Autor Thema: Reisebericht Sardinen  (Gelesen 6239 mal)

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Reisebericht Sardinen
« am: 29.03.20, 13:34 »
Sardinien

der rechte Fußabdruck Gottes!


 
Als Gott die Erde erschuf, hatte er noch ein paar große Steine übrig, die er als einen Haufen ins Meer vor Italien schüttete. Das sah ganz ordentlich aus, aber leben konnte man da nicht. Also suchte er von überall auf der Welt, die er schon geschaffen hatte, Sand, Erde und Pflanzen zusammen und schüttete das Gemisch über den Steinhaufen. Das war schon besser, aber leben konnte man da immer noch nicht, weil die Berge zu hoch waren. Also hat Gott seinen rechten Fuß auf die Steine gesetzt und den Haufen etwas plattgetreten und nun konnte man auf der neuen Insel auch leben.

Klingt doch viel schöner als "die Wasserstände des Mittelmeeres schwankten..."

Fakt it, dass Sardienien uralt ist und schon 6000 v. Chr. besiedelt war.

Heute hat Sardinien auf 24000 qkm 1,64 Millionen Einwohner und ungefähr 6 mal so viele Schafe (Angabe ohne Gewähr ;) )


Solche Herden findet man überall, denn viele Schafherden werden noch richtig gehütet und wenn man nicht aufpasst, steht man als Auto- oder Reisebusfahrer mitten in der Herde. Schafe und Fahrer kennen das schon und die Strassen werden recht zügig geräumt, die Hütehunde verstehen ihre Arbeit.
Wichtig ist, dass in jeder Herde auch mehrere schwarze Schafe mitlaufen, denn diese halten das Böse von der Herde ab.

Ausserdem ist Sardinien steinreich - im wahrsten Sinne des Wortes.




Und weil die Steine nun mal da sind, baut man keine Zäune, sondern Steinwälle um seine Felder einzugrenzen. Oder man läßt einfach große Steinhaufen mitten im Gründland liegen, die Schafe fressen dann halt drumherum. Warum sich mehr Arbeit machen, als unbedingt nötig ;)

« Letzte Änderung: 29.03.20, 14:29 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #1 am: 29.03.20, 14:11 »
Artischockenanbau

Eigentlich wollten wir eine Käserei besuchen. Aber die wollte wegen der drohenden Coronagefahr keine Gästegruppen mehr betreuen. Somit haben wir uns mit dem Artischockenanbau befasst. Wie man Käse macht, wissen wir eigentlich auch schon, aber Artischocken? Kennt man von der Tiefkühlpizza, aber sonst?

Die Artischockenfarm (Genossenschaft) baut 80 ha Artischocken an, dazu Melonen, Grünspargel, Tomaten und anderes Gemüse. Beim Grünspargel experimentiert man noch, welchen Sorten am besten passen können. Er kann mit eigenem Brunnenwasser bewässert werden, der Brunnen ist allerdings 140 m tief.
Im Winter wird zusätzlich zur Artischocke auch Blumenkohl angebaut.

Zurück zur Artischocke:

Die Pflanze gehört zu den Distelgewächsen. Es gibt 7 verschiedene Typen für die großen Regionen Italiens, jede Region mag die Artischocke anders.


Die Genossenschaft zieht die Pflanzen selber in vitro und im Gewächshaus, so kann sie den angeschlossenen Farmer immer gleichbleibende Pflanzqualitäten liefern. Die Gesellschaft arbeitet konventionell. Die Pflanze an sich ist mehrjährig im Garten kultivierbar, Profis nutzen sie einjährig und pflanzen jedes Jahr neu, sie ist selbstverträglich. Die Fruchtfolge der Gesellschaft ist Artischocke, Artischocke, Getreide, Artischocke. Die Pflanzen sind frostempfindlich.
Geerntet wird von Mitte Oktober bis Ende April, je nach Sorte. Die toskanische ist in der ganzen Zeit zu Ernten, die sardische und römische Artischocke ab Dezember. Die besten Exemplare sind kleine Blüten mit geschlossenen Blättern, die Ernte erfolgt von Hand mit 30 AK.

Auf dem Hof werden die Blüten maschinell (Eigenkonstruktion) entblattet und nach Größe vorsortiert. Die Blätter werden als Viehfutter verbraucht.


Die Römische Artischockenblüte ist eher groß und hat rundliche Blätter, die sardische Blüte ist kleiner mit spitzen Blättern. Der Stengel der Blüten kann mitgekocht werden (Geheimtipp unserer Reiseleiterin).

