Autor Thema: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten  (Gelesen 450817 mal)

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Offline gundi

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #150 am: 23.12.05, 14:19 »
Zur Weihnachtszeit bei Kerzenschein,
die Kindheit fällt dir wieder ein.
Ein Weihnachtsbaum mit seinen Kerzen
lässt frieden strömen in unsere Herzen.

Des Jahres Hektik langsam schwindet
und Ruhe endlich Einkehr findet.
Ein Tag er kann kaum schöner sein
als wie zu Weihnacht bei Kerzenschein.
Es ist kein Herr so hoch im Land, der nicht lebt vom Bauernstand!

Offline messel

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #151 am: 23.12.05, 23:02 »
                        WUNSCHZETTEL

      Einen Spaziergang im Wald und nachher Apfelstrudel,
                   einen guten Schutzengel,
                   den Mut zu neuen Ufern,
           warme Füße und einen tiefen Schlaf,
              süße Träume und kühne Träume,
                  Post von guten Freunden,
               ein Meer von Zärtlichkeiten,
              Frieden in uns, um uns herum,
       rauschende Fest und ein Gräschen Zuversicht,
              um mit der Zukunft anzustoßen.

                                  (Jochen Mariss)


   

Offline Sigrid

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #152 am: 24.12.05, 04:43 »
 ::) Bin mal wieder bei Heinz Erhardt fuendig geworden:

:::gelöscht wegen Copyright:::
« Letzte Änderung: 02.12.11, 07:31 von joker »

Ramona

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #153 am: 24.12.05, 09:44 »
Stille, Friede, geheime Freude und Erwartungen.
Kinderaugen rund und groß.
Kerzenschimmer, Weihrauchduft,
Glocken, die zur Christmette rufen.
Einsam wachen die Hirten
überall auf der Welt.
Du bist nicht allein. Freue dich!
Christus ist geboren!

Ramona

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #154 am: 26.12.05, 13:53 »
Ein Gedicht das zum Nachdenken



Weihnachten

Fröhliche Weihnacht ist dort
wo Kinder lachen
und auch Erwachsene
frohe Gesichter machen.

Nicht nur weil sich dort
die Esstische biegen
und alle haufenweise
Geschenke kriegen.

Wo Eltern Zeit haben
mit den Kindern zu spielen
statt nach dem Fernseher
oder Computer zu schielen.

Wo Menschen spontan
anderen reichen die Hand
kommen diese auch
aus fremdem Land.

Auch dort ist der Sinn
der Weihnacht erreicht
wo nicht jedes Geschenk
der Werbung gleicht.

Wo der Gedanke zählt
der dahinter steckt
eine kleine Überraschung
leuchtende Augen weckt.

Weihnachten ist dort
wo man gemeinsam isst
die Essensgaben nicht
nach dem Geldbeutel misst.

Wo Zusammensein wiegt
in dieser Stunde
und Ehrlichkeit kommt
aus aller Munde.

Wo Einer sich wirklich
auf den Anderen freut
selbst eine weite Reise
niemals bereut.

Frohes Fest findet statt
auch ohne Baum
wo Gemütlichkeit erfüllt
den Weihnachtsraum.

Die freie Zeit gerne
zusammen verbringen
ohne sich anzustrengen
sollte gelingen.

Wo nicht der Konsumrausch
wird mitgemacht
sondern auch an die
Menschen gedacht.

Die keinen Grund mehr
zur Fröhlichkeit haben
sich nicht, wie's üblich
an vollem Tisch laben.

Weihnachten ist dann
wo rührt sich ein Herz
wenn nicht nur dieser Tage
jemand sieht den Schmerz.

In Augen von Kindern
die hungern müssen
oder in derer
die zu viel wissen.

Weihnachten fängt an
wenn du kannst sagen
auch ich möchte mal
neue Gedanken wagen.

Das Christfest beginnt
wo die Liebe zählt
und wo Frieden, nicht Macht
herrscht …auf der Welt!


Offline Maria-Juliane

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #155 am: 26.12.05, 14:18 »
Gott lasse Dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.

Gott schenke dir die nötige Ruhe,damit du dich auf Weihnachten und auf die frohe Botschaft einlassen kannst
.

Gott nehme dir die Sorgen und Angst und schenke dir
neue Hoffnung.

Gott bereite dir den Raum,den du brauchst und an dem du so sein kannst,wie du bist
.

Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen über das Wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.

Gott mache heil,was du zerbrochen hast und führe dich zur Versöhnung

Gott gebe dir Entschlossenheit,Phantasie und Mut,

damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.

Gott gebe dir Einfühlungsvermögen,damit du Geschenke wahrnehmen und dankbar annehmen kannst.
.

Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht,

wenn dunkle Tage kommen.

So segne dich Gott und schenke dir seinen Frieden,den Frieden der Heiligen Nacht

(gelesen in einem Advents-Meditations Kalender)

.

Offline cara

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Re: Weihnachten etwas anders
« Antwort #156 am: 27.12.05, 13:46 »
hab gerade noch was gefunden:

Ein gelungenes Weihnachtsfest
geschrieben von Gisbert Zalich

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit
ist unser Papa rappelbreit
und weil´s viel Spaß macht, sind wir´s auch,
das ist schon lang Familienbrauch.
Und zwischendurch, als frommer Mann
tritt Paps mit uns den Kirchgang an.

