Neue Energien > Der Landwirt als Energiewirt

Biogene Treibstoffe II

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Andreas:
Hallo Helen,
hier der Bericht aus dem Trostberger Tagblatt zur Veranstaltung:

Halsbach: Mit Bio-Ethanol Benzin ersetzen
In Deutschland relativ unbekannt - Brasilien, Schweden und USA Vorreiter - Ford mit dabei

Halsbach. "Bio-Ethanol statt Benzin - Der Treibstoff der Zukunft?", lautete das Thema einer Informationsveranstaltung des Vereins "Region aktiv Chiemgau, Inn, Salzach" im Energieturm neben der Waldbühne in Halsbach. Der Vorsitzende und Moderator, Franz Schiefer, erklärte, dass "Region aktiv" mit neuen ArbeitsSchwerpunkten, wie der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen, vom Staat finanziell weiter unterstützt werde. Die Referenten, Hubert Maierhofer, Projektleiter von C.A.R.M.E.N. aus Straubing, Dr. Florian Siemer von der "Neue Vermögen AG", Initiatorin des Bioenergieparks in Schalchen bei Trostberg, sowie Stefan Welter, Verkaufsleiter für Süddeutschland von den Ford-Werken, stellten deutlich die Vorteile von Bio-Ethanol heraus.


In Brasilien und den USA sei die Nutzung von Ethanol in Fahrzeugen schon Alltag, berichtete Hubert Maierhofer. Aber auch in Europa tut sich was: Dabei übernehme Schweden die Vorreiterrolle in Zusammenarbeit mit den Autoherstellern Ford, Volvo und Saab.

Was ist Bio-Ethanol und wie wird es hergestellt? Ethanol wird aus stärke-, zucker- und zellulosehaltigen Pflanzen wie zum Beispiel Getreide, Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln in einem Fermentationsprozess hergestellt. Die Rohstoffe werden vergoren und destilliert. Damit wird ein hochwertiger Treibstoff für Ottomotoren erzeugt.

In Straubing gibt es bereits eine Ethanoltankstelle, und Ford bietet so genannte Flexi-FuelVehicle-Fahrzeuge (FFV) an, die sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol gefahren werden können, so Maierhofer. Mittlerweile gebe es in den neuen Bundesländern bereits drei Werke, die Ethanol aus Getreide erzeugten. So verarbeite Südzucker seit 2004 jährlich 700000 Tonnen Getreide. Daraus ergeben sich 200000 Tonnen Ethanol sowie 260000 Tonnen Futtermittel. Denn bei der Herstellung von Ethanol entstehe sowohl Glyzerin als auch ein eiweißreiches Produkt, die "Schlempe", die entweder als Futtermittel oder als Heizmaterial, etwa in Biogasanlagen, Verwendung finden könne. Maierhofer meint, dass die Ethanolgewinnung auch für bayerische Brennereien ein guter Zusatzverdienst sein könnte, allerdings nur in optimierten Anlagen.

Maierhofer sieht einen breiten Einsatzbereich des Kraftstoffes - auch bei Kleinmotoren wie Rasenmähern, Motorsägen, Rollern oder Motorbooten positiv. Die Umwelt würde bei einem Auslaufen des Treibstoffes nicht so stark belastet, meint er, da es biologisch abbaubar ist. Ethanol sei für ihn der leistungsstärkste Kraftstoff für geeignete Motoren.

Dass an nachwachsenden veredelten Rohstoffen eine Menge verdient werden könne, das erklärt Florian Siemer, von der Neue Vermögen AG aus Traunstein. Sie plant die "BioMa Energie AG", an der die "Neue Vermögen AG" Hauptaktionär ist, im bayerischen Chemiedreieck in Zusammenarbeit mit Degussa ein Biomasse-Heizkraftwerk sowie Produktionsanlagen zur Herstellung von Bio-Diesel und Bio-Ethanol sowie einer Ölmühle, die 2008 in Betrieb gehen sollen. Dort sollen in der Anfangsphase rund 400000 Tonnen stärkehaltiger Pflanzen und rund 150000 Tonnen Ölsaaten verarbeitet werden. Damit würden rund 120000 Tonnen BioEthanol und 50000 Tonnen BioDiesel hergestellt.

