Autor Thema: Genitalverstümmelung  (Gelesen 15674 mal)

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Offline Beate MahrTopic starter

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Genitalverstümmelung
« am: 09.02.09, 11:12 »
Hallo

ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Genitalverstümmelung  >:(

Am 25. November ist der internationale Gedenktag "NEIN zu Gewalt an Frauen!"
da ist bei uns - wie jedes Jahr - eine Fahnen Aktion ...
u.a. wurde eine ausgezeichnete Projektarbeit zum Thema Genitalverstümmelung präsentiert
weil TERRE DES FEMMES den Gedenktag unter dieses Thema gestellt hat

Seit 2003 ist der 6. Februar der internationale Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung!"
vielleicht habt ihr die Kampagne KEIN SCHNITT INS LEBEN! im TV gesehen
falls nicht - hier der Clip - klickt einfach in die Schere

Ich weiß definitiv, dass sogar in Deutschland Mädchen beschnitten werden
mir ist klar, dass versucht wird die Mädchen zu schützen
wo Bedenken bestehen zu Recht - lieber einmal zuviel als einmal zuwenig
aber das was sich da ein Jugendamt und ein Amtsgericht erlaubt hat
schadet der ganzen Aufklärungsarbeit mehr als dass es Mädchen schützt

ML MONA LISA gestern Abend

Verdacht auf Genitalverstümmelung Amtsgericht verbietet Ausreise nach Äthiopien

Ein zehnjähriges Mädchen aus Deutschland
darf ihre Großeltern in Äthiopien nicht besuchen,
weil es das Amtsgericht verbietet.
Der Verdacht: Das Mädchen soll dort beschnitten werden.
Dabei können die Eltern und auch die Verwandten in Äthiopien
glaubhaft belegen, dass sie die genitale Verstümmelung ablehnen.


****
Dass die Familie aus Schopfheim, übrigens alles Christen,
überhaupt unter Verdacht geraten ist,
soll auch auf eine Initiative zurückzuführen sein:
Ines Laufer kämpft ehrenamtlich mit ihrer "Task Force" gegen Genitalverstümmelung.


****
Wir möchten mit Ines Laufer über ihre Motive sprechen.
Sie gibt uns zunächst ein Interview, verbietet uns dann aber die Ausstrahlung.
Stattdessen finden wir auf der Website ihrer "Task Force" ihre Forderung
"ein generelles Verbot durchzusetzen, minderjährige Mädchen
aus der Risikogruppe in ihre Heimatländer zu verbringen."
Und dazu zählt Äthiopien, das Herkunftsland von Jacob und Anna H.

Sie selbst war zwar noch nie dort, aber,
so wird Ines Laufer in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zitiert:
"Man muss auch kein KZ von innen gesehen haben,
um zu begreifen, was da passiert ist."


Ich bin einfach nur entsetzt ... mit solchen Aktionen hilft man niemand
schon gar nicht den Mädchen.

Traurige Grüße
Beate



Entscheidend ist nicht, ob man kritisiert wird;
entscheidend ist, ob die Kritiker die Mehrheit bilden.

© Ernst R. Hauschka

brit

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #1 am: 09.02.09, 17:24 »
Hab das Buch auch gelesen, und es ist einfach grauenhaft, was die Mädchen mitmachen müssen, und später lebenslang darunter leiden. Ganz zu schweigen von den medizinischen Problemen.
Also ich bin dafür, die Mädchen im Zweifelsfall zu schützen. Kommt  anscheinend  immer mal vor, dass  Eltern dagegen sind, aber die lieben Verwandten das dann arrangieren?? Ob das dann eine Notlüge ist (weil man schon weiss dass das hier illegal ist), oder ob die Grosseltern wirklich die Macht haben, gegen den Willen der Eltern zu entscheiden??  Ich denke beides stimmt.
Das Problem ist, die Mädchen sind *nichts*, und den Familien ausgeliefert.

