Autor Thema: Vom Umgang mit dem Erntestress  (Gelesen 3340 mal)

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Offline LexieTopic starter

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Vom Umgang mit dem Erntestress
« am: 14.05.22, 09:35 »
ich schreib es einfach mal hierhin, wenn es nicht paßt bitte verschieben

habt ihr noch gute Nerven, wenn bei Euch auf dem Hof größere Arbeiten anstehen?
wir haben gestern abend mit silieren begonnen, und ich mußte für mich selber feststellen, dass es mich zunehmend
immer mehr nervt, ich will das gar nicht mehr machen.
ich hab keinen Nerv mehr für solche arbeiten.
Das beginnt schon mit der ständigen Wettervorhersage, dann bekommt man Häcksler usw.
Ich freu mich jetzt schon, wenn es wieder Winter wird, Allerheiligen ist der schönste Tag im Jahr, da beginnt der Winter für mich.
Irgendwie find ich es traurig, ist doch die Ernte an und für sich was schönes, aber irgendwie bin ich nur noch froh, wenn wieder alles
daheim ist.
Obwohl die Ernte im Vergleich zu früher, ja ein Leichtes ist, aber trotzdem.
Geht es Euch genauso?

Offline gina67

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #1 am: 14.05.22, 09:48 »
Das Problem habe ich eher nicht. Die Planung wann wir silieren macht mein Sohn in Absprache mit meinem Mann. Mich nervt dann eher schon mal, wenn die mir nicht rechtzeitig Bescheid geben, wenn sich beim Lohnunternehmer was verschiebt.
Da meine Schwiegertochter mich bei der Bewirtung unterstützt, ist das auch schon besser geworden. Sie hat ihren Mann da besser im Griff als ich meinen.  ;D

Offline frankenpower41

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #2 am: 14.05.22, 09:54 »
Ja, hast Du recht, auch wenn ich damit, außer versorgen der Helfer, wenig zu tun hab, belastet es zunehmend.
Stallarbeit ist Sohn in der momentan hektischen Zeit sowieso Fehlanzeige.  Jetzt war erst Mais Aussaat, Weizen Pflanzenschutz, jetzt 1 Tag mähen, 1 Tag schwaden, Morgen silieren.
Wenn Pannen auftreten wird es dann ganz schlimm.
Ich bin immer froh wenn es wieder gut rum ist.
Man ist einfach mit zunehmenden Alter weniger belastbar, zumindest merk ich das bei mir immer stärker.
Hinzu kommt dass mein Mann schon immer viel negativer eingestellt war als ich.
Sohn sieht das alles viel lockerer, aber das ist auch der Vorteil der Jugend.

Offline Steinbock

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #3 am: 14.05.22, 10:29 »
Obwohl die Ernte im Vergleich zu früher, ja ein Leichtes ist, aber trotzdem.
Geht es Euch genauso?

Ja, ich weiß genau, was Du meinst! Obwohl ich mit unserer Minilandwirtschaft gar nicht groß mitreden darf.

Die Ernte ist so konzentriert und kostspielig, wenn da irgendwas nicht passt (und da gibt es so viele Faktoren,
die leicht bis schwer stören können) geht sooo viel Geld verloren. Egal, ob das Wetter anders ist, als die Vor-
hersage, ob die Erntemaschine defekt geht (und somit der ganze Zeitplan dahin ist, die anderen Erntehelfer
"umsonst" da sind) oder noch schlimmer, jemand verletzt sich oder wird "einfach so" krank....
Oder es geht gleichzeitig im Stall "rund", die Altenteiler machen Terz oder eine unangemeldete Kontrolle kommt. :o

Als Frau steht man auch so ein bißchen daneben und sieht das ganze und was alles passieren könnte.
Und versucht aufzufangen, was irgendwie geht, den Männern den Rücken frei zu halten usw.
Die Männer, die direkt mit der Ernte beschäftigt sind, können ihre Energien da besser abarbeiten...
(und sind psychisch sicherlich nicht so belastet).
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Offline frankenpower41

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #4 am: 14.05.22, 11:15 »
Zu Deinem Schlusssatz  "Männer sind psychisch nicht so belastet" denke ich dass es auf den Einzelfall ankommt.
Bei uns war ich diejenige die, die  auffangen musste. Ich kann mich da an ein paar Situationen erinnern.
Jetzt macht das alles Sohn, und das ist auch gut so.
Männer in der Landwirtschaft haben zunehmend psychische Probleme wie in letzter Zeit auch öfters thematisiert wurde.  (verschiedene Berichte in Wochenblatt oder auch im Fernsehen).
Früher wurde sowas oft totgeschwiegen, Mann hat ja stark zu sein.

Offline frankenpower41

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #5 am: 14.05.22, 11:18 »
@Moderatorin.
Ich finde das wäre ein eigenes Thema wert. Geht hier unter.