Rezept von Angela
Bratwurstbrät frisch anbraten (Hackfleisch geht auch) mit Zwiebeln und Knob.
----
1 Blüte pro Person putzen und in Stücke schneiden, zum Fleisch geben und 15 Minuten köcheln lassen

Pasta dazu servieren.












Die Gewinnspanne der Artischocke ist niedrig und wird mit den anderen Produkten der Gesellschaft ausgeglichen. Im März kostet eine Blüte 0,40 €, im Dezember 1,15 €.

Die Genossenschaft besteht aus 40 Mitgliedern, die auf 500 ha neben den Artischocken diverse andere Gemüse anbauen, die z.T. in der eigenen Fabrik auch zu Konserven verarbeitet werden. Der größte Gesellschafter bewirtschaftet 22 ha. Die Gesellschaft leistet sich eigene Anbauberater, die die Mitgliedern beraten, was wann wo angebaut werden soll.

Pepperoni, Paprika, Auberginen werden im Gewächshaus angebaut. Im Freiland wachsen Blumenkohl, Fenchel, Erdbeeren, je 3 Sorten Honig und Wassermelone mit unterschiedlichen Erntezeiten. Die Melonen werden jetzt im März in Folge gepflanzt, erste Ernte dann im Juni. Pro Woche kann man so 3-4 ha Melonen ernten.

Die Gesellschaft wurde 1986 gegründet.
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #2 am: 29.03.20, 14:24 »
Sardinien hat 1800 km Küste, davon viele Sandstrände.





Der Sand an diesem Strand war grobkörnig wie Rundkornreis, aber ganz weiche Körner, nicht scharfkantig.





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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #3 am: 29.03.20, 14:25 »
Fischrogenverkostung in Cabras

Es gibt Kaviar von der Meeräsche und vom Thunfisch. Beides Fischsorten, die in den sardischen Lagunen leben. Die Fische wurden nach dem Fang in Hütten zum Trocknen aufgehängt, der Mistralwind trocknet sie aus.

Der getrocknete Rogen wird dann als Pulver verkauft und gilt als Delikatesse.




Eine Meeräsche mit 5 kg Gewicht kann bis zu 1 kg Rogen liefern.

 


100 g Pulver kosten je nach Art 18 bis 25 Euro.
« Letzte Änderung: 29.03.20, 23:48 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #4 am: 29.03.20, 14:25 »
Museumsbesuch Cabras

Die einmaligen Steinfiguren von Cabras wurden zufällig von einem Bauern beim Ackern gefunden.

Die Nuraghen-Kultur stellte Bronzefiguren her, die kleine Abbilder der großen Steinfiguren waren. So konnte man die 3000 Jahre alten Steinfiguren recht genau rekonstruieren.

Es gibt 6 Schützen, 4 Krieger und 16 Boxer.












« Letzte Änderung: 29.03.20, 15:00 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #5 am: 29.03.20, 14:25 »
Die Nuraghenkultur ist eine Wasserglaubenkultur, die von ca 1800 - 500 v.Chr. lebte. 900 v Chr. kamen die Phönizier dazu, man tolerierte sich aber.

Das Nuraghenvolk war ein Seefahrervolk, welches es bis nach Ägypten geschafft hat. Pharao Ramses II spricht von den Kriegern mit den großen Hörnern.

Gewohnt hat das Volk in den Nuraghenbauten, von denen es bis zu 7000 auf der Insel gibt, die noch lange nicht alle ausgegraben und archäologisch verarbeitet wurden.







So ein Nuragenbau besteht aus einem kegelförmigen Turm im Turm, es wurde in mehreren Etagen übereinander gebaut, immer mit runder Kuppel von unten und einem umlaufenden Treppenaufgang. Um den Hauptturm herum liegen kleinere Türme angeordnet und Innenhöfe, auch Brunnen waren vorhanden.

Eingang


Innenhof 


Brunnen


Gang nach Innen, nichts für Leute mit Platzangst


« Letzte Änderung: 29.03.20, 15:29 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #6 am: 29.03.20, 14:25 »
Nuraghen 2

Treppenaufgang


Kuppel innen ja, die Bildqualität ist bescheiden, ich weiß


Innen, oben ein Fenster in den umlaufenen Treppengang, damit alles gut belüftet werden konnte.





Plattform oben, Durchmesser 2 -3m? ???



