Autor Thema: Hier trifft sich Canada ;-)  (Gelesen 39684 mal)

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Offline Maja

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #75 am: 18.01.07, 13:48 »
Jetzt versuche ich es nochmal ein BIld von Findus einzubringen

Offline Maja

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #76 am: 18.01.07, 13:57 »
JEtzt hab ichs zwar endlich geschafft ein BIld so klein zu bringen dass die Compukiste es eingelassen hat , aber nu bin ich mit der Qualität nicht zu frieden.
wenn ich es endlich schaffe dann kommt auch mein Reisebericht

Offline hosta

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #77 am: 18.01.07, 22:14 »
Hallo Landleben!
Von allen Kindern aus dem Bekanntenkreis, die im Ausland waren, weiß ich das es eine ganz tolle Sache war. Außerdem weißt Du sogar wo Dein Sohn hinkommt. Das konnte ich bei unserem Sohn nicht sagen. Aber trotzdem hat immer das Gefühl, das ich mich für ihn freue überwogen.
Und was toll ist, es gibt doch das Internet.
Gruß Hosta
Herzlichst hosta

findus

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #78 am: 23.01.07, 05:02 »
Hallo Britta,
Ich kann Dich gut verstehen .Aber ist doch toll das es noch geklappt hat und  fuer Ihn ist es eine einmalige Erfahrung
mal zu sehen wie es auf einem  Milchviehbetrieb hier in Canada zugeht.Und wenn er mal Deutsch sprechen will ,so weit wohnen wir ja auch nicht weg. Gruss Karin
Hallo!

Gestern kam der Bescheid das Sohnemann ein Work und Travel Visum für Kanada erhalten hat.

Nun steht dem Praktikum bei Findus Nachbarn nichts mehr im Wege.

Nur noch der endgültige Termin muss abgesprochen werden.

Mir wird jetzt schon ganz mulmig bei dem Gedanken meinen Sohn so lange nicht zu sehen. Dabei ist der August noch weit weg.

lg

britta

findus

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #79 am: 23.01.07, 05:30 »
 Hallo Maja ,
Mir geht es wieder gut, kann sogar schon wieder beim Hausbau mit helfen. Wir kommen leider nicht so richtig vorran.
Wir suchen dringend einen Elektriker der uns die Verteilerbox anschliesst, dann koennen wir die Waende mit Riegips
verkleiden.Aber Du kriegst ja keinen , bis auf die naechsten 3 Wochen sind alle ausgebucht.Und die Elektrik- und Klemptnerarbeiten wollten wir nicht selber machen.Wenn das so weiter geht schaffen wir es nicht bis zur Ernte mit dem Einziehen.
Ansonsten haben wir schoenes Wetter ,heute sogar +6C und viel Schnee.
Ich hoffe ihr habt von dem Sturm nicht so viel abbekommen,
                              viele Gruesse Karin
                                                                           

britta mach dich nicht verrückt, deinem Sohn passiert schon nichts in Canada und er wird als echter kerniger Mann  zurückkommen. Das Land und die Leute werden ihn ganz sicher verändern, aber was du ihm mitgegeben hast vergisst sich sicher nicht.
Welche Nachbarn von Findus  werden seine Gasteltern sein?
Auf alle Fälle ist es bei Findus sehr schön. Leider schaffe ich es immer noch nicht mit dem Foto reinstellen. Irgendwie ist immer was nicht richtig.
Per Email kann ich auch foto`S verschicken nur ins BT klappts nicht.
Hey findus -Karin wie weit ist es mit dem Neuen Haus?
Geht es dir hoffentlich gut und deinem Mann auch?
Ganz liebe Grüße
Maja


Offline Maja

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #80 am: 23.01.07, 11:14 »
Hallo Karin -Findus
Freu mich dass du wieder fit bist. Schade dass soviele Flugstunden zwischen uns liegen und soviel Sturmbruchholz. Mein MAnn könnte euch sicher beim HAusbau helfen.
So muss er leider jetzt ca. 400fm Holz aufarbeiten , jeden TAg  bekommen wir neue Hiobsbotschaften, weil jetzt so langsam alle Wege wieder frei werden in die Wälder und wir endlich mal alle Grundstücke erreicht haben von uns. Grauenhaft was man da sehen muss, aber es ist immer nur Holz und kein Menschenleben . Aber es ist halt  wie wenn es bei Euch 20 JAhre lang die Getreidernte verhagelt.
Bei uns ist es jetzt mal kalt. 5 grad minus und Sonnenschein.
Liebe Grüße
Maja

