Autor Thema: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten  (Gelesen 17178 mal)

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Offline ElleTopic starter

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« Letzte Änderung: 21.02.09, 10:46 von Elle »
Ein fröhlicher Gruß!
Elke

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SHierling

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #1 am: 18.03.05, 09:09 »
Hallo,
meine paar Schäfe bekommen als Grundversorgung beim Scheren im Frühjahr Wurmkur, werden gegen Ektoparasiten behandelt (pour on) und kriegen die Klauen geschnitten. So versorgt stehen sie den Sommer über auf einem kleinen Stück Deich, wo weitere Aktionen kaum möglich sind (weil sie da ziemlich verwildern). Bei Bedarf Klauen nachschneiden, wenn das Gras sehr fett ist und /oder ein nasses Jahr, da hängt sehr viel von der Versorgung ab (Eiweiß) und vom Boden (weich). Wenn ich das Gefühl hätte, es könnten sich wieder Parasiten breit machen, Kotprobe untersuchen lassen und danach angemessen behandeln - kam aber noch nie vor.
Es gibt eine Menge unterschiedlicher Wurmkuren und diverse Resistenzen bei den Schafen (nein, bei deren Würmern), so das man regelmässig das Mittel wechseln sollte, am besten in Absprache mit einem schafkundigen TA - die haben den besseren Überblick, was in einer Gegend gerade angesagt ist und wirkt.
Im Winter stehen die Tiere dann hier am Haus bis zum Ablammen, da greife ich sie mir nach und nach zum Klauen kontrollieren, bei Bedarf gibt es die nächste fällige Wurmkur (dann ist meistens Bedarf denn die Fläche hier ist ziemlich klein). 

Ist eigentlich nicht viel, das meiste ist wirklich das Hingucken - vor allem bei Anfängern und Hobbyhaltern. So ein Schaf mit Wolle sieht von außen und auf den ersten Blick ja immer "irgendwie wohlgenährt" aus, und das die uU schon völlig abgemagert und verwurmt sind, merkt man als Einsteiger erstmal nur beim Anfassen.
Was mir noch bei "Kleinschafhaltern" oft aufgefallen ist: viele Füttern zu viel, und haben deswegen Probleme mit Klauen oder beim Ablammen. Schafe kommen mit Überversorgung nicht gut zurecht, und Landschafe oder die sehr robusten kleinen Rassen wie Skudden vertragen Kraftfutter nur sehr schlecht und brauchen (dürfen) auch keins.

Grüße
Brigitta
PS: die allermeisten Schafe müssen einmal im Jahr (mindestens) geschoren werden - nur der Vollständigkeit halber und weil es ab und zu doch Leute gibt, die meinen "in der Natur käme das ja auch nicht vor".   
« Letzte Änderung: 18.03.05, 09:18 von SHierling »

Offline suederhof1

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #2 am: 28.03.05, 09:23 »
Moin moin

Unter dem Link

www.schafzuchtverband-weser-ems.de

findert ihr viele Informationen und Termine für Klauenpflege.

In anderen Bundesländern weden über den Schafzuchtverband wohl ähnliche Angebote laufen.

LG  Barbara

SHierling

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #3 am: 26.06.05, 10:59 »
Hallo,
da das Thema beim Rindvieh grade aktuell ist, trag ich hier auch noch etwas nach - denn auch bei Schafen ist Klauenpflege ja notwendig. Die Bilder unten hab ich gemacht, weil solche Zustände verbreiteter sind als man denkt, und von vielen leider erst dann bemerkt werden, wenn die Tiere anfangen zu humpeln oder gar auf den Knien zu kriechen.
Umfeld: ca 30 Schafe, leistungsbetont (Schwarzkopf und ~mixe), Hobbyhaltung auf ziemlich schwerem Boden, bestes (fettes) Gras, trotzdem ("die haben doch jetzt Lämmer") täglich Zufutter (Pellets), Gewicht der Lämmer inzwischen ca 30, 40kg, einige davon bekommen noch die Flasche (!!), die Alttiere durchweg (zu) fett.
Also insgesamt Leute, die es in allen Dingen gut meinen, leider etwas zu gut, und die Klauen lieber selber schneiden "weil der letzte, der das gemacht hat, so tief geschnitten hat, daß da schon Blut kam"
Prinzip bisher: lieber nicht so viel wegschneiden, und wenn das Tier "nichts hat", wird auch nicht vorsorglich geschnitten, Bemerkung: "in der Natur schneidet ja auch niemand die Klauen". Folge: die Tragränder bei so ziemlich allen Tieren weit über die Sohlen rausgewachsen und nach innen geklappt - und so sieht das dann aus, wenn man so einen Rand wegschneidet:

