Autor Thema: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)  (Gelesen 44592 mal)

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Offline maggie

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #105 am: 07.09.15, 21:29 »

. Außerdem fühle gerade ich mich verpflichtet, er ist dich unser Sohn und wir für sein Glück oder seine Zukunft verantwortlich.

liebe susabe,
dieser satz hat mich ehrlich geschockt - euer sohn ist erwachsen, ihr seid nicht mehr für sein glück und seine Zukunft verantwortlich !

wie alt seid ihr, wenn ihr jetzt verkleinert könnt ihr den betrieb alleine führen und euer sohn kann ihn ja dann übernehmen wenn ihr ins 2. Glied treten wollt/könnt/müsst - denn wie es aussieht wird es auch in den nächsten jahren nicht passen bei vater und sohn,
also - macht euch nicht kaputt und zieht die Konsequenzen, so wird euer sohn definitiv nie erwachsen -

wie heisst es so schön - "der papa wird's schon richten" - nur bei euch ist es scheinbar die Mama ....
liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz

Offline freilandrose

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #106 am: 07.09.15, 21:42 »
Ihr Lieben,
vielen Dank für die antworten. Er sagt ja von sich aus, dass er woanders arbeiten will. Da er aber gar keine Kritik verträgt,  wird das wohl auch schwierig. ER will alle Lohnarbeiten anbieten, Silo machen, dreschen, spritzen, säen, Mais abfahren, und alles mit unseren Maschinen. Wobei er auf Maschinenwartung und Pflege  nichts haelt.  Da sieht mein Mann rot. Die Interessen der anderen gehendes vor, unser Betrieb kann ja hinten anstehen. Es spielt doch keine Rolle, ob man zur richtigen Zeit saet oder spritzt.
Die Freundin geht auch mal mit zum Melken, will aber nach Babyphone wieder arbeiten gehen.  Sie haelt sich aus der Diskussion heraus, da schon einmal eine Beziehung aus ähnlichen Gründen scheiterte. Ich glaube, aber sie ist sich über die Konsequenzen nicht bewusst...
Hallo Susabe68, dann lass mal deinen Sohn machen. Das wird bald Mord und Totschlag geben. Er kann doch nicht einfach auf Eure Maschinen zugreifen, das geht doch nicht. Ausserdem wie will er das denn machen...Silo, dreschen, spritzen, saen. Manchmal überschlägt sich alles und man sollte 1000 Hände haben. Wer organisiert das? Dann braucht man Traktoren, einen Drescher, eine Spritze, eine Sämaschine... hat er Leute, die hinter ihm stehen? Freunde, die mitmachen oder Menschen an der Hand, die fahren. Alles kann er auch nicht alleine machen. Wer macht das Büro?  Hat er einen guten Steuerberater? Wer richtet, wenn mal was kaputt geht? Wo kommt der Diesel her für die Maschinen? Habt ihr soviel Platz? Wer macht Telefondienst? Ok, heute ist das keine Frage mit dem Handy. Aber er hängt dann dauernd am Handy und sollte doch arbeiten. Ich kenn das alles. Vor allem, geht er noch arbeiten oder arbeitet er bei Euch am Hof? Wenn Vater und Sohn nicht miteinander können, seh ich da keine Perspektive. Das gibt täglich Reibereien.
Liebe Grüsse
Freilandrose

Offline mogli

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #107 am: 07.09.15, 21:45 »
Sinnvoll wäre es sicher er würde bei einem LU eine zeitlang mitarbeiten, damit er weiß wie der Hase läuft.
Liebe Grüße Helga

Offline Steinbock

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #108 am: 07.09.15, 22:17 »
Also ehrlich, ich finde das Verhalten Deines Sohnes völlig unreif, um nicht zu sagen kindisch?
Mir tut die werdende Mutter jetzt schon leid.

