Autor Thema: Volkstrauertag  (Gelesen 10423 mal)

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Offline Helhof

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #15 am: 15.11.15, 19:06 »
Bei uns ist das Gedenken auch am Vormittag nach dem Gottesdienst und deswegen auch relativ gut besucht. Eine Blässergruppe spielt, KSK-Vorstand, Bürgermeister und Pfarrer halten kurze Ansprachen, in diesem Jahr auch mit Bezug zu den Ereignissen in Paris. (aber mir geht´s wie Hosta, bin heute wegen Hustens zuhause geblieben.)
Liebe Grüße,
Maria

Offline Internetschdrieler

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #16 am: 15.11.15, 21:23 »
Zufällig bin ich heute an einem Soldatenfriedhof  - zunächst vorbei gefahren, dann doch umgekehrt und rein geschaut https://de.wikipedia.org/wiki/Durnbach_War_Cemetery
Als ich so durch die Gräberreihen schritt kam mir der Gedanke - die meisten Gefallenen waren so alt wie jetzt unsere Kinder sind...........

Offline frankenpower41

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #17 am: 15.11.15, 21:46 »
Georg, danke für den Link
Ich wusste nicht, dass es hier in Bayern so große Soldatenfriedhöfe gibt.
Ich war 1982 als wir mit der Landjugend in Finnland waren, auf dem deutschen Soldatenfriedhof bei Rovaniemi am Polarkreis. Wenn ich daran denke, läuft es mir heute noch kalt den Rücken herunter.
Wir waren damals ja alle etwa in dem Alter wie die dort begrabenen  Soldaten, ich glaub da war keiner älter als 24.
Das war ein Erlebnis das mir unvergessen bleiben wird.
Mir kommt grad so in den Sinn, dass in dem Jahr niemand hier war zum sammeln für die Kriegsgräberfürsorge.

Marianne

Offline geli.G

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #18 am: 15.11.15, 21:53 »
Zufällig bin ich heute an einem Soldatenfriedhof  - zunächst vorbei gefahren, dann doch umgekehrt und rein geschaut https://de.wikipedia.org/wiki/Durnbach_War_Cemetery
Als ich so durch die Gräberreihen schritt kam mir der Gedanke - die meisten Gefallenen waren so alt wie jetzt unsere Kinder sind...........

Ich war vor kurzem bei einer Cousine meines Vaters, sie ist Jhrg. 1923. Sie hat mir ihre alten Fotoalben gezeigt, neben ihrem großen Bruder, waren viele Bilder von jungen Soldaten drin......alles Verwandte und Nachbarn und nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt.... :'(
Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben.
Viele Grüße von Geli

Offline gatterl

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #19 am: 15.11.15, 21:57 »
Jedes Mal, wenn ich über unseren alten Friedhof gehe, habe ich Tränen in den Augen.
Die Toten der Kriege sind teilweise mit Bildern in der Friedhofsmauer verewigt. Oft sind fast alle männlichen Familienmitglieder ausgelöscht worden.
Söhne, Männer, Brüder, Väter.
Unvorstellbar was die Menschen mitmachen mussten.
Barbara

Man beachte, daß nicht jeder, der die Meinung anderer hören möchte, auch eine andere Meinung hören will.

© Maz Bour

Offline Elli

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #20 am: 15.11.15, 22:13 »
Hallo Barbara,

ich hoffe, dass wir sowas nie erleben müssen. Meine Jungs sind jetzt in dem Alter der Soldaten damals. Da mag man gar nicht dran denken.
Und die jungen Männer sind nach dem Krieg überhaupt nicht psychisch betreut worden. Die mussten das alles selber verarbeiten. Eigentlich ein Wunder, dass das so viele geschafft haben.

Wir singen am Kriegerdenkmal immer den "alten Kameraden", der geht mir jedesmal wieder zu Herzen.

Offline gatterl

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #21 am: 15.11.15, 22:18 »
ich hoffe, dass wir sowas nie erleben müssen. Meine Jungs sind jetzt in dem Alter der Soldaten damals. Da mag man gar nicht dran denken.
Und die jungen Männer sind nach dem Krieg überhaupt nicht psychisch betreut worden. Die mussten das alles selber verarbeiten. Eigentlich ein Wunder, dass das so viele geschafft haben.
Meine auch und ja, diese Gedanken habe ich auch.
Barbara

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© Maz Bour

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #22 am: 16.11.15, 07:12 »
Unsere Tafeln mit den Gefallenen der Weltkriege hängen im Vorraum unserer Kirche, sehr zum Mißfallen des aktuellen Pastors. Aber sie hängen da und bleiben hängen. Ich sehe sie jedesmal, wenn ich in der Kirche bin. Und ich habe IMMER 2 kleine Teelichter stehen, die während des Gottesdienstes brennen.