Offline Mirjam

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #81 am: 28.01.07, 16:28 »
Hallo,

ich hatte euch ja ein paar Infos versprochen, aber was ist schon 1 Woche Kanada, die Kanadier selbst werden vielleicht schmunzeln wie ich was wahrgenommen habe.

Also erst mal: Kanada ist groß - im Vergleich zu Deutschland.

Anbei mal so ein Blick aus dem Flugzeug - alles sehr "quadratisch geplant" und seehr lange Straßen geradeaus.

A propos Straßen. Finde ich allein schon zum Mitfahren recht anstrengend, denn die in Deutschland gewohnt-hilfreichen Seitenpfosten fehlen dort. Dort fahren ja auch die Schneepflüge mit einem "leicht anderen Tempo" (da breite Straße und viel geradeaus) - hat aber zur Folge, dass man schon aufpassen muss, ob man nicht im Winkel von der Straße abkommt.

Angekommen in Winnipeg in November war dort schon einiges an Schnee - und zauberhaft: Neben der Skyline mit einer Handvoll Hochhäuser (sach ich mal im Vergleich zu Deutschland) - ganz weitläufige Wohnsiedlungen, die meisten einstöckig viele aus Holz, alle mit Garten aussenherum, OHNE Zäune, mit einer Nadelbaum-Standard-Beholzung und vieeeeel Lichterketten - so dass das ganze im Anflug aussah wie ein Winter-Wonderland oder die echte Heimat von St.Claus.

Ohne Allrad geht dort im "richtigen" Winter nix und während man hier schon über ein bißchen Schnee jammert - freuen sich die Kanadier (zumindest auch meine landw. Bekannte dort) sehr darüber, sie sind ja auch andere Temperaturen und Schneemassen gewohnt.

Lustig: Selbst die Parkautomaten bekommen dann Schutzhauben und die Autos haben wie bei uns eine Zentralverriegelung: Einen Automatik-Start, so dass man auf einem Parkplatz steht und neben einen springt ein Auto schon mal an und heizt vor, bis seine Besitzer aus dem Shopping-Center kommen und ins warme Auto steigen können.

Wobei - Winnipeg mit immer wieder mal - 30 °C fast schon "warm" sein soll gegenüber der Stadt Thompson die oben am See so "richtig Winter" abbekommt.

Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Mirjam

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #82 am: 28.01.07, 16:39 »

Wärme. Das nächste Thema. Die Häuser - meist aus Holz weil gerade kleine Häuser lt. meiner Bekannten die Temperaturschwankungen nicht so abkönnten.

Holz gibts wohl im Norden von Manitoba genügend und auch Energie. Bei einem Strompreis von ca. 6 Cent - wurde das Hotel komplett mit Stromheizlüfter beheizt, was den Vorteil hat - das es schnell geht, aber auch den Nachteil der extrem! trockenen Luft in den Räumen.

Stromsparen wie bei uns - habe ich dort zumindest nicht so erlebt. Auch keine Energiesparbirne gesehen. Dafür war auch ordentlich vom Zimmerservice alle! Lichter und! der Fernseher angemacht, wenn ich in das Zimmer zurückkam. Ein kleiner Schock für eine Deutsche  ;).

Auch andere Dinge sind ungewohnt. Eine Bemerkung vor Weg die hilft zu verstehen: Eine Bremerin in Nürnberg sagte zu mir: Es ist schon eins, wenn man einen fremden Bremer im Gelände beim Spazierengehen anspricht und grüßt - aber das ist noch gar nix gegen das Gesicht eines Franken, wenn man ihn anspricht!

"sind etwas verhaltender" und da sind die Verkäuferinnen schon zurückhaltend, Hilfe anzubieten im Geschäftsladen.