Aussicht



Nuraghen sind so angelegt, dass sie immer in Sichtweite eine weitere haben, so dass man mittels Lichtzeiten Nachrichten versenden konnte.
« Letzte Änderung: 29.03.20, 15:37 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #7 am: 29.03.20, 14:26 »
Museumsbesuch Handarbeiten

Auf Sardinien findet man viele gute Handarbeiten. Es ist bekannt für seine Musterwebstoffe und Knötchenwebereien. Im Museum in Nuoro dreht sich alles um die sardische Kultur und das Leben früher.

Ein alter traditioneller Hochwebstuhl, man hat hochkant gewebt, die vertikalen Webstühle kamen erst später


Verschiedene Wandteppiche und Sitztruhenauflagen





Totenteppich, in den man die Toten zum Bestatten eingewickelt hat.


Die Fadenführung


Die Knötchenweberei ist etwas ganz spezielles. Der Schußfaden wird mit einer speziellen Nadel hochgehoben, so dass sich beim Weben eine Schlaufe bildet. Dadurch werden die Muster dreidimensional und ganz plastisch.


« Letzte Änderung: 29.03.20, 15:49 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #8 am: 29.03.20, 14:27 »
Museumsbesuch Nuoro: Trachten

Jedes Dorf auf Sardinien hat seine eigene Tracht.



Je bunter und goldener sie gestaltet ist, desto reicher ist das Dorf. Ledige Frauen tragen helle Kopftücher.
Die Röcke der Frauen sind plissiert (in ganz kleine Falten) , dadurch sind sie in der Weite verstellbar. Für einen Frauenrock braucht man bis zu 7 m Stoff.







Das Mieder der Frauen ist so geschnitten, dass die Brust hochgeschnürt und gut präsentiert wird. Eine volle Brust gilt als Fruchtbarkeitssymbol.



Ebenfalls ein Fruchtbarkeitssymbol sind die Knöpfe für Männer und Frauen, die Brustwarzen nachempfunden sind.
« Letzte Änderung: 29.03.20, 16:00 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #9 am: 29.03.20, 14:46 »
Wehrtrum bei Tharros



Tharros ist das Pompeji von Sardinien, kann man sagen. Das Ruinenfeld haben wir uns erspart zu besichtigen, man sieht nur Mauerreste, die man von oben vom Wehrturm aus besser erkennen kann, als wenn man unten drin herumstiefelt. Ich hab mir aber auch den Aufstieg zum Turm erspart und mich lieber in die Sonne gesetzt ;)


Chiesa San Giovanni

Das Kirchlein wurde 600 v. Chrs. erbaut und später christianisiert.





Taufbecken mit eingearbeitetem Fisch



Der Dorfplatz von Tharros wurde schon oft als Filmkulisse genutzt, erzählte uns die Angela. Nun ja, setzt einen Schauspieler in Poncho und mit Sombrero vor so eine Wand und schon seid Ihr drin im Italo-Western, oder?
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #10 am: 29.03.20, 16:13 »
Orgosolo ist die Hauptstadt der "Banditen"

Es hat ca 5000 Einwohner und ist bekannt für seine Fassadenmalereien, die meistens politische Themen haben. Angelegt wurden sie ab 1962 durch einen einheimischen Künstler als Protest gegen das Vorhaben der NATO, bei Orgosolo einen Truppenübungsplatz zu installieren. So ein Spaziergang durch Orsolo ist wirklich kurzweilig, weil es an jeder Ecke was zu entdecken gibt.

"Ein Kind braucht als Werkzeug nur Bleistift und Radiergummi!" gegen Kinderarbeit


Noch ein Krieg - Nein Danke!



Frauen vor dem Haus = "Alte Weisheiten"


 
Leider ging es so schnell, dass ich nicht fotografieren und gleichzeitig die Erklärungen aufschreiben konnte. Deshalb noch ein paar ohne Erklärungen






 
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #11 am: 29.03.20, 16:25 »
...














Das ist die Rathaustür - mit Einschusslöchern, schließlich befinden wir uns in der Hochburg der Banditen. Darf man heute nicht laut sagen, wird nicht wirklich gern gehört.

Aber das Hinterland war immer eine Region für sich, in dem die Hirten regierten und die hatten ihren eigenen Ehrenkodex. Und waren u.a. bekannt für ihre Entführungen.

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #12 am: 29.03.20, 16:54 »
Wir sind also im Hinterland oben in den Bergen, wo die Hirten und Banditen leben.