Es ist an der Zeit, dass Ihr entweder den Betrieb verkleinert oder einen Angestellten nehmt,
um ohne Euren Sohn um die Runden zu kommen. Dann kann der sich besinnen, oder einen
anderen Beruf suchen. - Wie lange willst Du diese Zerrissenheit noch ertragen? Bis zu Deiner
nächsten Krise? - Entschuldigung, dass ich so direkt bin.

Alles Gute!

Elisabeth
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Offline martina-s

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #109 am: 07.09.15, 22:55 »
Oh, ich glaube, da krankt es an vielem.
Man geht ja immer von dem aus wie man es selber daheim erlebt.
Und wenn alle Gleichstrang ziehen, dann funktioniert das auch.
Aber wenn einer gleiten lässt und der andere die Richtung weist, dann genau passiert das, dass der Sohn sich den Weg des einfachsten Widerstandes sucht.
Aber andere Frage: Könnt Ihr so einfach den Betrieb  verkleinern? Einfach so?
Ich denke mal, dass da unsere Bank einen Aufstand machen würde!
Liebe Grüße
Martina

Offline annelie

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #110 am: 08.09.15, 08:27 »
Euer Sohn hat nach der Lehre keine weiterführende Schule oder den Meister gemacht?
Wie alt ist er?
Kann es sein, dass Kühe nicht sein Ding sind?
Ist Euer Sohn von der Situation genauso frustriert wie Ihr?

Ich fände eine Meditation (soll Mediation heissen, danke zu Steinbock  :-*)  sehr gut, kann natürlich sein, dass dabei nicht unbedingt das Resultat kommt, dass Dein Mann und Du Euch vorstellt.
Bestände die Möglichkeit dahingehend einen Kompromiss zu schließen, dass er sich fortbildet, möglichst was betriebswirtschaftliches, wie z. B. eine Fachschule, wo er Euern Betrieb mal durchrechnet und sieht was möglich ist und ihr dann gemeinsam entscheidet wie es weitergehen könnte oder auch Landmaschinenmechaniker (oder heisst das zwischenzeitlich Mechatroniker), wenn er Lohnunternehmer werden möchte?

Sehr bedenklich finde ich, dass Du Depressionen hast, das ist ein sehr deutliches Zeichen, das eine Veränderung notwendig wäre, aber ich weiß auch, dass das nicht einfach ist und die Kraft vielleicht nicht vorhanden ist.
« Letzte Änderung: 08.09.15, 09:35 von annelie »
Liebe Grüße
Annelie

Offline Daggl

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #111 am: 08.09.15, 08:51 »
Mal eine andere Frage: Kann es sein, dass dein Sohn auch in Richtung Depression geht?

Ansonsten kann ich mich den anderen anschließen, das Sinnvollste wäre ein neutraler Vermittler.  Ich denke so kommt ihr allein nicht weiter, da ist die Situation schon  zu verfahren. Ich seh das schon als Teufelskreis, wenn ich das richtig verstanden habe.. Vater will anders wie Sohn, Sohn hat keine Lust, die Arbeiten so,  wie Vater es haben will, zu machen(irgendwo auch verständlich), ist deswegen schlampig, Vater ist (auch wieder zu Recht) sauer... Sohn hat dann noch weniger Lust....
Viele Grüße, Dagmar

Jesus verspricht: Ich bin bei euch alle Tages eures Lebens bis ans Ende der Zeit (Mt 28,20)

