Autor Thema: Christen??? Atheisten???  (Gelesen 3336 mal)

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Hansi

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Christen??? Atheisten???
« am: 05.09.04, 01:01 »
Diese Frage ist für mich recht schwierig zu beantworten!

Als ich 18 war und meiner Wege gehen konnte trennte ich mich als erstes vom Glauben. Ich setzte in meinem jugendlichem Leichtsinn die Institution Kirche mit dem Glauben gleich und zuviel stieß mich ab, zu oft erfuhr ich, dass in der Bibel wahre Worte standen, die ich bei den "Christen" nun erlebte, und war es nur das Wasser predigen und Wein saufen. Aber wenn ich damals unterwegs auf der Autobahn war hatte ich stets eine Bibel im Gepäck.

Oft saß ich dann mit Theologiestudenten nächtelang zusammen und diskutierte und immer wieder waren diese erstaunt über meine Bibelfestigkeit. Ja eigentlich könnte ich sagen, ich kenne die Bibel, ich lese auch heute immer wieder einmal in ihr. Aber kann man ohne Glauben dieses Buch eigentlich wirklich kennen? Vielleicht bringt nur ein fester Glauben das Verständnis für viele Teile seines Inhaltes? Oder ist es wirklich wie ich es sehe ein Geschichtsbuch? Wahrscheinlich ist in allem etwas Wahrheit.

Ich habe einen streng katholischen Freund, der sagte vor einigen Jahren einmal zu mir "Du erziehst Deinen Sohn christlicher, als all die Katholiken die wir in der Gemeinde haben." Damals begann ich nachzudenken. Viele christliche Werte sind auch Grundlage meines Lebens. Oft konnte ich gläubigen Menschen auch schon in Tiefpunkten durch das Zitat einer Bibelstelle, oft eines Psalms, wieder Mut machen.

Nur da steht sie, die Institution und da stehen auch Menschen, die sich als Christen ausgeben, jeden Sonntag in die Kirche rennen, damit es die Nachbarn auch sehen, und dann während des Vaterunser "... und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern ..." darüber nachdenken, wie sie Außenstände eintreiben können. Da steht geschrieben: "Ich bin der Herr dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir." Und dann sitzt im Vatikan ein Stellvertreter Gottes auf Erden, gewählt von anderen "kleinen" Stellvertretern aus den eigenen Reihen. Der Alleinvertretungsanspruch des richtigen Weges, auch gegenüber anderen, die an den gleichen Herren glauben, das Segnen von Waffen, Kriege unter dem Namen Gottes, ach ich könnte vieles davon hier anführen. Und während Jesus die Händler von den Stufen des Tempels jagte, sammelte die Kirche Reichtümer um ihre Macht zu demonstrieren.

Dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen Institution und Gemeinde!

Als mein Sohn 8 Jahre alt war kam er eines Tages und sagte, ich möchte getauft werden. Wir haben damals alles Erdenkliche unternommen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Er soll selbst einmal über seinen Glauben entscheiden, so wie ich es damals getan habe. Ich hatte nur eine Bedingung, evangelisch sollte seine Kirchengemeinde sein. Die Pfarrerin der hiesigen Gemeinde hat uns dann sehr unterstützt, selbst die Paten hat die Gemeinde uns gestellt. Und ich konnte mit gutem Gewissen in der Kirche mich dazu bekennen, dass ich ihn christlich erziehen werde, auch als Atheist.

Ich denke, man soll jedem Menschen seinen Glauben lassen, jeder sollte jedoch auch den Glauben des anderen achten. Und wenn jemand zum christlichen Glauben findet dann steht doch da etwas geschrieben, von den Abtrünnigen, die zurück in die Herde finden und über die sich der Herr mehr freut als über die "Braven". Aber wahren Glauben kann man doch nicht erzwingen.

So lese ich auch heute noch in der Bibel, oft gezielte Passagen. Und manchmal denke ich darüber nach, ob mein Leben nicht durch meine damalige Entscheidung gegen den Glauben auch ärmer geworden ist.


Hans    

Gertraud

  • Gast
Christen??? Atheisten???
« Antwort #1 am: 05.09.04, 10:08 »
hallo hansi,
dass hast Du toll geschrieben.
Ich glaub nicht dass Dein Leben ärmer ist, es hört sich
nämlich so an - trotz des Atheist - als ob Du die Nabel-
schnur nicht ganz abgetrennt hast, ein ganz dünner
Faden hängst noch ;)
LG Gerdi

