Autor Thema: Rückstellproben, eigene Rückstellproben - Produkthaftung  (Gelesen 7551 mal)

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Vitus

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Ich mache mir derzeit Gedanken, ob es sinnvoll ist eigene Rückstellproben zu ziehen
- a) von Allem was eingekauft wird (Futtermittel, ...)
- b) von Allem was verkauft wird (Getreide, ...)


Offline martina

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Der Landhändler vakuumiert die Proben, die er selber zieht.

Schön war es mit Euch in Weimar.
Nun schreiben wir uns wieder, denn das Forum ist keine Zeitung, sondern lebt von den geschriebenen Beiträgen aller.

Offline mary

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Hallo Martina, hallo Bridda,
bei unserem Landhändler steht auch kein Sachverständiger, der Proben zieht, wenn wir unser Getreide verkaufen-
bei selbstgeschroteten Mischfutter machen wir auch eine Rückstellprobe, aber keiner konnte mir genau sagen, wie lange derartige Proben aufzubewahren sind-
inzwischen gibts schon eine ganze Batterie von Rückstellproben in Gläsern,
und mit der Zeit freut sich Viehezeugs, dass von derartigen Dingen lebt  >:(.
Nur wenn ich diese Gedanken weiter spinne, was nützen dann die ganzen Dokumentationen,
da steht ja auch kein ausgebildeter neutraler Fachmann/frau dahinter-
ist Eigendokumentation dann überhaupt beweiskräftig?
Wenn Rückstellmuster nicht beweiskräftig sind- dann sehe ich in der Eigendukumentation auch gefährliche Hürden in der Produkthaftung.
maria

Offline Biobauer

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Hallo,
wir ziehen schon seit Jahren Rückstellmuster,haben gottsei dank noch nie eines gebraucht.Wir nehmen dafür Gefriertüten ,werden dann im beisein des Käufers oder spediteurs verklebt,und dann mit datum sorte und unterschriften so versehen ,das wenn du das nachträglich öffnest ,es bemerkbar ist.
Bei einem rechtsstreit  würde es aber meiner erfahrung nach nicht standhalten ,ich hatte mal einen prozess wegen  z-saatgut,gottseidank hatte ich noch einen geschlossenen sack ,ein kollege der das nicht hatte ging damals leer aus.
ich vermarkte  überwiegend über eine erzeugergemeinschaft,und die haben eine produkthaftpflichtversicherung,aber leider auch erst nachdem wir einen grösseren schaden hatten .
servus Herbert
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Offline mary

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Hallo Biobauer,
mir geht einfach eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:
Für was machen wir eigentlich Rückstellmuster, wenn sie im Falle eines Falles nicht mal vor Gericht gelten würden-
Auf der anderen Seite gibt es im gastronomischen Bereich von den gekochten Speisen nach HCCP Rückstellmuster, um eben für Eventualitäten gerüstet zu sein.
Warum dokumentieren wir Betriebsabläufe und Arbeiten, wenn sie im Zweifelsfalle dann nicht gelten?
So gesehen wäre es doch am sinnvollsten, auf jeden landwirtschaftlichen  Betrieb einen 1-Euro-Job als Überwacher zu fordern- derartige Schulungsmaßnahmen müsste der Staat übernehmen,
die Arbeitslosen wären von der Strasse, der Bauer ist sich dann sicher, dass seine Aufzeichnungen und Rückstellmuster auch gelten- und Bäuerleins könnten sich an den Überwachungsstaat gleich mal gewöhnen.
Ausserdem würden damit eine ganze Menge Menschen Einblicke in die Landwirtschaft bekommen,
denn um derartige Prüfungen durchführen zu können- setze ich ein mindestens halbjähriges Praktikum voraus.
Das wäre doch überhaupt die Lösung, um die Arbeitslosenzahlen nach unten zu bekommen,
hinter jeden arbeitenden Menschen einen dokumentierenden Aufschreiber zu setzen-
dann sind wir auch in Zukunft gerüstet, um die weiter freiwerdenden Arbeitsplätze nicht als Steigerung der Statistiken zu befürchten,
sondern wir können noch längere Zeit so weitermachen- Arbeitsplatzabbau im produzierenden Gewerbe ist ja nicht schlimm, solange wir dafür im Dienstleistungsbereich zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Da ja bekanntlicherweise 4 Augen mehr sehen als 2- könnten damit auch in anderen Sparten zukünftige Rückrufaktionen auszuschliessen sein.
herzliche Grüsse
maria

Fabi_Goe

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Hallo Maria!

