Autor Thema: Probleme tierhaltender Betriebe - jeder schaut weg? Nichts fällt auf?  (Gelesen 5480 mal)

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Offline MathildeTopic starter

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Hallo,

ich habe nichts gefunden wo es so richtig hinpasst.

Zur Zeit kommt ja überall der Betrieb mit den 150 verhungerten Mastrindern. So etwas ist einfach furchtbar und mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter.
Was ist in dieser Gesellschaft noch alles möglich? Wir leben in einem Staat der die perfekte Kontrolle haben möchte aber die Menschen dabei vergisst.
In Häusern sterben Menschen und keiner bekommt was mit. Hätte bei meiner Mutter auch nicht gleich die aufmerksamen Nachbarn mitbekommen da die Rolläden automatisch programmiert waren. Meine Schwester kam aber 2 mal die Woche.
Es macht mir niemand weiß dass man bei Bauernhöfen nichts mitbekommt.
Da kam zumindest mal die Post (und wenn’s nur Mahnungen und gerichtliche Bescheide waren)
Da waren Bankangestellte die nicht nachfragen nach den Tieren
Da sind Ärzte und Arzthelfer die bei einer Einweisung nicht nachfragen „wer kümmert sich um Ihre Tiere“
Auch ein Arzt kann helfend das Veterinäramt einschalte.
HILFE  nicht ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten wäre doch vonnöten.
Ich habe allerdings auch nichts mitbekommen als ein angrenzender Nachbar seinen belg. Schäferhund so getreten hat daß der zwei Tage später tot war… würde aber, wenn er wiederum einen Hund halten würde das Veterinäramt informieren daß da mal was vorgefallen ist.

Würdet ihr es mitbekommen wenn ein viehhaltender Betrieb solche Probleme hätte?

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline gschmeidlerin

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Ich glaub das kommt immer auf den Betrieb an. Wir haben einen Nachbar, liegt etwas abgelegen und er lebt sehr zurückgezogen, ich glaub da würd ich es auch nicht unbedingt mitbekommen, wenn etwas schief läuft. Er will ja auch gar keinen Einblick oder Kontakt haben. Ich will da über die Nachbarn gar nicht urteilen, ich glaub, das gibt es, dass man nichts mitbekommt.

Offline annelie

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Nein, ich würde es nicht mitbekommen, weil ich keinerlei Einblicke in andere Betriebe habe, gerade jetzt mit wenig sozialen Kontakten. Hier im Dorf sind wir nur noch 3 rinderhaltende Betriebe und ein Betrieb mit Dam- und Rotwild. Früher waren es 20 rinderhaltende Betriebe.
 
Bei uns selber wäre das aber schwerlich möglich, weil wir sind mitten im Ort und haben Außenklimaställe und es sind oft Leute mit Kindern da, die sich die Tier anschauen. Man sieht die Tiere vom Gehweg/Straße aus. Außerdem sieht man unserer Futtertisch von der Straße aus, das würde auffallen. Jeder der zu uns kommt, geht oder fährt am Futtertisch entlang.
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Liebe Grüße
Annelie

Offline martina

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Ich hab es doch mal abgetrennt, im allgemeinen Medienteil würde das Thema eher untergehen, dazu ist es zu wichtig, finde ich.

Ich kenne den aktuellen Fall nicht, weil ich derzeit kaum Nachrichten schaue, also auch nicht weiß, wo derzeit überall berichtet wird und in welchem Rahmen.

Als wir noch Tiere hatten, haben aber weder Ärzte bei Krankschreibungen meines Mannes nachgefragt, wer sich um die Tiere kümmert und Bankleute auch nicht.