 Offiziell wirds geleugnet, und inoffiziell munter gemacht . Mit normalen Mitteln kommst nicht dagegen an. Darum sind die Beteuerungen  der Familien leider oft nichts Wert.
Gibt Projekte, die bei den Frauen die die Prozedur ausführen ansetzen, und versuchen ihnen andere Einkommensnmöglichkeiten zu erschliessen. Aber das Ganze geht langsam,
Und jedes Mädchen , das es trifft, ist eines zuviel.

Sally1966

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #2 am: 09.02.09, 19:01 »
Das finde ich schön, daß das Thema hier steht.

Vor 3 Wochen war ich bei einem Multimediavortrag von Rüdiger Nehberg. Rüdiger Nehberg ist vielen nur als der "Verrückte" bekannt, der den Begriff Servival nach Deutschland gebracht hat. Er hat viele spektakuläre Abenteuerreisen unternommen, die ihm oft auch fast das Leben gekostet hätten.

Vor einigen Jahre hat er aber auch bahnbrechendes für die Janonamiindianer in Brasilien erreicht.

Seit einigen Jahren nun aber kümmert er sich verstärkt gegen die Verstümmelung der Mädchen in vielen Ländern. Dazu hat er die Organisation TARGET ins Leben gerufen und auch hier schon sehr viel erreicht. Mit "Der Karavane der Hoffnung" hat er vielen Wüstenvölkern die Nachricht überbracht, daß die Genitalverstümmelung mittlerweile nicht mehr den Segen des Islam hat und verboten ist.

Es war ein unglaublich spannender Abend mit Rüdiger Nehberg, man konnte ihn persönlich kennenlernen, so konnte ich auch ein paar Worte mit ihm wechseln. Nach seinem Vortrag war ich so berührt, daß ich ihm von ganzen Herzen einmal die Hand drücken mußte. Er war ebenfalls sehr berührt von all seinen Zuhöreren, die ihm Standing Ovations gaben.

Wer sich ein wenig für diesen Mann und sein Lebenswerk interessiert googlet einfach die Homepage von Rüdiger Nehberg. Dort findet man auch den Link zu TARGET.

Der Mann ist nun schon 78 Jahre alt. Aber er war keinen Tag älter als vielleicht Anfang 50. Unglaublich. Ich bin froh, daß ich die Möglichkeit hatte, ihn einmal erleben zu dürfen.

Schade, daß er den meisten nur als "der, der die Würmer und Käfer ißt" bekannt ist.

(Der Vortrag war auf einer Reisemesse im Estrelhotel hier in Berlin)

Sally1966

  • Gast
Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #3 am: 09.02.09, 19:13 »
Sorry für die vielen Rechtsschreibfehler, ich habe sehr schnell geschrieben und gar nicht mehr Korrektur gelesen.

Übrigens hat Rüdiger Nehberg an diesem Abend wunderbare Dias von seinen Reisen gezeigt, es war ein Querschnitt durch sein Leben. Für TARGET und den Weg den er dort zurückgelegt hat, um so viel zu erreichen, hat er sich natürlich viel Zeit genommen.

Seine Frau war auch Zeuge, wie Mädchen verstümmelt worden sind, sie hat alles dokumentiert, gefilmt und war am Rande der Ohnmacht. Aber um überhaupt etwas erreichen zu können, brauchten sie Bildmaterial um die grauenhaften Vorgänge beweisen zu können. Und das haben sie ja damit geschafft. Die höchsten des Islams haben sie aufgesucht, schlußendlich gab es eine Konferenz der vielen Wüstenvölker und deren islamischen Oberhaupte - bei der beschlossen worden ist, daß die Genitalverstümmelung unter Strafe gestellt und verboten ist.

An dem Abend hat er keine blutigen Bilder gezeigt. Er sagte, daß diese Bilder auf  der riesigen Leinwand unerträglich wären. Was gezeigt wurde, war ein kleines Mädchen, vielleicht 3 jahre alt, dem die Beine, Oberschenkel, Unterschenkel usw. zugebunden worden waren "danach". Ich mußte mich abwenden und mir wurde sehr schlecht. Eine Frau im Raum wurde sogar ohnmächtig.

Wer "Beweisfotos" sehen wollte, konnte sich nach dem Vortrag Bilder in einer gesonderten Mappe anschauen. Ich wäre nicht in der Lage dazu gewesen. 

olympe

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #4 am: 10.02.09, 12:14 »

Rüdiger Nehberg hat - schon vor dem ML-MonaLisa-Beitrag eine Stellungnahme zu der Berichterstattung in diesem "Fall" abgegeben - die für den MonaLisa-Beitrag ebenso gültig sein dürfte. Schließlich hat ML 1:1 die Falsch-Darstellungen der Süddeutschen Zeitung übernommen. Hier nachzulesen:

http://www.target-human-rights.com/HP-00_aktuelles/index.php?p=sn06022009

...Und ja - Frau Mahr, auch Sie sind voll drauf reingefallen! Empören sich, da Sie die Wahrheit in diesem FALL nicht kennen, denn die Fakten werden Ihnen vorenthalten! Was hätten Sie denn gesagt, wenn die Schlagzeile anders lauten würde, nämlich: Jugendamt lässt trotz Kenntnis der Gefährdungssituation ein Kind nach Äthiopien verbringen - wo es verstümmelt wurde??...Wo bleibt denn Ihre Empörung, da Sie definitiv wissen, dass Mädchen in Deutschland genital verstümmelt werden? Glauben Sie wirklich, mit einer "Fahnenaktion" ist diesem Problem beizukommen? Träumen Sie bitte weiter - oder wachen Sie auf und haben Sie dem Mut, dieser Problematik auf den Grund zu gehen! Ihre Meinung dürfte dann anders aussehen...

Offline martina

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #5 am: 10.02.09, 12:24 »
Hallo Olympe,

wie wäre es mit einer kleinen persönlichen Vorstellung Ihrerseits? Wir wissen gern, mit wem wir es zu tun haben ;)
Lasst uns miteinander reden - wir freuen uns auf Beiträge.
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Offline Beate MahrTopic starter

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #6 am: 10.02.09, 14:24 »
@ Olympe

Da gestern Vollmond war ...
mache ich unter ihr Stänkerposting ... einen dicken Haken ! ! !

------------------------------------------


Hallo


Bei diesen brisanten Thema erreicht man durch aggressive Aktion
eher das Gegenteil - nämlich,
dass Hilfesuchende sich nicht trauen sich Hilfe zu suchen.

Ist das gleiche beim Ehrenmord ! ! ! bei häuslicher Gewalt ! ! ! usw.

Was spricht gegen die Fahnenaktion ???
NICHTS außer, dass wir Themen öffentlich machen.

Ich bin mir sicher, dass dieses << öffentlich machen >>
mehr bringt als Hetzkampagnen und an den Pranger stellen

Es gibt doch tatsächlich Frauenbewegungen die im * Untergrund *
ein Netzwerk für Betroffene stricken - wo Adressen weiter gegeben werden
die zum Schutz der Mädchen und Frauen nicht bekannt werden dürfen.
Z.B. von Frauenhäusern
Frauengruppen die mit * Fachfrauen * bei der Kripo
und/oder Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten
um bei einem Verdacht gezielt eingreifen zukönnen.

Die Aufklärunsarbeit die Faduma Korn leistet ist bewundernswert

Im Kampf gegen die Genitalverstümmelung setzt Faduma Korn besonders
auf Aufklärung der betroffenen Familien.
Jetzt fürchtet sie, könnte ihre Überzeugungsarbeit
durch den Fall aus Schopfheim schweren Schaden nehmen.
"Auf einmal haben alle Angst, dass das Familiengericht kommt,
wenn sie mit Kindern nach Afrika reisen. Das baden wir jetzt aus."
Und das könnte den Mädchen schaden,
die wirklich geschützt werden müssen vor der gewaltsamen Verstümmelung.

aus dem ML Beitrag

Eine Arbeit die durch solche Aktionen gefährdet ist.

Liebe Grüße
Beate

die weiter bereit ist im Untergrund Netzwerke zu stricken



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© Ernst R. Hauschka

brit

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #7 am: 10.02.09, 22:35 »
Das seh ich jetzt nicht so.
 vom Alter des Mädchens fällt das unter Offizialdelikt?? Und da ist der Staat verpflichtet bei einem Anhaltspunkt  zu ermitteln.
Das ist  absolut wichtig , und stellt einen wichtigen Punkt dar in hiesigen  Rechtssystemen, und darunter fallen hoffentlich selbstverständlich alle Kinder egal welcher Ethnie.

Und wenn ich den Bericht des ML beitrags lese , fällt einfach auf, das zu keiner Kontrolle eingewilligt wird , was den Schluss zulässt, das eine gewisse Gefahr für das Mädchen besteht ???





Offline Mirjam

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #8 am: 11.02.09, 13:53 »
Zumindest Kinder/Frauenärzten müsste das doch auffallen - oder gilt die Schweigepflicht hier ausserhalb von Kindsmisshandlung ???

Ich hab mir mal einen stundenlangen Fernsehbericht dazu angesehen - incl. gefilmter Beschneidung von mehreren Mädchen. Danach kann man kaum schlafen...

Entsetzt war ich - das die Beschneidungsinniative v.a. von FRAUEN! ausgegangen ist, das v.a. die älterne Frauen hier über die Dörfer ziehen und die Mädchen "briefen" sich ja beschneiden zu lassen bzw. das Tanten und v.a. die Mutter selbst ihre Tochter festhält  ::) :o :-[.

Das wichtigste sind wohl Rechtsanwälte vor Ort, ein Mädchen verklagt ob Befürchtung der Beschneidung ihre eigenen Eltern: Die Schande für das Dorf war enorm, das Entsetzen, dass gültiges Recht auch umgesetzt wird - ebenso.

Beeindruckend eine Szene wo ein bereits beschnittenes Mädchen ihre Beschneidung ihrer Mutter nur unter der Bedingung vergab: Das die eigene, jüngere Schwester verschont bleibt!

Schlimm, dass v.a. die jungen Mädchen den Mut aufbringen müssen sich selbst zu schützen, in dem sie sich gegen die Eltern, die Familie, das Dorf stellen?

Mirjam
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

olympe

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #9 am: 11.02.09, 16:42 »
@ Brit: Hinweise auf erfolgte Genitalverstümmelungen sind in der Tat Offizialdelikte, d.h. müssen bei Hinweisen ermittelt werden, ohne dass eine Anzeige erforderlich ist...In diesem ML-Mona-Lisa "Fall" geht es um reine Prävention, d.h. Verhinderung der Verstümmelung...Da musste das Jugendamt einen Antrag beim Familiengericht stellen...Sie haben übrigens Recht, wenn Sie der Meinung sind, dass die Kinder in unserem Land - unabhängig ihrer Herkunft - die gelichen Rechte haben. Deshalb unterliegen diese Mädchen auch der Schutzverpflichtung des Staates, d.h. der Staat muss die Mädchen vor dieser Gewalt schützen, bevor es zu spät ist...Die deutsche Rechtsprechung orientiert sich am Beschluss des Bundesgerichtshofes (2004), der die Entziehung des Aufenthaltsbestimmungsrechts als Maßnahme zur Abwendung einer Verstümmelungsgefahr bestätigt hat.

@ Mirjam: Es gibt tatsächlich Kinderärzte, denen eine Verstümmelung "auffällt" - aber durch die Bindung an ihre Schweigepflicht dürfen sie das nicht melden, weder dem Jugendamt noch der Polizei. Mehr noch, mir liegen mindestens vier Berichte alleine darüber vor, dass in Deutschland verstümmelte Mädchen (im Alter zwischen 2 und 10 Jahren) in deutsche Krankenhäuser eingeliefert wurden: und alle schweigen! Wussten Sie übrigens, dass Ärzte selbst schwerste Kindesmisshandlungen - nicht melden müssen, sondern lediglich dürfen? Und sie melden i.d.R. nicht...Es gibt Statistiken, dass fast jedes Kind, das in den letzten Jahren von den Eltern zu Tode misshandelt wurde, mindestens einmal einem Arzt oder einer Ärztin vorgestellt wurde ... Und wussten Sie, dass eine Ärztin, die konkrete Kenntnis hat, dass Mädchen gefährdet sind - und dies nicht meldet und somit das Leben und die Gesundheit der Kinder wissentlich aufs Spiel setzt, dafür nicht belangt werden kann? Eines bitte ich Sie zu bedenken: die Situation in Afrika unterscheidet sich von der in Deutschland in einer Sache grundlegend: Wenn in Deutschland weiterhin die Verstümmelung kleiner Mädchen geduldet und mit "Wegsehen" bedacht wird, tragen wir die direkte Verantwortung dafür. In Deutschland sind es m.E. nicht die Kinder selbst, die ihren Schutz einfordern müssen - dazu sind sie nämlich gar nicht in der Lage, oder wie soll ein 2-jähriges Kind das bewerkstelligen? - sondern es ist der deutsche Staat, der diesen Schutz garantieren muss. Tut er es nicht - so wie bisher - verletzt er die höchsten Rechte unserer Verfassung (§1 und §2 GG)...

brit

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #10 am: 12.02.09, 07:57 »
@olympe,
wär interessant zu wissen woher du soviel Hintergrundinfos hast??
Genau Verstümmelung zu verhindern muss ja Ziel sein, ich denk auch, das ist der Grund warum Aerzte nicht melden, erstens gehen Menschen mit dem Hintergrund eher zu AErzten mit ähnlichem Hintergrund?? Und Zweitens wenns schon passiert ist, nützt eine Anzeige ja auch nicht wirklich??
Und ich glaub das Thema war lange Zeit in Europa nicht bekannt. Mit der zunehmenden Emigration auch von Frauen, wird das ganze Ausmass und die Problematik erst richtig spürbar??
Und da kommt noch eine andere Dimension dazu, nämlich die Frauen müssen sich hier integrieren können, sonst ist es ihnen nicht möglich sich von der  vernetzten Macht der Familien , die bis nach Europa reicht, zu distanzieren.

olympe

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #11 am: 14.02.09, 15:08 »
@ Brit,

hallo Brit - Fragen über Fragen...Gut so...Also

1. die HintergrundInfos kommen vom Augen- und Ohren offen halten...Und vor allem: genau dort anfangen nachzufragen und nachzuhaken, wo die meisten damit aufhören...

2. Genitalverstümmelungen können eben NICHT verhindert werden, wenn die Ärzte nicht melden müssen...Die Kinder wurden und werden in deutsche Krankenhäuser eingeliefert, wo nicht nur die Ärzte sondern auch das Pflegepersonal Kenntnis erhält...Und jetzt: Alle schweigen sich aus und schauen weg, anstatt die Eltern anzuzeigen. Und weißt Du, was als nächstes kommt? Die weiteren Töchter werden auch verstümmelt. Nachvollziehbar, wieso sollten die Eltern es ernst nehmen, dass sie das "offiziell" nicht dürfen?

3. Wenn es schon "passiert ist", nützt eine Anzeige nicht wirklich? Wie meinst Du das? Meinst Du, weil es für das Kind dann eh'zu spät ist, muss man diejenigen, die dafür verantwortlich sind - und bei Genitalverstümmelungen sind es nun mal immer (!) die Eltern, bzw. die Familie - nicht bestrafen? Warum nicht? Wenn die Tatsache, dass eine Anzeige, Bestrafung von Tätern grundsätzlich "nicht wirklich nützt", wenn es "schon zu spät" ist, müssten wir unser gesamtes Strafrecht abschaffen - denn das Strafrecht greift immer(!), wenn es zu spät ist! Wenn jemand einen Menschen umgebracht hat, nützt es dem Opfer überhaupt nichts mehr, wenn der Täter verurteilt wird, denn für das Opfer ist es definitiv zu spät...Aber sollten wir deshalb die Tat ungestraft lassen? NEIN das Strafrecht ist dazu da, begangenes Unrecht zu ächten, zu sühnen - und vor allem, den Tätern Grenzen aufzuzeigen...Tut man das nicht, macht man sich zu Mittätern - und trägt eine Mit-Verantwortung, wenn die Täter es wieder tun...Bitte frag'Dich einmal, weshalb Du hier mit zweierlei Maß messen möchtest...

4. Was das ganze Ausmaß der Verstümmelungen in Europa angeht, glaube ich, dass wir weit davon entfernt sind, auch nur die Spitze des Eisberges zu erfassen...Hast Du das Buch "Schmerzenskinder" von Waris Dirie gelesen? Erstaunlicherweise führt gerade dieses Buch - im Vergleich zu ihrem ersten Werk "Wüstenblume" - ein Schattendasein. Dabei werden dort Dinge beschrieben, die sich direkt hier in Europa abspielen - und uns Momente zeigen, in denen wir hellhörig werden sollten...Ich habe das Gefühl, das will niemand WIRKLICH wissen...Für mich der größte AHA-Effekt in punkto: Ja, das gibt es bei uns auch - und zwar nicht nur in Einzelfällen, sondern massenhaft - war ein Artikel in einer holländischen Zeitung, der vor etwa 2 Jahren veröffentlicht wurde...Dort haben zwei Sozialarbeiterinnen aus Somalia, die jetzt in Holland leben und arbeiten, unabhängig voneinander berichtet, dass als "realistische Zahl, in welchem Maß somalische Mädchen in Holland verstümmelt werden, 80% angesetzt werden muss". 80 von 100 somalischen Mädchen, die vielleicht sogar in Holland geboren wurden und aufgewachsen sind, werden demnach verstümmelt...Kannst Du Dir das vorstellen? Und es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, dass das in Deutschland anders wäre...

5. Integration, Brit, muss nicht nur "gekonnt", sondern vor allem "gewollt" sein...Hast Du den Morsal-Prozess mit verfolgt, bei dem gestern der Bruder zu lebenslanger Haft verurteilt wurde? Er zeigt - um ein aktuelles Beispiel zu zeigen - dass sich die Familie gar nicht integrieren WILL, sondern an den Wertvorstellungen Afghanistans, die unseren einfach entgegenlaufen, festhält...Nein, zu Integration kann niemand gezwungen werden, ABER: wir müssen dafür sorgen, dass Gewalt, die "im Namen althergebrachter Konventionen" entweder konsequent geächtet wird (wir im "Fall" Morsal) - oder verhindert wird...Denn, es kann nicht oft genug betont werden: Alle Menschen in Deutschland haben die gleichen Rechte...Und Mädchen, deren Eltern der Meinung sind, sie hätten das Recht, sie zu verstümmeln, müssen - wenn es sein muss mit rechtlichen Mitteln - gestoppt werden...

wünsche Dir ein schönes Wochenende,
Olympe


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« Letzte Änderung: 14.02.09, 17:25 von martina »

Offline martina

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #12 am: 14.02.09, 17:35 »
Nur zur Info für alle:

Ich habe Olympe gebeten, sich selber vorzustellen. Leider haben wir noch keine Vorstellung ihrerseits hier zu lesen bekommen.

Deshalb mache ich jetzt etwas, was wir normalerweise nicht machen, aber ich finde es nur fair allen gegenüber, die hier mitdiskutieren möchten:

Olympe schreibt mit einer emailadresse von www.taskforcefgm.de
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brit

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #13 am: 15.02.09, 10:57 »
@ olympia:
es tut mir leid, aber dein Beitrag ist für mich zu einseitig.
Die Beschneidung hat einen sehr grossen kulturellen Kontext, und hat sehr viel mit dem Rollenbild der Frau und der geltenden Hierarchie , Patriarch,, der üblichen Wertvorstellung und Moral in den entsprechenden Ländern zu tun.
Darum kannste das eine nicht ohne das andere lösen.. und darum braucht das ganze auch Zeit, viel Zeit, und in der Zwischenzeit muss man damit leben, dass gewisse Dinge suboptimal laufen.
Wenn man diese Zusammenhänge ignoriert, hilft man am allerwenigsten den Betroffenen!??

 
Man hat die Familie die man hat, das gilt auch für die betrofffenen Kinder. Und eine Kultur in der die Familie ausgesprochen die Hauptrolle spielt, in der man ein Nichts ist ohne Familie,  da muss man das berücksichtigen!!
Wir bieten den Schutz vor Verstümmelung, aber kein Familienersatz ; Verlust der Identifikation ist aber ebenso schwerwiegend!!??
Was hilft es, wenn Eltern kriminalisiert werden, weil sie etwas machen, was bei ihnen zu Hause *üblich* sprich normal, sogar gefordert  ist, *nur beschnittene Frauen sind gute Frauen*?? Oftmals wissen die auch gar nicht was bei uns normal ist, weil viele gar nicht aus Subgesellschaften in unsrer Gesellschaft raus kommen, und unsere Werte derart  nicht passend sind zu ihren Werten.  Ich denk , da muss ein lösungsorientierter Ansatz her, - *Aufklärung* und *Begleitung*-, der aber Kriminalisierung ausschliesst, da Schuldzuweisungen automatisch Gegenreaktion bis hin zu totaler Abwehr auslöst.

Uebrigens Aerzte haben Verpflichtung zu Helfen, und ich denk , es ist nicht erste Aufgabe der Aerzte , Kulturen zu werten.
was nämlich dann dazu führen würde, dass Betroffene nicht mehr zum Arzt gehen würden, was vermutlich eh schon teilweise zutrifft.






« Letzte Änderung: 15.02.09, 11:01 von brit »

Offline Cendrillon

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Re: Genitalverstümmelung
« Antwort #14 am: 15.02.09, 13:09 »
Entsetzt war ich - das die Beschneidungsinniative v.a. von FRAUEN! ausgegangen ist, das v.a. die älterne Frauen hier über die Dörfer ziehen und die Mädchen "briefen" sich ja beschneiden zu lassen bzw. das Tanten und v.a. die Mutter selbst ihre Tochter festhält  ::) :o :-[.

Mirjam

hallo mirjam,
warum sogar die mütter ihre töchter festhalten für die beschneidung verstümmelung kann ich mir nur so erklären: um ein mädchen verheiraten zu können, muss es beschnitten sein. ein mann würde kein unbeschnittenes mädchen zur frau nehmen; sie könnte ihn ja betrügen ::).
solange DIESE idee noch in den männerköpfen festsitzt, wird kein mittel helfen, diese torturen zu stoppen. (ist wahrscheinlich zu vergleichen mit den verkrüppelten füssen einiger chinesinnnen(?). aber das gehört nicht hierhin)

während ich deinen beitrag gelesen habe, habe ich mir versucht das ritual mit meiner tochter vorzustellen.....da wird mir übel>:(

liebe grüsse
katrin
liebe grüsse
katrin

So schnell wie möglich,
so langsam wie nötig
Alain Berset