Autor Thema: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"  (Gelesen 3001 mal)

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Offline MirjamTopic starter

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Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« am: 08.12.06, 13:27 »
Hallo,

manche haben diesen Schritt - ohne Hof, oder ohne aktive Landwirtschaft/Tierhaltung zu leben - schon hinter sich.
 
Manche, stehen grad in der Entscheidungsfindung mangels Entwicklungsperpektive und (noch?) guten Quotenpreisen.

Und manche - auch von uns - haben diesen Schritt noch vor sich, wenn ggf. der Nachwuchs nicht übernehmen möchte, es noch unsicher ist ob überhaupt.

Oder manche, die den Hof wegen Problemen (sei es finanzieller oder sozialen Art) nicht übernehmen/weiterführen können, müssen auch eine jahr/zehntelange Lebensplanung über den Haufen werfen, sich "neu" orientieren.

Das ist die Box zum Plaudern - weil  auch alle obigen (und mich eingeschlossen  ;)) gehören ja noch irgendwie dazu, haben noch Bezug zur Landwirtschaft, arbeiten vielleicht im Bereich davor, dannach und: Vor allem ihr Herz noch dort.

Das was wir "Strukturwandel" nennen oder Hofaufgabe - betrifft ja eine Menge Menschen, die dann "dazwischen" stehen: Nicht mehr "aktiv" - aber doch noch verbunden. Und hier herzlich willkommen!

Wie geht es euch so beim "Aufgeben von Tierhaltung" und/oder wie habt ihr euren Einkommenserwerb nun gestaltet?

Ist es euch "leicht" gefallen und/oder wie lange hat die Trauerzeit gedauert? Bei uns hats schon einige Jahre gedauert ohne flaue Emotionen zurückschauen zu können: Obwohl wir regelmäßig noch/wieder in Ställen unterwegs sind.

Hat man sich damals auch gar nicht vostellen können, wie es "ohne" ist - und jedes Jahr verändert sich etwas: Viel schneller.

viele Grüsse

Mirjam
« Letzte Änderung: 08.12.06, 13:29 von Mirjam »



Offline passivM

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #1 am: 11.12.06, 18:52 »
Hallo Mirjam,
anscheinend gibt es kein Leben "ohne" ..und alle anderen haben es entweder nicht überlebt, nicht mehr erlebt oder sie schämen sich wohl tot  ;)  Schade, dass keine Berichte kommen, bei so einer interessanten Fragestellung. Das hätte mich mal interessiert.
Wenn überhaupt, dann würden wohl HINTERHER am ehesten Beiträge kommen, dachte ich. Aber: Nichts. ..hm.
lieben Gruß
Anna

Offline passivM

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #2 am: 11.12.06, 19:30 »
Was hab' ich denn jetzt gejammert?

Otto, die "Würze" in Jochens Betriebsaufgabe- Story war nunmal die Tatsache, dass er die "Alte" gleich mit den Kühen abgeschafft hat (oder Schweine, oder was - ist auch egal..) ..und genau DAS hab' ich auch geschrieben.

Es ging nicht gegen die Aufgabe des Betriebes,
sondern gegen die Aufgabe des Betriebes einschließlich Frau.

Schön, dass sie jetzt gut erholt aussieht. Das ist ja erfreulich. Aber jetzt werf' doch nicht alles in einen Topf, Otto.

lieben Gruß
Anna

Offline frankenpower41

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #3 am: 11.12.06, 20:33 »
Hallo

Also so wie ich Mirjam verstanden hab, wollte sie ja Schilderungen von ganz  n o r m a l e n
Hofaufgaben.  Wegen Generationswechsel oder ähnlichen

Wir haben im Bekannten-  und Verwandtenkreis viele die aufgegeben haben.
Da gibts ja die unterschiedlichsten Erfahrungen und die wollen wir hier hören.
Wenn ich an meine Nachbarin denke , jetzt Mitte 50, die hat sich rechtzeitig umorientiert als absehbar wurde, dass die Hoferbin wegheiratet.  Die meint immer, sie hat den Kühen noch keinen Tag nachgeweint.
Auch Verwandte die ich hab sagen das Gleiche.  Mir sind aber auch Fälle bekannt (da fällt mir spontan nur der Fall ein im Film von Christian Gropper), da konnten die mit ihrem Hof verwurzelten Bauern als die letzte Kuh ging lange den Stall nicht betreten ohne Tränen in den Augen.