Offline martina-s

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Christen??? Atheisten???
« Antwort #2 am: 05.09.04, 11:34 »
Ich frage mich ohnehin schon lange, wie ein echter Atheist aussieht. Die, die ich bis jetzt kennengelernt habe und die von sich sagen, ein Atheist zu sein, die hinterfragen unseren Glauben oft mehr als wir selbst. Damit beschäftigen sie sich intensiver als manch praktizierender Christ. Und das ist doch der Sinn des Glauben. Wir sind doch alle als Suchende unterwegs?
Liebe Grüße
Martina

brit

  • Gast
Christen??? Atheisten???
« Antwort #3 am: 05.09.04, 14:46 »
hallo,

die bibel find ich faszinierend, weil darin die *urprobleme* des menschsein an sich beschrieben sind, die auch heut noch so sind..ist doch verrückt, wenn man bedenkt wie alt diese schriften sind..

nur sind die zusammenhänge heut doch oft anders..was es für mich zumindest schwierig macht, wirklich was  daraus abzuleiten..und, stimmt ja schon auch, dass viele der aussagen so oder so ausgelegt werden können.. ;)
was ich aber echt ein problem finde ist die rolle der frau in der bibel..da merkt frau doch einfach zu sehr, dass da männer am werk waren..!!! :)..fänd ich darum mal sehr interessant zu wissen welche aussagen im laufe der zeit je nach *zeitalter* bisschen angepasst wurden...

hansi , finde deinen beitrag super!!!!!, weil er das dilemma aufzeigt , in dem sich viele der mehr oder weniger gläubigen bewegen...

mir geht es persönlich auch so, kann mich mit der kirche
und all diesen für mich *seltsamen* bestimmungen und bedingungen nicht identifizieren... bin  keine atheistin, .aber mit ner gläubigen christin kann ich mich auch nicht definieren.... und schon gar nicht find ich, dass  jetzt unsere religion grad die einzig wahre ist.. :)

und so hab ich das thema ziemlich weit verdrängt...nur langsam holt michs wieder ein, mit den kindern halt... 8)

liebe grüsse    brit




Hansi

  • Gast
Christen??? Atheisten???
« Antwort #4 am: 06.09.04, 00:26 »
Liebe Martina,

das Hinterfragen des Glaubens kann man aber nun wirklich sehr verschieden sehen. Ich hinterfrage nicht den Glauben, wenn dann die Institutionen des Glaubens.

Recht muss ich Dir in einem geben, ja ich habe mich intensiv mit Fragen des Glaubens beschäftigt, speziell des christlichen Glaubens. Das hängt aber damit zusammen, dass ich sehr gläubig erzogen wurde und ich jede Form der Erziehung als Formung meines "Ichs" hinterfragt und damit automatisch abgelehnt habe. Das betraf nicht nur Fragen des Glaubens, das betraf genauso Fragen der Politik oder des Auftretens in der Öffentlichkeit.

Vor nun etwas mehr als einem Monat habe ich nach 30 Jahren erfahren, dass ein Dossier der Staatssicherheit, besser der höchsten Führungsgruppe, die Meldungen für die "Führenden" aufgearbeitet, weitergereicht und damit fast zwangsweise Veränderungen bewirkten, aus dem Jahr 1975, welches einen Umschwung in der DDR in der Rockmusik bewirkte, sich auch mit meinerPerson beschäftigte. Es ist da die Rede von "einer dem Ministerium für Staatssicherheit namentliche Person, einem asozialen Element", dessen Machenschaften auf dem Gebiet der Kultur gerade noch rechtzeitig verhindert werden konnten. Ich glaube nun, dass ich eine zeitlang eine viel bedeutendere (negative) Rolle im damaligem Gefüge gespielt habe, als mir je bewußt war.

So bin ich im Augenblick als Suchender unterwegs. Nur um mir diesen Glauben zu widerlegen oder zu bestätigen arbeiten derzeit in der Behörde, die diese Akten von damals verwaltet, Mitarbeiter daran, Unterlagen zu den damaligen Abläufen auch aus dem Zentralarchiv zusammenzustellen.

Anders ist das doch mit dem christlichen Glauben. Der wahre Glaube entsteht doch im Inneren, auch wenn der Weg dahin oft durch äußere Einflüsse geprägt wird. Ich beobachte das gerade bei meinem Buben, erlebe, das er verstohlen Abends oder Morgens eines seiner Bücher hervorkramt, ein paar Seiten liest, manchmal auch nur Zeilen, oft auch ein Gebet spricht, ein Gebet, welches kaum persönliche Wünsche beinhaltet. Verstohlen weil er zwar von mir christliche Werte vermittelt bekommt, Antworten auf einen Teil seiner Fragen bei mir finden kann, andererseits aber weiß, in mir ist der Glaube an den Herrn nicht verankert.

Und Glauben im eigentlichem Wortsinn schließt ja ein Teil des Hinterfragens aus. Denn der christliche Glaube beinhaltet ja auch das Mysterium, das nicht hinterfragt werden kann. Anders ist es da sicher mit der Rolle der Institution.

