrechtsaktivisten mitläuft.
Aber auch die sind dort eher die Minderheit, definieren aber eine große Gruppe.

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Offline mamaimdienst

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #3 am: 07.01.24, 16:45 »
Ich glaube das hat mehrere Ursachen. Meine persönliche Meinung:

1. die „Städter“ sind sehr weit vom Landleben entfernt, haben null Verwandtschaft mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Sie bekommen nur Presse vorgesetzt, die in der Regel ja Anti- Landwirtschaftlich eingestellt ist.

2. Sie vergleichen die Trecker mit Autos.

3. klar, wenn man immer vorgebetet bekommt, wieviel Geld wir bekommen, kann man als Ottonormalverbraucher schon neidisch werden. Der Bauer bekommt ja soviel Geld, wie der Bürger im ganzen Jahr verdient.

Ich wünsche mir, daß diese Menschen uns wirklich mal zuhören….
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Offline Steinbock

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #4 am: 07.01.24, 16:58 »
Super geschrieben Dunja!

@ cara: auch wenn es inzwischen "normal" scheint,
dass bei berechtigt und anständig vorgetragenen
Protest immer irgendwelche Extreme mit aufspringen,
muss ich das noch lange nicht gut finden!
Und ich muss es auch nicht gut finden, dass die Medien
sich mit Gier auf die einzelnen Chaoten/Gesetzesbrecher
stürzen und ihre Auflagen und Klicks hochtreiben
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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #5 am: 07.01.24, 17:35 »
Dunja, das sind sicherlich nicht nur "die Städter".
Von denen kenne ich ja auch schon einige, da ist das sehr ähnlich.
Der Landwirt vom Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, ist eigentlich immer positiv besetzt, die Masse nicht.

LiGrüss cara

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Offline Hamster

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #6 am: 07.01.24, 17:41 »

Hallo Cara,

die Meinung ist eine andere, weil die Masse Mitmenschen in der Stadt wohnen und keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft hat.

Frag mal die Menschen in den Dörfern, die haben nach wie vor die Meinung, die sie immer von ihren landwirtschaftli arbeitenden Mitmenschen haben.
...  hatte gestern durch Zufall Gespräch mit einer unbekannten Frau (Ärztin)
- das war durchweg positiv !!!!  Keine Aussage von Mob oder ähnlichen !!

Wo hast du denn diese Wahrnehmung gehabt?
deine Eigene oder bei Bekannten?
in welchem Bereich arbeiten diese Menschen?


... Meiner Meinung nach, ist der wahrgenommene "Mob"  den Medien zu verdanken.

- Welche Nachrichten bekommen wir?
- Wie sind die Aussagen formuliert?
- Wie sind die Fragen formuliert?

Ich weiss von Aktionen, bei denen die Mitmenschen die wir nicht dabei haben wollen,
so ausgegrenzt wurden, dass sie sich verzogen haben !!!

Und bei Aktionen, wo große Trecker in Reihe stehen jeden Abend so 20 bis 30 mit Warnleuchten
dass kann schon ein ungutes Gefühl hervorrufen.
Allein schon die Größe der Maschinen ist beeindruckend, in positiver wie negativer Ausstrahlung!


Liebe Grüße
sagt der Hamster

Offline Solli

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #7 am: 07.01.24, 17:47 »
Zitat
Die Masse an Landwirten ist ein rechter Mob, der gierige Forderungen stellt, dabei bekommen sie doch eh schon ihr gesamtes Geld aus Brüssel.

Wie kommt das? Hat da jemand eine Erklärung für?
Das habe ich versucht, Dir im anderen Thread zu erklären. Es liegt HAUPTSÄCHLICH an dem, was die öffentlich/rechtlichen Medien verbreiten. Es ist doch nun kein Geheimnis mehr, dass die nicht neutral, sondern im Sinne der Politik(er) berichten. Das kann man doch gar nicht oft genug wiederholen.
Du schreibst zB. auch, das der Wipperfürth selber ein Hetzer ist. Meine Wahrnehmung ist das Gegenteil und deckt sich mit vielen Gegebenheiten aus anderen Quellen. Man sollte nicht ungefragt alles übernehmen, sondern auch mal gegenchecken und immer darauf achten, wer über wen welche Aussage trifft. Dann erkennt man das Motiv dahinter und kann es einordnen.

Die dargestellte Wahrnehmung unserer Mitbürger von Mamaimdienst kommt oben drauf, aber das macht nur einen kleinen Teil aus. Es war doch schon immer so, dass Menschen mit Neid auf oberflächlich wahrgenommenen Erfolg reagieren, wo Hintergrundwissen und Verständnis fehlt!
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Offline mamaimdienst

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #8 am: 07.01.24, 17:49 »
Dunja, das sind sicherlich nicht nur "die Städter".
Von denen kenne ich ja auch schon einige, da ist das sehr ähnlich.
Der Landwirt vom Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, ist eigentlich immer positiv besetzt, die Masse nicht.

Ich verstehe was du meinst. Ist einerseits sehr beeindruckend wenn da hunderte (große) Traktoren durch die Stadt fahren. Viele haben so ein Gerät in echt ja noch nie gesehen. Ich glaub aber das kann auch beängstigend sein.
Wie schon geschrieben, da zählen viele Faktoren mit rein.
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Offline frankenpower41

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #9 am: 07.01.24, 17:53 »
Ich glaube das hat mehrere Ursachen. Meine persönliche Meinung:

1. die „Städter“ sind sehr weit vom Landleben entfernt, haben null Verwandtschaft mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Sie bekommen nur Presse vorgesetzt, die in der Regel ja Anti- Landwirtschaftlich eingestellt ist.

