Autor Thema: Alte Brauchtümer und Traditionen  (Gelesen 100974 mal)

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Offline mamaimdienst

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #195 am: 21.10.16, 09:47 »
Dieses Wochenende ist bei uns im Dorf "Kirbe" (Kirchweih, Kirwa, oder wie auch immer das bei euch heißt  ;D ).

Unser Metzger (wohnt hier im Dorf und macht in seiner Freizeit Hausschlachtungen) hat dieser Tage zwei extra
für die Kirbe gemästete ("nur" etwas länger gemästet, gefressen haben die natürlich gleich wie die anderen
Schweine des örtlichen Schweinemästers) Schweine geschlachtet. Heute Abend gibt es dann "nur" Schlachtplatte,
Bratwürste mit Sauerkraut und ähnliches. Morgen treffen sich ein paar Frauen und bereiten gemeinsam die Salate
für den Sonntag Mittag zu (das Dressing kommt von mir, Rezept kommt von einer lieben BT-Dame aus der
Schweiz  ;D). Sonntag gibt es dann auch "festliche" Speisen. Kuchen für den Sonntag Nachmittag sind natürlich
auch wieder von Damen aus dem Dorf.
Unsere Kirbe ist mittlerweile sehr bekannt, da wirklich alles selber gemacht wird. Auch der Kartoffelsalat und die
Spätzle für Sonntag werden komplett selber gemacht. Wir haben ca. 450 Einwohner. Am Freitag gehen immer
ca. 300 Portionen raus, am Sonntag werden wieder mit über 500 Portionen gerechnet. Statt findet die Kirbe immer
im Sportheim. Ach ja am Sonntag Abend ist auch immer noch die Hölle los. Übrig bleibt meistens nichts. Die zwei
Dorfbewohner, die die Schweine immer stiften, bekommen dann den geräucherten Schinken der Schweine. Sonst
wird wirklich alles für die Kirbe benötigt.

Wie ist das bei Euch so in den Dörfern?

Bevor man seine Feinde liebt, sollte man netter zu seinen Freunden sein. - Mark Twain-

Offline Wiese

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #196 am: 21.10.16, 13:16 »
Bei uns heißt der Tag Kirta.
Viele Gaststätten laden dann zum Kirta-Essen ein.
Bei meiner Heimatgemeinde wird jedes Jahr besonders gefeiert. Zuerst ist eine Kirche
in unsere kleine Dorfkirche mit Chor und allem drum und dran.

Anschließend ziehen sie von der Kirche zum Wirt, ist ja gleich daneben.
Dort wird gegessen, dann gibt es verschieden Einlagen, jedes Jahr verschieden.
Mal eine Ausstellung von alten Fotos oder musikgruppen treten auf. Dann werden selbst
verfasste Gedichte und Geschichten oder auch Lieder vorgetragen usw.

Nachmittags gibt´s dann ein großes Kuchenbüffet von den Frauen mitgebracht und der Erlös
kommt dann einen guten Zweck zugute.

Und vor allem kommt auch das ratschen nicht zu kurz, gehört einfach dazu.
Wer sich heute freuen kann,soll nicht bis morgen warten.
                     " Pestalozzi "

Offline hosta

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #197 am: 21.10.16, 13:23 »
Bei uns gibt's so was gar nicht.
Mich würde nun mal interessieren, wo es seinen Anfang genommen hat oder woraus entstanden oder Bedeutung.

Herzlichst hosta

Offline frankenpower41

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #198 am: 21.10.16, 13:57 »
Kirchweih ist in Bayern/Franken  vergleichbar mit den Schützenfesten im Norden.
In den katholischen Gegend gibt es den einheitlich Kirta-Tag  (Anfang Oktober) , berichtigt mich wenn ich was falsches schreibe.
Hier in unserer ev. Gegend hat jeder Ort "seine Kerwa", beginnt Anfang Mai und endet im November.
Hängt ursprünglich an der Kirchenweihe, da aber viele Orte gar keine Kirche haben feiern sie eben ihre Kerwa irgendwann. Termin ist immer gleich.
Im Sommer kann man, so man rechter Kerwafreund ist, schon mal in Terminschwierigkeiten kommen. Früher war das das Fest im Jahreskreis. Inzwischen sind auch sonst viele Feste, da hat sich das geändert.
Als ich hierherkam vor fast 30 Jahren war es noch üblich Bündel zu backen (Hefegebäck) für Verwandtschaft, Milchfahrer, Postbote....., das macht inzwischen niemand mehr. Auch wurde Sonntags die Verwandtschaft eingeladen, auch das ist bei uns nicht mehr.
Die Ortsburschen machen Kerwaumzug, da hat es einfach dazugehört dass da jeder mitmacht. Auch das ist nicht mehr der Fall.
Ändert sich vieles.