Offline susabe68

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #112 am: 08.09.15, 12:43 »
Hallo ihr Lieben,
danke für eure Gedanken und Lösungsvorschläge. Eine weitere fachliche Weiterbildung kommt für unseren Sohn nicht in Frage. Er hat einen qualifizierten Hauptschulabschluss, dank sehr engagierter Lehrer und seine Lehre auch geschafft, aber der schlauste ist er halt nicht. Er hat auch mit der Winterschule angefangen, mit viel Elan, aber schon nach kurzer Zeit wieder hingeschmissen, weil es zu schwer wurde. Er hat auch schon mal ein paar Monate bei einem Lohnunternehmer gearbeitet und auch viel von dessen Problemen mitbekommen, aber er redet sich halt alles schön. Die Maschinen für seine Lohnarbeiten wären ja schon da, wir sind da schon recht gut ausgestattet, da wir auch für einige Nachbarn Lohnarbeiten machen, aber da wissen wir halt auch ziemlich sicher, dass das Geld kommt und das passt auch immer ganz gut mit unseren betrieblichen Arbeiten zusammen.
Heute Morgen hatten wir noch mal gemeinsam ein Gespräch mit ihm, in dem wir klar gestellt haben, dass er seinen eigenen Weg gehen muss, um sein Glück zu finden ohne Rücksicht auf uns und unseren Betrieb. Wir haben jetzt schon fünf Jahre gewartet, bis er weiß was er will, bzw. bereit ist an einem Strang zu ziehen.
Die ganze Sachen, die außer Schlepper fahren noch an einem eigenen LU hängen, haben wir ihm auch schon aufgezählt, aber das ignoriert er einfach - total stur -.
Wir haben ihm jetzt empfohlen sich Arbeit beim Bodenverband oder einem LU zu suchen, mit seiner Freundin in ihre Heimat zu ziehen (weil wir das Gefühl haben, dass auch sie sich hier nicht zurechtfinden wird, bzw. sie Heimweh hat) und so durch den Abstand zu uns und unserem Betrieb erwachsen zu werden, damit nicht auch noch unsere Familie zerbricht. Er will jetzt wohl auf die Suche gehen. Mein Mann ist ganz schön angekratzt, sieht aber auch keinen anderen Ausweg.
Warten wir mal ab, wie es weitergeht.

Offline Paula73

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #113 am: 08.09.15, 12:51 »
Da kommt dann aber auch die Frage auf in wie weit er überhaubt in der Lage ist einen Betrieb selbständig - mit allem drum und dran unter den heutigen Bedingungen zu führen. Vielleicht ist es auch schlicht überfordert, kann es aber euch, oder auch sich selbst gegenüber nicht eingestehen.

Offline Ingrid2

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #114 am: 08.09.15, 14:20 »
susabe - ich würde mal sagen, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wenn euer Sohn jetzt nicht kapiert, dass er für sich selbst verantwortlich ist, dann kapiert er es wohl wirklich nicht. Aber irgendwann muß auch mal Schluß sein.

Offline maria02

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #115 am: 08.09.15, 19:06 »
Hallo,

manche junge Männer brauchen anscheinend etwas länger um erwachsen zu werden!
Unser Junior ist 21 und denkt auch das leben mit Landwirtschaft wäre ein Traum!!
Auf dem Schlepper ist er glücklich und brauchbar, der Stall wenn wir mal weg sind  1 oder 2. Tage auch kein größeres Problem!

Aber Sonntags aufstehen?? Kontoauszüge sortieren und Bafög Antrag stellen da merkt man schon
das die nötige reife noch fehlt.

Ich möchte und ihr müsstet...bekomme ich öfters zuhören...

Lohnunternehmer das wäre auch sein Traum, oder für einen Stall mit AMS könnte man ihn auch begeistern ....
Nur mit unseren paar Hektar möchte ich mir das finanziell nicht mehr antun.
Das würde sich auch nicht mehr rechnen, ich bekomme da auch schon zu hören wir verbauen ihn die Zukunft!!

ER hat noch nicht mal eine Landwirtschaftliche Ausbildung, besucht gerade die Meisterschule im Handwerk!
Danach kann er immer noch eine landwirtschafltiche Ausbildung beginnen, da hätten wir auch nichts dagegen.

Seine 3 Schwestern sind ihn in  zumindest in der geistigen Reife um einiges Voraus !!!

Lieber Gruß
Maria



Offline gschmeidlerin

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #116 am: 08.09.15, 19:55 »
Liebe Susabe, ich möchte Dir zu Eurem Schritt gratulieren, das war sicher nicht einfach. Aber ich bin auch überzeugt, dass man mit klaren Fronten besser lebt. Es wird sich alles weisen!

