Autor Thema: Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft  (Gelesen 34350 mal)

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Offline MirjamTopic starter

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Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« am: 05.04.04, 13:23 »
Hallo,

mir bleibt immer wieder die Luft weg, wenn ich von Suiziden in der Landwirtschaft höre  oder lese.

Ein Bericht aus Baden-Württemberg hat mich diese Woche doch sehr aufgewühlt:

Ein junger Betriebsleiter hat nach Scheidung, Überlastung und Ärger mit der Familie einen Abschiedsbrief geschrieben, seine 3 Kinder NICHT angeschnallt auf die Rücksitzbank gepackt und ist mit Vollgas gegen die Hauswand gefahren wo seine Exfrau wohnt.

Er ist dabei  ums Leben gekommen - die 3 Kinder leben noch schwerverletzt.

Ein anderer junger Mann hat sich selbst mit dem (Schwein-)bolzenschußgerät getötet  :-[.

----------------------------------------------------------------

Wie geht ihr mit solchen Meldungen - die immer häufiger werden - um?

Ich bin teils traurig, teils wütend, das Menschen sich selbst in so hilflose Lagen manövrieren, das der Suizid ihnen der einzige Ausweg scheint (das Gesicht zu wahren?).

Aus meiner Sicht überwiegen die Suizide bei Männern.

Woran liegt es?

Das sie sich schwer eingestehen können, das sie selbst gesteckte (Arbeits)ziele nicht einhalten schaffen?

Das sie in der wie in der "normalen" Gesellschaft Trennungen von Frau und Kindern "nicht packen"?

Das sie mit Existenzängsten nicht so umgehen können, das sie Verpflichtungen (den Hof weiterführen) nicht bewältigen und statt "neu" anzufangen den Selbstmord wählen?



Habt ihr selbst solche Erlebnisse im Dorf oder im Bekanntenkreis?

Kann man da überhaupt helfen, auch wenn man weiß das jemand gefährdet ist?

Traut sich jemand einen anderen "einweisen" lassen in psychologische Behandlung wenn die Hinweise/Gefahr unübersehbar sind?


So viele Fragen um so ein düsteres Thema... :-\

Mirjam
« Letzte Änderung: 05.04.04, 13:30 von Mirjam »
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline maresi1

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #1 am: 05.04.04, 15:16 »
So viele traurige Einzelschicksale!

Bei uns in der Nähe hat ein Vater seine 2 Kinder(11 und 9) im Schlaf umgebracht und sich danach im Stall erhängt.
Die Frau hatte eine andere Beziehung, nach außen hin wurde aber der Schein einer intakten Familie gewahrt.
Im Abschiedsbrief vermachte er alles seiner Frau und wünschte ihr ein schönes Leben!

Nach der Beerdigung hat sich der Bruder der Frau vor seiner Lebensgefährtin(eine Nichte des Mörders) erschossen.

Kann man solche Schicksalsschläge eigentlich irgendwann verarbeiten?
Könnte man so etwas voraussehen?
Mir läuft heute noch der Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke.

LG Maria

Offline cara

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #2 am: 05.04.04, 16:21 »
ein schwieriges und sensibles thema...

viele, eigentlich die meisten, fragen sich dann immer "warum?".
die jenigen, die den weg wählen, werde ihre gründe haben..
man denkt schnell, es ist eine schnelle, einfache und feige methode, sich aus dem staub zu machen und alles hinter sich zu lassen...
die kinder ohne vater, die frau ohne mann, der hof ohne leiter...

sicherlich wird er/ sie sich gedanken gemacht haben über die zukunft, aber keine wirkliche perspektive gesehen..
dazu kommt noch, ob evtl. psychische vorbelastungen vorhanden sind.. wenn schon länger eine depression bekannt ist, mit evtl. schon aufenthalten in kliniken, dann kann schon mal schnell alles zu viel werden.
wenn dann auch noch nichtmal verständnis für die situation von aussenstehenden da ist ( "lass dich nicht so gehen.. andere haben auch probleme.. spiel nicht wieder verrückt...), was leider auch noch zu oft vorkommt...
dann bleibt manchmal nicht wirklich ein ausweg... und mit einer gewissen distanz erkennt man das auch oft als betroffener...

mirjam, ob der klinikaufenthalt wirklich hilft, dass ist sicher von vielen faktoren abhängig...
erst einmal die ausgangsbasis... eine echte depression oder "nur" perspektivlosigkeit....
es muss auch unbedingt hinterher weitergehen.. es nützt mir nichts, wenn ich in der klinik gepusht werde und halbwegs lerne, wie ich vielleicht mit meinem leben zurechtkomme, wenn ich daheim wieder nur auf unverständnis stosse, niemand sich mit mir befasst, oder wenigstens versucht, meinem blickwinkel zu verstehen.. (s.o.) wenn ich in den gleichen trott wieder hereinfalle....


