Bäuerinnentreff

Familie und Co. => Familienbande => Thema gestartet von: reserl am 15.07.02, 21:13

Titel: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: reserl am 15.07.02, 21:13
Hallo!

In der Mailingliste ist das Stichwort "Familienaufstellung" gefallen, das ich auch hier gern im Forum diskutieren möchte.

Ich weiss nicht viel darüber. In Elternforen wird über Sinn und Unsinn der Familienaufstellung nach Hellinger öfters mal diskutiert.

Habt Ihr Erfahrung damit?
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: martina am 15.07.02, 21:28
Was ist das denn überhaupt und warum wird es gemacht?  ???

Ich kann mit dem Begriff leider überhaupt nix anfangen.

Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: suederhof1 am 15.07.02, 22:02
Moin  Reserl und Martina :)

Ich hab mich nicht getraut zu fragen , aber davon hab ich auch noch nicht gehört ???

Liegt vielleicht auch daran, das ich kurz unter dem Nordpol wohne. ;D :o ???

LG Barbara
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: reserl am 18.07.02, 08:36
Kirsten hat in der Mailingliste

Grundregeln für Familienaufstellungen

aufgeschrieben, die ich hier mit ihrer Genehmigung reinkopiere:

1.Leiter:
Welche Qualifikation? Wie lange Erfahrung? Dessen persönl. momentane
Lebenssituation (man glaubt es nicht, aber viele Therapeutinnen gehen,
frisch in Trennung lebend, wieder arbeiten...)?
Besser 2 Leiter (einer führt die Aufstellung durch, einer für
Notfall-Betreuung im Hintergrund). Gut wäre zb 4 jahre Rollenspiel und davon mind. 1 Jahr Familienaufstellung + LW-Erfahrung!

2.Zeitpunkt:
a)Wann im Wochenendverlauf oder ähnliches erfolgt die Aufstellung?
-2 Stunden vor WE-Schluß ist viel zu knapp, wenn es schiefgeht!  Kennt sich die Gruppe bereits? Leben die evtl. im Alltag eng beiander (selbes Dorf etc.)?

b) Für einen selber: Will ich was übers Knie brechen (<-achte auf deine Schutzmechanismen, die sind nicht grundlos!!) ? Hab ich auch
anschließend genügend Verdauzeit oder muß ich sofort wieder mit "König" SV
zusammenarbeiten?

c) Für die Mitspieler/Publikum: Finde ich keine Mitspieler - ist der  Raum
vielleicht schon zu gefüllt mit Emotionen? <- für die Aufstellung sind
"Mitspieler" irrelevant, eine grüne Jacke kann den SV genau so gut mimen,
wie verhält sich Leiter in dieser Situation? Macht der etwa Druck um
Mitspieler zu finden? <- sofort aus Eigenschutz den Raum verlassen, hier
werden elementare Regeln verletzt!

3. Schutzzonen: Bühne muß ganz deutlich vom Restraum getrennt sein, Leiter
muß sehr genau vorher aufklären, welche Möglichkeiten man selber hat (egal
ob Publikum/Mitspieler/Akteur), wenn es einem zuviel wird! idr eine
Schutzone im Raum  (<-wer sich hier aufhält, darf nicht angesprochen werden)  und eine außer Hör- und Sichtweite  (<- diese Zone wird vom Hilfs-Leiter in größeren Abständen kontrolliert, wobei er in Spezial-Fällen Kontakt aufnehmen sollte) . Vor jedes Rollenspiel
gehört eine mind. halbstündige Einweisung aller Teilnehmer, da gerade die
"verletzlichen" Personen oft ihre Rechte nicht kennen oder wahrnehmen.

4.Teilnehmer: Wer hat wieviel Erfahrung mit was? Ein Rollenspiel über einen
mißglückten Schuhkauf, wo die Verkäuferin so zickig war, ist wesentlich
harmloser als die Familiensituation einer Bäuerin! (Hier habe ich selbst die
Wahl die Verkäuferin mit meiner SM zu verschmelzen und zu erkennen, warum
ich mir dieses Verhalten hab bieten lassen bzw aufgetreten bin wie Hausmaus ...oder nur zu üben von xy ein
anständiges Verhalten einzufordern). In einer sehr gemischten Gruppe kommen
die, mit der wenigsten Therapieerfahrung, gerne unter die Räder.

Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: blackscreen am 18.07.02, 16:38
Hallo zusammen,
der SPIEGEL hat mal einen Beitrag zu der Methode veröffentlicht. Darin wurde das Ganze als ziemlich fragwürdig und zum Teil nicht ganz ungefährlich dargestellt. Besonders ohnehin psychisch labile Personen sind dabei regelrecht zusammen gebrochen. Leider ist der Beitrag nur kostenpflichtig abrufbar, aber ich schaue mal zu Hause nach, ob ich ihn noch finde, dann kann ich Euch mehr sagen...
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 14.08.02, 20:58
Hallo

ich habe eben erst diesen Thread gefunden,  :( :( :(

Ich habe jetzt 3 Jahre Erfahrung mit verschiedenen Therapien wegen der Kinder und auch wegen mir.

Familiestellen wird meist von Analytikern eingesetzt wenn es Probleme innerhalb der Familie gibt oder mit den Kindern, !!!!!!

Das Problem an der Sache ist es gibt IMMER einen SCHULDIGEN !!!!!!

Es wird nicht nach gemeinsamen Wegen gesucht , wenn z.B. Eheprobleme da sind ... und einer bekommt die Schuld am Krach ... was passiert ?????? Man lässt sich scheiden  ( im schlimmsten Fall ) anstatt mal mit dem Partner wirklich offen zu reden ... vielleicht auch mal mit einem MENTOR ... es sind oft nur Kleinigkeiten die sich hochschauckeln ... weil man einfach nicht die sicht der Dinge des Partners hat.

Ich hoffe ich habe mich verständlich aus gedrückt.

Bei uns war es so, meine Kinder und ich leiden an ADHS , wir haben u.a. auch taktile Wahrnehmungsstörungen ( Körperkontakt / Hautreizungen ) . Deshalb konnte ich meine Kinder nicht stillen, auch kuscheln war nur sehr schlecht möglich . Unser Therapuet ANALYTIKER hat meinem Sohn und mir eine  < gestörte Mutter - Kindbeziehnug > attestiert. !!!!!!! Auch wurde das ADHS von Felix als < Erziehungsfehler > bezeichnet.

In diesen Stil laüft das Familieaufstellen auch ab.

Heute 1 Jahr danach - - - - kann ich mit meinem Sohn relativ NORMAL umgehen. Er hat seine schulischen Defizite aufgeholt, hat gute soziale Kontakte und das Familienleben macht  wieder Spaß

Das alles hat uns u.a. eine Verhaltenstherapie ( THOP ) und ein Elterntraining gebracht.

Ich kann nur jedem raten die Finger davon zu lassen ... es gibt weitaus bessere Möglichkeiten.

Gruß
Beate
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: blackscreen am 15.08.02, 08:17
Hallo zusammen,
leider konnte ich den SPIEGEL mit dem Artikel nicht mehr finden (wo ich doch sonst IMMER alles gedruckte aufhebe   ;)) Aber vielleicht hat ihn ja von Euch noch jemand. War, glaube ich, in der Ausgabe 7/2002. So weit ich noch erinnere gibt es nämlich entscheidende Unterschiede, ob diese Familienaufstellungen von einem seriösen Therapeuten durchgeführt werden oder von einer Person wie Herrn Hellinger.
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 15.08.02, 09:39
Hallo
ich habe den Artikel im Spiegel gefunden

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,182683,00.html

Der ist allerdings KOSTENPFLICHTIG  >:( ::) >:( ::)

Gruß
Beate

PS: Dieser Hellinger ... ist m.M. nach Sektenähnlich  :-X :-X :-X :-X :-X :-X :-X
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 15.08.02, 10:07
Hallo

ich hab´s doch gewußt  >:( >:( >:( >:( >:( >:( >:( >:(

http://www.agpf.de/Hellinger.htm

Doch SEKTE !!!!!!!!!!!!!!!!!