2. Sie vergleichen die Trecker mit Autos.

3. klar, wenn man immer vorgebetet bekommt, wieviel Geld wir bekommen, kann man als Ottonormalverbraucher schon neidisch werden. Der Bauer bekommt ja soviel Geld, wie der Bürger im ganzen Jahr verdient.

Ich wünsche mir, daß diese Menschen uns wirklich mal zuhören….

das hast Du treffend formuliert.

Hinzu kommt noch die seit Jahren teilweise negative Darstellung im Schulunterricht.
« Letzte Änderung: 07.01.24, 19:46 von frankenpower41 »

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #10 am: 07.01.24, 20:11 »
Das habe ich schon von verschiedensten Leuten gehört. Von den SELBEN Menschen verschiedene Aussagen.
Auch auf dem Dorf übrigens.
Die Menschen arbeiten in der Industrie, als Handwerker, im medizinischen Bereich oder auch sonstwo, das scheint keine Rolle zu spielen.

Das ist etwas, was nicht nur ich schon seit Jahren wahrnehmen und was grad nicht besser wird.

Ich finde es recht bequem, das einfach auf die Berichterstattung zurückzuführen, finde das aber tatsächlich etwas einfach.
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Offline klara

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #11 am: 07.01.24, 20:46 »
Die Masse an Landwirten ist ein rechter Mob, der gierige Forderungen stellt, dabei bekommen sie doch eh schon ihr gesamtes Geld aus Brüssel.

Liebe Cara,
wir Landwirte wollen keine Ausgleichsleistungen,würden wir unseren verdienten Lohn bekommen. Kannst ja mal gucheln warum,wenn du das nicht weisst.
Ausserdem: wird dir in deiner Arbeit vorgeschrieben, wie du manches zu tun hast,auch wenn du das irrsinnig findest?
Und auf Lohnerhöhung verzichtest du wohl freiwillig,auch wenn du  Überstunden arbeitest.Ach nein, bist ja angestellt. Da kann man dann heim gehen.
Und wenn die Bahn streikt, dann ist das halt so. Das wird nicht hinterfragt.

LG Klara

« Letzte Änderung: 07.01.24, 20:48 von klara »
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Online LunaR

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #12 am: 07.01.24, 20:49 »
Als der Aufschrei aus der Landwirtschaft kam, kam von vielen Seiten Zustimmung, die von vielen Landwirten mit Erstaunen und Freude wahrgenommen wurden.

Mein Eindruck war, diese Zustimmung resultiert aus der ähnlichen Erfahrung, die gerade viele Menschen machen, die sich durch Entscheidungen dieser Regierung in ihrer Existenz bedroht fühlen. Darum auch die anfängliche Zustimmung zu den Aktionen der Landwirte. Darüber stand, endlich passiert etwas, endlich gibt es Menschen, die nicht mehr alles hinnehmen und aufstehen. Darin finden sich viele wieder. Leider befürchte ich, je mehr es für die Nichtlandwirte unbequem wird, um so mehr wird die Zustimmung zurück gehen. Unbequem heißt, Schlangen im Verkehr, schwer zur Arbeit/Schule/Kinderbetreuung zu kommen. Ebenso mit einkaufen, erst schwer hinkommen und später vielleicht Defizite in der Versorgung wegen Lieferengpässen.

Es wird sich morgen zeigen, wie sich die Demo auswirkt. Ich hätte nichts dagegen, wenn ich NICHT recht habe.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.

Offline bienchen3

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #13 am: 07.01.24, 21:40 »
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass viele Leute, mit denen man über die Landwirtschaft spricht, in der Vergangenheit leben.
Damit meine ich, dass sie vor 30-40 Jahren oder länger entweder daheim oder bei Oma und Opa Kontakt mit Bauernhof hatten. Dass sich die Landwirtschaft in dieser langen Zeit auch enorm weiterentwickelt und verändert hat, ist den meisten nicht bewusst. Viele meinen, ganz viel aus der Landwirtschaft zu wissen. Aber das ist halt oft verklärtes Wahrnehmen aus der Kindheit. Und genau da liegt unser Problem, glaub ich.

Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind. Albert Schweitzer

Offline frankenpower41

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Re: Unterschiedliche Wahrnehmung der LW
« Antwort #14 am: 07.01.24, 21:54 »
... das sehe ich im Verwandtenkreis, da hatte auf meiner Seite (fast) jeder Hof bis ca. 1985 oder länger, auch so.
Da kommt dann oft so Schwachsinn wegen großer Hof usw.
Die wissen nicht was sich seither alles geändert hat.  Wenn sie es interessiert dann ist es ja gut, aber bei vielen ist das eben nicht der Fall.
Da braucht es dann auch nicht zu wundern wenn "Stadtmenschen" ein noch unrealistischeres Bild haben.
Die Landwirte die sie dann, wenn überhaupt, kennen sind dann oft auch so aufgestellt dass sie Ferienwohnungen haben oder Erlebnisbauernhöfe und dort wird oft auch eher
"Kuscheltiere" und Kräuterpädagogik vermittelt.  (wobei ich das nicht schlecht reden will, aber "normaler" Hof ist das eben auch nicht immer.