Wir haben noch 2 rinderhaltende Betriebe im Ort. Einer mit offensichtlichen Problemen, da ist das Veterinäramt auch regelmäßig am Hof, weil es Hinweise bekommen hat. Ändert sich aber nichts und unsereins wundert sich, dass diese Kühe tatsächlich noch so viel Milch geben können, dass der Tankwagen zum Sammeln kommt.
Hätte mein Mann letztes Jahr nicht geholfen, die Heurundballen (in sehr guter Qualität beim Pressen) vom Feld zu holen, nachdem sie nicht nur einmal durchgeregnet waren, hätten die noch 4 Wochen dort gelegen. Den Kollegen muss man schon zwingen, Hilfe anzunehmen. Wir haben sie jahrelang angeboten, aber irgendwann reicht es auch hin, wir können nicht immer nur aus Hilfsbereitschaft für ihn mitarbeiten. Die Rechnung fürs Pressen ist noch offen, wir können uns Aussenstände auch nicht aus "Good Will" leisten, unsere Mitarbeiter wollen ihre Löhne auch haben.


Wir hatten aber vor 2 Jahren in der weiteren Umgebung auch einen Fall, wo viele Tiere verendet sind, weil der Jungbauer psychisch komplett von der Arbeitssituation überlastet war. Da waren über Jahre hinweg Landvolk und Veterinäramt und Kollegen dabei, um zu helfen.  Aber wenn die Betroffenen die Hilfe nicht annehmen wollen, dann funktioniert es halt nicht. Nur mit Zwang. Die Hofstelle und der neue gebaute Stall stehen inzwischen zum Verkauf, das Land will Fördermittel zurück haben. Irgendwann dreht sich die Spirale so schnell, dass man vor lauter Schwindel den Überblick verliert.


Aber mal ehrlich: zu sagen: "Ich KANN NICHT MEHR!" das muss man selber können.


« Letzte Änderung: 27.05.21, 10:21 von martina »
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Offline Lexie

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Wie meinte TA erst vor kurzem, ein Betrieb bei dem man nichts mehr holen kann, ist für das Veterinäramt und co
nicht "interessant".
Mit so einem Betrieb haben sie nur Arbeit und Unkosten, da ist "Wegschauen" billiger.

Offline frankenpower41

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Der Fall ist in unserem Nachbarlandkreis.
Einfach unvorstellbar.
Ich glaub auch nicht dass das was mit wegschauen zu tun hat, Betrieb ist außerhalb und wie ich es verstehe war Wohnhaus im Ort..
Vielleicht erfährt man ja noch mehr, aber mir und auch allen mit denen man spricht, ist das alles nur einfach ein großes Rätsel.
... und wenn jetzt Schreie nach mehr Kontrollen kommen, dann ist das m.M. nach auch keine Garantie, da müsste dann ja alle 3 Wochen mal wer schauen,
dass Jemand der vor dem Stall volle Silos hat plötzlich seine Tiere nicht mehr versorgt, das ist Einzelfall und was da ablief, das wird Niemand wissen.


Offline fanni

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Wie meinte TA erst vor kurzem, ein Betrieb bei dem man nichts mehr holen kann, ist für das Veterinäramt und co
nicht "interessant".
Mit so einem Betrieb haben sie nur Arbeit und Unkosten, da ist "Wegschauen" billiger.

Hallo Lexie, dieses Urteil deines Tierartztes finde ich sehr hart, ja eher sehr frustiert hört sich das für mich an. Was soll sich denn ein Amtsveterinär von einem Landwirt holen können.

Jeder Tierarzt und auch Veterinär tanzt doch auf der Rasierklinge. Da ist zum einen unsere bäuerliche Welt mit allen Realitäten, wie woanders auch. Das geht von Unglücken auf den Höfen bis zur Vernachlässigung der Tiere aufgrund von Kankheiten, Süchten usw.........soll man denn da immer gleich mit der Faust des Gesetzes dreinhaun, zumal ja auch Tierärzte Dienstleister sind und von den Bauern leben? Und die Nachbarn, sollen und können die gleich immer anzeigen? Das entwickelt sich doch über Jahre und ist so schwierig. Das soll jetzt aber kein Freispruch für Nichtstun sein, aber ich denke jeder hier kennt solche Fälle, wo man sich selber denkt.........da müßte man.......da sollte man.........aber wer tut es?

