Autor Thema: Kochen mit Wildkräutern  (Gelesen 45820 mal)

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Christel Nolte

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #90 am: 27.04.16, 12:22 »
Gina,ich liebe ihn als Suppe,  halb mit Brennnessel.

Offline gammi

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #91 am: 13.08.17, 10:20 »
In diversen Kochsendungen (hab gestern Land und Lecker im WDR geschaut) gibt es immer mehr Wildblumensalate. Auch in diversen Gartengruppen auf facebook wird das Essen von "Unkraut" ständig angepriesen.

Ich kann mich damit noch nicht wirklich anfreunden. Ab und zu mal eine Blüte hab ich versucht. Aber wirklich vom Hocker gerissen hat es mich nie wirklich, dass ich es öfters brauche. Ausser Kapuzinerkresse, die finde ich lecker. Nur wächst sie bei mir dieses Jahr sehr kümmerlich.

Ich frage mich dann auch wieder, warum unser Vorfahren sich eigentlich nicht von den "Unkräutern" ernährt haben?

Und gerade in den sozialen Medien wird ja alles als essbar dahingestellt. Sind wirklich alle Wildkräuter so gesund? In welchen Mengen könnten sie sogar schädlich sein? Viele sind ja auch als Medizin gedacht. Ist es da nicht eher schädlich, wenn man größere Mengen davon zu sich nimmt?

Offline Rohana

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #92 am: 13.08.17, 21:08 »
Ich freu mich immer wenn ich am Wegrand etwas nützliches pflücken kann, aber ich bin jetzt niemand der Vogelmiere und Melde beim Unkrautjäten futtert... das dürfen die Hühner tun. Und wenn immer von den besonders "gesunden" Inhaltsstoffen gesprochen wird frag ich mich ob die das tun um nicht erwähnen zu müssen dass es halt (teilweise!) sonst nix gibt was für das Zeug spricht, ausser dass es DA ist  ::) wenn das alles so glorios wäre, hätte sich niemand die Mühe gemacht und Pflanzen kultiviert.

Offline mary

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #93 am: 14.08.17, 07:03 »
Ich kann mir vorstellen, dass in Notzeiten vieles gepflückt oder gegessen wurde, was in besseren Zeiten dann wieder nicht mehr genutzt wurde.
Mit Blumen im Salat kann ich mich nicht so besonders anfreunden.
Vor ein paar Jahren stand in unserer Zeitung ein Rezept mit einem "ganz besonderen Wildkraut" ich weiß den lateinischen Namen nicht mehr- aber es war das hundsgemeine Franzosenkraut- der Schreiber des Rezeptes fuhr sogar auf den Viktualienmarkt, weil er es bei uns nirgends bekam. ;D
Brennesselspinat einmal im Jahr geht schon, ein paar Kräuter in die Salatmarinade ebenso.
Aber direkt kochen mit Wildkräuter- eher nicht mein Fall. Und wenn mir ein bestimmtes Kraut wichtig ist, versuche ich es immer im Garten anzusiedeln.
Streif- oder Beutezüge zur Wildkrautsuche sind nicht so meines.
@Rohana,
warum soll ich den Hühnern ihr Vitamin wegfuttern. ;) Die sind mit Vogelmiere und anderen nicht erwünschten  Unkraut richtig glücklich zu machen.
Ich verwend aber auch nicht das Karotten- und Rote-Rüben Grün zum Kochen, da warten schon die Kaninchen darauf.
Irgendwie schon komisch, auf der einen Seite gibts heute eine Vielzahl an Gemüse übers ganze Jahr wie vermutlich noch nie, aber es braucht scheinbar immer das exotische oder aussergewöhnliche  Essen zusätzlich.

Offline martina

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #94 am: 14.08.17, 07:08 »
Wobei Kochen mit Wildkräutern eigentlich eher ein "zurück zu den Wurzeln" ist und nicht unbedingt der Trend, immer etwas Neues und Exotisches zu schaffen.

Christel hat uns mal einen kleinen Wildkräutersalat mit Blüten serviert, der war oberlecker.