Offline Kerstin-44

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #3 am: 05.04.04, 19:32 »
ich mag eigentlich gar nicht viel dazu schreiben.
wir haben in unserem engsten freundeskreis zwei fälle gehabt.zwei landwirte, die sich im stall erhängt haben und in beiden fällen hinterliessen sie frau und drei kinder;-((keiner weiss warum und wieso.eine der betroffenen sagt immer, sie hätte nicht trauern können, nur unbändige wut verspürt über dass was er getan hat.wir trauern noch heute um den besten freund des hauses und nachbarn.

Mucki

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #4 am: 05.04.04, 22:26 »
Diese tema meide ich normal,möchte aber doch berichten was zu dem Tema bei uns im Dorf schon so los war vor ca 10 jahren hat sich an einm Sonntag ein 26 Jähriger lediger bursch aufgehängt hate sich erst eine neuen Audi betellt ,der kam am tag der Berdigung,keiner weis warum,er hatte es den Eltern angekündigt mehr mals aber kein nahm es ernst,da er nach ausen hin  schien es keine Probleme hatte.
Vor ca.7 Jahren hat sich ein Landwirt ca 80 Jahre alt erhängt.
Vor 2003 hat sich ein Landwirt im nachbar dorf 66 Jahre alt erhängt,er hat monate zuvor begonnen sein hab und gut zu ordnen,er hat den Hof Übergeben und am Tag als die Papiere per Post kamen hat er sich erhängt.
Und vor 4 Wochen hat ein 83 Jähriger landwirt,der seine Hof zu gunsten der zwei Kinder schon bis auf Die hofsteller verhauft hat sich die Pulsadern aufgeschnitten,und siech dann zum fenster geschleppt und um hilfe gerufen,durch die schnelle Hilfe von nachbarn wurde er geretten und liegt im Altenheim,die kinder waren angeblich nicht einmal im Krankenhaus zu besuche,er lebte ganz alleine.
Wen bei uns im Dorf der Sanker fährt und kurz drauf die Polizei den läuten alle alrmglocken in mir und mir wird jedes mal ganz andres zumute,ich habe viel vor allem über den Jungen Menschen mit 26 nachgedacht ich kannte ihen seit ich 16 war und es ist unbegreiflich wie jemand so etwas tun kenn.
Sowas geht mir unheimlich nah selbst wen ich in der zeitung von jemanden lese den ich nicht kenne.
Gruß Mucki

Offline Marina

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #5 am: 06.04.04, 07:23 »
Meine Tante, damals 66 Jahre, hat sich vor 5 Jahren in der Salzach ertränkt. Wir wissen bis heute nicht, warum. Mein Onkel ist seitdem ein gebrochener Mann, der völlig orientierungslos vor sich hinlebt.
Es gab monatelang Anzeichen, dass etwas mit ihr nicht stimmt (hat Verwandtenbesuche angeblockt, viel in der Bibel gelesen, was sie sonst nicht tat), aber diese Anzeichen wußte man halt erst hinterher zu deuten.

Meinem Onkel würde es vielleicht helfen, wenn sie wenigstens einen Abschiedsbrief hinterlassen hätte. Aber so plagt er sich mit Schuldgefühlen und Fragen nach dem Warum und findet doch keine Antwort.

Ich persönlich bin manchmal über ihren Selbstmord wütend: mein Vater mußte mit 51 Jahren an Herzinfarkt sterben, mein Lieblingsonkel (eine Bruder meines Vaters) mit 70 Jahren an Lungenkrebs. Und ihre Schwester bringt sich, aus welchen Gründen auch immer, um.

Traurige Grüße von
Marina

Offline MirjamTopic starter

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #6 am: 08.04.04, 08:21 »
Hallo,

Suizide sind wirklich ein heikles und grad für die Familien ein so belastendes Thema, das man nicht  gerne darüber spricht und ich mich lange fragte, ob ich ethisch gesehen diese Box öffnen soll.