Siemer sieht bei der Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen "einen Mega-Trend der nächsten Jahre". Entsprechend groß sei das Interesse bei Aktionären, berichtet er. Für das geplante Werk finde man viele Unterstützer aus Politik und Wirtschaft. Auf dem Werksgelände bei Schalchen werde nicht nur die Herstellung und Verwendung von Bio-Diesel, Ethanol und Biomasse geplant, auch ein umfangreiches Informationszentrum solle dort entstehen.

Die Referenten stellten sich auch den Fragen der Besucher, bei der auch die Verwendung von heimischen Rohstoffen bei der Ethanol-Herstellung aufgeworfen sowie angeregt wurde, endlich sparsamere Motoren herzustellen, denn dadurch würden sich viele Probleme erübrigen. Maria Walch vom Region- aktiv-Vorstand, appellierte an die Verantwortlichen, dass sie den Produkten heimischer Bauern den Vorzug geben sowie gerechte Preise zahlen sollten. Andreas Remmelberger, ebenfalls Vorstandsmitglied von Region aktiv, befürwortete die BioEthanol-Erzeugung, denn da könne man als Landwirt, anders als beim chemie-intensiven Rapsanbau für Bio-Diesel, für eine ausgeglichene Fruchtfolge sorgen.

Zurzeit könne man jedoch nicht einfach mit einem mit Benzin angetriebenen Fahrzeug Ethanol tanken, sagte Stefan Welter, Ford-Verkaufsleiter für Süddeutschland. So gebe es derzeit nur die Möglichkeit, bei einem Neuwagenkauf rund 300 Euro mehr zu investieren, um auch mit Ethanol fahren zu können.

Das Problem sei aber derzeit noch, eine Ethanol-Tankstelle zu finden. "Die großen Mineralölkonzerne haben zurzeit kein Interesse an dem Aufbau eines Ethanol-Tankstellennetzes, wohl deshalb, weil sie momentan am Mineralöl ohnehin genug verdienen", vermutet Hubert Maierhofer. Der deutsche Markt sei gesättigt und so werde von den Konzernen Benzin sogar nach Amerika exportiert, so Maierhofer.

Um keine Motorprobleme beim Kalt-Start im Winter zu bekommen, müsse dem EthanolKraftstoff 15 Prozent Benzin beigemengt werden, das Produkt nennt sich "E 85".

Die Kosten pro Liter Ethanol bewegen sich derzeit im Durchschnitt bei 95 Cent pro Liter, allerdings verbraucht der Motor 36 Prozent mehr Kraftstoff. Maierhofer rechnet vor, dass der Liter Ethanol 110 Cent kosten dürfte, wenn man ihn an der Oktanzahl messen würde. Derzeit rechne sich die Verwendung von Ethanolkraftstoff, denn er sei bis 2009 von der Mineralölsteuer befreit.

In Straubing wurde 2005 von der Bio-Ethanol-Initiative der so genannte FFV-Ford-Focus (Flexible Fuel Vehicle) vorgestellt. Mittlerweile gebe es dort einen Fuhrpark und eine Ethanoltankstelle (E 85). Bei diesen Fahrzeugen sei es möglich, sowohl mit E 85, Benzin oder einer Treibstoff-Mischung zu fahren.

Stefan Welter wies darauf hin, dass schon der Konzern-Gründer Henry Ford 1908 ein Fahrzeug entwickelt habe, das mit Treibstoffen aus Feldfrüchten gefahren wurde, also mit Ethanol. Ford biete nun mit dem Focus FFV Fahrzeuge an, die "intelligente Motoren haben". Derzeit sei man in Verhandlung mit freien Tankstellen, um ein flächendeckendes Bio-EthanolTankstellennetz aufzubauen. In Schweden habe man bereits 20000 Fahrzeuge verkauft, da es dort schon 600 Ethanol-Tankstellen gebe. Auch in BadenWürttemberg und Bayern solle bis Ende des Jahres das Tankstellennetz stehen. So plane man quasi eine Händler- und Tankstellen-Gemeinschaft. Derzeit sei der Neukauf eines FFVFahrzeuges wirtschaftlich, denn die 300 Euro Aufpreis amortisieren sich schon nach 19000 Kilometern, rechnet Welter vor.