Offline Steinbock

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #6 am: 14.05.22, 11:29 »
Ja, finde auch, das Thema ist zu "kostbar", als dass es hier in der Plauderei sein sollte.
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Offline Marina

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #7 am: 14.05.22, 11:32 »
Lexie, du schreibst mir aus der Seele. Ich hätte es nicht passender formulieren können.

Ich habe zwar, außer Versorgung, Folie besorgen und zudecken helfen, nichts damit zu tun.
Aber wie du schreibst, es fängt schon Tage zuvor mit den ewigen Wettervorhersagen an.

Wir hätten gerne heute oder morgen siliert, aber da haben wir den Häcksler nicht bekommen.
Nun wird heute der Klee, morgen die Wiesen gemäht und geschwadet. Am Montag fehlt uns ein
Fahrer und der Wetterbericht meldet plötzlich 3,5 l Regen  :o

Ich entwickle bei solchen Aktionen Bauchschmerzen mit D....  vor lauter Aufregung  :-X
Sonst habe ich über meine Schwägerin gelacht, nun gehts mir ebenso  :-\

Offline LexieTopic starter

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #8 am: 14.05.22, 11:54 »

ja, das kenn ich.
ich muss schon mithelfen, darf/soll/muss schwardern.
mach ich eigentl. recht gerne. göga mit Seitenschwader voraus und ich mit meinem Mittelschwadern bin nur mit fertigmachen
der Schwaden + Kleinkram dran.
aber trotzdem.

Mein Traum vom Leben am Nordkap (da liegt noch etwas Schnee), da gibts keine Wiesen und Äcker somit auch keine Kühe+Nachzucht, das wäre es ;D

Offline apis

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #9 am: 14.05.22, 13:22 »
Den typischen Erntestress finde ich im Grunde gar nicht so schlimm, gehört irgendwie dazu.
Viel schlimmer und belastender ist es für mich zu sehen das so viel Arbeit da ist und ich kann überhaupt nichts helfen. Da muss ich auch nach so langer Übung immer noch schwer dran arbeiten.

Offline Marina

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #10 am: 14.05.22, 13:47 »
Seit unser Schwiegersohn mithilft, brauche ich nicht mehr schwaden. Davor schon. Zuerst noch mit dem alten 50er Cormick  ;D, später dann mit dem Fendt. Der wurde letztes Jahr in Rente geschickt. Mit dem
Nachfolger (John Deere) bin ich noch nie gefahren. Das fange ich gar nicht erst an. Was ich nicht kann, muss ich nicht treiben  ;)

Offline Maja

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #11 am: 14.05.22, 23:17 »
Lexi wir machen zwar nur Heu und vom Grummet Heulageballen,aber trotzdem halte ich immer die Luft an dass nichts kaputt geht an den Maschinen.
Ist ja immer so wenn die gebraucht werden gehen sie kaputt und alle andern Bauern  drumrum haben bei sich die gleiche Arbeit.Da ist nichts mit leihweise Maschinen beim Nachbarn holen. Allerdings haben wir in den letzten Jahren für Heu das Gras mähen lassen, von einem Bauern der seine Kühe abgeschafft und die übrige Zeit jetzt in lohnarbeiten investiert. Das geht einfach schneller. Der mäht an Einem Tag unsere ganzen Feldstücke und die diffisileren kleinen Stücke mäht mein  Mann. Ich bin auch immer froh wenn das fertig ist
« Letzte Änderung: 15.05.22, 19:27 von Maja »

Offline Mastreh

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #12 am: 15.05.22, 07:22 »
Lexie mir sprichst du auch aus der Seele, mehr will ich jetzt gar nicht schreiben.

Offline martina

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #13 am: 16.05.22, 09:44 »
@Moderatorin.
Ich finde das wäre ein eigenes Thema wert. Geht hier unter.

Hab ich gemacht ;)


Ich hab das große Glück, dass ich in der Aussenwirtschaft nicht mitarbeiten muss. So kann ich den Männern den Rücken freihalten für "kannst Du mal eben..." und "Ersatzteile holen" oder "was zu essen bringen".

Ich denke schon, dass das den Stress bei uns entzerren kann. Zudem wir ja noch eine GbR-Partnerin haben und die (wenn sie nicht selber zur Arbeit ist) für ihren Bereich ähnlich eingesetzt wird.

Ungewohnt für meine Männer ist es, wenn ich nicht da bin. Da ich meine aushäusigen Arbeitsstunden von Minijob auf Halbtag hochgesetzt habe, kann es gut passieren, dass ich eben nicht da bin, für "kannst Du mal eben". Oder es halt auch kein Mittagessen gibt. Letzteres können sie gut kompensieren, Pizza und Döner schmecken auch im Feld sehr gut. Oder dort sogar noch mal besser 8)
Lasst uns miteinander reden - wir freuen uns auf Beiträge.
Bei uns geht Kontakt ohne Maske und Abstandsregeln. Draussen nicht!

Offline Maja

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Re: Vom Umgang mit dem Erntestress
« Antwort #14 am: 16.05.22, 12:00 »
hast du gut gemacht Martina.