Aber weil sich die Fälle derart häufen (mein Eindruck) und die Briten zumindest hier schon weiter sind, die Familientragödien zu erfassen und wir Deutschen kaum, sollten wir wirklich drüber reden, damit auch die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird und versteht, das die Agrarreform zu den sozialen Problemen keineswegs das Licht am Horizont ist, wie Fr. Künast es erzählt..?

Und wieder hat sich ein junger Landwirt in den letzten Tagen in Westfranken das Leben genommen und sich mit einem Skalpell die Schlagader geöffnet.


Mich erschreckt v.a. die Perspektivlosigkeit von jungen Betriebsleitern, die eigentlich noch ein ganzes Leben vor sich haben, in Dorfgemeinschaften integriert sind und eigentlich auch "Boden unter den Füßen" haben.


Warum verlieren wir auf einmal so viel "Boden unter den Füßen"?


Mirjam


« Letzte Änderung: 08.04.04, 18:52 von Mirjam »
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Irmgard3

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #7 am: 08.04.04, 20:09 »
Ich denke, dass der Mensch, gleich ob nun Vater oder Mutter nicht mehr real denken kann, wenn er oder sie die Kinder mit in den Tod reißen. Was sie da tun,  ist ihnen einfach nicht klar und sie nehmen vielleicht in ihrer Verzweiflung nur das mit in den Tod,  was sie lieben. Ich stelle es mir so vor. Es berührt mich auch sehr. Ich denke, dass wir viel zu wenig anderen Menschen wirkliche Hilfe und Verständnis entgegen bringen, weil das macht ja Mühe und ist schwer.
« Letzte Änderung: 08.04.04, 20:10 von Irmgard3 »
Lebe, wie  du wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
(Christian Fürchtegott Gellert)

Offline Tilly

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #8 am: 08.04.04, 21:00 »
Solche Menschen, denke ich, handeln immer im Affekt. Ich glaube auch nicht, dass die Mitmenschen mitbekommen wie schlecht es um suizidgefährdete Menschen steht.
Ein Bekannter in unserer Gegend hatte sich vor einigen Jahren erhängt. Seine Frau hat ihn rechtzeitig entdeckt.
Es geht ihm heute gut, er lebt sein Leben ganz normal weiter.
Ich denke es handelt sich meistens um Momente einer
Kurzschlußreaktion.
Viele Grüße

Tilly

Offline Bärbel

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #9 am: 08.04.04, 23:03 »
Mein Sohn hatte einen Schulfreund ,dessen Vater hat sich und die ganze Familie mit in den tot genommen. Der Vater hat unmengen Schulden gemacht und dann keinen Ausweg mehr gesehen. Nach außen hin hat es immer den Anschein gehabt das alles in Ordnung ist.
Das ist jetzt schon 8 Jahre her,mein Sohn hat immer noch die Totesanzeige der Klassenkameraden in seinem Zimmer hängen. Er hat lange gebraucht bis er einigermaßen darüber hinweg war.

Meine Nachbarin hat sich vor gut einem Jahr auch das Leben genommen.Sie war ein paar mal freiwillig in Psychiatrischer Behandlung und als wir alle dachten es ginge ihr besser hat sie sich vergiftet. Sie hat zwei Kinder und einen Mann  zurückgelassen.
Man kann halt nicht in einen Menschen hineinsehen.
Eine andere Familie aus unserem Dorf hatte Zwillingsbrüder die sich im Abstand von 20 Jahren beide erhängten. Wie muß sich eine Mutter da fühlen? Ich weiß nicht  man so etwas jemals verkraften kann.

Traurige Grüße

Bärbel
« Letzte Änderung: 08.04.04, 23:05 von Bärbel »
Liebe Grüße aus Südhessen

Bärbel

Reiß den Faden der Freundschaft
nicht allzu rasch entzwei
wird er auch neu geknüpft
ein Knoten bleibt dabei

Offline PeacefulHeidi

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #10 am: 08.04.04, 23:56 »
Tiller bist du dir wirklich sicher, daß diesr Mann sein Leben "normal" weiterlebt. Ich nicht!!!!

Ich denke es ist schon ein gewaltiger Schritt sich ein Tau um den Hals zu legen und dann sich auch noch dran zu hängen! Das macht man nicht einfach so als Kurzschlußreaktion. Dahinter steckt mehr.

