Autor Thema: Probleme tierhaltender Betriebe - jeder schaut weg? Nichts fällt auf?  (Gelesen 5396 mal)

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Offline Morgana

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Menschen denen es nicht gut geht, können das meist sehr gut verstecken,
wenn sie nicht möchten dass es jemand merkt.

Die Familie hat in manchen Fällen gar nichts zu sagen.
Da hat der Bauer, bzw der Mann im Haus das Recht und die Frauen "dürfen" nichts sagen
und halten sich auch dran.

Bei Messies ist es meist so, dass niemand außen vermuten würde wie es drin aussieht.
Die gehen zur Arbeit, ganz ordentlich und geschniegelt.
Habe ich schon öfter mitbekommen.

Wenn Tiere gehalten werden denkt jeder, die müssten doch schreien. Aber die schreien nicht lange,
dann sind sie zu schwach dazu.

Ist alles nicht so leicht. Von außen ist sicher einfacher reden, als wenn man in der Situation gefangen ist.


Offline maria02

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Aus dem Grund verstehe ich ja den Fall der jetzt verhandelt und verurteil wurde so gar nicht. (Nachbarlandkreis)
Der Mann war Gemeinderat, Kirchenvorstand, verheiratet und Kind, ind das Ganze zog sich nicht nur über Monate, sondern länger.

Aber was da ablief werden wir wohl nie erfahren.
Bei Jemanden der allein lebt und vielleicht eigenbrötlerisch geworden ist kann ich das noch eher nachvollziehen.

@Steinbock, war Tippfehler, hab es geändert.

Qas mir auffiel war der Stall von  aussen sehr ordentlich und die Silos gut gefüllt ?!

Offline Steinbock

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Ich kann auch die Gedanken von Morgana gut nachvollziehen...

Aber dennoch: Irgendjemand müssen doch Unregelmäßigkeiten oder wenigstens
der Gestank aufgefallen sein. Und wenn's nur die Bank ist oder ein Tierarzt
oder ein Zufallsbesuch oder eine Kontrolle oder ein Familienmitglied...

Wenn dem so ist, dass die Partnerin nix zu sagen hat oder nix sagen kann/darf/will,
dann ist sie doch auch in einer schlechten Situation/Verfassung??

Auch wenn ich als Partnerin nix mit der Landwirtschaft am Hut habe... muss ich
doch hin und wieder meinen Mann auf dem Hof/im Stall aufsuchen, weil irgendwas
wichtiges ist. Auch wenn die Partnerin keine Ahnung von Tierhaltung hat,
weiß frau doch, dass man zu Tieren mind. 2 mal täglich schauen muss.
(Außer man kommt aus einem fernen Land, dann versteht man die Dinge
hier vielleicht nicht....).
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Offline Morgana

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Banken...naja die merken ja oft nicht mal wenn die Oma ihr ganzes Erspartes abheben will,
weil sie grad auf den Enkeltrick reinfällt. Ist ja nicht mehr so wie früher mit den kleinen Filialen.

Tierarzt sollte das aber auf jeden Fall mitbekommen.
Wenn ich schaue, an dem großen Hof, der direkt an meinem Gassiweg liegt, kommt jeden und zwar wirklich
jeden Tag einer der Tierärzte. Gut die haben Milchkühe und Nachzucht. Aber auch bei einem
Bullenbetrieb brauchts ab und zu einen Tierarzt.
Zukauf und Abgänge sind dort eigentlich auch regelmäßig. Schon komisch dass das alles nicht stattgefunden haben soll.

Familienmitglieder sind eine andere Sache.
Wollen können dürfen nichts sagen. Es gibt tatsächlich noch Frauen die das hinnehmen.
schwer vorstellbar.
Ich habe das selber erlebt auf einem Betrieb als ich noch als Betriebshelferin unterwegs war.
Die Frau hatte null komma nichts zu melden.
Tiere wurden verkauft, Bar bezahlt. Mann verräumte das Geld. In der Küche/Essecke war der Heizkörper kaputt.
Dann meinte er für so einen Schmarrn hat er kein Geld. Wenn uns so kalt ist, dann soll ich halt den Backofen
anheizen und aufmachen :o  Die Frau lag mit Lungenentzündung da.
Bis dahin konnte ich mir nicht vorstellen, dass es sowas gibt.
Auch dieser Landwirt war im Bauernverband, Gemeinderat und jeden Sonntag in der Kirche.

Offline Steinbock

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Uff, Morgana, das ist auch harte Kost.

Dennoch denke ich, es ist vll schon ein paar Jahrzehnte her, was Du erzählst.

Seitdem hat sich in Sachen Frauenrechte/-Bewusstsein, Tierschutz, usw. ja doch
was getan.
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Offline Morgana

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das sind sicher Einzelfälle. Aber die gibt es immer noch und in jedem Bereich.
In der Landwirtschaft ist halt das Problem mit der Tierhaltung.

Ein alter Mann bei uns, an die 90 Jahre alt, Parkinson kaputte Hüfte usw. Frau schwer dement, Pflegefall.
Die hatte ihr ganzes Leben lang nichts  zu melden und zu entscheiden oder mit zu reden.
Auch die Söhne nicht. Vor ein paar Monaten hat er gejammert, dass er nichts mehr kann usw.
ich  habe ihm geraten das ganze doch endlich mal an die Jungen zu übergeben.
Antwort: So lange ich noch Schnaufe habe ich hier das sagen und sonst niemand.
Das wäre ja noch schöner, was fällt dir denn ein.

Da sagt dann bestimmt niemand mehr was.

Offline Steinbock

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Jetzt wo ich Dein Post lese, Morgana, fällt mir auch ein Mann ein,
der inzwischen auf die 80 geht und keinerlei Grund sieht, seine Rinderhaltung
aufzugeben. Die haben einen Sohn, der ist leicht behindert (geistig schwach),
kann mitarbeiten in der Landwirtschaft, auch Traktor fahren, aber halt nichts
entscheiden, nichts ändern... Die alte Bäuerin hat vermutlich nichts zu sagen.
Da würde ich mich auch nicht wundern, wenn eines Tages verwahrloste Tiere
zum Vorschein kämen. Der Hof ist mitten in einem Dorf. Waren immer schon
seltsam, eigenbrötlerisch, rückständig. Da werden sich die Nachbarn auch
schon vor Jahrzehnten den Mund wund geredet haben. - Ein Elend ist sowas...  :'(
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Offline Morgana

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Der unsere ist Akademiker und seine beide Söhne auch.
Von daher gibts in allen Schichten. und man möchte nicht wissen wie es hinter mancher Fassade zugeht.

Die alten Leute die mein Mann betreut hat sind genauso.
Sie spart wo sie kann, gönnt sich nicht mal jeden Tag was zum essen.
Hat angeblich keinen Hunger usw. während er Roastbeef kauft und zwar soviel dass es schlecht wird.
Außerdem sagte er im Beisein meines Mannes:
Ich bin der Herr im Haus und es wird das gemacht was ich sage

Mein Mann meinte drauf, mach dich mal nicht größer als du bist. Du bist der Mann im Haus. das ja.
aber damit hat es sich auch schon.
Du kannst nicht kochen, waschen, putzen, bügeln und auch sonst fehlt dir noch einiges.
Sei mal froh dass du deine Frau noch hast und hör auf so zu reden.-