@ Martina : Ja dieses aktuelle Beispiel gibt mir auch schwer zu denken. Wenn soviele Rinder über Tage nicht gefüttert werden, das gibt doch ein elendigliches Geschrei, das man über Kilometer hört, wenn man hören will. Auch war genügend Futter da, das sieht man an den Bildern in den Medien, die Silos waren doch voll - oder? Was steckt denn dahinter, wir können hier nur mutmaßen.

Ja und diese Wegschaukultur in vielen Bereichen (Kindeswohl, Mobbing in Unternehmen, ...........)macht mich auch nachdenklich.
« Letzte Änderung: 27.05.21, 11:19 von fanni »
Herzliche Grüße von Fanni

Offline martina

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Ja und diese Wegschaukultur in vielen Bereichen (Kindeswohl, Mobbing in Unternehmen, ...........)macht mich auch nachdenklich.

Im Gegenzug gibt es aber die Kultur, die sofort die Polizei anruft, möglichst anonym, anstatt einfach mal selber im direkten Gespräch etwas zu klären versucht. Oder eben bei Kleinigkeiten sofort mit Anwalt und Klage droht.

Wir haben das Mittelmaß verlernt, scheint es mir.


Wie gesagt, den aktuellen Fall kenne ich nicht.
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Offline MathildeTopic starter

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Hätte mein Mann letztes Jahr nicht geholfen, die Heurundballen (in sehr guter Qualität beim Pressen) vom Feld zu holen, nachdem sie nicht nur einmal durchgeregnet waren, hätten die noch 4 Wochen dort gelegen. Den Kollegen muss man schon zwingen, Hilfe anzunehmen. Wir haben sie jahrelang angeboten, aber irgendwann reicht es auch hin, wir können nicht immer nur aus Hilfsbereitschaft für ihn mitarbeiten. Die Rechnung fürs Pressen ist noch offen, wir können uns Aussenstände auch nicht aus "Good Will" leisten, unsere Mitarbeiter wollen ihre Löhne auch haben.

Unser Nachbar hat auch von 9 Hektar das  Ackergras siliert ......
Aber ich ruf da mal die Eltern an wie es Ihm geht. Der hat aber Familie und somit denke ich daß so etwas nicht vorkommt.

Aber mal ehrlich: zu sagen: "Ich KANN NICHT MEHR!" das muss man selber können.

Nein das können schwer Depressive nicht mehr. :-(

Ich meine das auch nicht anklagend sondern einfach traurig. Es gibt doch die Psychosozialen Dienste beim Verband oder der Berufsgenossenschaft. Dann gibt es das Veterinäramt und das meine ich eben nicht mit Strafen oder Kontrollen sondern mit Hilfe.
Ein Arzt der einen Landwirt in die Psychiatrie einweist muss doch wissen ob derjenige alleinstehend ist und nachfragen wer die Tiere versorgt. Dann müsste in bestimmten Fällen eben auch Stellen vermerkt sein an die sich ein Hausarzt wenden kann und diese müssten ebenfalls ein Notfallnetz haben für schnelle Hilfe.
Man kann doch auch nicht eine Mutter einweisen wenn man weiß dass Sie alleinstehend ist und zuhause ein Kleinkind.

Ich suche nach Lösungen und nicht nach Anklagen und Strafen.