Nun -im Flughafen versteht man zum ersten Mal den Unterschied zu "echtem Service" - und erstrecht die superfreundlichen Stewardessen von Canada Air. Dieses ständige Fragen, ob man was benötigt - wird fast schon zur Bedrohung  8).

Auf dem Flug von Toronto bis Winnipeg bekam ich dann noch von der Firma ein "Upgrade" spendiert und war mit dem 1te Klasse Service fast überfordert. Zum tollen Essen hockt sich dann der Steward neben einen und zählt die Weine auf, bei der Frage nach einem einfachen roten Tee kommt er mit einem Tablett und einer 10fachen Teebeutelauswahl  :o. Kein Wunder, dass zur Economi-Class der Vorhang sorgsam zugezogen wird...

Und dann - in den Geschäften: Statt eines (auf den Verkäufer bezogenen)"Kann ICH helfen?" - ein freundlich-canadisches "How are you?" Für uns/mich - eine direkt-private Frage die man höchstens im Freundeskreis stellt oder wenn man schon bekannt ist. Und irgendwann kommt auch dann das übliche "Fine - thank you" über meine Lippen als Danke - lass mich einfach in Ruhe kucken... 8).

Denn man muss in Canada auch beim Einkaufen rechnen - auf die meisten Sachen kommen nähmlich nicht nur eine, sondern zwei Steuerarten drauf, aber der Euro-Wechselkurs ist seehr angenehm!

Und natürlich - überall - Christmas, rote Schleifen Fabrikanten müssen dort gute Geschäfte machen  8)
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Offline Mirjam

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #83 am: 28.01.07, 17:07 »
Im Vordergrund des letzten Bildes seht ihr ein Mädchen in einer Kleidung wie in "unsere kleine Farm" und ein schwarz gekleideten, bärtigen Vater der sich darüberbeugt.

Ein nicht so häufiges Bild in einem Shopping-Center - das sind Hutterer. Eine große religiöse Gemeinschaft in Canada und sie stammen aus Deutschland.

Hutterer sind eine religiöse Gemeinschaft (bitte Kanadier korrigieren falls sachlich falsch) die nach der Kirchenspaltung durch Luther entstanden sind und streng nach der Bibel leben.

Aus diesem Grund lehnen sie wie auch die Mennoniten die Kindstaufe strikt ab, stammten ursprünglich aus der Bodenseeregion, wanderten von dort nach Tirol aus und dort wieder verfolgt (ebs wegs der biblischen Erwachsenentaufe) über die USA nach Kanada, wo sie große Gemeinschaften bilden: Sog. Colonies.

So wie man bei uns tw. komisch angekuckt wird, wenn man sein Kind nicht hat taufen lassen - sind vielen Christen dort Saints, Papst oder eben die Kindstaufe richtig fremd und werden als schlichtweg nicht-richtiger Weg empfunden.

Dazu kommt dann tw. schon eher eine Nähe zum Kreationismus und Kritik am Darwinismus.

Diese Hutterer-Kolonieen bestehen aus zwischen 50 - 130 Erwachsenen Personen und sind v.a in der Landwirtschaft aktiv. Die Kolonieen funktionieren ähnlich wie die jüdischen Kibbuze und ähneln meiner Meinungen nach diesen mehr als den Amish: Denn - die Hutterer sind technikfreundlich.

Viele hiervon bewirtschaften Ferkelerzeugerfarmen - und wir reden hier von Anlagen von 5.000 Sauen und ~ 26 Ferkel (wir vergleichen - Bayern hat in 10 Jahren als Ziel 24/Sau/Jahr..).

Diese Kolonieen leben von der Gemeinschaft und werden vom sog. Minister finanziell verwaltet. In der Kirche wird sogar noch ein "Hutter-Deutsch" als Sprache gesprochen, Privateigentum oder größere Privatsphäre gibt es nicht ausser dem Elternschlafzimmer und dem gemeinsamen Familienfrühstück im Familienhaus; mittag und abend wird in einer Gemeinschaftsküche zu sich genommen, Männer und Frauen getrennt.

Die Stadt, das Weltliche wird abgelehnt, die Arbeit für Gott als wichtig empfunden, Strafe ist von der Gemeinschaftsarbeit ausgeschlossen zu werden.