Der Rand hat gar keine Verbindung mehr zum Rest der Klaue, in dem Spalt sammelt sich Dreck und in dem Dreck blüht die Moderhinke, links ist die Klaue bis in die Spitze schon nur noch eitriges Horn-Fleisch-gemisch, das ganze stinkt meterweit, wenn Luft rankommt. Moderhinkebakterien sind anaerob, also muß alles weg, worin sich weiter solcher Dreck sammeln kann (oben rechts sieht man auch so ein "Loch" an der Klauenspitze).


Man kann fast gar nicht so tief schneiden, wie der Fuß zerfressen ist, und ohne Nachbehandlung ist hier keine Besserung zu erwarten  - regelmässiges Fußbad (gibts beim TA, am besten einfach die ganze Herde täglich durchtreiben) und nach 14 Tagen nachschneiden (lassen).

Also auch wenns hart klingt oder fies aussieht, und auch wenn das Schaf nachher ein paar Tage humpelt: wer nicht den Mut zum gründlichen Ausschneiden hat, soll das lieber jemanden machen lassen, der das öfter tut, und der Spruch: "weniger ist manchmal mehr" ist in so einem Fall beim Futter angebracht, nicht beim Klauenschneiden.

Grüße
Brigitta
« Letzte Änderung: 26.06.05, 11:02 von SHierling »

Offline martina

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #4 am: 26.06.05, 23:59 »
Brigitta, Danke für die ausführlichen Bilde rund Beschreibungen. sieht wirklich nicht nett aus *puh*

Sag, hast Du zum Vergleich noch ein paar Bilder, wie eine gesunde Klaue beim Schaf ausschaut?
Lasst uns miteinander reden - wir freuen uns auf Beiträge.
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mano

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #5 am: 27.06.05, 13:29 »
hallo,

hier http://www.ofm.ch/Milchschaf/pflege_klauen.htm sind gute Bilder und eine Anleitung zur Klauenpflege.

Offline Jacqueline

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #6 am: 16.01.06, 09:36 »
Unsere Schafe waren vor einigen Jahren auf eine Alp mit über 1000 Schafen und seit her haben sie, je nach Jahr mehr oder weniger die Moderhinke. Das ist Unangenehm für die Tiere und die Pflege zeitaufwendig!
Bekommet man eigentliche diese Kankheit weg von Betrieb oder einmal vorhanden, bleibt sie im Betreib, trotz regelmässiger Klauepflege und Bäder mit Formaline und sie muss während Jahren behandelt werden?
Unser Schafe sind im Offenstall gehalten, wo sie jedoch nur im Winter sind. Im Frühjahr und Herbst grassen sie auf verschiedenen Parks und Wiesen verteilt und die werden häufig gewechselt. Und im Sommer von Mai bis Oktober sind sie auf der Alp.

