Autor Thema: Integration der Frau am Hof?  (Gelesen 5581 mal)

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Tiney

  • Gast
Re: Integration der Frau am Hof?
« Antwort #15 am: 04.01.05, 18:10 »
Hallo Alice,

seit etwas mehr als 7 Jahren wohne und bewirtschafte ich zusammen mit Mann und SE unseren Hof.
Ich hatte gute Vorbereitung auf den Einzug als Jungbäuerin mit einem Jungbäuerinnenseminar und einer Ausbildung zur Facharbeiterin der ländlichen Hauswirtschaft.
Und trotzdem war es nicht möglich, Stolpersteine zu umgehen.
Das soll nicht mutlos stimmen aber ich glaube einfach, es ist fast nicht möglich, Tipps zu geben, die nicht allzu allgemein formuliert sind.
Es hängt sehr viel von der eigenen Erziehung und dem Rollenbild, das man mitbekommen hat, ab.

Meine Schwiema ist in etwa so alt wie meine Großmutter. Ich bekam zu Hause immer wieder verklickert, dass ich respektvoll sein müsse und dankbar dafür, was sie alles tut.
So kam ich mir zu Beginn meiner Bäuerinnenlaufbahn ziemlich überflüssig vor und hatte einen kleinen Haushalt sowie ein Baby zu versorgen. Um alles andere kümmerten sich SE und Göga.
Nur ja nicht aufmucksen und immer zufrieden sein.

Ich hatte keinen Bereich, der nur mich angeht, in alles wurde hineingeschaftelt, umgekehrt sprach sich mein Mann nur mit seinen Eltern ab, was Stall betraf, meine Anwesenheit dort war ja nicht nötig.

Aus meiner Not heraus begann ich dann wieder teilzeit zu arbeiten bis zum 2. Kind.
Die Wende für mich kam mit einigen Weiterbildungen und Unterstützung von meinem Mann, der mich lehrte, meinen SE Grenzen zu setzen und auf mein Ding zu bestehen.
Dass ewige Dankbarkeit für geleistete Arbeit nix bringt, sondern dass es auch einmal genug sein muss.
Ich bin nicht respektlos meinen SE gegenüber, grenze mich aber klar ab - soweit möglich, in vielen Bereichen lassen sich Kompromisse finden.

Meine Chance war dann der Einbau der neuen Melkanlage wo ich dann melken lernte und heute ab und an meinen Mann vertrete. Ich lasse mich auch nicht mehr aus dem Stall schicken oder sonst was.
Zur Entspannung gehe ich seit fast 2 Jahren wieder einer Teilzeitbeschäftigung ausser Haus nach, kehre aber im Laufe des kommenden Sommers wieder ganz auf den Hof zurück (SE sind beide Mitte 70).

Ich bin erst im Laufe einiger Jahre wirklich zur Bäuerin geworden, bin in meine Rolle hineingewachsen. Ich denke, frau sollte sich - so möglich - diese Zeit lassen und ihren Platz auf dem Hof finden.
Gute Voraussetzungen für den Einstieg als Jungbäuerin (fühle mich immer noch ein bisschen so...) sind sicher Offenheit, Interesse,  Respekt ohne Unterwürfigkeit, dass man sich neues zeigen lässt um es einmal erlernt auch abändern zu können, dass man auch den ein oder anderen Konflikt riskiert, dass man Unterschiede zwischen der Herkunftsfamilie/betrieb und  der/dem neuen akzeptiert, dass man viel miteinander bespricht ohne zu viel zu zerreden.




Chena

  • Gast
Re: Integration der Frau am Hof?
« Antwort #16 am: 28.06.05, 21:43 »
Ich lebe seit Pfingsten endlich mit "meinem" Bauern zusammen .
Zuvor haben wir mehr oder weniger eine Wochenendbeziehung über gute 400 km geführt, die so ausgesehen hat, dass ich ein bis zweimal im Monat von Freitag bis Sonntag bei ihm war :(

Die Integration auf seinem /unserem Betrieb wird mir von ihm und seinen Eltern, die im selben Haus leben, sehr leicht  gemacht. Obwohl ich  von Landwirtschaft und Rinderhaltung so gut wie keine Ahnung habe, habe ich nie das Gefühl wie ein Depp dazustehen. Ich kann fragen was ich will und ist es noch so doof. Eher ist es so, dass ich mithelfen möchte, es aber noch nicht (richtig) kann und deshalb ziemlich gefrustet bin ;)

Meine "Schwiegereltern in Spe" haben mir Anfangs etwas Angst gemacht: Wie würde man darauf reagieren, dass ich endgültig auf den Hof komme, meine kleine Tochter mitbringe und plötzlich quasi die neue Hausherrin bin?
Der Empfang war sehr sehr herzlich, meine Tochter wurde angenommen wie ein eigenes Kind und ist auch voll mit integriert.
Wir haben zwar manchmal unterschiedliche Meinungen (Was, Dein Hund darf ins Haus???) können aber gut darüber reden. Auch wenn Sie nicht ganz damit einverstanden sind wird meine Meinung doch akzeptiert. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar.
Gleich von Anfang an wurde ich in Entscheidungen und Diskussionen mit einbezogen, wenn zB. der Tierarzt auf den Hof kommt bin ich dessen Ansprechpartner und kümmere mich um alles weitere.
Hilfreich für mich ist auch, dass meine "Vorgängerin" nicht besonders "angenehm" war und ich wohl mehr Ihrem Bild von einer guten Bäuerin entspreche (was immer das auch heissen mag...lach)
Ich glaube, Sie merken auch, dass mein Partner und ich ein wirklich gutes Team sind, dass wir gut zusammen arbeiten können und viel miteinander reden und dass es uns einfach gut zusammen geht.
Wir haben auch gemeinsam beschlossen, dass ich hier nicht mehr im Büro etc. arbeiten werde sondern zuhause bleibe und für meine Tochter und den Hof da sein werde, was ich sehr geniesse, da ich die letzen Jahre trotz Kind sehr viel gearbeitet habe.
Momentan sind wir dabei wieder in die Direktvermarktung einzusteigen, die für ein paar Jahre pausiert hat. Mein Traum ist ein kleiner Hofladen mit Fleisch, Honig, Likören  etc. und etwas Kunsthandwerk von Freunden...

Abendliche Grüsse,
Nicole

Offline Maja

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Re: Integration der Frau am Hof?
« Antwort #17 am: 13.07.05, 00:09 »
Gute Ratschläge für Jungbäuerinnen geben ist nicht so einfach.
Im Grundsatz muss es doch für die "ALtvorderen" einfach wichtig sein,dass die Generation die nach ihnen kommt, zum ersten gut zusammenpasst und zusammenarbeitet.
Zum zweiten ,das vorhandene Gut,der Hof, weitergeführt wird. Denn nur so hat die von den Eltern und Schwiegereltern geleistet Arbeit erst ihre Vollendung.
ALs wichtigsten Punkt würde ich sehen,dass man zusammen über alles spricht.Ein gewisser Respekt vor der Lebensleistung der Vorgängergeneration ist schon angebracht ,aber genauso brauchen die Jungen Leute den Respekt der Eltern,denn es verlangt Mut und Kraft den Hof eine Generation weiterzubringen.
Der nächst Punkt wäre: NIcht jeder kann alles gleich gut und so soll jeder nach seinen Fähigkeiten seine Arbeitskraft im Hof einbringen.Es muss aber auch der jungen Frau genug Raum und Zeit bleiben die Kinder groß zu ziehen.
Es ist nicht einfach aber es ist möglich auf einem Hof gut zusammen zu leben, JUng und Alt
Maja