Die Männer lassen sich nach der Eheschließung einen Bart wachsen, die Frauen nähen ihre Kleidung selbst - die notwendigen Kommunikationen mit der normalen Welt (Internet) werden nur zentralisiert oder über Mittelsmänner abgewickelt.

Die Kolonieen sind oft wohlhabend und kinderreich (ich habe Zahlen von ~ 9 Kindern/Frau gelesen und der Prognose das in nicht allzuferner Zukunft jeder 6 Manitoba-er Hutterer sein soll), Kredite werden keine aufgenommen - wird die Kolonie zu groß - wird eine neue entfernt gekauft und dann bauen 30 Erwachsene + eine neue auf.

Allen Nachkommen liegt dieses Hutterer-Leben nicht, ca. 20 % der Kinder verlassen die Kolonie, manche kehren dann auch wieder zurück.

Auf der Agrarmesse hatten wir hauptsächlich mit Hutteren zu tun. Die Menschen sind sehr offen, nett, zuvorkommend, ehrlich und humorvoll, die den Stadtausflug durchaus zu schätzen wußten. Süßigkeiten an den Ständen waren begehrt - schließlich kauft die Kolonie kaum selbst welche ein. So hatte mein Marketingmanager etliche Kilo belgische Schokolade dabei die schnell weg war.... ;).

Die Stärke der Hutterer liegt im extremen Zusammenhalt ohne aufzurechnen, Kolonie-übergreifende Fachkreise z.B. Ferkelerzeugung sind Standard. Hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich auch berührt. Leben wollen und können tut man dort allerdings in den starren Regeln als "nicht-hutterisch-geboren" wohl kaum.

Fast jeden Tag kam das Gespräch (v.a. in "Messegeschäftgesprächen") auch darauf, dass schlicht und einfach jeder Mensch von Gott Gaben erhalten hat und diese nutzen sollte in einem von einfachen Regeln ohne große Rituale. Und sie merken und würdigen, wenn jemand mit dem Herz bei der Landwirtschaft ist - das ist Vorausetzung.

Die Menschen tragen diesen Glauben auch selbstverständlich mit in der Landwirtschaft und in der Geschäftspraxis - grundsätzlich ist man dort egal welchen beruflichen Stand man hatte - per Du und auf der Messe liefen die meisten mit Aufklebern herum: Mit nur dem Vornamen, egal ob Geschäftsführer eines Farmverbundes (Futtermühle, Hähnchen, Schweinemast, Schlachterei in einer Hand) - oder ebs wir Deutsche...

Das ist für uns so ungewohnt - aber ich habe es genossen und telefoniere mit Farmer dort immer noch.

Die Farmer selbst - sind hoch-offen und interessiert. Vielleicht liegt es daran dass die Messe nur so groß war wie EINE Eurotierhalle, aber schon dass bei Referaten 80 % der Farmer MITSCHRIEBEN und dann mit Fragen zu den Ständen gingen - spricht finde ich für diese enorme Offenheit für Neuerungen, Technik, Verbesserungen und Veränderungen.

Auch in den Ställen draussen - zack - an jeder Tür eine Checkliste mit Dokumentation, wieviel die Tiere gefressen und getrunken haben, wieviel tote, Umkehrosmoseanlage für Tränkewasserqualität und das beste war das Holz-L in den Schweinmastställen.

Was ich damit sagen will?

Dort - wir sprachen darüber - sind die Abstände zwischen den Ställen "etwas größer", von Dörfern kann man dort gar nicht reden im deutschen Verständnis. Die Ferkel für einen Standardbetrieb von 2000Maststall x 4 bis 8 mal nebeneinander werden aus einer Herkunft aus großen Hutterferkelerzeugerbetrieben gefüllt aber:

In jedem Stall im Eingangsbereich liegt gleich nach der Tür ein Holz-L am Boden. Das ist die Grenze zum Betreten. In den Stall nur mit betriebseigener Kleidung und zwischen den Ställen bitte wiederum Kleidungswechsel und jeder Mitarbeiter seine Overall und ggf. Duschen!