Wir singen am Kriegerdenkmal immer den "alten Kameraden", der geht mir jedesmal wieder zu Herzen.

Elli, den Marsch "Alte Kameraden" oder den Choral "Ich hatt' einen Kameraden?"

Ich habe mal mit 10 Jahren von meinem Vater einen Anschiß kassiert, der sich gewaschen hat, seit dem kenn ich den Unterschied. Ich sollte ihm ausrichten, bei einer Beerdigung solle der Choral gesungen werden, ich hatte nur noch Kameraden im Hinterkopf und hab ihm dann gesagt, "Alte Kameraden" seien gewünscht. Hui, die Ansage hab ich nicht vergessen.

Aber mir kommen auch immer die Tränen, wenn der Choral gespielt wird. Ich muss dann immer an den Opa denken, der verletzt im Lazaret gelegen hat, welches geräumt werden musste und wie er erzählt hat, dass er die Kameraden gebeten hat, ihn mitzunehmen. Sie mussten sortieren und die Schwerverletzten konnten nicht mitgenommen werden. Er hatte Glück.

Er hat das nicht oft erzählt, aber anscheinend oft genug, dass es sich bei mir im Kopf festgesetzt hat.


Ich bin heilfroh, dass wir derzeit keine allgemeine Wehrpflicht mehr haben, so verklärt die Generation meines Mannes ihre Zeit beim Bund auch sieht, aber das waren eben Zeiten, wo kein aktiver Kriegsdienst geleistet wurde. Mein Respekt gilt trotzdem den jungen Leuten, die sich heute bewußt für so einen Dienst entscheiden. Ich hab eine Cousine 2. Grades, die jahrelang in Afghanistan Dienst geschoben hat, was die so erzählt, geht unter die Haut.

Ich verstehe aber auch eine Mitmutter nicht, die die Panzerleidenschaft ihres Jüngsten begeistert anschaut, ihren Jungs schon im Kindergartenalter die gewünschten Tarnhosen der Soldaten kaufte... und jetzt massiv gegen den Berufswunsch "Soldat" bei ihrem Jüngsten ankämpft, "Weil der ja dann riskiert zum Krüppel zerschossen zu werden!"
Hallo? Da hätte sie vielleicht ihre eigene Erziehung schon frühzeitig überdenken müssen.

« Letzte Änderung: 16.11.15, 07:13 von martina »
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Offline annelie

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #23 am: 16.11.15, 09:59 »
Mein Vater war ihm Krieg, er hasste es, wenn am Volkstrauertag "zu Ehren der Gefallenen" geschossen wurde, er sagte immer, dass jemand der im Krieg war, mehr als genug Schüsse gehört hatte.
Mein Vater wollte das auch nicht bei seiner Beerdigung, als Kriegsteilnehmer wäre es ihm zugestanden, das stieß damals auf Unverständnis, weil es ja eine Ehre ist.
Bei uns spielen sie immer am Volkstrauertag (ist bei uns erst nächsten Sonntag, da wir Filialkirche sind und der Bürgermeister dann zur Kranzniederlegung auch kommen möchte): "Ich hatte einen Kameraden"

Marianne,
bei uns hat es sich mittlerweile eingebürgert, dass für die Kriegsgräberfürsorge an Allerheiligen (da trifft man die meisten Menschen an), vormittags vor und nach dem Gottesdienst und nachmittags vor bzw. nach der Gräbersegnung gesammelt wird. Jedes Jahr übernimmt das ein anderer örtlicher Verein, das find ich eine gute Idee. In evangelische Gemeinden könnte man das ja am Volktrauertag machen.
« Letzte Änderung: 16.11.15, 10:01 von annelie »
Liebe Grüße
Annelie

Offline frankenpower41

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #24 am: 16.11.15, 10:29 »
@Annelie, bei uns gehen wahrscheinlich viel weniger Leute zur Kirche als bei Euch und Allerheiligen ist bei uns kein kirchlicher Feiertag. Vielleicht kommt ja noch jemand wegen Sammlung, da war zu geben war mir immer sehr wichtig.

LG
Marianne

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #25 am: 16.11.15, 10:43 »
Bei uns ist immer am Volkstrauertag ev. Gottesdienst und die Kollekte ist traditionell für die Kriegsgräberfürsorge.