Die anderen im Gotteshaus
sehn auch nicht gerade nüchtern aus...
Der arme Pfarrer schaut dem zu
der Anblick lässt ihm keine Ruh -
er sucht voll Gram im Messwein Trost
und sagt statt "Amen!" nur noch "Prost!"
Die Gläubigen nehm´n´s ohne Groll
an einem Tag so friedevoll,
weil´s erbaut und tief beseelt
wie er die Weihnachtspredigt hält:

"Vom Himmel hoch, der Engelschor
brüllt stinkevoll wie nie zuvor
In jenem Stall zu Betlehem
säuft Josef, ohne sich zu schäm´n
nach alt bekanntem Umgangston
auf seinen neu gebornen Sohn.
Die Kumpels aus dem Morgenland
die haben ihm den Schnaps gebrannt
und plästern was die Leber hält,
die Bibel hatt´s falsch dargestellt

Der Weihnachtsmann im Tannenwald
hat sich auch ein´n reingeknallt
und schläft den Rausch im Irrenhaus
in einer Gummizelle aus!"

Schnell tönt zum Schluss der Kirchenchor -
der Gottesmann hat noch was vor.
Die Schäflein werden schnell geweckt,
Kollekte hurtig eingesteckt
und die reicht heute unbestritten
aus, sich richtig zuzuschütten!

Die Sippe schwankt nach Haus zurück
und widmet sich privatem Glück
Der Leser dieses Stücks versteht
worin denn dieses Glück besteht...
doch erst Geschenke ausgepackt
bevor man ganz zusammen sackt -
und alle lachen froh und frei -
´s ist Gott sei dank der Nachschub bei!

Ja, wenn erstrahlt der Weihnachtsbaum
und Mama kriecht auf Knien im Raum
der Junior - wer will´s ihm verübeln
Champagner säuft aus vollen Kübeln -
und Oma, die zum Frommsein mahnte
restlos, bis zur Oberkante
zugeknallt und abgefüllt
lauthals versaute Lieder brüllt
und nichts im Fass verkommen lässt -
dann haben wir ein WEIHNACHTSFEST!

LiGrüss cara

It's a magical world, Hobbes, ol' buddy. Let's go exploring!

Ulrike(39)

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Re: Nikolausgedicht
« Antwort #157 am: 06.12.06, 20:43 »
Hallo, ich weiß auch ein freches Nikolausgedicht:

Kramperl, Kramperl Besenstiel
beten tu i gar net viel,
des bisserl was i beten kann
geht an Kramperl gar nix an.

Innviertler Mundart,  ;)

Einen schönen Nikolausabend wünscht Euch allen Ricki!
« Letzte Änderung: 06.12.06, 20:45 von Ricki »

Offline Katharina

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #158 am: 06.12.06, 22:26 »
Der Laden

War es Traum oder wirklich,
Als ich in dieser Stadt
Irgendwo in Gedanken
jenen Laden betrat.

Hinter'm Tisch dieser Händler 
Wirkte irgendwie fremd,
Verbarg mühsam zwei Flügel
unter'm lichtweißen Hemd.

Das Regal war bis unter die Decke
Voll mit Tüten und Schachteln gestellt,
Doch im Dämmerlicht konnt' ich nicht sehen,
Was die eine und die andre enthält.

Nun, ich fragte den Händler:
"Was verkaufen Sie hier?"
"Alles, was Sie sich wünschen,
alles gibt es bei mir.

Das, wonach Sie sich sehnen,
Was Sie froh machen kann,
Was Sie schon nicht mehr hofften,
alles biete ich an."

Ohh, wie hab' ich mich da vor dem Händler
Mit dem Wünscheaufsagen beeilt:
"Sie, ich möchte das Schweigen der Waffen
Und die Brötchen viel besser verteilt,

Mehr Verstand in die Köpfe,
Aus den Augen die Gier,
Eltern Zeit für die Kinder,
Achtung vor jedem Tier,

Helle Zimmer für alle,
Arbeit je nach Talent..."
Als ich Luft holen wollte,
sprach er "Kleinen Moment:

Sicher haben Sie mich falsch verstanden.
Wie ich hör', woll'n Sie Früchte von mir.
Ach nein, nein, ich verkauf' keine Früchte,
nur die Samen dafür."

(Gerhard Schöne)
Liebe Grüße
von Uta (Katharina)

   Glück findest du nicht, wenn du es suchst,
   sondern wenn du zulässt, dass es dich findet

Offline Katharina

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #159 am: 06.12.06, 22:29 »
Ein Bruder wie dieser
von Dan Clark

Mein Freund Paul bekam von seinem Bruder zu Weihnachten ein Auto geschenkt. Als Paul am Nachmittag des Heiligen Abends sein Büro verließ, sah er, wie ein Gassenjunge um sein nagelneu blitzendes Auto herumschlich. Er schien echt begeistert davon zu sein. „Ist das Ihr Auto, Mister?“, fragte er.