Lasst die Finger davon

Gruß
Beate
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: blackscreen am 20.08.02, 11:40
Hallo Beate,

danke für den Link. Ich hoffe, dass er allen die Augen öffnet, die mit dem Gedanken gespielt haben, sich mit so einem Schrott zu befassen. Das darf ja wohl echt nicht wahr sein...
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: ellen am 27.08.02, 22:13
Hallo liebe Frauen,
ich finde Familienaufstellungen gut, habe im Juli eine gemacht.Für mich war es eine Erfahrung, die  mir mehr Klarheit in meine Gefühlswelt gebracht hat. Ich weiß jetzt, warum ich so fühle, woher es kommt und kann jetzt beurteilen, ob es für diese aktuelle Lebenssituation paßt.Das Schwierige an Familienaufstellungen ist, daß wir mit sehr traurigen Gefühlen konfrontiert werden können, wofür wir bereit sein müssen.Aber wir sorgen für uns selbst, indem wir uns unbewußt durch Abwehrmechanismen schützen, sodaß wir nur soviel zulassen, wie gut für uns ist.
Wer mehr wissen möchte, kann mich fragen.
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: blackscreen am 28.08.02, 11:51
Hallo Ellen,
bei wem bist Du denn wegen der Familinaufstellung gewesen? Ich möchte die Sache nicht grunsätzlich schlecht machen, aber ich denke man muss da sehr vorsichtig mit umgehen.
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: ellen am 28.08.02, 21:54
Hallo Gerit,
du hast recht, das man vorsichtig sein muß. Ich bin zu Freda Eidmann aus Göttingen gegangen, weil sie mir von einem Heilpraktiker und einer Freundin empfohlen wurde.
Tschüß  Elllen ;)
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 03.11.02, 14:36
Hallo

ich bin mal wieder meinen PC am aufräumen und hab doch zu diesem Thema noch was gefunden   ::)


das ganze ist allerdings weniger witzig :(:(:(
sondern eher hoch Brisant


*********************************************
http://www.sekten-info-essen.de/texte/familienstellen.htm

*********************************************

ich habe festgestellt, dass einige Links nicht mehr funktionieren - Sorry

Ich hoffe es erschreckt euch nicht all zusehr was ihr jetzt gelesen habt. Aber wenn sich schon Sekteninfo Essen damit befast ( die u.a. auch Scientology beäugen )
ist wohl was dran.

Gruß
Beate
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Baumeule am 11.02.03, 14:20
Nachdem jetzt doch schon einige Zeit vergangen ist werde ich mich heute doch mal an einen (lange versprochenen) Bericht über die Familienaufstellung, an der ich im Oktober teilgenommen habe, schreiben.


Familienaufstellung, was ist das?  Wer macht so etwas? Welchen Sinn hat das?

Wer hat nicht schon davon gehört? Da gibt es Meinungen ohne Ende. Die meisten, die darüber reden, haben von anderen davon gehört und wissen selber aber nichts Genaues.

Mit einer systemischen Familienaufstellung (nach Bert Hellinger) versucht man sich die verschiedenen Beziehungnetze entweder der Herkunftsfamilie oder der Gegenwartsfamilie bewusst zu machen. Je nachdem, welches Problem man hat. Denn Probleme und Konflikte zu beleuchten und Lösungsansätze zu finden ist die Aufgabe dieser Familienaufstellung.


Die Anliegen, die man einer Lösung zuführen möchte sind vielfältig und meist schwerwiegend (meine Ehe steht auf der Kippe/ seit Jahren quälen mich Selbstmordgedanken/ ich kann nur schwer Nähe zulassen usw.)


Jetzt erzähle ich einfach, was wir an dem Wochenende gemacht haben. In Begleitung von zwei Familienstellerinn sind wir in ein wunderschönes, ländliches Seminarhaus weit weg von zu Hause gefahren. Jeder der Teilnehmer hatte seine besondere Geschichte. Da war alles dabei. Gewalt, Missachtung, Missbrauch in der Kindheit, Eheprobleme, Alkoholsucht, Depressionen, die volle Palette an menschlichen Tragödien. Jeder einzelne von uns Teilnehmern hat an diesem Wochenende einmal seine Familie „aufgestellt“. Das ging  z. B. so:


Einer aus der Gruppe nannte ein Anliegen (warum hat mich meine Mutter abgelehnt? Oder warum spielte Gewalt/Alkohol in unserer Familie eine so große Rolle? Warum habe ich so viel Angst? Usw.) Dann wählte er sich aus den Anwesenden Stellvertreter für seine Familie, also Vater, Mutter, Geschwister oder Ehemann/frau, Kinder, frühere Partner und auch für sich selber je nach Anliegen aus und gibt dann ganz spontan und absichtslos jedem Stellvertreter einen Platz im Raum und eine Blickrichtung. Ab dann ist er nur noch Zuschauer.


Das, was dann geschieht ist sehr verblüffend und faszinierend. Obwohl es sich um wildfremde Menschen handelt, bekommen die aufgestellten Stellvertreter plötzlich Zugang zu den Gefühlen und Beziehungen der betreffenden Familienmitglieder. Sie spüren, wie es ihnen an dem zugewiesenen Platz geht, wen sie mögen und wen nicht, wen sie vermissen und was sie brauchen, um sich besser zu fühlen. Diese Gefühle sind so phänomenal und real, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich werde euch jetzt so gut es geht erzählen, wie es mir bei ein paar Aufstellungen als Stellvertreter gegangen ist. (Ich war meist die „Mutter der Nation“)


Das Anliegen war, warum hat meine Mutter mich als einzige Tochter immer so abgelehnt und warum ist sie so fundamental christlich?

Da war ich als Mutter aufgestellt mit Vater und den Kindern. Da stand ich dann und wusste nicht, was ich tun sollte und wartete einfach. Es sollten ja Gefühle kommen. Welche Gefühle denn, ich kannte die Frau doch gar nicht. Da spürte ich, wie es mir an der Seite, an der der „Vater“ stand ganz kalt wurde, ich wollt weg von dem Platz, auf dem ich stand, weg von dem Mann und weg von den Kindern. Ich hatte das Gefühl (wirklich real das Gefühl), die behindern mich an meinem wirklichen Leben. Die hatten irgendwie mit mir selber als Mutter nichts zu tun. Dann wurde noch einer als Stellvertreter für die Kirche dazugestellt. Auf einmal war es für mich ok, beim Vater zu stehen. Ich spürte Kontakt zum Vater und zu den Söhnen, aber keinen Kontakt zur Tochter, diese Beziehung zur Tochter konnte erst hergestellt werden, als „die Kirche“ wieder entfernt wurde.

Im Nachhinein stellt sich dann beim Gespräch heraus, dass die Mutter tatsächlich die Familie verlassen wollte, als die Tochter etwa vier oder fünf Jahre alt war. Der Glaube hat ihr dann die Kraft gegeben, bei der Familie auszuharren, aber sie zugleich auch gefangen.


Eine andere Aufstellung begann mit der Frage, warum wurde ich als Kind missbraucht und meine Mutter hat mich nicht geschützt.

Da ging es mir so, dass ich als Stellvertreter eigentlich guten Kontakt zu der übrigen Familie hatte, bis eine unbekannte Person ins Spiel kam. Da hatte ich das Gefühl von wahnsinniger Angst, Panik und Schwäche, dass ich klatschnass geschwitzt war und fast umgekippt wäre. Hier lag die Vermutung nahe, dass die Mutter selber Gewalt und Missbrauch erlebt hat und nicht die Kraft hatte, ihre Tochter zu schützen.

Die heftigste Aufstellung war für mich das Anliegen einer Teilnehmerin, die ihrer leiblichen Mutter als Kind wegen Misshandlung weggenommen wurde, die Frage, warum sie das getan hat.