All diese Schicksale die hier beschrieben werden bewegen mich sehr. Selbst war ich auch mal an der Grenze und ich hab mir nichts mehr gewünscht wie zu sterben. Warum? Weil dann Ruhe ist! Ganz einfach. Weil man keine Sorgen, Nöte, Probleme und sonst was mehr hat. Weil man seinen Frieden hat.

Doch bis man soweit ist, ist es bereits ein langer harter steiniger Weg!!!! Und dann sitzt man unten im tiefen Loch und kommt nicht wieder raus. Nur der einzige Ausweg scheint die Erfüllung zu sein: Der Tod!

Und dann sagt ihr hier es ist eine Kurzschlußreaktion? Nein es ist ein wohldurchdachter Schritt. Der große Wunsch nach Ruhe und Frieden. Der ist stärker als alles andere in dem Moment! Der verselbstständig sich und wenn einem dabei keiner hilft und diesen Gedanken aufhält, dann ist es vorbei. Dann reagiert man nur noch und denkt nicht mehr!

Aber damit hier jetzt keine Panik ausbricht. Solche Gedanken habe ich heute nicht mehr! Und ich bin nur durch einen beherzten Hausarzt und sehr vielen Gesprächen aus diesem Loch herausgekommen.

Ich möchte damit auch eigentlich nur verdeutlichen, daß nach außen hin vieles "normal" scheint, was garnicht normal ist.

Warum verliert man derart "den Boden unter den Füßen" ? Keine Ahnung, es passiert. Schleichend langsam und ist dann richtig quälend. Wenn man dann allein mit seinem Problemen/Sorgen ist, dann wird das ganze unaufhaltbar. Das Problem ist dann nur, das man es als Problem erkennen muss und es Hilfe dafür von außen gibt! Diese Hilfe muss man außerdem auch noch annehmen und da stehen wir dann vor dem nächsten Problem unserer Zunft: Darüber reden dann die Leute und ich bin der Depp vom Dienst! = Dorfgespräch!!!!

Oft wird es auch innerhalb der Familie lieber verschwiegen (obwohl man weiß, daß Junior Sorgen/Probleme hat) als das man sich Hilfe holt. Weil es ist ja seit Generationen auch so gegangen. Das haben wir doch immer so gemacht. Alle kennen wir  diesen Spruch.

Ich wünsche mir eigentlich nur, daß es mehr Hilfe von außen gibt bevor es zu spät ist und das diese Hilfe nicht verpönt ist. Das die Zukunft rosiger ausschaut und man die Hoffnung nicht verliert. Junge Betriebsleiter offen über ihre Probleme/Sorgen sprechen können und das man in der Familie auch Verständnis dafür hat. Das man ihnen hilft und sie nicht auslacht!

Es ist im Grunde nur ein hausgemachtes Problem. Denn in allen Familien können sich die Söhne und Töchter vom Elternhaus abnabeln und notfalls sogar abkapseln. Nur in der LW geht es nicht. Man ist auf Gedeih und Verderb der Familie ausgeliefert. Sonntags wie Alltags, Tags wie Nachts.

Es gibt keine Sonntagnachmittags-Kaffeekränzchen, Weihnachsts-, Oster- und Geburtstagsbesuche, nach denen man nach 2 Stunden (wenn man die Schnauze voll hat) wieder nach Hause geht. Nein man sitzt 24 h am Tag 365 Tage im Jahr zusammen und wird argwöhnisch beäugt, ob man auch ja alles so macht, wie es der Opa schon getan hat. Obwohl die Politik und der Markt etwas ganz anderes von uns verlangen!

Es treffen viele Faktoren zusammen und man sieht wirklich nur noch diesen einen Ausweg. Ob die Familie es wusste, daß er sich umbringen würde oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Die Familie wird aber mit Sicherheit von den Problemen gewusst haben!!!! Denn das etwas nicht stimmt haben sie gemerkt, wenn auch vielleicht nicht zuordnen könenn woran es liegt und es als neue "Marotte" abgetan.