Paul nickte. „Ja, mein Bruder hat es mir zu Weihnachten geschenkt.“ Der Junge blieb wie angewurzelt stehen: „Wollen Sie damit sagen, Ihr Bruder hat es Ihnen einfach so geschenkt, und Sie haben nichts dafür bezahlt? Mensch, ich wünschte ...“ Er zögerte.

Natürlich wusste Paul, was der Junge sich wünschen würde. Er würde sich wünschen, auch so einen Bruder zu haben. Aber was er sagte, kam für Paul so überraschend, dass er seinen Ohren nicht traute.

„Ich wünschte mir“, fuhr der Junge fort, „ich könnte auch so ein Bruder sein.“

Paul sah den Jungen an - und fragte ihn spontan: „Hast Du Lust auf eine kleine Spritztour mit meinem neuen Auto?“

„Das wär’ echt toll, Mensch!“

Nachdem sie eine kurze Strecke gefahren waren, fragte der Junge mit glühendem Augenaufschlag: „Mister, würde es Ihnen was ausmachen, bis zu unserer Haustür zu fahren?“


Paul schmunzelte. Er glaubte zu wissen, was der Bursche wollte. Er wollte seinen Nachbarn zeigen, dass er in einem großen neuen Auto nach Hause gefahren wurde. Aber Paul irrte sich ein zweites Mal. „Könnten Sie da kurz halten, wo die beiden Stufen enden?“ fragte der Junge.

Er lief die Stufen hinauf. Nach kurzer Zeit hörte Paul ihn zurückkommen. Aber er kam nicht schnell gerannt. Der Junge trug seinen verkrüppelten kleinen Bruder. Er setzte ihn auf der untersten Stufe ab, und dann beugte er sich zu ihm hinunter: „Da ist es, Bruderherz, genauso wie ich es Dir oben gesagt habe. Sein Bruder hat es ihm zu Weihnachten geschenkt, einfach so. Und eines Tages werde ich Dir auch eins schenken, genauso eins wie das hier ... und dann kannst du dir all die schönen Sachen in den Weihnachts-Schaufenstern selbst ansehen, die ich versucht habe, dir zu beschreiben.“

Paul stieg aus und hob den kleinen Burschen auf den Beifahrersitz. Mit glänzenden Augen setzte sich sein großer Bruder neben ihn - und die drei machten sich auf zu einem Weihnachtsausflug, den keiner von ihnen jemals vergessen würde.

An diesem Heiligabend verstand Paul, was Jesus gemeint hatte, als er sagte: „Es ist seliger, zu geben ...“



Quelle: Jack Canfield/Mark Victor Hansen: Chicken Soup for the Soul. 101 Stories To Open The Heart And Rekindle The Spirit. Health Communications, Deerfield Beach, Florida, USA 1993
Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen von Burkhard Treude

Liebe Grüße
von Uta (Katharina)

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Offline martina

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Re: Weihnachten etwas anders
« Antwort #160 am: 09.12.06, 11:08 »
Advent im Seniorenheim

 

Alljährlich die gleichen Sorgen…

 

 

…Weihnachtsgesang…

 

Opa:

Macht, dass ihr da wech kommt!!!

 

…Schüsse…

 

Opa:

Güllelerchen!!!

 

..weiter Schüsse...

 

Reporter:

Der Singkreis des Landfrauenvereins Heringsmoor war nur einer von zahlreichen Vortragsgruppen und Einzelkünstlern, die wochenlang vergeblich versuchten, in das städtische Seniorenstift am Höcklager Industrieweg einzudringen. Dem inneren Dran, alten Menschen zur Weihnachtszeit eine Freude zu machen, stand immer wieder die kompromisslose Abwehrbereitschaft der Heiminsassen gegenüber, die es leid sind, als Publikum für Amateuraufführungen herhalten zu müssen. So jedenfalls erklärt es der 89jährige Josef Röhrmöller, als Sprecher des Ältestenrates.

 

Röhrmöller:

Ja, wir woll’n hier vor Weihnachten einmal in Ruhe Kaffee trinken und nicht dauernd dies Gejiedel und Gefiedel an'e Ohren habm. Und wenn das im Guten nich geht, dann müssen wir Maßnahmen ergreifen.

 

Reporter:

Maßnahmen, die sich am Anfang nur auf die hermetische Abriegelung des Gebäudekomplexes beschränkten. Röhrmöllers Erfahrungen als Infanterist 1943 im Kessel von Tscherkassi, als seine Kameraden in einer ähnlich verzweifelten Situation waren, kommen jetzt den Heimbewohnern zugute. Die wuchtigen Eisenmöbel vor den Außentüren, Stacheldrahtrollen vor den besonders gefährdeten Sutterainfenstern sowie verschweißte Sieldeckel im Kellerbereich, reichten jedoch schon bald nicht mehr aus. Rund um die Uhr wurden Heimbewohner zum Wachdienst eingeteilt.

 

Röhrmöller:

Ja die Probleme sind praktisch Tach und Nacht nich. Morgens fallen schon die Plagen vonner Gesamtschule über uns her mit ihrem Flötenkreis. Die fiepen hier rum mit Mach hoch die Tür und Klingglöckchen und alles falsch und durcheinander. Dat is nicht zu ertragen. Inner Mittachsstunde hab'n wir dann meistens diese Trampeltänzer vom Trachtenverein Strohkruch, die will keiner mehr sehen, aber mit uns kann mans ja machen.