Seit letzten Jahr haben wir eine Alp, wo nur unser Schaft (70 Mutterschafte mit Lämmer) sind. In so Grossherden werden die Tiere zu fast gestresst, finden wir und wir hatten auch zu grosse Verluste, weil die Tiere jede Nacht eingepfercht wurden wegen den Wildtieren, vorallem Luchse.
Jacqueline "Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen,
wird der Erfolg all unsere Erwartungen übertreffen..."
Henry David Thoreau

SHierling

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #7 am: 16.01.06, 10:37 »
Hallo,
den gleichen Ärger hab ich auch schon :(
Wichtig für die Flächen"entseuchung" ist, das alle Flächen (auch der Stall) ein volles halbes Jahr lang schaffrei bzw. "klauentierfrei" gehalten werden sollten - das ist hier kaum zu schaffen weil feste Zäune nicht erlaubt sind und die Bakterien auch mit Reh und Wild auf die Reise gehen (und dann wieder ein halbes Jahr überleben...). Vielleicht habt ihr ja bei euren Flächen so eine Möglichkeit?
Ansonsten nichts anderes als Du schon weißt, Fußbad, Fußbad, Fußbad, immer gleich die ganze Herde, und regelmässige Klauenpflege. Formalin ist hier imho gar nicht mehr zugelassen, es gibt Zinksulfat oder Kupfersulfat, wobei die Kuperlösung die größeren Umwelt- und Entsorgungsprobleme macht und für die Schafe selber ja auch gefährlicher ist.
Es gibt Tiere, die mehr oder weniger anfällig sind für Moderhinke (weil >> ihre Klauen weicher oder härter sind weil >> ihr Futterumsatz und damit der >>Eiweißstoffwechsel anders laufen), man kann also auch auf gesunde Klauen selektieren, bekommt dann aber 'leistungsschwächere' Schafe)
Und man kann gegen Moderhinke impfen, in einigen Bundesländern hier wird das auch zu 50% von der Tierseuchenkasse bezuschußt. Vielleicht geht das bei euch ja auch?

Grüße
Brigitta


Offline Bärbel

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #8 am: 17.01.06, 14:04 »
Hallo

Dieses Problem hat ich auch schon und hab es mit impfen (Footfax) unter Kontrolle gebracht. Muß ich aber selbst zahlen ,ist aber immer noch besser als jede Menge Ausfälle.
Liebe Grüße aus Südhessen

Bärbel

Reiß den Faden der Freundschaft
nicht allzu rasch entzwei
wird er auch neu geknüpft
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Offline Melitta

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #9 am: 20.01.06, 00:13 »
hallo...
wir werden dieses jahr auch eine moderhinkesanierung der gesamten herde mit foot vax durchführen... bis jetzt haben wir immer die klauen geschnitten , mit oxytetracyclin und tarantula behandelt... das wirkt wunder... die entzündung geht zurück und das spinnengift setzt sich zwischen nekrotisches und gesundes gewebe..

allerdings ist der zeit und finanzielle aufwand dermaßen hoch, dass sich eine sanierung mittlerweile eher lohnt... ich habe bei 500 muttertieren ein angebot über 1, 50 € pro schaf bekommen..

es gibt allerdings hunderte von moderhinkeerregern und somit hoffe ich dass wir einfach mal eine zeitlang glück haben und nicht genau diejenigen erwischen, die nicht in der impfung vorhanden sind...

grüße
melitta

Offline Ursula

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Re: Klauenpflege, Parasiten und sonstige Krankheiten
« Antwort #10 am: 16.02.06, 15:48 »
Hallo Melitta,

am Samstag war ich auf einem Vortrag über Moderhinke. Wir kamen da auch auf Foot vax zu sprechen und uns wurde gesagt, dass es für die 5 gängigsten Moderhinkeerreger entwickelt ist. Von den 5 Erregern sind 3 auch bei uns in Deutschl. vorhanden.

Die Moderhinke ist eine Faktorenkrankheit, die vor allem bei "Gummistiefelklima" ausbricht:
feuchtt
warm
sauerstoffarm

Die Moderhinkeerreger überleben:
1 Tag auf einer trockenen Wiese
14 Tage in einer nassen Wiese
3 Jahre in den Klauen der Schafe (evtl. sogar ohne auszubrechen)

Grüße Ursula
« Letzte Änderung: 16.02.06, 15:49 von Ursula »
Grüße aus dem schönen Bayern