Die Hirten waren halt immer arm und hatten so ihren eigenen Ehrenkodex und man scherte sich nicht wirklich um Recht und Gesetz.
Viehdiebstahl war erlaubt, aber erst 7 Dörfer weiter und dann nur so viel, wie man auch tatsächlich brauchte. Wenn man Geld brauchte, entführte man einen reichen Bürger oder dessen Familienmitglieder, um Lösegeld zu erpressen. Zahlten die erpressten Familien nicht schnell genug, bekam man schon mal ein Ohr oder einen Finger des Opfers zugeschickt. Da waren die Entführer nicht zimperlich. Eine sehr bekannte Entführung war die der Kinder von Dieter Kronzucker, einige werden sich erinnern.

Seit gut 20 Jahren sind Entführungen aber sehr sehr selten geworden. Die Polizei ist einfach zu gut geworden. Die letzte große Entführung war vor 10 Jahren, als ein Großgrundbesitzer 9 Monate festgehalten wurde für ein Lösegeld von 300 000 Euro.

Ließ ein Sarde seine Verlobte sitzen, übte ihre Familie Blutrache aus.

Wie das Leben als einfacher Viehhirte aussah, davon berichtet Gavino Ledda in seiner Autobiografie "Padro Patrone", auch auf deutsch erschienen.


Bis vor 2 Jahren hielten die Hirten ihre Schweine noch freilaufend in den Bergen, seit der Schweinepest ist das aber nicht mehr erlaubt und die Wildschweine wurden strengstens bejagt. Bis vor 2 Jahren sah man die Wildschweine auch tagsüber. Wenn man im Sommer ein traditionelles Hirtenessen im Freien am Grillplatz im Wald besuchte, dann konnte es schon vorkommen, dass die Sauen auf Besuch kamen.

Schafe werden im Wald gemolken, manche Hirtenfamilien käsen noch selber, viele geben die Milch inzwischen aber in eine Käserei.

Aber nun zu unserem traditionellen Hirtenessen. Da es Winter ist, wurden wir in eine zum Gastraum umfunktionierte Scheune eingeladen, nicht ins Freie ans Lagerfeuer. War trotzdem eindrucksvoll und lecker. Zu allen Gängen gibt es einen trockenen einfachen Rotwein aus der schönen Terracottakanne


1. Gang: Brot, Schinken, Käse, Salami


2. Gang: gekochter Hammel mit Kartoffeln und Zwiebeln


3. Gang: dünnes Fladenbrot mit Spanferkel.
Das Ferkel wird aufgeschnitten und plattgedrückt auf dem Spieß stehend am offenen Feuer gegrillt, nur gesalzen, nicht weiter gewürzt. Das dauert ca. 4 Std., gegen das Austrocknen des Fleisches wird Schwarte geschmolzen und drübergestrichen. Besonders gut wird das Fleisch, wenn zum Feuern Wachholderholz genommen wird.




4. Gang: Pecorino ohne Foto

5. Apfelsine und Keks aus Mürbeteig gefüllt mit Mandeln, Honig und Orangeat, mit Zuckerguß überzogen


und zuguterletzt einen Grappa, der es in sich hatte, auch Eisendraht genannt wurde und den man nach der Völlerei auch brauchte.


Auf Sardinien gibt es keine Wölfe, aber Füchse als größte Raubtiere. Essbares Wild sind Mufflons, Rehe, Hirsche, wilde Ziegen, Wildschweine und Landschildkröten.

Im Winter darf man Donnerstags und Sonntags nicht in den Wäldern wandern gehen. Auch und gerade nicht als Tourist! Diese Tage sind als Jagdtage festgelegt und dann sind die Jäger los.
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #13 am: 29.03.20, 17:07 »
Wir fahren nach Timura, auch hier gibt es wieder schöne Wandmalereien an den Fassaden zu sehen.

Dieses Mal sind es Szenen aus dem Leben in den sardischen Dörfern.

Traditionelle Reiterspiele


Traditionelle Karnevalsmasken mit denen der Winter ausgetrieben werden soll






« Letzte Änderung: 29.03.20, 17:10 von martina »
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Offline Christina

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #14 am: 29.03.20, 17:18 »
Liebe Martina,
Ganz toller, interessanter Bericht und Bilder.
Habe ihn mit wachsender Begeisterung gelesen :)
Viele lieben Dank dafür.
viele Grüße

Christina