 

Reporter:

Besonders kritisch wird es am Abend, wenn die Aufmerksamkeit der alten Menschen nach einem langen Wachdienst zu erlahmen droht. Dann nämlich pirscht sich im Schutz der Dunkelheit der Jagdbläserchor 'Hubertus' aus Niederstenbreckelwede heran.

 

Röhrmöller:

Ja die tröten hier Die Sau ist tot, wenn unsereiner nur in Ruhe fernsehen will. Und da bin ich dann zum ersten Mal mit'm Schrotdrilling dazwischen gegangen.

 

Reporter:

Nicht minder gefürchtet ist unter den Senioren die Schöppenwessler Speeldeel mit ihrem niederdeutschen Schwank Krach um Jolante, die aber in diesem Jahr, wenn auch gegen ein empfindlich hohes Schweigegeld wieder abzog. Doch nicht immer lassen sich die vorweihnachtlichen Besucher so unkompliziert abwehren. Der Chantichor Ankommersiel mit seinem Adventsrepertoire wie Christus war ein Steuermann oder Wir lagen auf Kiel vor Bethlehem ließ sich aus Hubschraubern auf das Flachdach des Speisesaals absetzen, in der vergeblichen Hoffnung, durch einen Lüftungsschacht zur besinnlichen Kaffeetafel vorzudringen. Nach 25 Jahren Heimerfahrung kennt Opa Röhrmöller inzwischen alle Tricks.

 

Röhrmöller:

Ja wir hatten die Tage einen hier, der gab sich als Klempner aus und wollte nach 'e Heizkörper kucken. Und ich denk noch, da is doch wat faul, mach 'ne Taschenkontrolle und siehe da, kein Werkzeug und nix. Stattdessen diese elende Gedichtband Wiehnacht ob de Halli, damit wollte er uns hier den Abend versaun. Und jetzt komm' Sie.

 

Reporter:

Schlussendlich waren alle Anstrengungen der alten Leute umsonst. Am frühen Nachmittag des 2. Advents hielt die Schweißnaht der Feuertür zum Babitoratlager dem karitativen Ansturm nicht mehr stand. Die tapferen Bewohner des Seniorenstifts wurden von der vorweihnachtlichen Stimmung doch noch eingeholt.

 

 

zurück

Wir sehen uns in Weimar. Ich freue mich auf Euch.

Offline martina

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Re: Weihnachten etwas anders
« Antwort #161 am: 09.12.06, 11:10 »
Das vertauschte Geschenk

 

Wie Sie sehen bin ich immer noch unverheiratet. Ich war einmal verlobt. Meine Verlobung ist aber wieder schnell gelöst wurden. Wie es dazu kam, will ich ihnen erzählen:

 

Weihnachten stand vor der Tür. Meine Braut und ich standen uns noch etwas fremd gegenüber. Es war daher sehr schwer, das richtige Geschenk für sie zu finden. Nach längerer Überlegung entschloss ich mich, ihr ein paar Handschuhe zu kaufen und ihr ein Briefchen zu übergeben, worin ich auf das Geschenk Bezug nahm.

In dem Geschäft kaufte ich nun aber auch noch ein paar Schlüpfer für meine Schwester - als Bruder kann ich mir das ja erlauben. Aber durch die Unachtsamkeit der Verkäuferin sind beide Geschenkpäckchen vertauscht worden, so dass meine Braut die Schlüpfer und meine Schwester die Handschuhe bekam.

Den dazugehörigen Brief will ich ihnen vorlesen:

 

 

Liebe Eva!

 

Lange habe ich nachgedacht, womit ich Dir als Zeichen meiner Liebe eine Freude machen kann. Neulich merkte ich, was Du am Nötigsten brauchst. Du findest dieses im beiliegenden Päckchen. Gern wäre ich dabei, wenn Du sie das erstemal anziehst. Am liebsten zöge ich sie Dir selbst an. Verlebe glückliche Tage darin. Sie sind sehr schön und werden Dir gut gefallen. Ich habe mit Absicht eine Nummer kleiner gekauft, denn sie weiten sich mit der Zeit, und es sieht besser aus, wenn sie richtig sitzen. Die Wahl war schwer. Ein paar ganz lange waren da, jedoch ich dachte mir, je kürzer, desto besser. Auch gab es welche mit Pelzfutter, aber die sind bestimmt zu warm auf der Haut und es geht ja auf den Frühling zu, wo Du, wie ich weiß, überhaupt keine trägst. Ich wollte Dir erst lederne schenken – mit Stulpen und Motiven, entschloss mich aber für glatte aus Dederon. Verliere sie nicht. Wenn Du mal eingeladen bist, lasse sie nicht liegen. Ziehe sie daher nicht halb an und trage sie nicht heruntergeklappt. Ich habe mit Absicht Reißverschluss gewählt, falls Du's mal eilig hast. Wenn es warm ist, sieht es schick aus, wenn Du sie beim Spazieren gehen in der Hand trägst. Sie werden aber auch nicht lange sauber bleiben, denn viele Leute haben schmutzige Finger. Wenn Du sie reinigen willst, begieße sie mit Benzin und setz Dich in die Sonne. Bevor Du sie anziehst, kannst Du sie auch noch umtauschen. Die Verkäuferin passt Dir gern ein paar neue an.