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Offline Anneke

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #26 am: 16.11.15, 10:58 »
@annelie
Mein Vater war auch Kriegsteilnehmer, für ein paar Monate gegen Ende des Krieges, im Alter von 16 J. wohl noch zum "Verheizen" eingezogen, ist desertiert und so mit nur einem Kameraden aus diesem Zug lebend entkommen.
Mein Vater lebt noch, zeigt auch reges Interesse mit vielen Befürchtungen angesichts der jetzigen weltpolitischen Lage. Er reagiert genauso ablehnend bezüglich solcher Ehrerwisunngen, auch hat er nur selten und wenn unvermeidbar an Veranstaltungen des Soldaten und Kameradenvereins teilgenommen. In einer in unserer Gegend sehr beliebten und rege besuchten Soldatenwallfahrt sieht er keinen Sinn, diese sei immer sehr feierlich, so sagen viele Teilnehmer.
Uns Kindern hat er nie viel von seinen Kriegserlebnissen erzählt, erst bei seinen Enkelsöhnen fing er damit an. Das Schreien seiner etwa gleichaltrigen Kameraden nach der Mutter, bevor sie an den Verletzungen starben, habe er noch heute in den Ohren, man mag sich dies gar nicht vorstellen. Er hatte auch nicht die Kraft, den Eltern seines nächsten Kameraden im Nachbardorf die Todesnachricht zu überbringen, dieser war bei der Flucht vor dem Kriegsgeschehen erschossen worden.

@Elli
Genauso sehe ich das auch. Man kann verstehen, dass sie nur durch Verdrängen und Nichtansprechen der Erlebnisse diese verkraften konnten.

Dass für die Kriegsgräber nicht mehr von Haus zu Haus gesammelt wird, fällt mir auch gerade auf. Und stimmt, an Allerheiligen dafür zu sammeln, liegt eigentlich nahe, man trifft hier auch die meisten evtl. daran interessierten Menschen an.

LG
Anneke
Zuviel nachdenken ist wie schaukeln, man ist zwar beschäftigt, kommt aber keinen Schritt weiter

Offline annelie

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #27 am: 16.11.15, 11:50 »
Anneke,
mein Vater hat nie von den eigentlichen Kriegshandlungen erzählt. Nur harmlose Nebenschauplätze. Er war sicherlich sehr traumatisiert. Ich weiß mehr über seine Gefangenschaft. Ich hab nach seinem Tod auch mit meiner Mutter drüber gesprochen, sie weiß ebenso wenig wie ich.
So richtig ist mir seine Seelenpein als Jugendliche aufgegangen. Er mußte mal in irgend einem Antrag seinen erlernten Beruf eintragen. Er hat dann ganz verbittert -mehr zu sich selber- gesagt (aber nicht eingetragen): Töten  :'( :'(
Mein Vater war Jahrgang 1924 und wurde mit 18 Jahren eingezogen.

Meine Mutter überweist immer für die Kriegsgräberfürsorge, da sie vor und im Krieg aufgewachsen ist und Gefallene kannte.
« Letzte Änderung: 16.11.15, 11:59 von annelie »
Liebe Grüße
Annelie

Offline Anneke

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #28 am: 16.11.15, 20:36 »
Ja, oft kam dann noch jahrelange Gefangenschaft hinzu. War schon bitter für unsere Vätergeneration, wie du schon geschrieben hast, die Zeit für das berufliche Fußfassen wurde ihnen gestohlen, mal abgesehen von den schrecklichen Erlebnissen.
Allerdings war es bei uns so, dass unsere Mutter einmal ganz genervt  meinte, was wir immer mit unseren Fragen nach dem Krieg wollten, diese "alten Geschichten" wolle doch niemand mehr hören. Wir hatten dann den Verdacht, dass sie früher evtl. Versuche zu erzählen abgeblockt hatte.
Was wir wussten, hatte uns Opa erzählt, heute bereue ich es bitter, nicht genauer hingehört und nachgefragt zu haben. Dies betrifft allerdings nicht nur dieses Thema.

Ich kenne aber auch eine ganz andere Variation von Kriegserlebnissen: mein Schwiegervater erzählte immer von der schönsten Zeit seines Lebens, er hatte in Frankreich "gedient", hat regelrecht davon geschwärmt und ist mit Schwiegermutter als Rentner sogar mal dort auf Rundreise gewesen. Auf kritische Nachfragen hinsichtlich der Besetzung hat er nicht geantwortet, es war hier keinerlei Unrechtsbewusstsein vorhanden oder er wollte dies einfach nicht wahrhaben. Ich konnte mir das eigentlich überhaupt nicht erklären. Er war eine Seele von Mensch mit total ausgleichendem, friedfertigem Wesen, habe ihn ansonsten sehr geschätzt.
Ich kenne also beide Seiten.

LG
Anneke
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Offline Elli

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Re: Volkstrauertag
« Antwort #29 am: 16.11.15, 21:46 »

Elli, den Marsch "Alte Kameraden" oder den Choral "Ich hatt' einen Kameraden?"
[/quote]

Martina, du hast recht. Es ist der Choral - SV hat da immer "alte Kameraden" dazu gesagt. Dass es da auch einen Marsch gibt, wusste ich jetzt gar nicht  ::).