Erst stand ich als Mutter der Tochter gegenüber und ich hatte für dieses Kind keinerlei Interesse. Sie fing an zu weinen, aber es interessierte mich nicht (obwohl ich selber ein sehr mitfühlender Mensch bin) Das ging so weit, dass sie vor mir zusammenbrach und ich schaute sie nicht mal an. Ich konnte sie zwar ansehen, aber es interessierte mich nicht, was mit ihr geschah. Dann stellten sie mir die „Oma“ in den Rücken. Das war ein sehr unangenehmes, Angst machendes Gefühl und ich wollte, dass sie sich wieder von mir entfernt. Dann wurde ich umgedreht, so dass ich sie nicht mehr im Rücken hatte sondern ihr in die Augen sehen konnte. Da war dann ein Gefühl von Todesangst und Panik in mir, dass ich schier zusammengebrochen bin und mich am Boden zusammengekrümmt habe vor Angst.

Das hat der Teilnehmerin  eine Ahnung gegeben, dass wahrscheinlich ihre leibliche Mutter das gleiche Schicksal hatte wie sie selber und sie konnte mit anderen Gefühlen an sie denken.

Da waren oft so starke Gefühle von Schuld, Angst, Trauer, Scham Gewalt und auch Liebe und Freude im ganzen Raum, die auch die Teilnehmer, die gerade nicht aufgestellt waren, sehr stark gespürt haben. Da war es sehr wichtig, dass die Seminarleiterinnen uns wieder ganz aus der Rolle, in der wir waren, herausgebracht haben. Oft habe ich nach einer Aufstellung geduscht und andere Sachen angezogen, um vollkommen aus der Rolle raus zu kommen


Das ganze ist nicht erklärbar und fast nicht zu vermitteln, wenn man das nicht selber erlebt hat. Nun kommt die Frage, warum man sich so etwas antut und sich solchen heftigen Gefühlen aussetzt. Die Frage, was hat es mir gebracht? Bei der Aufstellung versucht man, die natürliche Ordnung in einer Familie wieder herzustellen dass jedes Familienmitglied seinen Platz bekommt und die Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Das hilft uns aus der Familie herauszugehen und sie auch innerlich zu verlassen, die Verstrickungen und Verletzungen zurückzulassen und loszulassen. Sich zu befreien, von dem, was einengt, schadet und schwächt, frei macht dem Eigenen, Besonderen nachzugehen ohne, dass das Frühere noch belastet.

Das alles geschieht nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der begonnen hat und weitergeht.


Mich selber hat es dazu gebracht, andere Menschen jetzt mit andern Augen zu sehen, nicht mehr so zu urteilen, wie ich es vorher getan habe. Nicht mehr zu denken wie vorher, der ist blöd – böse – feige - aufdringlich – unangenehm usw. sondern hinter dem jeweiligen Menschen seine Geschichte zu erspüren. Das macht mich im Umgang mit meinen Eltern und allen Menschen, denen ich begegne freier und toleranter.

Ich denke das wichtigste ist, dass die Menschen, die solch eine Familienaufstellung durchführen, ihr „Handwerk“ beherrschen und den Teilnehmern helfen können, das Erlebte zu verarbeiten. Wenn ich die Arbeit einer der beiden Seminarleiterinnen nicht schon vorher als sehr gut gekannt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht mitgegangen. Aber ich bin sehr froh, dieses Seminar mitgemacht zu haben. Es hat mir sehr viel an Erfahrung und Tiefgang gebracht.

 

Wer von euch noch mehr wissen will oder Interesse an so einem Seminar hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich weiß, dass für Juni wieder eines geplant ist und kann gerne die Adresse weitergeben.

Ich habe von ihnen auch das Angebot: sollten sich genügend Interessentinnen aus unserem speziellen Kreis finden, würden die beiden Leiterinnen ein 4-Tage-Seminar ganz speziell für uns ausrichten, da auch Sie wie auch ich der Meinung sind, dass unsere Lebensbedingungen und die damit verknüpften Herausforderungen sich von den der Städter doch sehr unterscheiden.




Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Antonia am 13.04.03, 11:50
Auf Grund des Beitrages im BW agrar zum Thema, der sicherlich nachgelesen werden kann unter
www.bwagrar.de
Rubrik Frau und Familie
Überschrift lautet

Familienaufstellen - kritisch hinterfragt

die Diplom-Psychologin Sigrid Vowinkel aus Stuttgart hielt einen Vortrag in der Familienbildungstätte.
Sie schildert, daß durch so eine Therapie auch oder gerade Frauen in große seelische Not geraten.
Wer sich mit dem Thema Hellinger näher befassen mag kann auch einen Blick auf
www.hellinger.com
werfen. Fazit dieser Veranstaltung war, grundsätzlich ist Familienaufstellen eine kreative, hilfreiche Therapiemethode doch Hellingers Ansatz sollte kritisch hinterfragt werden. (Zitat des Wochenblattes)
Na warum schreibe ich das hier? Möchte alle Wankelmütigen in Sachen dieser Therapie bestätigen, kritischer Blick kann was für sich haben. Mir wurde diese Therapie auch schon nahegelegt von Freunden und Bekannten, die selbst Erfolg hatten mit ihr. Ich aber doch starke Vorbehalte im innersten meines "Herzens" hegte, und mich nicht durchringen konnte. Es muß noch andere Lösungen geben. Heute morgen beim Frühstück zog ich also den Artikel "rein" und fand mich bestätigt, nicht alles was geht ist gut - wer also Vorbehalte hat, sich nicht überreden lassen, der Schaden wäre vermutlich größer als der Nutzen so erscheint es mir im Ergebnis im Bereich des Möglichen.
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Rike am 13.04.03, 20:13
Hallo Miteinander!

Es gibt viele Therapien und jede ist so gut oder schlecht wie der Therapeut, der sie durchführt.
Ich habe vor ca 1 1/2 Jahren auch eine Familienaufstellung nach Hellinger mitgemacht. Der Ablauf war ähnlich wie von Baumeule geschildert- es war schon erstaunlich zu welchen Ergebnissen zum Teil kam. Wir hatten einen sehr guten, einfühlsamen Therapeuten, der keine Schuldigen suchte, sondern jedem einzelnen Teilnehmer seinen Platz, seine Stellung innerhalb der Familie/ der Arbeitskollegen ect. vor Augen führte.
Mir hat die Aufstellung sehr geholfen meinen Platz im Familiengefüge zu akzeptieren und auch mich an dieser Stelle durchzusetzen.
Wichtig ist aber wohl auch, von einer Familienaufstellung nicht die Lösung aller Probleme zu erwarten- überhaupt die Erwartungen zu hoch anzusetzen! Das gilt aber meiner Meinung nach für jede Therapieform!
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: sidelight am 14.04.03, 22:44
Hallo,
ich habe mit Interesse die vielen Beiträge zu Hellingers Familienaufstellungen gelesen.
Als Psychologin kann ich denen, die deutliche Skepsis äußern, nicht widersprechen. Besonders bedrückend finde ich, dass der Begriff der Familienaufstellungen mit Hellinger ursprünglich in Verbindung gebracht wurden.
Was Hellinger zum Teil in profitablen Massenveranstaltungen so treibt, bringt diejenigen (vor allem systhemischen) Psychotherapeuten in Verruf, die mit soliden Familienaufstellungen arbeiten, um die oft komplexen und schwer beschreibaren Emotionen in Familienbeziehungen darzustellen.
Anhand einer einfachen Familienaufstellung, bei denen sich die Familienmitglieder ungeachtet ihrer individuellen Familiengeschichte und Beziehungskonflikte entsprechend ihrer absteigenden Hierarchie voreinander verneigen, versuchte Hellinger langjährige Konflikte zu "lösen". Nach dem Prinzip, dass jedes Familienmitglied ungeachtet seiner Handlungen entsprechend seiner biologisch bestimmten (Macht-)Stellung Achtung gezollt wird.  
Hellingers erste Publikationen haben eine Welle empörter Psychotherapeuten losgetreten, die sich von so einem Vorgehen distanzieren. Viele Psychologen - so auch ich - sehen insbesondere in Familiengeschichten, die sich durch deutliche Grenzverletzungen seitens der Eltern den Kindern gegenüber auszeichnen - eine große sekundär traumatisierende Gefahr und ist ethisch somit nicht vertretbar.
Ich kann nur raten, sich bei bestehenden Familienkonflikten nicht solchen Experimenten auszusetzen, sondern sich an Psychotherapeuten zu wenden, die sich vor allem mit Hilfe ihres Einfühlungsvermögens und neutralen Fachwissens auszeichnen. Innerhalb dieses Settings ist die Anwendung von Familienaufstellungen zur Verdeutlichung bestehender Beziehungskonflikte hilfreich, sofern der Therapeut aufkommende Emotionen ungeachtet der Position in der Familie wertschätzend und unparteiisch begegnet und auf eine Schiedsrichterrolle verzichtet, die einzelne Familienmitglieder ausgrenzt.