 

Viele Grüße und viel Freude

an Deinem Geschenk wünscht Dir

 

Dein Liebling

       Günther
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Offline martina

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Re: Weihnachten etwas anders
« Antwort #162 am: 09.12.06, 11:16 »
Ach, wie war es doch vordem: Weihnachten in der DDR (Reinhard Ulbrich, 1998)

 

... dann steht die Jahresendflügelfigur vor der Tür

 

Nun ist es bald wieder soweit. In genauer Erfüllung der hochgesteckten Ziele unseres Zwölfmonatsplans nähert sich nun das Jahresende. Wie wir aus dem Studium der Klassiker wissen, handelt es sich dabei um eine besinnliche Zeit. Sie gibt uns Gelegenheit zur Rückschau auch auf jene Formen ostdeutschen Wehnachtsbrauchtums, die zwar seit  acht Jahren der Vergangenheit angehören, aber dennoch unser völkerkundliches Interesse verdienen.

Schließlich war es einfach großartig, wenn die abschließende Ernteschlacht hinter uns lag und der letzte aller vier Feinde des Sozialismus (Frühling, Sommer, Herbst, und Winter) sich anschickte, Einzug zu halten. „Morgen, Kinder wird’s was geben“, klang es hoffnungsfroh aus dem Radio. Nur der staatliche Einzelhandel hatte davon natürlich wieder kein bisschen mitbekommen, denn es gab bei ihm auch morgen nur das Übliche, nämlich nichts. Oder sagen wir so: Außer dem fehlenden Frischobst war nun auch noch kein Zitronat im Angebot.

Seit Wochen schon zermaterten sich die Weihnachtsmänner des Politbüros die Köpfe darüber, welche Art von Südfrüchten sie durch Umschichtung der ewig schwindsüchtigen Devisenvorräte noch herbeizaubern konnten. Und das Ergebnis war wie immer absehbar – es würde die gefürchteten Kuba-Orangen geben, kleine gummiartige, völlig ungenießbare Kullerchen, die sich heute im Westen als Flummis verkaufen ließen.

Aber heimelig war’s doch: Der Strom schwankte zum Beispiel so nett, dass alle Glühlampen flackerten und ganz von selbst Kerzenschein stimulierten. Und in der Neubauwohnung war die Gemütlichkeit kaum noch zu ertragen, denn die Heizung ließ sich nicht drosseln, so dass man immer mehr Fenster aufreißen musste, je kälter es draußen wurde. Das war aber keineswegs schlecht, denn man konnte auf diese Weise ein Wort mit seinen Nachbarn aus der Hausgemeinschaft wechseln und erfuhr ganz beiläufig, dass in der HO-Kaufhalle die ersten Leckereien zum Fest eingetroffen sein sollten. Also nichts wie hin und selber nachgesehen. Es waren dann doch nur die üblichen Weihnachtsschokoladenhohlkörper, die statt nach Kakao immer nach Mehl schmeckten, und dazu jener zuckersüße Fondant-Baumbehang, den der staatliche Zahnarzt seinen Lieben schenkte, damit er über die Feiertage das Plombieren nicht verlernte. Immerhin: Uns war bei dieser Gelegenheit der Baum eingefallen. Den mussten wir ja auch noch besorgen.

Auf dem Verkaufsgelände herrschte schon Hochbetrieb. Vor den Augen eines gelangweilten Kassierers schichteten mehrere Dutzend Familien irgendwelche grünen Gebilde um, die eher an plattgedrückte Grabdecken als an richtige Nadelbäume erinnerten. Der laufende Meter kostete um die zwei Mark, so dass man sich oft gleich zwei Stück davon leistete. Zu Hause angekommen, wurden die Äste eines Exemplars sorgfältig abgesägt und mit Hilfe des Klebstoffs Duosan Rapid ringsum in den Stamm des zweiten implantiert. Fertig! Professor Brinkmann wäre angesichts dieser chirurgischen Fingerfertigkeiten vor Neid erblasst, aber er ahnte im fernen Schwarzwald wahrscheinlich gar nichts von unseren kniffligen Operationen.

War ja auch egal, Hauptsache Tante Trudchen aus Bochum dachte an uns, am besten in Form eines Westpakets. Knallmeier-Kaffee und Pilmolav-Seife, die wirklich schäumte, würde uns dann beglücken. Hoffentlich auch ein bisschen Blei-Lametta, andernfalls war Bügeln angesagt: Die alten Ost-Stanniol-Streifen vom Vorjahr mussten mit dem Weisen wieder sorgfältig geglättet werden, damit sie wenigstens zur Bescherung einigermaßen glatt an den Zweigen hingen. Lange hielt das ohnehin nicht vor, denn sobald jemand den Strassfurt-Fernseher einschaltete oder mit einem elektrisch aufgeladenen Wolpryla-Pullover vorbeiging, klappte der Baum so schlagartig das Lametta hoch wie sonst höchstens noch Knecht Ruprecht die Rute.