Offline gammi

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #199 am: 21.10.16, 14:04 »
Kirchweihsonntag gibt es zwar bei uns auch. Aber der wird nur mit einem Gottesdienst gefeiert.

Dafür wird bei und das Kirchenpatrozinium gefeiert. Das heißt am Sonntag nach dem Namenstag des Kirchenheiligen wird ein Fest mit feierlichem Gottesdienst, Frühschoppen, Mittagstisch und Kaffee und Kuchen gefeiert.


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Offline Anneke

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #200 am: 21.10.16, 14:17 »
@frankenpower, du gabst die "Erlaubnis" zu berichtigen ;D

Der offizielle Kirchweihsonntag in katholischen Gegenden ist immer der 3. Sonntag im Oktober. Früher hatten alle Wirtschaften volles Haus hier im Dorf am Sonntag und vor allem am Kirchweihmontag (früher regelrechter Feiertag), am Dorfplatz gab es Schießbuden, Karussell etc. 
Bis vor ein paar Jahren gab es hier im Ort 3 Wirtschaften, die dann im Lauf der Jahre dazu übergegangen waren, ihre jeweilige Hauskirchweih an 3 verschiedenen Oktobersonntagen abzuhalten.

Als Familienfeste wurden jedoch hier in dieser Gegend immer die Patroziniumsfeste gefeiert, d.h. jede Kirche ist ja einem bestimmten Heiligen geweiht/gewidmet, z.B. Vitus, Martin, Peter und Paul, Jakob usw. Viele kath. Kirchen feiern ihr Patrozinium z.B. auch an Maria Himmelfahrt (15. August), so auch in meiner Ursprungspfarrgemeinde. Früher wurde da in manchen Familien die ganze Verwandtschaft eingeladen z.T. schon zum Mittagessen, sicher aber zu Kaffee und Kuchen, obwohl es früher eher Küchle gab. Mein Vater hat derlei schnell abgeschafft ;D, da ging die Arbeit immer vor, sehr oft stand sowieso Dreschen (Weizen) an.

Nachtrag: Gammi, du warst schneller ;D, ich lass aber meine Erklärung trotzdem stehen ;D



Zuviel nachdenken ist wie schaukeln, man ist zwar beschäftigt, kommt aber keinen Schritt weiter

Offline pauline971

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #201 am: 28.05.23, 07:44 »
Beim Durchlesen ist mir aufgefallen ich muss noch Birkenzweige für die Kanne vor der Haustür holen.
Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten

Offline Mastreh

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #202 am: 28.05.23, 08:09 »
Pauline warum Birkenzweige?

Offline Annette

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #203 am: 28.05.23, 09:26 »
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pfingstbaumpflanzen

Hier bei uns in der Gegend schlagen die jungen Männer (Junggesellen von frisch konfirmiert bis 30) die Birken samstags und bringen sie den unverheirateten Mädels (gleiche Altersklasse) mit einem Ständchen. Das Mädel gibt einen Schnaps, Bier oder so aus und dann ziehen die Jungs weiter.

Dieses Jahr ist es das erste Mal seit 16 Jahren, dass wir keinen Pfingstbaum bekommen haben. Unsere Kinder sind "zu alt"  ;D



https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pfingstbrauchtum
Zitat
Weltliches Pfingstbrauchtum

Bei vielen weltlichen Bräuchen geht es um die Beschwörung des Wachstums und der Fruchtbarkeit von Feldern und Weiden.[1] Dazu gehört beispielsweise das Aufstellen von Pfingstbäumen, die denselben Hintergrund haben wie die Maibäume.