Würden sie erleben, wie hier Besamungstechniker und Tierärzte in eigenen Stiefeln und Mänteln in die Ställe rein und raus wuseln - sie würden sich an die Stirn tippen: Selbst der Chef blieb bei Gesprächen innerhalb des Holz-L stehen und setzte sich nicht.

Nunja, anders sind die enormen Leistungsdaten von ~ 850 g TGZ zwischen 22 (!) und 110 kg auch mit Genetik (meist Hypor, LargeWhite x Duroc) auch trotz viel AB und trotz der hohen Klimaschwankungen nicht zu erklären.

Die Teilspalten dort sind wohl gewöhnungsbedürftig, ich halte sie trotz aller grünen-tierschutzaktionen alles andere für tiergesundheitsförderlich, aber wahrscheinlich kriegt man Vollspalten dort nicht hergeheizt wenn über Nacht mal - 30 °C einfallen.

Nachfolgend ein Bild mit einem gutaussehenden Jungfarmer (man beachte - mein Overall war gefüttert!) - die haben dort gute Muskeln, denn das Freischippen der vollgekoteten Liegeflächen im Teilspaltenbereich wird vor dem Stallwaschen tw. mit dem Presslufthammer vollzogen....

Gelacht habe ich, als eine Reporterin bei uns am Stand war: Dort in Manitoba stehen glaub ich grad mal 9 Millionen Schweine (vs D: 24 Mio + Geflügel + Milchvieh) und dann machen die sich Sorgen über die Düngung  ::), die konnte das gar nicht fassen, wie wir Deutschen das hinkriegen  :) mit unserem hohen fachlichen Standard und gute fachliche Praxis Pflanzenbau...

Leider bin ich kein Bilderprofi und die Qualität geht mit dem Verkleinern fürs Forum leider verloren - man sieht auch, dass die Schlepper leicht höher! gebaut sind als bei uns wegs der Schneemengen (und ich habe auf meinen Fahrten nicht so exklusive Schlepper wie Fendt und Co wie bei uns in Bayern gesehen, alles sehr praktmatisch...)
« Letzte Änderung: 29.01.07, 08:32 von Mirjam »
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Sigrid

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #84 am: 29.01.07, 00:17 »
Uff..., Mirjam, das ist aber mal ein toller und informativer Canada Bericht!! Vielen Dank dafuer.
Von der Landwirtschaft verstehe ich ja nichts, aber Dein Bericht ueber die Hutterer hat mich sehr interessiert. Immer schoen was ueber andere Sitten und Gebraeuche zu erfahren!
Sicher wirst Du noch lange von all den Eindruecken "zehren"?!
Weiterhin alles Liebe und viel Erfolg bei all Deinen Unternehmungen wuenscht
                                                                                                                 Sigrid

Offline Mirjam

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #85 am: 29.01.07, 08:28 »
Hallo Sigrid

uff?! Ich hab noch nicht mal die Hälfte niedergeschrieben  ;D. Wird wohl zuviel.

hier kannst du über Hutterer nachlesen - ich finde die beste Quelle:

http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=hutterer

Gruß Mirjam
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Offline Maja

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #86 am: 29.01.07, 09:25 »
Da Mirijam ihren Reisebericht schreibt bin ich wieder ganz in Canada mit meinen Gedanken. Nichts hat mich ,ausser meiner Hochzeit und der Geburt meiner Kinder , so bewegt wie die Reise in dieses Land.
Es vergeht kein Tag an dem ich mich nicht in Gedanken in diesem weiten Land befinde.
Mir ging es wie Mirijam, Vom Flugzeug aus fiel mir die schnurgerade Ausrichtung der Straßen und somit auch der Farmen auf, sowie die vielen,  kleinen und größeren Seen und Flüße.Die Farmen, bzw. die Hofstellen, sind oft durch Hecken eingesäumt und rund ums Farmhaus ist alles sehr schön gepflegt mit feinen Rasenflächen und schönen Gärten . Der Garten ist für die canadische Farmersfrau unbedingt wichtig,und die Frauen sind auf ihre pflanzenzüchterischen Erfolge sehr stolz. Allerdings kleine Gartenhaken habe ich keine gesehn nur Motorhacken und Fräsen und Motorspritzen und Wassertanks auf einem Quad, als Gartengeräte, sowie Sprinkleranlagen zum Bewässern und viele Vogelhäuser mit 24 Einfluglöchern und mehr. Da brüten dann die Vögel in Kolonien.