Andreas Remmelberger von "Region aktiv" betonte, dass bisher weniger als ein Prozent des verbrauchten Treibstoffes in der Region aus nachwachsenden regionalen Rohstoffen erzeugt würden. Mit Hilfe des Bioenergieparks könnte der Anteil auf etwa 30 Prozent gesteigert werden. Begrenzt werde der regionale Anteil durch die zur Verfügung stehenden Flächen. Eine Ausdehnung des Rapsanbaues sei wegen der zunehmenden Resistenz des Rapsglanzkäfers gegen Insektizide nur mehr begrenzt möglich.

Der Leindotteranbau sei als Mischfrucht nur mit Sommergetreide und Hülsenfrüchten möglich. Dazu stünden in der Region etwa 8000 Hektar zur Verfügung. Bei einen Ertrag von zehn Doppelzentner pro Hektar Leindotter und einer Ausbeute von 30 Prozent, könnten etwa 2,5 Millionen Liter Leindotteröl erzeugt werden.

Für die Produktion von 120 Millionen Kilogramm Bio-Ethanol wären bei einem Ertrag von 2500 kg Ethanol/ha etwa 48000 Hektar Ackerfläche notwendig. Dies sei rund ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Region. Alle Angaben basieren laut Remmelberger aber auf Schätzungen. Zei

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mary:
Hallo Andreas,
da hast du wirklich eine tolle Veranstaltung organisiert und auch die entsprechende Presse bekommen. Die grosse Anzahl an Besuchern zeigte, wie dieses Thema vielen auf den Nägeln brennt.
Hat mich auch schwer beeindruckt, wie weit andere Länder wie Brasilien und Schweden schon mit biogenen Treibstoffen sind und welche technischen Lösungsmöglichkeiten im Ansatz bereits vorhanden sind.
Allerdings schlugen bei der Veranstaltung 2 Herzen in mir, die eine, die nur staunen kann, was technisch alles machbar ist- und wie weit der technische Stand auch bei uns schon ist,
das andere als Ackerbäuerin- da hatte ich schon so meine Zweifel.
Biogene Treibstoffe brauchen billige Rohstoffe und die steigenden Energiepreise lassen Diesel und Stickstoffdünger in die Höhe schnellen. Bis jetzt hat der Erzeuger vom Olscheichtum noch keinen Ölreichtum.
Da ist Leindotter vielleicht eine Alternative, denn er wächst nebenbei, hat noch seine zusätzlichen guten Eigenschaften.
Was mir an der ganzen Information um biogene Treibstoffe vollkommen fehlt, wie diese Rohstoffe energiesparender erzeugt werden können.
Mit ständig steigenden Energiepreisen reicht der Bauer auch die evtl. etwas höheren Getreide- und Rapspreise, die heuer zu erwarten sind, auch nur wieder durch.
Und was mir auffällt, jetzt weil Erdöll knapper wird, sollen die biogenen Treibstoffe diese ersetzen,
aber diese ungeheuren Mengen Erdöl sind in einem langen Zeitraum entstanden, wenn jetzt  nur einfach biogene Treibstoffe dafür verwendet werden und der Verbrauch in diesen annäherenden Höhen verbleibt, dann werden die Böden ausgeplündert und dann ist Schluss mit lustig.
Ich habe neulich ein Bild  gesehen, das mit einer Spezialtechnik aufgenommen worden ist,
die Kornkammer Roms war in Afrika und heute ist dort Wüste. Zeigt, dass die Menschen zu allen Zeiten leider die Erde schon immer ausgeplündert haben-


Herzl. Grüsse
maria

Helen:
Danke für Eure Berichte.
Ich finde es gut, eine Alternative zum Rohöl zu finden. Mit was ich aber Mühe habe ist, dass das Rohprodukt für die Alternativenergie in Lebensmitteln liegt. Kann und darf es denn wirklich sein, dass wir Lebensmittel in Energie umwandeln, wo so viele Leute verhungern?

