Autor Thema: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?  (Gelesen 12025 mal)

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Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« am: 02.09.08, 09:50 »
Hallo Ihr Lieben,

da das Thema "Hofübergabe", "Entlohnung des Jungbauern / der Schwiegertochter vor (k)einer(?) Betriebsübergabe", "Absicherung der Altenteiler", "Bindung der weichenden Erben an den elterlichen Hof / Eltern", Fragen der "Absicherung der Jungbauernfamilie", "Schutz des Betriebes vor Scheidungsfolgen" und so weiter, hier IMMER WIEDER auftaucht, will ich mal ins Blaue rein fragen:

Seid Ihr der Meinung, dass dieses Thema gesetzlich anders geregelt werden sollte.
..und habt Ihr Ideen, wie?

Ist das in anderen Ländern besser geregelt?
...und wie?

Mir persönlich kommt unser deutsches Hofübergabe-System sehr im Wanken begriffen vor. Es erscheint mir nicht mehr zeitgemäß.
Bitte schreibt mit jetzt nicht "WIR haben das gut geregelt, wir haben....." (Es geht hier nicht um die persönliche Rechtfertigung.) Es gibt zwar viele, die das Problem wirklich sehr gut geregelt haben, quasi privat, aus eigenem Antrieb. Aber es gibt eben auch die vielen Betriebe, wo gar nichts geregelt ist, wo (sinnbildlich gesprochen) die Messer fliegen, wenn es um Sachen Übergabe geht. Und ich meine, für DIE sollte es eine gesetzliche Regelung geben, die zeitgemäßer ist. Gibt es für eine solche gesetzliche Regelung Vorschläge?

liebe Grüße
Anna


(PS ..und ich frage hier auch NICHT in eigener Sache. Bei uns wäre es eh zu spät. Wir haben das anders geregelt.)
Liebe Grüße
aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern

Offline Wiebke

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #1 am: 02.09.08, 11:29 »
Moin Anna
Was genau gefällt dir denn nicht?
Denn im Grunde haben wir doch alle Möglichkeiten, .........so wir uns drum kümmern!
Ich pers. merke grad in letzter Zeit  wie sehr die Regelung der Hofübergabe  doch im eignen Ermessen liegt.
Wenn ich dran denke wieviel meine Schwägerin (ich verstehe mich gut mit ihr) aus unserem Hof *gezogen * hat, könnt ich weinen. Mein SV hat damals gemeint das es doch evtl. ein bisschen doll ist was sie bekommt , aber ;naja; er hat es nunmal irgendwann mal so festgelegt *k..z*
Nun kommt mein Erstgeborener(17) und will LW lernen, KLASSE!!!!! Hofnachfolge sicher, Papa freut sich, alles toll  :P.
UND der Zweite?
Bekommt die Ausbildung die er will bzw. nach seinen persönlichen Möglichkeiten.
Übers Altenteil kann man reden (ich bin 41 ::)).

Wir haben jede Menge Möglichkeiten die Hofübergabe zu regeln, was willst du dran ändern?


Gruß Wiebke
Jedes Ding hat drei Seiten: Eine, die du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen.

Offline ansabe

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #2 am: 02.09.08, 11:39 »
Wie wär's denn damit, dass man nicht mehr verpachten kann an den eigenen Nachfolger, wenn dieser 25 Jahre ist, sondern den Hof überschreiben muss, damit man Rente bekommt. Wär doch mal eine Idee, damit manche Betriebe sich besser weiterentwickeln können und nicht von alten Vorstellungen ausgebremst werden! ;)
Bei manchen habe ich den Eindruck, je älter sie werden, desto weniger mögen sie die Fäden aus der Hand geben!

Andersherum halte ich aber nicht viel davon, Gesetzte immer noch mehr und komplizierter zu machen!

Ich find das Thema interressant, um mal zu spekulieren, was wäre möglich! :D
Viele liebe Grüsse
ansabe

Online martina

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #3 am: 02.09.08, 12:59 »
Würdet Ihr Euch als ABgeber wirklich vorschreiben lassen wollen, WANN Ihr den Betrieb übergeben wollt? Ich nicht.

Wir hatten im Testamentsentwurf vorgeschlagen bekommen, dass wenn ich den Hof von meinem Mann erbe, ich diesen an eines der Kinder weitervererben müsse, wenn der Jüngste 25 wäre. Bis dahin sei genügend Zeit, um zu gucken, welches der Kinder am geeignetsten sei, den Hof zu übernehmen.