Die ungeheure Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit hat mich genauso  berührt, allerdings fand ich sie nicht so vordergründig und oberflächlich, sondern echt und ausdauernd.
Meinem Naturell liegt das Du eher wie das Sie und so war ich angenehm berührt über das "You...".
In  Sachen Stromverbrauch ging es mir wie Mirijam. Die Canadier haben einfach ungeheuere Energievorkommen und keinem Canadier ist zu vermitteln dass diese Ressourcen irgendwann mal zu Ende gehen könnten. Wasser und  Bodenschätze ,Erdöl und Erdgas .
Die Erdöl- und Erdgasfunde in Alberta sind zur Zeit so immens, dass an ein Ende der Ölförderung überhaupt nicht gedacht wird,im Gegenteil der Abbau von Rohöl wird verstärkt.
Am Rande vom St.Josephs-Lake z. B.  steht eine Ölförderpumpe an der anderen. Ausserdem hat man  im Norden Alberta`s riesige Sandfelder mit Ölsand entdeckt. Die Förderung ist bereits angelaufen , vielleicht habt ihr schon vom Fort MAcMurray gehört.
Die derzeitige Knappheit an Elektrikern und anderen Handwerkern ist ausschliesslich ein Folge des Ölbooms.Da wird einfach ungeheuer Geld verdient und so zieht, wer kann, in die Ölindustrie.
In Alberta werden Handwerker ohne Ende gesucht.
Die Häuser bauen die Canadier mit Holz auf ein Basement das aus Beton , wie eine riesengroße Mulde in den Grund gegossen wird. Es kann passieren dass dir auf dem Highway ein Tieflader mit einem Haus darauf entgegenkommt, das dann auf so ein BAsement gesetzt wird. Alle Anschlüße wie Strom, Wasser,Abwasser, Heizung und Staubsauger  sind schon vorhanden,werden einfach angeschlossen und schon geht das Wohnen los.
In den Städten gibt es fast ausschließlich Einfamilienhäuser in Holzbauweise mit schönen Zier und Nutzgärten darum.
« Letzte Änderung: 29.01.07, 09:36 von Maja »

Offline Mirjam

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #87 am: 29.01.07, 11:35 »
Hallo Maja,

ich sagte ja bloss: Die Anrede war mir am Anfang sehr fremd - aber letztendlich nicht unangenehm, weil eben der Respekt woanders als aus der Anrede kommt.

Schon auf dem Heimflug spürte man dann, welche der Stewardessen wohl trotz fliessend Englisch Deutsche sein müsse von der Art her und vom Service (mein Vergleich Shopping gehen) - da ist man dann wieder unsanft im muffligen Deutschland gelandet kaum dass man den Flughafen verläßt  :-X.

Von Gärten hab ich nicht so viel gesehen (ist ja dort auch von Oktober bis Mai kalt), was ich ja so gar nicht wußte war, dass zu den Seen mit den vielen Wochenendhütten aus dem Süden Amerikas die Kolibris hochfliegen und dort dann statt Winterfutterhäuschen wie bei uns für Meisen - dort Kolibiri-Tränken hängen...

Und dort drüben gibt es fast alles "to go" nicht nur den Kaffee, nein auch Häuser! Man braucht wirklich nur ein Betonfundament und die Installationsanschlüsse - sein Haus kann man dann nämlich ab Lagerplatz per Tiefladertruck kaufen - wunderschöne Terrassenhäuser aus Holz *schwärm*. Ab 60.000 can $ = 45.000 Euro....

Von der Einrichtung her scheinen mir die Kanadier eine starke europäische Prägung/Sehnsucht zu haben:

Landhausstil mit viel Holz wohin man geht. Die Einrichtungszeitungen sind voll mit Quilts, Holz und bodenständigen Farben, wer mehr Ikea oder Glas, Stahl mag - hat dort ziemlich verloren, Romantische Leute könnten von der Einrichtung her dort ganze Container für Deutschland füllen glaub ich...

