Autor Thema: Depression bei 15jährigem Mädchen  (Gelesen 12410 mal)

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Offline Bucherin

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #30 am: 01.03.11, 09:14 »
Ich muss auch noch was dazu schreiben.
Meine Tochter ist inzwischen (wie einige wissen) in einer Familienwohngruppe.
Sie ist 12 Jahre alt und war wegen schweren Depressionen und akuter Suizidgefahr 6 Monate in der Jugendpsychatrie, davon etliche Monate auf der geschlossenen Station.

Das ist nicht leicht für mich, für die ganze Familie und für meine Tochter.
Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob das wirklich sein kann, aber am Schluss habe ich mich nicht mehr aus der Wohnung getraut weil ich nicht wusste, ob meine Tochter nicht doch vom Balkon springt.

Bei uns ist viel zusammen gekommen, wahrscheinlich zu viel. Trennung, Umzug (schon länger her aber noch nicht verarbeitet), Pubertät, neue Schule und dort Probleme (Mobbing?). Ich denke, für ein 12jähriges Mädchen genug.
Und obwohl ich alles versucht habe, konnte ich ihr nicht helfen. Das war hart. Und wir waren schon bei einer örtlichen Psyhotherapeutin, aber auch die wusste sich nicht mehr zu helfen.

Für nicht Betroffene ist es schwer, an Depressionen zu glauben.

Bucherin

manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #31 am: 01.03.11, 09:30 »
Manu, du meinst Slumgucken bringt ihn wieder in die rechte Spur? Oder gehen wir mal da hin, wo sie die Sendung "die härtesten Eltern..." machen und schauen wir wie hart die Leute da arbeiten müssen?
Die Sendung mag ich nicht, weil die Kinder nicht überzeugt werden, sondern gezwungen.

Slumgucken ist das eine, dann aber helfen lassen, bzw. überlegen, wie man helfen kann. Das lehrt ganz gut. Manche Dinge kann man nur lernen, wenn man sie 'anfassen' kann.
Und das hilft durch so ein Tief ganz gut. Denn mehr ist es meiner Meinung nach nicht. Die Kinder zweifeln und wir tun so, als ob die Welt zusammenfällt.

gammi, hab ich noch nie erlebt, wenn ich Schüler gecoacht habe, dass die sich kaputtlachen. Hast Du die Erfahrung so gemacht, wenn Du mit den Kindern geschaut hast, wie Du richtig armen Menschen helfen kannst?

manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #32 am: 01.03.11, 14:49 »
gammi, was die reden, da geb ich nichts drauf. Was die dann machen und wie sie sich entwickeln, das ist mir wichtig gewesen. Und da hab ich keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Man muss sich das immer anschauen und Druck bringt nichts, weil den haben die schon überall im Leben...

Offline Stadtkind

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #33 am: 24.12.11, 18:13 »
Hallo,

ich habe gerade dieses Thema gelesen und möchte auch noch was dazu sagen,
ich glaube schon, dass die Anforderungen an uns alle (Kinder, Schüler, Studenten, Azubis, Erwachsene) einfach gefühl höher geworden sind, da ständig auch Diskussionen im Raum stehen, irgendwelche Schulen zusammenzuschließen und neue Schularten entstehen; dann soll man eine gute Ausbildung haben, um im Leben etwas darzustellen und sich selber finanziell durchzubringen; dann auch noch der Druck der Freunde/ Kollegen/ Clique - also, wenn Du was auf Dich hältst, hast du mit 18 natürlich den Führerschein bestanden, ein schickes Auto, die entsprechende "Puppe" an deiner Seite, eine Ausbildung, die problemlos läuft und auch niemals nie irgendwelche Zweifel alà "wie sehe ich aus" und "kann ich mit den anderen mithalten"; dann natürlich auch zügig eigene Wohnung, unbefristeten Job, Ehering und übermorgen dann 2 gesunde Kinder und parallel dann noch ein erfolgreiches Engagement in der eigenen Familie und dann auch im Verein oder im Dorf.

Und ich glaube dieser Druck insgesamt ist für den einen oder anderen, auch mit den entsprechenden Anlagen, einfach zu viel. Der eine braucht sehr viel action, um sich lebendig zu fühlen und der andere ist von der Fülle einfach überfordert (ich denke auch dass ist der Unterschied zu früher - früher gab es kein Laptop, Smartphone, Internet, SMS und Daddel-Spiele, sondern eben live-Kommunikation und auch die Chance gemütlich offline zu sein).

Desweiteren denke ich, dass diese ganze Hormon-Umstellung ähnlich schwierig ist wie die Wechseljahre, nur dass eben die Pubertät medikamentös relativ wenig behandelt wird oder die Problem(chen) der Jugendliche nicht ernst genommen werden durch einfaches abtun im Gespräch ala ist ja nicht so schlimm und das in einer Phase, in der sich die Kinder entwicklen und für vieles entscheiden müssen (Lernen, Schule, Party, Beruf, irgendwo ihren eigenen Lebensweg) und dann auch noch der soziale Vergleich mit den Klassen- oder Dorfkameraden. Ist einfach schwer mit jungen Jahren zu sehen, dass andere schon "alles" erreicht haben, während man selbst Probleme mit Eltern, Lehrern, Familie oder auch Mobbing oder der Gesundheit (z.B. Neurodermitis, Akne oder Asthma) hat. Mal ehrlich, wer will schon ehrlich hören, wenn jemand sagt, dass er Probleme hat? Und wird unseren Kindern, besonders den Jungen, beigebracht, dass sie ihre Gefühl selbst kennen und diese dann auch mal äußern? Ich behaupte, dass dies auch viele Männer nicht können...

Überall wird erwartet, dass man seinen Mann steht und leistet, leistet, leistet, aber niemand sagt einem wirklich oft, dass man auch ohne Abi oder ohne den elterlichen Hof zu übernehmen "was werden kann", denn heute gibt es soo viele Möglichkeiten Schulabschlüsse nachzumachen, egal, ob in Vollzeit oder nebenberuflich oder an einer Fernschule und eigentlich ist es doch wichtig, dass die Kinder gesund und einigermaßen normal durch die Schulzeit kommen und da ist es doch wurscht, ob sie noch ein Jahr länger oder kürzer in den KiGa gehen.....

Ich denke auch, wir müssen uns hie und da auch an die eigene Nase fassen, denn wer steigt plötzlich aus dem 20-Sorten-Weihnachtskekse backen plus Gänsebraten aus? Keine/r traut sich dass, weil es eben immer so war und wenn man mal sagt "ich schaffe das nicht (mehr)" wird das nur kurzfristig anerkannt (von den anderen).

Depressionen und alle anderen psych. Erkrankungen können gut behandelt werden und sie müssen auch behandelt werden, obwohl ich schon denke die eine oder andere mittlere Enttäuschung z.B. beim ersten Liebeskummer ist normal, aber wenn man nichts mehr machen will, außer zuhause alleine sein, ist das doch gefährlich und man muss handeln.

Ciao