Sidelight
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: mary am 15.04.03, 07:24
Familienausstelllung, diesen Begriff kenne ich von 2 Seiten,

einmal als Weiterbildung in einem Persönlichkeitsseminar  mit einem ausgebildeten Therapeuten
und einmal als Teilnehmerin in  10 Abende dauernden Familienaufstellungen nach Hellinger.

Eine Familienaufstellung nach hellinger würde ich mir niemals mehr antun, da spielen Dinge mit, die mir bis heute unerklärlich sind, da werden Emotionen hochgeschaukelt, die auch nach dem Kurs noch da sind und man ist dann damit total überfordert.

Ich denke heute noch mit Unbehagen und mulmigen Gefühl an manche dieser Aufstellungen, manches davon ist mir heute noch total rätselhaft.

Ich habe meine Lehre daraus gezogen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht verstehen oder begreifen und dass es manchmal besser ist, nicht alles zu wissen.

Das Herumgraben und Wühlen im Unbewussten ist kein Feld für Hobbypscholgen, dafür braucht es ausgebildete Fachleute.

Die Verletzungen der Seele sind schwieriger heilbar als ein Arm- oder Beinbruch, und dafür geht man auch zum Arzt.

nachdenkliche Grüsse
mary
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Antonia am 15.04.03, 10:29
Leider habe ich das eben nicht hinbekommen in Sachen "zitieren", also Bezug bitte auf Kommentar von sidelight sehen bzw. lesen:

Als Psychologin kann ich denen, die deutliche Skepsis äußern, nicht widersprechen. Ich kann nur raten, sich bei bestehenden Familienkonflikten nicht solchen Experimenten auszusetzen, sondern sich an Psychotherapeuten zu wenden, die sich vor allem mit Hilfe ihres Einfühlungsvermögens und neutralen Fachwissens auszeichnen. Innerhalb dieses Settings ist die Anwendung von Familienaufstellungen zur Verdeutlichung bestehender Beziehungskonflikte hilfreich, sofern der Therapeut aufkommende Emotionen ungeachtet der Position in der Familie wertschätzend und unparteiisch begegnet und auf eine Schiedsrichterrolle verzichtet, die einzelne Familienmitglieder ausgrenzt.

Freue mich besonders von einer "Fachfrau" eine Meinung zu hören, schön wenn vielleicht öfter´s ein Kommentar von Dir erschiene, als Fachmann doch nochmal anders die Dinge betrachtet. Danke
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: joseva am 07.05.03, 00:12
Hallo alle miteinander!

Hab dieses Forum mit Interesse verfolgt und möchte jetzt auch mal meine Erfahrung dazugeben.

Vielleicht wiederhole ich das ein oder andere, aber da einige schon sehr viel geschrieben haben, kann ich mir nicht alles merken.

Gehört hatte ich schon viel von der Familienaufstellung. In meinem Verein Adoptiv- und Pflegeeltern Treff (APFT) war 1997 eine Veranstaltung bei einer Diplom-Psychologin die an diesem Abend die Familienaufstellung vorgestellt und auch an einem Beispiel gezeigt hat.

Leider konnte ich aus persönlichen gründen nicht an diesem Vortrag teilnehmen.
Im Nachhinein kann ich nur sagen GOTT SEI DANK!!!

Ganz viele Familien sind nämlich dann zu dieser Therapeutin in Behandlung gegangen.


Noch kurz etwas zu meiner Damaligen Situation.
Im Herbst 1996 war ich 10 Wochen in einer Psychosomatischen Kur. Meine dortige Therapeutin war für mich genial. Zusammen fanden wir heraus, dass ich nach meinen Wurzeln suchen musste um zu ruhe zu kommen.
Da ich als Säugling adoptiert wurde, habe ich mich dann dem oben genannten Verein angeschlossen.
Der Verein besteht überwiegend aus Familien die Kinder adoptiert haben. Ich war das erste Mitglied als erwachsene Adoptierte.
Auch habe ich in der Zeit noch in Wohnortnähe eine Gesprächstherapie besucht.
Die Mitglieder des Vereins sowohl meine Therapeutin haben mich bei der Suche nach meinen leiblichen Eltern unterstützt.


Jetzt noch zu Hellinger. Hab wieder mal mehr von mir geschrieben als ich wollte.
Ich hab jedes Mal wenn jemand sich darüber unterhalten hat die Ohren gespitzt.
War lange Zeit enttäuscht dass ich nicht dabei gewesen bin.

Zu dieser Zeit wollte ich gerne einen Unterverein für Adoptiere gründen. Angeblich hatte die obige Therapeutin sehr viel Adoptierte Patienten.
Beim ersten Treffen in ihren Praxisräumen waren wir aber komischerweise nur 5 Personen von denen sich 4 auch noch kannten.
 Mir war diese Dame ein bisschen Suspekt. Beim zweiten treffen waren es dann auch nicht mehr. Die Diplom-Psychologin war bei unseren Gesprächen immer nur ganz am Anfang dabei, so die ersten 10 Minuten. Beim zweiten Treffen hat sie uns dann gefragt ob wir nicht mal an einem Seminar zu Familienaufstellung teilnehmen wollten und uns noch ein paar Flyer mitgegeben damit wir Werbung für sie machen.

Im Nachhinein kann ich behaupten, dass es dieser Dame im Grunde nur ums Geld ging.

Dies wurde mir so richtig klar als ich mit einer Mutter aus dem Verein sprach, die bei Ihr in Behandlung war. Sie erzählte mir das die Gespräche immer sehr ernst seien und die Therapeutin am meisten Sprach. Auf die Frage ob sie auch mal lachen oder über etwas alltägliches Sprechen, so wie das bei meiner Therapeutin und mir der Fall war, meinte sie nur um Gottes Willen.
Von unserem Verein haben doch einige sehr viel Geld bei dieser Frau gelassen.

So dass erst einmal zu meinen Negativen Erfahrungen.
Später kommt auch ein Positiver Bericht.
Titel: Hellinger ist gefährlich!
Beitrag von: sidelight am 09.06.03, 12:53
Liebes BT,
nach dem gestrigen Report im ARD über die schillernde Gestalt Hellinger muss ich erst mal meinen Ärger runterschreiben.
Zusammengefasst kann ich nur sagen: Oh Gott, der ist ja noch viel schlimmer geworden!!!!!
Neben Entsetzen über seine Ansichten aus einem Mix aus Familienpsychologie und gefährlichem "was-auch- immer" übermannt mich der Ärger, dass er durch seine Massenveranstaltungen und Aussagen ein Bild von Psychologen und Therapeuten schafft, das jeden normaldenkenden Menschen nur abschrecken kann.

Ich habe mehrere Jahre psychotherapeutische Aus- und Fortbildungen hinter mir, die mit Hellingers Worten "Therapeuten können niemals Schaden anrichten!" Lügen gestraft werden. Immer wieder wurde ich darauf hingewiesen, wie wichtig die Kenntnis eigener Schwächen und Reflexion eigener Verhaltensweisen ist, um nicht fahrlässig mit dem Klienten umzugehen. Insbesondere wurde vor omnipotenten Ansichten und entmündigenden Expertentum von Therapeuten gewarnt. In unfangreichen Probegesprächen wird psychotherapeutische Arbeit vermittelt und gelernt und erst nach Jahren wird man als Psychotherapeut zugelassen. Und da Therapeut auch immer Mensch ist, sind regelmäßige Supervisionen, in denen das eigene therapeutische Verhalten streng unter die Lupe genommen wird, für jeden soliden Therapeuten Pflicht.