LG Mathilde
« Letzte Änderung: 27.05.21, 13:09 von Mathilde »
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline LunaR

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Mathilde, das eine, was wünschenswert ist, das andere, ob es leistbar ist. Ich habe am Dienstag meine sehr engagierte Hausärztin in einem Zustand totaler Erschöpfung angetroffen. So dürfte sie m. M. nach überhaupt nicht arbeiten, sie sagt, sie arbeitet 14 Stunden und fällt dann total erschöpft ins Bett, nur um wach zu liegen und Angst zu haben. Gerade jetzt in der Corona-Zeit haben viele Mediziner kaum noch die Kraft für die Menschen, geschweige denn für mehr.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


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Offline MathildeTopic starter

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Mathilde, das eine, was wünschenswert ist, das andere, ob es leistbar ist. Ich habe am Dienstag meine sehr engagierte Hausärztin in einem Zustand totaler Erschöpfung angetroffen. So dürfte sie m. M. nach überhaupt nicht arbeiten, sie sagt, sie arbeitet 14 Stunden und fällt dann total erschöpft ins Bett, nur um wach zu liegen und Angst zu haben. Gerade jetzt in der Corona-Zeit haben viele Mediziner kaum noch die Kraft für die Menschen, geschweige denn für mehr.

Das glaube ich Dir gerne und da sind auch unsere Institutionen in der Pflicht. Eine Zentrale Rufnummer für solche Fälle und dort Personal das Organisieren kann und Quellen hat.

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Annina

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Wo liegt die Grenze zwische Verklagen und Hinweisen?
Hier im Ort haben wir einen Bauern, der seine Tiere öfters sehr spät auf eine neue Weide lässt. Es war durchaus auch schon so, dass ich mich gefrat habe, ob es nicht einer Meldung bedarf. Andererseits möchte ich ihm aber auch nicht die Behörden an den Hals jagen.

Was du ansprichst, Mathilde, ist wohl in vielen Bereichen ein Problem. Beispiel, ältere Patienten werden aus KH entlassen, niemand interessiert es, ob und wie sie zuhause zurecht kommen.
Dazu wäre doch ein Hausarzt da, der seine Patienten und ihr Umfeld kennt...?
Liebe Grüsse, Annina

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.  Aristoteles

Offline LunaR

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Ich habe über den Fall auch nur einmal gelesen und nichts gefunden, was mit dem Besitzer war. Der Hof soll sehr abgelegen sein.

Ich denke auch, wer solche Zustände bei den Tieren hat, ist selbst auch in einer Verfassung, bei der er nicht mehr um Hilfe bitten kann. Der lässt niemanden mehr in seine Nähe.

Es fängt ganz banal an, wenn man aus welchem Grund auch immer Chaos in der Wohnung hat und meint, jetzt braucht man unbedingt jemanden der einem hilft oder eine Putzfrau, die alles mal auf Vordermann bringt und dann kommt der nächste Gedanke, die kann ich hier nicht reinlassen, vorher muss ich erst aufräumen und putzen. Das schaffe ich aber nicht ... Eine Spirale. Genauso wie Messis irgendwann niemanden mehr in ihre Wohnung einladen oder überhaupt hereinlassen.

So furchtbar dieser und ähnliche Fälle sind, so bleiben es doch Ausnahmen. Schlimmes wird sich leider nie ganz verhindern lassen. Aber es wäre natürlich gut, wenn es so wie Mathilde schreibt, mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gäbe.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


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Offline ayla

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Das glaube ich Dir gerne und da sind auch unsere Institutionen in der Pflicht. Eine Zentrale Rufnummer für solche Fälle und dort Personal das Organisieren kann und Quellen hat.

LG Mathilde

Bei uns in der Schweiz gäbe es zum Beispiel das "Bäuerliche Sorgentelefon". Aber da muss man als Betroffener schon selber den ersten Schritt machen, sonst nützen solche Angebote auch nicht.

Ärzte, welche die ganzen Zusammenhänge sehen und erkennen, werden immer weniger, so ist zumindest mein Gefühl. Unser "alter" Hausarzt, der hat sich noch sehr gekümmert und gesorgt um seine Patienten und hätte sicher auch reagiert. Seit er pensioniert wurde, ist unsere Dorfpraxis eher "Durchläufer" für diverse Ärzte, und wir kennen unseren aktuellen Hausarzt kaum noch. Am liebsten ist es diesen Doktoren fast, wenn wir in die Notfallabteilung des nächsten Spital gehen, wenn man dann doch einmal einen Arzt brauchten würde. Und dort ist es sowieso schon recht anonym. Göga musste auch schon unfall- und notfallmässig "einrücken", da hat doch noch nie jemand gefragt, wer jetzt bei ihm daheim zu den Tieren schaut.