Ganz witzig fand ich dort die "Badekabinen" - da die Häuser ebs aus Holz gebaut sind, wird das Bad dort kaum gefliest, sondern eben nur halbhoch mit wasserfest lackiertem Holz verkleidet und die Badewanne - gibt es dort als Ausführung "Badekabine" - d.h. der Kunststoff geht ganz aussenherum mit Decke - es bleibt eine große rechteckige Einstiegsöffnung mit Vorhang - nix mit Fugenschrubben nach dem Duschen  8).

Shoppen - alles was Seifen, Düfte, Öle, Körperpflege oder schöne Keramik betrifft ist dort dann Frust angesagt: Weil in die Koffer dürfen nur 23 kg   >:(. Und auf Geschenksets stehen die dort drüber wirklich - es gibt fast alles (von Riesenfresskörben bis Eimerweise Schokolade in den Großmärkten) in Geschenksets, Körben, Packungen... unglaubliches Schlaraffenland...

Und das Essen ist lecker. Nun ja, nur die Kanadier behaupten wir Deutsche essen so "süß" weil wir Nutella am Frühstückstisch haben. Das sie ihre Frühstückswürstchen im Hotel mit Maple-Sirup ersäufen (schmeckt übrigens gut) und man beim Steak zwischen roter Cranberry-Soße oder Honey-Garlic-Soße wählen muss - dass übersehen sie wohl...  ;).

Und ich fürchte ich habe eine Bagelsucht bekomme, am liebsten mit Käse-Creme und Sesam... :D.
Praktisch auch - dort hat jedes Auto überall dicke Getränkehalter für die Isolierbecher für unterwegs, weil die Strecken sind doch immens...

Sowieso ist dort drüben Geburtstaghabe gefährlich: In einem Steakrestaurant wo wir aßen - hat das zur Folge, dass man auf einen Stuhl steigen muss, einen 70 cm breiten Elchhelm aufkriegt und das ganze Bedienungspersonal lautstark-singend-klatschend dann ein Liedchen (ich vermutete etwas Spott ob des Gelächters aussenherum?) um das Geburtstagskind zum Besten gaben.  Zumindest erhöht es die Gesichtsfarbe des Betroffenen....

Der Kuchen in einem Kaffee am Land - ist "flacher" - die typische Pie-Form mit dem gezackten Rand und schon mal mit Schokoladenpudding gefüllt, die Muffins z.T. Frühstückstellergroß und ganz kreativ: Laugenbrezel bekommt man dort auch in flüssige Butter getaucht und dann wahlweise in Zimt, Zucker.....

Was mich wirklich beeindruckt hat, war der freundliche Speiseservice im Hotel oder sonstwo:

Wenn man sich für eine (ungewohnt) freundliche Behandlung bedankt hat (hat man in Deutschland nicht immer Grund für) - als erstaunt-selbstverständliche Antwort zichmal:

YOU ARE WELCOME!
in diesem Sinne seufzend bis zum nächsten Mal und dann bitte schön im Sommer