Helen

Mannomann:

--- Zitat von: Helen am 15.06.07, 22:34 ---Danke für Eure Berichte.
Ich finde es gut, eine Alternative zum Rohöl zu finden. Mit was ich aber Mühe habe ist, dass das Rohprodukt für die Alternativenergie in Lebensmitteln liegt. Kann und darf es denn wirklich sein, dass wir Lebensmittel in Energie umwandeln, wo so viele Leute verhungern?

Helen

--- Ende Zitat ---

Ich hab kein Problem damit Lebensmittel in Energie umzuwandeln. Der Hunger in der Welt hat ja nichts mit den alternativen Energien zu tun, sondern ist schlicht weg ein Verteilungsproblem. Ohne Nawaros gäbs nicht weniger Hunger. Es bringt auch nichts die armen Länder mit Lebensmittel zu versorgen, da wir mit diesen Spenden die Märkte in den jeweiligen Ländern zerstören. Außerdem sehe ich einen Grund für die Armut das es bisher kaum gelang in den armen Ländern Afrikas etc. Regierungen zu installieren die dem Volk dienen und nicht in die eigene Tasche wirtschaften und Kriege finazieren. Schon mitte der 50er Jahre, als es hier in Deutschland aufwärts ging wurden Spenden für Afrika gesammelt. Bisher hat es nur wenig gebracht, und wenn mal etwas sinnvolles geschffen wurde, gabs kurze Zeit später Krieg und alles ist wieder kaputt. Die Länder, denen es dort halbwegs gut geht haben sich großteils selber aus dem Dreck gezogen.
Früher, bevor die Traktoren in der Landwirtschaft einzug gehalten bzw. Pferdegespanne von Autos etc. abgelöst wurden, haben die Landwirte auch schon 25% der Ackerflächen eingesetzt um die Zugtiere zu versorgen. Vielleicht erreichen wir diese Flächenverwertung irgendwann auch wieder.
Solange wie Getreide deutlich unter Wert verkauft wird sehe ich keinen Grund keine alternativen Verwertungsmöglichkeiten zu suchen. Bei 9€ (hatten wir vor anderthalb Jahren) Erlös fürn dt Weizen kann kein Landwirt überleben. Das kann genauso wenig sein. Also haben sich Landwirte nach Alternativen umgesehen...

VlG Mannomann

mary:
Hallo Mannoman,
in welche Richtung sich die regenerativen Energieen entwicklen werden, das wird die Zukunft zeigen. Auf alle Fälle sind in Südamerika, USA schon grosse Flächen aus der Nahrungsmittelproduktion draussen.
Und sie werden es auch bei uns-
ich sehe schon den Einfluss unseres Wirtschaftes auf die Menschen in anderen Teilen der Welt.
Sicher hat der Hunger nicht direkt mit unserem Verbrauch zu tun- aber indirekt doch.
Man hat es vor kurzem in Mexiko und Argentinien gesehen- der Mais ist in Mexiko so teuer geworden, dass die Menschen ihre Tortillias nicht mehr bezahlbar kaufen konnten und in Argentinien war es das Rindfleisch.
Palmöl und Soja schaffen den dort lebenden Menschen auch keine Nahrung.
Derjenige, der das Geld hat, wird sich auch in Zukunft Energie und Lebensmittel leisten können.
Dass die Zukunft den regenerativen Energien gehören wird, kann ich mir inzwischen gut vorstellen- es sei denn, sie erforschen und finden andere Energieformen.
Aber so wie jetzt Energie und Lebensmittel verschwendet werden, das kann nicht gut gehen. Wir sind alle Kinder des Energiezeitalters, kennen die Zeit der Knappheit gar nicht.
Was mir an der ganzen Diskussion um die regenerativen Energien fehlt, der sparsamere Umgang und der nachhaltige Umgang mit Grund und Boden.
Wir bauen Humus ab und verlassen uns auf die Zufuhr von mineralischen Dünger-
aber auch diese Ressourcen sind begrenzt-
Stickstoff kostet um einiges mehr, weil eben seine Herstellung sehr energieintensiv ist und Phosphor wird auch nicht ewig reichen.
Und die phosphorhaltigen Abfälle werden verbrannt.
Ich hoffe, dass ich mich mit meinen Zukunftsprognosen irren werde-
herzliche Grüsse
maria

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