Es macht mich maßlos wütend, wie Hellinger mit seinen Klienten verfährt, dabei "gütig" in die Kamera lächelnd seine eigene Scheinheiligkeit proklamiert.
Ich will gar nicht einzeln auf das haarsträubende Fehlverhalten dieses Pseudotherapeuten eingehen, aber einiges kann ich mir nicht verkneifen:

Richtige  Psychotherapeuten arbeiten ausschliesslich mit dem Klienten zusammen, begleiten ihn anstatt ihn in bestimmte Richtungen zu zerren, entmündigen ihn niemals in seinen eigenen Wahrnehmungen. Ein Therapeut weiss es niemals besser als der Klient!!!!! Therapeuten besitzen niemals einen Röntgenblick, der die sog. Wahrheit (so wie Hellinger diese nach wenigen Sekunden zu sehen meint) erkennen kann. "Wahrheiten", also neue Sichtperspektiven ergeben sich immer nach längerer Zusammenarbeit mit dem Klienten.

Hellinger hingegen antwortete auf die konfrontierende Frage, warum Klienten sich über sein Handeln im Nachhinein beschwerten oder sogar einen emotionalen Zusammenbruch erlitten (aus meiner Sicht: dank seiner Interventionen, waren sie danach erst recht therapiebedürftig): "Klienten kommen zum Therapeuten wie Kinder zu den Eltern. Wenn der Therapeut nicht das macht, was sie wollen, dann wollen sie sich rächen!" Weiter: "Ich spreche nur die Wahrheit aus, die ich sehe! Oft wollen Klienten dies nicht wahrhaben!"
Der Klient ist in einem absoluten Abhängigskeitsverhältnis zum mächtigen Guru Hellinger und seiner Anhänger. Es gibt keine Chance, den therapeutischen Prozess zu beeinflussen, denn Hellinger hat demnach immer recht, denn jede Reaktion des Klienten wird beliebig als entweder Antwort oder Abwehr mit der "Wahrheit" gewertet. Somit ist Hellinger seiner Theorie folgend niemals angreifbar, egal was er an Schaden anrichtet. Der Klient ist den wilden (übrigens nicht wissenschafltich belegten) Interpretationen ausgeliefert, kann nichts Korrigierendes entgegensetzen.

Liebe BTler, dies hat nichts, absolut nichts mit Psychotherapie zu tun. Dieser Mann manipuliert sektenähnlich und mit psychopathologisch anmutenden Größen- und Sendungswahn unter Zuhilfenahme einiger familientherapeutischer Techniken. Vielleicht denkt er beim gütig Dreinschauen aber auch nur an sein pralles Girokonto.

Sidelight  
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Mirjam am 09.06.03, 14:07
Hallo Sidelight,

auch ich bin sehr froh über deine Beträge.

Das "Problem" an dieser Box ist die feste Kopplung zwischen Familienaufstellung und Hellinger; es gibt auch systemische Familienaufstellungen, die nicht nach der absoluten Wahrheit und dem Platz (der Frau unter dem Mann und so ein Müll) suchen, sondern versuchen alte Situationen aufzuarbeiten, wenn z.B. Familienmitglieder bei der Therapie nicht mitmachen wollen.

Für mich müßte beim Patienten schon eine sehr tiefe Persönlichkeitsstörung (Schizophrenie, manisch-depressiv o.ä.) vorliegen, bis sich der Therapeut "erdreisten" darf, den Patienten auf die "Normalspur" zurückzuhelfen (verzerrte Wahrnehmung Sidelight?), warum sollte ein Patient nicht selbst die Wahrheit spüren dürfen nur Hellinger???

DAS wäre nämlich für mich ein guter Therapeut: Der die Wahrnehmung des Patienten für die eigenen Gefühle/Bedürfnisse und seinen "7ten Sinn" fördert und ermuntert selbstBEWUSST und selbstBESTIMMT sein Leben weiterzugehen. Das kann ja wohl überhaupt nicht funktionieren, wenn man sich ständig in Frage stellt, a la, was Gott Hellinger wohl dazu sagen würde?
 Ich denke, dass es bereits eine übergeordnete Macht gibt, die uns mit einem "Klapps" an der richtigen Stelle schon dazu verhilft, auf den Weg zu kommen, manchmal benötigen wir  Freunde/psychol. Helfer um nach dem Stolpern wieder aufzustehen, aber bestimmt keinen Rattenfänger von Hamel mit Wahrheitsabhängigkeit!!!

Sein Leben leben kann man nur wenn man weiß wo man/frau herkommt (oder aus welche Familiensituationen), systemische Familienaufstellung kann da für den einen eine Hilfe sein, für mich wäre das nichts, denn wenn ich Baumeules Bericht lese - hätte ich echte Angst vor der Konfrontation mit den Gefühlen/Geschichten anderer, wenn ich doch selbst mit mir zu tun habe.

Viele Grüsse

Mirjam
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: sidelight am 09.06.03, 16:05
Liebe Mirjam,

ich bin genau deiner Ansicht und es tut schon gut zu lesen, was du schreibst :) ;) :D:

Zitat
DAS wäre nämlich für mich ein guter Therapeut: Der die Wahrnehmung des Patienten für die eigenen Gefühle/Bedürfnisse und seinen "7ten Sinn" fördert und ermuntert selbstBEWUSST und selbstBESTIMMT sein Leben weiterzugehen. Das kann ja wohl überhaupt nicht funktionieren, wenn man sich ständig in Frage stellt, a la, was Gott Hellinger wohl dazu sagen würde?


Genau das ist es, was ich meine. Besser kann man es nicht ausdrücken! Dort hingehen, wo der Klient steht und weiter begleiten. Nicht am vermeindlichen Ziel (wohl eher dem eigenen) stehen, die Arme gönnerhaft ausbreiten und sich dann irgendwann wundern, dass Klient nicht ankommt.

Wer will denn wissen, welches Ziel das richtige ist und wie jemand gehen muss, um es zu erreichen? ICH weiss es nicht, aber es ist spannend zu beobachten und schön mitzuerleben, wie der andere den seinen (wieder)findet, wenn man ihm die Führung selbst überläßt.

Sidelight
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Mirjam am 09.06.03, 18:15

Hallo Sidelight,

was mir bei Gruppen-Psychoarbeit ein bißchen Gedanken macht ist die Gruppendynamik bzw. wie ein bißchen geschickter Störenfried gezielt mitwirken kann.

Ich hab das schon erlebt im Unterricht wie schwer es da ist eine Gruppe Jungs im "Griff" zu behalten - diese dann auch noch zu steuern oder IN der Gruppe zu therapieren stelle ich mir ohne Einzelgespräch sehr schwer vor.

Jetzt bin ich ein wirklich mitteilsamer Mensch, aber in einer Gruppe meine Probleme auf den Tisch legen oder meine Vergangenheit bloßstellen (v.a. wenn man z.B. bei der Familienaufstellung) nicht so weiß, was da rauskommt, würde mich verunsichern, vielleicht würde ich mich verstellen bzw. hätte ich Sorge, dass doch ein wenig Interpretation darin liegt - die von den Teilnehmern abhängt.

Ich will die Therapieform nicht "runterlaufen" lassen, aber bevor man selbst daran teilnimmt, würde ich mit einer Psychotherapeutin reden/abklären, ob diese Art für mich geeignet ist und weiterbringen kann, denn derzeit ist ja im Gespräch, dass es auch "Repressoren" also Menschen gibt, die gut verdrängen können - und besser damit leben, als ständig im Vergangen zu suchen und gedanklich in diesen dunklen Punkten zu stehen.