Marianne

Offline passivM

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #4 am: 11.12.06, 21:12 »
So hab' ich Mirjam auch verstanden. ...und das Thema würde mich interessieren.
lieben Gruß
Anna

Offline Sonnenblume2

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #5 am: 12.12.06, 08:43 »
Ein Fall aus unserem Freundeskreis.
Die LW wurde noch betrieben bis der Vater in Pension gehen konnte; die Frau hatte noch ein paar Jährchen bis dahin und arbeitete dann noch halbtags als Putzfrau.
Heute ist auch die Mutter in Pension und die beiden genießen nun das Leben in vollen Zügen.
Die Tochter (eine Freundin von mir) sagt, dass sie ihre Eltern noch nie so ausgeglichen, ruhig, stressfrei ... erlebt hat. Sie sagt, dass auch ihre Eltern erst seit der Aufgabe des Hofes so richtig Zeit haben für sie, für ihre Schwester, für ihre Sorgen und ihre Probleme.
Am Anfang fiehl es ihnen zwar schwer, als andere die Wiesen und Felder bearbeiteten, die sie ihr leben lang bearbeitet hatten, aber heute ist es ganz normal. Auch die Kälber fehlen der Mutter hin und wieder, aber nachgeweint hat sie den Tieren auch noch nie und meine Freundin sagt auch, dass ihrer Eltern diese Entscheidung, mit der LW aufzuhören, nicht bereut haben.



Offline ChristineN

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #6 am: 13.12.06, 14:23 »
Hallo,

wir haben unseren Betrieb nicht aufgegeben, sondern umgestellt. Wir haben uns auf ein Ding spezialisiert, die Pferdepension. Nebenbei machen wir noch Ackerbau, FeWos und halten lediglich noch 9 Mutterkühe mit Kälbern (und nebenbei noch Hasen, Ziegen usw. wegen der Feriengäste). Früher haben wir 110 Kühe gemolken.
Heute sagt mein Mann, das hätten wir 10 Jahre früher einstellen sollen. Wir arbeiten darauf hin, im nächsten Jahr weniger Arbeit bzw. früher Feierabend zu haben und setzen uns lieber abends auf ein Bierchen zu unseren Einstellern und Feriengästen als bis in die Nacht hinein zu arbeiten. Zudem wollen wir uns in Zukunft auch mal Urlaub gönnen.
Bereut haben wir diesen Schritt noch nie.

Schöne Grüße!
« Letzte Änderung: 13.12.06, 14:42 von ChristineN »

Alice

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Re: Die Zukunft & das Leben "ohne Hof"
« Antwort #7 am: 17.01.07, 18:22 »
Hallo,

ich glaube der "Trick" ist zuerst einmal in Ruhe einen Plan machen und überlegen, wie kann man mit einem veränderten Konzept oder ohne Hof leben (z.B. mittels BT).

Zum anderen ist das große Problem das Geld und die Sätze wie "habe ich alles nur für Dich und den Hof aufgegeben oder gemacht" (Reisen, tolles Haus...).

Und gerade wenn man jahrzehntelang alle Kraft in den Hof gesteckt hat, kann ich verstehen (bin noch keine 30 Lenze alt), wenn man seine Tiere liebt und vermisst, sie waren ja immer da, man hat sie wie die eigenen Kinder geliebt und versorgt... Ob da nach einer evt. Hofaufgabe die paar Hühner/ Hasen / Enten ausreichen (Katzen auch),um das Loch zu füllen...

Klar ein paar Hobbies füllen das LOch "Leben ohne Hof", aber das ist schon fast wieder die Thematik "was mache ich wenn ich in Rente bin?!.

Ein Bekannter hat seinen Hof nach ewigem Gezeter aufgegeben, ist nun in seinen Neubau gezogen und hat endlich eine Freundin, mit der er leben möchte, denn die vorherigen hat sein Alter (sorry, der Typ ist gruslig) immer vergrault (sinngemäß mit den Sprüchen "die kann nicht schaffa, weil sie lackierte Nägel hatte").

Vielleicht hat auch der ein oder andere die Chance einen Nebenjob in einem HOfladen oder so zu kriegen...

Ich finde es theoretisch besser einen unrentablen Hof aufzugeben, wie die vielen Schulden und die emotionale Bürde meinen Kindern/ den Hoferben aufzubürden.... Heutzutage, wo man besser pachtet und der Weizenpreis für die Biogasanlage höher ist wie beim Müller muss man sich das schon überlegen....

Und die ganzen "Risiken" bei der Bewirtschaftung eines Hofes sind meines Erachtens nicht zu unterschätzen - die polit. Entwicklung, die Talfahrt der Preise, das schlechte Wetter der letzten Jahre und dazu immer viel Arbeit und wenn eine Krankheit in den Stall kommt, war alles für die Katze....

Alice