Offline mary

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #95 am: 14.08.17, 08:09 »
Da gibts sicher wieder vieles zu probieren, lernen.
Ich bin ja nicht generell gegen Kochen mit Wildkräutern, mag z.B. den Bärlauch im Frühjahr sehr gerne, die jungen Brennessel als Tee, im Herbst die reifen Samen der Brennessel, in der Pfanne geröstet und über z.B. Rühreier gestreut :-*, der getrocknete Samen lässt sich wunderbar als Pfefferersatz in der Mühle verwenden(ich trockne auch ziemlich viel Brennessel und deren Samen ( haben  sehr wertvolle Inhaltsstoffe) als Zusatzfutter für die Hühner im Winter), ich mag getrocknete Wildkräuter im Kräutersalz (da passt auch Schafgarbe gut dazu) hab ein Beet mit essbaren Blüten im Garten, aber mit den Blüten im Salat und generell Wildkräutersalat  kann ich mich nicht so recht anfreunden. Löwenzahn ist schnell sehr bitter, Gänseblümchenblätter gehen noch eher- was an Franzosenkraut gut sein soll hat sich mir noch nicht erschlossen, Melde als Spinatersatz- ich bin eh schon kein Spinatfan.
Da sind mir die Wildkräuter als Würzzutat z.B. in die Salatmarinade lieber, Holunder als Sirup oder ................
Aber- ich bin lernfähig- wenn ich einen leckeren Wildkräutersalat aufgetischt bekäme- würde ich sicher auch zu Hause machen.

Offline gschmeidlerin

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #96 am: 14.08.17, 10:28 »
Ich biete das ganze Jahr über Kochkurse mit Wildkräutern an und finde, das man wirklich tolle und gute Gerichte kochen kann. Unsere Vorgänger nutzten Wildkräuter sehr wohl und z. B. im Mittelalter wurden sie auch kultiviert, z. B.: Gänsedistel war ein überaus beliebtes Gemüse. Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden u.a. Ampfergärten gepflegt und der Ampfer für den Winter milchsauer eingelegt. Das ist sicher auch aus der Not gekommen, da Ackerbau ja nicht so einfach zu bewerkstelligen war und man da auf einfache ausdauernde Kulturen ausgewichen ist. Wildkräuter haben sicher einen hohen vitamin- und Mineralstoffgehalt und Brennnesseln haben unzähligen Menschen das Leben gerettet.

Ich liebe die Beschäftigung mit Wildkräutern und koche liebend gerne damit.

Eva

Offline gammi

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #97 am: 14.08.17, 11:11 »
Ich kenn es eben grad andersrum aus den Erzählungen von meinen Eltern und Schwiegermutter, dass man das selbst in Notzeiten nicht gegessen hat. Bzw. wirklich nur im allergrößten Notfall.

Offline Rohana

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #98 am: 14.08.17, 12:09 »
Wildkräuter haben sicher einen hohen vitamin- und Mineralstoffgehalt
Nur leider enthalten sie nicht viel anderes. Ich würde mich nicht davon ernähren wollen  ::)

Offline gschmeidlerin

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #99 am: 15.08.17, 13:13 »
Das sie sonst nichts enthalten, würd ich schon gar nicht jetzt im Hochsommer behaupten. Quendel und Dost sind jetzt besonders aromatisch, oder auch Beifuß, da duftet die ganze Küche und man muss aufpassen, dass man nicht zu viel erwischt. Oder der Portulak, der jetzt in der heißen Jahreszeit in Massen vorkommt, der schmeckt in jedem Salat oder in jeder Joghurtsoße leicht säuerlich und sehr erfrischend. Auch Brennnesselsamen haben ein leicht nussiges Aroma und sind statt Sesam am Brot eine tolle heimische Alternative. Von den vielen Wildbeeren die es jetzt gibt lassen sich auch wunderbare Speisen zaubern.

LG Eva

Offline Corina

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #100 am: 15.08.17, 15:26 »
So ein Kurs wäre sicher interessant!
Mir geht es oft so, daß ich mir bei vielen Wildkräutern nicht sicher bin, und dann traue ich mich nicht sie zu verwenden.
Quendel nehmen wir auch immer vom Wandern mit heim, und zur Zeit auch Schafgarbe und meine große Brennesselernte steht noch bevor - aber eigentlich für den Stall  ;) Ich füttere im Winter Brennesselheu zur zusätzlichen Mineralstoffversorgung und auch die Hühner legen besser mit Brennesselsamen.
Aber auch für uns fällt da was ab - brennesselsamen aufs Butterbrot schmecken eigentlich allen (besonders wenn sie nicht wissen was es ist  ;)).
lg

Offline mary

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #101 am: 16.08.17, 06:51 »
@Corina,
da gehts mir ähnlich, ich verwende nur die Wildkräuter, die ich wirklich kenne.
Bärlauch hab ich mir z.B. unter die Himbeersträucher gepflanzt, hab vor mehr als 20 Jahren aus einer Gartenauflösung einen Eimer Bärlauchpflanzen bekommen, es hat lange gedauert, bis sich die wirklich vermehrt haben, aber jetzt hab ich ausreichend davon.
Giersch ist inzwischen fast zu wenig geworden, seit ich ihn in der Küche verwende.
Knoblauchrauke vermehrt sich genügend unter den Zwiebelblumen, Holunder haben wir am Hof auch ausreichend.
In der Streuobstwiese find ich einiges, an unserem Waldrand.