Und - hier ist der Revoluzzer in mir - ich lasse mir nicht erklären wo mein Platz im Leben ist - ich kuck wie die Personenlandschaft um mich herum ist und schaffe ihn mir selbst.

Liebe Grüsse

Mirjam
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: sidelight am 09.06.03, 21:15
Hallo Marie-Luise und Mirjam,

am liebsten würde ich Euch jetzt sofort zurückschreiben, weil es viel interessanter ist als der abzuarbeitende Stapel auf meinem Schreibtisch. Aber wenn ich nicht will, dass mich mein Chef morgen in der Luft zerreisst, muss ich heute noch was tun. Dabei wollte ich eigentlich schon vorgestern damit fertig sein  :-[

Sobald das geschafft ist, hänge ich mich aber wieder hinter dem Bildschirm.  ;)

Bis denn
Sidelight
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Mirjam am 09.06.03, 21:19

Hallo Maria-Luise,

ich denke schon, dass man/frau viele alte "Sachen" mit sich herumtragen kann und dass sich Seelen auch an Menschen oder Gegenstände "Häuser" kleben können - es ist schon nicht ohne Grund, warum man geschlossene Friedhöfe geschaffen hat und den Seelen in einer Zeremonie "Ruhe und Frieden" wünscht.

Wenn es Schutzengel gibt - warum sollte es nicht auch freie Seelen geben?
Und wenn die systemische Familienaufstellung so manche Familienmuster aufdeckt und die betroffene Person sich aus diesen ererbten Situationen befreien kann so ist das nur gut; es ist eben meiner Meinung ein zeitlich schneller Prozess, dem man gewachsen sein muß.

Eben darum bin ich ja vorsichtig - denn die "Geister" die man ruft oder "ausbuddelt" deren muß man "Herr" werden können und auch denen, die in dem wissentschaftlich-gefühlsmäßigen Zwiespalt stehen begreiflich machen können.

Es gibt viele "weise" Menschen - die mehr sehen, mehr fühlen und auch helfen können, aber bitte schön mit den Grundregeln der Psychologie und Selbstverantwortung und ohne Guru-Überheblichkeit.

Und ich denke auch, dass es mehr Dinge auf dieser Erde - wie Mary schon sagte - gibt, als wir wissen (möchten) und auch mehr als die christlichen Kirchen zugeben.

Viele Grüsse von der psychologie-Diletanntin

Mirjam  ;)

Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: sidelight am 10.06.03, 22:41
Hallo Mirjam,

deine Zeilen kann ich gut nachvollziehen und ehrlich gesagt gehts mir persönlich auch so, dass ich mich in Einzelgesprächen wohler fühle als in Gruppengesprächen. Obwohl mir die Gruppenarbeit mit Jugendlichen - wenn auch manchmal anstrengend - oft großen Spass gemacht hat. Obwohl die manchmal richtig knallig sein konnten. Kleines Zitat eines 14-jährigen Jugendlichen auf einen Kommentar von mir: "Ey, halt mal die Backen, du bist ja schon Kunde bei Grieneisen!" (Grieneisen ist in Berlin ein Bestattungsinstitut  :o)
Aber ich glaube, dass ist eine persönliche Vorliebe.
Es gibt viele, die auf Gruppentherapien schwören.

Wohl sind aber auch die persönlichen Ziele eines jeden entscheidend, welche Form man wählt. In der Klinik biete ich beides an. Gruppengespräche haben vor allem den Vorteil, dass soziale und kommunikative Fähigkeiten gefördert werden können, weil das eigene Verhalten auch immer zu einer Reaktion der anderen Teilnehmer führt. Vielen tuts auch gut, wenn sie Gleichgesinnte um sich haben und nicht nur immer die Worte des Therapeuten hören müssen. Zur Klärung persönlicher Probleme halte ich die Einzelgespräche allerdings für besser, weil der Raum geschützter vor möglichen Angriffen anderer ist und man mehr ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt, die ja oft dringend nötig ist. Auch ist die Beziehung zwischen Klient und Therapeut eine intensivere.

Sidelight
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: sidelight am 11.06.03, 00:10
Hallo Marie-Luise,

deine Überlegungen sind interessant. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass es zwischen Himmel und Erde nicht mehr gäbe als Wissenschaft heute weiss. Ich hoffe auch, dass das so ist. Vieles kann Psychologie oder andere Wissenschaften nicht erklären, da bleibt mir oft nur Staunen und einfach Akzeptieren, dass es so ist wie es ist und mir bestimmt vieles verborgen bleibt.

Schlimm finde ich nur, wenn Glaube als Wissen verkauft wird, dabei das Vertrauen anderer einfach benutzt wird.
Hellinger z.B. tut das. Er stellt sich als Familientherapeut vor, nicht als Glaubenvertreter. In der Familientherapie gibt es aber kein Unterkapitel mit "Wissensfeldern", die sogar die Seelen Verstorbener einschließt. Würde er sagen, dass er an solchen "Wissensfeldern" glaubt, dann hätte ich kein Problem damit.  
Aber gerade in der Arbeit mit Menschen -oder besser im helfenden Kontakt mit Menschen generell - sollte man sehr unterscheiden zwischen Wissen, Glauben und Vermutungen.
Bei allen Vermutungen über die seelischen Möglichkeiten dieser Welt gibt es aber auch irdische Realitäten, die ich nicht außer Kraft setzen kann, weil sie meine Überzeugungen stören.

Meine Augen vor den Wundern dieser Welt nicht verschließen wollend lassen sich viele von Hellingers Fähigkeiten aus meiner Sicht durch simple Dinge erklären. Ehrlich gesagt, ist es keine Kunst, wenn man entsprechende Kenntnisse über Verhaltens- und Familienmuster hat, etwas begabt in der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist, um halbwegs treffsicher zu derartigen Aussagen zu gelangen. Allein ein simples Familiengenogramm mit einigen Jahresdaten gibt valide Hinweise auf bestimmte Familienkonflikte. Hellinger fragt auch sehr geschickt, und macht dann etwas, was ihn für mich ernsthaft fragwürdig macht: Er stellt übersinnliche Hypothesen auf und schafft Neologismen wie "Wissensfelder".
Ähnlich wie z.B. Kriminalpsychologen bei ihrer Erstellung von Täterprofilen auf bekannte Statistiken und beobachtete Verhaltensmuster zurückgreifen, kommt meiner Meinung auch Hellinger zu seinen Erkenntnissen. Weiterhin benutzt er Techniken aus der Massenpsychologie und ist geschickt in der Suggestion.

LG
Sidelight
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 11.06.03, 09:34
Hallo

also ich hab zu dem Thema Familienaufstellung ein sehr
kritisches Verhältnis :(

Und wenn ich dann lese ...

Gefahren durch Psychotherapien

Psychotherapien sind nicht mehr wegzudenken aus der
Patientenversorgung. Ein Großteil der
Psychotherapeuten aber versteht sich als Vertreter
einer "sanften Therapieform": Entweder hilft die
Behandlung oder nicht. Daß sie eventuell schaden
könnte, wollen viele nicht wahr haben.

hier gehts weiter ...

http://www.aerztezeitung.de/docs/2003/06/11/107a1003.asp?cat=/medizin/psychische_erkrankungen

wird mir auch nicht wohler !!!

Liegt bestimmt auch daran, dass ich so ein bißchen  ** geschädigt ** bin ...
wie ich auf der Seite 1 beschrieben habe .

Liebe Grüße
Beate

Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: mantschi am 16.10.03, 23:17
Ich war heute Abend mit zwei Arbeitskolleginnen in Regensburg zu einem Vortrag eines Kath. Pfarrers und Familientherapeuten über das "Enneagramm - die 9 Gesichter der Seele".

Beim Enneagramm (http://www.Enneagramm.de) gibt es 9 Typen, die sich jeweils in Kopf-, Herz- und Bauchtypen und sogenannte Mischtypen aufteilen. Ich fand diesen Vortrag sehr interessant und der Redner brachte auf die kurze Zeit einen Überblick über die verschiedenen Typen.