Apropos Fernseher. Das Feiertagsprogramm/West hatten wir ja schon in einer eigens von der ARD zu diesem Zwecke eingerichteten Diktierstunde persönlich zu Papier gebracht. Aber was sie im Osten ausstrahlen würden, blieb unklar. Die einzige Fernsehzeitung FF Dabei war reine Bückware, das heißt, man bekam sie nie auf dem Ladentisch zu sehen, von exotischen Zuständen wie einem Abonnement ganz zu schweigen. Am ersten Feiertag würde wahrscheinlich wie immer die Sendung Zwischen Frühstück und Gänsebraten kommen. Deren Moderator litt leider an einer gleichermaßen verbreiteten wie unheilbaren Berufskrankheit – der zwanghaften Vorstellung, komisch zu sein. Auf diesem Gebiet hatte er jedoch mit starker Konkurrenz zu kämpfen, wenngleich aus unerwarteter Richtung: Die alljährliche Neujahrsansprache der Gattin des Parteichefs war nämlich ernst gemeint, aber trotzdem an Komik kaum zu überbieten.

Doch bis zu diesem Höhepunkt der sozialistischen Unterhaltungskunst mussten noch ein paar Hürden genommen werden. Zunächst galt es, die Gaben für den gleichnamigen Tisch zu besorgen. Mutti wünschte sich Pumps aus der Gestattungsproduktion (Nur wo Salaman der draufsteht, sind auch Banner-Schuhe drin). Die kosteten zwar ein Heidengeld, aber wir hatten ja unsere Jahresendprämie in der Tasche. Dort gehörte sie auch hin, denn der Betrag ähnelte weniger einem 13. Monatsgehalt als einem zweiten Taschengeld. Immerhin – für Oma gab er sogar noch eine Aschachtel Rotstern-Pralinen her, bekannt und beliebt für ihre leichte Gipsnote. Zum Schluss für den Sohnemann noch ein Plüschbären der Sorte Mischka erworben – wegen der Freundschaft zur Großen ruhmreichen Sowjetunion – und das war’s dann.

Nein halt, noch nicht ganz. Ein paar Tage vor dem Fest rief uns ja noch das Arbeitskollektiv zum geselligen Beisammensein; dort stand nämlich die Brigadefeier auf dem Programm. Bei dieser kollektiven Maßnahme mussten unbedingt die letzten Reste des gewerkschaftlichen K- und S-Fonds verbraten werden, denn auf diesem Gebiet war die deutsche Einheit schon lange vor 1990 vollendet: Wer zum Jahresende noch zweckgebundene Mittel übrig hatte, bekam sie auch im Osten zum nächsten Jahr garantiert gekürzt. Der Zweck K und S bedeutete eigentlich Kultur- und Sozial-, dich er erfuhr auf der Feier stets die praktische Übersetzung in Korn und Salzstangen.

Solchermaßen beschwingt wieder zu Hause angekommen, konnten wir schließlich darangehen, die Weihnachtsutensilien aus den Schränken zu holen: jenen Schwibbogen zum Beispiel, den wir in wochenlanger Heimarbeit selbst gesägt hatten, weil die erzgebirgischen Originale immer in den NSW-Export gingen. Das hieß „Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet“ und belegte sehr schön den berühmten ostdeutschen Aküfi (Abkürzungsfimmel). Eine andere Schachtel, die wir hervorzogen, trug dagegen eine ganz und gar nicht abgekürzte Bezeichnung, nämlich Jahresendflügelfigur. Drinnen steckte jedoch ein Christkind oder Weihnachtsengel, aber nie im Leben Jahresdings, - na Sie wissen schon.

Als dann endlich alles beieinander war, konnten wir uns zufrieden, wenn auch etwas ermattet, in den Sessel fallen lassen. Als Jäger und Sammler waren wir auch diesmal wieder unschlagbar gewesen. Und was konnte es Schöneres zum Lohn geben, als den Gesang unserer glücklichen Familie die nun das Lied anstimmte: „O du ölige, o du mehlige, bratenbringende Jahresabschlussbilanzzeit.“

 
Wir sehen uns in Weimar. Ich freue mich auf Euch.

Offline martina

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Re: Weihnachten etwas anders
« Antwort #163 am: 09.12.06, 11:18 »
Vor uns liegt nun der Event,

den man Merry Christmas nennt.

Unsre Youngsters,  Girls und Boys,

kriegen jede Menge toys;

Pockemon und Peanut-Kern

haben alle Kids so gern!

 

Aber auch zu Mum und Dad

ist Old Santa pretty nett;

denn die Gifts aus Peter’s Shop

sind Prime Collection , - einfach top;

From Heaven high, da kommt er her,

und bringt der Goodies mehr und mehr.

 

Grandma, Grandpa, ach Ihr Alten,

Weihnachten könnt Ihr gern behalten,

X-mas providet globally

Corporate Identity;

Joy to the world, bald ist’s Zeit

again für Silent und für Holy Night.

 

Oder war da doch was dran,

am Christkind und am Weihnachtsmann?

An den Liedern, die wir einst gesungen:

Es ist ein Ros‘ entsprungen?

Lag still und starr nicht dort der See?

Standst du, oh Tannebaum, nicht grün im Schnee?