Vor Jahren hat in der Nachbargemeinde ein noch jüngerer, lediger Bauer Selbstmord begangen. Er bewirtschaftete alleine einen abgelegenen Hof, und seine betagte Mutter führte ihm den Haushalt. Der Bauer war ein sehr stiller, zurückgezogener Mensch, und erst nach seinem Tod wurde bemerkt, dass er vermutlich seit längerer Zeit mit allem überfordert war und psychische Probleme hatte. Es wurden mehrere tote Kühe gefunden, in der Güllengrube und an anderen Orten. Das machte damals sehr betroffen, zeigte aber auch auf, dass so etwas wirklich sehr gut vertuscht werden kann.

Wir wohnen so zentral am Dorf, viele Leute laufen am Hof vorbei, wollen Schweine, Kühe und Kälber schauen, da würde wohl schnell auffallen, wenn etwas nicht stimmen würde. Dann kommt jeden zweiten Tag der Milchchauffeur, monatlich der Milchwäger, div. Kontrolleure, ab und zu der Tierarzt etc. Also denke ich, auch die Intensität/Besucherfrequenz eines Betriebes ist ein Punkt, ob jemand etwas merkt oder nicht.

Traurig ist es allemal, wenn eben gar niemand da ist oder wenn man kein Umfeld hat, wo so etwas auffällt oder bemerkt würde.


Im Gegenzug gibt es aber die Kultur, die sofort die Polizei anruft, möglichst anonym, anstatt einfach mal selber im direkten Gespräch etwas zu klären versucht. Oder eben bei Kleinigkeiten sofort mit Anwalt und Klage droht.

Wir haben das Mittelmaß verlernt, scheint es mir.


Wie gesagt, den aktuellen Fall kenne ich nicht.

Und genau das kennen wir auch, leider.
Unsere Schweine haben Auslauf und sind für jeden sichtbar, der an unserem Hof vorbeifährt oder läuft. Schon zwei- oder dreimal kam der Kantonstierarzt vorbei. Er hätte Meldung bekommen, weil die Schweine angeblich nicht artgerecht gehalten würden. Er war früher unser Tierarzt und kennt unseren Betrieb gut, aber er müsse der Sache trotzdem nachgehen. Er konnte dann zurückmelden, dass alles in bester Ordnung ist und den Vorschriften entspreche. Inzwischen wissen wir, dass es immer die gleiche Person war, welche die Meldung gemacht hat. Eine Spaziergängerin vom Dorf, welche ab und zu hier mit ihrem Hund durchläuft, und sowieso dagegen ist, dass man überhaupt Tiere hält - zumindest Nutztiere. Unseren Lehrling hat sie einmal darauf angesprochen, dass es verboten sein sollte, Mastschweine zu halten.
Als dann Göga dazukam, ist sie schnell davongelaufen. Eben, direkt das Gespräch zu suchen, das getrauen sich wiederum viele nicht. Wenn wir sie wieder einmal sehen, werde wir wohl einmal unsererseits das Gespräch suchen ... ::)

Und dass der Hund dieser (berufstätigen) Dame den ganzen Tag in der Wohnung eingesperrt ist, das ist dann tierschutzgerecht!

Offline Ricka

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Ich kenne zwar die Hintergründe dieses Falls nicht aber war denn der Hof so dermaßen abgelegen das niemand mitbekommen hat das da 150 Tiere verhungern die müßten doch meiner Meinung nach die ganze Nachbarschaft zusammengebrüllt haben vor Hunger.