Was es sonst noch gibt > Buchbesprechnungen

Ulrike Siegel

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frankenpower41:
@Mathilde, wenn eine der Frauen ihre Geschichte so geschrieben hat, dass Du denkst es ist/war nicht so, dann
kann aber außer der Frau selbst niemand was dazu, und auch das ist Ansichtssache, vielleicht sah sie es einfach so.

Ulrike Siegel betont auch immer, dass auch innerhalb einer Familie manches unterschiedlich bewertet wird. (wie heutzutage auch) jeder empfindet es eben anders. Aber vieles zog sich einfach durch alle Familien, egal von woher.

Mir gefallen ihre Bücher, einfach weil sie meine/unsere Geschichte erzählen. Das hab ich erst gestern im Interview wieder gedacht. Wer weiß heutzutage noch wie es ca. 1970 in den meisten Bauernhäusern aussah, dass das Geld das reinkam erst mal in den Betrieb gesteckt wurde und Hausumbau erst am Schluss kam, man in den Siedlungen am Ortsrand aber ganz anders eingerichtet war. Dort wo die Mutter den ganzen 'Tag daheim war auch nichts rumlag.  Die Frauen dort gingen in der Regel zu der Zeit nicht arbeiten, meine Mutter war fast den ganzen Tag draußen., wobei es dort wo Oma da war wieder anders aussah als dort wo die Eltern allein am Hof waren.  Da blieb der Haushalt schon mal liegen.Das sind doch Dinge, die viele von uns in Erinnerung haben.. Nicht verklärt, sondern realistisch erzählt.
Auch zu meiner Schulzeit war es so, dass wir Bauernkinder  (in meiner Klasse war noch ein Großteil vom Hof,) in den Ferien nicht wegfuhren, höchstens mal zu Verwandten, während andere nach den Ferien von Urlaubsreisen erzählten.
Dann der rasante Wandel der Landwirtschaft von Handarbeit zu immer mehr Mechanisierung.
Nur das wollte sie festhalten, denn das ist auch Zeitgeschichte, nichts bewegendes, aber es sollte auch nicht vergessen werden.  Dann kam von den Frauen oft die Aussage dass sie als junge Frau dachten  "Alles nur kein Landwirt" und das kam dann auch oft  anders und im Nachhinein war die Kindheit nicht schlecht, weil man gelernt hatte Verantwortung zu übernehmen und nicht ziellos in den Tag leben konnte, und weil man auch wusste, dass die Eltern einen brauchten und das auch anerkannten was man tat.
Dann das Thema Schulbildung, wer ging damals aufs Gymnasium, wenn ich mein 1.Klassbild anschaue, von den Hofkindern fast niemand, da gingen die Kinder von Lehrern/Pfarrern und die aus Geschäften.
Das war doch 20 Jahre später auch auf dem Land schon ganz anders.

Mit "Bäuerinnentunnelblick" haben diese Bücher für mich nichts zu tun, man braucht sie ja nicht zu kaufen/lesen, aber die Auflagen bestätigen ja wohl, dass es auch viele interessiert, auch wenn viele der Leserin aus diesem Umfeld stammen.  Warum soll es nicht auch Bücher zu diesem Thema geben, so interessant wie z.B. eine Biografie von Bohlen oder anderen ist es allemal.

mary:
@Marianne,
Danke, dass du das Thema wieder angestossen hast.
Hab mir gestern Abend den Radiobeitrag angehört und fand ihn sehr gut.
Es ist auch  meine Geschichte, Frau Siegel ist nur unwesentlich jünger als ich.
Hab die meisten ihrer Bücher gelesen und werde mir das neue Buch über die Tierhaltung vom Christkind wünschen.
Dass wir als Kinder nicht mit unseren Eltern in den Urlaub fuhren, das war für mich als Kind jetzt nicht so schlimm, bei uns gabs Tagesausflüge mit Picknik, war immer sehr abenteuerlich- zu damaliger zeit war es sicher auch ein Kostenpunkt. Mit der ganzen Familie zum Essen gehen, war einfach ein absoluter Luxus.
Frau Siegels Sicht auf die Landwirtschaft ist sicher ein Stück weit auch von Aussen, aber in wievielem werden wir mit Aussensichten beglückt, dass uns Hören und Sehen vergeht.
Sind auch meist keine wohlwollenden Sichten, sondern verletzend, herabwürdigend, bevormundend.
Auch in meiner Erinnerung war es nicht immer lustig, draussen auf dem Rüben- oder Kartoffelacker hacken zu müssen, während meine Schulfreundinnen ins Freibad durften.

