Autor Thema: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?  (Gelesen 44812 mal)

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Offline gammi

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Re: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?
« Antwort #45 am: 13.07.13, 14:34 »
Auf dem Gebiet bin ich inzwischen sehr, sehr empfindlich, da ich inzwischen sehr viele sehe, die Probleme haben und nix dafür können. Auch wenn sie noch so viel Nachhilfe bekämen und so schon ihr Bestes geben.
Drum stört es mich schon sehr gewaltig, wie die Hauptschule schon abgewertet wird und nur "Druck" auf viele Jugendliche gemacht wird, die darunter leiden.

sicher gibt es auch welche, die tatsächlich nur zu faul sind. Aber auch sehr viele andere, die sich wirklich bemühen und ihr Bestes geben und es trotzdem nicht schaffen. Ist zwar off topic: aber für die ist in unserer Gesellschaft bald kein Platz mehr.  :'( :'(


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Offline annelie

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Re: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?
« Antwort #46 am: 14.07.13, 09:44 »
Nicht nur in München gibt es für Auszubildende, die in der Theorie mehr Betreuung brauchen extra eine Berufsschule, da wird der Stoff intensiver durchgenommen, kleine Klassen und es werden Hilfen gegeben. Für Handwerksberufe gibt es Stützunterricht bei den Kammern. Unser Mitarbeiter hat Azubi`s Stützunterricht/Prüfungsvorbereitung gegeben, auf Initiative des zuständigen Ausbildungsberaters vom Landwirtschaftsamt. Ich denke in den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet einiges getan. Sicherlich ist das ein erhöhter - unter anderem logistischer - Aufwand, aber für 3 Jahre und eine abgeschlossene Lehre kann man das schon in Kauf nehmen.
Es gibt aber Azubi`s, die so cooooool sind und meinen, es klappt auch ohne lernen oder zur praktischen Abschlussprüfung mit Sandalen (ohne Stahlkappenschuhe oder Gummistiefel mit oder ohne Stahlkappe im Gepäck) erscheinen..... kommt megagut bei den Prüfern an, besonders wenn man in den Kuhstall soll.... :-X Bräuchte jetzt nicht extra erwähnen, das der Prüfling aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt... passt jetzt evtl. zum Thema Lehre aufzwingen.

« Letzte Änderung: 14.07.13, 11:51 von annelie »
Vergangenheit ist Geschichte,
Zukunft ist ein Geheimnis
und jeder Augenblick ist ein Geschenk.

Liebe Grüße
Annelie

Clara

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Re: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?
« Antwort #47 am: 19.07.15, 16:24 »
Von meiner Seite ein klares Nein zur Ausgangsfrage.

Ob die Größenordnungen in den neuen Bundesländern das richtige Beispiel ist, für einen bäuerlichen Sohn, der andere Größen gewöhnt ist? Der sollte lernen, wie man mit kleineren Größen umgeht.

Ja, ganz sicher und zwar aus mehreren Gründen...

Er lernt sich zu einzuordnen und auch zu behaupten in einem Team. Er lernt, früh pünktlich an Ort und Stelle zu sein, was Feierabend und Freizeit ist und was ganz wichtig ist, er lernt mit Zeit umzugehen,weil in einen ldw. Grossunternehmen Arbeitszeitkonten geführt werden. Und auch mal drüber nachgedacht wird, wie viel Zeit eine Arbeit wirklich braucht.
Und er hat am Monatsende wirklich mal Geld in den Händen, weil nicht alles für Kost und Logis draufgeht.

Bauern und bäuerliche Söhne... brachten sich dereinst in die LPG-en ein und zwar komplett... mit Inventar (mit ihren bestellten Flächen und ihrem Zucht- und Mastvieh- ohne Entschädigung) und ihrer Arbeitskraft- weil es das Gebot der Stunde war. Nein, gehen kam nicht für alle in Frage. Sicher wünscht man sich in solchen Zeiten ab und an, eine  Weinbergschnecke zu sein, weil dann hätt man sein Hab und Gut immer auf dem Rücken udn wäre flexibel...

Und das das Grossbetriebsmodell offenbar Zukunft hat, zeigen mir ja diverse Kooperationsmodelle ldw. FAMILIENbetriebe vom südlichsten Bayern bis ins nördlichste Niedersachsen/Schleswig- Holstein.

Beste Grüße,

Anja

Offline flairTopic starter

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Re: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?
« Antwort #48 am: 25.07.15, 12:09 »
Hallo,
ich wollte mal kurz eine Rückmeldung machen, wie es mit unserem Sohn weitergegangen ist.
Er hat die Prüfung nicht im ersten Anlauf geschafft, aber im Zweiten.
Er war das 3. Lehrjahr auf einem Großbetrieb mit ca. 500 Kühen. Die 1,5 Jahre waren sicher gut für ihn, aber auch nicht leicht.
Jetzt ist er bei uns angestellt. Mit seinem Vater versteht er sich ganz gut, manchmal gibt es natürlich auch Streß, der hält sich aber im Rahmen.
Man merkt das er Freude bei der Arbeit hat einerseits, aber andererseits möchte er auch noch andere Möglichkeiten ausschöpfen.
Da sind wir jetzt am Überlegen wie es mit unserem Betrieb weitergehen kann, was Sohnemann will und was möglich ist mit unserer Milchwirtschaft.

Ach und übrigens wohne ich jetzt wieder auf dem Betrieb, mein Mann und ich sind ein Herz und eine Seele geworden.

Alles gut...... :)
 
nur der Milchpreis :(

aber das ist nicht so wichtig, wie das Zwischenmenschliche, das zählt viel mehr!

Liebe und hoffnungsfrohe Grüße von flair


Offline Iris

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Re: Dem Junior eine Landwirtschaftliche Lehre aufzwingen?
« Antwort #49 am: 26.07.15, 14:04 »
Hallo Marianne,
super, dass du dich mal meldest und uns daran teilhaben lässt, wie sich das Leben und Arbeiten bei Dir, deinem Sohn/ deiner Familie entwickelt hat.
Es hört sich gut an!
Du machst Mut!
So geht es im Leben rauf und runter, deine letzter Beitrag in dieser Box war vor zwei Jahren!!

Von Herzen wünsche ich dir und deinen Lieben weiterhin Durchhaltevermögen, ein gutes Miteinander und Optimismus in Haus und Hof.
Mit dem Milchpreis ist es wie mit allem im Leben: Er geht rauf und runter....
Es grüßt euch die Iris

Wer will findet einen Weg, wer nicht will findet Gründe.