 

Ich sehe heut in meinem Traum,

Euch Eltern dort beim Lichterbaum,

An Ochs und Esel denke ich zurück,

an Kinderaugen voller Glück,

an Worte, die uns eng verbanden,

Als Alt und Jung sich noch verstanden.

 

Wenn wir daheim schon nicht verstehen,

wie soll’s global dann besser gehen?

Nicht, wenn Ihr fremde Wörter stammelt, -

doch wenn Ihr unterm Wort Euch sammelt,

strahlt in die Welt so weit, so breit,

der Friede dieser Weihnachtszeit.

 
Wir sehen uns in Weimar. Ich freue mich auf Euch.

Offline mary

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Re: Texte, Sprüche, Gedichte zum Advent, zu Weihnachten
« Antwort #164 am: 11.12.06, 10:54 »
Habe gestern auf der Suche nach einer besinnlichen Adventsfeiergechichte diesen Text gefunden.

Noch 24 Stunden
Der 23. Dezember ging bald zu Ende. Der Pfarrer hatte am Vormittag zwei Schulgottesdienste geleitet – sehr erfreulich war das nicht gewesen. Die Kinder hatten mehr die beginnenden Ferien als den Advent im Kopf. Es war ihm kaum gelungen, die Kinder wirklich für den Gottesdienst zu interessieren. Es war unruhig gewesen und wenig feierlich.

Am Nachmittag und am frühen Abend hatte der Pfarrer ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Hause besucht, einen kleinen Blumenstock abgegeben, eine Karte und ein „Vielen Dank“ – aber er war kaum mit jemandem richtig ins Gespräch gekommen; alle waren in der Küche mit Kochen und mit Christbaumschmücken im Wohnzimmer beschäftigt gewesen.

Jetzt war es gegen 9 Uhr abends. Der Pfarrer saß am Schreibtisch, wollte endlich mit seiner Weihnachtspredigt beginnen. Aber er fand keinen Anfang. Ideen hatte er schon, aber sie kamen ihm alle irgendwie schwach und kraftlos vor. Der wenig erfreuliche Tag war keine gute Grundlage für eine Weihnachtspredigt. Aber da war mehr – schon seit einigen Jahren und verstärkt in den letzten Monaten hatte er Zweifel, ob all das, was er tat, so ganz sinnvoll war.

Weihnachten, das war doch nur noch ein großes Geschäft und eine große Show. Ganz typisch: Dieses Jahr waren Mädchen im Minirock und weiß-roter Zipfelmütze der große Werbegag gewesen, mindestens fünf Firmen hatten damit geworben: Weihnachtsmädchen als Abklatsch vom Weihnachtsmann, der doch selbst wieder nur eine schlechte Kopie vom Nikolaus war. Das war heute Weihnachten. Das gefiel den Leuten. Geschäft und billige Unterhaltung, darum ging es – aber doch schon lange nicht mehr um die Geburt in Bethlehem.

Eigentlich hatte es keinen Zweck, die Sache weiter hinauszuschieben. Wenn er die Predigt nicht bis Mitternacht fertig hatte, würde er zu müde sein, noch etwas Vernünftiges zustande zu bringen. Morgen, am Heiligen Abend, war dazu kaum mehr Zeit. Aber hier am Schreibtisch zu sitzen und auf einen Einfall zu warten – das war auch nicht die Lösung.

„Ich gehe ein bisschen an die Luft“ – so sagte er sich, „vielleicht fällt mir da etwas ein.“ Er nahm seine Winterjacke und ging nach draußen. Es war ziemlich still auf den Straßen. Viele Fenster waren erleuchtet, die meisten Leute schienen daheim zu sein. Seine Schritte lenkten ihn fast unmerklich zu einer kleinen Eckkneipe, wo er gelegentlich mal ein Bier oder einen Schoppen Wein trank. Es waren heute Abend nur wenig Leute da. So stand er mit seinem Bier allein am Tresen, horchte ein bisschen auf die weihnachtlich angehauchte Popmusik aus dem Radio. Die brachte ihn aber auch nicht in Weihnachtsstimmung, es war einfach nicht sein Geschmack.

Als er sich umsah, saß da neben ihm ein Fremder auf dem Barhocker. Er hatte gar nicht bemerkt, wie der hereingekommen war. Und seltsamerweise sprach ihn der Fremde an:

„Dir geht’s nicht so gut, oder?“

„Wie kommst du darauf?“, fragte der Pfarrer verwundert zurück.

„Ich brauche bloß in dein Gesicht zu schauen“, erwiderte der Fremde.

Merkwürdig, nach ein paar Sätzen waren sie mitten in einem Gespräch. Der Fremde schien sich in Kirchensachen ganz gut auszukennen – ob es ein Kollege von auswärts war? Egal, mit jemandem zu reden tat gut.

„Und da sitze ich hier und trinke mein Bier,“ sagte der Pfarrer. „Morgen werde ich dann in der Mette vor einer gut gefüllten Kirche predigen. Aber ich mache mir nichts vor. Drei Viertel der Leute werden über sechzig sein. Viele kommen nur, weil sie die Stimmung suchen – nicht etwa die Weihnachtsbotschaft. ‚Stille Nacht’ am Ende mit Lichter aus und solchem Zauber – manche mögen das. Also tue ich ihnen den Gefallen. Aber was ich predige, ist den meisten doch egal, solange es nicht über zehn Minuten dauert. Fünf Minuten wären natürlich noch besser. Und ob da viele im Gottesdienst wirklich beten – ich weiß es nicht. Die wollen doch bloß gesehen werden.“

„Komm mal mit, ich zeige dir was“, sagte der Fremde. Das Bier war ohnehin ausgetrunken, sie zahlten und gingen hinaus in die Nacht.