Fein, nur dass ich noch nicht rentenberechtigt bin, wenn mein Jüngster 25 ist. Meine Fehljahre bis zur Rente hätte der Hofübernhemer aufgebrummt bekommen.

Ich hab gestreikt und diesen Passus gestrichen. Ich möchte für mich das Recht behalten, zu entscheiden, WANN ich den Betrieb zu übergeben habe.
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Offline Elle

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #4 am: 02.09.08, 21:36 »
Hallo Anna!

Seid Ihr der Meinung, dass dieses Thema gesetzlich anders geregelt werden sollte.
..und habt Ihr Ideen, wie?

Interessante Frage, aber ganz klares NEIN von meiner Seite. Das ist ja nicht nur ein landwirtschaftliches Problem, sondern betrifft ja auch alle anderen Familienunternehmen. Denke, da sollte ein gewisser Spielraum in der Ausgestaltung der Übergabe erhalten bleiben. Das macht doch freies Unternehmertum aus - nicht alles kann und soll der Staat vorgeben. Rahmenbedingungen sind ja gegeben, den Feinschliff der Hofübergabe sollte schon von jedem selbst vorgenommen werden dürfen.
Ein fröhlicher Gruß!
Elke

Das Juwel des Himmels ist die Sonne. Das Juwel des Hauses ist das Kind.

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #5 am: 03.09.08, 20:42 »
Moin Anna
Was genau gefällt dir denn nicht?
Denn im Grunde haben wir doch alle Möglichkeiten, .........so wir uns drum kümmern!

Hallo Wiebke,
genau das meine ich: "...so wir uns drum kümmern!"

Ich habe bei meiner Frage die anderen Fälle im Sinn, die sich nicht drum kümmern.
Ich höre immer wieder (und ich habe es auch selbst erlebt), dass der potentielle Übernehmer jahrelang, jahrzehntelang mit dem Versprechen, dass er den Hof später mal bekommt, hingehalten und als billigste Arbeitskraft auf dem Hof ausgenutzt wird, dass die eingeheiratete Frau rausgebissen wird, und dass er mit fast 50 immernoch "ohne" dasteht.  SO WAS gefällt mir nicht.
Na ja, wie gesagt: Wir haben eine Lösung für uns gefunden - ohne den Hof.

Dieses "Ausnutzen" das finde ich nicht mehr zeitgemäß.
Vielleicht sollte man ja mindestens eine Fremdlehre vorschreiben,
und eine tarifgemäße Bezahlung des "Übernehmers" Jungbauern - und dann wäre die -ich sag' mal: "Erwartungshaltung" des Jungbauern in Sachen Hofübernahme auch nicht so hoch, und der (gefühlte) Druck, übergeben zu MÜSSEN, auch nicht.

Was haltet Ihr von diesem Vorschlag?

(Meine SM ist übrigens über 70 ...keine Anfang 40 - aber das nur am Rande.)

lieben Gruß
Anna
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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #6 am: 03.09.08, 20:49 »
http://www.agrar.de/landfrauen/forum/index.php?topic=25577.msg258064#new

Das ist EIN Beispiel. ...hier aus unserer Gäste-Box.
..und es gibt noch mehr. Leider.
Liebe Grüße
aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern

Online martina

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #7 am: 04.09.08, 07:24 »
Hallo Anna,

wir wissen, dass so mancher Hofübernehmer hingehalten wird.

Aber: Damit mein Vater z.b. seine Rente von der Alterskasse bekam, mußte er per längerfristigem Pachtvertrag (12 Jahre) nachweisen, dass er seinen Betrieb nicht mehr selber bewirtschaftet.

Wer Rente will, muß raus aus der Bewirtschaftung. Ist das KEINE gesetzliche Regelung?

Alles andere sollte doch in der moderenen Zeit wohl immer weniger werden.

Fremdlehre ist m.W.nach bereits vorbeschrieben, zumindest für ein Jahr. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, dass meine Kinder NICHT zu Hause bleiben zum Lernen... Für viele andere sicher auch.

