Autor Thema: Zukunft für Veredelungsbetriebe!?  (Gelesen 4714 mal)

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Offline DitzTopic starter

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Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« am: 31.10.07, 18:26 »
Hallo,

also das problem der hohen futterkosten haben ja im moment alle betriebe die veredeln, ob schwein, rind oder geflügel.
ich denke mal das wird oft vergessen, es wird immer nur von den schweinehaltern geredet aber die rindviehbetriebe ob milch oder mast, stehen doch nicht besser da.
die schweinehalter konten wenigstens rücklagen bilden in den letzten jahren.
ich bin ja nur bullenmäster und ich mache meinen stall solange voll wie es eben geht.
aber viele kollegen haben ihren mais nicht gehäcksel sondern an biogasanlagen verkauft oder gedroschen.
bei gut 2000euro/ha der geboten wurde kann man das auch gut verstehen.
und welcher rinderhaltende betrieb kann es sich leisten seine tiere mit 2000euro teurem mais zu fütterm?
beim getreide sieht es doch genau so aus, die kraftfutter kosten sind für uns ja auch enorm.
gut man muß allerdings sagen das kälber in den letzten wochen schon um einiges billiger geworden sind.
man muß ja davon ausgehen das die getreidepreise bis zur nächsten ernte auf diesem preisniveau bleiben, in wie weit die fleischpreise bis dahin anziehen weiß ich auch nicht, ich denke mal der schweinepreis müßte ja im moment schon über 2euro liegen um geld zu verdienen.

ich denke in zukunft wird der verbraucher tiefer in die tasche greifen müssen, eine andere lösung sehe ich da nicht.

Ditz

Offline Margret

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Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« Antwort #1 am: 01.11.07, 09:59 »
Hallo Ditz und Helga,

sehr wichtig,  auch dies zu wissen,  dass es eben allen Veredlern (logischerweise) so geht.


Die Frage,  ob bzw. wie weit man sich auf der Welt angesichts des Hungers und der Rohstoffknappheit  in Zukunft noch Veredelung,  also Umwandlung von Getreide in Fleisch  leisten kann,  beschäftigt mich natürlich sehr.
Daran hängt u.a. unsere betriebliche Existenz !

Diese Frage muss wohl alle  interessieren !   
Wobei dieses Thema selbstverständl. nícht nur als Milchmädchenrechnung betrachtet werden kann,  sondern schon global.

Margret
« Letzte Änderung: 01.11.07, 17:35 von Margret »

Offline Margret

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Re: Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« Antwort #2 am: 02.11.07, 20:37 »
In unserem Landw. Wochenblatt ist heute ein Beitrag,  in dem Herr Dr. Knut Schubert,  Marktreferent des dt. Verbands Tiernahrung  vor Geflügelhaltern aus BaWü referierte.

S.E. werden die derzeit hohen Futterkosten in absehbarer Zeit nicht sinken,  da der weltweite Getreidebedarf weiter zunehme.
Gründe hierfür seien   u.a. der weltweit gestiegene Rohstoffverbrauch und  Umbruch der dt. LWS.

Die Bioenergie konkurriere mit der Tierhaltung und der Ernährungswirtschaft.
Auch zunehmnede Wetterextreme sah er als Grund für die sprunghafte Verteuerung des Rohstoffs Getreide an.
Die Weltbevölkerung steige auch künftig  weiter stark an,  zusätzlich auch noch der Pro-Kopf-Verbrauch an Getreide.

Glaubt ihr,  dass höhere Fleischpreise,  egal von welcher Tierart,  am Markt durchzusetzen sind ?

Wie schätzt ihr die Entwicklung der Veredelungswirtschaft in Deutschland und der ganzen Welt  ein ?  warum ?