Bei den Hühner hab ich festgestellt, dass die ganz wild auf die getrockneten Brennessel im Winter sind, auch den anderen Tieren geb ich was davon ins Futter. Hab gestern grössere Menge Brennesselheu nach Hause gefahren.
Aus den Holunderblüten und  reifen Dolden mach ich Sirup, Saft, Likör, Wein, aber damit gekocht hab ich eigentlich noch nie.
@gschmeidlerin, das mit den Ampferblättern find ich hochinteressant, ich weiß von älteren Bäuerinnen, dass früher die Ampferblätter zum Butter einwickeln verwendet wurden, aber dass der Ampfer auch gegessen wurde, hatte ich nicht gewusst. (Dann war er wenigstens für irgendwas gut)
In deinen Kochkurs würd ich auch gerne kommen, ich war schon ein paar mal in geführten Kräuterwanderungen mit anschliessender Verarbeitung, aber das was da gekocht wurde, brauch ich zu Hause nicht umsetzen, isst mir mein Mann gar nie nicht, weil es so xsund schmeckte, dass es sogar mit zuviel war. Das hat mich dann wieder vom Kochen mit Wildkräuter abgehalten und sie dann doch meist wieder nur als Würzkraut verwendet.
Auf was ich diesen Herbst spechte, Kornellkirsch- und Schlehenfrüchte und mährische Eberesche, wir haben vor Jahren eine Hecke gepflanzt und da hängt ziemlich was dran.
Aber da kann auch leicht passieren, dass andere schneller waren und ich nur die Arbeit mit der Hecke habe.
Ihr in Österreich habt mit den Dirndlfrüchten ja eine Verarbeitungs- und Kochtradition.
Ich versuche immer, dass das was ich mache in den normalen Geschmacksrahmen passt.

Offline martina

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Wildkräuterküche
« Antwort #102 am: 16.08.17, 09:19 »
Leute,

denkt doch bitte daran, hier geht es um das KOCHEN mit Wildkräutern, konkret kann man auch sagen: um die Rezepte.

Mary, wie also bereitest Du den Giersch genau zu? Salat, gedünstet als Spinat?


Offline gschmeidlerin

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #103 am: 17.08.17, 22:03 »
Ich bin zwar nicht Mary, aber ich steuere mal ein wirklich gutes Rezept mit Giersch bei:

Gierschkartoffel:

4 Kartoffel (Heurige)

Fülle:
1 Zwiebel, Olivenöl, 1 Knoblauchzehe, 3 Hand voll Gierschblätter, Frischkäse, süßer Paprika, Salz, Pfeffer, geriebenen Gouda

Kartoffel mit der Schale kochen, inzwischen für die Fülle Zwiebel anrösten, gepresste Knoblauchzehe und geschnittenen Giersch dazugeben. Leicht dünsten, vom Herd nehmen, mit Frischkäse und Gewürzen abschmecken. Kartoffel halbieren, Fülle darauf verteilen, mit Gouda bestreuen, in einer feuerfesten Form bei 180° überbacken. Passen wunderbar zu gegrillten als Beilage oder auch als Hauptspeise mit Salat.

Noch was feines, den Giersch hat man ja schließlich genug:

Sesam-Giersch-Paste

2 Knoblauchzehen, 60g Giersch in
100 ml Olivenöl pürieren
50g Sesam trocken anrösten und zugeben
mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Wusstet ihr, dass wir den Giersch den Römern verdanken, die hatten ihn mit zur Vitamin C Versorgung ihrer Legionen, überall wo die Römer waren, gab es dann auch den Giersch. Interessant ist auch, dass der Giersch wie auch die Brennnessel sogenannte Kulturfolger sind, das heißt, dass sie in unberührter Natur nicht vorkommen, sondern nur dort, wo der Mensch mal etwas hinterlassen hat. Diese Pflanzen sind so wichtig für den Menschen und sie drängen sich gerade zu auf.

LG Eva



Offline Maja

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Re: Kochen mit Wildkräutern
« Antwort #104 am: 18.08.17, 00:10 »
Hab irgendwo mal gehört dass Giersch auch ein Herzkraut ist .
Weist du da mehr drüber Eva?