Autor Thema: Keine Jungviehaufzucht mehr  (Gelesen 788 mal)

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Offline gina67Topic starter

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Keine Jungviehaufzucht mehr
« am: 02.05.20, 14:57 »
Hallo
wir überlegen gerade ob wir uns ganz von der Jungviehaufzucht verabschieden und stattdessen abgekalbte Färsen zukaufen. Seitdem mein Sohn eine kleine Fleischrinderherde aufbaut, ist unser Stallplatz begrenzt. Bis November haben wir einen Stall in der Nachbarschaft gepachtet, da stehen zur Zeit noch die tragenden Rinder. Der Pachtvertrag wurde uns gekündigt.
Wir hatten die letzten Wochen einigen Ärger im Stall. 5 Kühe die als tragend untersucht worden waren, haben nicht gekalbt. Wir haben nicht gemerkt, dass vorher was abgegangen ist oder das die nochmal gerindert haben. Auch unser Tierüberwachungsprogramm hat nichts angezeigt.
Deshalb haben wir abgekalbte Färsen zu günstigen Preisen gekauft. Die kosteten zwischen 1200 und 1700 Euro und es sind wirklich sehr gute dabei. Mein Sohn hat gesagt, dass man für die Aufzucht bis zu 2000 Euro rechnet.
Das hat uns schon ins grübeln gebracht, ob es nicht günstiger ist Abgekalbte zu kaufen und nur noch zu melken. Wir besamen auch jetzt die meisten mit Fleischrassen, weil die Kälber sich besser verkaufen lassen. Für die eigene Nachzucht haben wir im letzten Jahr 25 schwarzbunte weibliche Kälber behalten. Die Mütter hatte mein Sohn mit gesextem Sperma besamen lassen.
Ist hier schon jemand, der keine Nachzucht der eigenen Tiere mehr hat? Hat schon jemand Erfahrungen mit zugekauften Tieren? Worauf muss man achten, Gesundheit usw. ?

Über Erfahrungsberichte wäre ich sehr dankbar.

LG Gina

Offline Gertrud

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #1 am: 02.05.20, 15:11 »
Hallo Gina,

über Zukaufstiere kannst du dir alles in den Stall holen, Mortelaro und was es noch alles gibt.
Wenn der Aufzuchtbetrieb die Kälber zukauft bekommt er oft auch nur das, was der Betrieb nicht will.
Auch die Preise der Färsen schwanken oft.
Habt ihr gute Züchter, die was abgeben, oder wollt ihr auf dem Markt kaufen?
Um den Betrieb aufzustocken haben wir schon oft abgekalbte Kalbinen zugekauft. Es gibt keine Regel, dass es gut geht.
Wir haben immer ein paar zusammen gekauft, dass sie alle auf einmal in die Herde kommen, Einzeltiere zu integrieren ist noch schwieriger.
Was ich immer beobachtet habe, dass die Tiere lange nervös sind .
Teilweise haben wir davon eine gute Nachzucht, teilweise gehen die Tiere auch wieder ab, so wie bei der eigenen Nachzucht auch.
ich wünsch euch viel Glück.
LG Gertrud

Offline MeLissa

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #2 am: 02.05.20, 20:35 »
Hallo Gina,

also wir ziehen prinzipiell unsere Nachzucht selbst auf, kaufen aber ab und an am Markt oder auch von befreundeten Züchtern auch Jungkühe (1. Kalb) zu. Preislich lagen die bisher immer bei rund 1.500€.
Bisher hatten wir damit keine Probleme. Allerdings ist dies bei uns eher die Ausnahme als die Regel.
Teilweise ist das sehr mühsam. Also wir hätten gerne mehr Tiere gekauft, als uns dann am Markt zugesagt haben.

Ich wünsche euch alles Gute bei eurer Entscheidungsfindung.