Fand es interesant, dass es eben   auch anderen so ergangen ist- darüber hab ich noch mit niemanden aus der Landwirtschaft als Kind gesprochen, nur neulich mit Freundinnen, auch dort kam - wie sie als Bauerntrampeln beschimpft wurden, wie die Lehrer ihnen ganz schön übel mitspielten.
Im Radiobeitrag- die Geruchskontrolle, das war scheinbar früher ein Akt, um Bauernkinder klein zu machen.
Hab mich beim Anhören des Beitrages gefragt, wie es wohl heute Bauernkinder in der Schule geht? Wie sie heute ihren Hintergrund erleben?

Mir sind gestern ein paar Vorfälle ins Bewusstsein gerückt- wie wenig Wertschätzung wohl überall auf der Welt der Landwirtschaft entgegengebracht wird und dass es vermutlich auch weltweit ähnliche Erfahrungen in Punkt bäuerlichem Hintergrund gibt.
Auf alle Fälle, Danke fürs Reistellen auch an Anneke, :-*
trotz allem, ich bin froh, dass ich diese Lebensschule Bauernhof als Kind erfahren durfte- auch wenn es nicht immer so toll war, dass wir sehr viel helfen mussten, aber ich hab gelernt, Arbeit zu sehen und auch gut erledigen zu können.
Gibt ja den Spruch, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr- inzwischen weiß man zwar, dass es nicht so ist, aber dennoch, wer als Kind nie was helfen musste, sieht so manches anders.
Verantwortung früh zu lernen, sicher auch nicht immer nur reinster Grund zur Freude, aber es hat im Leben immer wieder geholfen.
Dieser Blick zurück, eben auch, dass zuerst immer der Betrieb, die Tiere im Vordergrund stehen, dass man dafür eben Verantwortung hat, dass sich die Welt nicht nur um einen dreht, wie es heute sehr vielen Kindern beigebracht wird.
Nach dem Radiobeitrag hab ich ein ganz dickes Danke an meine Eltern im Himmel geschickt und ans Schicksal, weil mich das Aufwachsen auf dem Hof zu dem Menschen gemacht hat, der ich bin.

frankenpower41:
Dieser Tage ist  "Stallschwalben" erschienen.  Autobiografische Geschichten einer Bauerntochter.
Hier schreibt Ulrike Siegel ihre eigene Kindheit/Jugend auf.
Mir gefällts, bin schon fast durch.

mary:
Ich finde die Bücher von Ulrike Siegel alle sehr gut, hab auch so manche Erfahrung dort gelesen, die ich auch kenne.
Irgendwie ist mein Selbstbewusstsein durch ihre Bücher um einiges gestiegen. Als Kind war es nämlich nicht immer so toll, sehr viel zu Hause helfen zu müssen, während die anderen Kinder ins Freibad oder sonstwohin fuhren.
Und man war immer gleich der Bauerntrampel, wenn man was sagte, was anderen nicht passte.
Ich hab mich die letzte Zeit oft gefragt, wie geht es heute Bauernkindern in der Schule?

frankenpower41:
Fertig mit lesen.

Ich lese ja solche Bücher meist am Esszimmertisch und lass dann meinen Mann teilhaben.
Bietet für uns momentan viel Gesprächsstoff.
Es ist ja unterteilt in viele Themenbereiche, also anders als die Bauerntöchter-Bücher.

z.B.  Kinderängste, Schulweg, Milchhäusle, Haustürgeschäfte, .....

Wir merkten dass es da bei uns meinem Mann und mir, er ist 6 Jahre älter, schon Unterschiede gab.

Er ging hier zur Dorfschule, ich bei uns im Nachbarort  (da gehörte unser kleiner Ort schon immer hin), wo zur Zeit meiner Einschulung das 1. Jahr der Schulbus fuhr,  wir waren damals schon
zwei  1. Klassen und es gab Hausmeister der Essen verkaufte.
Beim Thema Pausenbrot schildert Siegel was es da gab, ich erinnere mich auch noch an das oft mitgegebene Pressackbrot und dass meine Freundin  Knäckebrot hatte, oder dass sich manche
beim Hausmeister immer ""Plätzle" gekauft haben.

Es kommen wirklich viele längst vergangene Erinnerungen wieder hoch.

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