Ich baue daher auf veränderte Zeiten und denke schlicht und einfach, vielleicht auch naiv, dass die Hofübernehmer, die für einen Appel und Ei zu hause malochen mit der Aussicht den Hof zu bekommen, immer weniger werden, einfach weil in modernen Zeiten der Wissenstand und die Möglichkeit zum Wegzug und berufl. Veränderung immer besser werden?
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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #8 am: 04.09.08, 08:54 »
Tja, dann will ich mir mal ein Scheibchen von deinem Optimismus abschneiden   ;)

Vielleicht sind die Jungen wirklich nicht so dumm, wie wir
(öööhm - wir sind 43 und 50 ...und schon sooo alt *grübel*)

Bei der Idee mit dem Pachtvertrag muss ich an "eine gewisse" SM denken, die ihrem Sohn immer schön die Buchführung gemacht hat... Das ist ein öffentliches Forum hier, sonst könnte ich mal ein paar Beispiele nennen, wie die -na, ich sag' mal: seine Naivität zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. - Aber das sollte es heutzutage nicht mehr geben.

Wie du schon sagst: Wir leben in modernen Zeiten! ...wollen wir nur hoffen, dass das bei den Söhnen auch so ankommt - sowohl bei den modernen, von ihrem Müttern liberal erzogenen, als auch vor allem bei den "Aschenputteln".

Das mit der Fremdlehre ist mir so nicht bekannt. Mein Mann hat keine gemacht. Aber das ist ja auch schon eine Weile her.  ;)  Ich finde auch, Fremdlehre MUSS sein ...nicht zuletzt auch wegen der menschlichen "Bildung".

Aber was nutzt die beste gesetzliche Regelung, wenn einer nicht WILL:
Ich kenne einen Fall, da ist die Mutter über 70, bewirtschaftet den Hof natürlich nicht mehr selber. Rente bekommt sie trotzdem nicht. Grund: Sie hat "zu viele Einnahmen"  :o aus Vermietung und Verpachtung und so weiter. Zumindest einen Teil überschreiben, damit der Sohn es finanzielle leichter hat, und dass sie gerade noch so viel Einnahmen hat, dass sie Rente bekommt - nee, das geht ja gar nicht. Da hat sie Angst ohne Ende davor. - Tja, zugegeben: Ein krasser Fall. Weeeer hat schon "zu viele Einnahmen"?

Du meinst also, wir brauchen keine gesetzliche Neuregelung?
Die Zeit wird 's schon richten, bzw. die Emanzipation - denn oft sind es ja erst die jungen Schwiegertöchter, die auf einer Lösung bestehen, bzw. die von der Heirat mit einem Jungbauern Abstand nehmen, denn:
Welche moderne junge Frau tut sich denn heutzutage noch so was an?
..und warum sollte SIE ihm die Kohlen aus dem Feuer holen?

Du hast wirklich recht, martina:
Man sollte heutzutage nicht mehr so naiv sein.
Das gilt für junge Männer und Frauen gleichermaßen.


liebe Grüße
Anna
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Online martina

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #9 am: 04.09.08, 09:22 »
Ok Anna, damit auch DU es begreifst:

Die Zeiten ändern sich und nicht mehr nur die Übernehmer werden moderner und anders ausgebildetet, auch die Abgebende Partei ändert sich doch, gerade wenn sie selber bei ihrer Übernahme schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Ja, ich bin der Hinsicht Optimist! Dafür sind wir doch hier, um über den Tellerand zu gucken und Sachen, die wir negativ erlebt haben, ANDERS zu machen, als unsere Vorgängergenerationen.


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Offline Mirjam

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #10 am: 04.09.08, 09:44 »
Hallo AnnaAnna,

ich glaube nicht, das gesetzliche Regelungen Lösungen für menschliche Probleme sind. Ich kenne Höfe, auf denen war der Betrieb rechtlich übergeben, aber noch sehr zweifelhaft, wer die Hosen (noch) an hat oder mit dem Geld den Hof noch steuert.

Solange es junge Betriebsleiter "mitmachen"  - kann ihn kein Gesetz der Welt die klare Positionierung: Wann er selbst Unternehmer sein möchte und dies auch durchzieht - abnehmen.

Und ich kenne einige, die dann auch ihre Konsequenzen rechtzeitig gezogen haben, für sich und die Eltern sofern wie bei dir oben beschrieben Fristen gesetzt haben - und durchzogen in dem sie ins Handeln kamen.

Andersherum zum Glück mehr Übernehmer, wo das Thema gut lief, tw. über Beteiligung etc. der Nachwuchs mit einbezogen wurde oder Teile des Betriebes übergeben, separat geführt wurden.