Ich schreibe hier in der Box Familienaufstellung,weil dieser Pfarrer auch als Familientherapeut arbeitet und mit der Methode Familienstellen arbeitet.

In seiner Pfarrei gibt es jeden Monat dazu Termine im Pfarrheim.

Wer mehr darüber lesen will, kann  hier  (http://www.hanglberger-manfred.de)  darüber nachlesen.

Was mich an diesem Mann auch  fasziniert hat, dass er z. B im Unterricht der 9. Klasse mit den Schülern das Thema Kritik genau bearbeitet. Und das nicht theoretisch, sondern praktisch und konstruktiv.



Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: reserl am 19.04.04, 09:03
Einen kritischen Bericht zu den "Methoden" des Bert Hellinger bringt heute das erste Fernsehen um

21.05 Uhr in der Sendung "Report" aus München.
Nähere Infos dazu: http://www.br-online.de/daserste/report/
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: geli.G am 19.04.04, 09:19
Bert Hellinger wohnt übrigens in unserer Gemeinde, aber den kennt hier keiner.... ::)

Ich bin über meinen Hauarzt auf die Familienaufstellung gekommen, hab´s aber nie gemacht.

Mein Neffe studiert Psychologie und steht dem ganzen auch seeeeehr kritisch gegenüber....
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Mirjam am 19.04.04, 19:33


Hallo,


die Familienberatung arbeitet - meiner Kenntnis nach - sehr intensiv mit Familienaufstellungen: Aber mit ihnen bekannten Seminarleitern und NICHT nach Hellinger - das ist EIN System.

Aber anscheinend haben sie mit dem System auch Erfolge, allerdings finde ich es in dem Zusammenhang wichtig, das die geschulten Berater sagen: Für dich wäre eine Aufstellung jetzt oder zu einem bestimmten Zeitpunkt gut - oder in einem anderen Fall nicht angebracht, weil man erst mal andere Knoten lösen muss.


Viele Grüsse

Mirjam
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: geli.G am 19.04.04, 21:54
Hallo,

hab mir den Bericht im Fernsehen grad angeschaut... ::)

Davon würde ich auf jeden Fall die Finger lassen! >:(
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Antonia am 19.04.04, 23:08
Ja Geli....
leichtfertig sollt man sich nicht drauf einlassen.
Reserl war ein guter Tipp, vielleicht auch gute Entscheidungshilfe für die jenigen,
die schwankend in der Entscheidung ja oder nein...
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: SabineE am 08.05.04, 22:22
hallo

ich war ja jetzt ein paar mal bei einen psycologischen berater und hab bei ihm auch den kurs autogenes training gemacht.

ein psych.berater "erlernt" sein handwerk wie ein handwerker. sprich er studiert nicht im vorlesesaal, sondern ist mit seinem "lehrherrn" unterwegs.es heisst bei einem psychiater od. psychologen reden die patienten 10% , bei einem berater 90%.

ich war 2x bei ihm was mir sehr geholfen hat. er gibt konkrete vorschläge. kein um den heissen brei herumreden.

in dem autog. training-kurs sind wir eben auf die hellinger-aufstellung gekommen.

er hat ganz offen davor gewarnt und abgeraten. seine begründung: viele menschen erleiden durch diese aufstellung schwere psych. schäden, da sie, auf das was kommt nicht vorbereitet sind und auch keine nachbetreuung bekommen.
also finger weg.

Sabine

Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: SabineE am 08.05.04, 22:24
ohhhh,,


da hab ich mist geschrieben

muss heissen :

beim psychol. berater reden die patienten 10%
bei psychiatern u. psychologen 90%

sabine
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Beate Mahr am 06.07.04, 17:22
Hallo


Heute habe ich einen Fersehtipp:

Donnerstag 8. Juli 2004 um 20.15
Bayerischer Rundfunk TV-Sendung "quer".
Bericht über die politischen Implikationen
der Aufstellungslehre Bert Hellingers

Dazu auch:
Bert Hellinger ist der derzeit wohl einflussreichste Psycho-Guru
http://www.agpf.de/Hellinger.htm

Weitere Presseberichte über Hellinger in Hitlers Reichskanzlei
http://www.agpf.de/Hellinger.htm#Presse


Gruß
Beate
Titel: Re:Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: marikat am 06.07.04, 20:29
Hallo,
für mich ist die Familienaufstellung nach Hellinger auch ein Thema dem ich mich nur zögernd nähere.
Ich habe einmal an einer Familienaufstellung als Zuschauer teilgenommen und war sehr erstaunt, wieviel dort von den Personen die aufgestellt wurden in ihr eigenes Leben interpretiert wurde.
Dem ein oder anderen viel es schwer in die eigene Realität zurückzukommen und nicht zu viele Parallelen zu der Aufstellung zu sehen.
Aber das ist wahrscheinlich darin begründet, daß ein Stück Selbsterfahrung mit beinhaltet ist.
Titel: Re: Familienaufstellung
Beitrag von: Mirjam am 13.01.05, 15:17
*schubs*
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Birgit S. am 22.02.05, 14:19
Ich bin erst kürzlich hier auf dieses Thema gestoßen.
Soweit ich Eure bisherigen Beiträge gelesen habe, überwiegt eine etwas negative Einstellung gegenüber Familienaufstellungen, vor allem in Anlehnung an die Therapie von Bert Hellinger.
Ich möchte das ganze nochmal aufleben lassen und meine Erfahrungen kundtun.
Nur kurz zu meiner Vorgeschichte (bitte entschuldigt meine Offenheit, aber ich bin es gewöhnt, offen über solche Dinge zu sprechen):
Ich hatte keine sehr rosige Kindheit. Tod, Krankheit, Gewalt und Ohnmacht begleiteten mich ab meinem zweiten Lebensjahr. Was zur Folge hatte, dass ich von Zeit zu Zeit immer wieder an Angstzuständen, Panikattacken, Depressionen und folglichen Ess-Störungen litt.
Vor ca. 12 Jahren wandte ich mich auf Anraten meines HA an die Caritas und bat um eine Gesprächstherapie.
Dort lernte ich Theresia kennen, die als Familientherapeutin bei der Caritas arbeitete.
Sie war damals die einzige, die es verstand, mich auf die Ursache meiner Probleme zurückzuführen. Nach jeder Sitzung bei ihr war mir, als hätte ich Schwerstarbeit geleistet. Sie begleitete mich einfühlend bei meiner nachträglichen Trauerarbeit. Sie hörte oft einfach nur zu und gab mir aber trotzdem immer im entscheidenden Moment den Anstoß in eine für mich gesunde Richtung gehen zu können.
Ich bin froh, dass ich Theresia damals "gefunden" habe und gönne meiner Seele auch jetzt noch hin und wieder eine Wellness-Stunde bei ihr (obwohl ich es nun nicht mehr nötig hätte  :)).
Aber nun zum eigentlichen Thema:
Ich wollte mehr für mich und meinen Seelenfrieden tun und fragte Theresia nach einer Gruppe, wo man sich gegenseitig über psychologische Themen und Erfahrungen austauschen könnte.
Sie bot mir an, zur Familienaufstellung zu kommen - eine Gruppe, die sie damals schon ca. vier Jahre geleitet hatte (das dürfte nun auch schon wieder fünf Jahre her sein).
Theresia macht das in Anlehnung der Theorien von Bert Hellinger, ob sie sich jedoch strikt an seine Methoden hält, danach habe ich sie nie gefragt. Ich habe mich mit der Person Hellinger auch nie auseinandergesetzt, oder mich mit seinen Machenschaften befasst.
Für mich war nur wichtig, was innerhalb der Gruppe abläuft und welche Auswirkungen es für den ein oder anderen gebracht hat. Und ich muss sagen, dass ich heute nach wie vor beeindruckt bin, welch starke, ungeahnte Energien zwischen den einzelnen Teilnehmern der Aufstellung fließen und welche positiven Veränderungen sich zeigen, auch wenn sie oft erst nach Monaten sichtbar werden.
Ich bin nun eine derer, die am längsten bei der Gruppe sind, weil es mir einfach gut tut und ich merke, dass ich immer festere Wurzeln schlage. Ich lerne Menschen und ihre Eigenheiten besser einzuordnen und folglich besser damit umgehen zu können.
Ich könnte mittlerweile Bände darüber schreiben, welche Schicksale die Leute erfahren mussten und später mit Krankheiten oder Beziehungsproblemen zu kämpfen haben, aber die Ursache ihrer Leiden nicht kennen. Leute, die dann nach der Aufstellung irgendwann plötzlich keine Allergien mehr hatten, welche die kurz vor der Scheidung standen und doch wieder zusammengefunden haben, aber auch welche, die endlich den Mut fanden, sich vom gewalttätigen Partner zu trennen......