Margret



Offline mary

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Re: Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« Antwort #3 am: 03.11.07, 09:22 »
Hallo Margret,
hab mir gestern abend auch unser Lw. Wochenblatt durchgelesen, waren ziemlich ähnliche Beiträge drinnen. Angeblich wird jedes Jahr eine Fläche so gross wie die Bundesrepublik weltweit nicht mehr für Landwirtschaft nutzbar (Verbauung, Eroison, Wüstenbildung usw.), während die Bevölkerungszahl ansteigen wird.
Meine grosse Sorge gilt dem Boden und seiner Leidensfähigkeit.
Wir haben jetzt ein Jahrhundert die Energieschätze von Millionen Jahren geplündert und jetzt soll der Boden Nahrung und Energie bei sehr hohem Verbrauch liefern.
Wie sich die Veredelung entwickeln wird?????
Hab mir in der letzten Zeit viele Infos durchgelesen, da kommen ziemlich widersprüchliche Aussagen.
Nach meinem Gefühl wird die Energie, das Wasser und das Essen das absolute Mangelthema der nächsten Zeit werden. Und die nächste Frage, können wir uns den verschwenderischen Umgang  mit knapper werdenden Ressourcen noch leisten?
Dass die Menscheit sich  wieder  mit einer handvoll Reis  und nur Getreidenahrung zufriedengeben wird, kann ich mir nicht vorstellen.
Die Frage wird nur sein, verdienen dann Monsanto und Co.  mit Patenten und Lizenzen eine goldene Nase und die Bauern am Ende der Fahnenstande nur einen Hungerlohn?
Auffällig ist, dass alles was Geld hat, in Grund und Boden investiert-
so gesehen sind wir eine Minderheit mit einem sehr gefragten Gut-
eine etwas zweischneidige Sache.
Unseren Betrieb versuchen wir mit den uns vorliegenden Infos zukunftsfähig zu machen, wobei wir auf alle Fälle auf eine breite Risikostreuung schauen werden,
vielen Dank für Gedankenanstösse von dir- hat uns sehr geholfen :-*
Unsere Hautpschwerpunkte  werden Einsparungsmöglichkeiten im Bereich der Energie, beim Wasser und allgemein im Betrieb sein. Denn ich sehe mit Sorge, dass steigende Kosten im Energiebereich, im Futterbereich, im Ackerbau einen grossen Teil des Gewinnes auffressen. Da Energie nur verbraucht wird, so gesehen keine Investition in anlagefähige langfristige Investitionen darstellt-
werden wir uns noch mit grossen Herausforderungen beschäftigen müssen.
Aber mit solchen Problemen mussten sich schon viele Generationen vor uns auch auseinander setzen.
Herzliche Grüsse
maria




« Letzte Änderung: 03.11.07, 09:30 von mary »

Offline Mirjam

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Re: Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« Antwort #4 am: 05.11.07, 08:20 »
Hallo,

kleine Anmerkung - wenn man genau hinschaut ist es der Geflügelbranche durchaus gelungen am Markt höhere Preise durchzusetzen - was auch mehr als berechtigt ist, da die Futterkosten (Qualität, Eiweißanteil + Energiebedarf Heizung) enorm sind.

Aus der Schlachtbranche weiß ich noch vom Frühjahr ein Statement: Die Schweinepreise werden erst steigen - wenn der Ferkelüberschuss nicht mehr dieses Niveau hat.

Ansatzweise kommen jetzt Tendenzen, dass die ganzen tw. rigiden/verzweifelten Maßnahmen der Sauenhalter nun "Wirkung" zeigen....


Gruß Mirjam
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Jochen

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Re: Zukunft für Veredelungsbetriebe!?
« Antwort #5 am: 11.11.07, 20:20 »
Hallo Ditz und Helga,

sehr wichtig,  auch dies zu wissen,  dass es eben allen Veredlern (logischerweise) so geht.


Die Frage,  ob bzw. wie weit man sich auf der Welt angesichts des Hungers und der Rohstoffknappheit  in Zukunft noch Veredelung,  also Umwandlung von Getreide in Fleisch  leisten kann,  beschäftigt mich natürlich sehr.
Daran hängt u.a. unsere betriebliche Existenz !

Diese Frage muss wohl alle  interessieren !   
Wobei dieses Thema selbstverständl. nícht nur als Milchmädchenrechnung betrachtet werden kann,  sondern schon global.

Margret

Früher war es einfacher, Prognosen zu stellen. Denn es war hauptsächlich der Markt, der die Preise bestimmte. Heute mischen soviele Spekulanten mit, dass man eine Glaskugel braucht um die Zukunft zu prognostizieren. Es werden täglich die zig-fachen Mengen an Getreide, Schweinebäuchen etc hin- und hergehandelt als es tatsächlich gibt.
Ich hab mal im MEINE Glaskugel geschaut und die sagte mir folgendes:
In der Tat wird sich die Welt in Zukunft den heutigen Fleischkonsum nicht mehr leisten können. Die aufstrebenden asiatischen Länder haben die gleichen hohen Futterkosten und nachdem viele Züchter und Mäster über die Klinge gesprungen sind, werden die übriggebliebenen den nun höherpreisigen Markt mit weniger Menge bedienen. Fleisch wird zum Luxusgut der Oberschicht und wir kommen wieder zum "Sonntagsbraten" zurück.