Du kannst gerne ins Ausland schauen - dort warten die jungen Hofübernehmer z.B. in Dänemark nicht, sondern gehen als Betriebsleiter ausserhalb arbeiten und "kaufen" sich dann einen Betrieb mit hohem Fremdkapital selbst (hohe Erbschaftssteuern) und warten nicht jahrelang arbeitend darauf, das Papa mal abgibt.

Ob es anderswo immer gleich besser ist?

Mirjam
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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #11 am: 05.09.08, 14:30 »
Sooo schlecht ist das Modell Dänemark doch gar nicht... :-\
Investieren muss man eh...

..und bei martina muss ich mich wohl entschuldigen: Wahrscheinlich bin ich irgendwie von gestern.

Ich bin froh, dass ich hier in einem Forum mit modernen, über den Tellerrand blickenden Bäuerinnen bin. Hier, bei euch bin ich im 21sten Jahrhundert angekommen. Die "Herbstmilch - Anna Wilmschneider" ist längst graue Vergangenheit, trübe Negativ-Nostaligie, ein Klischee das schon lange ausgedient hat.
Das Bäuerinnentreff (BT) spiegelt die HEUTIGE Landwirtschaft wider, die sich schon lange zu einem modernen, zukunftsorientierten Berufszweig entwickelt hat, der sowohl den Ansprüchen einer modernen fascettenreicheren Gesellschaft gerecht wird, als auch den Anforderungen eines zeitgemäßen Generationenmanagement und nicht zuletzt auch der nötigen Verantwortung für Umwelt und Nahrungsqualität im Dialog mit dem Endverbraucher, auf Augenhöhe mit Umweltverbänden und einer europaweit strukturierten Agrarpolitik.

liebe Grüße
Anna
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Offline Luise

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #12 am: 05.09.08, 21:30 »
Am Rande bemerkt: Prinz Charles kommt ins Rentenalter ohne .........???

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #13 am: 06.09.08, 18:23 »
Ob der wohl DESWEGEN Ökolandwirt geworden ist..?   ;D  Irgend etwas sinnvolles MUSS man ja im Leben machen.    Der eine Prinz (ich verwechsele immer die Namen der beiden) wird ja schon ganz gut als Tronfolger gehandelt. - So was würden WIR dann wohl enge Generationenfolge nennen. So ein Thema hatten wir doch schon mal...   ;)

lieben Gruß
Anna
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chris0815

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Re: Hofübergabe - Gesetzesänderung nötig?
« Antwort #14 am: 15.09.09, 11:08 »
Hallo,

Eure Pro und Kontra´s sind ganz nachvollziehbar, aber......

Die Fälle die hier zur Sprache kommen sind nicht die in denen sich der Betriebsinhaber mit 40 vielleicht schon Gedanken macht über die Betriebsentwicklung oder die Hofnachfolge - also das Leben nach 65 - und darauf hinarbeitet zusammen mit Familienmitgliedern, Beratern, dem Amt oder "Aussenstehenden". Bei diesen weitsichtigen Landwirten gibt es meist keine oder kleine Reibungspunkte, wenn es dann zur Betriebsnachfolge kommt.

Die weichenden Erben wissen meist schon lange vorher was ihnen gegeben wird und können sich ebenso wie der Nachfolger darauf einstellen und haben Planungssicherheit.

Diese Betriebsleiter lassen meist durch ihre weitsichtige Planung auch Platz für einen Nachfolger und dessen Ideen im täglichen Arbeitsablauf. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit und eine reibungslose Hofübergabe sind somit möglich. Diese Fälle gibt es sicher und auch in großer Zahl. Solche Betriebsleiter benötigen keine gesetzlichen Änderungen sie schaffen es auch dank ihrer Weitsicht sich aus dem Leben als "aktiver Betriebsleiter" ins "Renterlager" zu wechseln. Ich kann nur jedem gratulieren, der solche Eltern hat oder zu dieser Betriebsleitersorte gehört. HUT AB !!!

ABER !!!  Hier wollen wir von denen reden, die mit List, Tücke, emotionaler Erpressung etc schon in frühen Jahren ihren Hofnachfolger zum Deppen machen. Ihm ständig mit immer neuen Ausreden kommen warum eine Hofnachfolge jetzt nicht geregelt werden kann. Hinhalten bis es zum Streit kommt. Streit weil sich der Hofnachfolger zurecht ausgenutzt fühlt - schließlich hat er sein Leben (meist bis 40-45Jahren) auf die Nachfolge abgestimmt - auf vieles vielleicht auch verzichtet. Streit aber auch weil womöglich auf einmal Geschwister oder andere Verwandte dastehen und beide Hände aufhalten.