Lg Melissa

Offline Tina

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #3 am: 02.05.20, 22:38 »
Gina,
ich würde mir das gut überlegen, keine Nachzucht mehr selber aufzuziehen. Wir haben in den vergangenen Jahren meistens nur die Kälber behalten, die wir dann auch brauchten.
Mit jedem Zukauf steigt das Risiko, eine Krankheit reinzuholen. Wenn man gute Färsen (Herdbuch) kauft, glaube ich nicht, das ihr die für unter 1500€ auf dem Hof habt.
Eine Alternative wäre es, einen Betrieb zu finden, der für euch die Tiere aufzieht, sei es im Lohn oder eben die Kälber verkaufen und die Färsen zurückkaufen.
LG
Tina

Offline Internetschdrieler

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #4 am: 03.05.20, 09:19 »
Eine Milchviehhaltung ohne die eigene Nachzucht kann ich mir (persönlich) nicht vorstellen. Ich kenne die Stammmütter unserer Hauptlinien U und E noch aus meine Kindertagen.
Wir haben in den letzten Jahren 2 mal eine Phase mit vermehrten Zukauf. Zum einen als wir in den neuen Stall eingezogen sind vor 15 Jahren und letztmalig im Winterhalbjahr 17/18 aufgrund von ungeplanten Ausfällen.
Beim Aufstockungszukauf hatten wir ein richtig gutes Händchen auf der Zuchtviehauktion. Alle blieben über mehrere Laktationen im Betrieb. Letztesmal haben wir uns Mortelaro eingekauft. Die Jungkuh hat sich nach einer Laktation wieder verabschiedet, Mortelaro blieb.
Es gibt bei uns vor allem junge Betriebsleiter die ihren Bestand ausschließlich mit Weiß-Blau besamen und den Bestand über Zukauf ergänzen. Sehr oft kommen die Jungkühe, mangels Verfügbarkeit und Preisvorstellung von Braunvieh, als Holstein aus dem Norden der Republik. Auf der anderen Seite verlassen oft 50 % der angebotenen Jungkühe in Kempten das Allgäu vor allem Richtung Norden.

 

Online Mathilde

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #5 am: 03.05.20, 09:30 »
Hallo,

wir haben nach dem Stallbau (2000] auch abgekalbte Färsen zugekauft. Mortelaro ohne Ende wo wir vorher kaum Probleme hatten.
Die Damen hatten den Schock Ihres Lebens. Neue Herde, neuer Stall, und oh Schreck ein Melkroboter.
Damals gab es auch noch viele Tiere mit A im Katalog und prompt flogen mir zwei auf den Schieber.

Es hat alles sein für und wider. Wir hatten danach dann ein „geschlossenes System“ wobei ich heute bei den Färsen gleich darauf achten würde welche im Bestand bleibt und welche nur gemästet werden. Wir haben auch die Bullen gemästet.
Jetzt ist Schluss und das ist gut so!

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Luxia

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #6 am: 03.05.20, 15:33 »
Hallo Inga,

Keine eigene Jungviehaufzucht und nur noch Zukauf käme für mich nicht in Frage. Ich bin ein großer Freund vom geschlossenen Kreislauf, auch wenn wir das nicht in allen  Bereichen machen können. Durch Zukauf holt man sich oft Probleme in den Bestand, die es vorher nicht gaben. Auch wenn man für vieles eine Bescheinigung bekommt.

Alternativ würde ich die Auslagerung der JV-Aufzucht in einen Partnerbetrieb vorschlagen. Entweder ihr verkauft ihm die Kälber und kauft nachher die Färsen zurück oder ihr gebt ihm eure Tiere als Pensionstiere nd bezahlt Miete, Futter und Arbeit.

Wir haben unsere Rinder mehrere Jahre über Winter in Pension gegeben und sind froh, dass ab 2019/20 alle Tiere bei uns im Stall waren. Wir hatten 3 verschiedene Betriebe und haben es teilweise teuer bezahlt: Mortellaro bei den Rinder, nicht tragende Tiere im Frühjahr weil sie anscheinend nicht gebullt haben, aufgedrehte Jungkühe, ..  Es war halt immer für beide Seiten eine Verlegenheitslösung.
Liebe Grüsse

Offline Ricka

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Re: Keine Jungviehaufzucht mehr
« Antwort #7 am: 03.05.20, 16:23 »
Auch ich bin der Meinung das man durch Zukauf sich viele Probleme mit einhandeln kann . Allerdings kenne ich größere Betriebe die ihre Nachzucht bei einem anderen Landwirt aufziehen lassen und damit sehr zufrieden sind. das wäre auch für mich die einzige Option. Es muß aber jeder für seinen Betrieb selbst entscheiden.

LG Katrin