Damit es jetzt nicht zu lange ausartet:
Ich bin der Meinung, dass man mit Familienaufstellungen eine Methode gefunden hat, neue Perspektiven für sein Leben zu erlangen und eine Ordnung für sich und seine Familie zu finden, in der man Ruhe und Kraft erfahren kann.
Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass im Bereich von Sekten oder ähnlichen Gruppierungen diese Methode auch leicht missbraucht werden kann.
Es gibt so viele Dinge im Leben, die bei sachgemäßer Behandlung einen großen Nutzen für die Menschheit bringen und bei unsachgemäßer Behandlung eine große Bedrohung darstellen können.
Die Voraussetzung dafür liegt zweifelsohne am Therapeuten und aber auch am Teilnehmer.
Bei uns in der Gruppe muss keiner etwas sagen, wenn er das nicht will (ausser dass man sich anfangs mit dem Vornamen vorstellt), keiner wird dazu verpflichtet sich als Stellvertreter aufstellen zu lassen, wenn er das nicht will.
Das einzige, dessen man sich bewusst sein muss ist, dass man vielleicht an schmerzhafte Gefühle gestoßen wird, die man wirken lassen sollte, sodass sich eine Änderung ergeben kann.

So, jetzt hat die/der eine oder andere von Euch eine kleine Abendlektüre zum lesen und ich mir meine Meinung über Familienaufstellung von der Seele geschrieben  ;).

LG
Birgit (...die Neue  ;D)
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: em am 23.02.05, 08:52
hallo birgit,

na da bin ich aber froh, dass sich jemand betroffenen, bzw jemand, der eine aufstellung schon gemacht hat, sich zu wort meldet.
ich vermute, dass es sehr wichtig ist, nacher weiterbetreut zu werden, nach einer aufstellung, und dann nicht allein gelassen zu sein,

liebe grüsle,
em
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: Birgit S. am 23.02.05, 14:56
@em
Ich denke, man muss das von Fall zu Fall individuell für sich selbst entscheiden, ob es notwendig ist, dass man eine weitere Betreuung nach der Fam.aufstellung braucht.
Im voraus kann man nie sagen, was sich bei der Aufstellung herauskristallisiert und wie heftig es auf die Teilnehmer bzw. den Aufsteller wirkt.
Natürlich ist es gut, wenn man weiß, dass da jemand ist, an den man sich wenden könnte, wenn's denn wäre.... .
Ich denke, man kann das ganze irgendwie mit einem Zahnarztbesuch vergleichen, man hat einfach ein mulmiges Gefühl, man weiß nicht recht, was kommt da auf mich zu - wird's wohl sehr weh tun... :-\...?
Und später geht man raus und denkt sich - "hat ja gar nicht gebohrt  ;D !!"
So gehts jedenfalls den meisten von unserer Gruppe - jeder hat etwas Lampenfieber vor der Aufstellung (ich auch) und im nachhinein ist man froh, dass man's gemacht hat.
Ich erfahre es immer wieder, dass manche zur Fam.aufstellung kommen und schon bei der "Guten-Morgen-Runde" von sich geben, dass ihnen hundeelend zumute ist und sie schon gar nicht kommen wollten. Und bei der Abschlussrunde haben sich die Gemüter dann um 180 Grad gewendet und diejenigen sind dann meist wie umgewandelt und haben wieder Freude in ihren Gesichtern.
Und - ob weitere Betreuung oder nicht - das wichtigste nach einer eigenen Aufstellung ist, dass man das letzte "Lösungsbild" ganz fest in sich behält und es wirken lässt.
Es braucht sonst nichts - man muss nicht (sollte man auch nicht) die ganze Aufstellung nochmal Revue passieren lassen und alles analysieren.
Immer, wenn man merkt, dass es einem nicht so gut geht und man wieder nach alten Mustern lebt und sich verstrickt, sollte man sich einfach nur wieder das letzte "Bild" der Familienaufstellung ins Gedächtnis holen.
Das Gefühl des "allein gelassen sein"'s nach der Aufstellung kam bei mir Dank der Gruppe nicht auf. Man trifft sich zwar nur so ca. einmal im Monat, man kennt sich nicht oder kaum (nur vom Vornamen her), aber man spürt trotzdem einen großen Halt in der Gemeinschaft - fühlt sich an wie eine große Familie, wo jeder sein mehr oder weniger großes Päcklein zu tragen hat.

Liebe Grüße
Birgit

Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: manurtb am 01.08.05, 14:59
Kenn mich ja nicht so aus, ich stells einfach mal rein.

Irmela Wiemann über Bert Hellinger: http://www.familienaufstellen.org/criticism/wiemann.htm
Titel: Re: Familienaufstellung nach Hellinger
Beitrag von: pah am 06.08.05, 17:14
Hallo, ich bin neu hier und habe mit Interesse dieses Diskussionsthema gelesen.
Auch ich habe im November letzten Jahres drei Tage (Freitag bis Sonntag) und im März dieses Jahres einen Tag lang (Nachbereitung) ein Seminar über Familienaufstellung mitgemacht.
Die Therapeuten (ein Mann und eine Frau) bieten schon seit Jahren zweimal im Jahr solche Aufstellungen an. Dabei muss ich betonen, dass diese Aufstellungen modifiziert und nicht zu 100% nach Hellingers Grundsätzen ablaufen. So wird niemand nach solch einem Seminar sich selbst überlassen (Nach dem Motto: Friss oder stirb), sondern bei Bedarf betreut. Allerdings befanden sich in meinem Fall alle Teilnehmer sowieso in einer Gesprächstherapie bei einem der beiden Therapeuten, wo in den nächsten Sitzungen das Erlebte aufgearbeitet und tiefergehend erläutert werden konnte.
Es ist für Außenstehende schwer zu begreifen, wie solch eine Familienaufstellung abläuft. So ist es absolut faszinierend, wie sich die Platzhalter für die einzelnen Familienmitglieder in deren Stimmungen einfühlen und reagieren können, ohne dass sie detailliert wissen, wie die einzelnen Personen zueinander stehen und so voreingenommen handeln könnten.
Es geht auch nicht darum, auf Biegen und Brechen irgendjemanden dazu zu bringen, einem anderen zu vergeben, wenn eine Annäherung partout nicht möglich ist (z.B. ein Kind kann seinem Vater dessen Missbrauch nicht verzeihen). In diesem Fall belässt der Therapeut es dabei, sich auf die rein biologischen Tatsachen zu beschränken und lediglich dem Kind klarzumachen, dass es von diesem Vater abstammt und durch sein Zutun das Leben geschenkt bekommen hat. Diese Verbindung zwischen Vater und Kind ist die mindeste Basis, die das Kind anerkennen und nicht verleugnen kann. Dieses Anerkennen dieser einfachen Tatsache hilft bei der Arbeit in den Einzelsitzungen weiter, seine Probleme zu kanalisieren und eventuell in ein anderes Licht zu rücken.
Weit entfernt war dieses Familienstellen jedoch von dem Geschmäckle, es hätte etwas mit Sekten, Gehirnwäsche oder sonstigem zu tun. Im Gegenteil, ich konnte durch meine Erzählungen meinen Mann dazu bringen, am nächsten Seminar im November teilzunehmen, um seine gravierenden Probleme mit seiner Mutter, mit der er vor fünf Jahren gebrochen hat, zu beleuchten.
Liebe Grüße von pah