Liebe Grüße Eva

PS.: Wäre echt schön dich kennen zu lernen, vielleicht schaffst du es nach Gießen!

Offline martina-s

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #117 am: 08.09.15, 21:25 »
Unser Klauenpfleger hat heute wohl zu meinem Mann gesagt, dass viele gerne wieder auf AMS verzichten würden weil die Kosten einfach nimmer zu den Einnahmen stehen. Und der Mann kommt wirklich in viele Ställe!
Liebe Grüße
Martina

Offline Lisa

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #118 am: 09.09.15, 11:07 »
Martina-s,
Kosten verursacht ein Roboter schon,aber die Erleichterung gibt niemand mehr her.
Kürzlich sagte Sohn,du kannst alles von mir kaufen,nur der Robbi ist unverkäuflich.
Warum?Da müsste er sich oft selber in die Melkgrube stellen und das wollen sie nicht
mehr und wir als Altenteiler haben unseren Teil schon geleistet(GsD sieht er es auch so).
ST. ist auch froh morgens nicht im Stall zu müssen ohne schlechtem Gewissen.
Tagsüber schaut sie oft nach und abends ist sie voll dabei weiss überall Bescheid.
Finde es ist für eine junge Familie von Vorteil wenn der tägliche Arbeits Rytmus entschleunigt
wird.Von selber geht es allerdings auch mit Robbi nicht.Die Frischmelker mit den Euterödem
machen öfters zu schaffen,die verbleiben mir im Melkstand bis sie melktauglich sind.
Bin froh noch einen Teil vom Melkstand zu haben den teuer wird der Robbi erst wenn man alle
Kühe merzen muss nur weil sie vorübergehend nicht oder nur beschwerlich zu melken sind.
Es gibt immer weniger  die von Neujahrstag bis Sylvester sich unter die Kühe buckeln .
Darum glaube ich auch nicht das es so viel Milch werden wird. Meine Meinung!!! Lisa
Glück ist das Einzige das sich verdoppelt,wenn man es teilt

Offline frankenpower41

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Re: Erziehung der Hofnachfolger (w/m)
« Antwort #119 am: 09.09.15, 11:43 »
Hallo

Ich gebe Lisa vollkommen recht, die Zahl derer, die täglich (selber) melken will wird immer weniger und von Vorteil kann ein Robbi sicherlich sein.  Habe ich Dich jetzt richtig verstanden, die Problemkühe werden bei Euch im Melkstand gemolken?.
Ich frage mich dann aber, wie läuft das dann auf Betrieben, in denen kein Melkstand vorhanden ist?
Unser längerfristiges Ziel (bzw. das des Hofnachfolgers) ist auch ein Roboter, aber man wird sehen.
Vielleicht bin ich pessimistisch, aber rosig sehe ich die Zukunft in der Landwirtschaft nicht und das nicht nur wegen des derzeitigen Milchpreises.
Zum Thema mehr Milch gehe ich davon aus, dass die Milchmenge sich erhöhen wird.
Dazu steht in der aktuellen Ausgabe der Elite  das Ergebnis einer Umfrage der European Dairy Farmer von 2015, dass jeder zweite wachsen will. Lt dieser Studie wollen 60 % der befragten Betriebe ihre Milchproduktion bis 2020 um mehr als 20 Prozent steigern.
Warten wir es ab.

Zum Thema Hofnachfolger denke ich, dass es in den meisten Fällen Reibereien gibt. Ich kann da auch mitreden und Schlepperfahren ist bei fast allen mehr angesehen als die Stallarbeit. Da verlässt man sich gerne noch auf die Eltern, wobei ich schon sagen muss, dass Junior bereits einige sinnvolle Änderungen eingeführt hat.


LG
Marianne
« Letzte Änderung: 09.09.15, 20:43 von frankenpower41 »