Den Sinn des Glaubens nun aber in der Beschäftigung mit diesem zu sehen liebe Martina, davor scheue ich mich, ja dagegen wehre ich mich sogar. Richtig ist, wir sind alle in irgendeiner Form Suchende, der christliche Glaube gibt dabei eine Richtung vor zur Klärung vieler grundlegender Fragen, so dem immer wieder zitiertem "Sinn des Lebens" und der Frage nach dessen Vergänglichkeit. Richtig ist auch, oft beschäftigen sich Atheisten mehr mit dem Thema, vorallem mit den Grundlagen, als Gläubige, aber doch meist nur um den Glauben zu wiederlegen und sich selbst zu bestätigen. Ich nehme mich mit Verlaub hier aus, heute jedengfalls, damals als Jugendlicher sah das sicher anders aus.

Aber ich denke, wir sollten uns hier nicht so sehr mit Für und Wieder beschäftigen, auch wenn ich mehr unbewußt den Anlass dafür gegeben habe. Die Frage war ja eigentlich nicht auf Glauben ja oder nein gerichtet, mehr doch auf die Rolle der Bibel für den Menschen.

Brit hat da ein Problem angesprochen, welches sicher einer weiteren Diskussion in diesem Zusammenhang würdig ist, die Frage nach der Rolle der Frau im Buch der Bücher. Vielleicht setze ich mich einmal hin und versuche das aus meiner Sicht darzustellen. Nur da begebe ich mich auf Glatteis! Nicht das mich die "Weiber" mit Schimpf und Schande aus ihren heiligen Hallen weisen. -lächel- Da denke ich mal besser noch einmal darüber nach! -grins-


Lieben Gruß

Hans  

Offline Marylu

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Re: Christen??? Atheisten???
« Antwort #5 am: 23.05.05, 22:16 »
Mich machts manchmal traurig , wenn  ich immer lese von den Christen die jeden Sonntag in die Kirch springen und dann doch ganz anders leben.Oder dass die Kirche enttäuscht .
Wer ist Kirche ? Kirche besteht aus vielen Menschen und Menschen sind niemals vollkommen so kann auch Kirche niemals vollkommen sein. Für mich ist sie aber der Ort wo ich Gottes Wort hören kann und Gottes Segen empfangen kann. Solange das gewährleistet ist ,ist Kirche für mich ein wichtiger Ort.Und mit welcher Herzenshaltung andere Menschen in der Kirche sind ,das kann ich zum Glück nicht beurteilen.Ich weiß schon , dass wir das zu gerne tun da haben wir oft Menschen im Auge mit denen wir nicht so recht können, aber Gott sieht sie bestimmt ganz anders als wir.Ich muß mir auch immer wieder eingestehen , dass mir Richten über andere nicht zusteht.

Christen , was sind für Euch Christen?
Ich behaupte von mir ich bin Christ.
Christ  ist für mich ein Mensch der erkannt hat ,
 dass er Sünder ist
,dass er aus eigener Kraft die Sünde nie los wird.
dass er durch das Sterben Jesu seine Sünde und Schuld los ist
dass Jesus alle Schuld ans Kreuz getragen hat und den Weg zu Gott frei gemacht hat

Wenn ich das für mich annehmen und glauben kann bin ich Christ des wegen bin ich aber noch lange nicht fehlerlos.
Ich möchte zwar gerne fehlerlos leben, aber immer wieder muß ich fest stellen, dass ich versage.Das können ganz kleine Dinge sein ich denk jeder hat da so seine Problemzone. Aber wir dürfen jeden Tag zu Gott und Jesus kommen und Buße tun, das ist Christ sein. Und es ist schön wenn man mit der Zeit wachsen und reifen darf, aber Vollkommenheit werden wir in diesem Leben niemals erlangen. In der Bibel heißt es unser Leben ist Stückwerk.

Ich denke in der Kirche sind halt auch viele Menschen die das Heil noch nicht erkannt haben, aber wir sollten doch geduldig sein, wenn es auch schwer fällt.


Glauben können ist eine Gabe geschenkt vom Heiligen Geist.
Martin Luther sagt in einer Auslegung vom Glaubensbekenntnis" Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus glauben oder zu ihm kommen kann........."


Was mir noch einfällt- in der Bibel steht ,dass Gott sagt." Ach währet ihr warm oder kalt , die Lauen sind mir ein Greul ."

Das waren einfach ein paar Gedanken von mir
Liebe Grüße an Euch alle
  Marylu
Marylu


Ist ein Wunsch erfüllt , bekommt er augenblicklich Junge .

Offline martina

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Re: Christen??? Atheisten???
« Antwort #6 am: 10.05.06, 20:54 »
*schubs*
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