Mirjam


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Offline Maja

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #88 am: 29.01.07, 12:42 »
O mit dem you are welcome hatte ich so meine Probleme. ICh kann ja nicht so richtig englisch und mir war für das deutsche Wort " bitte" nur das englische Wort " please" bekannt.  Ich bin bald gar nicht mer worn als ich ständig 
dieses "You are welcome "hörte. Meine Freundin hat mich dann ganz schnell aufgeklärt.
Die Servicefreundlichkeit ist wirklich überragend. Überall freundliche Menschen und ich glaube nicht dass es nur deshalb war, weil man uns als Deutsche erkennen konnte.Vor allen Dingen habe ich dort nur junge Menschen gesehen die die Regale in den Supermärkten eingeräumt haben und nicht wie bei uns  Hausfrauen im mittleren Alter.
Überhaupt die Supermärkte -  wie alles im Land einfach  riesengroß.
Die Regale und Tiefkühlzellen und die Fertigprodukte , gigantisch. Kuchen für Geburtstage oder Weddings einfach riesig und knallbunt und in riesen Auswahl zur Verfügung, einkaufen am Abend um 21.30 Uhr kein Problem.
Nicht dass man denkt die Canadier backen keine Kuchen, nein sie backen sogar sehr viel und mit Hingabe,Jeden Tag gibt es Kuchen oder Cookies.
Riesige Farmer Supermarkets,  da geht einem das Herz auf was man alles haben kann. Für die Tierversorgung alles da, vom Kaninchen bis zum Pferd. Auch die Medizin für Tiere frei und in Unmengen zu haben.Brauchts nicht immer einen Tierarzt dafür.
Ach ja die Kolibris , jede Canadische Familie hat einen Hummingbirdfeederer. Speziell für die kleinen kolibriähnlichen Hummingbird`s. Es bringt Glück wenn die kleinen "Flieger" mit den langen Schnäbeln ans Haus kommen.
Bei unseren Freunden in Alberta kommen sie Ende Mai, vorher ist es dort wohl zu kalt.Edmonton liegt auf einem Breitengrad in etwa wie Moskau glaub ich. Ist das richtig - findus?
JA, Einrichtungsmäßig gebe ich dir recht, es ist wertvolles Holz und viel Samt und Plüsch in den Stadhäusern und eine edle Holzküche ist ein Muss für die canadische Hausfrau genauso wie der Barbeque-Grill unbedingt sein muss.
Der crockpot ist für eine Farmers-Lady ganz wichtig ,und fast jeden Tag im Einsatz. Darin wird am Morgen das Essen angesetzt und wenn die Familie von draussen vom Feld kommt, ist das Essen fertig gekocht.

erma

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Re: Hier trifft sich Canada ;-)
« Antwort #89 am: 29.01.07, 15:10 »
Hallo Mirjam! Hallo Maja!
Mit Begeisterung habe ich eure Berichte gelesen. Ich bewundere euch wie viel ihr bei dem relativ kurzem Aufenthalt wahrgenommen habt und wie anschaulich ihr davon berichtet habt. Mein Mann und ich mussten feststellen das es uns ähnlich erging in der ersten Zeit hier in unserer neuen Heimat. Die Menschen sind offen und freundlich und äußerst hilfsbereit, auch die Eindrücke in Bezug der Einkaufzentrums und Restaurants sind sehr treffend. Nur in Bezug der Wohnhäuser und Gärten kann ich nicht ganz zustimmen. Sicherlich hat es damit zu tun das wir in einer ganz anderen Region zu hause sind. Die Bevölkerungsdichte im Osten dieses Kontinent und auch die nähe der großen Cities machen sich in bezug auf Lebensstil sicherlich bemerkbar, so auch das Klima. Diesen Strengen kanadischen Winter kennen wir hier kaum, Temperaturen unter minus 10 Grad kommen eher selten vor und im spezial im südwestlichen Ontario sind auch die Schneemengen gering. Kaum jemand der nicht auch im Winter in den Norden fährt hat hier Winterreifen montiert.
Zurück zu den Häusern, so wie unser altes Farmhaus gibt es noch viele hier, ganz aus Ziegel gebaut, der Vorteil zeigt sich vor allem im Sommer wo wir oftmals nicht nur mit hoher Temperatur sondern auch mit hoher Luftfeuchtigkeit zu kämpfen haben, bleiben diese Häuser lange relativ kühl. Schneller und billiger Neubau wir auch hier mit Holzkonstruktion gebaut, wobei nun schon mehr Aufmerksamkeit auf den Energieverbrauch gelegt wird. Auch hier haben sich die Energiekosten wesentlich erhöht und doch sind sie noch immer relativ günstig im Vergleich zu Europa.
Wie ihr von den Gärten um die Häuser herum berichtet ist mir aus unserer Gegend auch nicht so selbstverständlich. Es gibt wohl viele schoene großzügige Vorgärten, jedoch meist sehr einfach und pflegeleicht angelegt. Einen Gemüsegarten haben wenige, auch auf den Farmen, es wird höchstens am Rande des Ackers nahe beim Haus, ganz unkompliziert einiges Gemüse angepflanzt. Einen Garten wie meinen, grosszuegig gestaltet und intensive bearbeitet sieht man eher selten.
Bedanke mich nochmals für Eure guten Berichte.
Mit herzlichen Grüßen
Maria (erma)