LG und schöne Pfingsten
Annette




Lieber auf neuen Wegen stolpern, als in alten Bahnen auf der Stelle treten. (H.Hesse)

Offline Marina

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #204 am: 28.05.23, 10:22 »
So ähnlich ist/war der Brauch hier auch. Nur dass die Birken heimlich nachts aufgestellt wurden und
die Mädchen konnten nur ahnen, von wem sie waren. Zumindest war es so als ich ich jung war  8)

Heute sieht man es in unserem Ort nicht mehr. Der ist aber auch mittlerweile zu groß geworden.

Offline martina

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #205 am: 28.05.23, 11:50 »
So ähnlich ist/war der Brauch hier auch. Nur dass die Birken heimlich nachts aufgestellt wurden und
die Mädchen konnten nur ahnen, von wem sie waren. Zumindest war es so als ich ich jung war  8)
 

So war es hier auch. Die Mädchen mit Verehrer bekamen Birken, für die anderen gab es Kalk auf den Gehweg am Haus. Wobei das Birkengrünbringen schon zu meiner Zeit als "unerheblich und überflüssig" eingestuft wurde von den Jungs. Da gab es Kalk für alle.
Mich hat es auch erwischt nach der Konfirmation.

Mein Bruder (mein Vorgänger als Küster) kam vom 7-Uhr-Läuten (Zeitschaltuhr fürs Läutwerk hatten wir noch nicht) und schmiss mich aus dem Bett, ich müsse die Strasse sauber machen. Man wundert sich, was Pfingstsonntags früh um Viertel nach Sieben schon für ein Autoverkehr in so einem Dorf aufkam. Und die Nachbarin von schräg gegenüber auf der anderen Kreuzungsseit schräkelte sirenengleich: "Ach Martina, hast Du Kalk bekommen?"

Nein! Ich bin vergnügungssüchtig, warum sollte ich sonst Sonntags früh die Strasse sauber machen ::)

Offline LunaR

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #206 am: 28.05.23, 12:30 »
Hier war es früher wohl auch üblich, Birkenzweige zu verteilen. Gekalkt wurde auch. Soweit ich weiß, besonders gern bei heimlichen Liebespaaren wurde eine dicke Kalklinie vom Haus des Jungen zum Haus des Mädchens gekalkt. Das nannte man witschen. Auf Hochdeutsch weißen.

Früher bedeutet hierbei zu einer Zeit noch bevor ich ins passende Alter kam. Zu meiner Zeit fuhren am Vortag vor Pfingsten die Bauern mit Wagen voll geschlagenen Birkenzweigen durchs Dorf und warfen davon immer einige vor jedem Haus ab. Die wurden dann am Zaun festgebunden. Sah schön aus. Aber auch das gibt es schon ganz lange nicht mehr.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


Verschwendete Zeit ist Dasein.
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Offline zwagge

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #207 am: 28.05.23, 13:22 »
Bei uns s gibt's an Pfingsten das Gegenstück zum Stefanischnqpseln und Oakarren....
Heute geht die Mädels zu den Jungs undbekommen neben Schnaps noch Rosen/Pfingstrosen.

Mir graut schon, wenn die Jüngste heute Abend heimkommt
Ganz liebe Grüße
Birgit

Offline frankenpower41

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #208 am: 28.05.23, 14:28 »
Beim Durchlesen ist mir aufgefallen ich muss noch Birkenzweige für die Kanne vor der Haustür holen.

stimmt, das war bei uns daheim auch üblich. Meist aber kleiner Baum.
..und von Verehrer bekam ich mal Birke "gesteckt".  Allerdings war mein Zimmer unterm Dach, das stand dann nur unten.
..gab es auch dass man Besen bekam, zumindest erzählte meine Oma immer davon, dass das die bekamen die jemanden abblitzen haben lassen der sich geärgert hatte drüber.
Ich glaub inzwischen ist das ganz ausgestorben.

Offline Tilly

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Re: Alte Brauchtümer und Traditionen
« Antwort #209 am: 28.05.23, 16:28 »
Bei uns war das "Bäumchen stecken" am 1.Mai üblich.

An Pfingsten gabs für uns Kinder von Paten/Patin einen
Pfingstwecken, der wurde eigens dafür beim Bäcker bestellt,
in die Mitte wurde ein Geldstück gesteckt.
Das war schwarzwälder Tradition und wir Kinder hatten unsere
Freude daran.
Viele Grüße

Tilly