„Siehst du das Fenster dort drüben mit den gehäkelten Gardinen?“, fragte der Fremde. „Da wohnt Frau Berger. Sie ist seit 15 Jahren Witwe, und ihre Kinder wohnen weit weg. Auch morgen wird sie allein sein. Aber sie wird in die Christmette kommen, wie jedes Jahr. Letztes Jahr stand ich nach der Mette hinter ihr. Sie hat wahrscheinlich von deiner Predigt nicht alles verstanden, die war ein bisschen zu hoch. Aber sie hat nach der Mette zu ihrer Nachbarin gesagt: ‚Jetzt weiß ich wenigstens, wozu ich noch lebe.’“

„Das hast du gehört?“, fragte der Pfarrer.

„Ja, genau das hat sie gesagt.“

Sie gingen ein paar Straßen weiter. In einem Hauseingang standen eng beieinander ein Junge und ein Mädchen, beide so um die 17 Jahre alt. „Da schau her“, sagte der Pfarrer zu dem Fremden, „die Silke mit ihrem Freund. Letztes Jahr hat sie zu Weihnachten noch ministriert, aber seit Januar oder Februar habe ich sie nicht mehr in der Kirche gesehen. Ich hatte große Hoffnungen in sie gesetzt, hatte geglaubt, sie wird die Kindergruppe in der Pfarrei übernehmen. Aber sie ist jetzt weit weg – wie viele in ihrem Alter.“

„Aber nicht ganz. Sie hat ein Geheimnis. Vor zwei Jahren hat deine Weihnachtspredigt sie angesprochen. Du hast erzählt, wie Gott Zeit für uns Menschen hat, und dass auch wir Zeit füreinander haben sollen. Sie hat das ernst genommen. Seither nimmt sie sich jeden Monat einen Nachmittag Zeit für ihren Großvater, der als Alzheimerpatient im Pflegeheim lebt. Und sie hält das bis heute durch.“

„Das wusste ich nicht“, sagte der Pfarrer.

„Sie erzählt auch niemandem davon. Ich weiß es sozusagen bloß zufällig.“

Sie näherten sich langsam der Kirche. Aus der Erdgeschosswohnung in einem Mietshaus drangen Schüsse nach außen – Schüsse aus einem Fernseher. Da lief ein Kriegsfilm mit voller Lautstärke. Anders als bei den anderen Wohnungen war hier keine Spur von Weihnachtsschmuck zu sehen.

Der Fremde erklärte: „Da wohnt Herr Huber. Leute, die sich Christen nennen, haben ihn fies behandelt, leider auch die Familie seiner Frau. Er ist geschieden. Seine Abende verbringt er meist mit dem Anschauen von Actionfilmen, auch den Heiligen Abend. Er will eigentlich mit Christsein nichts mehr zu tun haben. Aber letztes Jahr hatte er beim Läuten der Glocken vor der Mette schon seinen Mantel in der Hand. Er hat ihn wieder hingehängt und den Fernseher nicht ausgeschaltet. Vielleicht zieht er den Mantel dieses Jahr an. Vielleicht kehrt er auf halbem Weg wieder um und kommt erst nächstes Jahr. Aber ein Funke ist noch da, und Weihnachten ist trotz allem stark genug, diesen Funken wieder aufleben zu lassen.“

Sie hatten das Pfarrhaus fast erreicht. Der Fremde deutete auf den oberen Teil eines Hochhauses. „Da im 14. Stock wohnen Herr und Frau Bichler. Im Lauf von 35 Ehejahren sind sie sich ein bisschen fremd geworden. Sie werden langsam alt und gehen sich manchmal ziemlich auf die Nerven. Manches ist da sehr kühl. Morgen Abend werden sie wie immer zusammen zur Mette gehen, mehr aus Gewohnheit denn aus Überzeugung. Sie werden nebeneinander sitzen. Du wirst ihnen von Gottes Liebe zu uns Menschen predigen. Und wenn am Ende das Licht zur ‚Stillen Nacht’ ausgeht, wird sie nach seiner Hand fassen, und er wird sie nicht zurückziehen. – Übrigens: Was du predigst, ist gar nicht so furchtbar wichtig. Tue es aufrichtig, und nimm die Menschen, die dir da gegenübersitzen ganz ernst, und nimm die Botschaft ernst von Gott, der uns Menschen unendlich liebt.“

„Sag’ mal, wer bist du eigentlich?“, fragte der Pfarrer.

„Ich glaube, du ahnst es schon“, sagte der Fremde.

„Dich schickt der Himmel?“

„Ja, gewiss“, antwortete der Fremde. Er breitete seine Flügel aus und flog davon. Nur noch ein schwacher Lichtschein am Himmel blieb für ein paar Minuten zurück.


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Peter Wünsche, 7.12.2003

peter.wuensche@t-online.de

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