Oftmals werden diese Nachfolger geschickt "ausgebeutet" und hingehalten, bis die Zustände des wartenden untragbar werden. Dieser hält sich letzenendes daran fest, dass die Versprechungen doch dann irgendwann mit Rentenbeginn (65Jahre) sowieso eingelöst werden. Schließlich will doch jeder in Rente sollte man meinen. Was aber wenn der Betriebsleiter immer wieder neue Ausreden findet, wegen Kleinigkeiten etc. die größten Streitigkeiten vom Zaun gebrochen werden? Er der Meinung ist, selbst mit 70 Jahren ist noch nicht die Zeit für die Rente gekommen?

KEIN PROBLEM !!  Denn wer ca. 40.000,--Euro Subventionen auch als 70jähriger Landwirt erhält (mittlerweile im Internet nachzulesen) - kann sicher auch mal etwas schludriger Arbeiten und hat immer noch mehr als genug zum Leben als Landwirt. Zumal solche Betrieb auch meist schon länger ihre Investitionen und Kosten zurückfahren.

Genau hier kann aber angesetzt werden, da dieser Gelder eigentlich zum Erhalt eines Arbeitsplatzes in der Landwirtschaft sein sollten, und nicht um einen Rentner zu finanzieren.

Wer das nicht glaubt, kann ja gerne mal an einem Stammtisch nachfragen, ob der zahlende Bürger seine Subventionen wahlweise auf dem Hof eines Junglandwirtes mit seiner Familie sieht oder es lieber einem 70-jährigen zahlt, der ohnehin schon längst in Rente gehört.

Würden diese Subventionen an Landwirte im Rentenalter (ab 65) nicht mehr gezahlt, so gäbe es schon mal dieses Problem nicht mehr.

Mein Vorschlag wäre daher folgendes:

Ab 40-45 Jahren muß zu den Anträgen für allfällige Gelder auch eine tragfähige Betriebsentwicklungsplanung, die auch die Nachfolge regelt (egal ob aus der eigenen Familie oder an einen Fremden), abgegeben werden.
Hier müssen dann für alle Seiten, sowohl Betriebsinhaber und Betriebsnachfolger verbindliche Regelungen getroffen werden. Geschieht dies nicht, gibt es kein Geld !!!!

Die großen Vorteile wäre:

1. Kein Rentner hätte mehr Lust dem Hofnachfolger die Übernahme des Betriebes zu verwehren da es unrentabel wäre ohne
   Beihilfen.
2. Der Betrieb ist genötigt eine langfristige Planung aufzustellen - kann Probleme ev. früher erkennen und besser überleben.
3. Alle Seiten haben klare Verhältnisse - aufreibende "Grabenkämpfe" zwischen den Generationen lassen sich vermeiden.
4. Jeder Betriebsleiter wird mit der Zukunft konfrontiert und muß sich dieser stellen - hat nicht die Möglichkeit die Augen   
    vor  dem  "Ende"  zu verschliessen. Schließlich weiß jeder wann er 65 wird !!!!
5. Ein Hofnachfolger hat dann auch einen Vertrag in der Hand dessen Einhaltung er verlangen kann  - ohne sein Leben lang
   warten zu müssen, falls der Vertrag nicht ingehalten werden sollte.
6. Die Weiterentwicklung des Betriebes für eine erfolgreiche Zukunft würden durch eine frühzeitige Regelung der Nachfolge
   gefördert.

Ich finde zwar Prinz Charles ganz nett und er kann sicher als Beispiel herhalten - aber im Vergleich zu Ihm hat ein Nachfolger in der Landwirtschaft sicher keine entsprechenden Finanzmittel um die Wartezeit so unbeschadet und unbeschwert verbringen zu können wie er.

Vielleicht greift ja der ein oder andere meine Ideen einmal auf, damit solche Probleme in Zukunft eher der Vergangenheit angehören. Ich habe bei diesem Thema immer den Eindruck es ist wie bei Mc Donald´s: "Keiner geht hin - aber trotzdem ist´s dort immer voll!"

Selbst die Ämter und Berufsverbände sind bei diesem Problem meist mehr als überfordert, wenn sie es denn überhaupt sehen wollen. Hilfe auch von dort wäre angebracht.

Viele Grüße

Chris ohne Hof.

« Letzte Änderung: 15.09.09, 11:21 von chris ohne hof »