So und jetzt könnt ihr mich für diesen Beitrag vierteilen. Ich war mal wieder viel zu offen und hab viel zu viel über mich erzählt. Aber so sehe ich das mit den Suiziden in der Landwirtschaft.
Herzliche Grüße

Heidi

Mucki

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #11 am: 09.04.04, 08:06 »
Hallo Heidi!
Danke für deine offenheid,ich htte gestern nicht den mut mich hir so zu öffnen wie du,ich bewunderen den mut den du hast.
Auch ich war wie du schon in dem scharzen loch und auch ich wollte nur noch meine Ruhe haben,mich hat mein Mann und mein Hausarzt aus dem loch geholt,wofür ich beiden sehr dankbar bin,auch das meine Kinder mich noch zum erwachens werden brauchten hat mir sehr geholfen.
Du hast die situation genau getroffen in deinem bericht.
Jetzt geht es mir wieder gut ,und ich bin ein lebensfroher Mensch geworenden ,es war ein langer steiniger Weg.
Als ich den Ursprung suchte war ich sehr erstaund wie viele Jahre ich das schon mit mir trug,es hat angefangen als ich ca 12 Jahre alt war und ich habe die Jahre über viel angesammelt richtig ausgebrochen ist es mit 26 Jahren,da war dann plötzlich meinte ich eine Berg der unüberwindbar war,ich habe ihn bezwungen,
Gott sei dank.
Lieb grüße Mucki

Offline MirjamTopic starter

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #12 am: 09.04.04, 10:09 »


Hallo,

es ist sicher bei vielen ganz unterschiedliche Gründe, bis einem einmal oder öfter oder auch ständig der Gedanke kommt:

Ich kann nicht mehr...

Ich will nicht mehr...


Was ich ganz arg unnötig in der heutigen, anspruchsvollen Zeit und den Sorgen die sowieso auf einen zurollen ist, das immer noch/wieder Druck auf die Menschen gemacht wird, bestimmte "Ansprüchen" zu genügen oder die Versagensängste, die einem eingeimpft werden, wenn man es nicht tut/kann.


Mir ist erst letzt zugetragen worden, das die jungen Landwirte ganz gewaltig darunter leiden, wenn sie das Kriterium "eine Bäuerin bei bringen" nicht erfüllen, wo es doch für jeden schlimm genug ist, eine arbeitsreiche Zukunft zu bewältigen ohne einen Partner zu haben.

Toll finde ich dann auch noch, das Führungspersönlichkeiten so ein Thema aufgreifen, wie ein BV-Vetreter, der kürzlich ein Ausbildungszentrum besuchte und als Einstieg es bekannt als "Heiratsmarkt" bezeichnete: Und diejenigen, die dann zwar "nur" einen Abschluß & Fachwissen haben aber kein "Mädel" mit heimbringen, was sind die dann? Verlierer?


Mirjam
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lisa2

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #13 am: 09.04.04, 13:08 »
Hallo Mirjam,
Du hast recht,aber
leider setzen uns nicht nur andere mit den Ansprüchen unter Druck.
Meistens sind wir es selbst, die es nicht gelernt haben, sich so zu akzeptieren wie wir sind, mit all unseren Schwächen und Stärken.
Mit der Schule ist es genauso. Ich glaube nicht, dass die Schule höhere Anforderungen an unsere Kinder stellt, als zu unserer Zeit - Nur wir Eltern sind anspruchsvoller und mit großer Erwartungshaltung an unsere Kinder.
Grüße Lisa

Offline Ingrid2

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Re:Selbstmord & Suizid in der Landwirtschaft
« Antwort #14 am: 09.04.04, 13:23 »
Hallo,
ich denke schon, daß grade in der Landwirtschaft die Erwartungshaltung von außen oft sehr hoch ist. Grad weil von vielen Eltern erwartet wird, den über Generationen bestehenden Betrieb weiterzuführen. Im schlimmsten Fall so weiterzuführen wie er immer war. Wo dann jede Veränderung grundsätzlich negativ bewertet wird. Und dann will keiner der Letzte sein. Ich glaube, zu erkennen, daß der Betrieb nicht wie gehabt oder sogar überhaupt nicht weitergeführt werden kann, ist ein Riesenproblem. Und da setzt man sich schon selbst oft extrem unter Druck.

Denn zuzugeben, daß man den Betrieb nicht mehr so wie die vergangenen Generationen weiterführen kann, ist schon schwierig genug. Und dann immer noch zu hören, daß es früher schließlich auch ging und man nur "richtig" arbeiten muß, das tut schon sehr weh. Daß da Gedanken an eine "endgültige Lösung" kommen ist wohl nicht so abwegig.

Gruß Ingrid