Für was machen wir eigentlich Rückstellmuster, wenn sie im Falle eines Falles nicht mal vor Gericht gelten würden-
Auf der anderen Seite gibt es im gastronomischen Bereich von den gekochten Speisen nach HCCP Rückstellmuster, um eben für Eventualitäten gerüstet zu sein.
Warum dokumentieren wir Betriebsabläufe und Arbeiten, wenn sie im Zweifelsfalle dann nicht gelten?

Du hast den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen.
Fakt ist, die getreideverarbeitende Industrie hat ein Qualitätsmanagementsystem (QMS), bei dem über alle Stufen dokumentiert wird. Der Landhandel (hier bei uns die AGRAVIS, ehemals RHG Hannover) verfügt ebenso über QMS. Diese Unternehmen können also im Zweifelsfall dokumentieren, das sie alles richtig gemacht haben, weil das QMS festlegt, das fehlerhafte Waren den Betrieb nicht verlassen dürfen!
Und das ist rechtlich absolut haltbar! Der schwarze Peter wird dann also an die nächste Stufe weitergeschoben.

Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt, das in naher Zukunft viele Landwirte ein QMS einführen werden und sich zertifizieren lassen. Die Kosten dafür stehen im Moment noch in keinem Verhältniss zum Erlös (der wird sich nämlich nicht erhöhen!). Es wird so sein, das Betrieb die nicht zertifiziert sind, nicht mehr den Markt beliefern werden.

Grüße vom Südrand des Harzes,

Fabi

Offline Biobauer

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Hallo, wie ich heute erfahren hab soll nächste woche ein neues gesetz bezüglich produkthaftung verabschiedet werden.bis jetzt reichte es aus,wenn man nachweisen konnte,da s man nach guter fachlicher praxis gewirtschaftetet hat ,das man nicht zur verantwortung gezogen werden konnte.dies soll nun in zukunft wegfallen ,mal soll immer haftbar sein .besonders gravierent wird das ganze  gegenüber den versicherungen,die produkthaftung mit eingeschlossen haben ,die werden versuchen schnellstmöglich ihre verträge zu ändern .
bezeichnend ist auch wied er mal die stellung des bauernverbandes,der hat nämlich hierzu überhaupt keine stellung.
ich überlass es jeden mal selber sich klarzumachen  ,was für eine gefahr für seinen betrieb in zukunft von so einer regelung ausgeht.
servus Herbert
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Offline Mathilde

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Hallo,

Kannte jemand diesen Link: https://www.lebensmittelwarnung.de/bvl-lmw-de/liste/alle/deutschlandweit/10/3

Uiuiui wenn ich das so lese wird sogar mir unwohl. Bei Lebensmitteln hört man ja noch einiges aber  Kinderkreide, Mädchensandalen…

In der Presse ist meistens die Landwirtschaft die Wurzel allen Übels.

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline gammi

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In den Geschäften kommt es häufiger zu Rückrufen. Nur da wird nix publik gemacht. Es wird einfach aus dem Regal genommen........

Aber auch da sind es oft einfach nur Vorsichtsmassnahmen, wie ein Knopf der abgehen kann.
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Offline gammi

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Interessant ja schon, dass es bei Milch, Fleisch und Wurst doch immer schnell überall hinausposaunt wird.

Es sind ja auch einige Rückrufe von Bio dabei..............da hört man nix davon.
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Offline Mathilde

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Hallo,

das stimmt so nicht. Bioprodukte sind auch immer wieder mit dabei.
Bei Lebensmitteln ist eben der Einzugsbereich größer. Milch und Milchprodukte sind nicht nur für Kinder, Straßenmalkreide dagegen wohl schon.

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach