Bäuerinnentreff

Was es sonst noch gibt => Religion und Glauben => Thema gestartet von: gatterl am 25.01.22, 10:55

Titel: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: gatterl am 25.01.22, 10:55
Eine mutige und wichtige Bewegung.
Bin gespannt, wie die Kirche darauf reagiert.

Zitat aus der Verlinkung:

Gläubige im Dienst der katholischen Kirche in Deutschland wagen in der exklusiven ARD-Dokumentation den gemeinsamen Schritt an die Öffentlichkeit. Menschen, die sich als nicht-heterosexuell identifizieren, erzählen vom Kampf um ihre Kirche – manchmal sogar mit dem Risiko, dadurch ihre Arbeit zu verlieren.

 Wie Gott uns schuf (https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wie-gott-uns-schuf-100.html)
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Meta am 25.01.22, 11:13
ich habe den Bericht gestern abend sehr aufmerksam verfolgt.
Es , ist sehr mutig sich so zu öffnen, zumal viele Leute damit anscheinend ein Problem haben. ( siehe auch die Outings im Profifußball....)
Bemerkenswert finde ich,dass die Kirchenoberen für die anderen gewisse Maßstäbe setzen, die zu erfüllen sind.
Aber selber ????? Da gelten andere Maßstäbe, wie z.B. wenn es in der Bibel heißt:
Du sollst kein falsches Zeugnis reden ( ich hoffe ihr wißt wen oder was ich meine )
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: fanni am 25.01.22, 12:37
Ich fand es auch sehr spannend anzusehen.

Die Ereignisse überschlagen sich ja gerade und es knirscht und bröckelt im alten Gebälk der Kirche und das ist gut so. Den hundert Protagonisten gehört mein größter Respekt.

Aber auch in vielen anderen Lebenswelten wurde Druck ausgeübt.

Wie viele engagierte Christen sind den kath. Gemeinden dadurch verloren gegangen, wenn man nur daran denkt, wie mit Geschiedenen und  Wiederverheirateten hinsichtlich Kommunion, Ehrenämter und auch Arbeitsplätzen umgesprungen wurde.


Wieviele Kinder katholischer Priester und deren Mütter wurden einfach ins Abseits gedrängt..........

ich mag von Herzen Mitglied in dieser Kirche bleiben und ich mag meine Rituale, Gebete und Lieder weiterhin pflegen dürfen, aber diesen alten Mief  alter Männer will ich nicht mehr
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Steinbock am 25.01.22, 14:51
Ich finde den Schritt sehr mutig, er ist hoffentlich "zur richtigen Zeit".

(Werde mir, wenn es mir technisch möglich ist, die Sendung dazu noch anschauen.)
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Meta am 27.01.22, 15:13
Zwei evangelische ,miteinander verheiratete Pastorinnen erzählen in den Potcast des SWR: Erzähl mir was Neues .

ttps://www.swr.de/swr1/bw/swr1leute/ellen-und-steffi-radtke-x-wolfgang-heim-i-erzaehl-mir-was-neues-100.html

gehört jetzt nicht direkt zum Thema der Sendung, ich finde aber dass es hier hin passt.
LG Meta
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Meta am 27.01.22, 15:17
noch eine kleine Erklärung zum o.g. Podcast:

Offen, bunt, modern – diese Schlagworte fallen den meisten wahrscheinlich nicht als erstes ein, wenn sie an Kirche denken. Doch Ellen und Steffi Radtke leben genau das: Sie sind lesbisch, verheiratet und arbeiten beide als Pastorinnen in Niedersachsen in der Nähe von Hildesheim.
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: gina67 am 27.01.22, 15:35
In der evangelischen Kirche geht vieles, was in der katholischen nicht geht.

Ich habe beide Pastorinnen schon im Fernsehen erlebt. Wirklich herzerfrischend.
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: LunaR am 27.01.22, 16:15
Ich kenne den Podcast auch.

In unserer (katholischen) Kirchengemeinde lebt es schwules Paar schon seit einer ganzen Reihe von Jahren. Der Vater des einen war hier Küster und auch der Sohn hat dabei immer geholfen. Als der Vater starb, hat der Sohn das Küsteramt übernommen. Ich weiß aber nicht, ob noch jemand anderes mithilft, da er auch noch berufstätig ist und sicher nicht immer da sein kann. Auch der Lebenspartner ist mit in der Kirche anzutreffen. Es hat mich anfangs schon erstaunt, weil ich unseren hiesigen Menschenschlag nicht für besonders offen und modern halte. Auch der damalige Geistliche war weder modern, noch nett, im Gegenteil oft sehr schwierig. Aber der Vater war sehr in der Gemeinde über Vereine venetzt und hatte viele Menschen hinter sich. Auch das schwule Paar wurde von diesen Eltern voll angenommen. Darum nehme ich einfach mal an, sie hatten dadurch ein gutes Schutzschild und viele Menschen hinter sich. Diese Menschen hätten eine Zurückweisung des Jungen nicht zugelassen. Das Paar ist auch in anderen Vereinen sehr aktiv, auch im Vorstand.

Neben vielen anderen Problemen denke ich, hat ein schwuler Mensch, auch viel Einsamkeit zu ertragen, besonders, wenn er weder Familie, noch Freundeskreis hat, der zu ihm hält, Das macht ihn sehr verletztlich.

Ja, ich hoffe für die Betroffenen, dass sie auch in der katholischen Kirche einfach ihre Arbeit machen können und keine Angst haben müssen, zu sagen, wie sie sind. Manchmal sind es auch einfach nur die kleinen Dinge, die ein Mensch in seinem Leben haben möchte, haben sollte, wie vom Partner von der Arbeit abgeholt werden oder sagen zu dürfen, dass man mit diesem Menschen eine Lebensgemeinschafft hat.
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: frankenpower41 am 27.01.22, 19:58
In einer Nachbargemeinde war einige Jahre lang schwuler Pfarrer (schon älter) mit seinem Lebenspartner.
Beide Doktortitel, sein Partner war m.W. Professor an der Uni in Erlangen.
Der Pfarrer war früher katholischer Pfarrer und wurde dann evangelisch.
Ich vermute dass es damit zusammen hing.
Er hat öfters auch bei uns gepredigt, sein Partner war da immer dabei und übernahm den Gesang.
Ob sie verheiratet waren kann ich nicht sagen.

Er arbeitet jetzt nicht mehr als Gemeindepfarrer sondern beim Ev. Bildungswerk oder ist inzwischen in Rente.
Titel: Re: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Anneke am 27.01.22, 20:07
Dieser Loyalitätspassus in den Arbeitsverträgen des katholischen Arbeitgeber ist ein absolutes NoGo. Eigentlich dürfte der zumindest künftig nicht mehr in den Verträgen auftauchen. Zu hoffen wäre, dass hier das Antidiskriminierungsgesetz greift.

Dieser Passus ist leider die Handhabe, um die betroffenen Menschen aus dem Job zu drängen, ganz oft eben durch Aufhebungsvertrag
Titel: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Karpfenkanone am 28.01.22, 08:22
Dieser Loyalitätspassus in den Arbeitsverträgen des katholischen Arbeitgeber ist ein absolutes NoGo. Eigentlich dürfte der zumindest künftig nicht mehr in den Verträgen auftauchen. Zu hoffen wäre, dass hier das Antidiskriminierungsgesetz greift.
Es ist das was es ist: Diskriminierung.
Und es ist auch nicht rechtmäßig. Das BVerfG-Urteil, dass die Kirche machen kann was sie will, wurde vom EuGH aufgehoben.
Ein Mitarbeiter hatte gegen die Kündigung vorm Arbeitsgericht geklagt, und das Arbeitsgericht hat´s nach Luxenburg weitergereicht.

Dieser Mitarbeiter wurde gekündigt, weil er nochmal geheiratet hat. Wie absurd.


Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: martina am 28.01.22, 08:38
Ich habe den Betreff mal etwas ergänzt, damit er deutlicher wird.
Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: gschmeidlerin am 28.01.22, 09:23
@fanni: "ich mag von Herzen Mitglied in dieser Kirche bleiben und ich mag meine Rituale, Gebete und Lieder weiterhin pflegen dürfen, aber diesen alten Mief  alter Männer will ich nicht mehr"

Mir geht es ganz gleich und es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, wie sträflich die Kirche die Seelsorge, die in unserer Zeit so wichtig wäre, vernachlässigt nur um ihre von Menschen - vor allem von Männern -  geschaffenen Strukturen zu erhalten.
Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: evi am 28.01.22, 11:11
ich finde es so schade,dass jetzt wieder viele austritte kommen aus de kirche,es sind verfehlungen des irdischen personals,das soll einen doch nicht vom glauben allgemein abhalten
aber mehr denn je sieht man dass es menschen sind ,die fehler machen
Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: LunaR am 28.01.22, 14:10
ich finde es so schade,dass jetzt wieder viele austritte kommen aus de kirche,es sind verfehlungen des irdischen personals,das soll einen doch nicht vom glauben allgemein abhalten
aber mehr denn je sieht man dass es menschen sind ,die fehler machen


Schon seit eiiger Zeit sind es nicht nur diejenigen, die keinen Glauben mehr haben, sondern viele, die sich manchmal schon seit Jahren engagiert haben. Sie haben weiterhin ihren Glauben, können ihn aber nicht mehr mit der (kath.) Kirche vereinbaren.

Missbrauch und dessen Vertuschung sind für mich keine Fehler, sondern Verbrechen. Im Zivilrecht sind es Kaptialverbrechen. Für Fehler kann ich Verständnis aufbringen, für solche Verbrechen nicht. Es sind ja auch keine Einzelfälle, sondern in einem sehr großen Ausmaß. Nicht nur in Deutschland.

Während Homsexualität (um wieder zum Thema zu kommen) weder ein Verbrechen, noch ein Fehler ist.
Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: gatterl am 28.01.22, 14:42
ich finde es so schade,dass jetzt wieder viele austritte kommen aus de kirche,es sind verfehlungen des irdischen personals,das soll einen doch nicht vom glauben allgemein abhalten
aber mehr denn je sieht man dass es menschen sind ,die fehler machen

Die Institution Kirche hat nicht unmittelbar mit Glauben zu tun

Ja, es sind "nur" Menschen, die Fehler machen
Dass das zur Folge hat, dass Menschen austreten ist somit nicht eins zu eins mit Unglauben gleichzusetzen.

Bei vielen ist dies sicher ein Zeichen dafür, das irdische Personal des Herrgott nicht mehr unterstützen zu wollen
Ich kann das gut verstehen

Im Gegensatz dazu heißt es ja auch nicht, dass alle, die in der Kirche bleiben gläubige Christen sind.


Wobei dat hier nicht die richtige Box ist
Titel: Re: Coming out in der kath. Kirche: Wie Gott uns schuf
Beitrag von: Christina am 28.01.22, 17:52
@fanni: ich mag von Herzen Mitglied in dieser Kirche bleiben und ich mag meine Rituale, Gebete und Lieder weiterhin pflegen dürfen, aber diesen alten Mief  alter Männer will ich nicht mehr.

Fanni, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich mag auch Mitglied dieser Kirche bleiben. 
Gerade jetzt, wo es so viele Austritt gibt.

Ich verurteile das was geschehen ist.
Die das zu verantworten haben oder gedeckt haben, gehören bestraft.


Trotzdem bleibe ich in der katholischen Kirche.

Je älter ich werde umso wichtiger werden mir die Abläufe, die Rituale, die Lieder und Gebete aber nicht der alten Mief.

Mein Bischof geht gegen diesen "Mief"an, egal ob es ums Aufarbeiten der Missbrauchsfälle oder um gleichgeschlechtliche Paare  geht.
So, dass es sich für mich lohnt in dieser Kirche zu bleiben.